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1891
Italienische Sammelklassen in der Haidhauser Wörthschule

München-Haidhausen * Insgesamt 80 Italiener werden in einer Sammelklasse in der Haidhauser Wörthschule unterrichtet. „Einer allgemeinen Fortbildungsschule konnte man sie nicht zuführen, da sie der deutschen Sprache nicht mächtig waren. Für sie bildete man eine eigene Klasse an der Wörthschule und erteilte ihnen abends und an Sonntagen acht Stunden wöchentlich Unterricht.“

In München gab es - im Gegensatz zu den meisten anderen Großstädten im Reich - diese äußerst fortschrittliche Einrichtung, in der italienisch-kundige bayerische Lehrer zwei- bis dreimal in der Woche in den Fächern Geographie, Kalligraphie, Rechnen, Deutsch und Religion unterrichteten.

Durch das Erlernen der deutschen Sprache sollte eine Integration hierzulande erleichtert werden, durch das Fach Geographie, in dem ausschließlich italienische Landeskunde gelehrt wurde, die Bindung zur Heimat gewahrt bleiben.
Da ein Mann in Italien erst dann als vollberechtigter Staatsbürger galt, wenn er vor einem Notar seinen Namen schreiben konnte, war der Schreibunterricht für eine Wiedereingliederung in der Heimat von besonders großer Wichtigkeit.

Da die Schule von den weit außerhalb gelegenen Ziegeleien jedoch oft nur in mehrstündigen Fußmärschen zu erreichen war, und auch die Akkordanten nicht einmal für die Zeit der Schulstunden auf ihre billigsten Arbeitskräfte verzichten wollten, konnte nur eine begrenzte Anzahl der italienischen Kinder die Schule an der Wörthstraße besuchen.

2. Oktober 1911
Preußen verkürzt die Schulstunde auf 45 Minuten 

Berlin - Preußen * Am 2. Oktober 1911 tritt an den höheren Lehranstalten Preußens, insbesondere den Gymnasien, die 45-Minuten-Schulstunde in Kraft. Grundlage ist ein Erlass des Kultusministers August von Trott zu Solz vom 22. August 1911. Zuvor dauert eine Unterrichtsstunde üblicherweise 60 Minuten. 

Die Reform soll den Unterricht auf den Vormittag konzentrieren. Bis dahin besuchen viele Schüler die Schule vormittags und nachmittags, getrennt durch eine mehrstündige Mittagspause. Das bedeutet zusätzliche Schulwege oder lange Wartezeiten. Zugleich klagen Lehrer über müde, wenig aufnahmefähige Klassen am Nachmittag. Untersuchungen der damaligen experimentellen Psychologie stützen die Forderung nach kürzeren Unterrichtseinheiten. 

Mit den sogenannten Kurzstunden lassen sich die vorgesehenen Fächer am Vormittag unterbringen. Doch die Neuerung ist umstritten: Lehrer befürchten mehr Hast und weniger Zeit für Gespräche und Vertiefung. Auch kürzere Pausen sorgen für Kritik. Trotzdem setzt sich der 45-Minuten-Takt im deutschen Schulwesen durch – eine organisatorische Entscheidung mit langfristigen Folgen für den Schulalltag.