Menü
Home Veranstaltungen Fakten Suchbegriffe Personen Jahrestage Karte Zeitensprünge Podcast

Fakten

Fakten Karte Suchbegriffe Personen Jahrestage
2000
-3000 Chronik 2026
Gefundene Einträge: 68
Suchergebnisse als PDF
19. Juni 1097
Nicäa fällt an Byzanz 

Nicäa * Nach mehrwöchiger Belagerung gibt die seldschukische Besatzung Nicäa auf. Die erste bedeutende gegnerische Festung auf dem Weg nach Jerusalem ergibt sich jedoch nicht den Kreuzfahrern, sondern byzantinischen Truppen. Kaiser Alexios I. hat heimlich über die Übergabe verhandeln lassen und verhindert damit die Plünderung der Stadt. Viele Kreuzfahrer reagieren enttäuscht und misstrauisch, weil sie auf Beute gehofft haben. 

Die Größe des Kreuzzugsheeres lässt sich nur schätzen. Vermutlich gehören ihm rund 30.000 Fußsoldaten und 4.000 bis 4.500 berittene Kämpfer an; hinzu kommen mehrere Tausend unbewaffnete Pilgerinnen und Pilger. Unter ihnen befinden sich Geistliche, Handwerker, Händler, Dienstleute sowie Frauen und Kinder. 

Die zahlreichen Nichtkämpfenden erhöhen zwar den Bedarf an Nahrung und verlangsamen den Marsch, sind aber ein wesentlicher Teil des Unternehmens. Der Kreuzzug versteht sich nicht allein als Feldzug, sondern zugleich als bewaffnete Pilgerfahrt nach Jerusalem.

6. März 1445
Arbeiter aus Oberbaiern helfen beim Festungsbau 

München * Herzog Albrecht III. weist seine Pfleger und Amtleute an, München in den kommenden zwei Jahren Arbeiter für die Befestigungsarbeiten zu schicken. Sie unterstützen die Bürger beim Bau der Mauern und Gräben. Für die herangezogenen Arbeiter sind Brot und ein Zehrpfennig vorgesehen. 

Die Schanzarbeiten locken viele Arbeiter in die Gegend von München. Viele Tagelöhner, Maurer und Zimmerleute siedeln hauptsächlich in der Au und Haidhausen an. 

10. Juni 1530
Ein Manöver mit vielen Toten und Verletzten

München - Haidhausen * Der eigentliche Höhepunkt soll aber erst rund achthundert Meter weiter kommen, etwa an der Stelle des heutigen Rosenheimer Platzes. Dort ist innerhalb von wenigen Tagen - fast nach Hollywood-Manier - eine wehrhaft aussehende Burg mit vier Türmen und Bastionen aus Holz, Leinwand und Farbe errichtet worden. Alles wirkt sehr realistisch.

In der Festung warten einhundert schwerbewaffnete Männer, bis die Gäste auf der Ehrentribüne Platz genommen haben. Auf ein Zeichen Herzog Wilhelms IV. rücken die von Ramersdorf kommenden Angreifer heran und es kommt unausweichlich zur Schlacht, bei der sechzehnhundert Mann unter ohrenbetäubendem Kriegsgeschrei das Schloss stürmen.

Nachdem einige an die Mauern gelehnte Sturmleitern von den Verteidigern der Burg umgestoßen worden sind und sich dabei die Angreifer und das nachdrängende Fußvolk etliche Blessuren zugezogen haben, „überkam beide Seiten eine große, unbändige Wut“, schreibt unser Zeitzeuge. Und da es sich sowohl bei der Burgbesatzung als auch bei den Angreifern um „temperamentvolle, rauflustige und keine Schmähung duldende Altbaiern” handelt, wird aus dem zur Ergötzung des Kaisers veranstaltetem Scheingefecht sehr schnell blutigster Ernst.

Die Manöver-Gegner dreschen derart rabiat aufeinander ein, dass am Ende acht Tote und eine unbekannte Zahl von Männern verletzt liegen bleibt. Das wird von den Ehrengästen auf ihren Tribünen natürlich nicht bemerkt. Immerhin erhalten die Getöteten ein Begräbnis auf dem Salvatorfriedhof und deren Witwen und Waisen ein jährliches Gnadengeschenk aus der landesherrlichen Privatschatulle.

Auf dem Manöverfeld schießen die Angreifer die Burg später schließlich noch in Trümmer und Fetzen. Der Chronist vermerkt: „Mit ungeheuerem Krachen entluden sich alle Geschütze auf einmal.” Immerhin zeigt sich Kaiser Carl V. von dem Manöver und der dabei gezeigten baierischen Kampfkraft mächtig beeindruckt.

Ab 1619
Der Festungsbau verändert das Lehel und begünstigt die Entstehung von Herbergen 

München-Lehel * Mit dem Bau der neuen Stadtbefestigung müssen zahlreiche Gewerbeanlagen unmittelbar vor den alten Stadtmauern weichen. Später entstehen sie nur teilweise wieder auf einem wesentlich kleineren Gelände zwischen den Befestigungswerken und der Isar. 

Die Hofbehörden beanspruchen auch das unbebaute Vorfeld der Bastionen und Schanzen. Ohne die städtischen Burgfriedensrechte zu berücksichtigen, vergeben sie Flächen zur Anlage von Gärten und Sommerhäusern. Adelige Grundbesitzer im damals als „auf dem Lehen“ bezeichneten Gebiet folgen diesem Beispiel: Sie überlassen Arbeitern der Stadtbleiche, der Zimmerplätze und der Lände Grundstücke zur Errichtung einfacher Unterkünfte. Dafür verlangen sie einen regelmäßigen Bodenzins sowie ein Laudemium, eine Abgabe bei Besitzwechsel. 

So finden zunehmend Menschen innerhalb des Münchner Burgfriedens Unterkunft, die den strengen Vermögensanforderungen des Magistrats nicht entsprechen. Besonders die gräfliche Familie Tattenbach fördert diese Ansiedlung und beansprucht um ihren Garten mit dem „Gschlößl“ sogar eine eigene Niedergerichtsbarkeit. 

Die kleinen Häuser werden in einzeln veräußerbare Wohneinheiten aufgeteilt. Diese „Gemächer“ oder „Herbergen“ umfassen ein oder mehrere Zimmer. Die Aufteilung ermöglicht eine intensive Nutzung der Gebäude und verschafft den Grundbesitzern Einnahmen aus Bodenzinsen und Besitzwechselabgaben. 

Januar 1620
Die Schanzarbeiten beginnen vor dem Schwabinger Tor

München-Graggenau * Die Schanzarbeiten,beginnen vor dem Schwabinger Tor und verlaufen in Richtung Kosttor. 200 Männer und 300 Frauen werden von der Stadt für die Arbeiten am Festungsbau bezahlt.

  • Straftäter werden nicht mehr des Landes verwiesen, sondern zum Schanzbau zwangsverpflichtet,
  • Bettler und Landstreicher aus allen Rentämtern werden dem Großbauvorhaben zugeführt.

Im ersten Jahr sind etwa 2.000 auswärtige Arbeiter in München im Ausbau der Festung beschäftigt.

2. September 1686
Buda/Ofen wird von der kaiserlichen Armee gestürmt

Buda/Ofen * Mittags um ein Uhr, kommt es zum erfolgreichen Generalsturm auf die Festung. Grausame Szenen spielen sich bei der Eroberung von Buda/Ofen ab. Der ganze Zorn der siegreichen christlichen Soldaten entlädt sich nun gegen die Heiden.

Die Wut über die angeblichen Gräueltaten der Osmanen gegen die Zivilbevölkerung und der von Kirche und Glauben angefachte religiöse Hass entladen sich nun an der Bevölkerung von Buda/Ofen. Alles was sich den Christen entgegen stellt, muss sterben. Selbst Kinder und Säuglinge werden ein Opfer der zügellosen Soldateska.

Ein brandenburgischer Augenzeuge berichtet: „Ich bin erstaunet, was da ist vorgegangen, daß auch Menschen viel grausamer als Bestien gegeneinander sich bezeigeten“. Nur Wenigen gelingt die Flucht auf die Burg. 

Enrico Zuccalli plant die Josephsburg in Berg am Laim
1690
Enrico Zuccalli plant die Josephsburg in Berg am Laim

Berg am Laim * Enrico Zuccalli legt einen ersten Entwurf für die Josephsburg vor. Kurfürst Joseph Clemens von Köln findet jedoch erst am zweiten Bauplan Gefallen, der „mit allen Außenwerken und Fortifikationen“ ausgestattet ist. Die einzig bekannte Darstellung der Josephsburg hat sich auf einem Kupferstich von Michael Wening aus dem Jahr 1701 erhalten, auf dem im Vordergrund das Hofmarkschloss Berg am Laim zu sehen ist. 

  • Das Lustschloss in Berg am Laim ist von einer festungsartigen Mauer umgeben, die zusätzlich von einem Wassergraben umschlossen wird. 
  • Die Wasserversorgung erfolgt über den eigens umgeleiteten Hachinger Bach. Dazu erteilt der Kölner Fürstbischof persönlich dem Perlacher Amtmann den Auftrag, „daß selbiger Bach, welcher sich sonst unterhalb Perlach auf dem churfürstlichen großen Hofanger mit dessen Bewässerung geendet und gänzlich verschwunden, nunmehr tatsächlich bis Berg geleitet und dort geführt werde“. 
  • Solche Fortifikationsanlagen dienen zu dieser Zeit häufig als repräsentativer Rahmen für Lustgärten. Denn eine kleine kurkölnische Festung mitten im bairischen Feindesland hätte militärisch wohl kaum lange Bestand. 
  • Die Festungsanlage ist quadratisch angelegt, wobei das Geviert der Wälle ohne Bastionen 84 x 84 Meter beträgt. Das Maß an den Spitzen der Basteien erreicht sogar 170 x 170 Meter. 
  • Die Josephsburg wird von Westen über das Münchner Tor betreten, wozu man zuvor eine Brücke überschreiten muss. Im Osten liegt das Gartentor, das auf die Felder hinaus führt. 
  • Direkte Zugänge von Süden oder Norden zur Josephsburg gibt es nicht. 
  • Im Westen ist ein befestigter Platz angelegt worden. Im Osten befindet sich eine Gartenanlage. 
  • Schloss und Garten bilden in der Barockarchitektur eine untrennbare Einheit. Sowohl von Kurfürst Joseph Clemens, wie auch von Kurfürst Clemens August ist bekannt, dass sie begeisterte Anhänger der französischen Gartenbaukunst sind und für ihre rheinländischen Schlösser die besten Gartenarchitekten ihrer Zeit beschäftigen. So kann man unterstellen, dass es auch in der Berg am Laimer Schlossanlage einen französischen Garten von erlesener Qualität gegeben haben muss. 
  • Die Michaels-Kapelle befindet sich im nördlichen Pavillon der Josephsburg. Der Altar steht vor der Ostwand und liegt durch die beidseitig angebrachten Fenster im Gegenlicht. 
  • Der zweistöckige, rechteckige Saal ist von den besten Bildhauern und Malern ausgestattet worden. 
  • Das Altargemälde zeigte „Michaels Triumph über Lucifer“. 
  • Den Altar in der Michaels-Kapelle der Josephsburg schmücken zusätzlich Figuren der Erzengel Raphael 
  • und Gabriel sowie die Heiligen Rochus und Sebastian. 

Das Hofmarkschloss Berg am Laim und die Josephsburg liegen bis etwa 1850 in weitgehend unbebautem Gelände und sind daher vom Hochufer der Isar aus weithin sichtbar. 

13. Februar 1701
Kurköln stellt sich auf die Seite Frankreichs 

Kurköln * Joseph Clemens von Baiern, Kurfürst und Fürstbischof von Köln, schließt mit Frankreich einen Allianzvertrag. Nach außen verpflichtet sich Kurköln lediglich zu einer „bewaffneten Neutralität“, tatsächlich bindet sich der geistliche Kurstaat jedoch an Ludwig XIV. und bedroht damit die südöstliche Flanke der benachbarten Niederlande. Joseph Clemens handelt dabei unter dem Einfluss seines Bruders, des baierischen Kurfürsten Max Emanuel, und seines Kanzlers Johann Friedrich Karg von Bebenburg. 

Die Entscheidung hat für Kurköln verheerende Folgen. Das Erzstift wird zu einem der ersten Kriegsschauplätze des Spanischen Erbfolgekriegs im Heiligen Römischen Reich. 1702 belagern alliierte Truppen die kurkölnische Festung Kaiserswerth und besetzen Bonn. Joseph Clemens flieht ins französische Exil und kann erst nach dem Friedensschluss von 1714 in seine Territorien zurückkehren. 

15. Mai 1703
Bonn kapituliert vor Marlboroughs alliierter Armee

Bonn * Nach dreiwöchiger Belagerung, beginnend am 24. April 1703, stellt die französisch-spanisch-kurkölnische Besatzung von Bonn den Widerstand ein. Die alliierte Armee steht unter dem Oberbefehl John Churchills, des Herzogs von Marlborough; die eigentlichen Belagerungsarbeiten leiten unter anderem der niederländische Festungsbaumeister Menno van Coehoorn und der Erbprinz Friedrich von Hessen-Kassel. 

Am folgenden Tag werden die Kapitulationsbedingungen unterzeichnet. Die rund 3.600 Mann starke Garnison darf mit militärischen Ehren abziehen und marschiert nach Luxemburg. Mit Bonn verliert der mit Frankreich verbündete Kurfürst Joseph Clemens von Köln seine Haupt- und Residenzstadt. Zugleich beseitigen die Alliierten den letzten bedeutenden französischen Stützpunkt am Niederrhein. 

17. Juni 1703
Max Emanuel beginnt den Einmarsch in Tirol 

Kufstein - Tirol * Kurfürst Max Emanuel erreicht mit rund 12.000 baierischen und französischen Soldaten die Tiroler Nordgrenze und beginnt den Einmarsch in das habsburgische Land. Am folgenden Tag überwinden seine Truppen die Grenzbefestigung bei Erl; am 19. Juni beginnt die Belagerung der Festung Kufstein. 

Max Emanuel will durch das Inntal und über den Brenner nach Süden vorstoßen, um sich mit der französischen Italienarmee unter Marschall Vendôme zu vereinigen. Gemeinsam sollen die verbündeten Heere anschließend gegen die österreichischen Erblande und möglicherweise gegen Wien ziehen. 

7. November 1704
Der Vertrag von Ilbesheim beendet Baierns Kriegsteilnahme

Ilbesheim bei Landau - Baiern * Im Hauptquartier der kaiserlichen Truppen unterzeichnen der kurbaierische Bevollmächtigte Johann Sebald Neusönner und Vertreter Kaiser Leopolds I. den Vertrag von Ilbesheim. Der weitgehend diktierte Waffenstillstands- und Kapitulationsvertrag beendet die Beteiligung Baierns am Spanischen Erbfolgekrieg. 

Regentin Therese Kunigunde behält die eingeschränkte Herrschaft über die Residenzstadt München und den größten Teil des Rentamts München. Das übrige Kurfürstentum kommt unter die Kontrolle der kaiserlichen und verbündeten Besatzungsmächte. 

Das baierische Heer wird aufgelöst; lediglich eine 400 Mann starke Garde der Kurfürstin bleibt bestehen. Die noch von kurbaierischen Truppen gehaltenen Festungen, darunter Ingolstadt und Kufstein, müssen mitsamt Waffen und Vorräten übergeben werden. Außerdem sind die Münchner Befestigungsanlagen teilweise zu schleifen und die französischen Offiziere auszuweisen. 

13. November 1705
Der Kampf um Burghausen beginnt

Burghausen * Bewaffnete Aufständische aus dem Rentamt ziehen gegen Burghausen. Die Stadt mit ihrer mächtigen Festung ist Sitz der kaiserlichen Behörden und besitzt große strategische Bedeutung. Wer sie kontrolliert, beherrscht einen wichtigen Abschnitt an Salzach und Inn. 

Die Aufständischen beginnen, die Zugänge zur Stadt zu sperren und die kaiserliche Besatzung unter Druck zu setzen. Damit entwickelt sich Burghausen zu einem der ersten bedeutenden Schauplätze der baierischen Volkserhebung. 

28. November 1705
Die Aufständischen ziehen in die Festung Braunau ein

Braunau am Inn * Nach zweiwöchiger Belagerung übernehmen die Aufständischen die bedeutende Grenzfestung Braunau. Der Kapitulationsvertrag ist bereits am Vortag unterzeichnet worden; nun ziehen die Truppen der Landesdefension in die Stadt ein. 

Die Belagerungsarmee ernennt Georg Sebastian Plinganser, Mitterschreiber am Pfleggericht Pfarrkirchen, zum Kriegskommissär. Damit wird er zu einem der führenden Organisatoren des Unterländeraufstands. Braunau entwickelt sich zum militärischen und politischen Zentrum der Erhebung und wird im Dezember zum Tagungsort des Landesdefensionskongresses. 

22. Oktober 1708
Die Stadt Lille kapituliert vor den Alliierten 

Lille * Nach mehr als zweimonatiger Belagerung übergibt Marschall Boufflers die Stadt Lille an die Truppen Prinz Eugens von Savoyen und des Herzogs von Marlborough. Die französische Garnison zieht sich in die Zitadelle zurück und hält dort noch bis zum 10. Dezember stand. Der Fall der bedeutenden Festungsstadt schwächt die französische Stellung in den Spanischen Niederlanden weiter. 

7. November 1724
Die städtischen Rechte im Lehel werden neu geregelt 

München-Lehel * Nach langen Verhandlungen zwischen Stadt und Landesherrschaft bestätigt der Landesherr die Münchner Burgfriedensgrenze erneut. Die umstrittenen grundherrlichen und gerichtlichen Zuständigkeiten im Lehel werden zugunsten der Stadt geregelt. 

In den folgenden Jahren werden die bisher zum Hofkastenamt zinspflichtigen Kleinhäuser und Herbergen dem Magistrat unterstellt. Ihre Abgaben vereinnahmt künftig die städtische Kämmerei. Eine entsprechende Übertragung der Tattenbach’schen Rechte ist damit nicht nachgewiesen.

Die Festungswerke und die „alten Lehen“, insbesondere die Mühl- und Werkgerechtigkeiten, bleiben jedoch dem Landesherrn vorbehalten. Für die Verwaltung des stark gewachsenen Viertels ist eine eigene Lehel-Deputation zuständig.

18. März 1791
Maßnahmen zur Niederlegung der Stadtmauer werden eingeleitet

München * Kurfürst Carl Theodor leitet den Wandel Münchens von der befestigten barocken Residenzstadt zu einer offenen und modernen Hauptstadt ein. Er beauftragt dazu Sir Benjamin Thompson „das Neuhauser Thor so herzustellen, daß die bißherigen Umwege und engen Durchgänge gänzlich vermieden, und der Thorweeg in gerader Linie mit der Neuhausserstrasse über den Wall und bis auf den Punkt, wo sich die Augsburger und Landsberger Strassen trennen, geführt werde“. 

Damit wird die erste, von staatlichen Behörden geplante und vom Kurfürsten sanktionierte Maßnahme zur Niederlegung eines bedeutenden Teilstückes der barocken Festungswerke eingeleitet. Es hat eine für die Stadtentwicklung Münchens herausragende Bedeutung, deren zukunftsweisenden Aspekte man damals in ihrer Gesamtheit noch gar nicht erkennen kann.

Zur Realisierung dieses Vorhabens muss die Neuhauser-Bastion eingeebnet, der Festungsgraben verfüllt und eine Fahrstraße mit Fußwegen auf beiden Seiten über das planierte Gelände hergestellt werden. Damit entsteht unmittelbar vor dem Stadttor ein großer Platz. 

Thompson lässt darüber hinaus auch einen ausgedehnten Sektor der Fortifikationen im Westen der Altstadt mit Wall und Graben niederlegen, sodass das eingeebnete Festungsgelände vom heutigen Lenbachplatz bis zur Herzogspitalstraße reicht. Damit wird eine breite Lücke in das System der Münchner Fortifikation geschlagen und so die Festungseigenschaft der Stadt aufgehoben.

1. Juli 1834
Gesetzesvorlagezur Begrenzung des Bevölkerungswachstums

München-Kreuzviertel * Innenminister Ludwig Fürst von Oettingen-Wallerstein bringt in die Ständeversammlung einen Gesetzentwurf zur Revision des Ansässigmachungs- und Verehelichungsgesetzes ein.

Ziel der Gesetzesvorlage ist die Begrenzung des Bevölkerungswachstums durch Verhinderung der Verehelichung und Familiengründung durch Besitzlose. Damit sollen gleichzeitig

  • die Lasten der Armenkasse gesenkt sowie
  • die Unzufriedenheit der sozialen Unterschichten und die damit verbundene Revolutionsbereitschaft unterbunden werden.

Der Innenminister kommt damit der überwältigenden Mehrheit der Abgeordnetenkammer entgegen, die bereits am 13. September 1831 derartige Schritte forderte. Fürst Ludwig von Oettingen-Wallenstein schafft mit diesem Deal auch die Zustimmung zu anderen Gesetzesvorlagen wie die Zivilliste, den Festungsbau in Ingolstadt und den Ludwig-Main-Donau-Kanal. 

23. April 1844
Soziale Not und wachsender Volkszorn

München * Neben der schleichenden Geldentwertung trägt auch eine neue, von König Ludwig I. eingeführte Biersteuer zur Preiserhöhung bei. Gleichzeitig streichen der König und seine Regierung den Soldaten die Teuerungszulage von zwei Pfennigen. Auch der Tagelohn der Arbeiter auf den königlichen Baustellen sinkt von 48 auf 44 Kreuzer - eine Kürzung um 16 Pfennige. Zusätzlichen Unmut löst die kurz zuvor verfügte deutliche Erhöhung des Brotpreises aus. 

Für viele Menschen ist damit die Belastungsgrenze erreicht. Ihr Zorn richtet sich gegen den König und seine Regierung, vor allem aber gegen die Brauer. Diese stehen im Ruf, „wie Fürsten und Grafen herumzustolzieren“, gewaltige „Bierfestungen“ zu errichten und ihren neu gewonnenen Reichtum stolz zur Schau zu stellen. 

Dieses harsche Urteil trifft zwar nur auf wenige Brauereibesitzer zu und wird auch innerhalb des Braugewerbes kritisch gesehen. In der aufgeheizten Stimmung findet eine solche Differenzierung jedoch kaum noch Gehör. Das sprichwörtliche Fass läuft über: Die Münchner entschließen sich, „Revoluzzion“ zu machen.

17. März 1848
Lola Montez verliert das bayerische „Indigenat“ und wird gesucht

München * Ludwig Fürst zu Öttingen-Wallersteins Posten geht an Gottlieb Freiherr von Thon-Dittmer, der mit seiner ersten Amtshandlung der Lola Montez das „Bayerische Indigenat“ entzieht. König Ludwig I. muss öffentlich verkünden, dass Lola Montez das bayerische „Indigenat“ nicht mehr besitzt, sie als „Unruhestifterin“ mit Haftbefehl gesucht und nach ihrer Festnahme in die nächstgelegene Festung gebracht wird. 

16. August 1870
Siegreiche Kämpfe auch in Mars-la-Tour

Vionville - Mars-la-Tour * Eine weitere Schlacht des Deutsch-Französischen Krieges wird bei Mars-la-Tour, im Nordosten Frankreichs, etwa zwanzig Kilometer westlich von Metz, geschlagen. Zwei preußische Korps besiegen die zahlenmäßig deutlich überlegene komplette Französische Rheinarmee und zwingt diese zum Rückzug in die Festung Metz.

Die Schlacht ist ein großer strategischer Sieg für die Preußen. Frankreichs Truppen können nicht mehr nach Verdun flüchten, sondern müssen den Rückzug in die Festung Metz antreten. Gründe hierfür sind neben den hohen Menschen-Verlusten auch der Mangel an Munition. 

18. August 1870
In Lothringen kommt es zur Schlacht von Gravelotte

Gravelotte - Saint Privat - Metz • In Lothringen kommt es zur Schlacht von Gravelotte, die auch Schlacht bei Saint Privat genannt wird. Es ist zugleich die letzte Schlacht um die Einkesselung der Festung Metz.

Beide Armeen büßen ein Achtel ihres Bestandes ein. Anders als in den meisten Schlachten zuvor fordert es in Gravelotte und Saint Privat einen erheblichen preußischen Blutzoll. Die Deutschen haben seit der Völkerschlacht bei Leipzig keinen verlustreicheren Kampf mehr geführt. Die geschlagene französische Rheinarmee zieht sich nach Metz zurück.

1. September 1870
Kaiser Napoleon III. ergibt sich

Sedan * Am Abend hissen französische Soldaten, die den Kampf beendet sehen wollen, auf einem Turm der Festung von Sedan eine weiße Fahne.

Zur gleichen Zeit übergibt ein französischer General auf einer Anhöhe oberhalb der Stadt dem preußischen König Wilhelm I. einen Brief von Kaiser Napoleon III., in dem dieser schreibt: „Nachdem es mir nicht vergönnt war, in der Mitte meiner Truppen zu sterben, bleibt mir nichts übrig, als meinen Degen in die Hände Eurer Majestät zu legen.“ 

2. September 1870
Kaiser Napoleon III. begibt sich in preußische Gefangenschaft

Sedan * Nachdem über der Festung Sedan eine weiße Flagge gehisst worden ist, schweigen die Waffen. Preußenkönig Wilhelm I. schickt daraufhin zwei deutsche Parlamentäre zur Festung, um die Übergabe zu fordern. Sie werden direkt zu Kaiser Napoléon III. geführt, von dessen Anwesenheit die Deutschen bisher nichts gewusst haben.

Gegen 19 Uhr wird das Kapitulationsangebot an König Wilhelm von Preußen übergeben.

Der französische Kaiser Napoleon III. begibt sich in preußische Gefangenschaft und mit ihm 83.000 Offiziere und Soldaten. Zusätzlich waren schon während der Kampfhandlungen 21.000 Mann gefangen genommen worden. Frankreich hat damit keine handlungsfähige Armee mehr im Felde, weil die anderen 180.000 Mann nach wie vor in Metz eingeschlossen sind. Nur ein Korps hat sich der Einkesselung bei Sedan entziehen können und ist damit der letzte einsatzfähige Rest des französischen Feldheeres. 

4. August 1914
Schwere Belagerungsgeschütze gegen die belgischen Forts

Belgien * Belgien hat etwas über 100.000 Mann unter Waffen; die Deutschen greifen mit 2,4 Millionen Soldaten an.  

Zwingende Voraussetzung für einen zügigen deutschen Vormarsch ist die Erstürmung der „Festungsstadt Lüttich“, die durch ein Dutzend Außenforts gesichert ist.  

Das deutsche Heer setzt die ersten neuartigen Waffen dieses Krieges ein: schwere Belagerungsgeschütze.  
Sie bestehen aus den von Österreich geliehenen „Skoda-Mörsern“ des Kalibers 30,5 Zentimeter und der „Dicke Bertha“ genannten „Krupp-Kanonen“, die ein Kaliber von unglaublichen 42 Zentimetern aufweisen und eine gewaltige Zerstörungskraft erzeugen.  

Diese Geschütze lassen die als unzerstörbar geltenden Betonkuppeln der Lütticher Forts „aufplatzen wie Kürbisse“.  
Der deutsche Vormarsch und die deutschen Waffen schlagen in der Folge eine Schneise der Verwüstung durch Belgien. 

23. Januar 1915
Die Karpaten-Offensive beginnt

Karpaten - Ostfront * Die deutsch-österreichisch-ungarische Offensive in den Karpaten beginnt. Sehr zum Ärger des österreichischen Generalstabschefs Conrad von Hötzendorf wird die Offensive durch den deutschen General Alexander von Lisingen geleitet.  

Die Russen belagern die k.u.k.-Festung Przemyśl, wo 130.000 Soldaten und 30.000 Zivilisten eingeschlossen und vom Hungertod bedroht sind. Bis Ende April 1915 wird die k.u.k.-Armee rund 800.000 Mann verlieren [Tote, Verwundete, Vermisste und Gefangene]. 

21. Februar 1916
Ein monatelanger, zermürbender Stellungskrieg entwickelt sich

Verdun - Westfront * Acht bayerische Divisionen sind im Verbund mit der 5. Armee am Angriff auf die französische Festung Verdun beteiligt. Nach anfänglichen Erfolgen kommt der auf einer Breite von fast 20 Kilometern vorgetragene Angriff nur langsam voran. Es entwickelt sich ein monatelanger, zermürbender Stellungskrieg.

24. Februar 1916
Deutsche Truppen können das Panzerfort Douaumont einnehmen

Verdun - Westfront * Deutsche Truppen können das Panzerfort Douaumont kampflos einnehmen. Der französische Oberbefehlshaber Marschall Joseph Jacques Césaire Joffre verstärkt daraufhin innerhalb weniger Tage die Verteidigung Verduns von 150.000 auf 800.000 Mann und kann so die Festung halten. Wochenlang liegen sich deutsche und französische Soldaten im Artilleriefeuer gegenüber. 

10. Juli 1916
Rosa Luxemburg wird in Schutzhaft genommen

Berlin * Rosa Luxemburg wird nur wenige Monate nach ihrem Haftaufenthalt zur Abwendung einer Gefahr für die Sicherheit des Reichs in Sicherheitsverwahrung genommen.

Zuerst sitzt sie im Polizeigefängnis am Alexanderplatz, dann im Frauengefängnis in der Barnimstraße 10 ein. Sie wird zweimal verlegt, zuerst in die Festung Wronke in der Provinz Posen, dann nach Breslau. Ihre Schutzhaft dauert bis zum 8. November 1918. 

15. Oktober 1918
Wilhelm Dittmann wird aus der Festungshaft entlassen

Berlin * Wilhelm Dittmann, Gründungsmitglied der Unabhängigen Sozialdemokraten - USPD und Aktivist beim Berliner Munitionsarbeiterstreik im Januar 1918, wird aus der Festungshaft entlassen.

Wilhelm Dittmann war am 4. Februar 1918 vom Außerordentlichen Kriegsgericht wegen des versuchten Landesverrats zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt worden. 

5. November 1918
Dem Vorbild der revolutionären Kieler Matrosen folgen

Hamburg * Der eben aus der Haft entlassene und wegen seiner Beteiligung am Berliner Munitionsarbeiterstreik und des versuchten Landesverrats zu fünf Jahren Festungshaft verurteilte Wilhelm Dittmann fordert vor einer großen Menschenmenge in Hamburg, dem Vorbild der revolutionären Kieler Matrosen zu folgen.

Er verkündet: „Wir stehen vor entscheidenden Wendungen. Der Krieg hat zur Reife gebracht, was sonst noch Jahrzehnte erfordert hätte. Das Alte stürzt, und das Proletariat sieht sich über Nacht vor die Aufgabe gestellt, die politische Macht zu ergreifen. Alle Kleingeisterei und Angst vor der eigenen Unreife gilt es abzulegen.“ 

16. Juli 1919
Ernst Toller wird zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt

München * Erich Mühsam wird zu fünfzehn Jahre Festungshaft verurteilt.

Im Urteil heißt es: „Mühsam hat sich durch seine Tätigkeit bei Aufmachung der ersten Räterepublik als das treibende Element erwiesen. […] Bei Mühsam ist nicht festgestellt worden, dass seine Handlungsweise aus ehrloser Gesinnung entsprungen ist; so werden ihm auch mildernde Umstände zugebilligt; denn er hat zeitlebens in ehrlicher Überzeugung, wenn auch mit einem an psychopathischen Zustand grenzenden Fanatismus, die Durchführung seiner Ideen verfochten hat.

Die Beweiserhebung aber hat ergeben, dass Mühsam während der ganzen Revolutionszeit einen höchst verderblichen Einfluss auf die an sich erregten Massen in skrupelloser Weise ausgeübt hat. Die Verhängung der Höchststrafe ist daher geboten“. 

Man unterstellt Toller jedoch eine ehrenhafte Gesinnung, was ihm - anders als Eugen Leviné - letztlich das Leben rettet. Er wird zunächst nach Eichstätt überführt. 

17. Januar 1920
Der Eisner-Mörder wird zu lebenslanger Festungshaft begnadigt

München * Der mehrheitlich konservative Ministerrat tritt zu einer Sitzung zusammen, um die Begnadigung des Mörders Graf Anton von Arco auf Valley zu beschließen. Der Beschluss erfolgt in Abwesenheit des Ministerpräsidenten und Eisner-Nachfolgers Johannes Hoffmann, eines königlich-bayerischen Sozialdemokraten, der nicht ohne Unverständnis für die Tat ist. In der Sitzung äußert Justizminister Ernst Müller-Meiningen den aufschlussreichen Satz: „Ich würde mich vor meinen Kindern schämen, einen Mann wie Arco ins Zuchthaus zu schicken.“

Da eine Zuchthausstrafe als die schärfste Haftart angesehen wird, begnadigt man den Grafen Arco zu einer lebenslangen Festungshaft, der komfortabelsten Art des Freiheitsentzugs, die gleichzeitig als ehrenvoll gilt. Bei dieser Begnadigung bezieht man sich ausdrücklich auf die erst am Vortag selbst formulierte Achtungsbezeugung vor dem Mörder eines amtierenden Ministerpräsidenten. Anton Graf von Arco auf Valley tritt als erster Festungshäftling seine Luxushaft in Landsberg am Lech an. 

1. April 1924
Milde Urteile im Hitler-Ludendorff-Prozess 

München-Neuhausen * Nach 25 Verhandlungstagen verkündet das Volksgericht München I die Urteile gegen die führenden Beteiligten am gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch.

  • Adolf Hitler, Hermann Kriebel, Friedrich Weber und Ernst Pöhner werden wegen Hochverrats zu jeweils fünf Jahren Festungshaft und einer Geldstrafe von 200 Goldmark verurteilt. Das Gericht erkennt ihnen mildernde Umstände zu und bleibt damit bei der gesetzlichen Mindeststrafe. Die Festungshaft gilt zudem als nicht entehrende Form des Freiheitsentzugs. 
  • Wilhelm Brückner, Ernst Röhm, Heinz Pernet, Robert Wagner und Wilhelm Frick erhalten wegen Beihilfe zum Hochverrat jeweils ein Jahr und drei Monate Festungshaft sowie eine Geldstrafe von 100 Goldmark. Erich Ludendorff wird freigesprochen. Das Gericht folgt dabei seiner wenig glaubwürdigen Behauptung, von Hitlers eigentlichen Umsturzplänen nichts gewusst zu haben. 
  • Die Staatsanwaltschaft hat für Hitler acht Jahre Haft beantragt. Das Volksgericht stellt Hitler, Kriebel, Weber und Pöhner jedoch bereits nach Verbüßung eines weiteren Strafteils von sechs Monaten eine Entlassung auf Bewährung in Aussicht. Den wegen Beihilfe Verurteilten gewährt es diese Bewährung sofort. 
  • Auch Hitlers Vorstrafe bleibt folgenlos: Obwohl er 1922 wegen Landfriedensbruchs verurteilt worden ist und noch unter Bewährung steht, stellt ihm das Gericht erneut eine vorzeitige Haftentlassung in Aussicht. Ebenso sieht es von der gesetzlich vorgesehenen Ausweisung des österreichischen Staatsbürgers ab. Zur Begründung erklärt das Gericht, die Vorschrift könne auf einen Mann, der sich als Deutscher fühle und im deutschen Heer Kriegsdienst geleistet habe, nicht angewandt werden. 

Da die bayerischen Volksgerichte in den ihnen übertragenen Verfahren als erste und letzte Instanz entscheiden, ist kein Rechtsmittel möglich. Das außergewöhnlich milde und sofort rechtskräftige Urteil wird bereits von Zeitgenossen scharf als Ausdruck einer politisch einseitigen Justiz kritisiert. 

1. April 1924
Privilegierte Festungshaft in Landsberg 

Landsberg am Lech * Unmittelbar nach der Urteilsverkündung treten Adolf Hitler, Hermann Kriebel und Friedrich Weber ihre Festungshaft in der Gefangenenanstalt Landsberg am Lech an. Ernst Pöhner kann seinen Haftantritt dagegen bis zum 5. Januar 1925 hinauszögern. 

Die Landsberger Anstalt besitzt keinen Festungscharakter. Ein gesonderter Gefängnistrakt dient jedoch seit 1920 als sogenannte Festungshaftanstalt. Hitler und seine Mitgefangenen werden dort in eigenen Stuben untergebracht und können einen Gemeinschaftsraum nutzen. 

Anstaltsleiter Otto Leybold betrachtet die Putschisten als „nationalhochgesinnte Männer“ und gewährt ihnen einen außerordentlich milden Strafvollzug. Hitler darf weit mehr Besucher empfangen, als die Hausordnung vorsieht, und politische Gespräche teilweise ohne Aufsicht führen. Bis zu seiner Entlassung werden 330 Personen zu ihm vorgelassen. 

Spätestens im Juni 1924 beginnt Hitler auf einer Schreibmaschine mit der Niederschrift eines politischen und autobiografischen Manuskripts, aus dem später der erste Band von „Mein Kampf“ hervorgeht. Die Haft bietet ihm zugleich Gelegenheit, seine politischen Kontakte zu pflegen und seine Stellung innerhalb der zersplitterten völkischen Bewegung zu festigen. 

2. April 1924
Graf Arco und Adolf Hitler lernen sich in der Haft kennen

Landsberg * Während der letzten sechs Wochen seiner Inhaftierung lernt Graf von  Arco einen Neuzugang kennen, der die Haftruhe - wie  auch Graf Arco selbst - zum Niederschreiben seiner Gedanken und Pläne nutzt: Adolf Hitler.

Dieser beginnt in Landsberg mit seinem Werk „Mein Kampf“, in dem er unter anderem den deutschen „Föderalismus“ als Schwächung Deutschlands geißelt. 

13. April 1924
Anton Graf Arco-Valley wird aus der lebenslangen Haft entlassen

Landsberg am Lech * Anton Graf von Arco auf Valley verlässt die Festung Landsberg am Lech - bereits vier Jahre nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Festungshaft - wieder als freier Mann. Er wird wegen Strafunterbrechung entlassen, ohne dass die sonst übliche Bewährungsfrist ausgesprochen wird. Ein lebenslanger Gefängnisaufenthalt war für Arco eh nie ernstlich in Betracht gezogen worden.

Bei seiner Rückkehr nach Schloss Sankt Martin wird der Graf von der Bevölkerung jubelnd empfangen und die farbentragende katholische bayerische Studentenverbindung Rhaetia nimmt im Rahmen einer Festkneipe im Sommer 1925 den entlassenen Mörder in ihren Reihen auf. 

Anton von Arco ist durch seinen Mord am bayerischen Ministerpräsidenten zum Helden der nationalen Rechten aufgestiegen. Dass er dabei von den Leibwächtern schwer verletzt wurde, macht auch noch einen Märtyrer aus ihm.

20. Dezember 1924
Hitlers vorzeitige Entlassung 

Landsberg am Lech * Adolf Hitler wird auf Bewährung aus der Festungshaftanstalt Landsberg entlassen. Von der gegen ihn verhängten fünfjährigen Festungshaft hat er damit weniger als neun Monate verbüßt. Auch Hermann Kriebel kommt an diesem Tag auf Bewährung frei. 

Die vorzeitige Entlassung erfolgt gegen den ausdrücklichen Widerstand der Staatsanwaltschaft und der Münchner Polizeidirektion. Beide warnen, Hitler habe sich keineswegs von seinen staatsgefährdenden Absichten abgewandt. Der ihm wohlgesonnene Anstaltsleiter Otto Leybold bescheinigt ihm dagegen eine gute Führung und behauptet, Hitler sei während der Haft „reifer, ruhiger und überlegter“ geworden. Auf Leybolds Fürsprache wird der Einspruch der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen und die Bewährung bewilligt. 

10. Juli 1934
Kardinal Faulhaber traut den Eisner-Mörder

München-Kreuzviertel * Kardinal Michael von Faulhaber traut den Kurt-Eisner-Mörder Anton Graf von Arco auf Valley mit Gabrielle Gräfin von Arco-Zinneberg in der Dreifaltigkeitskirche.

Arco hatte den Gründer des Freistaats Bayern am 21. Februar 1919 hinterrücks ermordet, war zunächst zum Tode verurteilt, aber am nächsten Tag zu lebenslänglicher Festungshaft begnadigt worden. Nach fünf Jahren wurde er aus der Haft entlassen. Anton Graf von Arco auf Valley war durch seine Tat in monarchistischen und konservativen Kreisen hoch angesehen. Deshalb ist es dem Münchner Erzbischof und Kardinal ein persönliches Anliegen, die Trauung durchzuführen. 

30. April 1945
Amerikanische Truppen befreien München von den Nazis

München * Auf ihrem Vormarsch gegen die „Alpenfestung“ befreien amerikanische Truppen München.

Die „Rainbow Division“ besetzt Hitlers Wohnung am Prinzregenten Platz 16.
Im Geldschrank finden die Amerikaner zwölf Exemplare der ersten Ausgabe von „Mein Kampf“ mit Autogramm, jedoch keinerlei Wertsachen und Dokumente.