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Ab März 1096
Der Volkskreuzzug und die Gewalt gegen jüdische Gemeinden 

Frankreich, Mittel- und Südosteuropa * Noch vor dem von Papst Urban II. vorgesehenen Aufbruchstermin ziehen erste Gruppen in Richtung Konstantinopel. Diese frühe, später als Volks- oder Bauernkreuzzug bezeichnete Bewegung besteht aus Menschen unterschiedlicher Herkunft: Neben Bauern, Handwerkern und Stadtbewohnern nehmen auch Geistliche, Ritter und Angehörige des niederen Adels teil. Viele verkaufen oder verpfänden ihren Besitz, um die lange Reise zu finanzieren; andere lassen ihre bisherige Existenz nahezu unvorbereitet zurück. 

Die Beweggründe sind vielfältig. Religiöse Überzeugung, die Hoffnung auf Sündenvergebung und eine ausgeprägte Endzeiterwartung verbinden sich mit Abenteuerlust, sozialen Nöten und teilweise auch materiellen Interessen. Die kaum organisierten und schlecht versorgten Züge geraten unterwegs wiederholt in Konflikte. Einige scheitern bereits in Ungarn und auf dem Balkan; andere erreichen Konstantinopel und setzen nach Kleinasien über, wo der größte Teil des Volkskreuzzugs im Oktober 1096 von seldschukischen Truppen vernichtet wird. 

Noch vor dem Aufbruch ins Heilige Land entlädt sich die religiös aufgeheizte Stimmung auch gegen die jüdische Bevölkerung Europas. Im Frühjahr 1096 überfallen Kreuzfahrergruppen, besonders die Gefolgschaft des Grafen Emicho, jüdische Gemeinden im Rheinland. In Speyer, Worms, Mainz und weiteren Städten werden Tausende Menschen beraubt, zur Taufe gezwungen oder ermordet. Einige Bischöfe und weltliche Herrscher versuchen, die Verfolgten zu schützen, können die Gewalt jedoch nicht aufhalten. 

Die Pogrome werden durch den seit Jahrhunderten verbreiteten christlichen Antijudaismus begünstigt. Juden gelten vielen Christen fälschlich als gemeinschaftlich verantwortlich für den Tod Jesu. Religiöser Fanatismus, Habgier und die Verschuldung einzelner Täter bei jüdischen Geldgebern verstärken die Gewalt. Die Massaker von 1096 bilden eines der dunkelsten Kapitel der Kreuzzugsgeschichte. 

Suchbegriffe: Templer, Kreuzzug, Juden
27. Februar 1919
Faulhaber reagiert mit einem antijudaistischen Vorwurf auf Landauers Trauerrede 

München-Kreuzviertel * Erzbischof Michael von Faulhaber weist Gustav Landauers Würdigung Kurt Eisners zurück. Landauer vergleicht den Ermordeten in seiner Trauerrede mit Jesus und Jan Hus – Menschen, die wegen ihrer Überzeugungen verfolgt und getötet werden. 

Faulhaber empfindet diesen Vergleich als Gotteslästerung. In seinem Tagebuch schreibt er über Eisner, dieser „war ein Teil von jener Kraft, die Jesus gekreuzigt hat, nicht aber von Jesus selber“. 

Damit greift Faulhaber auf den traditionellen antijudaistischen Vorwurf einer kollektiven jüdischen Schuld am Tod Jesu zurück und richtet ihn gegen den ermordeten Ministerpräsidenten jüdischer Herkunft. Seine Reaktion verdeutlicht, wie eng sich seine Ablehnung der Revolution mit religiös begründeten judenfeindlichen Vorstellungen verbindet.