Heinrich Heine in Neuberghausen - Edelsitz wurde Gasthaus
Warum schwärmte Heinrich Heine ausgerechnet von einem Biergarten in Bogenhausen? Und weshalb hatte dieser Ort so viele Namen, dass selbst der Dichter ins Grübeln kam? In dieser Folge der Münchner Zeitensprünge folgen wir Heines Spuren nach Neuberghausen – zu einem verschwundenen Schlösschen, einer legendären Ausflugsgaststätte und einem der schönsten Aussichtspunkte des alten Münchens.
Als Heinrich Heine im Winter 1829 München besuchte, führte ihn sein Weg immer wieder nach Neuberghausen in Bogenhausen. In seinem Reisebericht „Reise von München nach Genua“ beschreibt er nicht nur das ausgezeichnete Bier und den herrlichen Blick auf die Alpen, sondern erzählt mit feiner Ironie auch von der Kellnerin Nannerl, die „Ironie“ kurzerhand für eine neue Biersorte hielt. Diese Episode zählt bis heute zu den schönsten literarischen Schilderungen des alten Münchens. Doch was war dieses geheimnisvolle Neuberghausen eigentlich? Ein Schlösschen? Ein Biergarten? Die Villa Hompesch? Oder doch der Montgelasgarten? In dieser Folge der Münchner Zeitensprünge gehen wir den vielen Namen und der wechselvollen Geschichte dieses besonderen Ortes auf den Grund. Wir reisen zurück in das alte Bogenhausen, als sich rund um die Kirche St. Georg nur wenige Bauernhöfe gruppierten und am Isarhochufer prachtvolle Edelsitze entstanden. Aus einem einfachen Hof entwickelte sich im 18. Jahrhundert das elegante Schloss Neuberghausen, das unter der Familie Törring-Jettenbach zu einer Rokoko-Villa mit weitläufigem Garten, exotischen Pflanzen und einer spektakulären Aussicht über München bis zu den Tiroler Alpen ausgebaut wurde. Später wurde aus dem Adelssitz eine der beliebtesten Ausflugsgaststätten der Münchner. Hier traf sich die vornehme Gesellschaft zum Kaffeetrinken, zum Tanz oder auf ein gutes Bier – auch deshalb, weil Bogenhausen damals noch nicht zu München gehörte und die Preise günstiger waren. Gemeinsam mit der Menterschwaige und der Waldwirtschaft Großhesselohe gehörte Neuberghausen zu den beliebtesten Ausflugszielen des 19. Jahrhunderts. Die Folge erzählt außerdem von den berühmten Nachbarn: dem Montgelas-Schlössl, in dem Bayerns Aufstieg zum Königreich vorbereitet wurde, dem mondänen Kurbad Brunnthal mit seinem fast modernen Wellnessangebot und der späteren Versorgungsanstalt für Beamtentöchter, die an gleicher Stelle entstand. Wir verfolgen, wie sich das Gesicht Bogenhausens über die Jahrhunderte veränderte und warum heute kaum noch etwas an das einst so berühmte Neuberghausen erinnert. Begleiten Sie uns auf einem Spaziergang durch eines der geschichtsträchtigsten Viertel Münchens – dorthin, wo Heinrich Heine einst sein Bier genoss, die Alpen bewunderte und mit spitzer Feder das “neue Athen” kommentierte. Denn wer die Geschichten hinter den Orten kennt, sieht die Stadt mit ganz anderen Augen. Ganz nach unserem Motto: Man sieht nur, was man weiß.