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7. November 1917
Die Bolschewiki übernehmen die Macht in Petrograd

Petrograd * Die Bolschewiki unter Führung Wladimir Iljitsch Lenins stürzen mit einem bewaffneten Aufstand die Provisorische Regierung Alexander Kerenskis. Rote Garden und revolutionäre Soldaten besetzen strategisch wichtige Punkte der Hauptstadt und umstellen den Winterpalast. In der Nacht zum 8. November nehmen sie den Regierungssitz ein und verhaften die dort verbliebenen Minister.  

Der Zweite Allrussische Sowjetkongress billigt die Machtübernahme. Eine neue Regierung, der „Rat der Volkskommissare“ unter Lenins Vorsitz, beansprucht die Herrschaft im Namen der Arbeiter- und Soldatenräte. Der Umsturz bildet den Ausgangspunkt der bolschewistischen Staatsordnung. Die russische Revolution beginnt jedoch bereits mit der Februarrevolution, die im März 1917 zum Ende der Zarenherrschaft führt.  

Nach dem damals in Russland geltenden julianischen Kalender ist der Tag der Machtübernahme der 25. Oktober – daher die Bezeichnung „Oktoberrevolution“. Die Umstellung auf den gregorianischen Kalender erfolgt erst 1918: Auf den 31. Januar folgt unmittelbar der 14. Februar. 

6. November 1918
Der „Bayerische Kurier“ vermisst die Verteidiger der bestehenden Ordnung

München * Angesichts der politischen Krise beklagt der „Bayerische Kurier“, dass die Verteidiger der bestehenden Staatsordnung kaum noch öffentlich hervortreten. Die Zeitung fragt, „ob denn die Männer, welche ihre Stimme zu erheben berufen sind, in die Ecken verkrochen sind“. Der Kommentar bringt die Verunsicherung im monarchietreuen Lager unmittelbar vor dem Umsturz zum Ausdruck. 

6. November 1918
Der „Bayerische Kurier“ fordert ein Einschreiten gegen die Revolution

München - Königreich Bayern * Unter der Überschrift „Bedenkliche Vorkommen in Kiel“ warnt der zentrumsnahe „Bayerische Kurier“ vor der Ausbreitung des Matrosenaufstands. Die Zeitung ruft alle „staatstreuen Kräfte des Volkes“ dazu auf, Hand anzulegen, „um einen gefährlichen Brand in seinem Beginne zu löschen“. 

Mit diesem Appell fordert das Blatt die Verteidiger der bestehenden Staatsordnung zum Eingreifen auf. Die revolutionäre Bewegung erscheint dabei als Bedrohung, die frühzeitig eingedämmt werden müsse. 

8. November 1918
Der Provisorische Nationalrat konstituiert sich

München-Kreuzviertel * Am Nachmittag tritt im Landtagsgebäude an der Prannerstraße der Provisorische Nationalrat des Volksstaates Bayern zusammen. Er übernimmt vorläufig die Funktion der bisherigen Abgeordnetenkammer und der Reichsratskammer. Seine Zusammensetzung verbindet Vertreter der revolutionären Räte mit Abgeordneten des bisherigen Landtags. 

Dem Gremium gehören Vertreter der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, die bisherigen Landtagsfraktionen der Mehrheitssozialdemokraten und des Bayerischen Bauernbundes sowie drei liberale Abgeordnete an: Ludwig Quidde, Karl Hübsch und Karl Köhl. Zum Präsidenten wird der Mehrheitssozialdemokrat Franz Schmitt gewählt. Der Nationalrat bestätigt die neue Regierung unter Kurt Eisner. 

Die Zusammenarbeit mit der MSPD soll die neue Staatsordnung auf eine breitere politische Grundlage stellen. Obwohl Eisner und Auer unterschiedliche Vorstellungen vom Verlauf der Revolution haben, verständigen sie sich auf eine gemeinsame Regierung. 

8. November 1918
Eisner ruft die gesamte Bevölkerung zur Mitarbeit auf

München - Freistaat Bayern * Im Aufruf „An die Bevölkerung Münchens!“ wirbt Kurt Eisner um breite Unterstützung für den demokratischen Neubeginn: „Wir rechnen auf die schaffende Mithilfe der gesamten Bevölkerung. Jeder Arbeiter an der neuen Freiheit ist willkommen!“ 

Zugleich sichert er den Fortbestand der Verwaltung zu: „Alle Beamten bleiben in ihren Stellungen.“ Grundlegende soziale und politische Reformen sollen unverzüglich beginnen. Die neue Staatsordnung verbindet damit den Anspruch auf Veränderung mit der Weiterarbeit der bestehenden Behörden. 

21. Februar 1919
Münchner Kommunisten fordern die sofortige Ausrufung der Räterepublik

München * Nach der Ermordung Kurt Eisners und den Schüssen im Landtag entsteht ein politisches Machtvakuum. Die provisorische Regierung ist kaum noch handlungsfähig. Die Räte gewinnen an Einfluss, während der geplante Übergang zu einer parlamentarisch legitimierten Regierung zunächst blockiert ist. 

Die Münchner Kommunisten um Max Levien drängen darauf, die Situation für die sofortige Ausrufung einer Räterepublik zu nutzen. Eine Regierungsbildung unter Führung der Mehrheitssozialdemokraten lehnen sie ab. Stattdessen soll die politische Macht auf die Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte übergehen. 

Zugleich verändert sich ihr öffentliches Verhältnis zu Eisner. Obwohl sie seinen politischen Kurs zu Lebzeiten scharf bekämpfen, würdigen sie nach seiner Ermordung sein aufrichtiges Streben nach der Verwirklichung des Sozialismus. Sie beanspruchen, sein Vermächtnis durch die Fortführung der Revolution einzulösen. 

Die Forderung nach einer sofortigen Räterepublik setzt sich jedoch zunächst nicht durch. Auch innerhalb der Arbeiterbewegung bleiben die Vorstellungen über die künftige Staatsordnung umstritten. Die Mehrheitssozialdemokraten halten am parlamentarischen Weg fest; der neu gebildete Zentralrat versteht sich vorerst als Übergangsorgan. Die Räterepublik wird erst am 7. April 1919 ausgerufen. 

5. Mai 1950
Ein Staatswappen für das demokratische Bayern

München - Freistaat Bayern * Mit dem Gesetz über das Wappen des Freistaates Bayern erhält das Land ein neues Staatswappen. Es verbindet die demokratische Staatsordnung mit den historischen Zeichen seiner Landesteile. 

  • Die Volkskrone steht für die Volkssouveränität: Die Staatsgewalt geht vom Volk aus. 
  • Die beiden schildhaltenden Löwen führen eine Tradition aus dem 14. Jahrhundert fort. 
  • Der goldene Pfälzer Löwe repräsentiert die Oberpfalz. 
  • Der fränkische Rechen steht für Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. 
  • Der blaue Panther symbolisiert Oberbayern und Niederbayern. 
  • Die drei schwarzen Löwen vertreten Schwaben. 
  • Der weiß-blaue Rautenschild in der Mitte steht für Bayern als Ganzes. Zusammen mit der Volkskrone bildet er das kleine Staatswappen. 

Das Wappen vereint damit Bayerns regionale Vielfalt, seine Geschichte und sein demokratisches Selbstverständnis. 

Suchbegriffe: Wappen, Staatswappen
5. Juni 1950
Ein Staatswappen für das demokratische Bayern

München - Freistaat Bayern * Mit dem Gesetz über das Wappen des Freistaates Bayern erhält das Land ein neues Staatswappen. Es verbindet die demokratische Staatsordnung mit den historischen Zeichen seiner Landesteile. 

  • Die Volkskrone steht für die Volkssouveränität: Die Staatsgewalt geht vom Volk aus. 
  • Die beiden schildhaltenden Löwen führen eine Tradition aus dem 14. Jahrhundert fort. 
  • Der goldene Pfälzer Löwe repräsentiert die Oberpfalz. 
  • Der fränkische Rechen steht für Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. 
  • Der blaue Panther symbolisiert Oberbayern und Niederbayern. 
  • Die drei schwarzen Löwen vertreten Schwaben. 
  • Der weiß-blaue Rautenschild in der Mitte steht für Bayern als Ganzes. Zusammen mit der Volkskrone bildet er das kleine Staatswappen. 

Das Wappen vereint damit Bayerns regionale Vielfalt, seine Geschichte und sein demokratisches Selbstverständnis.

22. Februar 1989
Der Stadtrat streitet über „Freistaat“ und „Volksstaat“ auf dem Eisner-Denkmal 

München-Graggenau * Der Münchner Stadtrat berät über die Inschrift des geplanten Kurt-Eisner-Bodendenkmals. Rasch besteht Einigkeit darüber, das zunächst vorgesehene Wort „erschossen“ durch „ermordet“ zu ersetzen. Um die Begriffe „Freistaat“ und „Volksstaat“ entbrennt dagegen eine scharfe politische Auseinandersetzung. 

Beide Bezeichnungen stehen 1918 für die republikanische Staatsordnung. Im Streit um die Inschrift geht es deshalb auch darum, ob Eisner ausdrücklich als Begründer des heutigen Freistaats Bayern gewürdigt wird. 

Die SPD schlägt vor: „Kurt Eisner. 1867–1919. Begründer des Freistaats Bayern und Ministerpräsident wurde am 21. Februar 1919 hier vor seinem Amtssitz ermordet.“ Durchsetzen kann sich jedoch der Vorschlag von Bürgermeister Winfried Zehetmeier (CSU). CSU, FDP und Grüne/ALM stimmen dafür, die SPD dagegen. Die beschlossene Inschrift vermeidet den Begriff „Freistaat“ und lautet: 

„Kurt Eisner, der am 8. November 1918 die Bayerische Republik ausrief, nachmaliger Ministerpräsident des Volksstaates Bayern, wurde an dieser Stelle am 21. Februar 1919 ermordet.“