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Der Kykeon im antiken Griechenland 

Griechenland * Die Griechen bevorzugen Wein und betrachten das Bier der Ägypter sowie die Getreidegetränke anderer Völker häufig als „barbarisch“. Dennoch kennen auch sie Getränke aus Getreide. Zu ihnen gehört der Kykeon, dessen Name so viel wie „Mischtrank“ bedeutet. 

Im Homerischen Hymnos an Demeter besteht der Kykeon aus Wasser, Gerstenschrot und Polei-Minze. Das Getränk ist der Göttin Demeter geweiht und spielt später eine wichtige Rolle bei den Mysterien von Eleusis. Über die genaue Zusammensetzung des dort gereichten Trankes bewahren die Eingeweihten Stillschweigen. 

Ob der Kykeon vergoren und damit alkoholhaltig ist, lässt sich nicht sicher feststellen. Auch die Vermutung, er enthalte Mutterkorn, Opium oder andere berauschende Substanzen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die bei den Mysterien beschriebenen außergewöhnlichen Erfahrungen können ebenso durch Fasten, nächtliche Rituale, Musik und die religiöse Erwartung der Teilnehmenden hervorgerufen worden sein. Der Kykeon darf daher nicht ohne Einschränkung als Bier oder psychedelischer Rauschtrank bezeichnet werden. 

1475
Der Innenausbau für das Alte Rathaus beginnt

München-Graggenau * Das Alte Rathaus wird mit Lärchenschindeln gedeckt.

  • Inzwischen haben auch die Arbeiten für den Fest- und Tanzsaal begonnen.
  • Der Saal nimmt mit seinen 31 x 17 Meter das gesamte Obergeschoss ein.
  • Eine Himmelsleiter führt vom Marktplatz direkt in den Saal.
  • Das Tonnengewölbe ist 10,5 Meter hoch und mit Tannenbrettern verschalt.
  • Hier ist der Ort, an dem die Moriskentanzfiguren von Erasmus Grasser aufgestellt werden. 
8. Mai 1497
30 Vorschriften für die Messerschmiedegesellen

München * Eine Schlichtungsvereinbarung zwischen den Meistern und Gesellen des Messerschmiedehandwerks regelt in dreißig Artikeln das Verhalten der Messerschmiedegesellen. Der Inhalt spannt sich von Bekleidungsvorschriften über Essens- und Trinkgebahren oder so detailierte Vorschriften, wonach kein Geselle Semmeln in Wein tränken und danach essen soll.

Dazu gibt es auch das Verbot, mit einer „gemeinen Frau“, gemeint ist eine Prostituierte, zu tanzen. Die Ordnung schließt mit dem berühmten Artikel 30, in dem es heißt: „Es sol auch kain gesell täglich in dem frawnhauß ligen.“

9. Januar 1784
Die Wirte der Au beschweren sich über die Märzenkeller

Au * Die Wirte der Au beschweren sich über die auf dem Gasteigberg erbauten Märzenkeller.  Die dortigen Bierbrauer bewirten im Sommer und Herbst ihre Gäste mit Bier, das mass- und halbmassweise ausgeschenkt wird. Außerdem gestatten sie das Musizieren und Tänzen und bieten Kugelplätze [= Billard] und Spieltische an. Die Oberlandesregierung soll im kurfürstlichen Auftrag diese Exzesse abstellen. 

31. März 1784
Der Stadtrat ermahnt die Bierbrauer und droht ihnen mit Strafen

München * Der Stadtrat ermahnt die Bierbrauer und droht ihnen mit Geldstrafen und mit „unliebsameren Strafen“. Der Grund sind die Beschwerden der Auer Wirte. Die Brauer dürfen künftig nur noch in der Zeit, in der sie den „ordentlichen Kranz“ besitzen, in ihren Märzenkellern Gäste mit Bier bewirten, Kugelplätze und Spieltische betreiben sowie durch Musikanten zum Tanzen aufspielen lassen. 

5. Dezember 1791
Wolfgang Amadeus Mozart stirbt in Wien

Wien * Wolfgang Amadeus Mozart stirbt im Beisein seiner Frau Constanze, im Alter von 35 Jahren, in Wien. Der geniale Komponist wird auf dem einige Kilometer vor der Stadt gelegenen Sankt-Marxer-Friedhof beigesetzt.

Da nach den damals gültigen Begräbnisvorschriften weder Pomp noch Grabkreuze erlaubt sind und der Sarg erst nach sechs Uhr abends, also bereits während der Dunkelheit, überführt werden darf gehen kaum Trauergäste mit. Deshalb geht die Grabstelle Mozarts bis zum heutigen Tag in der Anonymität verloren.

Um den 6. Januar 1795
Die Vorzüge und Nachteile der Braut werden ausführlich beschrieben

Mailand * Graf Maximilian Wunibald von Waldburg-Zeil und Trauchburg trifft als von Kurfürst Carl Theodor beauftragter Brautwerber in Mailand ein. Die Braut, Maria Leopoldine, erhält ein reich mit Brillanten verziertes Porträt ihres künftigen Ehemannes.

Carl Theodor erhält einen Bericht seines Beauftragten, in dem die Vorzüge und Nachteile der Braut ausführlich beschrieben werden. 

  • Ihr Aussehen und ihre Charaktereigenschaften hebt der Brautwerber hervor, sodass der „kleine Defekt“ nicht ins Gewicht fällt: ihr linkes Bein war etwas kürzer als das rechte.
  • Doch die Braut könne ohne Schwierigkeiten spazieren gehen und auch sei „im Tanzen von einer Ungemächlichkeit nicht das mindeste“ erkennbar.
  • Durch eine Erhöhung des linken Stöckels an den Schuhen konnte dieser „Mangel“ letztlich aufgehoben werden.
30. September 1796
Freiherr von Montgelas erarbeitet das umfangreiche Ansbacher Mémoire

Ansbach * Freiherr Maximilian Joseph von Montgelas legt Herzog Max Joseph von Pfalz-Zweibrücken das „grundlegende Reformprogramm für die künftige Regierung des Kurfürstentums Baiern“ vor. Es trägt entscheidend zur Vertiefung des Vertrauensverhältnisses zwischen dem Herzog und dem Freiherrn bei.

Das Ansbacher Mémoire ist ein Konzept zur Anpassung der baierischen Verfassungs- und Verwaltungsverhältnisse an die Gegebenheiten der neuen Zeit. Auf sieben eigenhändig geschriebenen Doppelblättern beschreibt Montgelas die herrschenden Verhältnisse in Baiern und schlägt gleichzeitig Maßnahmen vor, die - nach seiner Meinung - für eine effektive und nach den Gesichtspunkten der Aufklärung gebildete Staatsverwaltung notwendig sind. Im Kern der Reformen fordert der Freiherr  

  • eine klar gegliederte Ministerialorganisation mit abgegrenzten Zuständigkeiten,
  • eine neue Verwaltungsgliederung mit einheitlichen Instanzenwegen in Gesamtbaiern;
  • eine gut ausgebildete, unbestechliche, ausreichend bezahlte und sozial abgesicherte Beamtenschaft;
  • die steuerliche Gleichbehandlung aller Menschen;
  • die Unabhängigkeit der Richter,
  • die Trennung von Justiz und Verwaltung,
  • die Überantwortung aller judikativen Bereiche in staatliche Oberaufsicht,
  • die Reform des Straf- und Zivilrechts;
  • die Möglichkeit für die Bauern, adeliges Obereigentum an Grund und Boden abzulösen;
  • die Beschränkung der Kirche auf den religiösen Bereich,
  • die Aufhebung der Bettelorden und die bessere Nutzbarmachung der Klöster;
  • die religiöse Toleranz;
  • die Aufhebung der Zensur;
  • die Verbesserung der Universitäten und Schulen. 
  • In einer übergeordneten Instanz soll die Zusammenarbeit der Ministerien gefördert werden und eine Koordination der Einzelmaßnahmen erfolgen. 

Am Ende steht ein geschlossenes Staatsgebiet, in dessen Ministerien sich alle staatliche Macht vereint.

Darüber hinaus will Montgelas ein baierisches, patriotisches Empfinden wecken, um die örtlichen Gebundenheiten des Einzelnen abzulösen und statt dessen eine Identifikation mit dem Kurfürstentum, später Königreich, herbeiführen.

Die Forderung nach einer Volksvertretung - nicht nur einer Ständeversammlung - wiederholt Montgelas im Ansbacher Mémoire nicht mehr. Wohl aber die Gleichheit aller vor dem Gesetz und die Abschaffung der Steuerprivilegien des Adels. Seine Adelspolitik nimmt später weitaus konservativere Züge an, vor allem nachdem er im Jahr 1803 selbst Grundbesitz erworben hat.

13. Oktober 1810
Zahnweh in der Hochzeitsnacht

München * Die Kronprinzessin ist durch die Aufregungen der letzten Tage erschöpft und will den Ball frühestmöglich verlassen. Das liegt aber nicht nur an den anstrengenden Festivitäten, sondern vor allem an ihren seit Tagen anhaltenden Zahnschmerzen, die ihr schon die Hochzeitsnacht verleidet hatten.

Therese verlässt den Hofball sehr zeitig. Ludwig begleitet seine Frau in die Residenz, kehrt aber alleine noch einmal zu den Tanzenden zurück. Seinem Tagebuch vertraut der Bayernprinz am Morgen danach seine entlarvenden und berechnenden Gedanken an, indem er schreibt: „Mir machte es wenig Vergnügen, aber ich tat es, um meine Freiheit zu zeigen und damit meine Frau nicht glaube, ich müsse, weil sie es getan, wegbleiben. […] So tue ich schon jetzt so viel möglich, bei Nacht schlafe ich in meinem Zimmer, nur zu Besuch zu meiner Frau kommend. […]  Man muß sich gleich anfangs auf den Thron setzen, wie man ihn für die Folge will. So schicke ich mich in den Ehestand, fühle mich nicht unglücklich“.

Und seiner Lieblingsschwester Charlotte bekennt Ludwig: „Ausgezeichnet ist Therese durch ihr Herz, durch Vernunft, Schönheit, keine bessere Frau würde ich mir wünschen, aber leidenschaftslos verehelichte ich mich, es mag vorteilhafter sein für die Zukunft.“

Vertraute Kreise sehen die Zukunft der Ehe weniger rosig und trauen ihr - ganz im Gegenteil - nur sehr wenig Bestand zu. 

17. Februar 1821
Lola Montez wird als Elizabeth Rosanna Gilbert in Irland geboren

Grange * Die „Spanische Tänzerin“ Lola Montez wird als Elizabeth Rosanna Gilbert in Grange, einem irischen Dorf im Nordwesten der Insel geboren. Ihre Mutter war das uneheliche Kind des angesehenen Landadeligen Charles Silver Olivier und seiner langjährigen Mätresse Mary Green. Edward Gilbert heiratet die Mutter der später als Lola Montez berühmt gewordenen Tänzerin.

Um 1830
Das Jodeln wird in den Vorstadt-Theatern sozusagen erfunden

München - Wien * Das Jodeln wird in den Vorstadt-Theatern in Wien und München erfunden. Freilich hat das Jodeln eine alpenländische Tradition, deren Ursprünge auf vorhistorische Zeiten zurückreichen. 

In allen gebirgigen und unwegsamen Regionen der Welt gibt es verschiedene Techniken, um mit Rufen weite Distanzen akustisch zu überbrücken.Jodelnd verständigten sich Hirten und Sammler, Waldarbeiter und Köhler. Nicht nur in den Alpen wurde von Alm zu Alm mit „Almschrei“ (Almschroa) oder „Juchzer“ (Juchetzer, Jugitzer, Juschroa) kommuniziert oder auch das Vieh mit einem „Jodler“ (Viehruf) angelockt.

Dennoch wird das Jodeln erst als Unterhaltungseinlage in den Vorstadttheatern und Singspielhallen populär gemacht. Erst von dort aus kommt es von gastierenden Künstlern aufs Land.

1. September 1833
Leo von Klenze legt die Grundzüge seiner Planungen vor

München-Graggenau * Leo von Klenze legt dem König die Grundzüge seiner Planungen für den Platz vor der Oper in Form von zwei Baulinienalternativen vor.

  • Die eine führt zu einer symmetrischen Platzgestalt, indem der Königsbau und die geplante neue Fassade der Hauptpost zwei gleich große Flächen beidseitig der Mittelachse begrenzen, die ihrerseits durch die Längsachse des Nationaltheaters und den geplanten Aufstellungsort des Max-Joseph-Denkmals festgelegt ist.
    Diese Symmetrie ist allerdings nur um den Preis einer „ganz in die Karikatur fallende Breite“ des Postgebäudes von etwa vier Metern zu erreichen.
  • Der zweite Vorschlag rückt die Bauflucht weiter in den Platz, ausgerichtet auf die Südecke der Perusagasse, was erheblichen Gewinn an Raumtiefe für das Postgebäude bedeuten würde.

König Ludwig I. entscheidet sich für die erste Lösung, da im anderen Falle das Denkmal für seinen Vater aus der Platzmitte geraten würde.

Mit der Hauptpost soll ein markantes Beispiel für die hauptsächlich auf Stadtverschönerung ausgerichtete Baupolitik Ludwigs I. entstehen. Es ist aber zugleich ein Musterbeispiel dieser höchst fragwürdigen Baupolitik. Um seine Planungen verwirklichen zu können, braucht der König öffentliche und private Investoren, die seine gestalterischen Ideen unter Vernachlässigung von wirtschaftlichen und funktionalen Überlegungen akzeptieren. Private Bauherren lassen sich unter solchen Bedingungen kaum noch finden. Das haben nicht zuletzt die Erfahrungen in der Ludwigstraße gezeigt.

Doch auch die Veranlassung öffentlicher Bauaufträge gestaltet sich zunehmend schwierig. Die staatlichen Aufwendungen für königliche Luxusbauten geraten immer stärker in die Kritik. Insbesondere im Umgang mit der Ständeversammlung, die die Ausgaben bewilligen oder, wie bei der Hauptpost, im Hinblick auf weitere Bauaufgaben zumindest akzeptieren soll, findet Ludwig eigene Wege. Im Fall des Postgebäudes ist dies eine Mischung aus Täuschungsmanövern, neoabsolutistischer Herrscherwillkür sowie einer Instrumentalisierung von teils opportunistischen, teils ahnungslosen Beteiligten.

Denn letztlich werden bei den äußerst komplizierten und kaum durchschaubaren Vorgängen, bei denen man auch den Einsatz eines Strohmannes und die bewusste Verfälschung und Verschleierung wichtiger Tatsachen nicht scheut, nahezu alle mit den Plänen befassten Instanzen, von der Postadministration über das Ministerium des Königlichen Hauses, des Innen-, Außen- und Finanzministeriums und der Ständevertretung, in unterschiedlicher Form und in jeweils anderen Punkten getäuscht und ausgenutzt.

1841
Lola Montez befasst sich mit den modernen spanischen Tänzen

London * Eliza oder Betty James [= Lola Montez] befasst sich mit den damals modernen spanischen Tänzen und besucht einige Ausbildungsstunden bei einer Tanzlehrerin in London. Seit dieser Zeit gibt sie sich als spanische Adelige mit dem exotischen Namen „Maria de los Dolores Porrys y Montez” aus.

Bald stellten sich die ersten Verehrer aus den besten Londoner Kreisen ein und schon erscheint ihr Name in allen Zeitungen.  Damit beginnt der Karriere-Stern der „Donna Lola Montez vom Teatro Real, Sevilla” zu leuchten.  

Das gebildete England begeistert sich seit den Dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts an Spanien und den von dort stammenden Tänzen. 

24. Januar 1843
Ludwig von Schwanthaler erhält 4 Moriskentänzer zum Geschenk

München * „In Anerkennung der Mühe und Anordnungen, welche er für die würdige Ausschmückung des Rathaussaales“ aufgewendet hat, erhält Ludwig von Schwanthaler vier Moriskentänzer zum Geschenk, von denen zuvor allerdings Kopien angefertigt worden sind. Ludwig von Schwanthaler verkauft sie bald an einen italienischen Adeligen, den Conte Pallavicini-Barrocco, der sie auf seinen Stammsitz in Villa Rocca in Cremona bringt. 

Um den 20. August 1843
Lola Montez‘ rastloses Leben verlagert sich auf den Kontinent

Berlin * Lola Montez‘ rastloses Leben hat sich auf den Kontinent verlagert. Vom Fürstentum Reuß im Thüringischen Wald kommend, wo Prinz Heinrich LXXII. residiert, trifft die Künstlerin in Berlin ein, wo sie als Tänzerin auftritt. Bei dem nach Erotik und Exotik lechzenden Publikum hat sie so enormen Zuspruch, dass das Königliche Preußische Schauspielhaus ausverkauft ist. 

29. Februar 1844
Lola Montez hat mit Franz Liszt in Dresden eine kurze Liaison

Dresden - Paris * Lola Montez taucht in Dresden auf, wo sie mit dem Klaviervirtuosen Franz Liszt, dem damals „umschwärmtesten Mann“, eine kurze Liaison hat. Nach einem Ohrfeigenduell mit einem italienischen Tenor ist Lola auf der Flucht nach Paris, wo die „Spanische Tänzerin” an der weltberühmten Oper durchfällt und erneut Zweifel an ihrer Herkunft hochkommen.  

Ein Kritiker schreibt: „Mlle. Lola hat kleine Füße und schöne Beine. Aber wie sie sie nutzt, ist eine andere Angelegenheit. Es muss zugestanden werden, dass die Neugierde, die durch Lola Montez’ Pferdepeitschen-Unterhaltungen mit der preußischen Polizei erregt wurde, nicht befriedigt worden ist.” 

8. Oktober 1846
Der König und die Skandalnudel Lola Montez

München * Die spanische Tänzerin Lola Montez hat einen Termin bei König Ludwig I.. Dieser fordert zur Audienz einen Bericht über das Vorleben der Tänzerin an, in dem er lesen kann: 

„Dem allerhöchste Befehle vom 6. d.M. pflichtschuldige Folge leistend berichtet der treugehorsamst Unterzeichnete Euer Koeniglichen Majestät allerdevotest, wie die spanische Tänzerin Lola Montez dadurch öffentlich Anstoß erregte, dass sie, den Mitheilungen mehrerer Zeitungen zufolge, in einem Gasthofe zu Berlin einem ihr gegenüber sitzenden Offizier, der ihr mit übergroßer Freundlichkeit zu begegnen bemüht war, ein Champagnerglas an den Kopf warf, dass sie ferner, ebenfalls Nachrichten zufolge, einem bei der Revue in Berlin sie zurechtweisenden Polizeicommisär mit der Reitgerte übers Gesicht hieb, worauf sie mit 14-tägigem Arrest bestraft wurde, und dass sie endlich in Warschau dem Publikum, das ihren Kunstleistungen den gewünschten Beifall nicht zollte, von der Bühne herab mit begleitendem Gestikulieren den hinteren Theil ihres Körpers zuwandt".

Der König will sich von der Skandalnudel ein eigenes Bild machen. Bei dieser Audienz soll sich Lola Montez, „als der König einigen Zweifel über die Realität der ersichtlichen Wölbung ihres Busens andeutet", eine Schere genommen und sich damit „das Kleid vor der Brust aufgeschnitten“ haben. Der 60-jährige Bayernkönig ist augenblicklich Feuer und Flamme für die exotische Schönheit.

  • Er engagiert die als erotisches Feuerwerk bekannte Tänzerin unverzüglich und
  • erlässt eine Anweisung, dass die Tänzerin in den Zwischenaufzügen des Lustspiels „Der verschwundene Prinz" spanische Tänze in spanischer Tracht darbieten soll.
Seit Dezember 1846
Lola Montez wird ausspioniert

München-Kreuzviertel * Der bayerische Finanzminister Karl Graf von Seinsheim lässt die Tänzerin Lola Montez im Gasthof zum Goldenen Hirschen ausspionieren. Er schleust dazu die Creszentia Ganser als Haushälterin in den Goldenen Hirschen ein. Ihr Auftrag ist, ein minutiöses Tagebuch über das „ausschweifende Nachtleben“ ihrer Arbeitgeberin zuführen. Mit ihren „schlüpfrigen Informationen“ soll genügend Beweismaterial gesammelt werden, um die Tänzerin vor das Münchner Stadtgericht zu zerren, um sie letztlich des Landes zu verweisen.  

Geleitet wird die gesamte Aktion vom Polizeidirektor Johann Nepomuk Freiherr von Pechmann. Doch der Plan wandelt sich ins Gegenteil. 

1. Dezember 1846
Lola Montez kauft ein Palais an der Barer Straße

München-Maxvorstadt * „Maria de los Dolores Miontes, genannt Lola Montes“, kauft um 16.000 Gulden vom Steinbruchbesitzer Friedrich Adam Schwarz aus Solnhofen das Palais an der Barer Straße. Die Kaufurkunde weist aus, dass Lola Montez von Anfang an als Eigentümerin des Anwesens samt Hofraum, Hintergebäuden und Garten eingetragen ist.  

Damit scheinen die Voraussetzungen für ihre Einbürgerung der „Spanischen Tänzerin“ gegeben. 

13. März 1847
Lola Montez wohnt jetzt in der Theresienstraße 8

München-Maxvorstadt * Lola Montez wohnt jetzt in der Theresienstraße 8, beim Maurerpolier Lüglein, zur Miete. Die Solotänzerin hatte bei einem Hausball dem Geschäftsführer des Gasthofs Zum Goldenen Hirschen in aller Öffentlichkeit eine Watschen verpasst. Deshalb erhält sie - nach fünf Monaten - ein Hausverbot.

Das Zimmer dient ursprünglich nur als Zwischenlösung, bis das am 1. Dezember 1846 vom König angekaufte, neu gestaltete und standesgemäße Palais an der Barer Straße 7 bezugsfertig ist. Doch kann sie dieses Haus erst am 28. April 1847 beziehen. 

10. Februar 1848
Ludwigs I. Liebesbeziehung wird zur Staatsangelegenheit

München * Der autokratische König Ludwig I. hält unbeirrt an seinem Vorhaben fest, der Tänzerin Lola Montez das bayerische Indigenat [= Einbürgerung, Staatsangehörigkeit, Heimatrecht] zu übertragen. Er ist der rechtlichen Auffassung, dass er mit der Anhörung des Staatsrats der Verfassung Genüge getan habe.  

Daraufhin fertigt er das Indigenat höchstpersönlich aus, indem er dem Protokoll des Staatsrats vom Vortag hinzufügt: „Den Staatsrat vernommend habend, erteile ich der Senora Lola Montez (Maria de los Dolores Porrys y Montez) das bayerische Indigenat hiemit und das tax- und siegelfrei und mit Beibehaltung ihres dermaligen Indigenats.“  

Um aber dem ganzen Vorgang Gesetzeskraft zu verleihen, muss der Minister des Königlichen Hauses und des Äußeren die Urkunde gegenzeichnen. Dieses Ansinnen lehnt Otto Graf von Bray-Steinburg ab und bittet gleichzeitig um seine Entlassung. Damit ist die ursprünglich rein private Beziehung des bayerischen Monarchen zu seiner Favoritin zu einer Staatsangelegenheit geworden. 

3. März 1848
Die Münchner erstellen einen Forderungskatalog an den König

München * In einem Forderungskatalog verlangen die Münchner Untertanen vom König:  

  • Die Verabschiedung eines Gesetzes über Ministerverantwortlichkeit.  
  • Die Einführung voller Pressefreiheit und eines Pressegesetzes.
  • Die Einführung öffentlicher Gerichtsverfahren.
  • Die Unterstützung des Wunsches nach Schaffung einer Volksvertretung für den Frankfurter Bundestag.
  • Die Vereidigung des Militärs auf die Verfassung.
  • Die Verabschiedung eines neuen Polizeigesetzes.
  • Die Verabschiedung eines neuen Wahlgesetzes.
  • Die Entlassung des Verwesers des Innenministeriums Berks.  

Die Resolution liegt im Rathaus auf und „innerhalb von nur vier Stunden sollen bereits mehr als 10.000, bald gar 20.000 Unterschriften gesammelt worden sein“. Der Magistrat und zwei aus dem Bürgerstand ausgewählte Vertrauensmänner überreichen die Resolution.  

Noch am Abend verkündet der Leitende Minister Ludwig Fürst zu Oettingen-Wallerstein, dass die Stände zur Prüfung der Resolution vorzeitig einberufen werden sollen. Als Termin wird der 31. Mai festgesetzt. König Ludwig I. kann und will die Forderungen der Bürger nicht akzeptieren, verspricht aber die Entlassung Berks. Außerdem soll die nächste Stände-Versammlung auf den 31. Mai 1848 vorverlegt werden.  

Als die Münchner diese Forderungen aufstellen, hat Lola Montez das Königreich Bayern bereits seit drei Wochen in Richtung Schweiz verlassen. Es geht nicht mehr um die Affäre mit der Spanischen Tänzerin, es geht nur noch um das autokratische und neoabsolutistische Herrschaftssystem König Ludwigs I., das nicht mehr länger aufrechtzuerhalten ist. 

Vor 1872
„Ein Paar Frauenzimmer zweideutigen Rufes“ werden angetroffen

München-Englischer Garten - Schwabing * Scheinbar haben sich die Unternehmer Leven & Sohn etwas zu Schulden kommen lassen, denn seither bezahlt ein Joseph Hermann die Pacht. Ob aber das Antreffen von „ein Paar Frauenzimmer zweideutigen Rufes“ zur Kündigung des Pachtvertrages geführt haben, ist unklar.

Jedenfalls lässt sich Joseph Hermann „die Hebung des Unternehmens sehr angelegen sein. Er richtete im ehemaligen Schlössl eine feudale Restauration ein und suchte dem Publikum möglichst viel zu bieten. Da war ein Raubtierhaus, auf einem Hügel ein Bärenzwinger, ein Affenhaus, Singvögelhäuser, ein wildverwachsner Wasserfall. [...]. Die Münchner kamen gern heraus und ließen sich's wohl sein. [...] Auch für artistische Darbietungen sorgte der Pächter und ließ Seiltänzer wie Blondin und Miss Victoria auftreten. Und besonders schön und beliebt war's an Sommerabenden, wenn im Zoologischen ein wenig getanzt wurde“.

1878
Jeder Vortrag in einem „Tingeltangel“ muss polizeilich genehmigt werden

Berlin * In einer Reichspolizeiverordnung wird festgelegt, dass jeder Vortrag in einem „Tingeltangel“ polizeilich genehmigt werden muss, dass diese Genehmigung nur für ein bestimmtes Lokal gilt und dass die Erlaubnis zudem zurückgezogen werden kann.

  • Außerdem wird die Aufführung von Dramen, Lustspielen, Possen, Opern, Operetten, Sing- und Liederspielen, Tänzen und Balletts als unzulässig erklärt.
  • Nur Gesangs- und Deklamationsstücke mit einer Besetzung von höchstens zwei Personen sind erlaubt.
  • Die vortragenden Personen dürfen aber nur in bürgerlicher Kleidung (Gesellschaftsanzug) auf der Bühne erscheinen.
  • Alle Vorträge im Kostüm sind verboten.
  • Als Ausnahme wird der Auftritt im „wirklichen Nationalkostüm“ (Tracht) genehmigt.
  • Auch Kulissen, Vorhänge und jede Art von Requisiten werden von der Bühne verbannt.  
  • Außerdem durften die vorgetragenen Gesangs- und Deklamationsstücke in Inhalt und Vortragsweise nicht gegen die Religion, die Sittlichkeit, die staatlichen Einrichtungen, den öffentlichen Anstand und die öffentliche Ordnung verstoßen.
  • Die Vorträge dürfen frühestens um 18 Uhr beginnen und müssen spätestens um 23 Uhr beendet sein.
1881
Friedrich August von Kaulbach malt Coletta Möritz

München * Coletta Möritz erzählt, wie sie der Maler Friedrich August von Kaulbach im Jahr 1881 auf die Leinwand gebannt hat, als „draußen auf der Wiesn das große deutsche Bundesschießen stattfinden sollte. [...] Dort kam ihm plötzlich der Einfall: „Die Coletta - die mal ich als Wirtshausschild“.

Und weiter erzählte die betagte Maßkrugschlepperin: „Gleich ist’s ans Modellstehen gegangen, Krügl hab ich in der Hand tragen und den Fuß hab i heben müssen, als tät ich auf einem Fuß tanzen, und der Kaulbach hat gezeichnet und dann daheim im Atelier die Schützenscheibe g’malt“.

Oktober 1903
Mata Hari wird mit ihrem Schleiertanz zum Star von Paris

Paris * Margaretha Geertruida MacLeods Aufstieg in Paris ist die Geschichte eines Glamour-Girls, das von den Gefälligkeiten einflussreicher Männer profitiert, aber letztlich erstaunlich unabhängig agiert – und sich selbst immer wieder neu erfindet. Sie versucht sich als Mannequin, als Modell für Maler und als Zirkusreiterin, bevor sie ihre große Chance wittert: mit einem Schleiertanz, wie ihn Paris noch nie gesehen hat.

Margaretha Geertruida MacLeod nennt sich jetzt Mata Hari, was auf javanisch die Sonne des Tages oder die Morgenröte bedeutet. Vor allem Männern mit Vermögen erweist sie ihre Gunst: Banker, Fabrikanten, Rechtsanwälte, Diplomaten und höhere Offiziere zählen zu ihren Favoriten. 

22. August 1914
Überfüllte Trambahnen – der Magistrat lehnt Schaffnerinnen ab 

München * Der kriegsbedingt eingeschränkte Straßenbahnbetrieb macht sich im Alltag deutlich bemerkbar. Wie der „Münchner Stadtanzeiger“ berichtet, führen die größeren Abstände zwischen den Fahrten auch tagsüber zu überfüllten Wagen. 

Den Einsatz von Frauen als Schaffnerinnen lehnt der Magistrat dennoch ab. Zur Begründung verweist er auf die große Zahl arbeitsloser Männer, die für diese Tätigkeit zur Verfügung stehen. Das ist freilich noch zu einer Zeit, als die deutsche Bevölkerung ernsthaft daran glaubt, dass der Krieg bis Weihnachten 1914 beendet ist. 

Dezember 1915
Mata Hari wird erstmals von den Briten festgehalten

Folkstone * „Mata Hari“ wird erstmals von den Briten festgehalten, als sie sich in Folkestone in Südengland nach Frankreich einschiffen will. Bei den britischen Beamten hinterlässt sie einen „ungünstigen Eindruck“. Man traut dieser „schönen, verwegenen und modisch gekleideten“ Frau prinzipiell alles zu, weshalb sie der „Geheimdienst“ im Auge behält. 

August 1916
Mata Hari arbeitet auch für den französischen Geheimdienst

Vittel - Paris * Der französische Geheimdienst ist von den Briten längst auf Mata Hari aufmerksam gemacht worden, als sie beim Leiter der französischen Spionageabwehr, George Ladoux, eine Sondergenehmigung für eine Reise nach Vittel in der Nähe der Front beantragt. Sie will dort ihren jungen Geliebten Vadime de Massloff treffen.

Ladoux erteilt die Sondergenehmigung, nachdem ihm die Tänzerin die Zusage für Spionagetätigkeiten für den französischen Geheimdienst gibt. Bei einem weiteren Treffen in Paris verlangt Mata Hari die absurde Summe von einer Million Francs. 

November 1916
Mata Hari wird mit der deutschen Spionin Clara Benedix verwechselt

Spanien - Holland * Mata Hari wird auf der Schiffsreise von Spanien nach Holland mit der deutschen Spionin Clara Benedix verwechselt. Erneut wird sie vom britischen Geheimdienst verhört und danach als verdächtige Person nach Spanien zurückgeschickt. Offenbar reichen weder den Briten noch den Franzosen die Beweise für eine aktive Agententätigkeit von Mata Hari aus. 

1917
Das „Café Perzl“ bringt immer Neuigkeiten auf den Markt

München-Graggenau * Constantin Pfrang, genannt „Stanzl“, feiert zusammen mit Hans Blädel im „Café Perzl“ am Marienplatz [heute: „Kaufhaus Ludwig Beck am Rathauseck“] große Erfolge.

Das „Café Perzl“ bringt immer Neuigkeiten auf den Markt. Von der ersten in München spielenden „Damenkapelle“ bis zu „Schleier- und Charaktertänzerinnen“ - jedoch immer unter Überwachung der Polizei. 

2. Juli 1917
Rassistisches Massaker prägt Josephine Baker 

East St. Louis, Illinois * In East St. Louis, unmittelbar gegenüber von St. Louis am anderen Ufer des Mississippi, greifen weiße Mobs die Schwarze Bevölkerung an. Menschen werden misshandelt, erschossen und gelyncht, Häuser und ganze Straßenzüge in Brand gesetzt. Dutzende Menschen sterben, Tausende verlieren ihr Zuhause oder fliehen über den Fluss. Die elfjährige Josephine McDonald erlebt die Schrecken des Massakers und die rassistische Gewalt in ihrer Heimatregion. Diese Erfahrung prägt sie nachhaltig. Als Josephine Baker setzt sie sich später öffentlich und mit großer Entschlossenheit gegen Rassismus und gesellschaftliche Ausgrenzung ein. 

24. Juli 1917
Im Pariser Justizpalast beginnt der Prozess gegen Mata Hari

Paris * Im Pariser Justizpalast beginnt der Prozess vor dem Militärgericht gegen Mata Hari.

In der Presse kursiert das Gerücht, Mata Hari habe den Deutschen geheime  Informationen über den Bau der neuartigen Panzer zugespielt, mit denen die Alliierten dem Krieg eine entscheidende Wende geben wollen. Eine absurde Behauptung, die sogar die seriöse New York Times aufgreift.

Mata Hari, wird deshalb beschuldigt, als Doppelagentin wichtige Informationen an die Deutschen verraten und damit das Leben von 50.000 französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg aufs Spiel gesetzt zu haben. 

9. November 1918
Ein Tanzvergnügen am Totensonntag

Konstanz * In den Konstanzer Nachrichten erscheint ein Artikel, in dem es um ein Tanzvergnügen am gerade zurückliegenden Totensonntag in der Industriestadt Singen geht:

„Im Nebenzimmer einer hiesigen Wirtschaft wurde am Sonntagabend ein Tanzvergnügen (!) durch die Schutzmannschaft gestört; etwa 40–50 Personen, unter ihnen halbwüchsige Burschen, Mädchen und sogar Kriegerfrauen, deren Männer im Felde stehen, tanzten nach den Weisen einer Ziehharmonika trotz dem Ernste der Zeit, trotz Krieg, Elend, Epidemie und was heute sonst noch die Menschheit heimsucht. Auch der Seelensonntag störte die saubere Gesellschaft nicht.“ 

1919
Josephine McDonald heiratet mit 13 Jahren 

St. Louis, Missouri * Mit erst 13 Jahren heiratet Josephine McDonald den jungen Arbeiter Willie Wells, um sich von ihrer Familie zu befreien. Inmitten von Armut und schwierigen familiären Verhältnissen erhofft sie sich von der Ehe vermutlich größere Unabhängigkeit. Die Verbindung endet jedoch bereits nach kurzer Zeit, noch innerhalb eines Jahres. Anschließend schließt sich Josephine einer fahrenden Künstlergruppe an und treibt ihre Bühnenkarriere entschlossen voran.

1921
Aus Josephine McDonald wird Josephine Baker 

Vereinigte Staaten * Die 15-jährige Josephine McDonald heiratet William Howard „Willie“ Baker. Es ist bereits ihre zweite Ehe. Die Verbindung besteht nur wenige Jahre und endet 1925 mit der Scheidung. Den Nachnamen ihres Mannes behält sie jedoch als Künstlernamen bei: Als Josephine Baker wird sie wenig später in Europa zum gefeierten Bühnenstar und später zur weltbekannten Bürgerrechtlerin. 

April 1921
„Shuffle Along“ verändert den Broadway 

New York * Im 63rd Street Music Hall feiert „Shuffle Along“ seine Broadway-Premiere. Das von Schwarzen Künstlern geschriebene und gespielte Musical entwickelt sich mit mehr als 500 Aufführungen zu einem außergewöhnlichen Erfolg und setzt wichtige Impulse für die Harlem Renaissance. Die Musik stammt von Eubie Blake, die Liedtexte von Noble Sissle. 

Die 15-jährige Josephine Baker wird zunächst mehrfach abgewiesen, gelangt jedoch in eine Tourneeproduktion und später in das New Yorker Hauptensemble. Am Ende der Tanzreihe nutzt sie ihre vermeintlich unauffällige Position für eine clowneske Darbietung: Sie verdreht die Augen, übertreibt Bewegungen und tanzt scheinbar aus dem Takt, um im entscheidenden Moment wieder zur Choreografie zurückzufinden. Ihr komisches Talent macht sie beim Publikum unverwechselbar und verschafft ihr erstmals größere Aufmerksamkeit. 

September 1921
Karl Valentin und Wiggerl Greiner begeistern mit der „Froschbahn“

München-Ludwigsvorstadt * Beim ersten Oktoberfest nach dem Ersten Weltkrieg und der Revolution sorgen Karl Valentin und Ludwig „Wiggerl“ Greiner für eine besondere Attraktion. Gemeinsam bauen sie die „Froschbahn“, die Valentin auf der Wiesn betreibt.

Das „neue Juxunternehmen auf der Festwiese“ wirbt mit dem Motto: „Alles zittert! Alles springt! Alles treppelt! Alles hüpft! Alles skit!“ Besucherinnen und Besucher können sich nicht nur an der ungewöhnlichen Bahn vergnügen, sondern auch zur „Frosch-Trott-Polka“ tanzen.

1. September 1924
Josephine Baker wird zur Broadwayattraktion 

New York * Am New Colonial Theatre feiert das afroamerikanische Broadway-Musical „The Chocolate Dandies“ Premiere. Die Musik stammt von Eubie Blake, die Liedtexte von Noble Sissle. Josephine Baker tritt in der hervorgehobenen Rolle des „Comedy Chorus Girl“ auf und wird als „bestbezahltes Revuegirl der Welt“ angekündigt. Ihre Wochengage beträgt 125 Dollar. 

Mit ihrer clownesken, bewusst überzeichneten Bühnenfigur, ihren Grimassen und scheinbar unbeholfenen Bewegungen entwickelt Baker einen unverwechselbaren Stil. Sie hebt sich damit von der übrigen Tanzgruppe ab und verwandelt die damals verbreiteten rassistischen Bühnenklischees in eine eigenständige komische Darbietung. Die Produktion läuft bis zum 22. November und erreicht 96 Vorstellungen. 

Der Auftritt festigt Bakers Bekanntheit in New York und bereitet ihren Weg nach Europa vor. Der entscheidende Schritt folgt jedoch erst 1925: Die Impresaria Caroline Dudley Reagan engagiert sie für „La Revue Nègre“ in Paris und bietet ihr mit 250 Dollar pro Woche das Doppelte ihrer bisherigen Gage. Dort gelingt Baker der internationale Durchbruch. 

2. Oktober 1925
Josephine Bakers internationaler Durchbruch 

Paris * Im Théâtre des Champs-Élysées feiert „La Revue nègre“ Premiere. Josephine Baker gehört zunächst zum Ensemble, rückt aber mit ihrem Charleston und der gemeinsam mit Joe Alex aufgeführten „Danse sauvage“ sofort in den Mittelpunkt des Abends. Ihr ebenso energiegeladener wie komischer Tanz macht die neunzehnjährige Amerikanerin über Nacht zur Pariser Sensation und begründet ihre internationale Karriere. 

Der französische Titel enthält eine heute als rassistisch abgelehnte Bezeichnung, die im kolonial geprägten Europa der 1920er-Jahre noch weithin gebräuchlich ist. Seit Beginn des Jahrhunderts interessieren sich Teile der Pariser Avantgarde für Kunstwerke aus Afrika; auch Henri Matisse und Pablo Picasso greifen deren Formen auf. In den 1920er-Jahren verbindet sich diese künstlerische Aneignung mit der Begeisterung für Jazz, Charleston und afroamerikanische Unterhaltungskultur. 

Das Pariser Publikum unterscheidet dabei häufig kaum zwischen moderner afroamerikanischer Kultur und seinen kolonialen Vorstellungen von Afrika. Baker wird als „wild“, „exotisch“ und vermeintlich „ursprünglich“ inszeniert. Sie bedient damit zeittypische rassistische und sexualisierte Fantasien, eignet sich diese Bilder jedoch zugleich für ihre unverwechselbare Bühnenfigur an. Durch Übertreibung, Komik und körperliche Ausdruckskraft gewinnt sie eine außergewöhnliche Präsenz, ohne dem exotisierenden Blick des Publikums vollständig entkommen zu können. 

Anders als später häufig dargestellt, trägt Baker bei diesem Auftritt noch nicht den berühmten Bananenrock. Dieses Kostüm wird erst 1926 in der Revue „La Folie du Jour“ zu ihrem Markenzeichen. 

1926
Der Bananenrock wird zur Ikone 

Paris * Josephine Baker wird zum gefeierten Star der Revue „La Folie du Jour“ in den Folies Bergère. Bei ihrem berühmtesten Auftritt tanzt sie Charleston, nur mit Schmuck und einem kurzen Rock aus 16 künstlichen Bananen bekleidet. Die Bananen bestehen nicht aus Plüsch, sondern aus Gummi und schwingen mit Bakers Bewegungen über die Bühne. 

Der Auftritt trifft den Nerv der „Années folles“: Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs sucht das Pariser Unterhaltungspublikum nach Vergnügen, Tempo und dem Bruch mit bürgerlichen Konventionen. Bakers Tanz verkörpert für viele Zeitgenossen diese neue Freiheit. Zugleich wird ihr Schwarzer Körper durch den vorwiegend weißen Blick des Publikums und der Presse sexualisiert und mit kolonialen Vorstellungen vom vermeintlich „wilden“ und „ursprünglichen“ Afrika verbunden. 

Baker übernimmt diese widersprüchliche Rolle jedoch nicht einfach passiv. Mit artistischer Körperbeherrschung, Komik, Grimassen und bewusster Übertreibung macht sie aus den ihr zugeschriebenen Klischees eine unverwechselbare Bühnenfigur. Der Bananenrock wird zum Sinnbild der Pariser Zwanzigerjahre – zugleich ein Symbol künstlerischer Selbstinszenierung und ein Zeugnis des exotisierenden Blicks, unter dem Bakers Erfolg entsteht. 

14. Januar 1926
Josephine Baker begeistert Berlin 

Berlin-Charlottenburg * Josephine Baker gastiert mit der „Revue Nègre“ im Nelson-Theater am Kurfürstendamm 217 und tritt damit erstmals in Deutschland auf. Ihr Solotanz, ihre Komik und ihre eigenwillige Interpretation des Charleston versetzen große Teile des Berliner Publikums in Begeisterung. 

Der Auftritt sorgt zugleich für heftige Kontroversen. Während Baker als Verkörperung von Modernität, Tempo und körperlicher Freiheit gefeiert wird, reagieren konservative und nationalistische Kreise empört auf ihre freizügige Inszenierung. Bewunderung vermischt sich in Presse und Publikum vielfach mit rassistischen und sexualisierenden Zuschreibungen. 

Jazz und Charleston sind zu diesem Zeitpunkt in Berlin bereits bekannt. Bakers Gastspiel führt sie also nicht erst ein, verstärkt aber ihre Popularität erheblich und macht die Künstlerin zu einem Sinnbild des weltoffenen Berliner Nachtlebens der Zwanzigerjahre. Später erinnert sie sich begeistert: „Berlin, das ist schon toll! Ein Triumphzug. Man trägt mich auf Händen.“ 

3. Juni 1927
Eine Hochzeit als Publicity-Coup 

Paris * Josephine Baker und Giuseppe „Pepito“ Abatino geben öffentlich ihre Heirat bekannt. Der aus Sizilien stammende ehemalige Steinmetz tritt als italienischer Graf auf und wird Bakers Lebensgefährte und Manager. Gemeinsam inszenieren sie sich als glamouröses gräfliches Paar. 

Die Verbindung ist jedoch keine rechtsgültige Ehe, und auch Abatinos Adelstitel ist erfunden. Die Geschichte von „Graf und Gräfin“ dient vor allem der Werbung und trägt dazu bei, Josephine Bakers öffentliches Bild als internationaler Star weiter auszubauen. 

Februar 1928
Rassistische Proteste gegen Josephine Baker 

Wien * Bereits die Ankündigung eines Auftritts von Josephine Baker im Wiener Ronacher löst eine rassistisch und moralisch aufgeladene Protestkampagne aus. Konservative und katholische Kreise organisieren Kundgebungen und Gottesdienste gegen die Künstlerin und warnen: „Der schwarze Teufel kommt“. Rassistische Plakate und Zeitungsberichte sprechen vom „Negerskandal“ und dämonisieren Baker. Auch die Wiener NSDAP fordert wegen ihrer angeblich „obszönen“ Darbietungen ein Auftrittsverbot. 

Die Auseinandersetzung erreicht den österreichischen Nationalrat. Der christlichsoziale Abgeordnete Anton Jerzabek bezeichnet Bakers Tanz als Gefahr für die öffentliche Moral und verlangt mit dem Worten „Wir können keine pornografischen Tanzaufführungen zulassen“ ein Verbot. Der liberale Abgeordnete Adalbert Graf Sternberg verteidigt dagegen die künstlerische Freiheit und weist darauf hin, dass der Mensch nach christlichem Verständnis von Gott nackt erschaffen worden sei. „Wenn wir Nacktheit verbieten, kommt das Blasphemie gleich.“ Die angekündigte Revue darf im Ronacher schließlich nicht stattfinden. 

1. März 1928
Josephine Bakers Wiener Auftritt wird verlegt 

Wien * Unter dem Eindruck der öffentlichen Proteste erhält das Ronacher keine behördliche Bewilligung für die angekündigte Josephine-Baker-Show. Veranstalter und Management finden schließlich einen Kompromiss: Baker tritt nicht mit einer eigenen Soloshow auf, sondern wirkt sechs Wochen lang in der eigens zusammengestellten Revue „Schwarz auf Weiß“ im Johann-Strauß-Theater mit. 

Die Revue feiert am 1. März 1928 vor ausverkauftem Haus Premiere. Baker ist nur in einigen der insgesamt 42 Bilder zu sehen – ihre Auftritte bilden jedoch den Höhepunkt des Abends. 

5. März 1928
„Nacktarbeit im Bakergewerbe“ – Spott über die Verbotsdebatte 

Wien * Die Zeitung „Der Morgen“ kommentiert die anhaltende Debatte über Josephine Bakers Auftritte mit einer satirischen Notiz. Angeblich planten der christlichsoziale Abgeordnete Anton Jerzabek und seine Mitstreiter ein Gesetz, „wodurch die Nacktarbeit im Bakergewerbe verboten wird“. 

Das Wortspiel verbindet Bakers Namen mit dem Bäckergewerbe und macht aus dem zeitgenössischen Streit über die Nachtarbeit ein vermeintliches Verbot der „Nacktarbeit“. Zugleich verspottet die Zeitung damit die moralische Empörung über die Künstlerin. 

9. März 1928
Doppeldeutiger Spott über rassistische Gerüchte 

Wien * Die satirische Wochenzeitung „Götz von Berlichingen“ kommentiert die rassistisch aufgeladene Berichterstattung über Josephine Baker mit einem doppeldeutigen Scherz: „Die Gerüchte, wonach Josephine Baker eine Menschenfresserin sein soll, beruhen auf der tendenziösen und böswilligen Entstellung der Tatsache, daß sie neulich im Café einen Weißen verlangt hat.“ 

Die Pointe spielt damit, dass „ein Weißer“ sowohl einen mit Milch servierten Kaffee als auch einen weißen Mann bezeichnen kann. Der Text verspottet die Gerüchte über Baker, greift dafür jedoch selbst auf das rassistische Klischee vom Kannibalismus zurück. 

18. April 1928
Das Reichsgericht in Leipzig beendet den Plagiats-Rechtsstreit

Leipzig * Das Reichsgericht in Leipzig beendet einen Rechtsstreit in letzter Instanz, in dem es um Plagiatsvorwürfe gegen Karl Valentin geht. Der Prozess dauert bereits eineinhalb Jahre und ist vom Berliner Theaterdirektor vom „Admiralspalast“, Hermann Haller, mit außergewöhnlicher Heftigkeit durch drei Instanzen durchgepeitscht worden. Vom Landgericht München I über das Oberlandesgericht München bis hinauf zum Reichsgericht in Leipzig.

Hermann Haller hat den Direktor des Deutschen Theaters in München, Hans Gruß, verklagt, weil er das Valentin-Bühnenstück „Im Senderaum“ aufführte und verlangt dafür Schadensersatz. Der Kläger behauptet, dass Karl Valentin sein Bühnenstück „Im Senderaum“ aus dem Sketch „Hinter den Kulissen des Rundfunks“ von Roland Jeans aus Hermann Hellers Revue „An und Aus“ geklaut hätte.

Das höchste deutsche Gericht kommt jedoch zur Auffassung, dass sich Valentins Werk grundlegend vom Sketch von Roland Jeans unterscheidet und es sich dabei um zwei völlig eigenständige Arbeiten handelt. Der Plagiatsvorwurf gegenüber Karl Valentin und alle sonstigen Beschuldigungen werden vom Gericht als völlig haltlos zurückgewiesen.

In der Urteilsbegründung heißt es: Der Vergleich der beiden Stücke „beweise auf das bündigste, dass Karl Valentin nicht das vorbestehende Bühnenstück von Roland Jeans nachgeschrieben, sondern etwas völlig anderes eigenschöpferisch neu geschaffen habe“.

Damit stellt das Reichsgericht auch fest, dass Valentin gar nicht in der Lage ist, „etwas Vorgegebenes nachzumachen, gar nachzuschreiben oder auch nur nachzuspielen“. 

Ab Mai 1928
Proteste begleiten Josephine Bakers Europatournee 

Europa * Nach ihrem Wiener Gastspiel setzt Josephine Baker ihre erste große Europatournee fort. Auch in anderen Städten, darunter Budapest und Stockholm, begleiten rassistische Anfeindungen, Proteste und Forderungen nach Auftrittsverboten ihre Gastspiele. Die Widerstände steigern zugleich die öffentliche Aufmerksamkeit und festigen Bakers Ruf als internationaler Bühnenstar. 

Zu den wiederkehrenden Anfeindungen wird ihr der Satz zugeschrieben: „Farbige sind nicht genötigt, zu provozieren: Die Zwischenfälle ereignen sich ganz von allein.“ 

14. Februar 1929
München verbietet Josephine Baker den Auftritt 

München * Zwei Tage vor Beginn ihres fünftägigen Gastspiels im Deutschen Theater verbietet die Münchner Polizeidirektion Josephine Baker den Auftritt. Zur Begründung heißt es, durch ihr Auftreten sei eine „Verletzung des öffentlichen Anstandes und damit der öffentlichen Ordnung“ zu erwarten. 

Die Behörde stützt ihre Entscheidung vor allem auf Bakers Ruf und ihre freizügigen Auftritte in anderen europäischen Städten. Obwohl in München weder ein Nackttanz noch der berühmte „Bananentanz“ vorgesehen ist, bleibt eine Beschwerde des Theaterdirektors Hans Gruß erfolglos. Das Verbot ist Ausdruck der rassistischen und moralischen Vorurteile, mit denen Baker auf ihrer Tournee konfrontiert ist. 

16. Februar 1929
Josephine Bakers Gastspiel fällt aus 

München-Ludwigsvorstadt * An diesem Tag soll Josephine Bakers fünftägiges Gastspiel im Deutschen Theater beginnen. Doch die Münchner Polizeidirektion hat ihre Auftritte bereits am 14. Februar wegen einer angeblich drohenden „Verletzung des öffentlichen Anstandes“ verboten. Daher findet bis zum vorgesehenen Ende des Engagements am 20. Februar kein einziger Auftritt Bakers statt. 

19. Februar 1929
Auf der Bühne verboten, im Kino zu sehen 

München * Nur wenige Tage nach dem Verbot ihres Gastspiels im Deutschen Theater ist Josephine Baker in München auf der Kinoleinwand zu sehen. Die „Münchner Zeitung“ kündigt an: „Josefine Baker, das umstrittene, farbige Tanzwunder, tanzt ab heute in ihrem ersten Großfilm ‚Papitou, die Sirene der Tropen‘ im Münchner Lichtspielhaus.“ Klenzestraße 103. 

In dem französischen Stummfilm „La Sirène des tropiques“ aus dem Jahr 1927 spielt Baker ihre erste große Filmrolle: Papitou, eine junge Frau aus einer fiktiven Karibikkolonie, die nach Paris gelangt und dort zum Revuestar aufsteigt. Während die Münchner Behörden Baker den persönlichen Bühnenauftritt verwehren, darf das Publikum ihre Tänze im Kino sehen. 

21. Januar 1933
Der Cowboy Club München Süd lädt ins Josefshaus ein

München-Au * Der Cowboy Club München Süd lädt in sein künftiges Clublokal im Josefshaus in der Hochstraße 28 in der Au ein. Neben Lebenden Bildern, bei denen sogar vier Pferde integriert werden, führen die Aktivisten Stepptänze und Lassospiele vor. Eine 25 Mann starke Sioux-Indianertruppe führt „heimatliche Tänze“ auf. 

27. Juli 1936
Die erste „Nacht der Amazonen“ findet statt

Schloss Nymphenburg * Die erste „Nacht der Amazonen“ findet statt. Am Nachmittag geht ein ungeheueres Gewitter - mit Wolkenbruch und Hagel - über der Stadt nieder. Doch es wurde noch eine schöne Sommernacht, in der mythologisch dekorierte Themenwägen, auf denen sich nackte und halbnackte junge Frauen präsentieren, durch die von Fackeln erleuchtete Nacht rollten. 

Amazonen reiten auf nackten Pferderücken. Sie schwingen ihre Speere und setzen ihre nur aus einer dünnen Schicht Goldbronze bestehende Rüstung ins rechte Licht. Das nächtliche Fest im Nymphenburger Schlosspark ist eine Abfolge szenischer Spiele und Aufmärsche. Im Licht von Scheinwerfern vollführten chinesische Tempelgöttinnen Tänze, wie sie in chinesischen Tempeln kaum je zu sehen sein dürften.

1937
Josephine Baker macht Les Milandes zu ihrem Zuhause 

Les Milandes im Périgord • Josephine Baker mietet das Château des Milandes und lässt die lange vernachlässigte Anlage umfassend modernisieren. Das Schloss erhält fließendes Wasser, Elektrizität und eine Zentralheizung; auch die Innenräume werden vollständig neugestaltet. Baker unterstützt zudem die Versorgung des benachbarten Weilers mit Wasser und Strom, der nach zeitgenössischen Darstellungen damit zu den ersten entsprechend erschlossenen Orten des Périgord zählt. 

30. November 1937
Josephine Baker wird französische Staatsbürgerin 

Crèvecœur-le-Grand * Josephine Baker heiratet in der nordfranzösischen Gemeinde Crèvecœur-le-Grand den französischen Unternehmer und Zuckerhändler Jean Lion. Durch die Eheschließung erhält die in den USA geborene Künstlerin die französische Staatsbürgerschaft. Lion ist Jude und wird später von der antisemitischen Verfolgung durch das nationalsozialistische Deutschland bedroht. Die Ehe zerbricht wenige Jahre später. 

1. März 1938
Fasching mit dem „Goldenen Pierrot“ 

München-Isarvorstadt * Am Faschingsdienstag feiert die Revue „Der goldene Pierrot – Faschingsoperette in 33 Bildern“ im Theater am Gärtnerplatz Premiere. Die rund vierstündige Aufführung beruht auf Walter Goetzes 1934 uraufgeführter Operette, erweitert sie jedoch zu einem farbenprächtigen Münchner Bilderbogen. Die Handlung wechselt zwischen den Jahren 1934 und 1943. Das Publikum soll maskiert erscheinen, mitsingen, mittanzen und mitschunkeln. 

Im Mittelpunkt steht Edith Sander, die von ihrem strengen Vater während des Faschings eingesperrt wird. Sie entkommt jedoch und zieht, als goldener Pierrot verkleidet, durch die Ballsäle der Stadt. Liesl Karlstadt spielt das Dienstmädchen Minna, das Edith in der Maske des damaligen Kinderstars Shirley Temple begleitet. Der „Völkische Beobachter“, die Parteizeitung der NSDAP, schreibt: „Liesl Karlstadt ist als Shirley Temple zum Totlachen und als Dienstmädchen Minna überzeugend ‚gschert‘.“ 

Karl Valentin erscheint in einer futuristischen Szene als düsterer „Radfahrer“ des Jahres 1943, Weiß Ferdl als erster „Münchner Untergrundschaffner“ – mehr als drei Jahrzehnte vor der Eröffnung der Münchner U-Bahn. 

September 1939
Josephine Baker wird „Fliegende Krankenschwester“ 

Paris * Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs engagiert sich Josephine Baker in der Luftfahrtabteilung des Französischen Roten Kreuzes. Da sie einen Pilotenschein besitzt, schließt sie sich den „Infirmières pilotes secouristes de l’Air“ (IPSA) an, den sogenannten Fliegenden Krankenschwestern. Die ehrenamtlichen Helferinnen sind für medizinische Lufttransporte ausgebildet und kümmern sich um Verwundete und Flüchtlinge. 

September 1939
Josephine Baker wird „Fliegende Krankenschwester“ 

Paris * Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs engagiert sich Josephine Baker in der Luftfahrtabteilung des Französischen Roten Kreuzes. Da sie einen Pilotenschein besitzt, schließt sie sich den „Infirmières pilotes secouristes de l’Air“ (IPSA) an, den sogenannten Fliegenden Krankenschwestern. Die ehrenamtlichen Helferinnen sind für medizinische Lufttransporte ausgebildet und kümmern sich um Verwundete und Flüchtlinge. 

22. Juni 1940
Josephine Baker arbeitet als Kurierin der Résistance 

Compiègne - Les Milandes * Frankreich und das Deutsche Reich unterzeichnen den Waffenstillstand von Compiègne. Josephine Baker, die bereits seit September 1939 für die französische militärische Spionageabwehr arbeitet, setzt nach der Niederlage Frankreichs ihre Tätigkeit im Widerstand fort. 

Auf Schloss Les Milandes in der zunächst unbesetzten Zone bietet sie Verfolgten Schutz, darunter jüdischen Flüchtlingen und Mitgliedern der Résistance. Ihre internationale Bekanntheit ermöglicht es ihr, vergleichsweise ungehindert zu reisen und als Kurierin geheime Nachrichten zu übermitteln. Informationen werden mit unsichtbarer Tinte in ihre Notenblätter geschrieben oder zwischen den Partituren verborgen. Weitere Dokumente trägt sie unter ihrer Kleidung, da sie als berühmte Künstlerin kaum mit einer Leibesvisitation rechnen muss. 

23. Mai 1944
Josephine Baker tritt in die französischen Luftstreitkräfte ein 

Algier * Josephine Baker tritt für die Dauer des Krieges in die Frauenformationen der französischen Luftstreitkräfte ein. Sie dient im Rang eines Unterleutnants als Propagandaoffizierin für das Freie Frankreich. Ihre Gage beziehungsweise ihren Sold stellt sie dem Militärkrankenhaus in Algier zur Verfügung. Mit Auftritten vor französischen, britischen und amerikanischen Soldaten stärkt sie zudem die Moral der alliierten Truppen. 

1947
Josephine Baker kauft Les Milandes und gründet eine „Regenbogenfamilie“ 

Les Milandes im Périgord * Josephine Baker heiratet den französischen Orchesterleiter Jo Bouillon. Gemeinsam erwerben sie das bislang gemietete Château des Milandes und beginnen, das Anwesen zu einem internationalen Begegnungsort auszubauen. Ihr „Dorf der Welt“ soll für Toleranz, Völkerverständigung und die Überwindung rassistischer Vorurteile stehen. 

Ab 1950
Josephine Baker gründet ihre „Regenbogenfamilie“ 

Les Milandes im Périgord * Josephine Baker und ihr Ehemann Jo Bouillon beginnen, Kinder unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe und Religion zu adoptieren. Im Laufe der folgenden Jahre nehmen sie zehn Jungen und zwei Mädchen aus verschiedenen Ländern und von fünf Kontinenten auf. Nach zeitgenössischen Darstellungen erhält das Familienprojekt auch den päpstlichen Segen. 

Mit ihrer „Regenbogenfamilie“ will Baker ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus und religiöse Vorurteile setzen. Die Kinder wachsen gemeinsam im Château des Milandes auf, das zum Mittelpunkt des „Dorfes der Welt“ und der von Baker ausgerufenen „Hauptstadt der universellen Brüderlichkeit“ wird. Ihr Zusammenleben soll beweisen, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft friedlich als Geschwister miteinander leben können.

17. August 1956
Lassen uns von Lausbuben nicht auf der Nase herumtanzen!

München - München-Au * Innenminister Dr. August Geislhöringer von der Bayernpartei äußert sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung zu den Vorfällen mit den „Halbstarken“ auf der Auer Dult folgendermaßen: „Wir lassen uns nicht auf der Nase herumtanzen, am wenigsten von Lausbuben!“

28. August 1963
Josephine Baker spricht beim Marsch auf Washington 

Washington, D. C. * Rund 250.000 Menschen nehmen am „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ teil. Josephine Baker reist aus Frankreich an und tritt in der Uniform der französischen Luftstreitkräfte mit ihren militärischen Auszeichnungen vor die Menge. Als eine der wenigen Frauen erhält sie das Wort; ihre gut zweiminütige Ansprache ist die längste Rede einer Frau an diesem Tag. Wenig später hält Martin Luther King seine berühmt gewordene Rede „I Have a Dream“. 

Baker ist zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren eine engagierte Bürgerrechtlerin: Sie weigert sich, vor nach Hautfarbe getrenntem Publikum aufzutreten, und kämpft öffentlich gegen Rassismus und Diskriminierung. Aufgrund ihrer dokumentierten Beziehungen zu Frauen und ihres selbstbestimmten Lebens gilt sie heute zugleich als Ikone der queeren Bewegung. 

8. April 1975
Joséphine Baker feiert ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum 

Paris * Die 68-jährige Sängerin und Tänzerin Joséphine Baker feiert im ausverkauften Théâtre Bobino ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Die Revue blickt auf ihre Karriere zurück und wird vom Publikum begeistert aufgenommen. Unter den Gästen sind Alain Delon, Mick Jagger, Sophia Loren, Jeanne Moreau und Fürstin Gracia Patricia von Monaco. 

April 1976
Der Film „Rocky Horror Pictures Show“ zieht die Menschen nur so an

New York * Die New Yorker stürmen die Kinokassen.

Der Film „Rocky Horror Pictures Show“ zieht die Menschen nur so an. Sie Kinobesuch mit Netzstrümpfen und Korsagen.

Sie sprechen die Texte und singen die Lieder mit. Die Fans tanzen synchron mit den Stars auf der Leinwand und machen den Film durch ihr eigenes Einbringen und Zutun noch immer zum absoluten Hit.

Deshalb gehört es auch zum Ritual, sich an der Kinokasse ein Set mit Utensilien zu kaufen, das Reis, Luftschlangen, „Wunderkerzen“ und anderes beinhaltet.

Während der Trauungsszene werfen die Fans mit Reis; wenn Janet und Brad durchs Unwetter stapfen, halten sie sich eine Zeitung über den Kopf und zum Song „There’s a Light“ schwenken sie rhythmisch die „Wunderkerzen“.

24. Juni 1977
Die „Rocky Horror Picture Show“ startet in den Museum-Lichtspielen 

München-Au * Die Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 nehmen „The Rocky Horror Picture Show“ ins Programm. Die Verfilmung des Rockmusicals entwickelt sich zum Kultfilm und bleibt fortan regelmäßig auf dem Spielplan.  

Eine treue Fangemeinde macht die Vorstellungen zum Mitmachereignis: Besucherinnen und Besucher erscheinen geschminkt und kostümiert, tragen Netzstrümpfe, Strapse oder Korsagen, sprechen Dialoge mit, singen und tanzen. Zu bestimmten Filmszenen werfen sie Reis oder Toilettenpapier und spritzen mit Wasser. Die Rituale ergänzen das Geschehen auf der Leinwand um eine eigene Vorstellung im Zuschauerraum. Später bietet das Kino an der Kasse passende Mitmachpäckchen an.  

Die außergewöhnlich lange Vorführtradition macht die Museum-Lichtspiele über München hinaus bekannt und bringt ihnen später einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ein.