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Wie war das mit Munichen? - Stadtgründungslegende Münchens

Staffel 1 · Folge 2 · 16:57

Hat Heinrich der Löwe wirklich die Brücke in Oberföhring niedergebrannt und damit München gegründet? Diese Geschichte kennt fast jeder – doch sie gehört zu den hartnäckigsten Legenden der Stadtgeschichte. In dieser Folge gehen wir den Quellen auf den Grund und zeigen, was 1158 tatsächlich geschah.


Kaum eine Geschichte über die Gründung Münchens ist so bekannt wie diese: Herzog Heinrich der Löwe soll die Isarbrücke in Oberföhring niedergebrannt, den Markt gewaltsam nach München verlegt und damit den Grundstein für die spätere Landeshauptstadt gelegt haben. Generationen von Schülerinnen und Schülern haben diese Erzählung gelernt, Stadtführer geben sie bis heute oft weiter – doch wie viel Wahrheit steckt tatsächlich darin? In dieser Folge der Münchner Zeitensprünge begeben wir uns auf Spurensuche und trennen historische Quellen von späteren Legenden. Wir lernen die drei entscheidenden Akteure kennen: Kaiser Friedrich Barbarossa, den Freisinger Bischof Otto I. und den Welfenherzog Heinrich den Löwen. Dabei wird deutlich, dass es bei der Stadtgründung nicht um einen spektakulären Racheakt ging, sondern um Macht, wirtschaftliche Interessen und königliche Hoheitsrechte über Märkte, Zölle, Münzen und Brücken. Im Mittelpunkt steht der Augsburger Schied von 1158, die eigentliche Gründungsurkunde Münchens. Sie zeigt ein völlig anderes Bild als die bekannte Legende: Statt eines Raubritters erscheint Heinrich der Löwe als Teil eines kaiserlich vermittelten Interessenausgleichs mit dem Freisinger Bischof. Der Markt in Föhring wurde aufgehoben, ein neuer Markt in München eingerichtet und die Einnahmen zwischen Herzog und Bischof aufgeteilt – ein politischer Kompromiss statt einer gewaltsamen Zerstörung. Doch wie entstand dann die bis heute verbreitete Geschichte von der niedergebrannten Brücke? Die Antwort führt in das Jahr 1180, als Heinrich der Löwe nach seinem Zerwürfnis mit Kaiser Barbarossa gestürzt wurde. Im sogenannten Regensburger Urteil erscheint der ehemalige Herzog plötzlich als Rechtsbrecher. Fast 350 Jahre später griff der bayerische Historiker Johann Aventinus diese Darstellung auf, schmückte sie aus und formte daraus die Erzählung, die bis heute in vielen Köpfen lebt. Wir werfen außerdem einen Blick auf den Ursprung des Münchner Stadtwappens mit dem berühmten Mönch, erklären, warum der Name „München“ nichts mit den Mönchen des Klosters Schäftlarn zu tun hat und zeigen, wie aus sprachlichen Missverständnissen und lückenhaften Quellen über Jahrhunderte historische Gewissheiten wurden. Eine Folge über die Entstehung einer der bekanntesten Münchner Legenden – und darüber, warum Geschichte oft viel spannender ist als ihre Mythen. Denn manchmal erzählt nicht die schönste Geschichte die Wahrheit, sondern die älteste Urkunde.