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Johanneskirchen - Das Dorf des Huuezzi

Staffel 1 · Folge 5 · 10:33

Wo wurde das erste Münchner Bier gebraut? Die Antwort führt nicht in die Altstadt, sondern nach Johanneskirchen. Eine über 1.200 Jahre alte Urkunde erzählt von einer Wagenladung Bier, einem Diakon namens Huuezzi – gesprochen „Wessi“ – und den Anfängen eines Dorfes, das älter ist als München selbst. Eine spannende Reise zu den Wurzeln des Münchner Nordostens.


Johanneskirchen gehört zu den ältesten Siedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet Münchens. Lange bevor München gegründet wurde, verliefen hier bedeutende Handels- und Verkehrswege: Bereits die Römer nutzten Straßen durch dieses Gebiet, später führte die wichtige Salzstraße nach Föhring – eine der Lebensadern des mittelalterlichen Handels. In dieser Folge der Münchner Zeitensprünge reisen wir mehr als zwölf Jahrhunderte zurück. Ausgangspunkt ist eine Urkunde des Hochstifts Freising vom 2. Oktober 815. Sie erwähnt nicht nur erstmals die Johanneskirche bei Föhring, sondern enthält zugleich die älteste bekannte Nennung von Bier auf heutigem Münchner Stadtgebiet. Im Mittelpunkt steht der Diakon Huuezzi, ausgesprochen „Wessi“. Als Lehnsmann des Freisinger Bischofs erhielt er die Johanneskirche und ihre Einkünfte – musste dafür aber jährlich eine Wagenladung Bier, Getreide, einen Frischling, Hühner und eine Gans nach Freising liefern. Damit begegnet uns nicht nur einer der ältesten namentlich bekannten Bewohner des heutigen Münchens, sondern vielleicht auch der erste Braumeister auf Münchner Boden. Doch die Geschichte Johanneskirchens beginnt noch viel früher. Archäologische Funde erzählen von vorgeschichtlichen Siedlungen, Kelten, Römern und einem bajuwarischen Dorf, das im 8. Jahrhundert aufgegeben wurde. Wir werfen einen Blick auf die mittelalterliche Wehrkirche St. Johann Baptist, die über Jahrhunderte Zufluchtsort und Mittelpunkt des Dorfes war, und erfahren, warum ihre Taufkirche einst für die Menschen in Föhring eine besondere Bedeutung hatte. Außerdem geht es um die Geschichte der Hofmark Johanneskirchen, den Einfluss der Freisinger Bischöfe, den Aufstieg des Münchner Patriziergeschlechts der Ridler und den Wandel vom kleinen Bauerndorf zum heutigen Münchner Stadtteil. Zum Abschluss laden wir Sie zu einem Spaziergang durch den historischen Dorfkern ein. Entdecken Sie den Huuezziplatz, die alte Wehrkirche, denkmalgeschützte Bauernhöfe und die Spuren der einst bedeutenden Ziegeleien, bevor Sie den Rundgang in der traditionsreichen Dorfwirtschaft Dicke Sophie ausklingen lassen. Eine Folge über Bier, Geschichte und einen Mann namens Huuezzi – oder, wie man ihn richtig ausspricht: Wessi. Und über ein Dorf, dessen Geschichte lange vor der Gründung Münchens begann. Denn auch hier gilt unser Motto: „Man sieht nur, was man weiß.“