400 Pesttote in München
München * Die Herzöge residieren 24 Wochen lang in Grünwald und Menzing [„Blutenburg“], die herzoglichen Räte in Dachau. Angeblich sterben bei dieser Pest alleine in München 400 Menschen.
München * Die Herzöge residieren 24 Wochen lang in Grünwald und Menzing [„Blutenburg“], die herzoglichen Räte in Dachau. Angeblich sterben bei dieser Pest alleine in München 400 Menschen.
Dachau * Der 21-jährige Kardinal und Fürstbischof von Regensburg, Philipp Wilhelm, stirbt in Dachau. Er wird in der Münchner Frauenkirche beigesetzt.
Dachau • Ein weiterer Sohn des baierischen Kurfürstenpaares Henriette Adelaide und Ferdinand Maria wird in Dachau geboren. Er stirbt noch am selben Tag.
München - Au * Da es noch an ergiebigen Maulbeerplantagen mangelt, muss die Rohseide aus dem Ausland bezogen werden. Zusätzlich lässt Kurfürst Ferdinand Maria „im großen Hofgarten, im Residenzgarten, Krautgarten, Kuchlgarten zu München, in den Hofgärten zu Dachau, Berg am Laim, Bogenhausen, Schleißheim und Nymphenburg“ eine große Menge Maulbeerbäumeanpflanzen.
Den Kapitalstock für das Unternehmen liefern sowohl Privatleute als auch die frühen Sozialeinrichtungen wie das Heiliggeistspital, das Städtische Waisenhaus oder das Leprosenhaus am Gasteig.
Eine barocke Gründerzeit-Mentalität ist zu verzeichnen. In grenzenlosem Vertrauen fließt das Geld in erstaunlichen Mengen, sodass bald mehrere Tausend Gulden zur Verfügung stehen, um in Italien Seidenspinner-Eier zu bestellen. Das übrige Kapital wird in den Neubau für ein Seidenhaus in der Au investiert.
Schloss Nymphenburg * Enrico Zuccalli lässt die als altmodisch empfundenen Dachaufbauten Agostino Barellis - in Gestalt von vier italienischen Zwerchhäusern - bei „Schloss Nymphenburg“ wieder abbrechen und dadurch das flach geneigte Walmdach optisch beruhigt.
Bogenhausen * Aus dem Köglhof entsteht unter den Fittichen des Hofmalers Johann Antonio Gumpp ein Schlösschen. Gumpp, der als Dekorations- und Freskenmaler für Kurfürst Max Emanuel in der Residenz, in Schleißheim, Nymphenburg und Dachau arbeitet und der den Münchner Bürgersaal der „Marianischen Kongregation“ ausmalt, erhält den Besitz vom St.-Anna-Kloster für die Ausgestaltung der kleinen Sankt-Anna-Kapelle statt einer Bezahlung von 800 Gulden.
München * Das heutige Stadtgebiet gehört - neben dem Münchner Burgfrieden zu vier verschiedenen Gerichtsbezirken, den Landgerichten
Au * Das Landgericht München bezieht die Räume im ehemaligen Kloster Lilienberg. Es umfasst neben den Orten des Gerichts ob der Au das Amt Perlach vom Landgericht Wolfratshausen, das Gebiet Neuhausen vom Landgericht Dachau, die Gebiete Gauting und Germering aus dem Landgericht Starnberg sowie Fröttmaning und Garching aus dem Landgericht Kranzberg. Dazu die Orte Ismaning, Ober- und Unterföhring, Daglfing und Englschalking aus dem kurz zuvor staatlich eigenständigen Fürstbistum Freising.
Dachau * In Dachau wird Franz Xaver Hierl geboren. Er übernimmt später den Zengerbräu und führt die Brautradition der Familie Hierl fort.
München-Graggenau * Das Brauerehepaar Josef und Kreszentia Hierl übernimmt den Zengerbräu in der Burgstraße. Zuvor führt die Familie bereits in vierter Generation die Gänsstaller-Brauerei in Dachau.
Mit der Übernahme beginnt für den Zengerbräu ein neuer Abschnitt unter der erfahrenen Brauerfamilie Hierl.
München * König Max II. beauftragt den renommierten Berliner Gartenkünstler und Generaldirektor der königlich-preußischen Hofgärten, Peter Joseph Lennè, Pläne für einen Ring mit Alleen und Garten-Anlagen um die ganze Stadt zu erstellen.
Die vorgelegten Planungen sehen vor, „beginnend bei der Spatenbrauerei, den ganzen jetzigen nördlichen Stadtteil umschließend bis zum Englischen Garten, durchkreuzt von der Nymphenburger-, Dachauer- und von der Schwabingerlandstrasse [= Leopoldstraße], eine weite große englische Anlage” ausbreiten zu lassen.
Dachau * Ludwig Thoma ist Rechtsanwalt am Amtsgericht Dachau.
Dachau * Ludwig Thoma arrangiert eine „25-Jahr-Feier“ zum „deutsch-bayerischen Sieg“ gegen Frankreich 1870/71. Außerdem liefert er eine schwülstige nationale Rede zu den Siegesfeierlichkeiten.
München-Maxvorstadt * Anderl Welsch tritt zwischen 1898 und 1905 im Apollotheater in der Dachauer Straße 19 - 21 auf.
München-Ludwigsvorstadt * Für seine Riesenhalle engagiert Georg Lang eine eigene, 30-köpfige Blaskapelle. Die Musiker treten in Oberländer Tracht auf und werden als „Langs Original Oberlandler“ bekannt. Ihr Repertoire umfasst ein breites Spektrum beliebter Unterhaltungs- und Stimmungsmusik.
Die Polizeibehörde erhebt gegen die vom Festwirt bezahlte Hauskapelle keine Einwände. Da die Musiker ein festes Honorar erhalten, entfällt das bis dahin übliche und häufig als störend empfundene Einsammeln von Geld mit dem Teller.
Lang greift damit eine zeitgenössische Mode auf: In Bierpalästen, Singspielhallen und Volkssängerlokalen sind Kapellen in Oberländer oder Dachauer Tracht bereits gang und gäbe. Auf dem Oktoberfest verbindet er die Musik gezielt mit der Bewirtung. Die ausgelassene Stimmung soll die Gäste länger im Zelt halten und zugleich den Bierumsatz steigern.
München-Ludwigsvorstadt * Für seine Riesenhalle engagiert Georg Lang eine eigene, 30-köpfige Blaskapelle. Die Musiker treten in Oberländer Tracht auf und werden als „Langs Original Oberlandler“ bekannt. Ihr Repertoire umfasst ein breites Spektrum beliebter Unterhaltungs- und Stimmungsmusik.
Die Polizeibehörde erhebt gegen die vom Festwirt bezahlte Hauskapelle keine Einwände. Da die Musiker ein festes Honorar erhalten, entfällt das bis dahin übliche und häufig als störend empfundene Einsammeln von Geld mit dem Teller.
Lang greift damit eine zeitgenössische Mode auf: In Bierpalästen, Singspielhallen und Volkssängerlokalen sind Kapellen in Oberländer oder Dachauer Tracht bereits gang und gäbe. Auf dem Oktoberfest verbindet er die Musik gezielt mit der Bewirtung. Die ausgelassene Stimmung soll die Gäste länger im Zelt halten und zugleich den Bierumsatz steigern.
Dachau * Ludwig Thoma verkauft seine Anwaltskanzlei in Dachau.
München-Au * In den aufgelassenen Räumen der München-Dachauer-Aktiengesellschaft für Maschinenpapierfabrikation, am Kegelhof 3 in der Au, wird das Museum für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen eröffnet Es ist das erste Museum dieser Art im deutschsprachigen Raum.
München-Maxvorstadt * Carl Gabriel eröffnet in der Dachauer Straße 16 sein erstes Münchner Kino unter dem weltmännischen Namen „The American Bio-Cie./Carl Gabriel's Theater lebender Bilder“ mit 145 Plätzen. Es ist Münchens viertes Kino. Es werden Stummfilme gezeigt, die von einem mehr oder weniger talentiertem Klavierspieler und einem Explikateur, einen Filmerklärer, begleitet werden.
An den Lehnen der Vordersitze sind Drahtgestelle angebracht, in denen man seinen Masskrug abstellen kann. Statt Popkorn und Eis - wie heute - werden Schokolade und Wurstsemmeln verkauft.
Nach 19 Uhr geht fast niemand mehr ins Kino, denn: „Der Münchner geht im Gegensatz zum Berliner, soweit er es ermöglichen kann, lieber Nachmittags ins Kino, weil er den Abend gern im Bierrestaurant verbringt.“Trotzdem suchen die „Gebildeten“ das Kino erst im Schutz der Dunkelheit auf. Etwaige Bekannte begrüßen sich - wenn überhaupt - mit einem verlegenem Lächeln. Es gibt Logen mit einem Loch im Vorhang, von dem aus man zwar alles sehen kann, selbst aber nicht gesehen wird.
Die Münchner Polizei besucht im Auftrag der Obrigkeit regelmäßig die Kinematographen. Sie muss sicherstellen, dass im dunklen Kinosaal alles „sittlich“ und „mit rechten Dingen“ zugeht.
München-Maxvorstadt * Karl Valentin tritt mit dem selbstironischen „Ich bin ein armer magrer Mann“, vor allem aber mit seiner Geschichte vom „Aquarium“ beim Baderwirt in der Dachauer Straße 1a auf. - Ein Riesenerfolg!
München-Maxvorstadt * Aus Carl Gabriels The American Bio-Cie./Carl Gabriel's Thater lebender Bilder in der Dachauer Straße 16 wird Gabriels Tonbildtheater.
München * Elisabeth Wellano unterschreibt einen Bühnenkontrakt bei Adalbert Meiers „Gesellschaft die lustigen Dachauer“. Ihre monatliche Gage ist doppelt so hoch wie ihr Verdienst im Kaufhaus Hermann Tietz war. Das Engagement dauert vom 1. Juni 1911 bis 1. Juli 1912.
Dachauer Moos * Der Minister für militärische Angelegenheiten, Ernst Schneppenhorst, zieht seine bayerischen Truppen im Dachauer Moos zusammen. Seine Hoffnung beruht auf einem Überraschungscoup, da er glaubt, dass die kommunistische Räteregierung bisher noch nicht in der Lage war, ihre Rote Armee gefechtsbereit zu machen.
Dachau * 500 Weißgardisten - von Pfaffenhofen kommend - besetzen Dachau, um den Ring um München zu schließen. In der Stadt werden sie von Arbeiterinnen der Pulver- und Munitionsfabrik beschimpft und teilweise entwaffnet.
Dachau * Als die Truppen der bayerischen Exil-Regierung in Dachau einrücken, wird der amtierende Arbeiter- und Bauernrat beim zuständigen Major vorstellig und fordert diesen zum Abzug vom Schlossberg auf, da Dachau sonst beschossen werden könnte. Der Major kommt der Aufforderung umgehend nach.
München - Dachau * Als sich am Abend in München das Gerücht über das Anrücken einer aus Richtung Dachau kommenden, 800 Mann starken Regierungstruppe verbreitet, lässt Stadtkommandant Rudolf Egelhofer
München - Allach - Karlsfeld * Mit Lastwagen werden die eingetroffenen Rotgardisten an die Front bei Allach gebracht. Südlich der Straße Allach - Ludwigsfeld stoßen die Roten auf den Feind. Ihnen gelingt es, die von der Gegenwehr völlig überraschten Regierungstruppen nach Karlsfeld zurückzudrängen.
Da die Angreifer - trotz ihrer guten Ausrüstung - weder über den notwendigen Kampfesmut verfügen, noch auf ihre bayerischen Kameraden schießen wollen, laufen viele Weiße zum Feind über oder fliehen zurück nach Dachau. Damit hat die Rote Armee ihren ersten Sieg errungen.
München - Karlsfeld * Auch Ernst Toller begibt sich zur Front. In einem Karlsfelder Wirtshaus haben sich Vertrauensleute der Münchner Arbeiter versammelt. Toller schreibt:
„‚Der Toller soll die Führung übernehmen!‘ ruft einer. […] Ich sträube mich und versuche zu erklären, dass ein Heerführer andere Fähigkeiten braucht. ‚Oana muaß sein Kohlrabi herhalten, sonst gibts an Saustall, und wennst nix verstehst, wirst es lerna, die Hauptsach is, dich kennen wir‘.
Ich weiß nichts zu erwidern, welche Gründe konnten auch dieses töricht-rührende Vertrauen von Männern, die eben eine aktive, militärisch geführte Truppe besiegt hatten, erschüttern? So werde ich Heerführer.“
München * Die Räteregierung teilt mit, dass München militärisch keine Gefahr droht. Die Weißen Truppen werden bei Dachau in Schach gehalten.
Dachau * Die 500 Mann der Regierungstruppen werden von Arbeitern und Soldaten aus München vertrieben. Es bleibt aber der einzige Sieg der Räterepublik.
Das Kommando der Roten Armee besteht aus fünf Bataillone. Das zweite Bataillon, in dem 20 Italiener und 80 Russen dienen, ist besonders diszipliniert. Die Männer heben in ihrem Abschnitt nördlich der Stadt sofort Schützengräben aus, im Unterschied zu bayerischen Genossen, wie der Kommandeur Erich Wollenberg später berichtet. Die Russen stammen aus dem Lager in Puchheim.
Dachau * Ernst Toller, der zwischenzeitlich zum Abschnitts-Kommandanten der bei Dachau stationierten Roten Armee ernannt worden ist, verweigert Rudolf Egelhofers Befehl, die Stadt mit Artillerie zu beschießen. Toller will mit den Angreifern verhandeln. Nachdem die Verhandlungen gescheitert sind, gelingt der Roten Armee ein weiterer Sieg über die Regierungstruppen.
Egelhofers Befehl, die gefangen gesetzten Offiziere standrechtlich zu erschießen, wird von Ernst Toller erneut verweigert. Er setzt auch weiterhin auf Verhandlungen und die Vernunft beider Seiten. Damit erreicht er zwar einen Waffenstillstand, der jedoch den Regierungstruppen die dringend notwendige Atempause verschafft, um sich zu sammeln und um den Gegenschlag vorzubereiten. Außerdem ersuchen die Weißen in Berlin um Verstärkung nach.
Die Weißen Truppen haben Dachau bedingungslos übergeben. Der Roten Armee fallen mehrere Millionen Schuss Infanterie-Munition, 4 Geschütze, 3 Maschinen-Gewehre, Sanitätsfahrzeuge und anderes Material in die Hände. „Wir machten mehrere Hundert Gefangene, darunter 4 Offiziere. Wir beklagen 8 Tote und eine Zahl Verwundete. Unsere Arbeiter undTruppen schlugen sich hervorragend. Unsere Truppen sind über Dachau hinaus vorgestoßen“, heißt es in einem Flugblatt des Vollzugsrats der Betriebs- und Soldatenräte Münchens vom 17. April.
Dachau * Bei der Roten Armee ist jeder systematische Dienst als Militarismus und „Ludendorfferei“ verpönt. Es gibt keine Befehle, nur Anweisungen. Militärische Titel werden bewusst nicht geführt. Dennoch geht es auch in dieser Truppe recht diszipliniert zu.
München * Der Vollzugsrat wirft Ernst Toller vor, dass er die Verteidigungslinie bei Dachau allzu leichtfertig preisgegeben habe. Das wird mit Verrat gleichgesetzt.
Im Protokoll des Vollzugsrats steht: „Dieses Vorgehen ist unerhört, man müsse denken, man stehe im Krieg, da dürfe ein Genosse nicht auf eigene Faust handeln. Wenn Toller das in der kaiserlichen Armee getan hätte, wäre er wegen Hochverrat vor das Kriegsgericht gestellt worden“.
München-Graggenau * Auf der Versammlung der Betriebsräte im Hofbräuhaus berichtet Ernst Toller von den Kämpfen in und um Dachau. Er zeigt kein Verständnis für den Befehl des Münchner Generalstabs, die Truppen sofort zurückzuziehen. Nach Tollers Ansicht wäre es möglich gewesen, ohne Blutvergießen ganz Südbayern für die Räterepublik zu gewinnen.
Dachau - München * Als Ernst Tollers Truppen den Befehl erhalten, sich an den Rand von München zurückzuziehen, kehrt dieser in die Landeshauptstadt zurück.
München * Ernst Toller warnt - trotz der erzielten Siege gegen die Weißen Truppen bei Dachau - vor einer Fortsetzung der kriegerischen Auseinandersetzungen. Er will lieber mit Vertretern der in Bamberg tagenden Regierung Hoffmann verhandeln.
München-Graggenau * Im Hofbräuhaus, in dem sich täglich die Betriebs- und Kasernenräte treffen, treten die seit längerer Zeit bestehenden politischen Differenzen zwischen den Kommunisten, Eugen Leviné, Max Levien und Towia Axelrod einerseits, und den Unabhängigen Sozialdemokraten, Emil K. Maenner, Ernst Toller und Gustav Klingelhöfer andererseits, offen zutage. Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Folge die drei Letztgenannten von ihren Ämtern zurücktreten.
Der Bankrat stellt sich geschlossen hinter Emil K. Maenner und bezeichnet die Mitglieder des Vollzugsausschusses als „Hampelmänner“.
Mit ähnlich harten Worten wird die „katastrophale Versorgungslage“ von den Anwesenden kritisiert, an der die Regierung Hoffmann nur zum Teil schuld ist.
Nach einem weiteren Beschluss der Betriebsräte sollen die Münchner Tageszeitungen - unter Auflage einer Vorzensur - wieder erscheinen können.
Während der Sitzung trifft die Nachricht ein, dass im Passamt fünfzig Pässe gestohlen worden sind. Zur Untersuchung des Vorgangs wird daraufhin eine Zehnerkommission gebildet.
München-Graggenau * Um 23 Uhr wird eine Versammlung der Betriebs- und Soldatenräte ins Hofbräuhaus eingeladen. Die Versammlung distanziert sich von den Geiselmorden.
Aus ihrem Kreis wählen die Versammelten gegen Mitternacht jeweils drei Betriebs- und Soldatenräte, die in Dachau wegen der Übergabemodalitäten für München verhandeln sollen.
Ernst Toller beantragt die sofortige Einberufung eines Bayerischen Rätekongresses. Der Antrag wird angenommen. Danach vertagt sich die Versammlung.
Dachau * Nach heftigen Gefechten bei Dachau gelingt den Regierungstruppen unter Generalleutnant Friedrich von Friedeburg - trotz heftiger Gegenwehr der Roten Armee - der Durchbruch. Damit kann der Belagerungsring um München durch Regierungssoldaten und Freikorps geschlossen werden.
Dass Dachau aufgegeben wird, ist für die Kommunisten ein verhängnisvoller Fehler. „Nachdem auch die Nordfront dem Feinde freiwillig geöffnet war, brach auch der Kampfwille der Arbeiter zusammen. Jetzt war der Demoralisation, der Feigheit, dem Verrat, der Panik weit das Tor geöffnet.
Die Massendesertation der Arbeiter setzte ein. Gewehre wurden zerbrochen, in die Isar geworfen, […] der Zusammenbruch war da. […] Die weißen Garden konnten ungehindert nach München einmarschieren.“
München-Maxvorstadt * „Gabriels Tonbildtheater“ in der Dachauer Straße 16 wird in „Carl Gabriels Lichtspiele“ umbenannt.
München-Maxvorstadt * Uraufführung des Valentin-Karlstadt-Bühnenstücks „Im Photoatelier“ im Apollo-Theater in der Dachauer Straße 19. Das Stück wird 348 Mal gespielt.
München-Maxvorstadt * Das Apollo-Theater in der Dachauer Straße 19 wird geschlossen.
Dachau * Das Konzentrationslager Dachau wird geöffnet. Einen Tag später folgt das KZ Oranienburg.
München - Dachau * Im Völkischen Beobachter und in den Münchner Neuesten Nachrichten erscheint eine von Heinrich Himmler, dem Reichsführer SS und zugleich kommissarischen Polizeipräsidenten von München, veranlasste Pressemeldung mit der Überschrift „Ein Konzentrationslager für politische Gefangene“.
In der Meldung ist zu lesen: „Am Mittwoch [nächster Tag] wird in der Nähe von Dachau das erste Konzentrationslager eröffnet. Es hat ein Fassungsvermögen von 5.000 Menschen.“ Weiter heißt es, dass dort „die gesamten kommunistischen und - soweit notwendig - Reichsbanner- und marxistische Funktionäre, die die Sicherheit des Staates gefährden, zusammengezogen“ werden.
Abschließend erklärt Himmler: „Wir haben diese Maßnahme ohne jede Rücksicht auf kleinliche Bedenken getroffen in der Überzeugung, damit zur Beruhigung der nationalen Bevölkerung und in ihrem Sinn zu handeln.“
Dachau * Im KZ Dachau werden die ersten Menschen inhaftiert. Am Vormittag gegen 10 Uhr steigen im Zuchthaus Landsberg die ersten 50 Gefangenen auf Lastwagen, die sie nach Dachau bringen. Gegen Mittag trifft der Transport an der ehemaligen Pulverfabrik ein, vor deren Eingang sich eine Menschenmenge Schaulustiger versammelt hat. Das Konzentrationslager Dachau wird von der 2. Polizei-Hundertschaft der Bayerischen Landespolizei bewacht.
Der Münchner Rechtsreferendar Claus Bastian trägt die Gefangenennummer 1. Über 200.000 werden ihm folgen. In den zwölf Jahren der Nazi-Herrschaft werden im KZ Dachau 41.500 Menschen ermordet, verhungern oder an Krankheiten sterben.
München-Giesing * Die aufgestaute Angst vor den „Roten“ hat ein Nachspiel. Die männlichen Erwachsenen ganzer Giesinger Straßenzüge werden verhaftet und ins KZ Dachau gebracht.
Dachau * Die SS übernimmt das Kommando im KZ Dachau.
Dachau * Die ersten Gefangenen werden im KZ Dachau ermordet. Das ist nur ein Tag, nachdem die SS das Kommando übernommen hat.
München-Obergiesing * Der gewählte Kirchenvorstand der evangelischen Martin-Luther-Kirche besteht zu fünfzig Prozent aus NS-Parteigenossen. Der Münchner Dekan sagt:
„Dass der Wunsch geherrscht hat, es möchten in unseren Kirchenvorständen besonders auch solche Männer Platz finden, die in der deutschen Freiheitsbewegung an hervorragender Stelle stehen - das war allen verständlich. Wir brauchen diese Männer in der kirchlichen Arbeit“.
Hauptsache ist, dass die Gottlosen-Propaganda ihr Ende findet.
Scherfede * Felix Fechenbach wird auf dem Weg von Detmold ins KZ Dachau in Scherfede „auf der Flucht erschossen“.
Dachau * Dr. Fritz Gerlich wird in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ins KZ Dachau gebracht und noch in der selben Nacht erschossen.
München-Angerviertel * Die deutschlandweit erste, groß angelegte Razzia der Nazis gegen Homosexuelle. Im Zentrum dieser Maßnahme steht der Gasthof Schwarzfischer in der Dultstraße, zusammen mit dem Arndthof am Glockenbach und diversen einschlägig bekannten Parks, Bedürfnisanstalten und Privatwohnungen.
Insgesamt werden bei dieser Aktion 145 Männer festgenommen und in die Ettstraße gebracht. Dort wird abgeglichen, ob es sich um Wiederholungstäter handelt, die sich anschließend Umerziehungsmaßnahmen unterziehen müssen. 39 Festgenommene kommen ins KZ Dachau, viele werden auch nach ihrer Freilassung noch jahrelang schikaniert. Wiederholungstäter ist, wer in der berüchtigten Rosa Liste verzeichnet ist. Dieses Verzeichnis der Homosexuellen besteht bereits seit der Kaiserzeit.
Dachau * Karl Valentins Schwiegersohn Ludwig Freilinger wird zusammen mit drei Freunden im KZ Dachau inhaftiert. Die Vier hatten den Aufhausener Bürgermeister der Veruntreuung von Teilen der Winterhilfssammlung verdächtigt und sind dann wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ in Schutzhaft genommen worden.
Der Komiker hat gegenüber dem Schlosser ein angespanntes Verhältnis, weil er ihm nicht den richtigen Mann für seine Tochter Gisela sieht.
Dachau * Ludwig Freilinger, Karl Valentins Schwiegersohn, wird aus der Schutzhaft aus dem KZ Dachau entlassen. Und zwar Monate vor seinen ebenfalls inhaftierten Freunden.
München * Karl Valentin schmückt einen Festwagen für den Münchner Faschingszug. Darauf türmt sich ein Verkehrsschilderchaos. Darunter steht geschrieben: „I kenn mi nimmer aus“.
Mitten zwischen den Verbots- und Gebotsschildern steht ein einsamer Wegweiser: „Nach Dachau“.
München * Noch in der Nacht finden - unter passiver Anteilnahme sehr vieler Schaulustiger - die seit längerer Zeit geplanten Ausschreitungen gegen die Juden statt.
Die Bilanz dieser später auch noch beschönigend „Reichskristallnacht“ genannten Juden-Pogrome bedeutet für Deutschland:
Die reichsweit organisierten antijüdischen Ausschreitungen dauern auch noch am 10. November an.
München-Bogenhausen * Karl Freiherr von Eberstein, der Münchner Polizeipräsident und damit Gerichtsherr über die SS-Wachmannschaften im KZ Dachau, bezieht die Villa in der Maria-Theresia-Straße 17.
Dachau * Am späten Nachmittag befreien die 45. und 42. Infanterie-Division der US-Armee rund 32.000 Insassen aus 31 Nationen aus den überfüllten Baracken des Konzentrationslagers Dachau.
Anschließend nutzt die US-Militärverwaltung das Gelände zunächst als Internierungslager für NS-Funktionäre, später als Unterkunft für Heimatvertriebene. Zahlreiche Baracken werden umgebaut oder abgerissen. Ehemalige Häftlinge setzen sich deshalb dafür ein, das ehemalige Lager als authentischen Ort des Gedenkens und der Erinnerung zu bewahren.
Dachau * Die KZ-Gedenkstätte Dachau wird feierlich eröffnet. Das stellt einen Wendepunkt in der deutschen Erinnerungskultur dar, denn erstmals wird ein ehemaliges Konzentrationslager in der Bundesrepublik dauerhaft als staatlich anerkannte Gedenkstätte eingerichtet. Bis dahin ist das Gelände nur teilweise erhalten, und über seine künftige Nutzung war jahrelang gestritten worden. An der Eröffnungsfeier nehmen teil:
Die Feier steht ganz im Zeichen des Gedenkens an die mehr als 200.000 Häftlinge, die zwischen 1933 und 1945 durch Dachau gegangen sind, sowie der über 40.000 Menschen, die dort oder infolge ihrer Haft starben.
Bundespräsident Heinrich Lübke kann nicht persönlich an der Einweihung teilnehmen, übersendet jedoch ein Grußwort.
Dachau * Im Rahmen des 37. Eucharistischen Weltkongresses wird auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers die Todesangst-Christi-Kapelle eingeweiht. Sie ist der erste kirchliche Gedenkort auf dem ehemaligen Lagergelände und entsteht noch vor der offiziellen Eröffnung der KZ-Gedenkstätte Dachau.
Initiator ist Weihbischof Johannes Neuhäusler, der von 1941 bis 1945 selbst als Sonderhäftling im KZ Dachau inhaftiert war und sich nach dem Krieg maßgeblich für einen Ort des Gebets und des Gedenkens einsetzt. An der Einweihung nehmen rund 40.000 bis 50.000 Gläubige teil.
Dachau * Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau wird der Grundstein für die evangelische Versöhnungskirche gelegt. Die Feier findet einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der KZ-Gedenkstätte Dachau statt. Die Kirche entsteht auf Initiative ehemaliger Häftlinge als Ort des Gedenkens, der Versöhnung und der christlichen Verantwortung.
Dachau * Die evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau wird feierlich eingeweiht. Die Predigt hält der ehemalige KZ-Häftling Martin Niemöller. Die Kirche war auf Initiative ehemaliger Dachau-Häftlinge als Ort des Gedenkens, der Versöhnung und der christlichen Verantwortung entstanden.