Menü
Home Veranstaltungen Fakten Suchbegriffe Personen Jahrestage Karte Zeitensprünge Podcast

Fakten

Fakten Karte Suchbegriffe Personen Jahrestage
2000
-3000 Chronik 2026
Gefundene Einträge: 2
Suchergebnisse als PDF
4. Februar 1919
Kurt Eisner spricht auf der Sozialisten-Konferenz in Bern

Bern * Ministerpräsident Kurt Eisner rechnet auf der Konferenz der Sozialistischen Internationale in Bern mit den Sozialdemokraten ab, nachdem der Vertreter der MSPD, Otto Wels, eine wehleidige Rede hält, in der er die Haltung seiner Partei vor und während des Krieges den Vertretern des sozialistischen Europas darlegen will.
Im Gegensatz zu Welsch bekennt sich Kurt Eisner ausdrücklich zur deutschen Schuld. Er erhält dafür am Kongress einen rauschenden Beifall, wird dafür aber in Deutschland bitter kritisiert. 

Annette Kolb, die als Journalistin in Bern dabei ist, vermerkt: „Was nun verlautete, war ein Plädoyer für Deutschland, wie es niemals ergreifender formuliert wurde. Seine kalte Stimme beibehaltend, enthüllte er die ganze Tragik des unglücklichen Landes. ‚Die Stimme derer, welche im Kampf um die Ideen einer besseren Welt namenlos in den Kerkern verblichen‘, rief er schneidend den fremden Delegierten zu, ‚drangen nicht bis zu euch! Stumm verbluteten sie‘. Und im Namen jener neuen und besseren Welt verlangte er die Freigabe der zurückgehaltenen Kriegsgefangenen. 

Man hielt den Atem an. Denn vor uns stand ein Entronnener aus eben jener Schar stummer Blutzeugen für die Idee der Gewaltlosigkeit, der Wahrheit und der Menschenliebe. Dies war ihr Los wie vor 2.000 Jahren. In Eisner hatte der Kongress wohl seine eindrücklichste Figur“. 

16. März 1919
Heinrich Mann würdigt Kurt Eisner bei einer Trauerfeier im Odeon 

München-Maxvorstadt * Im Odeon findet eine Trauerfeier für den ermordeten Ministerpräsidenten Kurt Eisner statt. Der Schriftsteller Heinrich Mann und Sozialminister Hans Unterleitner halten Gedenkreden. 

Heinrich Mann würdigt Eisner als einen Politiker, der geistige Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Menschlichkeit miteinander verbindet. Seine Bedeutung liegt für ihn weit über dem Sturz der Monarchie: „Die hundert Tage der Regierung Eisners haben mehr Ideen, mehr Freuden der Vernunft, mehr Belebung der Geister gebracht, als die fünfzig Jahre vorher.“ 

Als Ausdruck dieses Aufbruchs nennt Mann den Achtstundentag, die Demokratisierung des Heeres, eine von obrigkeitlicher Bevormundung befreite Schule und das Streben nach einer wirtschaftlichen Ergänzung der politischen Revolution. 

Besonders hebt er Eisners Gewaltlosigkeit hervor: Was dessen Gegner als Schwäche betrachten, versteht Mann als menschliche Größe. Mit dem Appell „Bewahren wir sein unversehrtes Bild!“ fordert er dazu auf, Eisners humanistische Ziele und seine politische Leistung im Gedächtnis zu bewahren.