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7. November 1918
Der Mathäserbräu wird zum Zentrum der Revolution

München-Ludwigsvorstadt * Am Abend entwickelt sich der Mathäserbräu zum organisatorischen Mittelpunkt der Revolutionsbewegung. Die große Gaststätte nahe dem Hauptbahnhof bietet Raum für Versammlungen. Hier bilden sich ein Arbeiter- und ein Soldatenrat, die den Umsturz koordinieren und die errungene Macht sichern sollen.  

Bewaffnete Soldaten patrouillieren während der Nacht auf Lastkraftwagen durch die Stadt. Wachen sichern wichtige öffentliche Gebäude; Revolutionäre übernehmen Verkehrs- und Nachrichtenzentren, darunter den Hauptbahnhof und das Telegrafenamt. Auch Zeitungsbetriebe werden zur Herstellung und Verbreitung revolutionärer Bekanntmachungen herangezogen. So verbinden die Räte die Kontrolle zentraler Einrichtungen mit dem Anspruch, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Bevölkerung über den Machtwechsel zu informieren. 

8. November 1918
„Bayern ist fortan ein Freistaat“

München-Kreuzviertel * In der Nacht vom 7. auf den 8. November verkündet Kurt Eisner im Landtagsgebäude an der Prannerstraße das Ende der Wittelsbacherherrschaft und die Gründung der bayerischen Republik. Vor den versammelten Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräten übernimmt er die vorläufige Regierungsführung. 

Am Morgen veröffentlicht die Zeitung „Münchner Neueste Nachrichten“ auf ihrer Titelseite den Aufruf „An die Bevölkerung Münchens“. Darin steht der programmatische Satz: „Bayern ist fortan ein Freistaat.“ Die revolutionäre Staatsgründung wird damit öffentlich bekannt gemacht.  

„Freistaat“ ist eine bereits im 18. Jahrhundert gebräuchliche deutsche Entsprechung für „Republik“. Der Begriff bezeichnet hier vor allem den Bruch mit der Monarchie. Eine besondere staatliche Unabhängigkeit Bayerns lässt sich aus dem Wort allein nicht ableiten.  

Ein auf rotem Papier gedrucktes Plakat bringt den Machtwechsel besonders deutlich zum Ausdruck: „Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt! Hoch die Republik!“ 

 

8. November 1918
München verbindet den Umsturz mit der Hoffnung auf Frieden

München * Viele Menschen verbinden die Revolution mit der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende. Nach dem weitgehend widerstandslosen Machtwechsel beginnt die neue Führung, das öffentliche Leben zu ordnen und die Versorgung zu sichern.  

  • Obwohl die meisten Münchner die Revolution „verschlafen“ haben, hat sich die Bevölkerung sehr schnell den neuen Gegebenheiten angepasst. 
  • Ob bei den Hoflieferanten, der Post oder der Bayerischen Staatszeitung wird der Zusatz „Kgl.“ umgehend gestrichen oder überklebt. 
  • Von den Türmen der Frauenkirche weht die rote Fahne. 
  • Die Straßenbahn nimmt ihren während des Umsturzes unterbrochenen Betrieb wieder auf. Der Arbeiter- und Soldatenrat erlaubt zunächst eine Höchstgeschwindigkeit von zwölf statt bisher 25 Stundenkilometern.  
  • Der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt den Schutz der städtischen Anstalten und Betriebe und besetzt die Residenzwache. 
  • Der gesamte Telephon- und Telegraphenverkehr in andere Städte ist gesperrt.

Kurt Eisner wirbt mit Aufrufen um die Mitarbeit der Bevölkerung. Die neue Staatsgewalt verspricht grundlegende Reformen, die Weiterarbeit der Behörden und den Schutz von Personen und Eigentum. Damit soll aus dem erfolgreichen Umsturz eine handlungsfähige republikanische Ordnung entstehen. 

8. November 1918
Der „Bayerische Kurier“ kommentiert den überraschend schnellen Umsturz

München - Freistaat Bayern * Der „Bayerische Kurier“ beschreibt den revolutionären Machtwechsel mit einem Seitenhieb auf die bisherige Regierung: „Über Nacht, wenn auch für viele – ausgenommen vielleicht die frühere Regierung – nicht unerwartet, hat sich in Bayern ein Wechsel vollzogen, der die kühnsten Hoffnungen wohl sogar seiner Urheber übersteigt.“ 

Bemerkenswert ist diese Einschätzung auch wegen der politischen Ausrichtung des Blatts: Die katholisch-konservative Zeitung steht dem Zentrum nahe und hält traditionell am Haus Wittelsbach fest. 

8. November 1918
Eisner und Gandorfer werben um die Unterstützung der Landbevölkerung

München - Freistaat Bayern * In den „Münchner Neuesten Nachrichten“ veröffentlichen Kurt Eisner und der Bauernführer Ludwig Gandorfer den Aufruf „An die ländliche Bevölkerung Bayerns!“. Darin begründen sie den revolutionären Machtwechsel und erklären die Beendigung des Krieges zur vordringlichen Aufgabe.  

Der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat teilt mit, bereits Verbindung zu den Ententemächten aufgenommen zu haben, um Friedensverhandlungen einzuleiten. Zugleich verspricht er den Schutz der bayerischen Grenzen und eine geordnete Rückführung und Entlassung der Soldaten. Plünderungen und Zerstörungen, wie sie der Aufruf aus Österreich und Tirol schildert, sollen verhindert werden. 

Die Bauern werden aufgefordert, die Städte zuverlässig mit Lebensmitteln zu versorgen. Damit verbindet die revolutionäre Führung ihre Friedenspolitik mit dem Bemühen, Sicherheit und Versorgung aufrechtzuerhalten und die Landbevölkerung für die neue Republik zu gewinnen. 

8. November 1918
Herzog Ernst August dankt in Braunschweig ab

Braunschweig * Gegen 17:45 Uhr empfängt Herzog Ernst August eine sechsköpfige Abordnung des Arbeiter- und Soldatenrats. Ihr Sprecher August Merges legt ihm eine Abdankungsurkunde vor. Nach kurzer Bedenkzeit und Beratung mit seinen Ministern unterzeichnet der Herzog die Erklärung. Er verzichtet damit für sich und seine Nachkommen auf den Thron und übergibt die Regierungsgewalt an den Arbeiter- und Soldatenrat. Auch die bisherigen Minister treten zurück.  

Auf dem Schlossplatz verfolgen rund 20.000 Menschen die Ereignisse. Über dem Schloss weht bereits die rote Fahne. Der Machtwechsel vollzieht sich ohne Blutvergießen; die Monarchie in Braunschweig ist beendet. 

9. November 1918
Schwieriger Machtwechsel in Würzburg

Würzburg * In Würzburg sind der Generalkommandeur Ludwig von Gebsattel und der Regierungspräsident von Unterfranken, Julius von Henle, zum Widerstand bereit. Sie schrecken auch nicht vor der Anwendung von Gewalt zurück.

Der Intervention des Oberbürgermeisters Andreas Grieser, ein liberaler Zentrumsmann, verhindert Schlimmeres. Gebsattel gibt nach und lässt die zuvor in den Kasernen eingesperrten Soldaten frei.