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Der Franziskanerorden wird als erster Bettelmönchsorden gegründet

San Damiano * Der Franziskanerorden - als erster Bettelmönchsorden - wird gegründet. Franz von Assisi wandelt das benediktinische Gelübde der Armut in ein Gelübde des Bettelns um und schließt damit eine Lücke im System der katholischen Kirche. Er verkündet völlige Armut und politische Machtlosigkeit und lehnt jede hierarchische Unterordnung innerhalb des Ordens ab.

Die Franziskaner gehen barfuß, verfügen weder über Grundbesitz noch Vermögen, ihre Kleidung besteht aus einem groben grauen Umhang mit einer Kapuze, der mit einem Strick zusammengehalten wird. So gekleidet unterscheiden sie sich kaum von den damals populären Wanderpredigern. Nur für den täglichen Bedarf dürfen die Mönche betteln, doch außer für kranke Mitbrüder kein Geld annehmen.

Besonders die Schichten der städtischen Bewohner, die sich früher wahrscheinlich den Ketzern zugewandt hätten, geraten nun in den Bannkreis der Minoriten, die für sie das Ideal einer am Urchristentum orientierten Kirche verkörpern.

Obwohl die Franziskaner von einer Woge des im Volk populären Armutsideal emporgetragen worden sind, nimmt sie die Kirche dennoch nur schrittweise auf.

1210
Franziskus und seine Brüder erhalten päpstliche Anerkennung 

Assisi - Rom * Papst Innozenz III. billigt die Lebensweise des Franziskus von Assisi und seiner Gefährten. Damit erhält die Gemeinschaft, aus der der Franziskanerorden hervorgeht, kirchliche Anerkennung. Die „Minderen Brüder“, lateinisch „Fratres Minores“, gehören zu den prägenden Bettelorden des Mittelalters. 

Ihr Ideal ist ein Leben nach dem Evangelium: ohne Eigentum, in Demut und in Gemeinschaft mit den Armen. Die Brüder bestreiten ihren Lebensunterhalt durch Arbeit und Almosen. Ihre einfache Kleidung aus grobem Stoff wird von einem Strick zusammengehalten. Viele gehen barfuß. 

Franziskus verbindet sein Armutsideal mit der Treue zur Kirche. Die Gemeinschaft versteht sich als Bruderschaft, besitzt jedoch Leitungsämter. Deren Inhaber sollen ihre Aufgabe als Dienst an den anderen Brüdern wahrnehmen. 

Ab 1226
Im Franziskanerorden verschärft sich der Streit um die Armut 

Italien * Nach dem Tod des Franz von Assisi verschärfen sich im Franziskanerorden die Auseinandersetzungen über das Armutsideal des Gründers. Ein Teil der Brüder fordert strikte Besitzlosigkeit, andere streben Regelungen an, die den Aufbau dauerhafter Klöster und die Aufgaben des wachsenden Ordens ermöglichen. Aus diesen Gegensätzen entwickelt sich ein langwieriger Armutsstreit. 

1. Mai 1501
Der Orden erhält seinen Namen und das vierte Gelübde 

Rom * Die Gemeinschaft heißt nun Orden der Mindesten Brüder („Minimen“, später auch „Paulaner“). Sie einigt sich auf eine Regel für das gemeinsame Zusammenleben. Damit ist der Grundstein für einen Bettelorden gelegt. 

  • Sie wollen die Geringsten unter den Söhnen des heiligen Franz von Assisi sein und nennen sich deshalb zunächst Eremiten des heiligen Franziskus. 
  • Da die Ordensmitglieder die Regeln des Quadragesimalfastens auf ihr ganzes Leben ausdehnen, müssen sie neben den drei üblichen Gelübden Keuschheit, Armut und Gehorsam noch ein viertes, nämlich das der Enthaltung von Fleischspeisen ablegen. 
  • Das Fastengelübde besagt, dass sie sich nicht vom Fleisch und von allem, was vom Fleische kommt, ernähren dürfen. Damit sind ihnen nicht nur Fleisch und Wurst, sondern auch Milch, Butter und Eier strengstens untersagt. Da bleibt also nur Brot, Fisch, Gemüse, Salat, Wein und Bier.