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26. Februar 1919
Faulhaber: Warum wird Eisner wie ein König begraben?

München-Kreuzviertel * Kardinal Michael von Faulhaber schreibt zu Kurt Eisners Beerdigung in sein Tagebuch: „Wenn die Monarchie abgeschafft, warum wird Eisner doch wieder wie ein König begraben, während Osel und die anderen einfach zugeschaufelt werden, ist das Demokratie?“ 

Zu Gustav Landauers Satz seiner Trauerrede an Kurt Eisners Grab: „Er war einer wie Jesus und Hus, […] die von der Dummheit und dem Eigennutz hingerichtet wurden“, schreibt Faulhaber in sein Tagebuch, Eisner „war ein Teil von jener Kraft, die Jesus gekreuzigt hat, nicht aber von Jesus selber“. 

27. Februar 1919
Faulhaber reagiert mit einem antijudaistischen Vorwurf auf Landauers Trauerrede 

München-Kreuzviertel * Erzbischof Michael von Faulhaber weist Gustav Landauers Würdigung Kurt Eisners zurück. Landauer vergleicht den Ermordeten in seiner Trauerrede mit Jesus und Jan Hus – Menschen, die wegen ihrer Überzeugungen verfolgt und getötet werden. 

Faulhaber empfindet diesen Vergleich als Gotteslästerung. In seinem Tagebuch schreibt er über Eisner, dieser „war ein Teil von jener Kraft, die Jesus gekreuzigt hat, nicht aber von Jesus selber“. 

Damit greift Faulhaber auf den traditionellen antijudaistischen Vorwurf einer kollektiven jüdischen Schuld am Tod Jesu zurück und richtet ihn gegen den ermordeten Ministerpräsidenten jüdischer Herkunft. Seine Reaktion verdeutlicht, wie eng sich seine Ablehnung der Revolution mit religiös begründeten judenfeindlichen Vorstellungen verbindet. 

5. November 1921
Kardinal Faulhaber rechnet mit der Revolution ab

München-Kreuzviertel * Die Kirche - allen voran Kardinal Michael von Faulhaber - fühlt sich aufgefordert mit der Revolution abzurechnen. Der hohe katholische Kleriker steht als Garant für das Gottesgnadentum der angestammten Herrscher und für eine auf das christliche Herrschaftsverständnis gegründete Regierung. 

In seiner Trauerrede sagt Kardinal Faulhaber in Anspielung auf die Hunger- und Friedensdemonstrationen vor und die revolutionären Veranstaltungen nach Kriegsende, besonders aber auf die Beisetzungsfeierlichkeiten für den ermordeten ersten demokratischen bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner: „Die heutige Trauerfeier hebt sich durch die kirchliche Weihe himmelhoch hinauf über alles Trauertheater, das auf dem Straßenpflaster von München jemals gewesen ist.“ Ausführlich hebt Faulhaber hervor, dass Ludwig III. „kein König von Volkes Gnaden“, sondern ein „König von Gottes Gnaden“ gewesen sei. 

Der monarchistische und antidemokratische Kirchenvertreter verurteilt die Revolution, indem er sagt: „Könige von Volkes Gnaden sind keine Gnade für das Volk, und wo das Volk sein eigener König ist, wird es über kurz oder lang sein eigener Totengräber“. Dieser Satz lässt den Kardinal am Ende des Zweiten Weltkrieges prophetisch erscheinen. Ein größerer zeitlicher Abstand zeigt aber die Untauglichkeit solcher Ängste erzeugender Geschichtsverklärungen. 

5. November 1921
Kardinal Faulhaber stellt das Gottesgnadentum gegen die Volkssouveränität 

München-Kreuzviertel * Bei der Beisetzung Ludwigs III. und Maria Theresias in der Frauenkirche bekennt sich Kardinal Michael von Faulhaber ausdrücklich zur Monarchie. Ludwig sei „kein König von Volkes Gnaden“, sondern ein „König von Gottes Gnaden“ gewesen. 

Seine Trauerrede verbindet die Würdigung des Königspaars mit einer Absage an die demokratische Volkssouveränität: „Könige von Volkes Gnaden sind keine Gnade für das Volk, und wo das Volk sein eigener König ist, wird es über kurz oder lang auch sein eigener Totengräber.“ 

Zugleich erklärt Faulhaber, die kirchliche Weihe erhebe die Feier „himmelhoch hinauf über alles Trauertheater, das auf dem Straßenpflaster von München jemals gewesen ist“. Diese Abwertung richtet sich insbesondere gegen die Trauerfeierlichkeiten für Kurt Eisner. Das religiöse Gedenken wird damit zur politischen Stellungnahme gegen Revolution und Republik. 

5. November 1921
Anspruch der Wittelsbacher auf die bayerische Krone

München-Kreuzviertel * Bei seiner Traueransprache erneuert der erstgeborene Sohn Ludwigs III., Ex-Kronprinz Rupprecht von Bayern, den Anspruch der Wittelsbacher auf die bayerische Krone.  

Doch die Befürchtungen der konservativen bayerischen Staatsregierung, dass die Trauerzeremonie mit der Proklamation Rupprechts zum neuen König von Bayern enden würde, erfüllen sich nicht, da sowohl der Ex-Kronprinz als auch der Regierungspräsident Gustav von Kahr den Zeitpunkt für noch nicht geeignet halten.