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2000
0 Chronik 2026
6. Oktober 1880
Wiggerl Greiner wird im „Gasthaus zum Rheingold“ geboren

München-Isarvorstadt * Ludwig „Wiggerl“ Greiner wird in München geboren. Seine Eltern, Johann und Katharina Greiner, führen im „Henkergassl“, der heutigen Pestalozzistraße, das „Gasthaus zum Rheingold“. Dort wächst Wiggerl inmitten des lebhaften Wirtshausbetriebs auf.

Januar 1908
Wiggerl und Therese Greiner übernehmen das „Feuerhaus“

München-Angerviertel * Ludwig „Wiggerl“ Greiner und seine Ehefrau Therese übernehmen das Gasthaus „Zum Feuerhaus“ am Oberanger. Das Wirtshaus liegt unmittelbar neben der Hauptfeuerwache und entwickelt sich unter ihrer Leitung zu einem beliebten Treffpunkt.

8. Februar 1908
Ludwig und Therese Greiner erfinden den „Skelett-Gigerl“

München-Angerviertel * Auf der Suche nach einer Unterkunft klopft Karl Valentin auch an die Tür der Gastwirtschaft „Zum Feuerhaus“. „Mit an Stösser am Kopf, an Schirm am Arm und mit a großen Ledermappen“ erscheint der Volkssänger bei Ludwig „Wiggerl“ und Therese Greiner.

Die Wirtsleute haben noch ein kleines Kammerl frei. Es ist allerdings nur über das Schlafzimmer des frisch verheirateten Ehepaars zu erreichen. Therese Greiner fragt Valentin, ob ihn das störe. Ihn kümmert es nicht – noch am selben Tag zieht er als „Zimmerherr“ bei den Greiners ein und bleibt dort bis zum 5. Mai 1908.

Wiggerl und Therese bringen Karl Valentin auf die Straße des Erfolgs. Sie erfinden die neue Bühnenfigur, den „Skelett-Gigerl“; Therese Greiner näht ihm die hautengen und viel zu kurzen Klamotten, die sein ausgezehrtes, klapperdürres Gestell in unnachahmlicher Weise zur Geltung bringen. 

Da Wiggerl Greiner Klavier spielt und Karl Valentin musikalisch begleiten kann, entwickelt sich rasch eine enge Freundschaft. Sie hält über Jahrzehnte hinweg.

1916
An der Vogesenfront wird Wiggerl Greiner zum Frontunterhalter

Vogesen * Ludwig „Wiggerl“ Greiner wird an die Vogesenfront versetzt. Dort entwickelt er sich zu einem vielseitigen Unterhalter für seine Kameraden. Er arbeitet als Kriegszeichner, Stabskoch, Fronttheaterspieler, Schriftenmaler in der Friedhöfe-Abteilung, Kinooperateur, Witzeerzähler und Alleinunterhalter. Dabei kommen ihm seine Erfahrungen als Unterhaltungsmusiker sowie als Komponist und Liedtexter zugute.

Als Mitarbeiter der ersten deutschen Schützengrabenzeitung „Der bayerische Landwehrmann“ trägt Greiner mit seinen Bildgeschichten zur Unterhaltung der Soldaten bei. Mit feinem Humor greift er Alltagssituationen an der Front auf und kommentiert sie zeichnerisch. Seine Arbeiten zeigen das Leben der Soldaten ebenso wie die Zerstörungen in den Dörfern und Landschaften der Vogesen.

1917
Wiggerl Greiner baut das „Theater an der Düna“ mit auf

Livland * Während seines Kriegseinsatzes in Livland wirkt Ludwig „Wiggerl“ Greiner maßgeblich am Aufbau des „Theaters an der Düna“ mit. Aus einem einfachen Stadel entsteht unter seiner Mitwirkung als Zeichner und Maler eine kleine Theaterbühne, die den Soldaten Abwechslung und Unterhaltung bietet.

Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ berichten 1918 darüber: „Aus einem einfachen Stadel wurde an der Düna unter Mithilfe des Zeichners und Malers W. Greiner ein kleines Theater mit hübscher Bühne geschaffen. Gespielt werden in bunter Reihenfolge komische Szenen, Moritaten und andere lustige Sachen in Abwechslung mit Duetten und Solovorträgen.“

September 1921
Karl Valentin und Wiggerl Greiner begeistern mit der „Froschbahn“

München-Ludwigsvorstadt * Beim ersten Oktoberfest nach dem Ersten Weltkrieg und der Revolution sorgen Karl Valentin und Ludwig „Wiggerl“ Greiner für eine besondere Attraktion. Gemeinsam bauen sie die „Froschbahn“, die Valentin auf der Wiesn betreibt.

Das „neue Juxunternehmen auf der Festwiese“ wirbt mit dem Motto: „Alles zittert! Alles springt! Alles treppelt! Alles hüpft! Alles skit!“ Besucherinnen und Besucher können sich nicht nur an der ungewöhnlichen Bahn vergnügen, sondern auch zur „Frosch-Trott-Polka“ tanzen.

1. August 1924
„Der Maßkrug“ erscheint mit Illustrationen von Wiggerl Greiner

München * Michl Ehbauer veröffentlicht erstmals die monatlich erscheinende humoristische Zeitschrift „Der Maßkrug“. Ludwig „Wiggerl“ Greiner wirkt als Maler und Zeichner maßgeblich an dem neuen Blatt mit.

Im „Maßkrug“ erscheint auch Ehbauers literarisches Hauptwerk, die „Baierische Weltgschicht“ – eine biblische Geschichte in bairischer Mundart. Die Illustrationen dazu stammen von Wiggerl Greiner und prägen den unverwechselbaren Charakter der Veröffentlichung.

11. Juni 1925
Die letzte Ausgabe des „Maßkrugs“ erscheint

München * Mit der letzten Ausgabe endet die Geschichte der humoristischen Zeitschrift „Der Maßkrug“. Über mehrere Jahre prägt Ludwig „Wiggerl“ Greiner das Blatt mit seinen Zeichnungen und Illustrationen entscheidend mit und verleiht ihm seinen unverwechselbaren künstlerischen Charakter.

3. Mai 1956
Der Karl-Valentin-Erfinder Ludwig Greiner stirbt

München-Giesing * Ludwig „Wiggerl“ Greiner, der „Erfinder“ von Karl Valentin stirbt. Der Münchner Grafiker, Bühnenbildner und Theatermaler schuf zu fast allen Szenen Karl Valentins Plakate und Zeichnungen. Sein Humor war höchst inspirierend. Zu allen Ideen Valentins hatte er die passenden Einfälle. Ein Leben lang befruchteten sich die beiden gegenseitig.

Er stirbt vollständig taub. Als Ursache seiner Taubheit gilt eine Ohrverletzung, die er als Schüler durch eine Ohrfeige seines Religionslehrers erlitten haben soll, nachdem er dem Gottesdienst ferngeblieben war.