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1896
Der „Kaisergarten“ an der Lilienstraße wird abgerissen

München-Au * Die seit dem 17. Jahrhundert bestehende Gastwirtschaft „Zum Kaisergarten“ wird abgerissen. 

Das Grundstück der Wirtschaft gehörte lange Zeit nicht zur Vorstadt Au, sondern lag auf dem Gebiet des Münchner Burgfriedens. Selbst als die Au am 1. Oktober 1854 nach München eingemeindet wurde, war dieses Grundstück noch immer ein Teil der Isarvorstadt. Es dauerte noch bis zum Jahr 1875, bis der „Kaiserwirt“ der Vorstadt Au zugeschlagen wurde. 

Der Garten des „Kaisergartens“, auf dem sich auch die Vorstadt-Theater der Familie Schweiger befanden, war aber auf Auer Gemeindegebiet.

27. Mai 1899
Positive Kritiken für den Kaisergarten

München-Au * Im „Münchener Lokal-Anzeiger“, der ehemaligen Zeitschrift „Münchener Ratsch-Kathl“ ist zu lesen: „Der neue ‚Kaisergarten‘ am Eingange der Au, nächst der äußeren Ludwigsbrücke, hat in seinem jetzigen Besitzer, Herrn Betz, den richtigen Mann gefunden hinsichtlich des Betriebs dieser altbekannten Volksquelle. 

Der große Parterre-Saal ist wie geschaffen zur Abhaltung volkstümlicher Unterhaltungen, die denn auch alle Sonn- und Feiertage, sowie Samstage, durch Sing- und Komikergesellschaften veranstaltet werden und sich eines recht regen Besuches erfreuen.“

1. Januar 1910
Aus einem Teil der Entenbachstraße wird die Zeppelinstraße 

München-Au * Der nördlich der Ohlmüllerstraße gelegene Abschnitt der Entenbachstraße trägt nun den Namen Zeppelinstraße. Damit ehrt die Stadt Ferdinand Graf von Zeppelin, einen ehemaligen General und Wegbereiter des Starrluftschiffs. Seine spektakulären Luftschiffe gelten zu dieser Zeit als Symbole des technischen Fortschritts und lösen in der Bevölkerung große Begeisterung aus. Der südliche Straßenabschnitt behält den Namen Entenbachstraße. 

24. November 1910
Carl Gabriels Tonbildtheater in der Au 

München-Au * Der Schausteller und Kinopionier Carl Gabriel eröffnet in den Räumen des früheren Gasthauses und Varietés „Zum Kaisergarten“ sein zweites Münchner Kino: „Gabriels Tonbildtheater“. Der Eingang befindet sich damals an der Zeppelinstraße 85; heute lautet die Adresse Lilienstraße 2. Das Vorstadtkinoprogramm mit kurzen Spiel-, Aktualitäten- und Unterhaltungsfilmen richtet sich an ein breites Publikum. Wie in der Frühzeit des Kinos üblich, werden Stummfilme häufig musikalisch begleitet und mitunter von einem „Explikateur“ erläutert. 

1916
Betreiberwechsel in Gabriels Kino 

München-Au * Oskar Richard Mohler übernimmt das bisherige „Gabriels Tonbildtheater“ von Kinopionier Carl Gabriel und führt es unter dem neuen Namen „Gabriels Lichtspieltheater“ weiter. Bereits zwei Jahre später erhält das Kino wegen seiner Nähe zum Deutschen Museum den bis heute gebräuchlichen Namen „Museum Lichtspiele“. 

 

1918
Die Museum Lichtspiele erhalten ihren Namen 

München-Au * Das bisherige „Gabriels Lichtspieltheater“ heißt nun „Museum Lichtspiele“. Namensgeber ist das gegenüberliegende Deutsche Museum, dessen Neubau auf der ehemaligen Kohleninsel – der heutigen Museumsinsel – zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollendet ist. Der Erste Weltkrieg unterbricht die Bauarbeiten; anschließend sorgen die politischen Umbrüche und die Inflation für weitere Verzögerungen. Erst am 7. Mai 1925 wird der Neubau des Deutschen Museums feierlich eröffnet. Der Name „Museum Lichtspiele“ bleibt bis heute erhalten. 

Ab 30. Januar 1933
Die Gleichschaltung erreicht Film und Kino 

Deutsches Reich * Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler. Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten beginnt auch für die deutsche Film- und Kinobranche eine Zeit der Einschüchterung, Gewalt und schrittweisen Gleichschaltung. Filmprogramme, Personalentscheidungen und wirtschaftliche Tätigkeiten geraten zunehmend unter staatliche und parteipolitische Kontrolle. Jüdische sowie politisch unerwünschte Filmschaffende und Gewerbetreibende werden ausgegrenzt und aus ihren Berufen verdrängt.

 

22. September 1933
Die Reichskulturkammer vollendet die Kontrolle des Filmwesens 

Berlin * Mit dem Reichskulturkammergesetz unterstellt das NS-Regime das gesamte deutsche Kulturleben einer zentralen staatlichen Kontrolle. Die bereits im Juli gegründete Reichsfilmkammer wird als eine von sieben Einzelkammern in die Reichskulturkammer eingegliedert. 

Wer in der Filmbranche tätig sein oder ein Lichtspieltheater betreiben will, muss Mitglied der Reichsfilmkammer sein. Aufnahme und Verbleib hängen von der vermeintlichen „Zuverlässigkeit und Eignung“ ab, die das Regime nach politischen und rassistischen Kriterien beurteilt. Für jüdische Filmschaffende und Kinobetreiber bedeutet der Ausschluss aus der Kammer faktisch ein Berufsverbot. 

In München trifft diese Verfolgung später die jüdische Kinobesitzerin Lonny van Laak. Ihr Ehemann Wilhelm van Laak hat die „Museum-Lichtspiele“ zwischen 1928 und 1930 gemeinsam mit Valentin Neumeier geleitet. Nach Wilhelms Tod im Jahr 1935 entziehen die Behörden Lonny van Laak wegen ihrer jüdischen Herkunft die Vorführlizenz für ihr letztes Kino. 

1937
Wilhelm Sensberg führt die Museum-Lichtspiele

München-Au * Von 1937 bis zum Kriegsende Ende April 1945 ist  Wilhelm Sensberg der Betreiber des Filmtempels in der Au.

Welche politische Gesinnung die Betreiber des Lichtspielhauses während der NS-Zeit bevorzugten, ist nicht bekannt. Auf alle Fälle standen die Kinobetreiber und -besitzer in dieser Zeit unter strenger Aufsicht nationalsozialistischer Aktivisten.

Suchbegriffe: Kino, Museum-Lichtspiele
5. November 1942
Überfall auf die Museum-Lichtspiele

München-Au * Unter „Ausnutzung der Verdunkelung“ überfällt der 33-jährige Wilhelm Heppert die Kassiererin der Museum-Lichtspiele und raubt den Betrag von 150 Mark. Der Räuber wird von einem Wehrmachtsangehörigen gefasst und der Polizei übergeben. Er wird vor ein Sondergericht gestellt und als „Volksschädling“ zum Tode verurteilt. Eine Begnadigung lehnt das Gericht ab.

27. Januar 1943
Wilhelm Heppert wird durch den Scharfrichter hingerichtet

München-Obergiesing * Wilhelm Heppert, der die Kassiererin der Museum-Lichtspiele überfallen und die Kasse um 150 Mark erleichtert hat, wird im Strafgefängnis München-Stadelheim durch den Scharfrichter hingerichtet. Sein Leichnam wird dem Anatomischen Institut zur Verfügung gestellt.

1946
Otto und Walli Gusoni leiten die Museum-Lichtspiele

1946: 

München-Au * Von 1946 bis 1952 haben Otto Gusoni und Walli Gans-Gusoni die Leitung der Museum-Lichtspiele übernommen. 

Die Museum-Lichtspiele zählen zu den typischen Nachspielkinos in den Vorstadt-Randbezirken, die sich in den Jahren der Kinokrise - wenn sie nicht aufgaben und sich in einen Supermarkt verwandelten - mehr schlecht als recht durchschlugen. Hinzu kommt die immer stärkere Konkurrenz durch die öffentlichen Fernsehsender. 

 

1953
Die Museum-Lichtspiele werden zum „Revolverkino“ 

München-Au * Werner Wotke übernimmt die Leitung des Vorstadt-Filmpalasts. Unter seiner Führung entwickelt sich das Stadtteilkino zu einem sogenannten „Revolverkino“: Auf dem Programm der Museum-Lichtspiele stehen vor allem Western, Gangster- und Abenteuerfilme, Heimatfilme sowie die bei Jugendlichen beliebten „Halbstarken“-Streifen mit Darstellern wie James Dean und Horst Buchholz. Einen besonderen Schwerpunkt bilden preisgünstig produzierte Western und später die erfolgreichen Italo-Western. 

Mehr als zwei Jahrzehnte lang bietet das Kino seinem Publikum populäre Unterhaltung abseits des anspruchsvollen Premierenbetriebs der Innenstadt. Im November 1975 endet Wotkes Ära – programmatisch passend mit der Vorführung eines Italo-Westerns. Die genaue Bezeichnung des letzten Films ist in den zugänglichen Darstellungen nicht genannt. 

19. Juni 1973
„The Rocky Horror Show“ feiert Uraufführung

London * Richard O’Briens Musical „The Rocky Horror Show“ feiert im Theatre Upstairs des Royal Court Theatre seine offizielle Uraufführung. Die Studiobühne bietet nur 63 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz. Regie führt Jim Sharman. Tim Curry spielt Frank N. Furter, Richard O’Brien übernimmt die Rolle des Riff Raff.  

Der Erfolg führt die Produktion noch 1973 ins Chelsea Classic Cinema und anschließend ins größere King’s Road Theatre. Erst 1979 zieht sie ins Comedy Theatre im West End um. Die ursprüngliche Londoner Inszenierung bleibt insgesamt rund sieben Jahre auf dem Spielplan und endet am 13. September 1980. 

21. Oktober 1974
Die Dreharbeiten zur „Rocky Horror Picture Show“ beginnen 

Bray bei Windsor * Unter der Regie von Jim Sharman beginnen die Dreharbeiten zur Kinofassung von Richard O’Briens Musical „The Rocky Horror Show“. Gedreht wird in den Bray Studios und im benachbarten Herrenhaus Oakley Court, das als Kulisse für das Schloss von Dr. Frank N. Furter dient. Der Film erhält den Titel „The Rocky Horror Picture Show“. 

14. August 1975
„The Rocky Horror Picture Show“ feiert Weltpremiere 

London * Im Rialto Theatre feiert „The Rocky Horror Picture Show“ Weltpremiere. Jim Sharman bringt Richard O’Briens Bühnenmusical „The Rocky Horror Show“ auf die Leinwand. Der erhoffte Erfolg bleibt zunächst aus; der Film enttäuscht an den Kinokassen.  

Erst mit den Mitternachtsvorstellungen im New Yorker Waverly Theatre ab April 1976 beginnt der Aufstieg zum Kultfilm. Eine wachsende Fangemeinde besucht die Vorstellungen immer wieder, erscheint kostümiert, singt mit und kommentiert die Dialoge. Die Beteiligung des Publikums wird zum Markenzeichen der Vorführungen. 

19. Dezember 1975
Die Museum-Lichtspiele eröffnen als Musicalkino

München-Au * Der Schauspieler Hartmut Hinrichs übernimmt die Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 und richtet sie als Spezialkino für Musicalfilme neu aus. Nach einem Umbau eröffnet das Filmtheater mit Carol Reeds Musicalverfilmung „Oliver!“ aus dem Jahr 1968. 

Der erhoffte Publikumszuspruch bleibt zunächst aus. Zu Vorstellungen von „My Fair Lady“ oder „Funny Lady“ finden sich mitunter nur zwei oder drei Gäste ein. Hinrichs führt das Kino bis zu seinem Tod 1988. 

Ab Juli 1976
Die Museum-Lichtspiele erhalten einen zweiten Kinosaal 

München-Au * Betreiber Hartmut Hinrichs lässt den bisherigen Vorführraum der Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 zu einem zweiten Kinosaal umbauen. Im ersten Saal laufen weiterhin Musik- und Tanzfilme. 

Das neue Kino 2 wird an Beate Uhse untervermietet und eröffnet am 3. September mit pornografischen Filmen. Diese Nutzung dauert bis April 1977. 

3. September 1976
Der zweite Saal der Museum-Lichtspiele eröffnet als Pornokino 

München-Au * Die Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 eröffnen einen zweiten Kinosaal. Er entsteht durch den Umbau des bisherigen Vorführraums und wird zunächst an Beate Uhse untervermietet. Während im ersten Saal weiterhin Musik- und Tanzfilme laufen, zeigt Kino 2 bis April 1977 pornografische Filme. Die geprüfte Kinogeschichte nennt keine einzelnen Filmtitel. Beate Uhses Unternehmen erzielt 1976 einen Jahresumsatz von 60 Millionen D-Mark. 

24. Juni 1977
Die „Rocky Horror Picture Show“ startet in den Museum-Lichtspielen 

München-Au * Die Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 nehmen „The Rocky Horror Picture Show“ ins Programm. Die Verfilmung des Rockmusicals entwickelt sich zum Kultfilm und bleibt fortan regelmäßig auf dem Spielplan.  

Eine treue Fangemeinde macht die Vorstellungen zum Mitmachereignis: Besucherinnen und Besucher erscheinen geschminkt und kostümiert, tragen Netzstrümpfe, Strapse oder Korsagen, sprechen Dialoge mit, singen und tanzen. Zu bestimmten Filmszenen werfen sie Reis oder Toilettenpapier und spritzen mit Wasser. Die Rituale ergänzen das Geschehen auf der Leinwand um eine eigene Vorstellung im Zuschauerraum. Später bietet das Kino an der Kasse passende Mitmachpäckchen an.  

Die außergewöhnlich lange Vorführtradition macht die Museum-Lichtspiele über München hinaus bekannt und bringt ihnen später einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ein. 

18. September 1980
Die Museum-Lichtspiele eröffnen einen dritten Kinosaal 

München-Au * Die Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 erweitern ihr Filmtheater um einen dritten Saal. Er entsteht in einem ehemaligen Lagerraum. Zur Eröffnung für geladene Gäste läuft „The Rocky Horror Picture Show“. Am 19. September beginnt der reguläre Publikumsbetrieb. 

Im selben Jahr erhält der dem Kultfilm gewidmete Saal eine passende Inneneinrichtung. Es ist weltweit das erste Kino, dessen Inneneinrichtung für einen einzigen Film gemacht ist. Die Gestaltung macht den Kinobesuch zum besonderen Erlebnis und unterstützt die ausgelassenen Mitmachrituale des Publikums. 

Bis Ende Oktober 1981 wird hier nur die „Rocky Horror Picture Show“ gezeigt. 

1988
Die Museum-Lichtspiele kommen in den Genuss der Filmtheater-Prämie

München-Au * Die Museum-Lichtspiele kommen - neben weiteren Münchner Filmtheatern - in den Genuss der Filmtheater-Prämie in Höhe von 10.000 DMark. Oberbürgermeister Georg Kronawitter kann den Preis übergeben.

Bundesweit werden 98 Kinos ausgezeichnet. Doch an keinen Ort gehen mehr Auszeichnungen wie an München.

4. Oktober 1991
Die Museum-Lichtspiele feiern den „Rocky Horror“-Weltrekord 

München-Au * Die Museum-Lichtspiele feiern das 15-jährige Jubiläum ihrer Vorführungen der „Rocky Horror Picture Show“. Der Filmverleih Twentieth Century Fox gratuliert zum Weltrekord im Guinness-Buch der Rekorde. Für die Feier sind vier Vorstellungen um 16 Uhr, 18.15 Uhr, 20.30 Uhr und 22.45 Uhr angekündigt.