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Vor 1202
Die Anfänge der Beginenbewegung

München-Graggenau * Die Münchner Seelhäuser und ihre kleinen Gemeinschaften von Seelnonnen wurzeln in den mittelalterlichen Armen- und religiösen Frauenbewegungen. Sie stehen in enger Beziehung zur Beginenbewegung, die weite Teile Europas erfasst. 

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verbreitet sich die Lebensform der weiblichen Beginen und männlichen Begarden rasch in Flandern, Brabant, den nördlichen Niederlanden sowie in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz. Ein Bericht aus dem Jahr 1241 schildert, dass ihre Zahl – besonders in Deutschland – auf „Tausende und Abertausende“ anwächst. Die Frauen verpflichten sich zu einem keuschen Leben, bestreiten ihren Lebensunterhalt durch eigene Arbeit und führen ein zurückgezogenes, religiös geprägtes Dasein. 

Zu den Zentren der Beginenbewegung im deutschen Sprachraum zählen Groß- und Bischofsstädte wie Köln, Straßburg, Mainz, Basel, Worms, Trier und Würzburg. Als soziale, wirtschaftliche und geistliche Mittelpunkte bieten sie günstige Voraussetzungen für die Entstehung solcher Gemeinschaften. 

Die frühesten zeitgenössischen Berichte führen in das Herzogtum Brabant und die Diözese Lüttich. Als älteste nachweisbare Niederlassung gilt das Beginenhaus von Tirlemont im heutigen Belgien, das bereits vor 1202 besteht.