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11. November 1181
Herzog Heinrich der Löwe muss sich dem Kaiser zu Füßen werfen

Erfurt * Herzog Heinrich der Löwe muss sich auf dem Hoftag zu Erfurt  den Kaiser zu Füßen werfen und um Gnade bitten. Mit dieser Geste ist die Entmachtung des einst einflussreichen Herzogs vollstreckt. Der Kaiser ist durch das lehnsrechtliche Urteil ohne jede Handlungsmöglichkeit.

Nur noch die Rückgabe des Eigenbesitzes gesteht man dem Ex-Herzog Heinrich dem Löwen unter der Voraussetzung zu, dass dieser sich zu einem Exil am Königshof in London - bei seinem Schwiegervater - bereit erklärt. Die deutschen Fürsten meinen, er soll künftig nicht mehr ihrem Stand angehören. 

13. Februar 1701
Kurköln stellt sich auf die Seite Frankreichs 

Kurköln * Joseph Clemens von Baiern, Kurfürst und Fürstbischof von Köln, schließt mit Frankreich einen Allianzvertrag. Nach außen verpflichtet sich Kurköln lediglich zu einer „bewaffneten Neutralität“, tatsächlich bindet sich der geistliche Kurstaat jedoch an Ludwig XIV. und bedroht damit die südöstliche Flanke der benachbarten Niederlande. Joseph Clemens handelt dabei unter dem Einfluss seines Bruders, des baierischen Kurfürsten Max Emanuel, und seines Kanzlers Johann Friedrich Karg von Bebenburg. 

Die Entscheidung hat für Kurköln verheerende Folgen. Das Erzstift wird zu einem der ersten Kriegsschauplätze des Spanischen Erbfolgekriegs im Heiligen Römischen Reich. 1702 belagern alliierte Truppen die kurkölnische Festung Kaiserswerth und besetzen Bonn. Joseph Clemens flieht ins französische Exil und kann erst nach dem Friedensschluss von 1714 in seine Territorien zurückkehren. 

13. August 1702
Joseph Clemens wird Fürstbischof von Hildesheim 

Hildesheim * Nach dem Tod des Fürstbischofs Jobst Edmund von Brabeck übernimmt Joseph Clemens von Baiern die Leitung des Hochstifts Hildesheim. Da er bereits am 6. November 1694 zum Koadjutor mit Nachfolgerecht gewählt worden ist, tritt er das Amt ohne erneute Bischofswahl an. 

Joseph Clemens ist zugleich Kurfürst und Erzbischof von Köln sowie Fürstbischof von Lüttich und Regensburg. Die geistlichen Weihen besitzt er zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht; die Priester- und Bischofsweihe empfängt er erst während seines späteren Exils. Seine zahlreichen Kirchenämter dienen vor allem der politischen Machtsicherung des Hauses Wittelsbach. 

17. August 1704
Therese Kunigunde übernimmt die Regentschaft 

Baiern - München * Vier Tage nach der vernichtenden Niederlage bei Höchstädt überträgt Kurfürst Max Emanuel seiner Gemahlin Therese Kunigunde die politische und militärische Regierungsgewalt über das Kurfürstentum Baiern. Während sich der Kurfürst mit den Resten seiner Armee nach Westen zurückzieht und später ins Exil nach Brüssel geht, bleibt sie mit ihren Kindern in München. Damit wird Therese Kunigunde zur ersten Regentin des Kurfürstentums Baiern. 

Sie übernimmt die Herrschaft in einer nahezu aussichtslosen Lage: Die kurbaierische Armee ist geschlagen, die verbündeten französischen Truppen ziehen sich zurück und die siegreichen Kaiserlichen besetzen große Teile des Landes. Im Vertrag von Ilbesheim muss Therese Kunigunde am 7. November 1704 schließlich die Besetzung Baierns anerkennen; unter ihrer eingeschränkten Regierung verbleiben lediglich die Residenzstadt München und das Rentamt München. 

21. Dezember 1704
Therese Kunigunde verpflichtet sich zur Neutralität 

München * In einem ergänzenden Revers zum Vertrag von Ilbesheim verpflichtet sich Regentin Therese Kunigunde, in dem ihr verbliebenen Herrschaftsgebiet keine gegen Kaiser Leopold I. oder das Heilige Römische Reich gerichteten Handlungen zu dulden oder zu unterstützen. 

Damit bekräftigt sie die Neutralität des Rentamts München und erkennt die im Ilbesheimer Vertrag festgelegte neue Machtordnung an. Die Erklärung schränkt ihren politischen Handlungsspielraum weiter ein und trennt ihre Regierung endgültig von der anhaltenden Kriegspolitik ihres im Exil lebenden Gemahls Max Emanuel.

16. Februar 1705
Kurfürstin Therese Kunigunde reist nach Venedig

München - Venedig * Kurfürstin Therese Kunigunde verlässt München, um in Venedig ihre Mutter, die polnische Königinwitwe Maria Kasimira, zu treffen und sich mit ihr über die politische Lage zu beraten. 

Der Ilbesheimer Vertrag von 1704 sichert der Kurfürstin noch die Herrschaft über das Rentamt München. Während ihrer Abwesenheit übernimmt die kaiserliche Seite jedoch auch dort die Kontrolle und verweigert ihr später die Rückkehr nach Baiern. Aus der vorübergehend geplanten Reise wird ein langjähriges Exil. 

20. März 1705
Kaiser Leopold I. richtet eine Landesverwaltung für Baiern ein 

Wien - Landshut * Unter dem Vorsitz des Hofkriegsratspräsidenten Prinz Eugen von Savoyen beraten hohe kaiserliche Amtsträger über die Verwaltung des besetzten Kurfürstentums. Mit Misstrauen verfolgt der Wiener Hof die fortbestehenden Verbindungen zwischen München und dem im Exil lebenden Kurfürsten Max Emanuel. 

Auf Empfehlung Prinz Eugens und des Hofkriegsrats richtet Kaiser Leopold I. eine zentrale zivile Landesverwaltung ein: die Kaiserliche Administration. Als Sitz ist zunächst Landshut vorgesehen. Die Leitung übernimmt im weiteren Verlauf Graf Maximilian Karl von Löwenstein-Wertheim-Rochefort. 

Damit erhält die kaiserliche Herrschaft in Baiern neben der militärischen Besatzung eine eigenständige Verwaltungsorganisation. 

Um den 16. Mai 1705
Der Kurfürstin wird die Rückkehr nach Baiern verweigert

Venedig - München * Die kaiserliche Seite verweigert Kurfürstin Therese Kunigunde die Rückkehr aus Italien nach Baiern. Damit kann sie ihre im Ilbesheimer Vertrag von 1704 zugesicherte Regierungsgewalt über das Rentamt München nicht mehr ausüben. 

Ihre Kinder bleiben in München zurück. Aus der vorübergehend geplanten Reise zur Begegnung mit ihrer Mutter wird ein langjähriges Exil. 

6. Juni 1705
Die baierischen Beamten schwören Kaiser Joseph I. die Treue 

München * Baierische Beamte leisten am 6. beziehungsweise 8. Juni 1705 dem römisch-deutschen Kaiser Joseph I. den Treueid. Damit erkennen sie die Herrschaft der Kaiserlichen Administration an und verpflichten sich, ihre Ämter künftig in deren Dienst auszuüben. 

Die Vereidigung sichert der Besatzungsregierung den Zugriff auf den bestehenden Verwaltungsapparat. Zugleich schwächt sie die Bindung der Beamtenschaft an den im Exil lebenden Kurfürsten Max Emanuel. 

1. Juli 1705
Die baierischen Landstände huldigen Kaiser Joseph I. 

München * Vertreter der baierischen Landstände leisten Kaiser Joseph I. den Treueid und erkennen damit die Herrschaft der Kaiserlichen Administration an. Zu den Landständen gehören die Prälaten, der Adel sowie die Vertreter der Städte und Märkte; die bäuerliche Bevölkerung besitzt keine eigene Vertretung. 

Die Huldigung verschafft der Besatzungsregierung politische und rechtliche Anerkennung durch die führenden Kräfte des Landes. Sie bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass diese ihre Bindung an den im Exil lebenden Kurfürsten Max Emanuel endgültig aufgeben. 

9. Dezember 1705
Ein gefälschtes Kurfürstenmandat soll den Aufstand legitimieren 

Tölz * Der frühere baierische Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs reist von Braunau nach Tölz und gewinnt den dortigen Pflegskommissär Joseph Ferdinand Dänkel für die Aufstandspläne. Um bestehende Zweifel zu zerstreuen, legt Fuchs ein angebliches Mandat des im Exil lebenden Kurfürsten Max Emanuel vor. 

Darin beklagt der vermeintliche Landesherr die hohen Abgaben, Einquartierungslasten und Zwangsrekrutierungen. Er fordert seine Untertanen auf, sich zu bewaffnen, das Land selbst zu verteidigen und einander beizustehen. Zugleich stellt er militärische Unterstützung und seine baldige Rückkehr in Aussicht. 

Das Schreiben ist vermutlich eine Fälschung aus dem Umfeld der Braunauer Aufstandsführung. Es soll den Eindruck erwecken, die Erhebung geschehe im Auftrag des rechtmäßigen Kurfürsten, und wird damit zu einem wichtigen Mittel für die Mobilisierung des Oberlands. Es lautet: 

„Wir, von Gottes Gnaden Maximilian Emanuel, Churfürst zu Baiern etc. etc..

Nachdem Wir mit Schmertzen vernommen, dass ihr, meine Liebe, Getreue, seit unser Abwesenheit mehr und mehr beschweret werdet, und man euch eine Million nach der andern abpresset, benebst den Teutschen Krieg aus euren Mitteln fortsetzen wolle, wodurch dann die Armuth bey auch dermassen zugenommen, dass ihr die unerträglichen Lasten, sowohl in Geld, als Mannschafft, freye Einquartierung, und hin= und wider= Marches nicht länger ertragen könnet, dass ihr auch eur Vieh und Hauß-Zierathe zu Gelde gemacht, und nichts mehr als die leere Wohnung übrig habt, so haben wir nach der allzeit gegen euch erwiesenen und noch habenden Güt und Vorsorge rathsam und gut befunden, euch solchen vorzustellen und zu ermahnen, dass ihr solche unchristliche Beschwerungen nicht länger duftet, sondern hingegen- gesamter Hand einander beystehet, mit Gewehr euch versorget und auf alle Arth und Weise das Land selbst zu beschirmen trachtet, und solches um soviel mehr, da man noch über dem die bequeme Mannschafft zu dem Kriegesdienst mit Gewalt zwingen und wegführen will.

Zu dem Ende wollen wir auch nicht unterlassen, euch, soviel möglich ist, beyzustehen, und unser Winter-Lager nahe bey euch zu nehmen, biß ihr einen festen Fuß ins Land haben werdet.

Womit wir, wie vor diesem, euch in Gnaden und Gunst gewogen verbleiben.“ 

Um den 10. Dezember 1705
Gerüchte über eine Verschleppung der Kurprinzen

München * In der Stadt verbreitet sich zunehmend das Gerücht, die in der Residenz lebenden Söhne des im Exil befindlichen Kurfürsten Max Emanuel sollten nach Österreich gebracht werden. Ein unmittelbar bevorstehender Abtransport lässt sich nicht belegen; Überlegungen zu einer Verlegung der Prinzen hat es innerhalb der Kaiserlichen Administration jedoch bereits gegeben. 

Die Nachricht verstärkt die Angst vor einem endgültigen Ende der wittelsbachischen Herrschaft. Die Aufstandsführung greift das Gerücht auf und nutzt es in den folgenden Tagen, um weitere Unterstützer für den geplanten Marsch auf München zu gewinnen. 

8. Mai 1706
Die vier älteren baierischen Prinzen werden nach Klagenfurt gebracht 

München - Klagenfurt * Die kaiserliche Verwaltung lässt die vier älteren Söhne Max Emanuels aus Baiern fortbringen: Karl Albrecht, Philipp Moritz, Ferdinand Maria Innozenz und Clemens August. Den Kindern wird zunächst eine kurze Reise in Aussicht gestellt. Tatsächlich führt sie ein bewachter Geleitzug nach Klagenfurt, wo sie am 10. Juni eintreffen. So sollen sie dem Zugriff ihrer im Exil lebenden Eltern entzogen und unter kaiserlicher Aufsicht gehalten werden. 

18. August 1708
Joseph Clemens verlegt seinen Exilhof nach Valenciennes

Lille - Valenciennes * Wegen des Vormarschs der alliierten Truppen verlässt Joseph Clemens, Kurfürst und Erzbischof von Köln, mit seinem Hofstaat Lille und nimmt seinen Wohnsitz im französischen Valenciennes. Dort bleibt er bis 1714. Da ihm seine Herrschaftsgebiete entzogen sind, ist sein Exilhof auf die politische und finanzielle Unterstützung Ludwigs XIV. angewiesen. 

10. Dezember 1708
Lille fällt an die Alliierten 

Lille * Nach monatelanger Belagerung kapituliert die Zitadelle von Lille vor den Truppen des Herzogs von Marlborough und Prinz Eugens von Savoyen. Joseph Clemens, Kurfürst und Erzbischof von Köln, hat seinen bisherigen Exilort Lille bereits im August verlassen und sich nach Valenciennes begeben. 

 

1709
Mademoiselle de Montigny wird Max Emanuels Favoritin 

Mons - Compiègne * Während seines Exils beginnt Kurfürst Max Emanuel eine Beziehung mit Madeleine-Marie-Honorine-Charlotte de Glimes, genannt Mademoiselle de Montigny. Die frühere Stiftsdame von Mons tritt an seinem Exilhof als öffentlich anerkannte Favoritin auf und erhält in Compiègne eigene, aufwendig ausgestattete Räume. Ihre hervorgehobene Stellung behält sie bis zum Tod Max Emanuels im Jahr 1726. 

1. Mai 1709
Joseph Clemens empfängt die Bischofsweihe 

Lille * François Fénelon, Erzbischof von Cambrai, weiht den Kölner Kurfürsten Joseph Clemens von Baiern zum Bischof. Joseph Clemens lebt zu dieser Zeit im Exil und hat erst wenige Monate zuvor die Priesterweihe empfangen. Seine Beziehung zu Constance Desgroseilliers, mit der er zwei Söhne hat, steht im Widerspruch zu den Pflichten seines geistlichen Amtes. 

Dabei hat er feierlich erklärt, dass er künftig keinerlei intimen Beziehungen mit seiner Mätresse mehr unterhalten will. Sein zweiter Sohn wird jedoch vier Jahre später geboren. 

1711
Die Isarkaserne entsteht auf der Kohleninsel 

München-Isarvorstadt * Auf dem südlichen Teil der späteren Kohleninsel entsteht eine Kaserne für die Kavallerie. Sie wird auch „Isarwörthkaserne“ genannt. Den Bau veranlasst die kaiserliche Verwaltung, da ich Kurfürst Max Emanuel nach seiner Niederlage im Spanischen Erbfolgekrieg im französischen Exil befindet, während kaiserliche Truppen Baiern besetzt halten. Die Kaserne soll die Einquartierung von Soldaten in Münchner Bürgerhäusern verringern. Der Adel, der fürstliche Hof und der Klerus sind von diesen Belastungen befreit. 

Während der Besatzungszeit sind durchschnittlich rund 3.000 Soldaten in München einquartiert. 

März 1713
Max Emanuel lebt in Suresnes 

Suresnes * Max Emanuel mietet ein Haus in Suresnes bei Paris, wo er von März bis Juni 1713 lebt. Trotz seiner angespannten Finanzen veranstaltet der im Exil lebende Kurfürst dort Feste für Gäste aus dem Ort und der Pariser Gesellschaft. Den Höhepunkt bildet ein großer Ball am 21. Mai, für den er eine Theateraufführung in Auftrag gibt. Ende Juni bereitet er seine Abreise aus Suresnes vor. 

20. Februar 1714
Max Emanuel erneuert sein Bündnis mit Frankreich 

Frankreich - Baiern * Kurfürst Max Emanuel schließt mit König Ludwig XIV. einen Subsidien- und Freundschaftsvertrag. Frankreich sagt ihm damit weiterhin finanzielle Unterstützung zu. Der Vertrag stärkt Max Emanuels Stellung im Exil und erleichtert seine bevorstehende Rückkehr nach Baiern. Noch steht das Kurfürstentum unter kaiserlicher Verwaltung. 

8. April 1715
Die kurfürstliche Familie trifft sich in Lichtenberg wieder 

Schloss Lichtenberg bei Landsberg am Lech * Nach jahrelanger Trennung sieht Kurfürst Max Emanuel seine Gemahlin Therese Kunigunde und ihre sechs Kinder wieder. Die Kurfürstin kehrt aus dem Exil in Venedig zurück. Vier der Söhne haben die Kriegsjahre in kaiserlicher Obhut in Klagenfurt und Graz verbracht; die Tochter und der jüngere Sohn sind in München geblieben. 

10. April 1715
Max Emanuel kehrt still nach München zurück 

München * Kurfürst Max Emanuel zieht mit Therese Kunigunde und ihren Kindern nachts um 23 Uhr durch das Neuhauser Tor in die Residenzstadt ein. Freudenbezeugungen sind zuvor verboten worden. Nach den Jahren des Exils bleibt die Ankunft ohne öffentliche Feier. Ein festlicher Einzug folgt erst am 11. Juli 1715. 

11. Februar 1803
Bischof Colloredo unterzeichnet die Abdankungserklärung für Salzburg

Wien - Salzburg * Der im Wiener Exil lebende Salzburger Erzbischof Hieronymus Franz de Paula Graf von Colloredo unterzeichnet die Abdankungserklärung und ruft seine Salzburger Untertanen auf, „dem neuen Herrn [..] die Treue und Anhänglichkeit künftig fort zu bewahren“.  

Vom selben Tag stammt die Besitzergreifungsurkunde für Salzburg des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana. 

24. Oktober 1805
Napoleon Bonaparte zieht triumphal in München ein

München * Napoleon zieht triumphal durch das Karlstor in München ein. Kurfürst Max IV. Joseph befindet sich noch in seinem Exil in Würzburg. Die Kurpfalzbaierische Staats-Zeitung von München berichtet am 25. Oktober 1805: „Endlich hatten wir gestern das sehnlich erwartete Vergnügen, Se. Majestät Napoleon Kaiser in Frankreich und König in Italien hier eintreffen zu sehen.

Se. Majestät kamen von Augsburg, fuhren in einem 6-spännigen Reisewagen, welchen der Herr Reichs-Marschall Bernadotte, nebst noch einigen H.H. Reichsmarschallen zu Pferde begleitete, unter dem Donner der Kanonen, und dem Zusammengeläute aller Glocken durch die Neuhauser-Kaufinger- über den Platz durch die Diener- in die Residenz-Gasse heran, und stiegen […] in der kurfürstl. Residenz ab.

Die ganze Stadt war zur Tageshelle beleuchtet, und die Mittags zuvor angekommenen kaiserl. königl. Garde-Regimenter hatten sich durch die ganze Einzugsstrecke à la haie aufgestellt. Es war ½ 8 Uhr Abends, und die Menge des hier befindlichen, zum Theile noch mit der Einquartierung beschäftigten Militärs nebst dem zusammenströmenden Volke zeigte das Bild eines durch Ströme aufgetriebenen Meeres, das sich schwer und langsam dahinwälzt.“ 

1850
Richard Wagners antisemitisches Essay 

Zürich * Während seines Exils in Zürich verfasst der Komponist Richard Wagner das Essay „Das Judenthum in der Musik“, das zunächst anonym erscheint. Darin vertritt er antisemitische Positionen, die über die damals weit verbreiteten Vorurteile hinausgehen. Wagner behauptet, Juden seien der deutschen Kultur fremd und nicht zu wahrer künstlerischer Kreativität fähig. Besonders scharf greift er die Komponisten Giacomo Meyerbeer und Felix Mendelssohn an. 

Seine Ausführungen richten sich aber nicht nur gegen einzelne Künstler, sondern gegen Juden als gesellschaftliche Gruppe. Die historische Forschung bewertet den Text heute als eines der bedeutendsten Dokumente des modernen Antisemitismus im 19. Jahrhundert. 

19. März 1871
Ex-Kaiser Napoleon III. verlässt die Wilhelmshöhe

Kassel • Der französische Ex-Kaiser Napoleon III. verlässt die Wilhelmshöhe in Kassel, von wo aus er mehrfach versucht hat, sein gescheitertes Regime wiederherzustellen. Doch das französische Volk hatte von ihrem bisherigen Staatsoberhaupt einfach genug. Er geht ins Exil nach Großbritannien. 

7. November 1918
Das Beratungsergebnis des Ministerrats wird dem König mitgeteilt

München-Graggenau * Ministerpräsident Otto von Dandl und Innenminister Dr. Friedrich von Brettreich überbringen das Ergebnis der Beratungen des Ministerrats an König Ludwig III., der sich damit „ohne Weiteres einverstanden“ erklärt. „Wir müssen fort - und zwar gleich“, sagt der König zu seiner anwesenden Familie. Für Dandl heißt das freilich, dass sich lediglich die königliche Familie auf den Weg ins vorläufige Exil machen darf. Die „Damen“ und „Jungfrauen“ müssen bleiben.

Als sich die erste Hektik gelegt hat, zaudert der König mit seinem Schicksal. Hat man ihm doch nach der Rückkehr vom Englischen Garten in die Residenz noch versichert, dass man die Lage voll im Griff habe. Als aber die ersten Demonstranten vor der Residenz aufziehen, sagt man dem König, man kann für seine Sicherheit nicht mehr garantieren; es empfehle sich, die Stadt möglichst schnell und unauffällig zu verlassen.

„Dass man mich gar nicht über die Lage unterrichtet hat!“, klagt er, „hab‘ ich denn niemand, der sich um mich hätte annehmen können?“. 

15. April 1919
Truppen der Bamberger Regierung rücken in Dachau ein

Dachau * Als die Truppen der bayerischen Exil-Regierung in Dachau einrücken, wird der amtierende Arbeiter- und Bauernrat beim zuständigen Major vorstellig und fordert diesen zum Abzug vom Schlossberg auf, da Dachau sonst beschossen werden könnte. Der Major kommt der Aufforderung umgehend nach. 

18. Oktober 1921
Ex-König Ludwig III. stirbt in seinem ungarischen Exil Sárvár

Sárvár * Der abgesetzte König Ludwig III. stirbt in seinem ungarischen Exil Sárvár an den Folgen einer Lungenentzündung. Der Tod und die Rückkehr der sterblichen Hülle des alten Königs wird von ultrakonservativen Kreisen zur politischen Demonstration hochstilisiert. Da für die Bayerische Staatsregierung ein Staatsbegräbnis nicht in Frage kommt, stellt sich Gustav von Kahr als Privatperson für die Organisation der Feierlichkeiten zur Verfügung. 

Kahr verfolgt zielgerichtet sein Anliegen, bei den Trauerzeremonien die „Kraft des monarchischen Gedankens“ herauszustellen. Die geplanten Beisetzungsfeierlichkeiten für den abgesetzten König sollen eine Antwort auf den Trauerzug für den Revolutionär Kurt Eisner werden, der sich am 26. Februar 1919 mit nahezu 100.000 Menschen durch die Straßen Münchens bewegt hatte. Es sollte eine „Trauerfeier werden, wie sie München und Deutschland noch nie gesehen haben, ein Akt treuer Huldigung, aber auch Abbitte für das dem König angetane große Unrecht“. 

28. August 1963
Martin Luther King: „I have a Dream“

Washington D.C. * Der Baptistenprediger Martin Luther King spricht vor 250.000 Menschen in Washington D.C., um für seine afroamerikanischen Mitbürger „Freiheit, Gleichheit und Arbeitsplätze“ zu fordern. Die Rede beginnt mit den Worten „I have a Dream“. 

Er träumt darin davon, „dass meine Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden“. Er hebt hervor, dass „der Schwarze auf einer einsamen Insel der Armut inmitten eines weiten Ozeans des materiellen Wohlstands“ lebt, ja, er lebt „in seinem eigenen Lande im Exil“. 

Unter den Zuhörern befindet sich auch Bob Dylan. Präsident John F. Kennedy wollte die Demonstration bis zuletzt verhindern.

14. Dezember 1970
Dr. Hermann Schülein stirbt in New York

New York * Dr. Hermann Schülein stirbt im Alter von 86 Jahren in New York. Der frühere Generaldirektor der Löwenbräu AG und erfolgreiche Brauereiunternehmer im amerikanischen Exil prägt die Brauwirtschaft diesseits und jenseits des Atlantiks über Jahrzehnte hinweg. Mit seinem Tod endet ein bedeutendes Kapitel der Unternehmergeschichte der Familie Schülein. 

Oktober 2008
Das Deutschen Theater zieht in ein Theaterzelt nach Fröttmaning

München-Ludwigsvorstadt - München-Fröttmaning * Anders als bei den vorhergehenden Sanierungen ruht der Theaterbetrieb im Deutschen Theater nicht. Das Unternehmen zieht während der Zeit der Sanierung in ein riesiges Theaterzelt nahe der Fröttmaninger Fußballareana. Das Exil soll bis Ende 2011 dauern. 

Diese Übergangslösung ist allerdings sehr teuer. Allein die Zeltmiete kostet im Jahr gut zwei Millionen Euro. Und weil am Anfang nicht genug Publikum kommt, schreibt das Theater Verluste.