Menü
Home Veranstaltungen Fakten Suchbegriffe Personen Jahrestage Karte Zeitensprünge Podcast

Fakten

Fakten Karte Suchbegriffe Personen Jahrestage
2000
-3000 Chronik 2026
Gefundene Einträge: 31
Suchergebnisse als PDF
1. September 1926
Premiere des Valentin-Karlstadt-Bühnenstücks „Im Senderaum“

München-Ludwigsvorstadt * Premiere des Valentin-Karlstadt-Bühnenstücks „Rundfunkszene“, später „Der Antennendraht/Im Senderaum“ im Deutschen Theater in der Schwanthalerstraße 13. Das Stück wird insgesamt 498 Mal aufgeführt.

21. Dezember 1926
Einstweilige Verfügung gegen das Valentin-Bühnenstück „Im Senderaum“

München * Theaterdirektor Hermann Haller, der im Berliner Admiralspalast seine bekannte „Haller Revue“ aufführt, erwirkt am Landgericht München I eine einstweilige Verfügung gegen das Valentin-Karlstadt-Bühnenstück „Im Senderaum“. 

Es geht dabei um Plagiatsvorwürfe gegen Karl Valentin, wobei nicht der Münchner Komiker, sondern der Leiter des Deutschen Theatern, Hans Gruß, der das Valentin-Bühnenstück „Im Senderaum“ aufgeführt hat, im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen steht. 

Hermann Haller behauptet in seiner Anklageschrift, dass Karl Valentin sein später entstandenes Bühnenstück „Im Rundfunksenderaum“ aus dem Sketch „Hinter den Kulissen des Rundfunks“ von Roland Jeans aus Hermann Hellers Revue „An und Aus“ geklaut hätte. Der Kläger verlangt die 

  • Unterlassung der weiteren Karl-Valentin-Aufführungen, 
  • Rechnungslegung über die aus den bisherigen Aufführungen erzielten Einnahmen 
  • und natürlich Schadensersatz.
18. April 1928
Das Reichsgericht in Leipzig beendet den Plagiats-Rechtsstreit

Leipzig * Das Reichsgericht in Leipzig beendet einen Rechtsstreit in letzter Instanz, in dem es um Plagiatsvorwürfe gegen Karl Valentin geht. Der Prozess dauert bereits eineinhalb Jahre und ist vom Berliner Theaterdirektor vom „Admiralspalast“, Hermann Haller, mit außergewöhnlicher Heftigkeit durch drei Instanzen durchgepeitscht worden. Vom Landgericht München I über das Oberlandesgericht München bis hinauf zum Reichsgericht in Leipzig.

Hermann Haller hat den Direktor des Deutschen Theaters in München, Hans Gruß, verklagt, weil er das Valentin-Bühnenstück „Im Senderaum“ aufführte und verlangt dafür Schadensersatz. Der Kläger behauptet, dass Karl Valentin sein Bühnenstück „Im Senderaum“ aus dem Sketch „Hinter den Kulissen des Rundfunks“ von Roland Jeans aus Hermann Hellers Revue „An und Aus“ geklaut hätte.

Das höchste deutsche Gericht kommt jedoch zur Auffassung, dass sich Valentins Werk grundlegend vom Sketch von Roland Jeans unterscheidet und es sich dabei um zwei völlig eigenständige Arbeiten handelt. Der Plagiatsvorwurf gegenüber Karl Valentin und alle sonstigen Beschuldigungen werden vom Gericht als völlig haltlos zurückgewiesen.

In der Urteilsbegründung heißt es: Der Vergleich der beiden Stücke „beweise auf das bündigste, dass Karl Valentin nicht das vorbestehende Bühnenstück von Roland Jeans nachgeschrieben, sondern etwas völlig anderes eigenschöpferisch neu geschaffen habe“.

Damit stellt das Reichsgericht auch fest, dass Valentin gar nicht in der Lage ist, „etwas Vorgegebenes nachzumachen, gar nachzuschreiben oder auch nur nachzuspielen“. 

13. März 1933
Goebbels übernimmt das Propagandaministerium 

Berlin * Joseph Goebbels übernimmt die Leitung des neu geschaffenen Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Das Ministerium erhält weitreichenden Einfluss auf Presse, Rundfunk, Film, Theater und Kultur. Gemeinsam mit der NSDAP und gleichgeschalteten Berufsverbänden setzt es Filmschaffende und Kinobetreiber zunehmend unter Druck und schränkt ihre künstlerische und unternehmerische Freiheit ein.

22. Juli 1933
Reichskanzler Hitler unterstützt die Deutschen Christen

Berlin * Noch am Vorabend der Kirchenwahlen macht Hitler in einer Rundfunkrede klar, was die evangelischen Christen zu wählen haben:

„Die Kräfte einer lebendigen Bewegung. Diese Kräfte sehe ich in jenem Teil des evangelischen Kirchenvolkes in erster Linie versammelt, die als Deutsche Christen bewusst auf den Boden des NS-Staates getreten sind“.

27. Februar 1938
Eine „Münchnerische Fledermaus“ im Rundfunk 

München * Am Faschingssonntag wird im Rundfunk die „Münchnerische Fledermaus“ ausgestrahlt – eine bairisch eingefärbte Bearbeitung der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss. Die Handlung wird von Wien nach München verlegt; an die Stelle des Prinzen Orlofsky und seines Festes tritt das Ehepaar Rembremerdeng. 

Liesl Karlstadt singt und spricht die Gräfin Walpurga von Rembremerdeng, Weiß Ferdl übernimmt die Rolle des Gefängnisdieners Frosch. Bei mehreren Figuren werden Gesangs- und Sprechpartien unterschiedlich besetzt: Adele Kern singt die Adele, während Bertl Fey, die Tochter Karl Valentins, ihr die Sprechstimme leiht. Diese spreche als vermeintlich „feune“ Dame besonders „gebüldet“, bemerkt eine zeitgenössische Zeitungskritik augenzwinkernd. 

1. Juni 1939
17 Monate Leiden für Liesl Karlstadt

Augsburg - München-Hackenviertel • Eine 17-monatige Leidenszeit liegt vor Liesl Karlstadt. Vom 1. Juni bis 18. September ist sie im Städtischen Krankenhaus in Augsburg. Daraufhin zieht sie sich endgültig von der Zusammenarbeit mit Karl Valentin zurück.  

Mit seiner neuen Auftrittsstätte, der „Ritterspelunke“ am Färbergraben, hat sie nichts mehr zu tun. Valentin tritt hier mit seiner neuen Partnerin Annemarie Fischer auf. Einzig Aufnahmen von Sketchen für den Rundfunk machen sie noch gemeinsam.

26. Januar 1942
Walter Klingenbeck wird verhaftet

München-Maxvorstadt * Walter Klingenbeck wird verhaftet. 

  • Er ist Mitglied einer kleinen oppositionellen katholischen Jugendgruppe, die Rundfunksender bastelt und damit oppositionelle Nachrichten verbreitet.
  • Außerdem verteilten sie Flugblätter und brachten Parolen an Gebäuden an.
Suchbegriffe: Widerstand
1. Oktober 1948
Das Bayerische Rundfunkgesetz tritt in Kraft

Freistaat Bayern * Das Bayerische Rundfunkgesetz tritt in Kraft. Zwei Ziele standen bei den amerikanischen Überlegungen zur Rundfunkpolitik nach amerikanischem Vorbild im Vordergrund:  

  • Vermeidung von staatlicher Einflussnahme
  • Dezentralisierung.

Als Vermächtnis dieser Politik vereint die ARD heute neun Rundfunkanstalten unter ihrem Dach. 

25. Januar 1949
Die Gründung des Bayerischen Rundfunks

München * Die Gründung des Bayerischen Rundfunks - BR erfolgt durch die Übergabe einer Lizenzurkunde durch den Direktor der US-Militärregierung, Murray Van Wagoner, an den bayerischen Schriftsteller Johannes Lippl und an Rudolf von Scholtz, dem Nachkriegsbürgermeister von Passau und zugleich ersten Intendanten des Bayerischen Rundfunks.

Mit diesem offiziellem Akt wird das Ende von Radio München als einem Sender der US-Besatzungsmacht formaljuristisch besiegelt. Der Bayerische Rundfunk besitzt damit eine eigenständige Sendelizenz und kann dadurch relativ frei über Sendungsinhalte und Personalpolitik bestimmen. 

3. Januar 1952
Liesl Karlstadt als „Mutter Brandl“ in einer BR-Sendereihe

München * Der Bayerische Rundfunk startet die neue Sendereihe „Der Haushaltslehrling“. Liesl Karlstadt unterrichtete als Frau Brandl jeden Donnerstag um 8:30 Uhr die junge Gisela in Haushaltsfragen. 

Die Sendung wurde ein riesiger Publikumserfolg. Daher beschloss man aus dem „Haushaltslehrling“ eine Familienserie zu machen.

 

15. März 1954
Ein Grundstück sichert den ersten Werbeplatz 

Wendelstein * Der Bayerische Rundfunk plant auf dem 1.838 Meter hohen Wendelstein eine neue Sendeanlage. Das dafür benötigte Grundstück gehört der Persil GmbH, einem Unternehmen des Henkel-Konzerns. Am 15. März 1954 schließen beide Seiten einen Mietvertrag. Als Gegenleistung sichert der BR Henkel das Recht zu, die erste Fernsehwerbung auszustrahlen, falls der Sender künftig Werbung in sein Programm aufnimmt. 

1955
Streit um das geplante Werbefernsehen 

München * Beim Bayerischen Rundfunk entstehen erste konkrete Überlegungen zu einem zukünftigen Werbefernsehen. Als die Pläne öffentlich bekannt werden, fällt das Echo sehr unterschiedlich aus. Während die Wirtschaft auf eine schnelle Einführung drängt, fürchten die Zeitungsverleger um ihre Werbeeinnahmen und protestieren. Auch die ARD reagiert zurückhaltend und setzt zunächst eine Kommission ein.

4. Mai 1956
Der Rundfunkrat stimmt dem Werbefernsehen zu 

München * Auch im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks bestehen Bedenken, ob kommerzielle Werbung mit dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vereinbar ist. Nach längerer Diskussion stimmt das Gremium der Einführung des Werbefernsehens zu. Die Zustimmung ist mit der Erwartung verbunden, mögliche Überschüsse für kulturelle und gemeinnützige Zwecke einzusetzen. 

Juni 1956
Die Bayerische Werbefernsehen GmbH entsteht 

München * Der Bayerische Rundfunk bereitet die Einführung der Fernsehwerbung vor und gründet im Juni 1956 die Bayerische Werbefernsehen GmbH. Die neue Tochtergesellschaft übernimmt die Organisation und Vermarktung der Werbesendungen. 

Die Einführung der Fernsehwerbung löst heftige Diskussionen aus. Zeitungsverleger, Politiker und Teile der Öffentlichkeit werfen dem Bayerischen Rundfunk vor, sich zum „Handlanger der Industrie“ zu machen. Kritiker halten Wirtschaftswerbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk für unvereinbar mit dessen kulturellem und gesellschaftlichem Auftrag. Die Befürworter sehen darin dagegen eine zeitgemäße Ergänzung des Programms. 

3. November 1956
„Zwischen halb und acht“ beginnt

München - Bayern * Mit der Sendung „Zwischen halb und acht“ beginnt am 3. November 1956 das Werbefernsehen in der Bundesrepublik. Der Titel bezeichnet zugleich die Sendezeit des neuen Vorabendformats. Kurze Werbefilme wechseln sich mit Quizsendungen, Sportbeiträgen, Musik und leichter Unterhaltung ab. Damit füllt der Bayerische Rundfunk die Programmlücke zwischen der regionalen Abendschau und dem abendlichen Gemeinschaftsprogramm der ARD. 

3. November 1956
Liesl Karlstadt und Beppo Brem werben für Persil

München - Bayern * Im ersten Werbespot des neuen Fernsehformats treten die populären Volksschauspieler Liesl Karlstadt und Beppo Brem auf. Sie spielen ein Ehepaar, das in einem vornehmen Restaurant speist. 

Als Brem ein Stück Braten samt Soße auf das weiße Tischtuch befördert, reagiert Karlstadt empört. Ein Kellner beruhigt das Paar: Der Fleck sei kein Problem, schließlich werde die Wäsche mit Persil gewaschen. Am Ende bestätigt Beppo Brem den Werbespruch „Persil und nichts anderes“. Der Spot dauert rund 55 Sekunden und geht als erste Fernsehwerbung der Bundesrepublik in die Geschichte ein.

8. März 1963
„Dinner for One“ erobert das deutsche Fernsehen 

Hamburg * Einer verbreiteten, inzwischen jedoch angezweifelten Darstellung zufolge führen die britischen Schauspieler Freddie Frinton und May Warden den Sketch „Dinner for One“ an diesem Tag im deutschen Fernsehen auf. Der große Publikumserfolg soll den Norddeutschen Rundfunk dazu bewegen, das Stück wenig später in Hamburg aufzuzeichnen. Die erhaltene Schwarz-Weiß-Fassung entwickelt sich ab 1972 zu einem festen Bestandteil des Silvesterprogramms. 

7. November 1968
Beate Klarsfeld ohrfeigt Bundeskanzler Kiesinger 

West-Berlin * Mit einem Presseausweis verschafft sich die 29-jährige Beate Klarsfeld Zugang zum CDU-Bundesparteitag in der Kongresshalle. Sie nähert sich Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, beschimpft ihn als Nazi und ohrfeigt ihn. Mit der Aktion protestiert sie gegen seine NS-Vergangenheit, insbesondere seine Tätigkeit in der Rundfunkabteilung des Auswärtigen Amts während des Nationalsozialismus. 

Noch am selben Tag wird Klarsfeld in einem Schnellverfahren zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Erst später wird die Strafe auf vier Monate herabgesetzt und zur Bewährung ausgesetzt.  

Klarsfeld versteht die öffentlichkeitswirksame Ohrfeige als symbolischen Protest der jungen Generation gegen die Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit und die fortgesetzten Karrieren belasteter Amtsträger. 

September 1981
Die Spider Murphy Gang veröffentlicht „Skandal im Sperrbezirk“ 

München * Die Münchner Rock-’n’-Roll-Band Spider Murphy Gang veröffentlicht „Skandal im Sperrbezirk“ als Single aus ihrem Album „Dolce Vita“. Sänger und Bassist Günther Sigl verarbeitet darin die Auseinandersetzungen um die Münchner Sperrbezirksregelungen und die Verdrängung der Prostitution aus der Innenstadt. 

Im Mittelpunkt steht die fiktive Sexarbeiterin Rosi. Während Prostituierte außerhalb des Sperrbezirks auf Kundschaft warten, bietet sie ihre Dienste telefonisch an und zieht die Freier an sich. Das Lied verspottet den Versuch, Prostitution durch räumliche Verbote aus dem sichtbaren Stadtleben zu verbannen, und nimmt die damit verbundene Doppelmoral aufs Korn. 

Der Song sorgt auch selbst für einen Skandal: Wegen des Wortes „Nutten“ im Liedtext verweigern bayerische Radiosender zunächst die Ausstrahlung. Auch in der „ZDF-Hitparade“ tritt die Band mit dem Titel nicht auf. Nach Günther Sigls späterer Darstellung lehnt Moderator Dieter Thomas Heck das Lied ab, weil es ihm „zu heiß“ ist. 

Der Erfolg lässt sich dadurch nicht aufhalten. Anfang 1982 erreicht die Single Platz eins der deutschen Charts. Nach Angaben des Bandmanagements verkauft sie sich rund 750.000-mal und verhilft der Spider Murphy Gang zum bundesweiten Durchbruch. 

8. Februar 1982
„Skandal im Sperrbezirk“ erreicht Platz eins der deutschen Charts 

Bundesrepublik Deutschland * Die Münchner Rock-’n’-Roll-Band Spider Murphy Gang erreicht mit „Skandal im Sperrbezirk“ erstmals Platz eins der deutschen Single-Charts. Das im September 1981 veröffentlichte Lied über die fiktive Sexarbeiterin Rosi bleibt insgesamt acht Wochen an der Spitze. 

Trotz anfänglicher Vorbehalte einiger Rundfunksender entwickelt sich der Song zu einem der bekanntesten Hits der Neuen Deutschen Welle und macht die Band im gesamten deutschsprachigen Raum populär. 

 

Um den 25. September 1984
Zwei kleine Männer rasen wie ungebremste Lokomotiven aufeinander

München-Theresienwiese * Günter Jauch, Journalist beim Bayerischen Rundfunk, findet heraus, dass in Richard Süßmeiers Armbrustschützenzelt aus einem Hirschen (200-Liter-Fass) 289 Mass Wiesnbier ausgeschenkt werden. Süßmeier nimmt das Ganze auf die leichte Schulter und macht sich darüber lustig. Peter Gauweiler, CSU-Stadtrat und Kreisverwaltungsreferent, geht gegen Süßmeier wegen Betrügerischen Einschenkens vor. 

Der Wiesnwirt beruft daraufhin eine Pressekonferenz ein, verkleidet sich als Gauweiler und hängt Gauweiler-Plakate mit dem Schriftzug „Gauweiler sieht Dich!“, „Gauweiler paßt auf!“ und „Gauweiler is watching you!“ an die Zeltwände. Sein Schankkellner Biwi Wallner zeigt schließlich noch, wie man aus einem ganzen Hendl drei halbe Hendl machen kann. Dass er zuvor eine Hälfte hatte einnähen lassen, finden nicht Alle lustig. Allen voran Peter Gauweiler.

Bei der darauf folgenden einer Razzia in Süßmeiers Armbrustschützenzelt werden 23 „Verstöße gegen das Ausländerrecht“ festgestellt. Einige Hilfskräfte haben illegal gearbeitet. Süßmeiers Beteuerungen, er habe davon nichts gewusst, glaubt die Gegenseite natürlich nicht - und handelt: Gauweiler entzieht Süßmeier die Festzeltkonzession.

Zwei Tage später wird mit Helmut Huber ein neuer Wirt eingesetzt.

22. Mai 1986
Der Bayerische Rundfunk blendet den „Scheibenwischer“ aus

München * Nur wenige Tage nach den schweren Pfingstausschreitungen in Wackersdorf verweigert der Bayerische Rundfunk die Ausstrahlung einer atomkritischen Ausgabe der ARD-Kabarettsendung „Scheibenwischer“. Die Sendung unter der Leitung von Dieter Hildebrandt reagiert auf die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und setzt sich satirisch mit Kernenergie, radioaktiver Belastung und der Informationspolitik der Behörden auseinander. Besondere Kritik der BR-Führung richtet sich gegen den von Lisa Fitz vorgetragenen Sketch „Der verstrahlte Großvater“. 

BR-Fernsehdirektor Helmut Oeller fordert zunächst vergeblich, die Ausgabe im gesamten ARD-Programm abzusetzen. Nachdem sich die übrigen Rundfunkanstalten weigern, koppelt der Bayerische Rundfunk sein Fernsehprogramm für die gesamte Dauer der Sendung aus dem ARD-Gemeinschaftsprogramm aus. Die „Scheibenwischer“-Ausgabe ist deshalb in Bayern nicht zu sehen. 

Die Entscheidung löst heftige Proteste aus. Zahlreiche Zuschauer beschweren sich telefonisch beim Sender; zeitweise sind die Leitungen überlastet. Videokopien der Sendung werden in Bayern verbreitet und bei öffentlichen Veranstaltungen vorgeführt. Medien, Künstler und Oppositionspolitiker bewerten das Vorgehen als Zensur und werfen dem Bayerischen Rundfunk politische Rücksichtnahme auf die atomkraftfreundliche Staatsregierung vor. Der BR weist diesen Vorwurf zurück und begründet die Nichtausstrahlung mit Inhalt und Form der satirischen Beiträge. 

Der Vorgang verstärkt bei vielen WAA-Gegnern den Eindruck, dass nicht nur um ein Industrieprojekt, sondern auch um Meinungsfreiheit, unabhängige Berichterstattung und die demokratische Kontrolle staatlicher Entscheidungen gestritten wird.