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1926
Der Bananenrock wird zur Ikone 

Paris * Josephine Baker wird zum gefeierten Star der Revue „La Folie du Jour“ in den Folies Bergère. Bei ihrem berühmtesten Auftritt tanzt sie Charleston, nur mit Schmuck und einem kurzen Rock aus 16 künstlichen Bananen bekleidet. Die Bananen bestehen nicht aus Plüsch, sondern aus Gummi und schwingen mit Bakers Bewegungen über die Bühne. 

Der Auftritt trifft den Nerv der „Années folles“: Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs sucht das Pariser Unterhaltungspublikum nach Vergnügen, Tempo und dem Bruch mit bürgerlichen Konventionen. Bakers Tanz verkörpert für viele Zeitgenossen diese neue Freiheit. Zugleich wird ihr Schwarzer Körper durch den vorwiegend weißen Blick des Publikums und der Presse sexualisiert und mit kolonialen Vorstellungen vom vermeintlich „wilden“ und „ursprünglichen“ Afrika verbunden. 

Baker übernimmt diese widersprüchliche Rolle jedoch nicht einfach passiv. Mit artistischer Körperbeherrschung, Komik, Grimassen und bewusster Übertreibung macht sie aus den ihr zugeschriebenen Klischees eine unverwechselbare Bühnenfigur. Der Bananenrock wird zum Sinnbild der Pariser Zwanzigerjahre – zugleich ein Symbol künstlerischer Selbstinszenierung und ein Zeugnis des exotisierenden Blicks, unter dem Bakers Erfolg entsteht.