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Vor 1204
Ludmilla sichert sich das Jawort des Herzogs 

Herzogtum Baiern - Bogen * Eine der Geschichten über die spätere Ehe zwischen Herzog Ludwig I. und Ludmilla erzählt von einer ebenso klugen wie wirkungsvollen List. 

Der etwa dreißigjährige Wittelsbacher, den man später „den Kelheimer“ nennt, wirbt um die verwitwete Gräfin von Bogen. Als amtierender Herzog gehört er zu den begehrtesten Heiratskandidaten des Landes. Ludmilla, eine gebürtige böhmische Prinzessin und Mutter dreier Söhne aus erster Ehe, verlangt jedoch ein verbindliches Eheversprechen, bevor sie sich auf ihn einlässt. 

Der Sage nach verbirgt sie drei Vertraute hinter einem Wandbehang, auf dem Rittergestalten zu sehen sind. Als Ludwig ihr die Ehe verspricht, fordert sie ihn auf, sein Gelöbnis auch vor diesen vermeintlich stummen Zeugen zu wiederholen. Der Herzog geht lächelnd darauf ein – und erlebt eine Überraschung. Ludolf Silvanus schildert die Szene im „Sagenkranz des Bayerisch-Böhmischen Waldes“: 

„Auf einem Teppich oben sah man vor einem Portal
Drei Ritterbilder gewoben in ihrem Ahnensaal.
Und drei von ihren Räten rief sie geschwind heran,
Daß sie dahinter träten; sagt‘ ihnen ihren Plan.

‚Und ewige Liebe und Treue‘, rief schon der Herzog laut,
‚Gelob‘ ich heut‘ aufs neue, ihr werdet meine Braut!‘
‚Wohlan! könnt ihr auch schwören bei jenen Rittern dort?
Auch diese sollen es hören als Zeugen eurem Wort.‘

Der Herzog sah die Riesen mit Lächeln an der Wand
Und rief: ‚Und auch vor diesen gelob‘ ich‘s mit Mund und Hand!‘
Da rollt mit einem Male der Vorhang sich empor,
Drei Ritter im blanken Stahle treten daraus hervor.“
 

Damit hat Ludmilla nach der Erzählung ihr Ziel erreicht: Aus dem vertraulichen Versprechen wird ein Gelöbnis vor Zeugen, dem sich der Herzog nicht mehr entziehen kann. Die Geschichte liefert eine unterhaltsame Erklärung für die Hochzeit von 1204; als gesicherter Bericht über deren Zustandekommen gilt sie jedoch nicht.

Oktober 1204
Eine Ehe mit weitreichenden Folgen 

Kelheim * Herzog Ludwig I., genannt „der Kelheimer“, heiratet Ludmilla, eine böhmische Prinzessin und Witwe des Grafen Albert Il von Bogen. Wann und wo sich beide kennenlernen, ist nicht überliefert. Auch der genaue Ort und Tag der Hochzeit bleiben unsicher. 

Die Verbindung ist vermutlich vor allem dynastisch und machtpolitisch begründet: Sie führt das junge Herzogshaus der Wittelsbacher mit dem einflussreichen Geschlecht der Grafen von Bogen zusammen und stärkt zugleich Ludwigs Beziehungen zum böhmischen Herrscherhaus der Premysliden. 

Durch Ludmilla gelangt das weiß-blaue Rautenwappen der Grafen von Bogen an die Wittelsbacher. 

Aus der Ehe geht 1206 der Sohn Otto II. hervor. 

1361
Die ältesten Kleiderordnungen in Altbaiern kommen aus Landshut

Landshut * Die sowohl ältesten als auch einzigen Kleiderordnungen in Altbaiern, die nicht vom Fürsten, sondern vom Rat der Stadt erlassen wurden, enthält das Landshuter Stadtbuch. Obwohl Landshut in dieser Zeit in besonderer wirtschaftlicher Blüte steht, will der Rat der Stadt, dass sich die Bürgerin bescheidener kleidet.

Den Landshuter Frauen ist verboten, Perlen, Samt, Gold, Goldstoffe und Hermelin zu tragen. Nur den Reichen ist eine Goldborte von der Breite eines kleinen Fingers um den Busen und am Mantel erlaubt. Bis auf wenige Knöpfe ist den Frauen jeglicher Silberschmuck an den Kleidern verboten.  

Es war eine reine Luxusbeschränkung, die noch kaum eine standesgemäße Trennung vorsieht. Es entsteht eher der Eindruck, dass diese Verordnung nur deshalb erlassen wurde, um den Ehemännern und Vätern den Kostenaufwand für die Einkleidung ihrer Frauen, Töchter und Söhne zu begrenzen. 

Neben Kleidervorschriften befasst sich die Verordnung auch Fragen der Bewirtung der Gäste bei Hochzeiten sowie der Anwesenheit von Frauen am Wochenbett und Geschenke für das Taufkind und die Mutter.  

 

24. August 1572
Die Bartholomäusnacht: Massaker an den Hugenotten 

Paris * In den frühen Morgenstunden beginnt ein staatlich angestoßenes Massaker an den protestantischen Hugenotten. Zunächst werden führende Vertreter der Glaubensgemeinschaft ermordet, darunter Admiral Gaspard de Coligny. Anschließend weitet sich die Gewalt zu einer allgemeinen Verfolgung aus. In Paris sterben schätzungsweise 2.000 bis 3.000 Menschen; in den folgenden Wochen greifen die Massaker auf weitere französische Städte über. Die Gesamtzahl der Opfer ist umstritten und wird auf 5.000 bis 30.000 geschätzt. 

Sechs Tage zuvor heiratet der protestantische Heinrich von Navarra die katholische Margarete von Valois. Die als Versöhnung gedachte Hochzeit führt zahlreiche hugenottische Adelige in das überwiegend katholische Paris. Nach einem gescheiterten Anschlag auf Coligny entscheidet der Hof um König Karl IX., gegen führende Hugenotten vorzugehen. Welche Rolle seine Mutter Katharina von Medici bei dieser Entscheidung spielt, ist bis heute umstritten. Das Massaker geht als „Bartholomäusnacht“ oder „Pariser Bluthochzeit“ in die Geschichte ein.

Oktober 1620
Die „Rebellion von Prag“ ist der erhoffte Anlass zum Krieg

Prag * Für Erzherzog Ferdinand ist die „Rebellion von Prag“ der erhoffte Anlass, um gegen die „böhmischen Stände“ loszuschlagen.

Die „Ständevertreter“ interpretieren ihre Gewalttat als Notwehr, doch für den habsburgischen Kaisersohn ist die kriegerische Niederwerfung der „Aufständischen“ unausweichlich geworden.
Die dafür notwendige Finanzierung soll durch die eingezogenen Güter der „Rebellen“ sichergestellt werden.
Außerdem soll „der Schrecken der Hinrichtungen die Stände zum Gehorsam zwingen“.

In Prag geht inzwischen das Gerücht um, dass die „Jesuiten“ eine „Bluthochzeit“, also die Ermordung der Protestanten, planen. Andererseits streuen die kaiserlich Gesinnten das Gegengerücht, wonach die „böhmischen Stände“ vom „türkischen Kaiser Hilfe begehrt hätten“.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den „Kaiserlichen“ und den „Böhmischen“ beginnen.

20. Mai 1631
Die Kaiserlichen bereiten Magdeburg ein grausliches Blutbad an

Magdeburg * Es kommt zu einem ersten schweren Geschützfeuer auf die Stadt Magdeburg und die umliegenden Dörfer. Am frühen Morgen dringen die katholischen Kaiserlichen, angeführt vom katholischen Oberbefehlshaber Graf Johann Tserclaes von Tilly und General Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim, in die Stadt ein und richten ein grausliches Blutbad an. Magdeburg versinkt in einer Orgie aus Gewalt, Zerstörung und Plünderung. Entsetzte Offiziere bitten Graf von Tilly dagegen einzuschreiten und erhalten die knappe Antwort: „Der Soldat muss etwas haben für seine Gefahr und Mühsal.“

Gegen Mittag fängt die Stadt zu Brennen an. Ob planmäßige Feuer gelegt worden sind, womöglich durch die Verteidiger der Stadt, wird nie geklärt. Jedenfalls verlieren dabei mehr als 15.000 Menschen - nach anderen Quellen sogar bis zu 30.000 Menschen - ihr Leben.  

Die sogenannte „Magdeburger Hochzeit“ gilt als das größte und schlimmste Massaker während des Dreißigjährigen Krieges, über das man in ganz Europa entsetzt ist. Es heißt, die Taten und der Schrecken sind in ihrer Entsetzlichkeit „nicht in Worte zu fassen und nicht mit Tränen zu beweinen“. 

Juli 1659
Die bischöflichen Hochzeitspläne platzen

Freising * Für den heiratslustigen Freisinger Bischof Albrecht Sigismund ist Henrika Franziska, die Tochter der Fürstin Elisabeth von Zollern, vorgesehen. Diese lebt in der brabantischen Stadt Bergen-op-Zoom. Die Heiratspakte werden im Juli 1659 ausgetauscht. In der Folge wäre der Bischof aus dem geistlichen Stand ausgeschieden, hätte eine jährliche Beihilfe von 18.000 Gulden erhalten und wäre nach dem Tod seines Vaters in die Rechte eines Herzogs von Leuchtenberg eingetreten. 

Doch Kurfürst Ferdinand Maria erhält rechtzeitig vom Kurkölner Hof die Information, dass die Brautmutter ein sittenloses Leben geführt und neben Henrika Franziska noch ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hat. Damit steht ihre Tochter freilich nicht mehr für eine standesgemäße Ehe zur Verfügung. 

Für Bischof Albrecht Sigismund ist damit der Traum von der Ehe ausgeträumt. Missvergnügt nimmt er die ungeliebten bischöflichen Pflichten auf dem Freisinger Domberg wieder auf. Das bedeutet jedoch nicht, dass er nicht ein fürstliches Leben im gehobenen Standard leben kann. 

13. November 1670
Der Haidhauser Kleinwirt erhält das Weißbierschankrecht

Haidhausen * Der Kleinwirt von Haidhausen, Georg Pockmayer, erhält nach dem Schankrecht auch die Genehmigung „zum Setzen von Gästen“ und den Weißbierausschank.  

Er darf die Gäste nur bei Tag bedienen, sie jedoch nicht in der Nacht beherbergen. Außerdem ist ihm versagt Hochzeiten, Stuhlfeste und Goldene Tage abzuhalten. Eine Ausnahme von dieser Regelung gibt es allerdings dann, wenn Freunde oder Verwandte aus München diese Bitte äußern. 

7. März 1680
Maria Anna Christina Victorie heiratet Ludwig, Dauphin de Viennois

Châlons-sur-Marne * Die baierische Prinzessin Maria Anna Christina Victorie, Tochter des Kurfürstenpaares Ferdinand Maria und Henriette Adelaide, heiratet in Châlons-sur-Marne ihren Cousin 2. Grades, den französischen Thronfolger Ludwig, Dauphin de Viennois.

5. Oktober 1722
Kurprinz Carl Albrecht heiratet Maria Amalia von Österreich 

Wien - München * Der baierische Kurprinz Carl Albrecht heiratet in Wien Erzherzogin Maria Amalia, eine Tochter des verstorbenen Kaisers Joseph I. Im Anschluss folgen prunkvolle Hochzeitsfeiern in München.  

Zur Finanzierung nimmt Kurfürst Max Emanuel umfangreiche Kredite auf. Der pfalz-sulzbachische Oberfaktor Noe Samuel Isaak aus Mergentheim gewährt Vorschüsse von insgesamt nahezu einer Million Gulden. Sie dienen auch weiteren Hofausgaben und der Überbrückung finanzieller Engpässe. Die Rückzahlung wird vor allem bestimmten Salzämtern und der Landschaft, der Vertretung der Landstände, übertragen. Auch der aus Wien kommende Bankier Simon Wolf Wertheimer beteiligt sich an der Finanzierung der Hochzeit. 

9. August 1795
Eine festliche Veranstaltung im Englischen Garten

München-Englischer Garten * Aus Anlass der Vermählung des 70-jährigen pfalz-baierischen Kurfürsten Carl Theodor mit der 18-jährigen Erzherzogin Maria Leopoldine aus dem Hause Österreich-Este hält der kurfürstliche Hof im Englischen Garten eine festliche Veranstaltung ab. Ausgerichtet wird das Fest vom Reichsgrafen von Rumford.

Es gibt Lustfahrten auf dem See, einen „Tanz der neun Musen“ im Apollotempel, die „Vorstellung einer baierisch-ländlichen Nationalhochzeit“, Musik und Tanz und viele andere Vergnügungen. Zum Ausklang wird der ganze Park mit tausenden Lampions beleuchtet. Außerdem hält ein „Chinese im Nationalkostüm“ eine Huldigungsrede für das Kurfürstenpaar.

Die jugendliche „Landesmutter“ ist jedoch durch „eine Unpässlichkeit an der Teilnahme verhindert“.

10. August 1797
Franz Xaver Zacherl heiratet Maria Elisabeth Schmederer

München * Franz Xaver Zacherl heiratet Maria Elisabeth Schmederer. Durch diese „vorteilhafte Eheschließung” erhält er die Voraussetzung für eine Münchner Braugerechtsame - und mit der Aussteuer der Braut von 7.000 und seiner eigenen in Höhe von 3.000 Gulden steht der geplanten Übernahme der Hallerbrauerei in der Neuhauser Gasse - gleich gegenüber der Michaelskirche - noch im Jahr der Hochzeit nichts mehr im Wege. 

8. November 1805
Zusage für eine Hochzeit

Linz * Baierns Kurfürst Max IV. Joseph gibt - im Beisein des Kurprinzen Ludwig - Napoleon Bonaparte in Linz die mündliche Zusage für die Hochzeit zwischen der baierischen Prinzessin Auguste Amalie mit dem Stiefsohn Napoleons, Eugène Beauharnais. 

1. Januar 1806
Eine Hochzeit als Preis für die Rangerhöhung zum Königreich

München - Paris * Der Preis für das Bündnis zwischen Baiern und Frankreich sowie die Erhebung in die Königswürde ist die Verehelichung der baierischen Prinzessin Auguste Amalie mit dem Stiefsohn Napoleons, Eugène Beauharnais. Mit der Münchner Hochzeit will sich Napoleon den Eintritt in eines der ältesten europäischen Adelshäuser ermöglichen.

Die mündliche Zusage für die Eheschließung hat Kurfürst Max IV. Joseph - im Beisein des Kurprinzen Ludwig - Napoleon Bonaparte bereits am 8. November 1805 in Linz gegeben.

Er hat dies dann aber mehrfach vor seiner Ehefrau vertuscht und abgestritten, da man den baierischen Kurfürsten eindringlich darüber aufgeklärt hat, dass eine Weigerung zum Verlust Baierns zugunsten eines „Napoleoniden“ führen würde. Die Auffassung vertrat sowohl Freiherr Maximilian Joseph von Montgelas, als auch der Gesandte im Hauptquartier Napoleons, Karl Ernst Freiherr von Gravenreuth.

Die Situation scheint aussichtslos. Kurfürstin Karoline, mit ihrer antifranzösischen Haltung, Prinzessin Auguste Amalie und Kurprinz Ludwig hoffen noch immer, dass sich die Heirat abwenden lassen würde. Das auch schon deshalb, weil sich Auguste Amalie mit dem Erbprinz Karl von Baden verlobt glaubt. 

1. Januar 1806
München als Ort der Eheschließung

München-Graggenau * Der Brautvater, König Max I. Joseph, hat zwei Forderungen:

  • Erstens soll der Ort der Trauung zwischen der baierischen Prinzessin Auguste Amalie mit dem Stiefsohn Napoleons, Eugène Beauharnais, soll München und nicht Paris sein.
  • Zum Zweiten soll sein zukünftiger Schwiegersohn die Königskrone von Italien erhalten.

Mit der Verhandlung wird Minister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas beauftragt, der München als Ort der Eheschließung durchsetzen kann, allerdings an der Erhebung Eugénes zum König Italiens scheitert. Immerhin bleibt er aber Vizekönig. 

Um den 1. Januar 1806
Eugène Beauharnais wird von der geplanten Hochzeit informiert

München * Eugène Beauharnais wird selbst von Napoleon mit den knappen Worten „Ich bin in München angekommen, ich habe Ihre Heirat mit Prinzessin Auguste abgemacht; sie ist veröffentlicht worden“ über seine Rolle in diesem Spiel informiert. Damit er weiß, wie seine Künftige aussieht, ist dem Schreiben eine Tasse mit dem Porträt der Prinzessin beigefügt. In seiner Antwort führt Eugène aus, er werde alles tun, um das Vorbild glücklich zu machen. 

10. Januar 1806
Der Bräutigam Eugène Beauharnais kommt in München an

München * Drei Tage vor der Hochzeit, kommt der 23-jährige Bräutigam Eugène Beauharnais in München an. Seine 17-jährige Braut Auguste Amalie hatte „einen unkultivierten Protegé“ des französischen Kaisers erwartet. Doch nun erlebt sie zu ihrer Überraschung einen „liebenswürdigen Edelmann“. 

13. Januar 1806
Zivilhochzeit zwischen Eugéne de Beauharnais und Auguste Amalie

München-Graggenau * In der Grünen Galerie der Münchner Residenz findet die nach französischem Recht geforderte Ziviltrauung der Brautleute Eugène Beauharnais und Auguste Amalie, der ältesten Tochter des baierischen Königs, statt.

Karoline Murat, die Schwester Napoleons, bleibt, obwohl sie sich ja schon seit dem 20. Dezember in der Münchner Residenz aufhält, demonstrativ der Eheschließung fern. Sie gönnt der Familie Beauharnais die Verbindung mit dem Hause Wittelsbach nicht. 

3. April 1807
Bayern organisiert das Bürgermilitär neu 

München - Königreich Baiern * Das „Mandat über die Uniformierung und Organisation des bürgerlichen Militärs in den Städten, Flecken und Märkten des Königreichs“ schafft eine einheitliche Rechtsgrundlage für die bayerischen Bürgerwehren. Alle wehrfähigen Bürger unterliegen nun der Musterungspflicht; als untauglich Eingestufte müssen eine Ersatzabgabe entrichten. Die Offiziers- und Unteroffizierskorps dürfen ihre Reihen ergänzen und Beförderungen weitgehend selbst vornehmen. 

Das Bürgermilitär dient nicht dem Krieg gegen äußere Feinde, sondern schützt die öffentliche Ordnung. Es übernimmt den Wach- und Sicherheitsdienst, wenn reguläre Regimenter ihre Garnison verlassen, bewacht Orte ohne ständig stationierte Truppen und führt Patrouillen im Umland durch. Das örtliche Kommando liegt beim ranghöchsten beziehungsweise dienstältesten Bürgeroffizier. In Garnisonsstädten untersteht er dem militärischen Stadtkommandanten, andernorts dem Landrichter oder Polizeidirektor. 

Das Münchner Bürgermilitär gehört damit nicht zur regulären Garnison. Die traditionelle Trennung zwischen Armee und Bürgerwehr bleibt bis weit ins 19. Jahrhundert bestehen. Aus dem städtischen Wehrwesen entwickelt sich später die Königlich Bayerische Nationalgarde III. Klasse. Aus ihren Reihen kommt 1810 auch der Vorschlag für ein Pferderennen anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen Ludwig – den Ausgangspunkt des Münchner Oktoberfests. 

1809
Die freiwillige Bürgerwehr wird in die Nationalgarde eingegliedert

München * Durch eine Neuorganisation des Militärs wird die bisher freiwillige Bürgerwehr nach französischem Vorbild in die dreigliedrige Nationalgarde eingegliedert.

  • Die Nationalgarde I. Klasse bildet das Stehende Heer,
  • die II. Klasse wird zur Landesverteidigung innerhalb des Königreichs verpflichtet.
  • Die Nationalgarde III. Klasse ist die ehemalige Bürgerwehr. Sie untersteht jetzt den staatlichen Behörden für polizeiliche Aufgaben.

Seit dem Spätmittelalter hatte die Bürgerwehr in zunehmenden Maße repräsentative Funktionen bei festlichen Anlässen der Städte und des Fürstenhauses wahrgenommen. Die vornehmsten Aufgaben - Ehrengeleit und Ehrenwache für höchste Herrschaften blieb der Bürger-Kavallerie vorbehalten. Eine Kavallerie-Division gibt es - neben dem Invanterie-Regiment und der Artillerie-Kompanie - auch in München.

Sie wird unter ihrem Major Andreas von Dall‘Armi das Pferderennen aus Anlass der Hochzeit von Kronprinz Ludwig I. und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen austragen.

Eine „Schicki-Micki-Armee“.

4. Oktober 1810
Einladungen zum Pferderennen werden verschickt 

München * Die Organisatoren versenden Einladungen und Ausschreibungen für das am 17. Oktober geplante Pferderennen zu Ehren des königlichen Hochzeitspaares. Als Rennplatz ist das weite, unbebaute Gelände „vor dem Sendlinger Thore, seitwärts der Straße die nach Italien führt“ vorgesehen. Das Areal vor den Toren Münchens erhält erst später den Namen Theresienwiese.

10. Oktober 1810
Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen trifft in Freising ein

Landshut - Freising * Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen reist mit ihren Eltern und ihrer Schwester Louise von Landshut aus weiter nach Freising. Kronprinz Ludwig I. - und später sein Vater König Max I. Joseph - reisen den sechsstündigen Weg von München nach Freising inkognito zu einem kurzen Besuch und begrüßen die Teilnehmer des Hochzeitszugs. 

12. Oktober 1810
Festschießen zur königlichen Hochzeit

München * Anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen veranstaltet die Königlich privilegierte Hauptschützengesellschaft in ihrer Schießstätte ein mehrtägiges Festschießen. Der Wettbewerb gehört zu den zahlreichen öffentlichen Feierlichkeiten, mit denen München die Vermählung des Thronfolgerpaares begeht. Die Tradition des Schießsports wird später auch Bestandteil des Oktoberfests. 

13. Oktober 1810
Am Abend gibt es die bei Fürstenhochzeiten übliche Ausspeisung

München * An diesem Abend ist die bei Fürstenhochzeiten übliche Ausspeisung, die die Bevölkerung in großen Scharen herbeilockt. Es gibt dabei natürlich deutliche Unterschiede.

Denn während „die angesehenen Bürger, d.h. welche zur Nationalgarde gehörten, […] mit ihren Familien in vier großen Gasthäusern, bei 6.000 an der Zahl, auf königliche Kosten zum Tanz und Abendessen versammelt“ sind, hat man für „die herbeygeströmten Volkshaufen“ am Schrannenplatz, dem heutigen Marienplatz, am Promenadeplatz, in der Neuhauser Gasse und am Anger „Tische und Bänke hergerichtet, wo man ihnen zu essen und trinken bot“. Aktenbelegen zufolge werden an diesem Abend

  • 32.065 Laibln Semmelbrod, 3.992 Pfund Schweizerkäse über 80 Zentner gebratenes Schaffleisch, 8.120 Cervelat-Würste und 13.300 Paar geselchte Würste ausgegeben.
  • Brauknechte verzapften rund 232 Hektoliter Bier. Aus sieben Fässern werden knapp vier Hektoliter österreichischer Weißwein ausgeschenkt.
  • 150 Musikanten sorgen für Stimmung und
  • in zwei Volkstheatern wurden Vorstellungen zu freiem Eintritt gegeben.
  • Sogar die Münchner Gefängnisinsassen erhalten eine - von der Israelitischen Gemeinde finanzierte - Ausspeisung. 
13. Oktober 1810
Das einfache Volk und die bessere Gesellschaft feiern

München * Nicht das einfache Volk benimmt sich während der Hochzeitsparty in der Innenstadt schlecht, sondern die bessere Gesellschaft. Das belegt ein Geheimprotokoll des damaligen Vizedirektors der Münchner Polizei, Markus von Stetten. Im einfachen Volk kommt es weder zu Ausschreitungen noch zu Raufereien oder grobem Unfug.

Er notiert lediglich: „[…] dem Bacchus und der Liebe wurde in der letzten Nacht treulich geopfert […]“ und berichtet weiter von Bierleichen, die im Polizeigebäude gestapelt werden und auch am Abend des nächsten Tages ihren Rausch noch nicht ausgeschlafen haben. Von Stetten: „Doch dies gehört zu dem Ganzen und ist ein wesentlicher Teil eines Volksfestes.“ Er stoppt den Ausschank von Bier und Wein, als er merkt, dass die Menge auf den Festplätzen der Stadt nur noch lallt und wankt.

Dann widmete sich der Polizeivize der Münchner Gesellschaft, die in der Hofoper feiert. Dort kommt es zu Schlachten am kalten Buffet, Herren in staatlichen Spitzenpositionen sitzen mit hochrotem Kopf inmitten von geleerten Flaschen. Ein Offizier schlägt eine Garderobenfrau nieder, ein Geheimer Rat gibt eine Portion Eis zurück, als er hört, dass er sie selbst bezahlen muss. Nach dem Fest wird ein Haufen Silber vermisst.

Mehrere Besucher schickt man volltrunken aus der Oper, eine Dame bleibt bewusstlos auf der Straße liegen. „Ein Fall, der sich unter Frauen bei einem Volksfeste nicht ereignete.“ 

13. Oktober 1810
Zahnweh in der Hochzeitsnacht

München * Die Kronprinzessin ist durch die Aufregungen der letzten Tage erschöpft und will den Ball frühestmöglich verlassen. Das liegt aber nicht nur an den anstrengenden Festivitäten, sondern vor allem an ihren seit Tagen anhaltenden Zahnschmerzen, die ihr schon die Hochzeitsnacht verleidet hatten.

Therese verlässt den Hofball sehr zeitig. Ludwig begleitet seine Frau in die Residenz, kehrt aber alleine noch einmal zu den Tanzenden zurück. Seinem Tagebuch vertraut der Bayernprinz am Morgen danach seine entlarvenden und berechnenden Gedanken an, indem er schreibt: „Mir machte es wenig Vergnügen, aber ich tat es, um meine Freiheit zu zeigen und damit meine Frau nicht glaube, ich müsse, weil sie es getan, wegbleiben. […] So tue ich schon jetzt so viel möglich, bei Nacht schlafe ich in meinem Zimmer, nur zu Besuch zu meiner Frau kommend. […]  Man muß sich gleich anfangs auf den Thron setzen, wie man ihn für die Folge will. So schicke ich mich in den Ehestand, fühle mich nicht unglücklich“.

Und seiner Lieblingsschwester Charlotte bekennt Ludwig: „Ausgezeichnet ist Therese durch ihr Herz, durch Vernunft, Schönheit, keine bessere Frau würde ich mir wünschen, aber leidenschaftslos verehelichte ich mich, es mag vorteilhafter sein für die Zukunft.“

Vertraute Kreise sehen die Zukunft der Ehe weniger rosig und trauen ihr - ganz im Gegenteil - nur sehr wenig Bestand zu. 

17. Oktober 1810
Ein Pferderennen begründet das Oktoberfest

München-Ludwigsvorstadt * An einem milden Herbstmittwoch bildet ein öffentliches Pferderennen den Abschluss und Höhepunkt der Feierlichkeiten zur Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese. Während Opernaufführungen und Hofbälle vor allem geladenen Gästen vorbehalten bleiben, kann die gesamte Bevölkerung das Rennen auf den unbebauten Wiesen vor dem Sendlinger Berg verfolgen. 

Organisiert wird die als Huldigung an das Brautpaar gedachte Veranstaltung von der Kavallerie der Nationalgarde III. Klasse unter ihrem Major, dem Bankier Andreas Michael Edler von Dall’Armi. Das Rennen greift die ältere Münchner Tradition der sogenannten Scharlachrennen auf. Der Lohnkutscher und Unteroffizier Franz Baumgartner, dem die ursprüngliche Idee zugeschrieben wird, gewinnt den ersten Preis. 

Das erfolgreiche Pferderennen wird im folgenden Jahr wiederholt und entwickelt sich zum jährlich stattfindenden Oktoberfest. Die Bezeichnung „erstes Oktoberfest“ entsteht somit rückblickend. Zum Zeitpunkt der Veranstaltung trägt auch das Festgelände noch nicht den heutigen Namen Theresienwiese. 

17. Oktober 1810
Nationalgardisten beten für die königliche Familie

München-Kreuzviertel * Andreas Michael von Dall’Armi legt den Ablauf des Festtages in einer „Disposition des Festes“ bis ins Einzelne fest. Um 9 Uhr beginnt im Bürgersaal eine Messe. Dort sollen die Angehörigen der Nationalgarde für ein langes Leben des Königs, der Königin und der gesamten königlichen Familie beten. Erst anschließend ziehen sie zum Pferderennen auf die Wiesen vor dem Sendlinger Berg.

17. Oktober 1810
Fahnen zeigen die Verbundenheit mit dem Königshaus

München-Ludwigsvorstadt * Beim feierlichen Aufmarsch zum Pferderennen führt die Nationalgarde III. Klasse ihre Fahnen mit. König Max I. Joseph hat sie den Gardisten am 12. Oktober 1808 überreicht. Die Fahnen stehen für die Treue der bürgerlichen Wehrverbände zum Königshaus und verleihen dem Festzug einen repräsentativen und militärischen Charakter. Zugleich unterstreichen sie den Anspruch, das Hochzeitsfest als gemeinsames Fest des Herrscherhauses und der bayerischen Bevölkerung zu inszenieren. 

17. Oktober 1810
Kinder huldigen dem königlichen Brautpaar

München-Ludwigsvorstadt * Nachdem die königliche Familie im Pavillon Platz genommen hat, tritt eine Gruppe von „Kindern im Nationalkostüme“ vor das Brautpaar. Die Töchter und Söhne von Angehörigen der königlich-bayerischen Kavalleriedivision tragen unterschiedliche Landestrachten und überbringen Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese stellvertretend für die Bevölkerung ihre Glückwünsche. 

Die aufwendig inszenierte Huldigung stellt die verschiedenen Landesteile des noch jungen Königreichs als geeinte bayerische Nation dar. Das Pferderennen dient damit nicht nur der Unterhaltung, sondern zugleich der Repräsentation des Königshauses und der Förderung eines gemeinsamen bayerischen Staatsbewusstseins. 

17. Oktober 1810
Rund 40.000 Menschen ziehen zum Pferderennen

München-Ludwigsvorstadt * Nach der Messe im Bürgersaal versammeln sich die Kavallerieabteilungen der Nationalgarde am Hofgarten. In zwei zeitlich versetzten Zügen durchqueren die Gardisten München von Norden nach Süden und ziehen über die Landstraße nach Sendling zur Festwiese am Fuß des Sendlinger Berges. 

Dort steht der königliche Pavillon, an dem Nationalgardisten die Ehrenwache übernehmen. Als Überdachung dient ein rund 67 Meter langes, ursprünglich hellgrünes Audienzzelt des osmanischen Großwesirs. Kurfürst Max Emanuel soll es 1683 nach der Befreiung Wiens als Kriegsbeute nach Bayern gebracht haben. Der zweite, von einer Militärkapelle mit Musik im damals beliebten „türkischen“ Stil angeführte Zug begleitet die Rennpferde und Preisfahnen zum Festplatz. 

Auf dem Sendlinger Berg stehen Zelte und Sitzbänke für die Besucher bereit. Nach den Angaben des Organisators Andreas von Dall’Armi verfolgen rund 40.000 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten das Spektakel – nahezu so viele, wie München damals Einwohner hat. Die natürliche Anhöhe des Sendlinger Berges, die spätere Schwanthalerhöhe, dient ihnen als Tribüne. 

17. Oktober 1810
Ein siebenbürgischer Apfelschimmel gewinnt das Pferderennen

München-Ludwigsvorstadt * Nach einem kleinen Frühstück der königlichen Familie beginnt das Pferderennen. Dreißig Pferde treten zu einem Lauf über drei Runden an, der insgesamt etwa zehn Kilometer umfasst. Die Rennbuben reiten ohne Sattel; sie sind meist jünger als 20 Jahre, der jüngste Teilnehmer ist erst zehn Jahre alt. Da ihnen damals nur geringe Bedeutung beigemessen wird, erscheinen ihre Namen teilweise nicht einmal in den Rennlisten. 

Als Rennrichter wirken Johann Schwangart, der Bierbrauer Cajetan Trappentreu und der Bäcker Anton Seidl. Nach 18 Minuten und 14 Sekunden erreicht ein siebenbürgischer Apfelschimmel als erstes Pferd das Ziel. Er gehört dem Münchner Lohnkutscher Franz Baumgartner, dem die Idee zu dem Rennen zugeschrieben wird, und wird der Überlieferung nach von einem zwölfjährigen Rennbuben geritten. Baumgartner gilt deshalb offiziell als Sieger und erhält 20 der insgesamt 98 Gulden Preisgeld. Mit der Preisverleihung endet das Fest. 

November 1810
Das Oktoberfest soll jährlich stattfinden 

München-Ludwigsvorstadt * Die Organisatoren des Pferderennens und das Generalkomitee des Landwirtschaftlichen Vereins in Bayern vereinbaren, die Volksfeier künftig grundsätzlich jedes Jahr während der Maximilianswoche um den 12. Oktober auszurichten. Das Pferderennen soll mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung und der Prämierung herausragender Zuchttiere verbunden werden. Damit entwickelt sich die einmalige Hochzeitsfeier zu einem regelmäßig wiederkehrenden Volks- und Landwirtschaftsfest. 

Bis 1818 trägt der Landwirtschaftliche Verein die Verantwortung für das Gesamtfest aus Pferderennen und landwirtschaftlicher Leistungsschau. Wegen der Napoleonischen Kriege kann die Veranstaltung allerdings 1813 und 1814 nicht stattfinden. Ab 1819 übernimmt die Stadt München die Organisation des Oktoberfests.

1. Oktober 1820
Eine Ballonfahrt zum zehnjährigen Bestehen des Oktoberfestes

München-Theresienwiese * Zum zehnjährigen Hochzeitsjubiläum von Kronprinz Ludwig I. und Prinzessin Therese und damit zehnjährigen Bestehen des Oktoberfestes lässt man sich eine besondere Attraktion einfallen: eine Ballonfahrt. Die in einem altbaierischen Dirndl gekleidete und aus Dresden stammende Wilhelmine Reichard steigt mit ihrem aus gezwirnter Leinwand bestehenden Ballon in den Himmel. In der Nähe von Zornedig landet sie wohlbehalten.

Oktober 1835
Familienfest der Wittelsbacher und ihres Volkes

München-Theresienwiese * König Ludwig I. verbietet zwar alle öffentlichen Feiern aus Anlass seiner Silberhochzeit. Gleichzeitig „geruht“ er aber, „die Verherrlichung und Verjüngung der 25-jährigen Jubelfeier des Oktoberfestes zu gestatten“. Dabei lassen sich die beiden Anlässe nicht trennen, da sie in einem direkten Zusammenhang stehen. Dieses Oktoberfest wird deshalb auch als „Familienfest der erhabenen Wittelsbacher und ihres Volkes“ bezeichnet.  

Der Festumzug umfasst 86 aufwändig geschmückte Wägen, die

  • die Kreise Bayerns präsentieren,
  • Epochen der bayerischen Geschichte,
  • verschiedene Lebenswelten der Regionen,
  • unterschiedliche Bevölkerungsschichten, Berufsgruppen und Erwerbszweige oder lokale Legenden darstellen.
  • Die in Tracht gekleideten Festzugs-Teilnehmer verkörpern die bayerische Gesamtnation. 
5. Oktober 1842
Prinzessin Marie Friederike von Preußen wird per procuram getraut

Berlin * Prinzessin Marie Friederike von Preußen wird in Abwesenheit ihres Bräutigams [per procuram] nach den Vorschriften der evangelischen Kirche getraut. Prinz Wilhelm, der spätere König Wilhelm I. von Preußen und Deutscher Kaiser vertritt den Bräutigam Kronprinz Max II. von Bayern. 

12. Oktober 1842
In der Allerheiligen-Hofkirche heiraten Max II. und Marie Friederike

München-Graggenau * In der Allerheiligen-Hofkirche findet die Hochzeit des Kronprinzen Max II. und Prinzessin Marie Friederike nach katholischem Ritus statt. Die Trauung ist auf den Hochzeitstag König Ludwigs I. gelegt worden. Der Tag war zugleich der Namenstag von König Max I. Joseph.

16. Oktober 1842
Ein Festzug mit Brautpaaren bewegt sich auf die Theresienwiese

München - München-Theresienwiese * An diesem Sonntag versammeln sich 35 Brautpaare, die aus den acht Regierungsbezirken des Königreichs Bayern stammen, samt ihren Eltern oder deren Stellvertreter, mit den Trauzeugen und der sonst an jedem Ort üblichen Begleitung eines Brautzuges. Sie werden in der katholischen Michaelskirche beziehungsweise der evangelischen Matthäus-Kirche verehelicht. 

Nach einem gemeinsamen Mittagsmahl im Saal des Alten Rathauses bewegt sich der etwa 400 Personen umfassende und in den unterschiedlichen Trachten gekleidete „Hochzeiter“-Zug zur Theresienwiese, in die die 24 katholischen und elf protestantischen Brautpaaren in bayerischer Tracht einbezogen werden. 

Das Kronprinzenpaar eröffnet das Oktoberfest. Danach wohnen die Brautpaare gemeinsam mit der Herrscherfamilie dem Hauptpferderennen und der Preisverleihung des Landwirtschaftsfestes bei. 

2. Mai 1844
Unruhen vor dem Nationaltheater

München-Graggenau * Am Abend des 2. Mai 1844 besucht König Ludwig I. gemeinsam mit der Hochzeitsgesellschaft das Theater. Nach dem ersten Akt versammelt sich eine Menschenmenge vor dem Gebäude und droht, es zu stürmen. Daraufhin verlassen zahlreiche Zuschauer ihre Plätze, um das Geschehen zu beobachten. Schließlich folgen auch der König und seine hochrangigen Gäste. 

Die französische Presse berichtet, Ludwig I. habe dem vor dem Theater stationierten Militär befohlen, auf die Menschenmenge zu schießen. Die Soldaten sollen diesen Befehl verweigert haben. In der deutschen Presse findet sich keine entsprechende Meldung, was sich möglicherweise mit der damals herrschenden Zensur erklären lässt. 

Ob sich der Vorfall tatsächlich so ereignet, bleibt ungewiss. Ausländische Zeitungen sind über die Ereignisse in München nicht immer zuverlässig informiert, und weitere Belege für den angeblichen Schießbefehl fehlen. Fest steht jedoch, dass die Unruhen König Ludwig I. in eine äußerst bedrängte politische Lage bringen. 

3. Mai 1844
Zwischen Königsjubel und Bierrevolte 

München-Graggenau * Am Vormittag des 3. Mai 1844 macht sich die Menge erneut daran, den Bockkeller zu verwüsten. Mitten in den Unruhen ereignet sich ein bemerkenswerter Stimmungswechsel, der auswärtige Beobachter in Erstaunen versetzt. Der preußische Gesandte von Küster berichtet einige Tage später: 

„Was nun aber am 3. Mai sich tat, gehört zu den großen Denkwürdigkeiten der Landeshauptstadt! Vorher noch hatte es die schlimmsten Ausschreitungen gegeben, dann rief der königliche Hochzeitszug stürmische Begeisterung hervor, und am Abend desselben Tages wurde weiterrandaliert. Zwischen loderndem Kampfe gab es ebensolche Begeisterung für das Königshaus!“ 

Auch der Münchner Stadtchronist beschreibt diesen Gegensatz. Die Straßen entlang der Strecke des Hochzeitszuges sind festlich geschmückt. Immer wieder ertönen Hochrufe auf das Königshaus. Angesichts dieser Begeisterung erscheint es kaum vorstellbar, dass dieselbe Stadt nur wenige Stunden zuvor Schauplatz schwerer Ausschreitungen ist: „Der festliche Umzug ging somit ohne alle Störung vorbei, ja, er erinnerte vielmehr an die schönste Zeit wahrer Volksbegeisterung für das erlauchte Haus Wittelsbach.“ 

Noch am selben Nachmittag flammen die Unruhen wieder auf. Im Bockkeller zertrümmern die Aufständischen Krüge, Gläser, Bänke und Tische oder werfen sie in den nahen Kanal. In der Nacht werden auch die Hofpfisterei und das Königliche Hofbräuhaus mit Steinen beworfen. Fenster gehen zu Bruch, und weitere Schäden entstehen. 

Trotz der starken Präsenz von Militär und Polizei und obwohl München Sitz des Königshofes ist, dauern die Ausschreitungen mehrere Tage an. Verschont bleiben lediglich das Eberlbräu und das Menterbräu, die den Bierpreis nicht erhöht haben. 

11. Juli 1896
Im Panoptikum werden erstmals lebende Bilder gezeigt

München-Hackenviertel * In der bayerischen Haupt- und Residenzstadt werden erstmals „lebende Bilder“ gezeigt. Die Aufführung findet - „unter lebhafter Anteilnahme des Münchner Publikums“ - in Carl Gabriels und Emil Eduard Hammers Panoptikum statt. Der Vorführapparat wird mit Theaterkulissen umspannt und dann „drauflos gekurbelt“. Die Vorführungen richtet Carl Gabriel nach französischem Vorbild ein.

Das ganze Programm ist circa 100 Meter lang und läuft innerhalb von einer Viertelstunde ab. Drei bis fünf kleine Filme werden gezeigt:

  • Ein heranbrausener Eisenbahnzug,
  • Eine Schlangendomteuse,
  • Ein Kettensprenger und
  • Das Aufziehen der Hauptwache.

Schon einer der ersten Filme verursacht einen Skandal. Er heißt „Endlich allein“ und zeigt ein Brautpaar am Hochzeitstag. Die Schlussszene wird umgehend zensiert.

1899
Schon einer der ersten Filme verursacht einen Skandal

München-Hackenviertel * Schon einer der ersten im Internationalen Handels-Panoptikum gezeigten Filme verursacht einen Skandal. Er heißt „Endlich allein“ und zeigt ein Brautpaar am Hochzeitstag. Die Schlussszene wird umgehend zensiert. Auch in den folgenden Jahren sorgen Filme wie „Im Bad einer Pariserin“ oder „Im Chambre séparée“ für Aufregung.

Die Neue Bayerische Zeitung schreibt über das neue Medium Kino: „Es scheinen für dieses Etablissement überhaupt nur Nacktheiten als sehenswert und interessant zu existiren. Wir enthalten uns jeglicher weiterer Ausführungen und stellen nur die ergebene Anfrage: Wo bleibt die Münchner Sittenpolizei? Schläft sie oder existirt sie nicht mehr?“ 

Freilich werden neben solchen Filmen auch regelmäßig Aufnahmen von den verschiedenen und aktuellen Kriegsschauplätzen gezeigt.

20. Februar 1918
Das Ex-Königspaar feiert Goldene Hochzeit

München * Mit dem Goldenen Hochzeitsjubiläum von Ex-König Ludwig III. und Ex-Königin Marie Therese wird das letzte große Fest der bayerischen Monarchie gefeiert. Die äußeren Feierlichkeiten beschränken sich auf das Kirchliche. 

„Das Königspaar steht in seinem ernsten Fühlen dem Gedanken ferne, mit rauschendem Gepränge, wie es dem Ansehen des monarchischen Gedankens im tiefen Frieden und der Freude des Volkes entsprechen würde, in die durch den Krieg tausendfach verursachte Trauer einzufallen. Auch das Kriegsleid will das bayerische Herrscherhaus ganz und gar mit dem Bayernvolke teilen.“ 

11. August 1919
In der Weimarer Republik wird das Eheverbot für Lehrerinnen aufgehoben

Weimar * Erst in der demokratischen Weimarer Republik darf die Lehrerin vom Hochzeitsmahl wieder an die Schultafel zurückkehren. Das Zölibat für Beamtinnen wird durch die Weimarer Verfassung aufgehoben. 

20. Januar 1929
Wiederentdeckte Valentin-Stummfilme

München-Hackenviertel * Der Filmsammler und Publizist Walter Jerven führt die wiederentdeckten Stummfilme „Valentins Hochzeit“ aus dem Jahr 1914 und „Karl Valentin und Liesl Karlstadt auf der Oktoberfestwiese“ im Ufa-Theater am Sendlinger Tor vor. Unter dem Titel „Aus der Kinderstube des Films“ werden die Streifen in einer Matineeveranstaltung der Bayerischen Landesfilmbühne gezeigt. 

30. Juli 1938
Die dritte Nacht der Amazonen findet statt

Schloss Nymphenburg * Die dritte Nacht der Amazonen findet statt. Wieder kommen 12.000 Zuschauer. Pünktlich um 21 Uhr beginnt der Remmidemmi im Nymphenburger Schlosspark, dessen Motto lautet: „Hochzeit des Kurprinzen Max“. Sechzehn Amazonen zu Pferd treten auf. Ihre Brüste wippen beim Galoppieren derart, dass man Schlimmstes befürchtet und sich daher mit dem gemütlicheren Trab begnügt.

2. Oktober 1943
Tragödie in der Kühbachstraße

München-Untergiesing * Die Bevölkerung des dicht besiedelten Untergiesing ist durch die Nähe zum Gauleiterbunker im bombensicheren Kellermassiv im Nockherberg und der Isar, an der sich die alliierten Bomber orientieren, stark bedroht. 

In der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 1943 ereignet sich in der Kühbachstraße eine Tragödie. Im Keller des Anwesens Nr. 18 und 20 ertrinken 47 Menschen in dem durch geplatzte Hydranten hereinstürzenden Wasser. Es handelt sich dabei um eine Hochzeitsgesellschaft, die in dem Gasthaus feiert. 

Da die Geladenen während des Bombenalarms nicht extra in den Bunker an der Sachsenstraße laufen wollten, gehen sie in den Keller, den sie nicht mehr lebend verlassen können. Ihre zum Teil weit entfernten Heimatwohnorte weisen die Toten als Münchenbesucher aus.

1976
Museum-Lichtspiele: Kino 2 für erotische Filme

München-Au * Hartmut Hinrichs baut den Vorführraum der Museum-Lichtspiele zu einem zweiten Kino mit 35 Plätzen um. Seither laufen im Kino 1 auch weiterhin Musik- und Tanzfilme. 

Das neue Kino 2 wird an Beate Uhse untervermietet, die es - in der Hochzeit der deutschen Erotikfilme - als „Intimes Theater mit anspruchsvollen Filmen für Erwachsene“ nutzt.

September 2008
Erich, Dieter und Werner Hochzeiter übernehmen kleine Wiesnzelte

München-Theresienwiese * Nach dem Tod von Erich Hochreiter sen. ist jeder der drei Söhne (Erich, Dieter und Werner) für eine der drei kleinen Festzelte zuständig.

  • Erich für die „Weißbier-‘Carousel‘-Bar“,
  • Dieter für die „Haxenbraterei“ und
  • Werner für die „Bratwurst“.
9. Juli 2026
Der Saubandenabend vor der großen Wiedereröffnung

München-Graggenau * Am Abend vor der Wiedereröffnung des Valentin-Karlstadt-Musäums im Isartor findet der von der SAUBANDE organisierte „Saubandenabend“ statt.

Es treten auf: Luise Kinseher, Teresa Reichl und Christian Springer, Bele Turba, und Johann Anzenberger mit bestem Valentin-Karlstadt-Theater, dazu Günter Grünwald mit der Band Rad Gumbo sowie die Hochzeitskapelle.