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Ab Dezember 1095
Urbans Predigtreise mobilisiert die Gläubigen 

Frankreich * Auf seiner weiteren Reise wirbt Papst Urban II. nachdrücklich für den Zug in den Osten. Er beschreibt ihn als bewaffnete Pilgerfahrt und als „Befreiung“ der bedrängten Christinnen und Christen im Byzantinischen Reich sowie der heiligen Stätten in Jerusalem. Muslime stellt er dabei in der zeittypischen Kreuzzugsrhetorik als Feinde des christlichen Glaubens dar. 

Urban rechtfertigt den Waffengang als Ausdruck christlicher Nächstenliebe: Die Teilnehmenden sollen ihr Leben für Gott und ihre Glaubensgeschwister einsetzen. Wer sich aus religiöser Überzeugung dem Zug anschließt, dem stellt er die Vergebung seiner Sünden in Aussicht. 

Die fast ein Jahr dauernde Predigtreise trägt entscheidend zur Mobilisierung bei. Urban spricht mit großer Überzeugungskraft, weckt starke Emotionen und verleiht seinem Aufruf höchste religiöse Autorität, indem er ihn als Auftrag Christi verkündet. 

19. Juni 1097
Nicäa fällt an Byzanz 

Nicäa * Nach mehrwöchiger Belagerung gibt die seldschukische Besatzung Nicäa auf. Die erste bedeutende gegnerische Festung auf dem Weg nach Jerusalem ergibt sich jedoch nicht den Kreuzfahrern, sondern byzantinischen Truppen. Kaiser Alexios I. hat heimlich über die Übergabe verhandeln lassen und verhindert damit die Plünderung der Stadt. Viele Kreuzfahrer reagieren enttäuscht und misstrauisch, weil sie auf Beute gehofft haben. 

Die Größe des Kreuzzugsheeres lässt sich nur schätzen. Vermutlich gehören ihm rund 30.000 Fußsoldaten und 4.000 bis 4.500 berittene Kämpfer an; hinzu kommen mehrere Tausend unbewaffnete Pilgerinnen und Pilger. Unter ihnen befinden sich Geistliche, Handwerker, Händler, Dienstleute sowie Frauen und Kinder. 

Die zahlreichen Nichtkämpfenden erhöhen zwar den Bedarf an Nahrung und verlangsamen den Marsch, sind aber ein wesentlicher Teil des Unternehmens. Der Kreuzzug versteht sich nicht allein als Feldzug, sondern zugleich als bewaffnete Pilgerfahrt nach Jerusalem.

15. Juli 1099
Eroberung und Massaker in Jerusalem 

Jerusalem * Nach einem zweitägigen Großangriff durchbrechen die Kreuzfahrer die Befestigungen und dringen in Jerusalem ein. Für die Überlebenden des jahrelangen Marsches erfüllt sich damit das religiöse Ziel ihrer Pilgerfahrt. Von den ursprünglich aufgebrochenen Menschen erreicht jedoch nur ein kleiner Teil die Stadt. Das verbliebene Heer umfasst schätzungsweise 12.000 bis 15.000 Kämpfer; hinzu kommen unbewaffnete Pilgerinnen und Pilger. 

Auf die Einnahme folgt ein Massaker. Die Eroberer töten zahlreiche muslimische und jüdische Männer, Frauen und Kinder, nehmen Gefangene und plündern Häuser sowie Heiligtümer. Einigen Bewohnern gelingt die Flucht oder sie überleben durch Schutzversprechen und Lösegeldzahlungen. Wie viele Menschen sterben, lässt sich nicht mehr zuverlässig feststellen. 

Lateinische Chronisten deuten die Eroberung als göttlichen Sieg und rechtfertigen die Gewalt mit religiösen Feindbildern. Raimund von Aguilers schreibt triumphierend, die Sieger seien auf dem Tempelberg „bis zu den Knien und den Zügeln ihrer Pferde im Blut“ geritten. Das Bild ist keine wörtliche Mengenangabe, sondern eine biblisch geprägte Übertreibung – zugleich zeigt es, wie selbstverständlich der Chronist das Töten als göttliches Urteil verherrlicht. 

Auch die byzantinische Geschichtsschreiberin Anna Komnena berichtet später von der Ermordung zahlreicher muslimischer und jüdischer Einwohner. Sie ist jedoch keine Augenzeugin der Eroberung. 

1104
Hugo von Payns auf dem Weg zu einer Pilgerfahrt ins Land der Heiligkeit

Israel * Hugo von Payns ist ein Herr aus dem mittleren Adel und stammt aus der Champagne. Seine Spuren sind nur sehr rar gestreut, weshalb sich seine Teilnahme am Ersten Kreuzzug nicht mit Sicherheit bestätigen lässt. Tatsache ist aber, dass er sich anno 1104 auf den Weg zu einer Pilgerfahrt ins Land der Heiligkeit macht und Graf Hugo von der Champagne begleitet.