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10. November 1938
SA-Männer verwüsten die Synagoge an der Reichenbachstraße

München-Isarvorstadt * SA-Angehörige dringen in die erst 1931 eingeweihte Synagoge an der Reichenbachstraße ein und verwüsten die Inneneinrichtung. Um 2:35 Uhr setzen sie das Gotteshaus in Brand. Die Feuerwehr löscht die Flammen, um ein Übergreifen auf die benachbarten Wohnhäuser zu verhindern. Dadurch bleibt das Gebäude trotz schwerer Schäden als einzige der drei großen Münchner Synagogen baulich erhalten. Die Hauptsynagoge ist bereits im Juni abgerissen worden, die Ohel-Jakob-Synagoge brennt in derselben Nacht aus.  

In den folgenden Jahren wird die Synagoge an der Reichenbachstraße zweckentfremdet. Erst nach dem Ende der NS-Herrschaft kann sie wieder als Gotteshaus dienen: Am 20. Mai 1947 wird sie nach provisorischer Instandsetzung erneut eingeweiht. 

10. November 1938
Pogromterror gegen die jüdische Bevölkerung Münchens

München * In der Nacht vom 9. auf den 10. November verwüsten nationalsozialistische Gewalttäter jüdische Geschäfte und Wohnungen, plündern Eigentum und misshandeln Menschen. Neben SA- und SS-Angehörigen beteiligen sich auch Zivilpersonen an den Übergriffen. Viele schauen zu oder weg; nur wenige helfen den Verfolgten. Die Polizei schützt die Angegriffenen nicht und unterstützt die Verhaftungen.  

  • Die Ohel-Jakob-Synagoge in der Herzog-Rudolf-Straße brennt aus. Auch die Synagoge in der Reichenbachstraße wird verwüstet und angezündet; ihr Gebäude bleibt erhalten, weil die Feuerwehr zum Schutz benachbarter Häuser den Brand löscht. Die Hauptsynagoge ist bereits im Juni abgerissen worden.  
  • Am 10. November werden über 1.000 jüdische Münchner Männer in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Mehr als 30 von ihnen kommen nachweislich ums Leben. Weitere 22 jüdische Menschen nehmen sich unter dem Eindruck der Verfolgung in diesen Tagen das Leben. 
  • Reichsweit werden Tausende Geschäfte und Wohnungen sowie Synagogen und Friedhöfe zerstört oder verwüstet. Rund 30.000 jüdische Männer werden in Konzentrationslager verschleppt. 
  • Die lange verbreitete Zahl von 91 Ermordeten erfasst das Ausmaß der Todesopfer nicht: Hinzu kommen zahlreiche Suizide und Hunderte Menschen, die in der anschließenden KZ-Haft oder an deren Folgen sterben. 
  • Die beschönigende Bezeichnung „Reichskristallnacht“ verdeckt den Charakter der Novemberpogrome als staatlich organisierten Terror.