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März 1900
Antisemitische Ausschreitungen im Kreuzbräu

München-Hackenviertel * Als der Wiener Gemeinderat Lucian Brunner im Münchner Kreuzbräu im Auftrag des Historikers und Pazifisten Ludwig Quidde für den liberalen Demokratischen Verein einen Vortrag halten soll, kommt es durch Parteigänger der Christlich-Sozialen-Vereinigung zu Ruhestörungen und einer Massenschlägerei.

Als Quidde das Rednerpult betritt, „ging ein wütendes Gejohle und Gepfeife an, unterbrochen von Rufen: [...] „Raus mit dem Juden".

Am Veranstaltungslokal bringen die Antisemiten ein Plakat mit folgender Aufschrift an: „Hier werden wegen Kohlemangels Juden verbrannt“.

März 1900
Antisemitische Ausschreitungen bei einer politischen Versammlung 

München-Hackenviertel * Bei einer Veranstaltung des Liberalen Demokratischen Vereins im Münchner Kreuzbräu kommt es zu schweren Störungen und einer Massenschlägerei. Der Wiener Gemeinderat Lucian Brunner soll dort im Auftrag des Historikers und Pazifisten Ludwig Quidde einen Vortrag halten. Anhänger der Christlich-Sozialen Vereinigung versuchen jedoch, die Veranstaltung zu verhindern. 

Als Ludwig Quidde das Rednerpult betritt, wird er mit lautem Gejohle, Pfeifkonzerten und antisemitischen Rufen empfangen. Vor dem Veranstaltungslokal bringen die Störer zudem ein Plakat mit der Aufschrift „Hier werden wegen Kohlemangels Juden verbrannt“ an. Der Vorfall verdeutlicht die zunehmende öffentliche Präsenz und Radikalisierung antisemitischer Agitation in München zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

12. November 1918
Bitte um Milderung der Waffenstillstandsbedingungen an die USA

München - Bern - Washington * Professor Dr. Friedrich Wilhelm Foerster wird von Ministerpräsident Kurt Eisner zum bayerischen Gesandten in Bern berufen.

Der international anerkannte Pazifist nimmt umgehend Kontakt zum amerikanischen Pazifisten George D. Herron auf. Dieser leitet Eisners Bitte um Milderung der Waffenstillstandsbedingungen umgehend an den US-Präsidenten Woodrow Wilson weiter. 

19. November 1918
Ein offenes Bekenntnis der Schuld übernehmen

Bern - München * Bayerns Ministerpräsident Kurt Eisner erhält von dem amerikanischen Pazifisten George Davis Herron ein Telegramm, in dem es heißt:

„Ich habe mein möglichstes getan, um den Präsidenten und die Entente-Regierungen zu überzeugen, dass ihre Regierung vertrauenswürdig ist.[…] Vor allem rate ich Ihnen dringend, möglichst viele deutsche Staaten zu überzeugen, Ihrer Führung zu folgen, zweitens die ersten Schritte zu einem vollen und offenen Bekenntnis der Schuld und Untaten der deutschen Regierung am Anfang des Krieges und an den Grausamkeiten der Kriegsführung zu unternehmen. Die moralische Wirkung einer solchen Handlung wäre gewaltig und entscheidend. […] Ich bitte Sie, kühn, offen und unverzüglich zu handeln, nicht nur Deutschlands, sondern der Zivilisation und der Menschheit wegen.“

Diese Ratschläge entsprechen Eisners eigenen Erfahrungen und Intentionen bis ins Detail. Doch welche Handlungsmöglichkeiten stehen ihm konkret offen, da der Rat der Volksbeauftragten in Berlin, der aus je drei SPD- und USPD-Männern besteht, wobei die Letztgenannten über eine Statistenrolle nicht hinauskommen, kaum eigene Schritte zu Friedensverhandlungen unternehmen wird. 

20. April 1919
Mit erhobenem Haupte untergehen

München * Eugen Leviné erkennt, dass es für die bedrängte Räterepublik keine Unterstützung von außen geben wird. Doch wenn die Revolution untergehen soll, dann - so seine Auffassung - mit erhobenem Haupt:

„Es ist ein Irrtum zu glauben, dass kleinmütige Unterwerfung ein besserer Weg sei, um Blutvergießen zu vermeiden oder zu verhindern. Im Gegenteil: Nur wenn die Weißen Garden eine kühn entschlossene Armee vor sich haben und merken, dass der Kampf auch in ihren Reihen Opfer fordern wird, werden sie bereit sein, Konzessionen zu machen. […]

Die Weiße Armee wird auf jeden Fall einen Vorwand für ein Blutbad finden. […] Ist Arbeiterblut so billig, dass man es zur Genugtuung von neugebackenen Pazifisten wehrlos vergießen darf?“.

Leviné argumentiert damit gegen Ernst Toller und Gustav Klingelhöfer, die mit der Regierung Hoffmann verhandeln wollen. Doch auch der KPD-Parteiführer in Berlin, Paul Levi, befürwortet eine bedingungslose Kapitulation, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. 

Nach Juni 1945
Kurt Eisner bleibt im öffentlichen Gedenken eine Randfigur 

München * Nach dem Zweiten Weltkrieg findet Kurt Eisner als Gründer des Freistaats Bayern und dessen erster demokratischer Ministerpräsident zunächst wenig Anerkennung in Politik und Öffentlichkeit. Ältere Zerrbilder prägen weiterhin die Erinnerung an ihn. 

Bereits während der Weimarer Republik stellen politische Gegner Eisner als Anarchisten und weltfremden Schwabinger Bohemien dar. Die nationalsozialistische Propaganda verschärft diese Angriffe durch antisemitische Hetze und diffamiert ihn als Bolschewisten und Pazifisten. Diese Feindbilder erschweren auch nach 1945 eine angemessene Würdigung seiner Rolle bei der Entstehung der bayerischen Demokratie. 

Suchbegriffe: Eisner-Denkmal
Personen: Eisner Kurt
16. November 1993
Klaus Warnecke würdigt Eisners Regierung als Kraft gegen das Chaos 

München * Der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Warnecke verteidigt in einem Leserbrief an die „Süddeutsche Zeitung“ die historische Bedeutung der Regierung Kurt Eisners. 

Warnecke beschreibt den politischen, militärischen und sozialen Zusammenbruch im Winter 1918/19 als Erbe der Monarchie und ihrer Kriegsführung. Während die Verantwortlichen sich zurückziehen und die Niederlage mit der Dolchstoßlegende erklären, übernehmen Sozialdemokraten und die USPD unter Eisner Verantwortung.

 Nach Warneckes Einschätzung gelingt es Eisners Kabinett mit Innenminister Erhard Auer und Militärminister Albert Roßhaupter, gestützt auf die Arbeiterräte, unter schwierigsten Bedingungen ein Mindestmaß an Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Regierung habe Bayern „einen Winter lang vor dem totalen Chaos bewahrt“. 

Den entscheidenden Einschnitt sieht Warnecke in Eisners Ermordung: „Das wahre Chaos begann erst, als der rechtsradikale Offizier Graf Arco den Pazifisten Kurt Eisner am 21. Februar 1919 auf offener Straße ermordete.“