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Um 1850
Der Masskrug wird zum Werbeträger 

München * Die Münchner Brauereien statten Gaststätten, Bierhallen und Biergärten zunehmend mit eigenen Masskrügen aus. Die zunächst unbeschrifteten Gefäße bestehen überwiegend aus grauem Steinzeug. Bald versehen die Brauereien ihre Krüge mit Namenszügen oder Firmenzeichen. Diese Markierungen dienen zunächst als Eigentumsnachweis, entwickeln sich jedoch gegen Ende des Jahrhunderts zu einem wichtigen Werbemittel. 

Die Gestaltung wird immer aufwendiger. Einfache, vor dem Brennen eingeritzte Schriftzüge weichen plastischen Emblemen, Stempeln und farbigen Aufdrucken. Die Brauereien versuchen, ihre Krüge durch auffällige Beschriftungen und Verzierungen unverwechselbar zu machen. 

Gleichzeitig setzt sich der deckellose Steinzeugkrug durch. Er ist preiswerter herzustellen und leichter zu reinigen, da die Kosten für Zinndeckel, Scharniere und deren Montage entfallen. Brauereien und Wirte fördern deshalb seine Verwendung im alltäglichen Ausschank. Krüge mit Zinndeckel bleiben vor allem als persönliche Trinkgefäße, Erinnerungsstücke und repräsentative Schmuckkrüge erhalten. 

September 1895
Die Armbrustschützengilde Winzerer Fähndl erhält eine Bierburg

München-Theresienwiese * Der Verein Winzerer Fähndl bekommt für seine Beteiligung am Wiesnumzug das Recht eingeräumt, eine eigene Bierbude auf dem Oktoberfest zu bewirtschaften. Dafür wird ein Vertrag mit der Thomas-Brauerei geschlossen. Die Bierbude entsteht neben der Oktoberfest-Zielstatt für das Adler-, Stern- und Scheibenschießen der Armbrustschützengilde Winzerer Fähndl. 

Die Festburg Winzerer Fähndl ist die erste große Bierhalle auf der Theresienwiese, die außerhalb des bisherigen Wirtsbudenrings Aufstellung findet. Ein 26 Meter hoher Lueg-ins-Land überragt sie. Seine Vorderfront ziert eine riesige Darstellung eines Geharnischten, der einen Humpen Thomasbräubier schwenkt.

September 1898
Georg Lang erhält die Genehmigung für ein Großzelt

München-Ludwigsvorstadt * Der Münchner Stadtmagistrat genehmigt dem aus Nürnberg stammenden „Krokodilwirt“ Georg Lang bei nur einer Gegenstimme die Errichtung eines Großzelts auf der Theresienwiese. Dabei erfüllt Lang mehrere der geltenden Zulassungsbedingungen nicht: 

  • Er stammt nicht aus München, 
  • bewirtschaftet den Ausschank nicht selbst und 
  • benötigt für seine Halle die Fläche von fünf herkömmlichen Wirtsbuden. 

Die fünf Standplätze lässt er von zugelassenen Münchner Wirten ersteigern, die als Strohmänner für ihn auftreten. Noch 1881 weist der Magistrat einen vergleichbaren Antrag des Festwirts Michael Schottenhamel zurück. Mit der nun erteilten Genehmigung schafft die Stadt eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung der großen Bierhallen auf dem Oktoberfest.

September 1898
Die „1. Bayerische Riesenhalle“ entsteht

München-Ludwigsvorstadt * Auf fünf zusammengelegten Wirtsbudenplätzen errichtet Georg Lang seine „1. Bayerische Riesenhalle“. Das etwa 2.000 Quadratmeter große Festzelt bietet rund 6.000 Gästen Platz und übertrifft die bisherigen Bierhallen auf der Theresienwiese deutlich. 

Die neue Halle ist auf die Bewirtung großer Menschenmengen und einen hohen Bierumsatz ausgerichtet. Lang überträgt damit seine Erfahrungen als Festgastronom auf das Oktoberfest und setzt einen neuen Maßstab. Weil Bau und Betrieb solcher Großzelte erhebliche finanzielle Mittel erfordern, gewinnen die Brauereien als Geldgeber und Träger der Festhallen zunehmend an Bedeutung.

Oktober 1909
In zwölf Großgaststätten werden Kinofilme gezeigt

München * In zwölf Großgaststätten werden Kinofilme gezeigt:

  • im Gasthaus Herzogpark an der Mauerkirchener Straße,
  • im Mühldorfer Hof an der Einsteinstraße,
  • in den Unionsbräuhallen an der Einsteinstraße,
  • im Münchner-Kindl-Keller an der Rosenheimer Straße,
  • im Franziskaner-Keller an der Hochstraße,
  • im Salvatorkeller an der Hochstraße,
  • im Bergbräukeller an der Tegernseer Landstraße,
  • in den Bergbräubierhallen an der Bergstraße im Münchner Osten und
  • im Schwabingerbräu an der Leopoldstraße,
  • in der Gaststätte zur Blüte in der Blütenstraße,
  • im Alten Hackerkeller an der Bayerstraße und
  • im Neuen Hackerkeller auf der Theresienhöhe im Westen.
17. September 1910
Das Oktoberfest wird 100 Jahre alt

München-Theresienwiese * Das 100. Jubiläums-Oktoberfest wird eröffnet. Gleichzeitig findet das Zentral-Landwirtschaftsfest statt. Organisiert wird die Festlichkeit ausschließlich vom Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt.

  • Zehn Bierhallen bilden das Wahrzeichen des Oktoberfestes.  
  • Auf dem Oktoberfest gibt es die Nummer „La Course á la Mort“ zu bewundern. Todesmutige Fahrradfahrer radeln in einer Stahlkonstruktion direkt über den Mäulern von hungrigen und gefährlichen Löwen.  
  • Carl Gabriels Teufelsrad dreht sich erstmals auf der Wiesn. 
  • Die Feierlichkeiten auf der Jubiläums-Wiesn dauern bis zum 2. Oktober. 
25. November 1917
Der schnellste und sicherste Weg zum Frieden

München-Isarvorstadt * Kurt Eisner spricht auf einer USPD-Versammlung in den Kolosseum-Bierhallen vor rund 200 Anwesenden über seine Vorstellung der raschen Beendigung des Krieges.

Obwohl die Veranstaltung von der Polizei überwacht wird, ruft er zum Sturz der bestehenden Regierungen auf. Der schnellste und sicherste Weg zum Frieden ist nach seiner Auffassung die Übernahme der Macht durch das Proletariat. Nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in den generischen Ländern. 

27. Januar 1918
USPD-Versammlung zu den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk

München-Isarvorstadt * Die Münchner Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands - USPD führt in den Kolosseum-Bierhallen eine Versammlung zum Thema „Die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk und das harrende Volk“ durch.
Etwa 250 bis 300 Personen sind der Einladung gefolgt. Auch die Polizeibehörde hat zwei Vertreter zur Überwachung geschickt, weil sie die Versammlung als öffentlich ansieht.

Unter dem Applaus der Zuhörer hält Kurt Eisner einen kämpferischen Vortrag und nimmt dabei keinerlei Rücksicht auf die anwesenden Polizeispitzel. Die Versuche der Polizeibeamten, den Redner einzuschüchtern, werden von der erregten Menge unterbunden.

Er führt u.a. aus, die Zeit ist gekommen, „nicht den Willen kundzutun, sondern ihn durchzusetzen“. Kurt Eisner bezeichnet den Massenstreik als das Mittel, „die Macht für die deutsche Demokratie zu erobern“ und „dem Wüten der verblendeten Herrschenden ein Ende [zu] bereiten“

Felix Fechenbach bemerkte dazu: Kurt Eisner sprach in Gegenwart der Polizei „trotzdem, oder gerade deshalb, ohne jede Zurückhaltung, weil er stets die Meinung vertrat, dass das Aussprechen der Wahrheit der erste Schritt zur Revolution ist“

27. Januar 1918
Kurt Eisner soll auf der Krupp-Betriebsversammlung sprechen

München-Isarvorstadt * An der USPD-Versammlung in den Kolosseumbierhallen nehmen einige Vertrauensleute der Krupparbeiter der Bayerischen Geschützwerke teil. Sie fordern Kurt Eisner, Sarah Sonja Lerch und Albert Winter sen. auf, am nächsten Tag in der von den Gewerkschaften und den Mehrheitssozialdemokraten einberufenen Betriebsversammlung zu sprechen.

Bis dahin gibt es keine Verbindung zwischen der Münchner USPD und den Betrieben. Erst dadurch - und nicht durch die Organisation der USPD - kommt der Kontakt zu den Arbeitern der Münchner Rüstungsbetriebe zustande. 

30. Dezember 1918
Diskussionen ohne geistige Schranken

München-Isarvorstadt * In den Kolosseums-Bierhallen haben sich einige Hundert Internationale Kommunisten versammelt. Sie diskutieren das Für und Wider

  • einer Bewaffnung des revolutionären Proletariats,
  • einer Sabotierung der Nationalversammlungswahlen,
  • einer Lynchjustiz am Erzbischof von München und Freising, Michael von Faulhaber,
  • einer Aburteilung von Erhard Auer und Johannes Timm durch einen Staatsgerichtshof und
  • den Kampf mit den Waffen der Gewalt, nicht mit geistigen Waffen.

Es sind Diskussionen ohne geistige Schranken, keine Beschlüsse!