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13. Mai 1923
Der Muttertag kommt nach Deutschland 

Deutsches Reich * Auf Initiative des Verbands Deutscher Blumengeschäftsinhaber findet in Deutschland erstmals eine reichsweite Muttertagskampagne statt. Unter dem Werbespruch „Ehret die Mutter“ werben Blumenläden, Plakate und Veranstaltungen dafür, Mütter am zweiten Sonntag im Mai mit Blumen zu beschenken. 

Nach ihrer Machtübernahme vereinnahmen die Nationalsozialisten den Muttertag, erklären ihn 1933 zum staatlichen Ehrentag und verbinden ihn mit ihrer rassistischen Bevölkerungs- und Familienpolitik. Verehrt wird nun vor allem die kinderreiche „arische“ Mutter; später kommt das sogenannte Mutterkreuz hinzu. Diese ideologische Instrumentalisierung belastet den Gedenktag bis in die Gegenwart. 

14. Mai 1939
Am Muttertag gibt’s den „Karnickelorden“

Berlin * Aus Anlass der Muttertagsfeiern werden erstmals „Ehrenkreuze der deutschen Mutter“ an kinderreiche Frauen verliehen. Frauen mit vier bis fünf Kindern erhalten den Mutterorden in Bronze, für mehr als sechs Kinder gibt‘s den Orden in Silber, und für mehr als acht Kinder wird das Mutterkreuz in Gold vergeben. Die Orden hängen an einem blauen Band mit der Aufschrift: „Das Kind adelt die Mutter“. 

Hinter vorgehaltener Hand wird das  Mutterkreuz auch als „Karnickelorden“ bezeichnet. Nationalsozialistische Politik drängt die Frauen zurück an Herd und Kinderbett. Außerhalb des Hauses gelten Frauen nur wenig. 

Reichspropagandaminister Joseph Goeppels meint zur Rolle der Frau: „Die Frau hat die Aufgabe, schön zu sein und Kinder zur Welt zu bringen. [...] Die Vogelfrau putzt sich für den Mann und brütet für ihn die Eier aus.“ 

11. Mai 1986
Die „Mütter gegen Atomkraft“ organisieren sich

München * Unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl schließen sich Frauen aus München, Starnberg und dem Umland zur Initiative „Mütter gegen Atomkraft“ zusammen. Ausgangspunkt ist eine Muttertagsaktion auf dem Münchner Marienplatz, bei der Frauen symbolisch möglicherweise radioaktiv belastete Blumen niederlegen und ein großes Strahlenzeichen bilden. 

Die Initiative informiert über radioaktive Belastungen, veröffentlicht unabhängige Messergebnisse und gibt Empfehlungen zum Schutz von Kindern und Familien. Zugleich fordert sie den Ausstieg aus der Kernenergie und wendet sich gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf. Die „Mütter gegen Atomkraft“ entwickeln sich zu einem wichtigen, überparteilichen Teil des bürgerlichen Anti-Atom-Widerstands.