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5. Mai 1705
Baierns Bevölkerung leidet unter der Besatzung 

Wien - Baiern * Kaiser Leopold I. stirbt in Wien. Sein 26-jähriger Sohn Joseph I., bereits seit 1690 gewählter römisch-deutscher König, folgt ihm ohne erneute Wahl als Kaiser nach. 

Joseph setzt gegenüber dem besetzten Kurfürstentum Baiern auf einen harten Kurs. Das Land soll zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegführung beitragen und als Machtgrundlage Kurfürst Max Emanuels geschwächt werden. 

Besonders schwer treffen die Besatzungslasten die Landbevölkerung. Neben hohen Steuern und Kriegsabgaben muss sie einquartierte und durchziehende Truppen mit Unterkunft, Lebensmitteln und Futter versorgen. Hinzu kommt die Disziplinlosigkeiten und Exzesse der Soldaten, die der Landbevölkerung oft zusätzliche Leistungen abpressten. Die Bauern müssen für die Militaristen Dirnen besorgen und bezahlen. Häufig zwingt man sie bei Vergewaltigungen der eigenen Frau, der Töchter und Anverwandten zuzusehen. Selbst von jungen Mädchen und Schwangeren nehmen die Soldaten keinen Abstand.  

Die Beschlagnahmung von Vorräten und Vieh bedroht die Existenz bäuerlicher Familien und beeinträchtigt zugleich die Versorgung der Städte. Die wachsende Not und die Gewalt der Besatzung tragen wesentlich dazu bei, dass sich im weiteren Verlauf des Jahres bewaffneter Widerstand formiert. 

24. Mai 1705
Die Entfernung der kurbaierischen Prinzen wird geplant 

München - Wien * Landesadministrator Maximilian Karl von Löwenstein-Wertheim-Rochefort schlägt Kaiser Joseph I. vor, die Söhne Kurfürst Max Emanuels aus München in die österreichischen Erblande zu bringen. Als Begründung nennt er die „Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung“ in Baiern. 

Durch ihre Entfernung soll verhindert werden, dass die jungen Wittelsbacher zu Symbolfiguren des Widerstands gegen die kaiserliche Besatzung werden. Der Vorschlag wird zunächst nicht umgesetzt. Erst im Mai 1706 werden Kurprinz Carl Albrecht und drei seiner Brüder unter kaiserlicher Aufsicht nach Klagenfurt gebracht; ihre Schwester und die jüngeren Brüder bleiben in München. 

6. Juni 1705
Die baierischen Beamten schwören Kaiser Joseph I. die Treue 

München * Baierische Beamte leisten am 6. beziehungsweise 8. Juni 1705 dem römisch-deutschen Kaiser Joseph I. den Treueid. Damit erkennen sie die Herrschaft der Kaiserlichen Administration an und verpflichten sich, ihre Ämter künftig in deren Dienst auszuüben. 

Die Vereidigung sichert der Besatzungsregierung den Zugriff auf den bestehenden Verwaltungsapparat. Zugleich schwächt sie die Bindung der Beamtenschaft an den im Exil lebenden Kurfürsten Max Emanuel. 

29. April 1706
Kaiser Joseph I. verhängt die Reichsacht über Max Emanuel 

Wien * Kaiser Joseph I. verkündet in einer feierlichen Zeremonie die Reichsacht über Kurfürst Max Emanuel von Baiern und dessen Bruder Joseph Clemens, den Kurfürsten von Köln. Weil sie im Spanischen Erbfolgekrieg an der Seite Frankreichs stehen, werden ihnen ihre Reichslehen, Würden und Herrschaftsrechte aberkannt. Max Emanuel verliert damit auch den Schutz des Reiches. 

17. April 1711
Kaiser Joseph I. stirbt ohne männlichen Erben 

Wien * Kaiser Joseph I. stirbt überraschend an den Pocken. Da er keinen überlebenden Sohn hat, fällt die Herrschaft über die habsburgischen Länder an seinen Bruder Carl. Dieser hält sich noch in Spanien auf, dessen Krone er als Carl III. beansprucht. Zum römisch-deutschen Kaiser wird er erst am 12. Oktober 1711 gewählt. 

12. Oktober 1711
Carl VI. wird zum römisch-deutschen König gewählt 

Frankfurt am Main * Die Kurfürsten wählen Erzherzog Carl, den Bruder des im April verstorbenen Kaisers Joseph I., zum römisch-deutschen König. Carl hält sich noch auf der Rückreise aus Spanien auf. Die beiden wegen ihres Bündnisses mit Frankreich geächteten Wittelsbacher Kurfürsten Max Emanuel von Baiern und Joseph Clemens von Köln sind von der Wahl ausgeschlossen. Carls Krönung in Frankfurt folgt am 22. Dezember. 

5. Oktober 1722
Kurprinz Carl Albrecht heiratet Maria Amalia von Österreich 

Wien - München * Der baierische Kurprinz Carl Albrecht heiratet in Wien Erzherzogin Maria Amalia, eine Tochter des verstorbenen Kaisers Joseph I. Im Anschluss folgen prunkvolle Hochzeitsfeiern in München.  

Zur Finanzierung nimmt Kurfürst Max Emanuel umfangreiche Kredite auf. Der pfalz-sulzbachische Oberfaktor Noe Samuel Isaak aus Mergentheim gewährt Vorschüsse von insgesamt nahezu einer Million Gulden. Sie dienen auch weiteren Hofausgaben und der Überbrückung finanzieller Engpässe. Die Rückzahlung wird vor allem bestimmten Salzämtern und der Landschaft, der Vertretung der Landstände, übertragen. Auch der aus Wien kommende Bankier Simon Wolf Wertheimer beteiligt sich an der Finanzierung der Hochzeit. 

12. August 1860
Die Eisenbahn-Strecke München - Salzburg wird erstmals befahren

München - Salzburg * Die in fünf Teilabschnitten erbaute und insgesamt 188 Kilometer lange Eisenbahn-Strecke von München nach Salzburg kann erstmals befahren werden. Ab Salzburg führt die Bahnlinie weiter nach Wien.

Kaiser Franz Joseph I. von Österreich trifft aus Wien mit der k.k. privilegierten Kaiserin-Elisabeth-Bahn ein, König Max II. von Bayern in Salzburg in seinem Hofzug an. Der bayerische Zug wird von zwei Maffei-Lokomotiven gezogen.

Mit dieser Zugverbindung liegt München genau zwischen den zwei großen europäischen Metropolen Wien und Paris. 

28. Juli 1914
Der Eine ist zu alt, der Andere zu jung

Wien * Der bei Kriegsbeginn kurz vor seinem 84. Geburtstag stehende österreichisch-ungarische Kaiser Franz Joseph I. ist zu schnellen und grundsätzlichen Entscheidungen kaum noch in der Lage, auch wenn er versucht, täglich seine Akten pflichtbewusst und akribisch zu bearbeiten.

Sein Thronfolger, Erzherzog Karl, ist gerade 27 Jahre alt und politisch wie militärisch noch ohne Erfahrung. Weil aber die Oberbefehlsgewalt von einem adeligen Mitglied des Erzhauses übernommen werden muss, fällt die Wahl auf der 58-jährigen Erzherzog Friedrich. Er besitzt allerdings nur wenige Eigenschaften, die ihn zum Oberbefehlshaber der österreichisch-ungarischen Armee befähigen. Erzherzog Friedrich wird als eher ängstlich beschrieben, der nur wenig persönliche Initiative entwickelt und sich hauptsächlich mit seiner Frau beratschlagt, welche Uniform er tragen soll.