Väterchen Timofej und die Ost-West-Friedenskirche
Staffel
1 · Folge
7 ·
10:36
Mitten im Olympiapark stand jahrzehntelang ein Ort, den es eigentlich nie hätte geben dürfen: ein Schwarzbau auf besetztem Staatsgrund – errichtet von einem russischen Eremiten. Wer war Väterchen Timofej, und warum wurde seine kleine Kirche für Zehntausende Münchnerinnen und Münchner zu einem Symbol des Friedens und der Versöhnung? Diese Folge erzählt die außergewöhnliche Geschichte eines Mannes, der gegen alle Widerstände seinen Traum verwirklichte.
Mitten im heutigen Olympiapark entstand ab 1952 ein Ort, der einzigartig in München war: Ohne Baugenehmigung errichteten der aus Russland stammende Timofei Wassiljewitsch Prochorow, den die Münchner nur als Väterchen Timofej kannten, und seine Frau Natascha auf einem besetzten Stück Staatsgrund ein kleines Wohnhaus, eine russisch-orthodoxe Kirche und einen verwunschenen Garten. Aus Kriegsschutt, Fundstücken und unerschütterlichem Glauben schufen sie einen Ort der Hoffnung, den sie der Versöhnung zwischen Ost und West widmeten.
In dieser Folge der Münchner Zeitensprünge erzählen wir die außergewöhnliche Lebensgeschichte eines Mannes, der im Zarenreich geboren wurde, den Zweiten Weltkrieg erlebte und schließlich in München eine neue Heimat fand. Aus einfachen Materialien entstand eine Kirche voller besonderer Details – von der mit silbernem Schokoladenpapier geschmückten Kirchendecke bis hin zu den unzähligen selbst gefertigten Kunstwerken. Was viele zunächst als kuriosen Schwarzbau betrachteten, entwickelte sich zu einem der ungewöhnlichsten und beliebtesten Orte der Stadt.
Doch der Fortbestand des Friedensgartens war mehrfach bedroht. Bereits in den 1950er Jahren sollte das Gelände geräumt werden. Noch größer wurde die Gefahr, als für die Olympischen Spiele 1972 neue Sportanlagen geplant wurden. Erst der Widerstand vieler Münchnerinnen und Münchner, die Unterstützung prominenter Persönlichkeiten und schließlich die Entscheidung von Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel sorgten dafür, dass Kirche und Garten erhalten blieben.
Wir sprechen über die bewegende Biografie von Timofej und Natascha, über die Legenden, die sich um den wortkargen Eremiten rankten, und darüber, wie aus dem „berühmtesten Schwarzbauer Münchens“ eine echte Kultfigur wurde. Auch der verheerende Brand der Ost-West-Friedenskirche im Jahr 2023 und die aktuellen Pläne für ihren Wiederaufbau sind Teil dieser Geschichte.
Heute wird der Friedensgarten vom Trägerverein gepflegt und steht Besucherinnen und Besuchern weiterhin offen. Er erinnert an einen Mann, der mit Mut, Beharrlichkeit und tiefem Glauben einen Ort schuf, der weit über München hinaus für Frieden, Menschlichkeit und Versöhnung steht.
Eine Folge über einen außergewöhnlichen Lebensweg, einen ungewöhnlichen Schwarzbau – und darüber, wie aus einem kleinen Kircherl mitten im Olympiapark eines der stärksten Friedenssymbole Münchens wurde.