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21. Februar 1919
Ein Zentralrat übernimmt unter Ernst Niekisch die politische Führung

München-Kreuzviertel * Nach der Ermordung Kurt Eisners und den Schüssen im Landtag bildet sich ein zunächst elfköpfiger „Zentralrat der Bayerischen Republik“. Ihm gehören Vertreter der Mehrheitssozialdemokraten, der USPD, der KPD und des Bayerischen Bauernbunds aus den verschiedenen Rätegremien an. 

Zum Vorsitzenden wird Ernst Niekisch gewählt. Der 29-jährige Volksschullehrer und Mehrheitssozialdemokrat ist als Vorsitzender des Augsburger Arbeiter- und Soldatenrats sowie als Mitglied des Landesarbeiterrats hervorgetreten. Trotz seiner Parteizugehörigkeit befürwortet er eine starke Stellung der Räte und soll zwischen den unterschiedlichen Strömungen vermitteln. 

Der auch als „Elfmännerausschuss“ bezeichnete Zentralrat versteht sich als Übergangsorgan. Er beansprucht, bis zur politischen Neuordnung die Regierungsgewalt auszuüben und die Errungenschaften der Revolution zu sichern. Zu seinen ersten Maßnahmen gehören ein dreitägiger Generalstreik, die Bewaffnung des Proletariats und die Einberufung eines bayernweiten Rätekongresses. 

Damit entsteht eine neue Machtzentrale neben den verbliebenen Ministerien. Über das künftige Verhältnis zwischen Räten und gewähltem Landtag ist jedoch noch nicht entschieden. Eine Räterepublik wird an diesem Tag noch nicht ausgerufen.

11. April 1919
Die Betriebsräte sprechen der Räteregierung das Vertrauen aus

München-Graggenau * Auf einer Massenversammlung im Hofbräuhaus sprechen Erich Mühsam, Ernst Toller, Gustav Landauer und Max Levien.

  • Ernst Toller gibt bekannt, dass die Entwaffnung der Bourgeoisie ebenso fortschreitet wie die Bewaffnung des Proletariats.
  • Gustav Landauer verteidigt die Ausrufung der Räterepublik.
  • Erich Mühsam bekennt sich zur ablehnenden Haltung der KPD zur sozialistischen Räterepublik, kritisiert aber ihren gegenwärtigen Boykott in aller Schärfe.
  • Max Levien erklärt erneut, warum sich die KPD nicht an der Räteregierung beteiligt.
  • Als Werner Fröhlich die Spaltung der sozialistischen Parteien verteidigt, kommt es zu Tumulten. Selbst KPD-Mitglieder wenden sich gegen die unversöhnliche Haltung ihrer Parteizentrale.

Ein Antrag der Betriebsräte, der gegenwärtigen Räteregierung das Vertrauen auszusprechen, wird mit überwältigender Mehrheit angenommen. Erich Mühsam stimmt allerdings dagegen.