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September 1866
Die Vermessungsarbeiten für die Eisenbahn nach Braunau beginnen

München * Die Vermessungsarbeiten, um den genauen Verlauf der Bahnstrecke nach Braunau am Inn festzulegen, beginnen. Die angedachte Trasse soll südlich von Untergiesing durch die Isarauen verlaufen, dann die Hangkante auf der Höhe des späteren Stadions an der Grünwalder Straße durchschneiden und östlich von Obergiesing durch die Hochau nach Haidhausen führen. Damit wären die drei Stadtviertel des Münchner Ostens direkt an die Eisenbahn angebunden.

Als nächste Entscheidung steht die Standortwahl für den nach dem Zentralbahnhof zweiten großen Staatsbahnhof auf der Tagesordnung. Für das betroffene Stadtviertel hätte das weitreichende Folgen auf die wirtschaftlichen, sozialen und städtebaulichen Entwicklungen, denn es geht bei dieser Entscheidung immerhin um die Drehscheibe für den künftigen Güter- und Personenverkehr im Münchner Osten. 

1. Juni 1871
Die Ruhe und der Beschaulichkeit in Untergiesing ist dahin

München - Braunau - Linz - Wien * Die über Mühldorf nach Simbach/Braunau am Inn führende Hauptverkehrsstrecke der Eisenbahn wird eröffnet. Sie führt weiter über Linz nach Wien. Spätestens ab jetzt ist es mit der Ruhe und der Beschaulichkeit in Untergiesing vorbei.

Während die neue Streckenführung für den Güter- und Personenverkehr einen erheblichen Zeitgewinn bedeutet und reiche Spekulanten noch reicher macht, ist die Bahnlinie für Untergiesing mit erheblichen Nachteilen verbunden und bringt für die ansässigen Bewohner neben einer Lärmbelästigung noch zusätzlichen Gestank und einen sieben Meter hohen, die ganze Ortsflur durchtrennenden Bahndamm.

Der gewünschte Bahnhof, verbunden mit der Möglichkeit der Ansiedelung von Industrieanlagen, bleibt den Untergiesingern ebenfalls versagt. War zu Beginn noch von einer Station mit Güterhalle die Rede, so verwarf die Generaldirektion auch diese Pläne, da Bodenuntersuchungen die Untergiesinger Isarauen als denkbar ungünstiges Areal für einen Bahnhof bezeichneten.

Das bedeutet für die Stadt München, dass sie nach einen neuen Standort für den Städtischen Schlacht- und Viehhof suchen muss, der ursprünglich zwischen Schyrenbad und Stadtgartendirektion geplant war.

7. August 1888
Patent für die Drehtür

USA * Der niederländisch-amerikanische Erfinder Theophilus Van Kannel das US-Patent für seine neuartige Drehtür. Die Erfindung löst ein alltägliches Problem: Während herkömmliche Flügeltüren Zugluft, Regen und Staub ins Gebäude lassen, ermöglicht die Drehtür einen kontinuierlichen Personenverkehr, ohne dass das Gebäudeinnere den Witterungseinflüssen ausgesetzt ist.

Van Kannels Konstruktion erweist sich als ebenso praktisch wie wirtschaftlich. Sie verhindert das unkontrollierte Aufschlagen der Türen bei Wind, reduziert Wärmeverluste und eignet sich besonders für stark frequentierte Eingänge von Hotels, Kaufhäusern, Banken und später auch Bürohochhäusern. Damit trägt sie wesentlich zur Entwicklung moderner öffentlicher Gebäude bei.

Obwohl bereits 1881 in Deutschland ein ähnliches Türsystem patentiert worden ist, ist es Van Kannel, der die Drehtür zur Marktreife bringt und weltweit verbreitet. Seine Erfindung gehört bis heute zu den wichtigsten Innovationen im Bereich der Gebäudetechnik und ist aus dem Stadtbild moderner Metropolen nicht mehr wegzudenken. 

Die Legende besagt, dass Van Kannel die Drehtür nur deshalb erfunden hat, weil er es hasst, anderen Menschen – insbesondere Damen – die Tür aufzuhalten. Für diese oft zitierte Anekdote gibt es jedoch keine belastbaren historischen Belege. 

Suchbegriffe: Drehtüre