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Das umfangreiche Imperium der Tempel-Ordensritter

Paris * Die Templer besitzen ausgedehnte Ländereien in Frankreich, England, Schottland, Spanien, Portugal, Flandern, Italien, im Deutschen Reich, Ungarn und in der Levante.

Geschenkt wird ihnen vor allem für die Ablösung von Sünden sowie das Seelenheil des Spenders und seiner Angehörigen. Durch Tausch, Verkauf und Erwerb optimieren die Templer die Ertragslage ihrer Schenkungen zu wirtschaftlich lukrativen Gebilden. Da ihre Besitzungen hohe Renditen erwirtschaften, fließen dem Ritterorden daraus reichliches Einkommen zu. Viele ihrer landwirtschaftlichen Gründe haben sie verpachtet.

Nur wenn sich die Ertragslage der Böden wirklich rentiert, dann bearbeiten sie diese auch in Eigenbewirtschaftung. Dafür holen sie sich eigens qualifizierte Spezialisten. In Spanien und auf den Balearen beschäftigen die Tempelherren dafür sogar geschickte Muslime. 

  • Durch ihren Kontakt zur jüdischen und islamischen Welt sind die Tempelherren recht weltoffen und für neue Wissenschaften und Ideen empfänglich geworden. Der Orden besitzt die fortschrittlichste Technologie der Zeit: im Bereich der Landwirtschaft, des Vermessungswesens, des Straßenbaus und der Schifffahrt.
  • Die Templer veranlassen die Bewässerung des Rio-Cinca-Tales in Aragón, den Bau eines Mühlensystems an der Aude und die Einführung des vierjährigen Fruchtwechsels in der Normandie. Mit Mühlen lässt sich ebenso viel Geld verdienen wie mit dem Weinanbau in Portugal. Der Wein wird bis nach England verkauft.
  • Auch die Templer-Schiffe bringen einen erheblichen Gewinn. Den Ordensrittern gehören eigene Häfen, Werften und Schiffe. Sie sind die Ersten in Europa, die mit einem Magnetkompass ausgestattet sind.
  • Selbst die der europäischen weit überlegene arabische Medizin ist den Templern nicht fremd. In den Krankenhäusern des Ordens kommen moderne Prinzipien wie Hygiene und Sauberkeit zum Tragen und sogar das Wissen um die antibiotische Wirkung von bestimmten Pilzen ist vorhanden.
  • Die Tempelherren sind also keineswegs reine Haudraufs. Neben ihren kriegerischen, politischen und wirtschaftlichen Aktivitäten betreiben sie auch noch Geldgeschäfte. Sie sind die einzigen Christen, die aufgrund eines weiteren päpstlichen Privilegs Geld gegen Zinsen verleihen dürfen. Dadurch können sie einen gewaltigen Reichtum anhäufen.
  • Und da, um seine Wertgegenstände aufzubewahren, nichts so sicher und unverletzlich ist wie ein gottgeweihtes Haus und nichts mehr Vertrauen erweckt als die Templer-Burgen, die von hohen Mauern geschützt, von Ritter-Mönchen verteidigt vor jedem Angriff sicher scheinen, dienen diese bald als Tresore für Kostbarkeiten von weltlichen und geistlichen Herren. Sie werden zu Depots für Wertgegenstände, Schmuck und Geld, die den Grundstock des immer noch gesuchten Templerschatzes bilden.
  • Die Templer verwalten die Depots ihrer Kunden, die damit über ein laufendes Konto verfügen. Sie können Geld abheben, Zahlungen durch einen simplen Brief an den Schatzmeister entrichten und erhalten darüber hinaus drei Mal jährlich einen Kontoauszug zugeschickt.
  • Zu jedem trogähnlichen Geldschrank gibt es, ähnlich wie bei den heutigen Bankschließfächern, zwei verschiedene Schlüssel. Je einen für den Hüter der kirchlichen Kostbarkeiten und dem Depotinhaber. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Depots der Templer absolut sicher, da geldgierige Herrscher nur ganz selten ihre Finger nach ihnen ausstrecken.
  • So können sich die Niederlassungen der Templer in Europa und im Nahen Osten zu Zentren des Finanzwesens entwickeln und das Pariser Ordenshaus, der Temple, zum europäischen Finanzzentrum. Der König von Frankreich vertraut beispielsweise im 13. Jahrhundert seine Kronjuwelen der Obhut der Pariser Templer an.
  • Die Finanzspezialisten der Tempelherren führen bald fortschrittliche Techniken im Kreditwesen und in der Buchführung ein. Sie entwickeln den bargeldlosen Zahlungsverkehr und führen den Wechselbrief und den Scheck in Europa ein.
  • Wer also in einem Ordenshaus eine Summe einzahlt, kann sie nach Vorlage der Kassenanweisung in einer weit entfernten Komturei wieder in Empfang nehmen. Der Orden kassiert dafür lediglich Gebühren und verdient an den Zinsen. Doch wird dadurch der risikoreiche Transfer von Münzgeld fast völlig entbehrlich.
  • Neben der einfachen Vermögensverwaltung für Dritte betreibt der Templer-Orden auch Geldleihe, wodurch er die eigenen Gelder und die ihnen durch Dritte anvertrauten Einlagen arbeiten lässt. Alle Klöster und Konvente fungieren deshalb als Leihkasse.
  • An Bauern verleihen die Templer kleinere Summen, damit diese einen Engpass überbrücken können, Kaufleuten geben sie größere Kredite. Als Sicherheit ziehen sie Grundbesitz heran. Gibt es bei der Rückzahlung des Kredits Probleme, dann halten sie sich an den Ländereien des Schuldners schadlos.
  • Zwar passen die Finanzaktivitäten des Templer-Ordens nicht zu ihrer religiösen Berufung, es ist aber die allgemein den Ritterorden aufgetragene Mission, die sie auch in diesem Bereich tätig werden lassen. Auch die Johanniter, der Deutsche Orden und selbst die traditionellen Mönchsorden betätigen sich ähnlich, allerdings auf einer wesentlich niedrigeren Stufe.
  • Um im Orient überleben zu können, muss der Templer-Orden über umfangreiche Finanzmittel verfügen und all seine Einkünfte weitestgehend in Geld verwandeln. Sie kaufen dazu auf Märkten und Messen möglichst viele Rechte und Monopole, die ihnen wiederum Einnahmen sichern.
  • So wird zum Beispiel das ausschließliche Wiegerecht, das der Orden vom Grafen der Champagne erwirbt, sehr zu Ungunsten der dort ansässigen Bürger vereinnahmt. Von dem eingenommenen und erwirtschafteten Verdienst gehen anfangs ein Drittel an die Häuser im Orient. Später werden die Abgaben auf ein Zehntel reduziert.
  • Aus abendländischer Sicht entsteht immer wieder der Eindruck, als hätten die Männer und Frauen aus dem Westen die Kultur in den Nahen Osten gebracht. Genau das Gegenteil ist richtig. Die arabischen Reiche sind den Christen nicht nur militärisch, sondern auch in ihrer Kultur weit überlegen. Dort im Osten ist das geistige Erbe der Griechen und Römer bewahrt und weiterentwickelt worden. Geniale Mathematiker und Astronomen sowie geschickte Kaufleute kommen von dort her.
  • Die Araber haben ein Zahlensystem entwickelt: die arabischen Ziffern, die wir heute noch verwenden. Eine der wesentlichen Neuerungen besteht darin, dass es für „nichts“ ein eigenes Zeichen gibt: die Null. Diese macht das Multiplizieren und das Bruchrechnen viel einfacher und erlaubt die einprägsame Darstellung des Dezimalsystems. Und genau dieses System lernen die Christen, allen voran die Tempelherren, zur Zeit der Kreuzzüge kennen. Die arabischen Ziffern ersetzen die bisher üblichen römischen.
    Da die Kaufleute nun einfacher rechnen können, rechnen sie auch besser und erhalten damit ein genaueres Bild über den Verlauf ihrer Geschäfte.
Vor 1204
Ludmilla sichert sich das Jawort des Herzogs 

Herzogtum Baiern - Bogen * Eine der Geschichten über die spätere Ehe zwischen Herzog Ludwig I. und Ludmilla erzählt von einer ebenso klugen wie wirkungsvollen List. 

Der etwa dreißigjährige Wittelsbacher, den man später „den Kelheimer“ nennt, wirbt um die verwitwete Gräfin von Bogen. Als amtierender Herzog gehört er zu den begehrtesten Heiratskandidaten des Landes. Ludmilla, eine gebürtige böhmische Prinzessin und Mutter dreier Söhne aus erster Ehe, verlangt jedoch ein verbindliches Eheversprechen, bevor sie sich auf ihn einlässt. 

Der Sage nach verbirgt sie drei Vertraute hinter einem Wandbehang, auf dem Rittergestalten zu sehen sind. Als Ludwig ihr die Ehe verspricht, fordert sie ihn auf, sein Gelöbnis auch vor diesen vermeintlich stummen Zeugen zu wiederholen. Der Herzog geht lächelnd darauf ein – und erlebt eine Überraschung. Ludolf Silvanus schildert die Szene im „Sagenkranz des Bayerisch-Böhmischen Waldes“: 

„Auf einem Teppich oben sah man vor einem Portal
Drei Ritterbilder gewoben in ihrem Ahnensaal.
Und drei von ihren Räten rief sie geschwind heran,
Daß sie dahinter träten; sagt‘ ihnen ihren Plan.

‚Und ewige Liebe und Treue‘, rief schon der Herzog laut,
‚Gelob‘ ich heut‘ aufs neue, ihr werdet meine Braut!‘
‚Wohlan! könnt ihr auch schwören bei jenen Rittern dort?
Auch diese sollen es hören als Zeugen eurem Wort.‘

Der Herzog sah die Riesen mit Lächeln an der Wand
Und rief: ‚Und auch vor diesen gelob‘ ich‘s mit Mund und Hand!‘
Da rollt mit einem Male der Vorhang sich empor,
Drei Ritter im blanken Stahle treten daraus hervor.“
 

Damit hat Ludmilla nach der Erzählung ihr Ziel erreicht: Aus dem vertraulichen Versprechen wird ein Gelöbnis vor Zeugen, dem sich der Herzog nicht mehr entziehen kann. Die Geschichte liefert eine unterhaltsame Erklärung für die Hochzeit von 1204; als gesicherter Bericht über deren Zustandekommen gilt sie jedoch nicht.

Oktober 1204
Eine Ehe mit weitreichenden Folgen 

Kelheim * Herzog Ludwig I., genannt „der Kelheimer“, heiratet Ludmilla, eine böhmische Prinzessin und Witwe des Grafen Albert Il von Bogen. Wann und wo sich beide kennenlernen, ist nicht überliefert. Auch der genaue Ort und Tag der Hochzeit bleiben unsicher. 

Die Verbindung ist vermutlich vor allem dynastisch und machtpolitisch begründet: Sie führt das junge Herzogshaus der Wittelsbacher mit dem einflussreichen Geschlecht der Grafen von Bogen zusammen und stärkt zugleich Ludwigs Beziehungen zum böhmischen Herrscherhaus der Premysliden. 

Durch Ludmilla gelangt das weiß-blaue Rautenwappen der Grafen von Bogen an die Wittelsbacher. 

Aus der Ehe geht 1206 der Sohn Otto II. hervor. 

15. Januar 1242
Die Rauten kommen zu den Wittelsbachern 

Bogen - München * Graf Albert IV. von Bogen, ein Sohn Ludmillas aus erster Ehe, stirbt kinderlos. Mit seinem Tod erlischt das Geschlecht der Grafen von Bogen. 

Sein Halbbruder Otto II. von Wittelsbach übernimmt die Grafschaft und gliedert den umfangreichen Besitz dem wittelsbachischen Herrschaftsgebiet an. Zugleich führt er das Bogener Hoheitszeichen, die weiß-blauen Rauten, im Wappen der Wittelsbacher weiter. Aus ihnen entwickelt sich eines der bekanntesten Wahrzeichen Bayerns.

Um 1290
Der Panther kommt ins niederbaierische Wappen 

Teilherzogtum Niederbaiern * Die niederbaierischen Herzöge erweitern ihren Herrschaftsbereich erheblich, unter anderem auf Kosten der Grafen von Ortenburg-Kraiburg. Der Gebietszuwachs findet auch im Wappen seinen Ausdruck: Die Herzöge übernehmen den Panther aus dem Herrschaftszeichen der bisherigen Besitzer. 

Der heraldische Panther ist ein Fabeltier mit pferdeähnlichem Rumpf, langem Hals und feuerspeiendem Drachenkopf. In den Siegeln der niederbaierischen Herzöge erscheint er nun gemeinsam mit dem Löwen und den Rauten. 

4. August 1329
Der Hausvertrag von Pavia trennt Baiern und Pfalz 

Pavia - Oberbaiern - Pfalz * Kaiser Ludwig IV., genannt „der Baier“, und die Nachkommen seines verstorbenen Bruders Rudolf I. teilen im Hausvertrag von Pavia ihre Besitzungen. 

Rudolf II., sein Bruder Ruprecht I. und ihr Neffe Ruprecht II. erhalten die Pfalz am Rhein sowie Teile des baierischen Nordgaus, die später als Oberpfalz bezeichnet werden. Ludwig und seinen Söhnen verbleibt Oberbaiern. Niederbaiern ist von der Vereinbarung ausgenommen. 

Damit entstehen eine pfälzische und eine oberbaierische Linie des Hauses Wittelsbach. Trotz der Teilung bleiben Rauten und Löwe gemeinsame Wappenzeichen der Dynastie. 

1438
Löwen und Rauten im gevierten Wappenschild 

Baiern-München * Mit dem Regierungsantritt Herzog Albrechts III. werden Löwen und Rauten in einem viergeteilten Schild zusammengeführt. Eine senkrechte und eine waagrechte Linie teilen den Schild in vier Felder. Gleiche Wappenbilder stehen sich jeweils diagonal gegenüber. In der Heraldik heißt diese Anordnung „Vierung“. 

Bei den pfälzischen Wittelsbachern nimmt häufig der Löwe das erste und vierte Feld ein. Die Herzöge der baierischen Linien bevorzugen an diesen Stellen die weiß-blauen Rauten; die Löwen erscheinen entsprechend im zweiten und dritten Feld.

Suchbegriffe: Wappen, Rauten, Löwe, Vierung
1502
In 39 Münchner bürgerlichen Brauereien wird Bier hergestellt

München * In 39 Münchner bürgerlichen Brauereien wird Bier hergestellt.

Erstmals stimmt die Zahl der Brauer mit der Zahl der Brauhäuser überein.
Die 39 Brauhausbesitzer stellen für 13.500 Einwohner Bier her.

Zum Vergleich: Im Jahr 1372 brauten 21 Brauer für 11.500 Münchner.
Kamen also 1372 noch 536 Münchner auf einen Brauer, so waren es 1502 nur mehr 346.
Das kann sich nur dann rentiert haben, wenn sich der Bierumsatz des einzelnen Münchners um mindestens das Eineinhalbfache gesteigert hat.

War das der Beginn für den unvergleichlichen Aufstieg des Bieres und der Anfang vom Niedergang des Weinkonsums in München?

1612
Der aus Einbeck stammende Bierbrauer Elias Pichler kommt nach München

Einbeck - München * Der aus Einbeck - im hohen protestantischen Norden - stammende Bierbrauer Elias Pichler wird vom baierischen Herzoghaus ans Hofbräuhaus nach München angeworben, um hier ein Bier nach ainpöckischer Art zu brauen. Bevor er seine Tätigkeit aufnimmt, muss er aber noch schnell zum katholischen Glauben konvertieren.

Er braucht zwar noch einige Experimente, aber dann gibt‘s statt des bis dahin gebrauten Plempels ein würziges, süffiges und bekömmliches Bockbier aus dem Herzoglichen Hofbräuhaus. Das wird aber erst im Jahr 1614 sein. 

1623
Der Reichsapfel ergänzt das baierische Wappen 

Kurfürstentum Baiern * Mit der Übertragung der Kurwürde an Herzog Maximilian I. erhält das Wappen mit Löwen und Rauten einen roten Herzschild mit goldenem Reichsapfel. Dieser kleine Schild liegt in der Mitte des Hauptschildes. 

Der Reichsapfel steht für das mit der Kurwürde verbundene Erztruchsessenamt, eines der hohen Ehrenämter im Heiligen Römischen Reich. 

Juli 1719
Johann Theodor muss als 16-jähriger das Bistum Regensburg übernehmen

Regensburg * Johann Theodor, der jüngste Sohn des baierischen Kurfürsten Max Emanuels muss als 16-jähriger das Bistum Regensburg von seinem älteren Bruder Clemens August übernehmen, obwohl er überhaupt keine Neigung zum geistlichen Stand in sich fühlt.

Der übermächtige Vater droht ihm - mit unbeugsamer Härte - mit der rechtlichen Zurücksetzung innerhalb der Familie. Damit bewegt er seinen Sohn zur Annahme dieses hohen und einträglichen Kirchenamtes.

Obwohl Johann Theodor bis zu seinem Tod im Jahr 1763 das Bistum Regensburg insgesamt 44 Jahre als Erzbischof regiert, glänzt er dort durch Abwesenheit und hält sich bevorzugt in den väterlichen Schlössern, später in seinem Jagdschloss in Ismaning auf.

Die tatsächliche Bistumsverwaltung übernehmen die vom Fürstbischof eingesetzten geistlichen Ratskollegien, Generalvikare und Weihbischöfe. Ungeachtet seiner Untätigkeit für die ihm anvertrauten Aufgabengebiete macht der Wittelsbacher Herzog dennoch Karriere.

Juni 1728
Die neuen Burgfriedenssäulen werden aufgestellt

München * Die neuen Burgfriedenssäulen werden unter Beteiligung einer Kommission aus kurfürstlichen Hofräten und aus städtischen Abgeordneten aufgestellt. Begleitet werden sie von 37 Bürgersöhnen im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren, die Kohlen aus Eichenholz und Glasscherben zum Einlegen in die Grundsteine der Säulen mittragen.

Jeder der Knaben erhält zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis einen Gedenkpfennig und eine Maulschelle, die an das alte baierische Recht erinnert, bei dem die Zeugen an den Ohren gezogen wurden.

  • Ähnlich einem Bildstock wird die Stele oben von einer halbrunden Bekrönung abgeschlossen.
  • Die Säulen sind aus Tuffstein, der aus der Gegend um Valley stammt.
  • Sie zeigen auf der einen Seite einen Mönch, auf der anderen das Rautenwappen, das Stadt- und das Landeswappen.
13. April 1795
Das Kurfürstenpaar genießt das Sankt-Vater-Bier in der Au

Au * Während seiner Flitterwochen besucht der 71-jährige pfalz-baierische Kurfürst Carl Theodor mit seiner frisch angetrauten 18-jährigen Frau Maria Leopoldine den Ausschank des Sankt-Vater-Bieres, ein Starkbier, im Paulaner-Kloster in der Au.

Drei Auer Bürger bitten den Landesherrn um die Abhaltung von zwei Jahrmärkten, als Ausgleich für die häufig zu erleidenden Hochwässer der Isar.

September 1796
Herzog Max Joseph von Pfalz-Zweibrücken flieht ins preußische Ansbach

Mannheim - Ansbach * Herzog Max Joseph von Pfalz-Zweibrücken muss aus Mannheim fliehen und begibt sich - auf Einladung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. - in das seit dem Jahr 1791 preußische Ansbach.

Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas übernimmt die Leitung der Geschäfte und macht sich bald zum unentbehrlichen Ratgeber und Vertrauten des Herzogs. 

1. Januar 1806
Das Königreich Baiern erhält sein erstes Wappen

Königreich Baiern * Das Königreich Baiern erhält sein erstes Wappen, das radikal mit der heraldischen Tradition bricht. Vor 42 baierischen Rauten steht das Herzschild als Zeichen der Kurwürde, die ja bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation am 6. August 1806 weiterbesteht. 

4. Januar 1806
Ein vereinfachtes Wappen für das Königreich 

München - Königreich Baiern * König Max I. Joseph genehmigt nach der Erhebung Baierns zum Königreich ein vereinfachtes Staatswappen. Der Hauptschild zeigt die weiß-blauen Rauten, auch „Wecken“ genannt. In seiner Mitte liegt ein gespaltener Herzschild mit Reichsapfel und Pfälzer Löwen, über dem weiterhin der Kurhut steht. Über dem Hauptschild erhebt sich die Königskrone. Zwei Löwen dienen als Schildhalter: Der heraldisch rechte Löwe – vom Betrachter aus links – trägt ein Zepter, der gegenüberstehende ein Schwert. So verbindet das neue Wappen die Königswürde mit den Zeichen der bisherigen kurfürstlichen Herrschaft. 

20. Dezember 1806
Schwert und Zepter im Herzschild

Königsreich Baiern * Das königliche Wappen wird erneut verändert. Die weiß-blauen Rauten bleiben erhalten, ihre Zahl wird jedoch auf 42 festgelegt. 

Der zinnoberrote Herzschild zeigt nun ein blankes Schwert mit goldenem Griff, gekreuzt mit einem goldenen Zepter. Die beiden Herrschaftszeichen ersetzen den Reichsapfel und den Pfälzer Löwen. 

1. März 1808
Die Thurn und Taxis lesen heimlich die ihnen anvertrauten Briefe

München - Regensburg * Minister Montgelas hat ausreichend belastendes Material gegen die Thurn und Taxis gesammelt und kann nun König Max I. Joseph handfeste Beweise auf den Tisch legen. Demnach öffnen und lesen die Thurn und Taxis in ihren „Schwarzen Kabinetten“ heimlich die ihnen anvertrauten Briefe. Das Material ist so erdrückend, dass man sich in Regensburg keine Mühe zur Entgegnung macht. Der Taxische Beamte Alexander von Vrints gibt alles zu und räumt ein, dass dies seit hundert Jahren bei den Taxis übliche Praxis sei.

Mit der Verordnung über die Einrichtung einer General-Direktion der Königlichen Posten wird in Baiern die Thurn und Taxischen Reichsposten beseitigt. Man unterstellt die Post dem Ministerium des Königlichen Hauses und des Äußeren.

Mathilde Therese, die Ehefrau des Fürsten Carl Alexander von Thurn und Taxis und Nichte von Max I. Joseph, erreicht noch, dass sie als Ablösesumme Teile des ehemaligen Regensburger Hochstifts erhält, nämlich Wörth, Donaustauf und Wiesent. Außerdem bekommt das Haus Thurn und Taxis 60.000 Gulden und die Würde eines baierischen Reichsoberpostmeisters mit der Funktion „der Oberaufsicht bei feierlichen Zügen und Auffahrten“ und die Befugnis, bei hochoffiziellen Anlässen den Reichsapfel zu tragen.

2. Februar 1817
Graf Maximilian Joseph von Montgelas erhält seine Entlassungsurkunde

München-Kreuzviertel * Mit den Worten: „Sonntag um elf Uhr werde ich mich bei Ihnen einfinden; adieu mon cher Montgelas. Ich hoffe, Sie in besserer Gesundheit anzutreffen, als ich Sie verlassen habe“, hat der baierische Herrscher sein Kommen für den 2. Februar 1817 angekündigt. Doch statt dem König fährt ein Bote mit der Entlassungsurkunde in der Tasche in das Palais am Promenadeplatz. 

Der abgesetzte Minister erhält nicht einmal die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Das Kündigungsschreiben ist so formuliert, als hätte der Graf selbst aus gesundheitlichen Gründen gebeten, „ihn der ganzen Last der ihm bisher anvertrauten Staatsämter zu entheben“. Graf Maximilan Joseph von Montgelas schweigt nach der Überreichung des Schreibens erst einmal eine Viertelstunde und äußert sich dann nur über die - aus seiner Sicht - viel zu niedrige Höhe der Pension. 30.000 Gulden erhält der Neurentner, statt der 36.000 Gulden, die er als aktiver Minister erhalten hat.

Das ist also der Dank des Hauses Wittelsbach für den Mann, der ihnen in jahrzehntelanger Arbeit das Land vergrößerte, einen modernen Staat geschaffen und die Königskrone errungen hatte. Doch für Kronprinz Ludwig ist der Minister, der Baiern geformt, reformiert und modernisiert hat, einfach zu „unteutsch“.

In dieser Zeit kursieren zudem Schmähschriften, in denen Montgelas unterstellt wird, er sei nur ein „halber Baier“ und gehöre der alles unterjochenden französischen Nation an. Als Ernestine von Montgelas nach der Entlassung ihres Mannes als Minister die Gruppierung der Verschwörer an der Hoftafel beschimpft, erhält sie lebenslanges Hofverbot.

Kein Wunder, dass der ansonsten denkmalgeile König Ludwig I. dem Architekten des modernen Baiern kein Bronzestandbild setzen lässt, wohl aber seinem Mitverschwörer Fürst Carl Philipp von Wrede. Danach bewirkt eine deutsch-national gestimmte bayerische Geschichtsschreibung, dass Montgelas bei den Bayern in keinem guten Andenken bleibt.

Nach der Entlassung des Grafen Maximilian Joseph von Montgelas werden die Ministerien neu aufgeteilt. Das Portefeuille des Äußeren erhält Alois Graf von Rechberg, das des Inneren Friedrich Graf von Thürheim und das der Finanzen Maximilian Freiherr von Lerchenfeld.

1820
Ärger wegen des Bierpreises

Vorstadt Au * Franz Xaver Zacherl bekommt wegen des höheren Bierpreises Ärger mit der Konkurrenz und in der Folge Scherereien mit der Regierung des Isarkreises. Das Finanzamt wirft ihm einen Verstoß gegen das Bierregulativ vor, da er sein Starkbier über dem gesetzlich vorgeschriebenen Bierpreis verkauft. 

Zacherl begründet den erhöhten Preis mit der besseren Qualität des doppelt eingebrauten Starkbieres und verweist auf das „Königliche Hofbräuhaus“, das ebenfalls von den Vorgaben der gesetzlichen Bierpreisregelung ausgenommen ist. 

1835
Bayerns Regionen erhalten ihren Platz im Staatswappen 

Königreich Bayern * König Ludwig I. lässt das Staatswappen neu gestalten. Es soll die verschiedenen Landesteile und Bevölkerungsgruppen des Königreichs repräsentieren. 

Der gevierte Hauptschild zeigt im ersten Feld den Pfälzer Löwen, im zweiten den fränkischen Rechen und im dritten das Wappen der Markgrafschaft Burgau als Zeichen für Schwaben. Im vierten Feld steht der Veldenzer Löwe als Hinweis auf die Herkunft der Dynastie aus der Rheinpfalz. 

Die weiß-blauen Rauten rücken in den Herzschild und bilden damit die Mitte des Wappens. 

1839
Auf königlichem Wunsch entsteht ein Übernachtungsbetrieb

München-Kreuzviertel * Der königliche Wunsch, „daß ein bedeutender Gasthof hieher komme“, trifft bei Joseph Anton Ritter von Maffei auf offene Ohren. Er erwirbt für 163.400 Gulden zwei Anwesen an der Prannergasse und vier ihm benachbarte Häuser an der ehemaligen Kreuzgasse, darunter den Gasthof Goldener Bär.

Anschließend lässt er das Hotel zum Bayerischen Hof projektieren und errichten. König Ludwig I. äußert für den Hotelbau einen ganz persönlichen Wunsch. Ausgerechnet der verantwortliche Bauherr der Ludwigstraße und der Ruhmeshalle, der Glyptothek und der Pinakotheken sowie zahlreicher anderer Bauwerke innerhalb und außerhalb Bayerns, hat in seiner Residenz kein adäquates Badezimmer, sodass er sich zwei Mal im Monat die Ehre gibt, im Hotel zum Bayerischen Hof sein Bad zu nehmen.

Schon aus diesem Grund besitzt die neue Nobelherberge das besondere Wohlwollen „Seiner Allerhöchsten Majestät“, die dem Hotelbetrieb deshalb sogar das Führen des Bayerischen Staatswappens mit Löwen, Rauten und Krone erlaubt. Mit dieser Nobelherberge schafft Anton Ritter und Edler von Maffei einen Übernachtungsbetrieb, der - bis zum heutigen Tag - als erste Adresse Münchens gilt.

2. März 1848
In München beginnt die Märzrevolution

München * In München beginnt die „Märzrevolution“ mit dem Sturm auf das Haus des Ministers Franz von Berks, einem Vertrauten König Ludwigs I., der mit Unterstützung von Lola Montez in die Position des Innenminister-Verwesers gehievt worden war und deshalb von den Münchnern als „Lola-Minister“ oder „Huren-Minister“ bezeichnet wird. 

31. Januar 1918
Bayern gegen preußische Vergrößerungspläne

München * Nach einem Besuch des Großherzogs von Oldenburg, Friedrich August, bei König Ludwig III. erklärt dieser dem Vertrauten des Reichskanzlers, Victor Naumann, zu den preußischen Vergrößerungsplänen, dass „gegen irgendeine Bindung an Preußen […] die gewichtigsten Gründe“ sprechen. Es geht um einen Zugewinn für das Deutsche Reich im Ostseeraum. 

5. Mai 1950
Ein Staatswappen für das demokratische Bayern

München - Freistaat Bayern * Mit dem Gesetz über das Wappen des Freistaates Bayern erhält das Land ein neues Staatswappen. Es verbindet die demokratische Staatsordnung mit den historischen Zeichen seiner Landesteile. 

  • Die Volkskrone steht für die Volkssouveränität: Die Staatsgewalt geht vom Volk aus. 
  • Die beiden schildhaltenden Löwen führen eine Tradition aus dem 14. Jahrhundert fort. 
  • Der goldene Pfälzer Löwe repräsentiert die Oberpfalz. 
  • Der fränkische Rechen steht für Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. 
  • Der blaue Panther symbolisiert Oberbayern und Niederbayern. 
  • Die drei schwarzen Löwen vertreten Schwaben. 
  • Der weiß-blaue Rautenschild in der Mitte steht für Bayern als Ganzes. Zusammen mit der Volkskrone bildet er das kleine Staatswappen. 

Das Wappen vereint damit Bayerns regionale Vielfalt, seine Geschichte und sein demokratisches Selbstverständnis. 

Suchbegriffe: Wappen, Staatswappen
5. Juni 1950
Ein Staatswappen für das demokratische Bayern

München - Freistaat Bayern * Mit dem Gesetz über das Wappen des Freistaates Bayern erhält das Land ein neues Staatswappen. Es verbindet die demokratische Staatsordnung mit den historischen Zeichen seiner Landesteile. 

  • Die Volkskrone steht für die Volkssouveränität: Die Staatsgewalt geht vom Volk aus. 
  • Die beiden schildhaltenden Löwen führen eine Tradition aus dem 14. Jahrhundert fort. 
  • Der goldene Pfälzer Löwe repräsentiert die Oberpfalz. 
  • Der fränkische Rechen steht für Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. 
  • Der blaue Panther symbolisiert Oberbayern und Niederbayern. 
  • Die drei schwarzen Löwen vertreten Schwaben. 
  • Der weiß-blaue Rautenschild in der Mitte steht für Bayern als Ganzes. Zusammen mit der Volkskrone bildet er das kleine Staatswappen. 

Das Wappen vereint damit Bayerns regionale Vielfalt, seine Geschichte und sein demokratisches Selbstverständnis.