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Der Weinanbau in Freising ist urkundlich belegt

Freising * Der Weinanbau in Freising ist urkundlich belegt. Bischof Arbeo nennt Altbayern ein „mit Wein wohlversehenes Land“. Bis in die Gegend des Tegernsees und Schliersees, am Staffelsee und Chiemsee, bei Adelholzen und Traunstein, bei Tölz und Lenggries wird Wein angebaut.

Das Kerngebiet des regionalen Landweins, des sogenannten „Baierweins“, liegt an den Hängen der Donau, bei Regensburg, Kehlheim und Donaustauf vor allem. Von der Donau aus schiebt sich der Weinbau in die Seitentäler der Wörnitz, der Altmühl, der Naab und des Regen hinein. Im schwäbischen Donauwörth, bei Straubing und Passau, an den Ufern von Isar und Inn, an Salzach und Rott wird Wein angebaut. Landshut und die untere Isar sind Zentren des Weinanbaus, deren besten Gewächse noch bis ins 17. Jahrhundert in die Hofkeller der Münchner Residenz wandern.

Vor 1204
Ludmilla sichert sich das Jawort des Herzogs 

Herzogtum Baiern - Bogen * Eine der Geschichten über die spätere Ehe zwischen Herzog Ludwig I. und Ludmilla erzählt von einer ebenso klugen wie wirkungsvollen List. 

Der etwa dreißigjährige Wittelsbacher, den man später „den Kelheimer“ nennt, wirbt um die verwitwete Gräfin von Bogen. Als amtierender Herzog gehört er zu den begehrtesten Heiratskandidaten des Landes. Ludmilla, eine gebürtige böhmische Prinzessin und Mutter dreier Söhne aus erster Ehe, verlangt jedoch ein verbindliches Eheversprechen, bevor sie sich auf ihn einlässt. 

Der Sage nach verbirgt sie drei Vertraute hinter einem Wandbehang, auf dem Rittergestalten zu sehen sind. Als Ludwig ihr die Ehe verspricht, fordert sie ihn auf, sein Gelöbnis auch vor diesen vermeintlich stummen Zeugen zu wiederholen. Der Herzog geht lächelnd darauf ein – und erlebt eine Überraschung. Ludolf Silvanus schildert die Szene im „Sagenkranz des Bayerisch-Böhmischen Waldes“: 

„Auf einem Teppich oben sah man vor einem Portal
Drei Ritterbilder gewoben in ihrem Ahnensaal.
Und drei von ihren Räten rief sie geschwind heran,
Daß sie dahinter träten; sagt‘ ihnen ihren Plan.

‚Und ewige Liebe und Treue‘, rief schon der Herzog laut,
‚Gelob‘ ich heut‘ aufs neue, ihr werdet meine Braut!‘
‚Wohlan! könnt ihr auch schwören bei jenen Rittern dort?
Auch diese sollen es hören als Zeugen eurem Wort.‘

Der Herzog sah die Riesen mit Lächeln an der Wand
Und rief: ‚Und auch vor diesen gelob‘ ich‘s mit Mund und Hand!‘
Da rollt mit einem Male der Vorhang sich empor,
Drei Ritter im blanken Stahle treten daraus hervor.“
 

Damit hat Ludmilla nach der Erzählung ihr Ziel erreicht: Aus dem vertraulichen Versprechen wird ein Gelöbnis vor Zeugen, dem sich der Herzog nicht mehr entziehen kann. Die Geschichte liefert eine unterhaltsame Erklärung für die Hochzeit von 1204; als gesicherter Bericht über deren Zustandekommen gilt sie jedoch nicht.

Oktober 1204
Eine Ehe mit weitreichenden Folgen 

Kelheim * Herzog Ludwig I., genannt „der Kelheimer“, heiratet Ludmilla, eine böhmische Prinzessin und Witwe des Grafen Albert Il von Bogen. Wann und wo sich beide kennenlernen, ist nicht überliefert. Auch der genaue Ort und Tag der Hochzeit bleiben unsicher. 

Die Verbindung ist vermutlich vor allem dynastisch und machtpolitisch begründet: Sie führt das junge Herzogshaus der Wittelsbacher mit dem einflussreichen Geschlecht der Grafen von Bogen zusammen und stärkt zugleich Ludwigs Beziehungen zum böhmischen Herrscherhaus der Premysliden. 

Durch Ludmilla gelangt das weiß-blaue Rautenwappen der Grafen von Bogen an die Wittelsbacher. 

Aus der Ehe geht 1206 der Sohn Otto II. hervor. 

11. März 1209
München wirdals „burgus“ bezeichnet

München - Hagenau * König Otto IV. bestätigt in Hagenau einen Vergleich zwischen Herzog Ludwig I. von Baiern und Bischof Otto II. von Freising über ihre Anteile an den Einkünften aus München. Die Urkunde bezeichnet München als „burgus“, also als Siedlung. Der Begriff allein erlaubt keine sichere Aussage darüber, ob der Ort bereits befestigt oder ummauert ist. 

15. September 1231
Herzog Ludwig I. der Kelheimer wird ermordet

Kelheim * Herzog Ludwig I. der Kelheimer wird auf der Donaubrücke in Kelheim von einem Unbekannten ermordet. Seine Grabstätte befindet sich im Benediktinerkloster Scheyern. Nachfolger auf dem Thron des baierischen Herzogs wird sein Sohn Otto II., der bereits seit 1228 die Pfalzgrafschaft Rhein regiert.

1240
Die Wittelsbacher verdrängen den Freisinger Bischof aus München

München * Die Zeit, in der die Freisinger Bischöfe in München regieren, liegt ebenso im Düsteren wie die Zeit vor Herzog Heinrich dem Löwen. Das liegt daran, dass es schon bald zu Streitigkeiten mit dem neuen baierischen Herzogshaus der Wittelsbacher kommt, die sogar in kriegerische Auseinandersetzungen münden.  

Die Wittelsbacher verdrängen den Freisinger Bischof aus München. Der Bischof muss seine Münchner Rechte gegen eine jährliche Entschädigung an den Herzog abtreten. Diese Gebühr wird bis 1802 bezahlt. 

Am Ende des weit über fünfzig Jahre andauernden Konflikts, einigen sich die Kontrahenten auf die Vernichtung aller streitbezogenen Dokumente. Dieser Maßnahme fallen viele wichtige Informationen zum Opfer.

 

1591
Die Familie Pämb lebt im Kelheimer Armenhaus

Kelheim * Anna Pämb [50] lebt mit ihrem Mann Paulus [48] und den Söhnen Gumpprecht [13], Michael [11] und Hansel [ein Jahr alt] im Kelheimer Armenhaus.

  • Vater Paulus bietet seine Arbeitskraft als Kesselflicker an.
  • Mit seinen älteren Söhnen verdingt er sich auch als Abortgrubenräumer, als sogenannter Pappenheimer.
  • Im Armenhaus von Kelheim lernt Anna Pämb eine gewisse Zieglerin kennen. Die Frauen verstehen sich auf Anhieb. 
Bis 1622
Die Franziskaner-Klöster werden von Reformaten übernommen

Herzogtum Baiern * Die anderen altbaierischen Franziskaner-Klöster - in Landshut, Ingolstadt und Kelheim sowie die geistliche Leitung des Klarissinnenklosters St. Jakob am Anger - werden von Reformaten übernommen.

Viele der alten Observanten verlassen daraufhin die neue Provinz wegen des „welschen guberno“, also der Vorherrschaft ihrer italienischen Mitbrüder. Doch schon innerhalb einer Generation sind die einheimischen Reformaten wieder nachgewachsen.

4. Dezember 1705
Der Angriff auf München wird geplant

Braunau * Der frühere baierische Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs trifft in Braunau ein. Gemeinsam mit Georg Sebastian Plinganser entwirft er einen Plan, der die Erhebung auf weitere Landesteile ausweiten und schließlich zur Einnahme Münchens führen soll. 

Aufstände im Bayerischen Wald, an der unteren Isar und im Raum Kelheim sollen kaiserliche Truppen binden. Währenddessen soll das Unterländer Defensionsheer über Mühldorf und Ebersberg gegen die Hauptstadt vorrücken. Gleichzeitig sind unterstützende Angriffe aus den Gerichten nördlich und südlich von München vorgesehen. 

Der ehrgeizige Plan setzt auf ein abgestimmtes Vorgehen weit voneinander entfernter Aufstandsgruppen. Damit wird die Eroberung Münchens zum zentralen militärischen Ziel der Landesdefension. 

16. Januar 1706
Löwenstein meldet die Niederschlagung des Aufstands

München - Wien * Der kaiserliche Landesadministrator Maximilian Carl von Löwenstein-Wertheim-Rochefort berichtet Kaiser Joseph I. über die Niederschlagung des baierischen Aufstands. Bei Sendling und Aidenbach, bei der Rückeroberung von Kelheim und Vilshofen sowie in weiteren Kämpfen seien nach seiner Darstellung „gegen 10.000 Mann massakriert worden“. Die Aufständischen hätten nun kein kampffähiges Heer mehr. 

Die Zahl von 10.000 ist Löwensteins Angabe, keine gesicherte Zahl der Getöteten. Das Wort „massakriert“ stammt aus seinem Bericht und macht deutlich, wie er selbst die Gewalt beschreibt.

3. September 1860
Der eiserne Dachstuhl für die Befreiungshalle

München-Englischer Garten - Hirschau * Das Eisenwerk Hirschau von Joseph Anton von Maffei liefert den von ihr gefertigten eisernen Dachstuhl für die Befreiungshalle bei Kehlheim und beginnt vor Ort mit den Arbeiten. Innerhalb von 14 Tagen ist die Bedachung des kolossalen Gebäudes vollendet.

Um 1864
Neubau der Giesinger Heilig- Kreuz-Kirche

München-Obergiesing * Die neue Heilig- Kreuz-Kirche wird nach Plänen von Georg von Dollmann gebaut. Den entscheidenden Einfluss auf die architektonische Gestaltung des Kirchenneubaus übt jedoch der Ex-König Ludwig I. aus, der achtzehn Jahre zuvor seiner Ämter enthoben worden ist.

Er ist nicht nur während der Planungsphase und des ersten Bauabschnitts der potenteste Finanzier, sondern bestimmt auch den Architekten: den königlich bayerischen Hofbaurat und Schwiegersohn von Leo von Klenze, Georg von Dollmann. Dieser hatte für den pensionierten König den Ausbau der assyrischen Abteilung in der Glyptothek und einen großen Teil der Befreiungshalle ausgeführt. Dollmann ist Betriebsingenieur der kgl. bay. Staatsbahn und wirkt als Baumeister König Ludwigs II. bei der Projektierung seiner Schlösser mit.

25. August 1913
Prinzregent Ludwig lädt die Bundesfürsten in die Befreiungshalle

Kelheim * Die 22 deutschen Bundesfürsten treffen sich nach Einladung durch Prinzregent Ludwig [III.] bei der Befreiungshalle in Kelheim. Die Befreiungshalle war am 18. Oktober 1863, dem 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, der Öffentlichkeit übergeben worden und stellt ein Wahrzeichen des deutschen Patriotismus dar.

Gefeiert wird die endgültige Vertreibung Napoleons aus Deutschland vor einhundert Jahren. Es ist eine glänzende patriotische Feier, die zum ersten - und zum letzten - Mal alle regierenden Fürsten Deutschlands zusammenführt. Es ist sozusagen das „Totenfest des deutschen Monarchismus“.

Prinzregent Ludwig preist die Verdienste seiner Wittelsbacher Vorfahren um das deutsche Nationalbewusstsein und lobt das immer mehr erstarkte „Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Teile des Reichs in Freud und Leid“. Er warnt zugleich: „Wer gleichwohl im Auslande je mit der Uneinigkeit, der Eifersucht der Reichsglieder rechnet, wird diese Rechnung grausam enttäuscht sehen.“ 

21. Februar 1919
Schüsse im Landtag – Auer schwer verletzt, zwei Menschen getötet

München-Kreuzviertel * Als sich der Landtag gegen 11 Uhr wieder versammelt, ergreift Erhard Auer das Wort zu einer Gedenkrede: 

„Damen und Herren!
Der provisorische Ministerpräsident Kurt Eisner hat soeben durch Mörderhand den Tod gefunden. [...] Die Tat wurde von ruchloser Hand in feiger Weise verübt [...]. Diese Handlung muss bei jedem anständigen Menschen tiefsten Abscheu hervorrufen. [...]  Wir beklagen in dem Ermordeten den Führer der Revolution in Bayern und zugleich den vom reinsten Idealismus und von treuer Sorge für das Proletariat erfüllten Menschen. 

Auf diesem Weg kann und darf nicht fortgefahren werden, wenn nicht vollkommene Anarchie eintreten soll. Angesichts dieser wahnsinnigen Mordtat, gegen deren Urheber mit rücksichtsloser Strenge vorgegangen wird, gilt es nunmehr, die Besonnenheit zu wahren und alle Kräfte zusammenzufassen, um die ungeheuere Aufgabe der nächsten Zeit so zu lösen, wie es das Interesse des gesamten bayerischen Volkes erfordert.“ 

Auer hatte seine Rede gerade beendet, da stürzt ein schnauzbärtiger junger Mann, bekleidet mit einem grauen Mantel und Hut, durch einen Seiteneingang in den Sitzungssaal, läuft direkt auf Auer zu, tituliert ihn mit „Du Lump!“, zieht eine Pistole aus seinem Mantel und drückt zweimal ab. Erhard Auer sinkt - in die Brust getroffen - zu Boden.  

Der Major Paul Ritter von Jahreiß, ein Referent des Ministeriums für militärische Angelegenheiten, stellt sich dem fliehenden Attentäter in den Weg und wird durch einen Schuss in den Hals tödlich getroffen. 

Der Täter ist der im Jahr 1887 in Kelheim geborene Metzger Alois Lindner. Er ist Mitglied in der USPD und im Revolutionären Arbeiterrat. Lindner ist von Auers Schuld an Eisners Ermordung überzeugt. 

Inzwischen betreten weitere Mitglieder des Revolutionären Arbeiterrats den Saal. Auch sie glauben an Auers Schuld und fordern „Rache für Eisner!“.  Es kommt zu einer wilden Schießerei, bei der einer der Mitbegründer der Bayerischen Volkspartei - BVP, Heinrich Osel, ums Leben kommt. In der allgemeinen Panik fliehen die übrigen Anwesenden. 

Auch Lindner gelingt die Flucht. Unterstützt durch Freunde geht er nach Ungarn.