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1. September 1924
Josephine Baker wird zur Broadwayattraktion 

New York * Am New Colonial Theatre feiert das afroamerikanische Broadway-Musical „The Chocolate Dandies“ Premiere. Die Musik stammt von Eubie Blake, die Liedtexte von Noble Sissle. Josephine Baker tritt in der hervorgehobenen Rolle des „Comedy Chorus Girl“ auf und wird als „bestbezahltes Revuegirl der Welt“ angekündigt. Ihre Wochengage beträgt 125 Dollar. 

Mit ihrer clownesken, bewusst überzeichneten Bühnenfigur, ihren Grimassen und scheinbar unbeholfenen Bewegungen entwickelt Baker einen unverwechselbaren Stil. Sie hebt sich damit von der übrigen Tanzgruppe ab und verwandelt die damals verbreiteten rassistischen Bühnenklischees in eine eigenständige komische Darbietung. Die Produktion läuft bis zum 22. November und erreicht 96 Vorstellungen. 

Der Auftritt festigt Bakers Bekanntheit in New York und bereitet ihren Weg nach Europa vor. Der entscheidende Schritt folgt jedoch erst 1925: Die Impresaria Caroline Dudley Reagan engagiert sie für „La Revue Nègre“ in Paris und bietet ihr mit 250 Dollar pro Woche das Doppelte ihrer bisherigen Gage. Dort gelingt Baker der internationale Durchbruch. 

2. Oktober 1925
Josephine Bakers internationaler Durchbruch 

Paris * Im Théâtre des Champs-Élysées feiert „La Revue nègre“ Premiere. Josephine Baker gehört zunächst zum Ensemble, rückt aber mit ihrem Charleston und der gemeinsam mit Joe Alex aufgeführten „Danse sauvage“ sofort in den Mittelpunkt des Abends. Ihr ebenso energiegeladener wie komischer Tanz macht die neunzehnjährige Amerikanerin über Nacht zur Pariser Sensation und begründet ihre internationale Karriere. 

Der französische Titel enthält eine heute als rassistisch abgelehnte Bezeichnung, die im kolonial geprägten Europa der 1920er-Jahre noch weithin gebräuchlich ist. Seit Beginn des Jahrhunderts interessieren sich Teile der Pariser Avantgarde für Kunstwerke aus Afrika; auch Henri Matisse und Pablo Picasso greifen deren Formen auf. In den 1920er-Jahren verbindet sich diese künstlerische Aneignung mit der Begeisterung für Jazz, Charleston und afroamerikanische Unterhaltungskultur. 

Das Pariser Publikum unterscheidet dabei häufig kaum zwischen moderner afroamerikanischer Kultur und seinen kolonialen Vorstellungen von Afrika. Baker wird als „wild“, „exotisch“ und vermeintlich „ursprünglich“ inszeniert. Sie bedient damit zeittypische rassistische und sexualisierte Fantasien, eignet sich diese Bilder jedoch zugleich für ihre unverwechselbare Bühnenfigur an. Durch Übertreibung, Komik und körperliche Ausdruckskraft gewinnt sie eine außergewöhnliche Präsenz, ohne dem exotisierenden Blick des Publikums vollständig entkommen zu können. 

Anders als später häufig dargestellt, trägt Baker bei diesem Auftritt noch nicht den berühmten Bananenrock. Dieses Kostüm wird erst 1926 in der Revue „La Folie du Jour“ zu ihrem Markenzeichen.