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1556
Georgskirche für den Laienkelch vorgesehen

Bogenhausen * Mit dem Auftauchen des protestantischen Gedankenguts im Herzogtum Baiern kommt die Bogenhausener Georgskirche kurzfristig in die engere Wahl für die Abgabe des sogenannten Laienkelchs, worunter man die Kommunion in beiderlei Gestalt - also Wein und Brot - versteht. 

Der Baiernherzog Albrecht V. musste auf dem Landtag im Jahr 1556 der Forderung der Stände nachgeben und den Laienkelch straffrei stellen.

13. April 1564
Kommunion in beiden Gestalten nur außerhalb der Stadt

München - Bogenhausen * Nachdem Papst Pius IV. die Kommunion in beiden Gestalten bewilligt hat, zeigt Herzog Albrecht V. plötzlich nur noch wenig Interesse an der Ausführung. Und als der Rat der Stadt Druck auf den Herzog ausüben will, droht dieser sogar mit der Verlegung der Residenz aus München. 

In der Folgezeit kann der Rat lediglich erreichen, dass der Laienkelch außerhalb der Stadt gereicht werden darf. 

1598
Eine „Zaubergesellschaft“ sitzt in der Schergenstube in Haft

München * Eine aus 18 Personen bestehende „Zaubergesellschaft“ sitzt in der Schergenstube in Haft, deren Mitglieder  

  • Zauberbücher und glückbringende Alraunenwurzeln besaßen, 
  • sich unter dem Galgen oder
  • in der oberen Stube des Alexander Freisinger in der Au trafen und  dort Beschwörungen zur Wiedergewinnung gestohlener oder verlorener Sachen und „Ansegnungen gegen den bösen Feind“ betrieben.

Eine eigene Ratskommission wird gebildet, die sich aus Mitgliedern des Inneren und Äußeren Rats zusammensetzt.

Die Urteile sind vergleichsweise glimpflich.

  • Die meisten werden auf die „Schragen“ gestellt, zum Teil mit umgehängten Zauberbüchern. Diese Strafe ist - im Gegensatz zum Pranger - nicht „ehrlos“.
  • Einige werden zusätzlich zu den Jesuiten zur Beichte und Kommunion geschickt,
  • zwei erhalten eine Geldstrafe und
  • einer wurde zu vier Jahren „gegen den Erbfeind der Christenheit“, die Türken, verurteilt. 
Um 1700
Marianische Kongregationen prägen das katholische Stadtleben 

München * Rund jeder achte Einwohner Münchens gehört als Sodale einer der sechs Marianischen Kongregationen der Stadt an. Die von jesuitischer Frömmigkeit geprägten Laiengemeinschaften besitzen damit erheblichen Einfluss auf das religiöse und gesellschaftliche Leben.  

Neue Mitglieder legen zunächst eine umfassende Lebensbeichte ab und verpflichten sich in einem feierlichen Weiheakt zum lebenslangen Dienst an der Gottesmutter. Von den Sodalen werden regelmäßige Beichte und Kommunion, tägliches Gebet und Gewissenserforschung sowie Bußübungen an den kirchlichen Fast- und Abstinenztagen erwartet. 

Auch in der Öffentlichkeit treten die Kongregationen deutlich hervor: Ihre Mitglieder nehmen geschlossen an Prozessionen, Wallfahrten, Festgottesdiensten und religiösen Theateraufführungen teil. Zugleich verpflichten sie sich, einander in Notlagen beizustehen und verstorbene Mitbrüder auf ihrem letzten Weg zu begleiten. 

Vielleicht Mai 1911
Karl Valentin und Elisabeth Wellano im Hotel Frankfurter Hof

München-Ludwigsvorstadt * Karl Valentin und Elisabeth Wellano treffen im Hotel Frankfurter Hof aufeinander. Der bereits etablierte Karl Valentin kommt auf die „dantschige“ Nachwuchs-Schauspielerin zu und meint: „Sie, Fräulein, Sie sind als Soubrette aufgetreten. Heut hab ich Sie zum ersten Mal gesehen. Des is nix. Wissen‘s, Sie sind zu schlank für a Soubrette. Als Soubrette muss man kess sein, die muss an großen Busen haben. Außerdem sind Sie viel zu schüchtern. Und so brav schaun Sie aus, fast wia a Kommunionmäderl. -
Aber Sie sind sehr komisch. Sie müssen sich aufs Komische verlegen. Das ist geeignet für Sie“
.

Daraufhin ist das Fräulein Wellano empört und schwer beleidigt. Doch Karl Valentin meint es ehrlich, weshalb er weiter auf Liesl Wellano einredet und meint: „Ich schreib Ihnen einmal in der nächsten Zeit a komisches Soubrettencouplet, also eine Parodie auf eine richtige Soubrette. Und des bringens dann“. Er schreibt ihr also ein Couplet mit dem Titel „Das Gretchen“.

Die talentreiche Nachwuchsschauspielerin ist zwar nicht überzeugt davon, lässt sich aber auf das Abenteuer ein, lernt das Lied auswendig und trägt es vor. „Ich hab mich aber nicht so schön angezogen im Flitterkleid, sondern schon a bissl komisch gmacht“, schreibt sie später. Und weiter: „Damals war es Mode, dass man irgend einen Herrn im Publikum ansingt als Soubrette“.

Liesl sucht ihr Opfer aus und singt in der letzten Strophe: „O nimm mir diesen Stein vom Herzen“. Dabei greift sie in ihren Ausschnitt, zieht einen Isarkiesel hervor, schmeißt ihn auf den Boden und schmettert dann weiter: „Bereit mir nicht so viel Kummer, Sorg und Schmerzen, Sag‘ es aufrichtig, hast Du mich lieb, Du kecker Herzensdieb“.

Das war ein Riesenerfolg und ein großer Lacher - und machte aus der einst „feschen Soubrette“ eine „komische Soubrette“.