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29. Juni 1848
Erzherzog Johann zum Reichsverweser gewählt

Frankfurt am Main * Die Nationalversammlung wählt den österreichischen Erzherzog Johann zum Reichsverweser.  

  • Die Monarchisten stimmen zu, da er Fürst ist,
  • die Großdeutschen, da er Österreicher ist,
  • der Linken ist er genehm, weil er als volkstümlich gilt. 
  • Überhaupt ist Erzherzog Johann ein Gegner Metternichs gewesen.  

Seine Popularität bei den Linken basiert auch auf seiner morganatischen Ehe mit einer bürgerlichen Postmeisterstochter. Am 18. Februar 1829 hatte er die aus Aussee stammende Anna Plochl geheiratet und hinnehmen müssen, dass er von der Thronfolge ausgeschlossen wurde. 

20. November 1918
Kurt Eisners Vorschlag für die Räte-Richtlinie

München * Zwei Tage nach Innenminister Erhard Auer legt auch Ministerpräsident Kurt Eisner seinen Entwurf für die Richtlinien für die Arbeiter- und Bauernräte vor. Im Entwurf des USPD-Politikers Eisner nehmen die Arbeiterräte - zumindest für eine Übergangszeit - eine zentrale Position im neugegründeten Staat ein. Gemeinsam mit den Soldaten- und Bauernräten sollen sie bis zur endgültige Regelung durch die zu wählende Nationalversammlung die „revolutionäre Grundlage des neuen Regierungssystems“.

Eisner und die USPD wollen die Räte und das Parlament als gleichberechtigte Partner in einem demokratischen System. Sie dienen der politischen Willens- und Bewusstseinsbildung und schaffen die Voraussetzungen für die Tätigkeit des Parlaments:

„Die Räte sollen die Schulen der Demokratie werden; daraus dann sollen die Persönlichkeiten emporsteigen zu politischer und wirtschaftlicher Arbeit. […] Die Räte sind die Grundmauer der Demokratie, die Nationalversammlung, der Landtag ist die Krönung des Gebäudes. Aber diese Krone würde genauso zusammen stürzen wie die monarchistischen Kronen, wenn sie sich nicht stützen auf die Kraft und den Willen jener Arbeiterräte.“ 

Die Arbeiterräte sollen „die Massen des Proletariats unmittelbar zur politischen Mitarbeit heranziehen“ und so dazu beitragen, dass „der neue demokratische und sozialistische Geist in Staat und Gesellschaft so tief Wurzeln fasst, dass die kommenden Wahlen die provisorische Ordnung der Dinge bestätigen und befestigen werden“.

Im Falle, die Zentralregierung würde den Revolutionszustand ausrufen, sollten die Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte umgehend alle notwendigen Maßnahmen einleiten, die zur Erhaltung und Sicherung der revolutionären Regierung erforderlich wären.

Der Entwurf Kurt Eisners sieht für die Räte großzügige Kompetenzzuweisungen vor. Von Kontroll-, Vorschlags-, Beratungs- und Auskunftsrechten bis hin zur Fragen der Entlassung und Einstellung von Beamten. 

Dezember 1918
Anton Graf von Arco auf Valley tritt der Bürgerwehr bei 

München * Anton Graf von Arco auf Valley schließt sich der von Rudolf Buttmann gegründeten Bürgerwehr an, die zunächst auch von den Ministern Erhard Auer und Johannes Timm unterstützt wird. Arco will damit gegen die revolutionäre Bewegung vorgehen. 

Der überzeugte Monarchist betrachtet den Sturz des Hauses Wittelsbach als Landesverrat. Seine Feindschaft gegen Ministerpräsident Kurt Eisner verbindet sich mit Antisemitismus und der Ablehnung des Sozialismus. Am 21. Februar 1919 ermordet er Eisner auf dessen Weg zum Landtag. 

Als mögliches zusätzliches Tatmotiv gilt der Wunsch Arcos, trotz seiner jüdischen Familienherkunft Anerkennung in völkisch-antisemitischen Kreisen zu gewinnen. Nach dieser Deutung soll der Mord an Eisner seine Zugehörigkeit zu diesen Kreisen demonstrieren. Ob dieses Motiv für seinen Tatentschluss ausschlaggebend ist, bleibt jedoch ungesichert. 

20. Februar 1919
Arco kündigt den Mord an Kurt Eisner an 

München-Lehel * Am Tag vor dem Attentat hält Anton Graf von Arco auf Valley seine Feindschaft gegen Ministerpräsident Kurt Eisner schriftlich fest. Seine Notizen verbinden Antisemitismus, die Ablehnung des Bolschewismus und monarchistische Überzeugungen. Er bezeichnet Eisner als „Landesverräter“ und erklärt: „Ich hasse den Bolschewismus, ich liebe mein Bayernvolk, ich bin ein treuer Monarchist und guter Katholik.“ 

Nach der späteren Aussage des Zimmermädchens Walburga Kästele kündigt Arco am Abend auch ausdrücklich seine Mordabsicht an. Kästele betreut seine Räume in der Pension Prinz-Regent an der Prinzregentenstraße 18. Gegen sechs Uhr sagt er zu ihr: „Morgen erschieße ich den Eisner.“ 

Die Zeugin berichtet, Arco lache dabei. Als sie ihm entgegnet, dass er sich das nicht traue, bekräftigt er seine Absicht: „Doch, doch, ich mache es, der muss weg er ist ein Bolschewik und Jude.“ 

10. Mai 1919
Josef Hofmiller unterschätzt die Thule-Gesellschaft

München-Haidhausen * Josef Hofmiller schreibt zur Thule-Gesellschaft völlig naiv in sein Tagebuch: „Diese Thule-Gesellschaft scheint eine harmlose alldeutsche Loge gewesen zu sein, die in den Verdacht monarchistischer Umtriebe gekommen war und an der die Roten offenbar ein Exempel statuieren wollten. Sie hatten als Vereinsabzeichen das germanische Hakenkreuz.“

Josef Hofmiller hat - wie die meisten Angehörigen des bürgerlichen Lagers - die Entschlossenheit der Thule-Gesellschaft, den demokratischen Staat zu beseitigen und durch eine völkische Diktatur zu ersetzen, völlig unterschätzt. 

16. März 1920
Gustav Ritter von Kahr wird bayerischer Ministerpräsident

München * Nach dem Kapp-Lüttwitz-Putsch wird der evangelische Monarchist Gustav Ritter von Kahr zum Nachfolger von Johannes Hoffmann zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt.

Kahr steht einer bürgerlichen Rechtsregierung vor und betreibt eine eigenständige Stellung Bayerns innerhalb des Deutschen Reiches. Gestützt auf seine Einwohnerwehr lässt er die Arbeiter- und Soldatenräte auflösen und begründet den Ruf Bayerns als „Ordnungszelle des Reiches“. 

18. Oktober 1921
Bayerns letzter König Ludwig III. stirbt in Ungarn 

Sárvár - München * Ludwig III., Bayerns letzter König, stirbt im Alter von 76 Jahren auf seinem ungarischen Gut Sárvár. Die Revolution vom November 1918 beendet seine Herrschaft; auf seinen Thronanspruch verzichtet er jedoch nie ausdrücklich. 

Sein Tod bietet monarchistischen und rechtskonservativen Kreisen Anlass, die Verbundenheit mit dem Königshaus öffentlich zu demonstrieren. Sie wollen die bevorstehenden Trauerfeierlichkeiten nutzen, um den monarchischen Gedanken zu stärken und ein politisches Zeichen gegen die Republik und die Linke zu setzen. 

Ludwigs Leichnam wird über Schloss Wildenwart nach München überführt. Dort findet am 5. November die gemeinsame Beisetzung mit seiner bereits 1919 verstorbenen Ehefrau Maria Theresia in der Frauenkirche statt. 

5. November 1921
Kardinal Faulhaber rechnet mit der Revolution ab

München-Kreuzviertel * Die Kirche - allen voran Kardinal Michael von Faulhaber - fühlt sich aufgefordert mit der Revolution abzurechnen. Der hohe katholische Kleriker steht als Garant für das Gottesgnadentum der angestammten Herrscher und für eine auf das christliche Herrschaftsverständnis gegründete Regierung. 

In seiner Trauerrede sagt Kardinal Faulhaber in Anspielung auf die Hunger- und Friedensdemonstrationen vor und die revolutionären Veranstaltungen nach Kriegsende, besonders aber auf die Beisetzungsfeierlichkeiten für den ermordeten ersten demokratischen bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner: „Die heutige Trauerfeier hebt sich durch die kirchliche Weihe himmelhoch hinauf über alles Trauertheater, das auf dem Straßenpflaster von München jemals gewesen ist.“ Ausführlich hebt Faulhaber hervor, dass Ludwig III. „kein König von Volkes Gnaden“, sondern ein „König von Gottes Gnaden“ gewesen sei. 

Der monarchistische und antidemokratische Kirchenvertreter verurteilt die Revolution, indem er sagt: „Könige von Volkes Gnaden sind keine Gnade für das Volk, und wo das Volk sein eigener König ist, wird es über kurz oder lang sein eigener Totengräber“. Dieser Satz lässt den Kardinal am Ende des Zweiten Weltkrieges prophetisch erscheinen. Ein größerer zeitlicher Abstand zeigt aber die Untauglichkeit solcher Ängste erzeugender Geschichtsverklärungen. 

5. November 1921
Die Beisetzung des Königspaars wird zur monarchistischen Demonstration

München * Ludwig III. und seine bereits 1919 verstorbene Ehefrau Maria Theresia werden in der Frauenkirche beigesetzt. Der Trauerzug führt von der Ludwigskirche über den Königs- und Karolinenplatz zum Dom. Hoftrauerwagen, Gugelmänner und Hartschiere lassen das Zeremoniell der Monarchie nochmals aufleben. 

An den Feierlichkeiten beteiligen sich Angehörige des Königshauses, die Staatsregierung, Reichswehr und Veteranenvereine sowie Beamte und Abordnungen aus allen acht bayerischen Regierungsbezirken. Monarchistische Kreise nutzen die öffentliche Trauer als Bekenntnis zum gestürzten Königshaus und als Gegenbild zum revolutionären Gedenken an Kurt Eisner. 

Trotz kursierender Putschgerüchte kommt es nicht zur Wiederherstellung der Monarchie. Kronprinz Rupprecht lehnt einen gewaltsamen Umsturz ab, hält jedoch an seinen Thronansprüchen fest. 

10. Juli 1934
Kardinal Faulhaber traut den Eisner-Mörder

München-Kreuzviertel * Kardinal Michael von Faulhaber traut den Kurt-Eisner-Mörder Anton Graf von Arco auf Valley mit Gabrielle Gräfin von Arco-Zinneberg in der Dreifaltigkeitskirche.

Arco hatte den Gründer des Freistaats Bayern am 21. Februar 1919 hinterrücks ermordet, war zunächst zum Tode verurteilt, aber am nächsten Tag zu lebenslänglicher Festungshaft begnadigt worden. Nach fünf Jahren wurde er aus der Haft entlassen. Anton Graf von Arco auf Valley war durch seine Tat in monarchistischen und konservativen Kreisen hoch angesehen. Deshalb ist es dem Münchner Erzbischof und Kardinal ein persönliches Anliegen, die Trauung durchzuführen.