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Der Rote Turm - Das verschwundene Nadelöhr

Staffel 1 · Folge 3 · 14:12

Wo heute Autos über die Ludwigsbrücke fahren, stand einst das wichtigste Nadelöhr Münchens: der Rote Turm. Wer in die Stadt wollte, musste hier vorbei – Kaufleute, Fuhrwerke, Könige und Eroberer. In dieser Folge der Münchner Zeitensprünge begeben wir uns auf die Spur eines Bauwerks, das heute verschwunden ist, die Geschichte Münchens aber über Jahrhunderte entscheidend geprägt hat.


Münchens Geschichte lässt sich oft an noch erhaltenen Gebäuden, Kirchen und Plätzen erzählen. Doch vieles, was die Entwicklung der Stadt entscheidend geprägt hat, ist längst verschwunden – zerstört im Krieg oder im Laufe der Jahrhunderte abgerissen. Dazu gehört auch der Rote Turm, der einst am westlichen Ende der Isarbrücke stand und über Jahrhunderte das eigentliche Tor zur Stadt bildete. In dieser Folge der Münchner Zeitensprünge besuchen wir einen Ort, an dem sich Handel, Militär, Stadtpolitik und Alltagsleben kreuzten. Rund 500 Meter vor der eigentlichen Stadtmauer kontrollierte der Rote Turm den Zugang nach München. Hier wurden Brückenzoll, Salzzoll, Wasserzoll und weitere Abgaben erhoben – ein wichtiger Teil der städtischen Einnahmen. Gleichzeitig sorgte das Nadelöhr regelmäßig für Staus auf der Isarbrücke, wenn Händler, Fuhrwerke und Reisende auf ihre Abfertigung warten mussten. Doch der Rote Turm war weit mehr als eine Zollstation. Er spielte eine bedeutende Rolle in der Verteidigung Münchens und wurde mehrfach zum Schauplatz großer historischer Ereignisse. Hier führte 1632 der Weg des schwedischen Königs Gustav Adolf nach der kampflosen Übergabe Münchens vorbei. Hier begann Weihnachten 1705 der Vorstoß der aufständischen Bauern, der schließlich im Sendlinger Mordweihnacht endete. Und hier tobten 1796 Kämpfe zwischen französischen und österreichischen Truppen, die den Turm so schwer beschädigten, dass er wenig später abgerissen werden musste. Wir erzählen die Geschichte dieses verschwundenen Bauwerks, räumen mit einigen Legenden auf – darunter die Erzählung vom Schmied von Kochel am Roten Turm – und zeigen, welche Bedeutung der Burgfrieden Münchens für das Leben vor den Stadtmauern hatte. Außerdem werfen wir einen Blick auf das geschäftige Leben rund um den ehemaligen Münchner Hafen, die Floßlände und das spätere Turmwirtshaus, das noch Jahrzehnte nach dem Abriss des Turms an dessen Geschichte erinnerte. Eine Folge über einen Ort, den heute kaum noch jemand kennt – obwohl sich hier über Jahrhunderte entschied, wer nach München kam, welche Waren die Stadt erreichten und wie sich die Isarmetropole entwickelte. Denn manchmal erzählen gerade die verschwundenen Bauwerke die spannendsten Geschichten.