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1905
Paul Nicolaus Cossmann konvertiert zum katholischen Glauben

München * Paul Nicolaus Cossmann konvertiert vom jüdischen zum katholischen Glauben.

Während des Ersten Weltkriegs tauscht er seine liberalen Ideen gegen einen skrupellosen Nationalismus ein.

In den „Süddeutschen Monatsheften“ wird er später verbissen die „Dolchstoß“-Theorie propagieren.

Um 1919
Dr. Fritz Gerlich ist als Marxistentöter bekannt

München * Aus zahlreichen Aufsätzen in den Süddeutschen Monatsheften, der Liberalen Korrespondenz sowie den Historisch-politischen Blättern entsteht Dr. Fritz Gerlichs Buch Der Kommunismus als Lehre vom Tausendjährigen Reich. Außerdem kämpft er im Münchner Bürgerrat und im Bayerischen Heimatdienst sowie mit der Wochenzeitschrift Feurjo gegen den gesamten marxistischen Sozialismus.

Daneben beschafft er Geldmittel für die Gründung der Bayerischen Einwohnerwehr und für die Überwachung der Kommunistischen Partei. Dieses Engagement trägt zu seinem Ruf als „Marxistentöter“ bei.

26. April 1919
Beunruhigend sind die beruhigenden Flugblätter

München-Haidhausen * Ein weiterer Tagebucheintrag von Josef Hofmiller, dem Herausgeber der reaktionären Süddeutschen Monatshefte, beschreibt die unsichere Situation der Bevölkerung:

„Es wird allmählich das reinste Geduldsspiel: kommt sie, kommt sie nicht, nämlich die weiße Garde? Wir wissen gar nichts. Am meisten beunruhigt, dass immer wieder beruhigende Flugblätter abgeworfen werden“. 

7. Mai 1919
Josef Hofmiller analysiert die Lage der SPD

München-Haidhausen * Josef Hofmiller, der Herausgeber der reaktionären Zeitschrift Süddeutsche Monatshefte, analysiert die Situation: „Die Sozialdemokratie ist in einer Zwickmühle: sie ist gezwungen Farbe zu bekennen, und diese Farbe ist nicht rot, wie die Masse geglaubt hat. Sie hat niemals gewagt, den trennenden Strich zwischen sich und den Kommunisten zu ziehen; die Leute aber, die die Regierung Hoffmann jetzt erschießen lässt, sind lauter Kommunisten.

Die Sozialdemokratie hat die Massen immer auf den großen Kladderatatsch [= eine alte, in der Kaiserzeit gebrauchte, humorvolle Bezeichnung für die Revolution] vertröstet und scharf gemacht; jetzt, wo die Massen den Kladderatatsch machen und ausnützen wollen, lässt sie auf sie schießen.

Man sieht es jeder Nummer der ‚Münchener Post‘ an, wie greulich der offiziellen Sozialdemokratie die durch ihre eigene Schuld unheilbar gewordene Lage ist.“ 

Um den 15. Juni 1920
Fritz Gerlichs Buch „Der Kommunismus als Lehre vom Tausendjährigen Reich“

München * Aus zahlreichen Aufsätzen in den Süddeutschen Monatsheften, der Liberalen Korrespondenz sowie den Historisch-politischen Blättern entsteht Dr. Fritz Gerlichs Buch „Der Kommunismus als Lehre vom Tausendjährigen Reich“. Es wird im Bruckmann-Verlag verlegt. Gerlich rechnet darin den Kommunismus zu den Erlösungsreligionen und verurteilt den verbreiteten Antisemitismus. 

21. Februar 11919
Josef Hofmiller gibt Eisner eine Mitschuld an seiner Ermordung

München-Haidhausen * Der nationalkonservative Gymnasiallehrer und Literaturkritiker Josef Hofmiller, Mitherausgeber der „Süddeutschen Monatshefte“, deutet Kurt Eisners Ermordung als Folge von dessen eigener Politik. In seinem „Revolutionstagebuch“ erklärt er: „Eisner forderte durch sein ganzes Verhalten zu seiner gewaltsamen Entfernung heraus.“ 

Hofmiller behauptet, mit Eisner sei ebenso wenig zu regieren gewesen wie ohne ihn, da dieser einen kleinen, aber entschlossenen Anhang hinter sich habe. Dabei lässt er außer Betracht, dass Eisner an diesem Morgen auf dem Weg zum Landtag ist, um seinen Rücktritt zu erklären. 

Als vermeintlich „vollkommen harmlose“ Alternative zum Mord entwirft Hofmiller ein Szenario gewaltsamer Ausschaltung: Man hätte Eisner bei seiner Rückkehr aus der Schweiz entführen, in einer Jagdhütte festhalten, zum Amtsverzicht zwingen und anschließend ohne Papiere über die Grenze schaffen können. Eine solche Entführung und erzwungene Abschiebung verharmlost er als Möglichkeit, den „Unruhestifter“ ohne Blutvergießen zu beseitigen. 

Zugleich befürchtet Hofmiller, dass der Mord einen Bürgerkrieg auslöst. Er relativiert diese Sorge jedoch mit der Frage, ob die gewaltsame Auseinandersetzung nicht ohnehin bevorsteht: „Die Auseinandersetzung mit den Räten ist unvermeidlich. Es fragt sich jetzt nur, wer die Macht hat.“ 

Seine Aufzeichnung dokumentiert damit eine Haltung, die dem Opfer Verantwortung für die gegen es gerichtete Gewalt zuschreibt und dessen politische Ausschaltung grundsätzlich für berechtigt hält.