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10. Mai 1641
Die Bronzeputti auf dem Säulensockel der Mariensäule werden aufgestellt

München-Graggenau * Durch einen Erlass will Kurfürst Maximilian I. sicherstellen, dass die Mariensäule „in gebierender veneration, und respect erhalten, Insonderheit alle unsauberkheiten und verunehrungen verhietet und abgestelt werden“. Die Mariensäule wird deshalb mit einem Marmorgeländer mit den vier Bronze-Laternen umgeben.  

Auf dem Sockel der Mariensäule kommen im gleichen Jahr vier bronzene Heldenputti zur Aufstellung, die für Maria als „ecclesia militans“ [= „die in der Welt kämpfenden Kirche“] oder als Apokalyptisches Weib für die im Kampf der Konfessionen siegreiche katholische Kirche instrumentalisiert werden. Sie stellen eine Umsetzung des Psalm 91, Vers 13 dar: „Über die Schlange und den Basilisken wirst du schreiten, und den Löwen und den Drachen wirst du zertreten.“  

In nahezu allen Veröffentlichungen über die Mariensäule verkörpert der Drache den Hunger, der Löwe den Krieg, der Basilisk die Pest und die Schlange den Unglauben oder falschen Glauben. Sie sollen, so die populäre Auffassung, die großen Plagen der Zeit veranschaulichen. Nach einer anderen Definition, die dem Programm des - im Jahr 1674 ausgebrannten - Zimmers der Religion in der Residenz entspricht, steht der Drache  für die Häretiker [= Ketzer], der Löwe für die Heiden, die Schlange für die Juden und der Basilisk für die Schismatiker [= Protestanten, Kirchenspalter].  

Aus einem Monument der persönlichen Frömmigkeit des Kurfürsten ist durch die Hinzufügung der Heldenputti zugleich ein „Denkmal des Triumphes des katholischen Glaubens über die Übel der damaligen Zeit“ geworden. Da Maximilian I. sowohl den Tag der Denkmalsweihe als auch das Datum für die alljährliche Dankprozession auf den Jahrestag der „Schlacht am Weißen Berg“ orientiert, macht er die Mariensäule auch zu einem unübersehbaren Symbol für den bisher größten Triumph baierischer Waffen über die protestantischen Feinde. Und damit macht er aus der Mariensäule eine Siegessäule. 

18. Mai 1704
Lindmayrs Prophezeiungen beunruhigen die Stadt 

München * Die Berichte über Maria Anna Lindmayrs Visionen und ihre Warnung vor einem göttlichen Strafgericht verbreiten sich in München. Am Dreifaltigkeitssonntag führen die Kriegsangst und zahlreiche Gerüchte zu einem größeren Volksauflauf. 

Der Kurfürstliche Geheime Rat weist daraufhin die Prediger an, den „Ausstreuungen einer gewissen Person“ entgegenzutreten und die Bevölkerung stattdessen zu „Buße, Tugend und Frömmigkeit“ aufzurufen. Lindmayr wendet sich an den Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck, der ihre Aussagen durch eine Kommission angesehener Geistlicher prüfen lässt. Diese gelangt zu dem zeittypisch formulierten Urteil, Lindmayr besitze „in etlichen Sachen eine mehr als natürliche Erkenntnis“. 

Das Gutachten stärkt Lindmayrs Ansehen in München. Sie erklärt, Gott werde die Stadt nur dann vor den schlimmsten Kriegsfolgen bewahren, wenn ihm der Bau einer Kirche zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit gelobt werde. Ihre Forderung bereitet das feierliche Gelübde vor, das die baierischen Landstände und die Münchner Bürgerschaft am 17. Juli 1704 ablegen.