Die Franzosen kommen
Was geschah im Jahr 1800, als plötzlich französische Reiter auf Englschalking zukamen? Ein Votivbild in der alten Nikolauskirche erzählt von der Angst der Dorfbewohner vor Plünderung und Gewalt – und von ihrem Dorfführer Franz Ailler, der den heiligen Nikolaus um Schutz bat.
Doch hinter dieser kleinen Dorfgeschichte verbirgt sich große europäische Politik: französische Besatzung, die Schlacht von Hohenlinden und ein Bayern, das nur wenige Jahre später vom Gegner zum Verbündeten Napoleons wurde. „Die Franzosen kommen“ – eine Geschichte über Krieg und Hoffnung und darüber, wie die napoleonische Weltpolitik plötzlich vor den Toren Englschalkings stand.
Im Mittelpunkt dieser Folge steht ein bemerkenswertes Votivbild in der alten Nikolauskirche von Englschalking. Es erinnert an die dramatischen Ereignisse des Jahres 1800, als die napoleonischen Kriege München und die umliegenden Dörfer erreichten. Das Bild zeigt Englschalking mit seiner Kirche, während sich aus Richtung des Prielwaldes französische Reiter dem Dorf nähern.
Für die Bewohner war die Situation bedrohlich. Plünderungen, gewaltsame Requirierungen und Übergriffe durch Soldaten waren keine Seltenheit. Der Englschalkinger Dorfführer und Plankenbauer Franz Ailler fürchtete um seine Gemeinde und nahm seine Zuflucht zum heiligen Nikolaus. Er gelobte, im Falle der Verschonung einen Gottesdienst halten und zur Erinnerung eine Votivtafel anfertigen zu lassen. Englschalking blieb von der befürchteten Katastrophe verschont – und das Bild hielt die Erinnerung daran für die Nachkommen fest.
Die Podcastfolge erzählt zugleich von den historischen Hintergründen der französischen Anwesenheit in München und seinem Umland. Bayern war zum Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Österreich geworden. Im Jahr 1800 besetzten französische Truppen München. Ihre Versorgung belastete Stadt und Land erheblich: Lebensmittel, Stroh, Pferde und Fuhrwerke mussten bereitgestellt werden, hinzu kamen hohe Geldforderungen.
Ende November marschierte die französische Armee unter General Moreau von München nach Osten. Tausende Soldaten, Pferde, Kanonen und Versorgungswagen zogen durch das Gebiet. Ihr Ziel war Hohenlinden, wo die Franzosen am 3. Dezember 1800 einen entscheidenden Sieg über die österreichisch-bayerische Armee errangen. Danach kamen Verwundete und Soldaten wieder durch die Dörfer östlich von München. Französische Einheiten lagerten erneut im Umland – auch im Priel, der auf der Englschalkinger Votivtafel als „Pruelholz“ erwähnt wird.
Das Votivbild verbindet damit eine lokale Englschalkinger Geschichte mit einem Wendepunkt der bayerischen und europäischen Geschichte. Denn nur wenige Jahre später wurden aus den französischen Gegnern Verbündete. Bayern wechselte 1805 auf die Seite Napoleons – ein Bündnis, das unter maßgeblichem Einfluss von Montgelas im benachbarten Bogenhausen zustande kam.
Die Folge betrachtet diese große Geschichte aus der Perspektive der Menschen vor Ort: Was bedeutete ein europäischer Krieg für ein Dorf vor den Toren Münchens? Was erlebten Bauern und Handwerker, wenn plötzlich eine Armee vor ihrer Haustür stand?
Ausgangspunkt bleibt das Votivbild in St. Nikolaus – ein eindrucksvolles Zeugnis von Angst und Hoffnung, Krieg und Verschonung und einer Zeit, in der die große europäische Geschichte unmittelbar durch Englschalking zog.