Die Wittelsbacher führen den Adler in ihrem Wappen
München * Die Wittelsbacher führen den Adler als Symbol des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in ihrer Funktion als baierische Pfalzgrafen und als Münchner Gerichtsherren in ihrem Wappen.
München * Die Wittelsbacher führen den Adler als Symbol des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in ihrer Funktion als baierische Pfalzgrafen und als Münchner Gerichtsherren in ihrem Wappen.
Kelheim * Herzog Ludwig I., genannt „der Kelheimer“, heiratet Ludmilla, eine böhmische Prinzessin und Witwe des Grafen Albert Il von Bogen. Wann und wo sich beide kennenlernen, ist nicht überliefert. Auch der genaue Ort und Tag der Hochzeit bleiben unsicher.
Die Verbindung ist vermutlich vor allem dynastisch und machtpolitisch begründet: Sie führt das junge Herzogshaus der Wittelsbacher mit dem einflussreichen Geschlecht der Grafen von Bogen zusammen und stärkt zugleich Ludwigs Beziehungen zum böhmischen Herrscherhaus der Premysliden.
Durch Ludmilla gelangt das weiß-blaue Rautenwappen der Grafen von Bogen an die Wittelsbacher.
Aus der Ehe geht 1206 der Sohn Otto II. hervor.
Herzogtum Baiern * Erstmals ist auf einem baierischen Herzogssiegel ein Löwenwappen nachweisbar. Das Siegel gehört Otto II., der mit Agnes von der Pfalz verheiratet ist. Sie ist die Erbtochter des welfischen Pfalzgrafen Heinrich bei Rhein.
Nach dem Tod seines Schwiegervaters im Jahr 1227 übernimmt Otto Amt und Besitz der Pfalzgrafen bei Rhein. Der Löwe auf seinem Siegel verweist auf diese Verbindung zur Pfalz.
München * Das älteste erhaltene Stadtsiegel findet sich auf einer Urkunde, in der die Bürgerschaft erstmals neben dem stadtherrlichem Richter auftritt. Das Siegel zeigt einen Mönchskopf mit überzogener Kapuze in einem von zwei Türmen flankierten offenen Tor, über dem ein Adler erscheint. Den Adler als Symbol des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation führen die Wittelsbacher Herzöge in ihrer Funktion als baierische Pfalzgrafen und als Münchner Gerichtsherren seit 1179 in ihrem Wappen. -
Der Stadtherr ist zu diesem Zeitpunkt noch der Bischof von Freising, Konrad I. von Tölz, den die Wittelsbacher Herzöge aber aus „ihrer” Stadt verdrängen wollen und werden.
Bogen - München * Graf Albert IV. von Bogen, ein Sohn Ludmillas aus erster Ehe, stirbt kinderlos. Mit seinem Tod erlischt das Geschlecht der Grafen von Bogen.
Sein Halbbruder Otto II. von Wittelsbach übernimmt die Grafschaft und gliedert den umfangreichen Besitz dem wittelsbachischen Herrschaftsgebiet an. Zugleich führt er das Bogener Hoheitszeichen, die weiß-blauen Rauten, im Wappen der Wittelsbacher weiter. Aus ihnen entwickelt sich eines der bekanntesten Wahrzeichen Bayerns.
Kraiburg – Teilherzogtum Niederbaiern * Herzog Heinrich XIII. erwirbt Kraiburg, das zuvor zum Besitz der Grafen von Ortenburg-Kraiburg gehört. Mit der Übernahme ihrer Herrschaftsgebiete gelangt auch ihr Wappentier, der Panther, in die Heraldik der Wittelsbacher. Die niederbaierischen Herzöge führen das feuerspeiende Fabeltier als weiteres Zeichen ihrer Herrschaft.
Teilherzogtum Oberbaiern - Pfalz * Herzog Ludwig II. verbindet das Rautenwappen mit dem Pfälzer Löwen. Auch sein Bruder Heinrich XIII. führt beide Wappenfiguren. Rauten und Löwe werden damit zu gemeinsamen Kennzeichen des wittelsbachischen „Hauses Baiern“.
Teilherzogtum Niederbaiern * Die niederbaierischen Herzöge erweitern ihren Herrschaftsbereich erheblich, unter anderem auf Kosten der Grafen von Ortenburg-Kraiburg. Der Gebietszuwachs findet auch im Wappen seinen Ausdruck: Die Herzöge übernehmen den Panther aus dem Herrschaftszeichen der bisherigen Besitzer.
Der heraldische Panther ist ein Fabeltier mit pferdeähnlichem Rumpf, langem Hals und feuerspeiendem Drachenkopf. In den Siegeln der niederbaierischen Herzöge erscheint er nun gemeinsam mit dem Löwen und den Rauten.
Freising * Im Auftrag des Freisinger Bischofs Konrad III. dem Sendlinger wird eine Diözesan-Beschreibung gefertigt, die sogenannte Konradinische Matrikel. Sie beinhaltet sämtliche fürstbischöfliche Besitzungen und zählt gleichzeitig alle Einnahmen auf. Daneben enthält sie eine präzise Diözesanbeschreibung, die alle Kirchen, Kapellen, Klöster und Friedhöfe aufführt.
Pavia - Oberbaiern - Pfalz * Kaiser Ludwig IV., genannt „der Baier“, und die Nachkommen seines verstorbenen Bruders Rudolf I. teilen im Hausvertrag von Pavia ihre Besitzungen.
Rudolf II., sein Bruder Ruprecht I. und ihr Neffe Ruprecht II. erhalten die Pfalz am Rhein sowie Teile des baierischen Nordgaus, die später als Oberpfalz bezeichnet werden. Ludwig und seinen Söhnen verbleibt Oberbaiern. Niederbaiern ist von der Vereinbarung ausgenommen.
Damit entstehen eine pfälzische und eine oberbaierische Linie des Hauses Wittelsbach. Trotz der Teilung bleiben Rauten und Löwe gemeinsame Wappenzeichen der Dynastie.
Herzogtum Baiern * Kaiser Ludwig der Baier vereinigt Ober- und Niederbaiern wieder unter seiner Herrschaft. Er übernimmt die Verbindung von Panther, Löwe und Rauten in sein Wappen. Die drei Wappenfiguren stehen damit gemeinsam für seine Herrschaft über das wiedervereinigte Land.
Mittenwald * Der Freisinger Fürstbischof und Landesherr über das Werdenfelser Land, Berthold von Wehingen, verleiht dem Markt Mittenwald ein eigenes Wappen und Siegel.
Baiern-München * Mit dem Regierungsantritt Herzog Albrechts III. werden Löwen und Rauten in einem viergeteilten Schild zusammengeführt. Eine senkrechte und eine waagrechte Linie teilen den Schild in vier Felder. Gleiche Wappenbilder stehen sich jeweils diagonal gegenüber. In der Heraldik heißt diese Anordnung „Vierung“.
Bei den pfälzischen Wittelsbachern nimmt häufig der Löwe das erste und vierte Feld ein. Die Herzöge der baierischen Linien bevorzugen an diesen Stellen die weiß-blauen Rauten; die Löwen erscheinen entsprechend im zweiten und dritten Feld.
Ramersdorf - Haidhausen - München * Die kaiserliche Gefolgschaft wird kurz hinter Ramersdorf, auf einer Lüften genannten Schafweide, von einer festlich herausgeputzten Ritterschar begrüßt, die den Rahmen für ein Manöverspiel bilden.
Wie der Historiker Sigmund Riezler in seiner Baierischen Geschichte berichtet, ist hier „mit den herzoglichen Heerpaukern und Trompetern die Reiterei der Landsassen und Hofbeamten aufgestellt, 550 Pferde stark, darunter etwa 300 in vollständiger Rüstung, Blankharnisch, Armzeug, Knieköpfen, die Rosse mit Eisenstrinen, alle in roten Röcken mit dem herzoglichen Wappen auf dem Ärmel, eine buntschimmernde Masse, überragt von langen, schwarz und weiß bemalten Spießen mit schwarzen Fransen. An den Anführern bewundert man damastene Röcke, goldene Ketten und vergoldete Waffen“.
Jeder Reiter hat hinter sich einen Pagen, der ihm die Lanze und den Helm mit wallenden Federn trägt. Ein alter Kriegsmann, der Ritter Dietrich von Knöringen, befehligt diese glänzende „cavalli alla borgognona“.
Um den Empfangsplatz bilden einhundert Feldgeschütze - Quartanen, Schlangen, Falkonetlein und Mörser - einen Halbkreis, wobei die Zuschauer ganz besonders eine achtzehn Fuß lange, hölzerne, mit Eisenringen umwickelte Büchse interessiert. Diese haben baierische Truppen im Jahr 1525 vor Rastatt den aufständischen Bauern abgenommen.
München - Haidhausen * Nach der Schlacht bei Haidhausen setzt sich der Festzug wieder in Richtung München in Bewegung. Als die hochrangigen Persönlichkeiten von der Stadt aus sichtbar werden, beginnt ein aufwendig inszenierter Empfang:
Entlang des weiteren Weges erwarten die Gäste die damals beliebten „lebenden Bilder“ – aufwendig inszenierte Schauspiele mit drastischen Szenen. Je blutiger die Darstellung, desto größer offenbar das Interesse. An diesem Pfingstfreitag bekommen die Münchner reichlich Spektakel geboten.
Der päpstliche Legat Lorenzo Campeggi soll dazu angemerkt haben, die Szenen seien nicht ohne versteckte Anspielung inszeniert worden: Man könne sie als Warnung an die „Ketzer“ verstehen – für den Fall, dass diese den von Seiner Majestät angebotenen Gottesfrieden nicht annähmen, werde man zu härteren Mitteln greifen.
München * Der baierische Historiker Johann Turmair, genannt Aventinus, schreibt folgende Zeilen über die Gründung Münchens:
„Herzog Hainrich, der zwelft herzog in Bairn, hat die stat München gepaut auf des closters von Scheftlarn grunde, darumb man die stat München hat genent und füret ein münich für ir wappen.
Damals war der salzhandl niderlag zu Vering underhalb München, gieng die straß von Reichenhal und Wasserburg durch, gehört dem stift Freising zue.
Herzog Hainrich verprent Vering die stat, prach die pruck über die Iser ab, legt maut und zol, die straß und allen handl in sein stat München“.
Diese Raubrittergeschichte hat sich seitdem unauslöschlich in die Gehirne bayerischer Schulkinder und Erwachsener eingebrannt. Mit dieser Schilderung geht Aventinus jedoch mit viel Phantasie weit über die knappen Angaben des Regensburger Urteils vom 13. Juli 1180 hinaus.
Denn darin finden sich zu diesem Sachverhalt nur die folgenden Zeilen: „[...], dass der Edelmann Heinrich von Braunschweig, [...] den Markt mit der Brücke in Föhring, den seine Kirche seit uralten Zeiten ungestört in Besitz gehabt hatte, zerstört und ihn gewaltsam in den Ort Munichen verlegt habe“.
Von der Brandschatzung des gesamten Ortes Föhring steht im Regensburger Urteil ebenso wenig, wie sie Auskunft gibt, wie stark der Markt und die Brücke zerstört wurden.
Außerdem ist Johann Turmair der Augsburger Schied vom 14. Juni 1158 nicht bekannt, da diese für die Münchner Stadtgründung so elementar wichtige Urkunde erstmals im Jahr 1582 veröffentlicht werden wird. Also nimmt der Historiker die ihm zugänglichen Informationen und zieht daraus seine Schlüsse. Und tatsächlich deutet im Regensburger Urteil von 1180 nichts auf die Existenz einer früheren - einvernehmlichen - Abmachung hin. Allerdings wird der Welfenherzog als Rechts- und Friedensbrecher dargestellt.
Ingolstadt * Die in Holz geschnitzte Wappensammlung von Philipp Apian umfasst insgesamt 646 Wappen der baierischen Geistlichkeit, des Adels und der Städte und Märkte Baierns.
Kurfürstentum Baiern * Mit der Übertragung der Kurwürde an Herzog Maximilian I. erhält das Wappen mit Löwen und Rauten einen roten Herzschild mit goldenem Reichsapfel. Dieser kleine Schild liegt in der Mitte des Hauptschildes.
Der Reichsapfel steht für das mit der Kurwürde verbundene Erztruchsessenamt, eines der hohen Ehrenämter im Heiligen Römischen Reich.
München-Graggenau * Die Fortsetzung der Festtriologie findet mit dem Turnierspiel „Antiopa Giustificata“ statt, das im überdachten Brunnenhof der Residenz beginnt und am Nachmittag im Turnierhaus am Hofgarten fortgesetzt wird. Dort hat man zwei gegenüberliegende Bühnen aufgebaut:
Eine Sphinx tritt mit einem Spiegel auf, in dem Kurfürst Ferdinand Maria die „herrlichen Taten“ seines Sohnes erkennen könne, mit denen Max Emanuel „die Welt überraschen“ werde: Die „Siege über die Barbaren“ und den „Triumph über die Türken“, der den „Untergang des Halbmondes“ zur Folge haben wird.
Brüssel * Agnès Françoise Le Louchier bringt einen Sohn zur Welt. Maximilien Emmanuel François Joseph, der spätere Comte de Bavière, ist der illegitime Sohn von Kurfürst Max Emanuel.
Seine Halbbrüder sind die späteren baierischen und kölnischen Kurfürsten. Als Wappen führte der junge Comte das des Hauses Wittelsbach, allerdings versehen mit dem sogenannten Bastardbalken.
München * Die neuen Burgfriedenssäulen werden unter Beteiligung einer Kommission aus kurfürstlichen Hofräten und aus städtischen Abgeordneten aufgestellt. Begleitet werden sie von 37 Bürgersöhnen im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren, die Kohlen aus Eichenholz und Glasscherben zum Einlegen in die Grundsteine der Säulen mittragen.
Jeder der Knaben erhält zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis einen Gedenkpfennig und eine Maulschelle, die an das alte baierische Recht erinnert, bei dem die Zeugen an den Ohren gezogen wurden.
Frankfurt am Main - Baiern * Der baierische Kurfürst Carl Albrecht wird als Carl VII. zum römisch-deutschen Kaiser gewählt. In seinem kaiserlichen Wappen trägt der Doppeladler des Heiligen Römischen Reichs das Wittelsbacher Wappen auf der Brust. Über den beiden Adlerköpfen schwebt die Kaiserkrone.
Carl VII. bleibt bis zu seinem Tod am 20. Januar 1745 im Amt.
Bogenhausen * Johann Baptist Straub, der in München hoch angesehene Meister für Altarbauten, erhält den Auftrag für die Erstellung des Hauptaltars. Der damals 66-jährige Hofbildhauer konzipiert den Barockaltar als Mittelpunkt der Kirche.
Finanziert wird der Hochaltar von Graf August Joseph von Törring-Jettenbach, der sich zudem mit seinem Wappen im Abschlussbogen verewigen lässt.
Der hoch zu Ross gegen den Drachen kämpfende Kirchenpatron wird auf Wunsch des Grafen geschaffen, da dieser zuvor Mitglied des anno 1729 von Kurfürst Carl Albrecht neu geschaffenen St.-Georgi-Ritterordens geworden war.
München - Mannheim * Mit dem Tod Kurfürst Max III. Josephs erlischt die baierische Linie der Wittelsbacher. Sein Erbe tritt Kurfürst Carl Theodor aus der pfälzischen Linie an. Unter seiner Herrschaft entsteht Kurpfalz-Baiern.
Der Wappenschild des Kurfürsten umfasst nun acht Felder. Ihre Wappenbilder stehen für die verschiedenen Besitzungen und Herrschaftsansprüche, die Carl Theodor unter seiner Herrschaft vereint.
Kurpfalz-Baiern * Unter Kurfürst Max IV. Joseph, dem späteren König Max I. Joseph, erreicht das kurbaierische Wappen eine besonders aufwendige Gestalt: Der Hauptschild umfasst zeitweise bis zu 16 Felder. Hinzu kommt ein aufgelegter Mittelschild, der selbst in vier Felder geteilt ist und einen kleinen Herzschild trägt.
Die zahlreichen Wappenbilder stehen für die vereinten Territorien und Herrschaftsansprüche des ebenfalls aus der pfälzischen Linie der Wittelsbacher stammenden Regenten.
Werdenfelser Land * Freiherr Johann Adam von Aretin eröffnet um 8:30 Uhr mit einem Festgottesdienst die Besitzergreifungsfeierlichkeiten der Reichsgrafschaft Werdenfels. Damit endet die über 500 Jahre andauernde bischöfliche Herrschaft über das Werdenfelser Land. An den öffentlichen Gebäuden wird das kurbaierische Wappen angebracht und die „Zivilbesitzergreifung durch Verruf“ bekannt gemacht. An der großen mittäglichen Festtafel dürfen allerdings nur geladene Gäste teilnehmen.
Königreich Baiern * Das Königreich Baiern erhält sein erstes Wappen, das radikal mit der heraldischen Tradition bricht. Vor 42 baierischen Rauten steht das Herzschild als Zeichen der Kurwürde, die ja bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation am 6. August 1806 weiterbesteht.
München - Königreich Baiern * König Max I. Joseph genehmigt nach der Erhebung Baierns zum Königreich ein vereinfachtes Staatswappen. Der Hauptschild zeigt die weiß-blauen Rauten, auch „Wecken“ genannt. In seiner Mitte liegt ein gespaltener Herzschild mit Reichsapfel und Pfälzer Löwen, über dem weiterhin der Kurhut steht. Über dem Hauptschild erhebt sich die Königskrone. Zwei Löwen dienen als Schildhalter: Der heraldisch rechte Löwe – vom Betrachter aus links – trägt ein Zepter, der gegenüberstehende ein Schwert. So verbindet das neue Wappen die Königswürde mit den Zeichen der bisherigen kurfürstlichen Herrschaft.
Königsreich Baiern * Das königliche Wappen wird erneut verändert. Die weiß-blauen Rauten bleiben erhalten, ihre Zahl wird jedoch auf 42 festgelegt.
Der zinnoberrote Herzschild zeigt nun ein blankes Schwert mit goldenem Griff, gekreuzt mit einem goldenen Zepter. Die beiden Herrschaftszeichen ersetzen den Reichsapfel und den Pfälzer Löwen.
München * München erhält ein neues Stadtwappen. Die neue Verfassung hat die Aufhebung der kommunalen Selbstständigkeit gebracht. Damit wird auch der Mönch aus dem Stadtwappen entfernt. Nun trägt ein Löwe ein Schild mit einem großen „M“, sozusagen als Vorläufer des Münchner Autokennzeichens. Allerdings steht das „M“ im Schild nicht für München, sondern für den Namen des Königs: Max I. Joseph.
Vorstadt Au * Die bisherige Landgemeinde Au wird zur selbstständigen Stadt erhoben und erhält die amtliche Bezeichnung „Vorstadt Au“. Zugleich erhält sie einen eigenen Magistrat und ein Stadtwappen.
München * Das Königreich Baiern gibt sich ein neues Wappen. Die 42 baierischen Rauten bleiben. Die Symbole im Herzschild beziehen sich jetzt aber auf die Souveränität des Königreichs und zeigen Zepter, Schwert und Krone auf rotem Grund, der Farbe der Hochgerichtsbarkeit. Dieses Wappen bleibt bis 1835 gültig.
München * Durch die territorialen Erweiterungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wächst Bayern zu einem Königreich aus Regionen mit unterschiedlichen Traditionen und Wirtschaftssystemen zusammen. Besonders unübersichtlich ist das Maßwesen: Schätzungen zufolge bestehen bis zu 93 verschiedene Flüssigkeitsmaße. Zwar heißen sie fast überall „Maß“, doch ihr Inhalt unterscheidet sich erheblich. Im oberfränkischen Lauenstein fasst eine Maß knapp einen halben Liter, im ehemals salzburgischen Laufen dagegen rund 1,6 Liter.
Diese Unterschiede erschweren Handel, Besteuerung und Preiskontrolle. Am 28. Februar 1809 erlässt König Max I. Joseph auf maßgebliche Initiative seines Reformministers Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas eine Verordnung zur Vereinheitlichung der bayerischen Maße und Gewichte. Als verbindliche Norm für Flüssigkeiten dient künftig die Münchner Maß mit einem Inhalt von rund 1,069 Litern.
Zur Durchsetzung der neuen Regelung lässt die Regierung kupferne Messzylinder mit dem bayerischen Staatswappen und der Aufschrift „BAIER. MAAS. 1809“ an Landgerichte, Rentämter, Städte und Märkte versenden. Diese sogenannten Muttermaße sind amtliche Vergleichs- und Eichgefäße. Als Trinkgefäße dürfen sie ausdrücklich nicht verwendet werden. Mithilfe der Muttermaße stellen die örtlichen Behörden weitere geprüfte Gefäße her und verbreiten sie in ihren Amtsbezirken.
Eine allgemeine Eichpflicht für die Trinkkrüge besteht zunächst jedoch nicht. Viele Gäste bringen ihre eigenen Gefäße mit in das Wirtshaus. Neben Holzkannen und Zinngefäßen kommen zunehmend große Krüge aus Steinzeug auf. Um 1820 entwickelt sich daraus die charakteristische Form des bayerischen Masskrugs.
Die neue Maß setzt sich allmählich im gesamten Königreich durch. Sie vereinheitlicht nicht nur den Ausschank, sondern wird auch zu einem sichtbaren Zeichen für das Zusammenwachsen von Altbayern, Franken und Schwaben. Obwohl die alte Maßeinheit 1872 durch den Liter ersetzt wird, bleibt ihr Name erhalten: Bis heute bezeichnet die „Mass“ einen Liter Bier und gilt als Symbol bayerischer Lebensart.
München * Am Abend findet eine große Festbeleuchtung statt. Ganz München erstrahlt im Lichterschmuck. Mit den Aufbauten zur Illumination auf dem Max-Joseph-Platz ist bereits sechs Wochen zuvor begonnen worden. An den öffentlichen und privaten Gebäuden der Stadt leuchteten „transparente Gemälde und Inschriften“. So trägt die Fassade des Rathauses ein allegorisches, zur Vermählung passendes Bild mit den Wappen des Brautpaares.
Am Gebäude der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Künste leuchtet „Hymens Fackel, und Ludwigs und Theresens Namenszüge von Blumen“ mit den Worten: „Der neuen Hoffnung des alten Hauses der Wittelsbacher huldigen Wissenschaft und Kunst.“ Soweit die staatlich verordnete Fürstenhuldigung.
Unter den Adelspalais erregt das des Freiherrn Maximilian Joseph von Montgelas besondere Aufmerksamkeit. „Letzteres war eigentlich hinter einem prächtigen dorischen Tempel verschwunden, der um dasselbe ausgeführt reichlich mit Grün und Blumengirlanden geschmückt, und durch die Lichtmassen wie in eine Feuerwohnung verwandelt war.“
Auch der Bankier Andreas von Dall’Armi hatte sein Haus am Rindermarkt festlich ausstaffiert. Die Fassade trägt „eine kolossale Bavaria mit einem ruhenden Löwen und […] mit der Inschrift, die den ganzen oberen Stock einnahm: Wittelsbachs Stamm blühe ewig!“
Auch die anderen privaten Gebäude sind, soweit es sich die Bewohner finanziell leisten können, aufwändig geschmückt und erleuchtet. Für Kaufleute, Gastwirte, Cafétiers, Weinhändler, Juweliere und Bierbrauer, kurz gesagt, für die besonders gut situierten Kreise der Münchner Bewohnerschaft, bietet sich hier die einmalige Gelegenheit, miteinander mit prunkvollen Illuminationen zu Ehren des Königshauses sich gegenseitig zu übertreffen und nur das Beste vom Besten zu zeigen.
München * Der Hoffaktor Aron Elias Seligmann wird von König Max I. Joseph in den Adelsstand erhoben und erhält den Namen Freiherr von Eichthal. Er ist der erste nobilitierte Jude in Baiern. Damit verbunden ist auch die Verleihung des Wappens der ausgestorbenen Familie von Thalmann in Augsburg.
Gleichzeitig werden auch seine zehn Kinder in den Adelsstand aufgenommen.
Ottobrunn * Die Ottosäule in Ottobrunn wird eingeweiht. Sie trägt die antik gestaltete Büste des damals siebzehnjährigen griechischen Königs aus dem bayerisch-wittelsbachischen Herrscherhaus. Der Sockel ist mit Blattvoluten und Eckpalmetten verziert, die von Trophäen, Insignien und den Wappen der Königreiche Bayern und Griechenland umringt werden. Ein Löwe liegt zu Füßen des Sockels. Die künstliche Anhöhe, auf der sich die Ottosäule in Ottobrunn erhebt, wird erst in späterer Zeit mit Felsensteinen verkleidet werden.
Königreich Bayern * König Ludwig I. lässt das Staatswappen neu gestalten. Es soll die verschiedenen Landesteile und Bevölkerungsgruppen des Königreichs repräsentieren.
Der gevierte Hauptschild zeigt im ersten Feld den Pfälzer Löwen, im zweiten den fränkischen Rechen und im dritten das Wappen der Markgrafschaft Burgau als Zeichen für Schwaben. Im vierten Feld steht der Veldenzer Löwe als Hinweis auf die Herkunft der Dynastie aus der Rheinpfalz.
Die weiß-blauen Rauten rücken in den Herzschild und bilden damit die Mitte des Wappens.
München-Kreuzviertel * Der königliche Wunsch, „daß ein bedeutender Gasthof hieher komme“, trifft bei Joseph Anton Ritter von Maffei auf offene Ohren. Er erwirbt für 163.400 Gulden zwei Anwesen an der Prannergasse und vier ihm benachbarte Häuser an der ehemaligen Kreuzgasse, darunter den Gasthof Goldener Bär.
Anschließend lässt er das Hotel zum Bayerischen Hof projektieren und errichten. König Ludwig I. äußert für den Hotelbau einen ganz persönlichen Wunsch. Ausgerechnet der verantwortliche Bauherr der Ludwigstraße und der Ruhmeshalle, der Glyptothek und der Pinakotheken sowie zahlreicher anderer Bauwerke innerhalb und außerhalb Bayerns, hat in seiner Residenz kein adäquates Badezimmer, sodass er sich zwei Mal im Monat die Ehre gibt, im Hotel zum Bayerischen Hof sein Bad zu nehmen.
Schon aus diesem Grund besitzt die neue Nobelherberge das besondere Wohlwollen „Seiner Allerhöchsten Majestät“, die dem Hotelbetrieb deshalb sogar das Führen des Bayerischen Staatswappens mit Löwen, Rauten und Krone erlaubt. Mit dieser Nobelherberge schafft Anton Ritter und Edler von Maffei einen Übernachtungsbetrieb, der - bis zum heutigen Tag - als erste Adresse Münchens gilt.
München * Eine Schmähschrift gegen König Ludwig I. schlägt vor: „Wenn Landeswappen [mit] ihren Emblemen immer den sittlichen Karakter des jeweiligen Fürsten darzustellen hätten, so müsste der bayerische Löwe bald einem gemeinen Schwein Platz machen.“
München-Graggenau * Lola Montez erhält an König Ludwigs I. 61. Geburtstag in der Hofkirche ihr Adelsdiplom, das sie zur Gräfin Maria von Landsfeld macht. Das Adelsdiplom hat den folgenden Wortlaut: „Wir Ludwig von Gottes Gnaden König von Bayern, Franken und in Schwaben urkunden und bekennen hiermit, dass Wir beschlossen haben, die aus Spanischem Adel geborene Maria von Porrys und Montez, Lola Montez, in den gräflichen Stand unter der Benennung einer Gräfin von Landsfeld allergnädigst zu erheben“.
Das gräfliche Wappen hat der König höchstpersönlich entworfen. Es ist, wie der Name selbst, ein Phantasiegebilde, denn eine Grafschaft Landsfeld gibt und gab es nie.
Schwabing * Prinzregent Luitpold verleiht der künftigen Stadt Schwabing [Stadterhebung am 1. Januar 1887] ein eigenes Stadtwappen. In einem blauen Schild werden zwölf goldene Ähren von einem silbernen, zu einer Schleife verschlungenen Band zusammengehalten.
München - Vorstadt Schwabing * Die Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern übergibt der Stadt Schwabing ihr neues Stadtwappen. Es zeigt zwölf goldene Ähren im blauen Schild, deren Halme von einem silbernen, zu einer Schleife verschlungenen Band zusammengehalten werden.
München-Schwabing * Die bislang selbstständige und mit einem eigenen Wappen versehene Stadt Schwabing wird mit den Gemeindeteilen Biederstein, Hirschau, Neuschwabing, Riesenfeld nach München eingemeindet.
München * In den Gaststätten setzen sich saugfähige Bierglasuntersetzer aus Holzstoff zunehmend gegen die älteren Wollfilze durch. Die bayerische Bezeichnung „Bierfuizl“ erinnert weiterhin an das ursprünglich verwendete Material. Die Untersetzer nehmen überlaufendes Bier und herabtropfenden Schaum auf und schützen die Tischoberfläche.
Einen entscheidenden Entwicklungsschritt ermöglicht Robert Spuths 1892 patentiertes Verfahren zur Herstellung von Holzfilzplatten. Die daraus gefertigten Untersetzer sind besonders saugfähig und lassen sich mit Reklame und Sinnsprüchen bedrucken. 1903 beginnt auch die Firma Katz im badischen Weisenbach mit der Bierdeckelproduktion.
Mit Brauereinamen, Wappen und Werbemotiven bedruckt, werden die praktischen Unterlagen zugleich zu Werbeträgern auf den Wirtshaustischen.
München-Haidhausen * Prinzregent Luitpold übergibt der Stadt München die Luitpoldbrücke. Sie ist im frühen 20. Jahrhundert nur für Spaziergänger, Luxuskarossen und Kinderwagen zugelassen, Fuhrwerke werden auf die kleinere, aber bewährte Maximiliansbrücke verwiesen.
An den Brückenzufahrten sind allegorischen Muschelkalk-Liegefiguren der vier Stammesgebiete Bayerns angebracht.
München - Freistaat Bayern * Mit der Revolution endet die Monarchie in Bayern. Noch im November beginnen die Bemühungen um ein neues Wappen für den Freistaat. Das bisherige königliche Hoheitszeichen bleibt jedoch zunächst in Gebrauch.
Freistaat Bayern * Ein neues Staatswappen löst das bisherige königliche Wappen ab. Seine Wappenbilder stehen weiterhin für die bayerischen Stämme und Landesteile.
An die Stelle der Königskrone tritt eine Volkskrone über dem Schild. Sie steht für die Volkssouveränität: Die Staatsgewalt geht vom Volk aus.
Bayern * Mit der nationalsozialistischen Gleichschaltung ab 1933 verliert Bayern seine staatliche Eigenständigkeit. Auch das Landeswappen wird zunehmend verdrängt. 1936 wird seine Verwendung schließlich untersagt; damit ist es als staatliches Hoheitszeichen faktisch abgeschafft.
München - Freistaat Bayern * Mit dem Gesetz über das Wappen des Freistaates Bayern erhält das Land ein neues Staatswappen. Es verbindet die demokratische Staatsordnung mit den historischen Zeichen seiner Landesteile.
Das Wappen vereint damit Bayerns regionale Vielfalt, seine Geschichte und sein demokratisches Selbstverständnis.
München - Freistaat Bayern * Mit dem Gesetz über das Wappen des Freistaates Bayern erhält das Land ein neues Staatswappen. Es verbindet die demokratische Staatsordnung mit den historischen Zeichen seiner Landesteile.
Das Wappen vereint damit Bayerns regionale Vielfalt, seine Geschichte und sein demokratisches Selbstverständnis.