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2. Oktober 1925
Josephine Bakers internationaler Durchbruch 

Paris * Im Théâtre des Champs-Élysées feiert „La Revue nègre“ Premiere. Josephine Baker gehört zunächst zum Ensemble, rückt aber mit ihrem Charleston und der gemeinsam mit Joe Alex aufgeführten „Danse sauvage“ sofort in den Mittelpunkt des Abends. Ihr ebenso energiegeladener wie komischer Tanz macht die neunzehnjährige Amerikanerin über Nacht zur Pariser Sensation und begründet ihre internationale Karriere. 

Der französische Titel enthält eine heute als rassistisch abgelehnte Bezeichnung, die im kolonial geprägten Europa der 1920er-Jahre noch weithin gebräuchlich ist. Seit Beginn des Jahrhunderts interessieren sich Teile der Pariser Avantgarde für Kunstwerke aus Afrika; auch Henri Matisse und Pablo Picasso greifen deren Formen auf. In den 1920er-Jahren verbindet sich diese künstlerische Aneignung mit der Begeisterung für Jazz, Charleston und afroamerikanische Unterhaltungskultur. 

Das Pariser Publikum unterscheidet dabei häufig kaum zwischen moderner afroamerikanischer Kultur und seinen kolonialen Vorstellungen von Afrika. Baker wird als „wild“, „exotisch“ und vermeintlich „ursprünglich“ inszeniert. Sie bedient damit zeittypische rassistische und sexualisierte Fantasien, eignet sich diese Bilder jedoch zugleich für ihre unverwechselbare Bühnenfigur an. Durch Übertreibung, Komik und körperliche Ausdruckskraft gewinnt sie eine außergewöhnliche Präsenz, ohne dem exotisierenden Blick des Publikums vollständig entkommen zu können. 

Anders als später häufig dargestellt, trägt Baker bei diesem Auftritt noch nicht den berühmten Bananenrock. Dieses Kostüm wird erst 1926 in der Revue „La Folie du Jour“ zu ihrem Markenzeichen. 

1926
Der Bananenrock wird zur Ikone 

Paris * Josephine Baker wird zum gefeierten Star der Revue „La Folie du Jour“ in den Folies Bergère. Bei ihrem berühmtesten Auftritt tanzt sie Charleston, nur mit Schmuck und einem kurzen Rock aus 16 künstlichen Bananen bekleidet. Die Bananen bestehen nicht aus Plüsch, sondern aus Gummi und schwingen mit Bakers Bewegungen über die Bühne. 

Der Auftritt trifft den Nerv der „Années folles“: Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs sucht das Pariser Unterhaltungspublikum nach Vergnügen, Tempo und dem Bruch mit bürgerlichen Konventionen. Bakers Tanz verkörpert für viele Zeitgenossen diese neue Freiheit. Zugleich wird ihr Schwarzer Körper durch den vorwiegend weißen Blick des Publikums und der Presse sexualisiert und mit kolonialen Vorstellungen vom vermeintlich „wilden“ und „ursprünglichen“ Afrika verbunden. 

Baker übernimmt diese widersprüchliche Rolle jedoch nicht einfach passiv. Mit artistischer Körperbeherrschung, Komik, Grimassen und bewusster Übertreibung macht sie aus den ihr zugeschriebenen Klischees eine unverwechselbare Bühnenfigur. Der Bananenrock wird zum Sinnbild der Pariser Zwanzigerjahre – zugleich ein Symbol künstlerischer Selbstinszenierung und ein Zeugnis des exotisierenden Blicks, unter dem Bakers Erfolg entsteht. 

14. Januar 1926
Josephine Baker begeistert Berlin 

Berlin-Charlottenburg * Josephine Baker gastiert mit der „Revue Nègre“ im Nelson-Theater am Kurfürstendamm 217 und tritt damit erstmals in Deutschland auf. Ihr Solotanz, ihre Komik und ihre eigenwillige Interpretation des Charleston versetzen große Teile des Berliner Publikums in Begeisterung. 

Der Auftritt sorgt zugleich für heftige Kontroversen. Während Baker als Verkörperung von Modernität, Tempo und körperlicher Freiheit gefeiert wird, reagieren konservative und nationalistische Kreise empört auf ihre freizügige Inszenierung. Bewunderung vermischt sich in Presse und Publikum vielfach mit rassistischen und sexualisierenden Zuschreibungen. 

Jazz und Charleston sind zu diesem Zeitpunkt in Berlin bereits bekannt. Bakers Gastspiel führt sie also nicht erst ein, verstärkt aber ihre Popularität erheblich und macht die Künstlerin zu einem Sinnbild des weltoffenen Berliner Nachtlebens der Zwanzigerjahre. Später erinnert sie sich begeistert: „Berlin, das ist schon toll! Ein Triumphzug. Man trägt mich auf Händen.“