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5. Juni 1305
Bertrand de Got wird als Clemens V. zum Papst gewählt 

Perugia * Nach einem fast elfmonatigen Konklave wählen die Kardinäle den Erzbischof von Bordeaux, Bertrand de Got, zum Papst. Er nimmt den Namen Clemens V. an. Seine Wahl beendet die langwierigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Parteien im Kardinalskollegium. 

Clemens reist nicht nach Rom, sondern lässt sich am 14. November 1305 in Lyon krönen. König Philipp IV. von Frankreich nimmt an der Zeremonie teil. Der neue Papst steht in den folgenden Jahren unter starkem französischem Einfluss, verfolgt jedoch auch eigene kirchenpolitische Ziele. Erst 1309 lässt sich der päpstliche Hof in Avignon nieder. 

Vermutlich August 1307
Clemens V. erörtert eine Vereinigung von Templern und Johannitern 

Poitiers * Papst Clemens V. greift den Plan auf, den Templerorden und den Johanniterorden zu vereinigen. Die Überlegungen stehen im Zusammenhang mit der Vorbereitung eines neuen Kreuzzugs. 

Templergroßmeister Jacques de Molay lehnt die Zusammenlegung ab. Er befürchtet Streitigkeiten zwischen den Ordensgemeinschaften und Nachteile für ihre unterschiedlichen Aufgaben. Eine Vereinigung kommt nicht zustande. 

24. August 1307
Clemens V. kündigt eine Untersuchung der Templervorwürfe an 

Poitiers * Papst Clemens V. informiert König Philipp IV. von Frankreich über eine Untersuchung der Anschuldigungen gegen den Templerorden. Großmeister Jacques de Molay und weitere Ordensvertreter haben selbst um eine Prüfung gebeten, um die kursierenden Vorwürfe auszuräumen. 

Die französische Krone wartet das päpstliche Vorgehen jedoch nicht ab. Am 14. September befiehlt Philipp IV. die Festnahme der Templer und die Beschlagnahme ihrer Güter. Mit der landesweiten Verhaftungsaktion vom 13. Oktober schafft er vollendete Tatsachen. 

13. Oktober 1307
Philipp IV. lässt die Templer in ganz Frankreich verhaften 

Paris - Königreich Frankreich * Im Morgengrauen beginnt eine landesweit vorbereitete Verhaftungsaktion gegen den Templerorden. Königliche Amtsträger nehmen die Ordensbrüder fest, beschlagnahmen ihre Güter und stellen die Niederlassungen unter königliche Kontrolle. Auch Großmeister Jacques de Molay gerät im Pariser Temple in Gefangenschaft. Die überraschende Aktion trifft den Orden weitgehend unvorbereitet; ein organisierter bewaffneter Widerstand bleibt aus. 

Die Grundlage bildet ein geheimer Befehl König Philipps IV. vom 14. September 1307, dem Fest der Kreuzerhöhung. Darin ordnet er die Festnahme aller Templer seines Königreichs sowie die Sicherstellung ihres beweglichen und unbeweglichen Besitzes an. Die königlichen Amtsträger sollen die Gefangenen für ein kirchliches Verfahren festhalten. 

Das Schreiben schildert die angeblichen Vergehen in einer betont empörten Sprache. Den Templern wird vorgeworfen, bei ihrer Aufnahme Christus zu verleugnen, auf das Kreuz zu spucken und sich obszönen Handlungen zu unterziehen. Hinzu kommen Anschuldigungen wegen sexueller Beziehungen zwischen Ordensbrüdern. Philipp stellt diese Behauptungen als glaubwürdig übermittelte Verbrechen dar, obwohl ihre gerichtliche Prüfung noch aussteht. 

Mit seinem Vorgehen greift der König der bereits angekündigten päpstlichen Untersuchung vor. Der Orden untersteht unmittelbar dem Papst, weshalb Clemens V. den eigenmächtigen Zugriff als Eingriff in seine Zuständigkeit betrachtet. Am 27. Oktober protestiert er gegen die Verhaftungen, die Folter und die Einziehung des Ordensvermögens. 

In Paris beginnen am 19. Oktober die Verhöre der Gefangenen. Das erhaltene Verhörprotokoll erfasst die Aussagen von 138 Templern, darunter Jacques de Molay. Unter dem Druck der Haft, von Drohungen und Folter kommen zahlreiche Geständnisse zustande. Sie bilden eine wesentliche Grundlage des weiteren Verfahrens, sind jedoch keine verlässlichen Beweise für die behaupteten Praktiken. 

Die Verhaftungen leiten die offene Verfolgung des Templerordens in Frankreich ein. Der Orden ist damit noch nicht aufgehoben; darüber entscheidet erst Papst Clemens V. im Jahr 1312. 

27. Oktober 1307
Clemens V. protestiert gegen das königliche Vorgehen gegen die Templer 

Poitiers * Papst Clemens V. protestiert in einem Schreiben an König Philipp IV. gegen die eigenmächtige Verhaftung der Templer. Da der Orden unmittelbar dem Papst untersteht, betrachtet Clemens den königlichen Zugriff als Verletzung seiner Zuständigkeit und der Rechte der römischen Kirche. 

Sein Protest richtet sich auch gegen die angewandte Folter und die Einziehung des Ordensvermögens. Der Papst beansprucht die Kontrolle über die Untersuchung und verlangt, dass die Gefangenen und ihre Güter seiner Verfügung übergeben werden. Damit tritt der Konflikt zwischen französischer Krone und Papsttum über die Führung des Verfahrens offen hervor. 

Um Februar 1308
Clemens V. setzt die inquisitorischen Verfahren gegen die Templer aus 

Poitiers - Frankreich * Papst Clemens V. suspendiert die Vollmachten der Inquisitoren in der Templerangelegenheit. Nach den Widerrufen führender Ordensmitglieder wachsen seine Zweifel am bisherigen Vorgehen. Zugleich beanstandet er das nicht autorisierte Eingreifen und beansprucht die Kontrolle über das Verfahren. 

Die Maßnahme führt jedoch nicht zur Freilassung der Gefangenen. Die Templer bleiben in königlicher Haft, und Philipp IV. setzt seinen politischen Druck auf den Papst fort. Über Schuld oder Unschuld des Ordens ist damit noch nicht entschieden. 

März 1308
Philipp IV. verstärkt den Druck auf Clemens V. 

Frankreich - Poitiers * Nach der Aussetzung der inquisitorischen Verfahren erhöht König Philipp IV. den Druck auf Papst Clemens V. Königliche Berater stellen dessen Zögern als Vernachlässigung seiner Pflicht zur Bekämpfung der Ketzerei dar. Sie drohen ihm damit indirekt den Vorwurf an, Häretiker zu begünstigen. Der König verlangt ein entschiedenes Vorgehen gegen den Templerorden. 

Ab 28. Juni 1308
Clemens V. hört die ausgewählten Templer an 

Poitiers * Bis zum 2. Juli 1408 vernehmen Papst Clemens V. und seine Beauftragten die 72 vorgeführten Templer. Die Gefangenen wiederholen belastende Aussagen und bitten um Vergebung. Als reuigen Beschuldigten gewährt ihnen der Papst die kirchliche Absolution. 

Die Anhörungen beeinflussen das weitere Vorgehen gegen den Orden. Die Absolution der einzelnen Brüder entscheidet jedoch weder über die Schuld des gesamten Ordens noch über seinen Fortbestand. 

Suchbegriffe: Templer
Personen: Clemens V. Papst
5. Juli 1308
Clemens V. erneuert die Vollmachten der Inquisitoren 

Poitiers * Papst Clemens V. hebt die zuvor verfügte Suspendierung der inquisitorischen Vollmachten in der Templerangelegenheit auf. Damit ermöglicht er die Fortsetzung der Untersuchungen. Das weitere Vorgehen unterscheidet zwischen der Prüfung der Schuld einzelner Ordensbrüder und der Untersuchung des Templerordens als Institution. 

Suchbegriffe: Templer
Personen: Clemens V. Papst
17. August 1308
Päpstliche Kardinäle vernehmen die Templerführung in Chinon 

Chinon * Im Auftrag von Papst Clemens V. hören die Kardinäle Bérenger Frédol, Étienne de Suisy und Landolfo Brancaccio bis zum 20. August die gefangenen Ordensführer an. Zu den Befragten gehören Großmeister Jacques de Molay und Hugues de Pairaud. 

Nach ihren Aussagen, der Abschwörung der ihnen vorgeworfenen Glaubensverfehlungen und ihrer Bitte um Vergebung erteilen die Kardinäle ihnen die kirchliche Absolution. Die Würdenträger werden damit wieder zur kirchlichen Gemeinschaft und zu den Sakramenten zugelassen. Das Verfahren gegen den Orden bleibt offen. 

März 1309
Papst Clemens V. lässt sich in Avignon nieder 

Avignon * Papst Clemens V. nimmt mit seinem Hof Aufenthalt in Avignon. Damit beginnt die bis 1377 dauernde Epoche des avignonesischen Papsttums. Die Stadt gehört zu diesem Zeitpunkt nicht zum französischen Königreich, sondern steht unter der Herrschaft des Königs von Neapel. 

Die Nähe zu Frankreich verstärkt den Einfluss der französischen Krone auf die päpstliche Politik. Das Papsttum bleibt jedoch eine eigenständige Macht mit einem universalen kirchlichen Führungsanspruch. Erst 1348 erwirbt Papst Clemens VI. die Stadt Avignon. 

Suchbegriffe: Rom, Avignon
Personen: Clemens V. Papst
Ab 8. August 1309
Die päpstliche Kommission eröffnet ihre Untersuchung gegen den Templerorden 

Paris * In der Abtei Sainte-Geneviève nimmt die von Papst Clemens V. eingesetzte Kommission ihre Arbeit auf. Unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Narbonne, Gilles Aycelin, soll sie die Anschuldigungen gegen den Templerorden als Institution untersuchen. Die Verfahren gegen einzelne Ordensbrüder bleiben davon getrennt. 

Die Kommission lässt gefangene Templer aus dem französischen Königreich zur Teilnahme vorladen. Sie sollen Aussagen machen und erhalten Gelegenheit, den Orden zu verteidigen. Die eigentlichen Anhörungen beginnen erst im November 1309. 

22. März 1312
Papst Clemens V. hebt den Templerorden auf

Avignon * Ungeachtet der Konzilsmeinung hebt Papst Clemens V. den Templerorden durch die Bulle „Vox in excelso“ auf.

  • In der Begründung heißt es, dass allein schon durch den nunmehr schlechten Ruf des Ordens eine derartige Maßnahme notwendig sei, um weiteren Schaden von der Gesamtkirche abzuwenden.
  • Anschließend übereignet der Papst durch die Bulle „Ad providam“ die Güter des Ordens den Johannitern.
  • In Deutschland übernimmt der Deutschherrenorden den Templer-Reichtum für sich.

Doch der Vollzug dieser Anordnung geht nur langsam vonstatten, und in Frankreich eignet sich König Philipp den größten Teil des verfügbaren Besitzes an, da er für die Abwicklung des Prozesses entsprechende Rechnungen stellt.

18. März 1314
Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay werden verbrannt

Avignon - Paris * Die Verfügungsgewalt über die höchsten Würdenträger des Templer-Ordens hat sich der Papst vorbehalten. Sie werden von einem Kardinalskollegium zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwei von ihnen, der Großmeister Jacques de Molay und der Praeceptor der Normandie, Geoffroy de Charnay, pochen auf ihre Unschuld und lehnen das Urteil ab.

Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay werden - ohne Rücksicht auf den Papst - noch am gleichen Tag auf der Ile de la Cité in Paris verbrannt. Der letzte Templer-Großmeister soll den Papst und den König noch auf dem Scheiterhaufen verflucht haben, weshalb Clemens V. später „der verfluchte Papst“ genannt wird. Der Templer-Prozess ist bis heute einer der ganz großen Justizskandale geblieben. Dem Templer-Orden wurde bis zum heutigen Tage keine Genugtuung erteilt.

Das Hauptziel der Verfolgung der Tempelherren durch König Philipp „dem Schönen“, sich das bewegliche Vermögen des Ritterordens anzueignen, war allerdings gescheitert. Der sagenhafte Schatz der Templer wird nie gefunden, sein Verbleib nie geklärt. Das bildet wiederum die Grundlage für eine Vielzahl von Spekulationen. Und kein Orden bot so viel Anlass zu Spekulationen wie der der Templer.

Durch ihr Engagement im Heiligen Land kamen die Tempelritter mit Traditionen der jüdischen Welt, des Islam und nicht zuletzt der Antike in Berührung, die ihren mittelalterlichen Horizont enorm erweiterten. Ihre beachtlichen Erfolge auf technischem und finanziellem Gebiet lassen sich darauf zurückführen. Sie entwickelten ein eigenes Weltbild, das höchstwahrscheinlich als Fernziel die Vereinigung der monotheistischen Religionen anstrebte. 

Gleichzeitig musste der Ritter-Orden erkennen, dass sein neu erworbenes Wissen für das abergläubische mittelalterliche Europa noch nicht nachvollziehbar war und deshalb Schwierigkeiten heraufbeschwören musste. So wurde vieles geheim gehalten, und aus diesen Geheimnissen entstanden sowohl die „Arroganz der Wissenden“ als auch viele Legenden.

1705
Ein moderner Tempelorden beruft sich auf die Templer 

Frankreich * Philipp II., Herzog von Orléans und späterer Regent Frankreichs, lässt Statuten für einen modernen „Orden vom Tempel“ verkünden. Die Gemeinschaft versteht sich als Fortsetzung des mittelalterlichen Templerordens und erhebt den Anspruch, dessen Tradition im Verborgenen bewahrt zu haben. 

Eine ununterbrochene Verbindung zum historischen Templerorden lässt sich jedoch nicht belegen. Dieser ist 1312 von Papst Clemens V. aufgehoben worden. Auch seine angebliche Fortexistenz in Schottland, Portugal und Norditalien gehört weitgehend zur späteren neotemplerischen Überlieferung. In Portugal übernimmt vielmehr der 1319 gegründete Christusorden einen Teil des ehemaligen Templerbesitzes und zahlreiche frühere Ordensmitglieder.