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7. November 1918
Die Räte sollen den Ablauf des Umsturzes organisieren

München-Ludwigsvorstadt * Der Mathäserbräu wird aufgrund seiner zentralen Lage zwischen Hauptbahnhof, Wittelsbacher Palais, Landtagsgebäude, Außenministerium, Residenz und Polizeipräsidium als Hauptquartier der Revolutionsbewegung ausgewählt. Die Funktion der spontan entstandenen revolutionären Arbeiter- und Soldatenräte besteht zunächst darin, den Ablauf des Umsturzes zu organisieren und seinen Erfolg sicherzustellen.

Die Räte fungieren als Organe der Revolution. Sie leiten umgehend Maßnahmen ein:

  • Bewaffnete Soldaten patrouillieren auf Lastkraftwagen die Nacht hindurch und sollen - wenn nötig - die Ordnung aufrecht erhalten.
  • Vor den wichtigen öffentlichen Gebäuden werden Wachen aufgestellt.
  • Die Verkehrs- und Nachrichtenzentren werden übernommen.
  • Die wichtigen Zeitungsredaktionen und Verlagshäuser werden besetzt, um Bekanntmachungen zu drucken und die Bevölkerung mit Informationen zu versorgen. 
6. Dezember 1918
Demonstranten besetzen Münchner Zeitungsredaktionen

München * Im Schwabingerbräu, Mathäserbräu und im Odeon werden Versammlungen für Soldaten abgehalten. Die Versammlungsteilnehmer demonstrieren im Anschluss gegen die Münchner Presse.

Die Räume der Münchner Neuesten Nachrichten, des Bayerischen Kuriers, der München-Augsburger Abendzeitung und der Münchner Zeitung werden besetzt. Die Besetzer erlassen umfangreiche Zensurvorschriften, die beim Eintreffen der Republikanischen Schutztruppe und vor allen auf Kurt Eisners Zureden zurückgenommen werden. Die Demonstranten ziehen daraufhin zu Innenminister Erhard Auer, um ihn wegen

  • seiner Haltung in den Januarstreiks und
  • seines Eintretens für eine demokratische, nicht-sozialistische Republik  

mit Gewalt zum Rücktritt von seinem Ministerposten zu zwingen. 

21. Februar 1919
Besetzte Zeitungsredaktionen und nächtliche Plünderungen

München * Nach der Ermordung Kurt Eisners richtet sich die Wut seiner Anhänger auch gegen die Münchner Presse. Insbesondere den bürgerlichen Zeitungen werfen sie vor, durch ihre Hetze gegen den Ministerpräsidenten den Boden für das Attentat bereitet zu haben. 

Soldaten und revolutionäre Aktivisten besetzen Redaktionsräume. Bereits gedruckte Zeitungsexemplare werden paketweise auf die Straße geworfen und teilweise verbrannt. Das Erscheinen der Münchner Zeitungen wird weitgehend unterbunden. Ausgenommen bleiben die „Neue Zeitung“, das Parteiorgan der USPD, und die „Neue Freie Volkszeitung“ des Bayerischen Bauernbunds. 

Auch außerhalb der besetzten Redaktionen kommt es zu Übergriffen. Trotz der ab 19 Uhr geltenden Ausgangssperre werden in der Nacht Adelspalais in Bogenhausen und Schwabing geplündert. Die Ausschreitungen zeigen, wie schwer sich die revolutionären Ordnungskräfte damit tun, die aufgebrachte Stadt unter Kontrolle zu halten. 

11. April 1919
Die bürgerlichen Pressehäuser werden sozialisiert

München * Die Pressehäuser der bürgerlichen Presse werden sozialisiert und die Zeitungsbesitzer enteignet. Die Betriebe gehen in die Hände der Arbeiter über.

  • Die Zeitungen werden auch weiterhin von den Redaktionen gemacht. Ihnen wird allerdings ein Aufpasser zur Seite gestellt. Redakteure, die ihre Entlassung einreichen, erhalten eine Lohnfortzahlung für sechs Monate. 
  • In leitender Funktion arbeitet bei der Zensurbehörde der Schriftsteller Ret Marut, der später unter seinem Pseudonym B. Traven bekannt wird.