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Das Augsburger Stadtrecht und die Prostitution

Augsburg * Das Augsburger Stadtrecht unterstellt die „varnden freulin“ der Rechtsaufsicht des Henkers.  

  • Dieser Schritt bedeutet einerseits, dass sich die Reichsstadt Augsburg mit der ständigen Anwesenheit der Prostituierten abgefunden hat und  
  • andererseits sind die Augsburger Dirnen - welch ein Fortschritt - nicht mehr rechtlos, sondern einem Sonderrecht unterworfen und  
  • können sich bei Willkürentscheidungen des Henkers an den Vogt als Schiedsinstanz wenden. 
5. Mai 1705
Baierns Bevölkerung leidet unter der Besatzung 

Wien - Baiern * Kaiser Leopold I. stirbt in Wien. Sein 26-jähriger Sohn Joseph I., bereits seit 1690 gewählter römisch-deutscher König, folgt ihm ohne erneute Wahl als Kaiser nach. 

Joseph setzt gegenüber dem besetzten Kurfürstentum Baiern auf einen harten Kurs. Das Land soll zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegführung beitragen und als Machtgrundlage Kurfürst Max Emanuels geschwächt werden. 

Besonders schwer treffen die Besatzungslasten die Landbevölkerung. Neben hohen Steuern und Kriegsabgaben muss sie einquartierte und durchziehende Truppen mit Unterkunft, Lebensmitteln und Futter versorgen. Hinzu kommt die Disziplinlosigkeiten und Exzesse der Soldaten, die der Landbevölkerung oft zusätzliche Leistungen abpressten. Die Bauern müssen für die Militaristen Dirnen besorgen und bezahlen. Häufig zwingt man sie bei Vergewaltigungen der eigenen Frau, der Töchter und Anverwandten zuzusehen. Selbst von jungen Mädchen und Schwangeren nehmen die Soldaten keinen Abstand.  

Die Beschlagnahmung von Vorräten und Vieh bedroht die Existenz bäuerlicher Familien und beeinträchtigt zugleich die Versorgung der Städte. Die wachsende Not und die Gewalt der Besatzung tragen wesentlich dazu bei, dass sich im weiteren Verlauf des Jahres bewaffneter Widerstand formiert. 

25. September 1841
Ein Haberfeldtreiben gegen den Pfarrer

Wöllkauer Anhöhe bei Irschenberg * In der Nacht vom 25. zum 26. September 1841 zitieren etwa 100 Haberer auf der Wöllkauer Anhöhe bei Irschenberg den Pfarrer Ignaz Kalm zur mitternächtlichen Stunde heraus und lesen ihm beim Schein von Fackeln und Laternen aufgrund seines recht liederlichen Lebenswandels die Leviten.

Man wirft ihm unter anderem vor, dass „er sich mit Dirnen und Eheweibern abgebe, ja, daß er sich sogar soweit verfehlt habe, einer am Sterbebette befindlichen Weibsper­son die Schamteile zu berühren“. Die Anschuldigungen führen dazu, dass der Pfarrer Ignaz Kalm „wegen seines äußerst unsittlichen und in der That höchst empörenden Wandels“ des Amtes enthoben wird.

Die geistlichen Herren rücken immer mehr in das Zentrum der Verfolgung, je mehr die Amtskirche mit der zunehmenden Kriminalisierung der Haberer eine kritische Position gegenüber den Treiben einnimmt.