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Um den 25. Oktober 1846
Hofmaler Joseph Stieler malte zwei Bilder der Lola Montez

München-Maxvorstadt * Schon bald nach ihren Auftritten im Hof- und Nationaltheater lässt der verliebte König Ludwig I. Lola Montez für den Saal der Schönheiten in der Residenz malen. Dazu beauftragt er den Hofmaler Joseph Stieler. Stieler malte zwei Bilder der Lola Montez. Die Señora Lola Montez ist eine international agierende, extravagante Persönlichkeit, die man ohne Zweifel mit heutigen Pop-Stars gleichsetzen kann.  

Wie die Film-, Sport- und Pop-Idole unseres Jahrhunderts versucht auch die Señora durch den bewusst herbeigeführten Skandal im Gespräch - und damit interessant - zu bleiben. Und genau wie in heutigen Tagen werden die Skandale und Skandälchen interessiert vom Volk beobachtet und in allen Details besprochen. 

April 1896
Die erste Film-Vorführung im Internationalen Handels-Panoptikum

Wien - München * Der Cinématographe der Herren August und Louis Lumiére wird im Jugendstil-Salon der französischen Botschaft in Wien gezeigt. Der Schausteller Carl Gabriel kann ein Aufnahme- und Wiedergabegerät erwerben.

Noch im gleichen Monat findet die erste öffentliche Vorführung im Internationalen Handels-Panoptikum in München durch den Operateur Francis Doublier statt.

11. Juli 1896
Im Panoptikum werden erstmals lebende Bilder gezeigt

München-Hackenviertel * In der bayerischen Haupt- und Residenzstadt werden erstmals „lebende Bilder“ gezeigt. Die Aufführung findet - „unter lebhafter Anteilnahme des Münchner Publikums“ - in Carl Gabriels und Emil Eduard Hammers Panoptikum statt. Der Vorführapparat wird mit Theaterkulissen umspannt und dann „drauflos gekurbelt“. Die Vorführungen richtet Carl Gabriel nach französischem Vorbild ein.

Das ganze Programm ist circa 100 Meter lang und läuft innerhalb von einer Viertelstunde ab. Drei bis fünf kleine Filme werden gezeigt:

  • Ein heranbrausener Eisenbahnzug,
  • Eine Schlangendomteuse,
  • Ein Kettensprenger und
  • Das Aufziehen der Hauptwache.

Schon einer der ersten Filme verursacht einen Skandal. Er heißt „Endlich allein“ und zeigt ein Brautpaar am Hochzeitstag. Die Schlussszene wird umgehend zensiert.

1899
Schon einer der ersten Filme verursacht einen Skandal

München-Hackenviertel * Schon einer der ersten im Internationalen Handels-Panoptikum gezeigten Filme verursacht einen Skandal. Er heißt „Endlich allein“ und zeigt ein Brautpaar am Hochzeitstag. Die Schlussszene wird umgehend zensiert. Auch in den folgenden Jahren sorgen Filme wie „Im Bad einer Pariserin“ oder „Im Chambre séparée“ für Aufregung.

Die Neue Bayerische Zeitung schreibt über das neue Medium Kino: „Es scheinen für dieses Etablissement überhaupt nur Nacktheiten als sehenswert und interessant zu existiren. Wir enthalten uns jeglicher weiterer Ausführungen und stellen nur die ergebene Anfrage: Wo bleibt die Münchner Sittenpolizei? Schläft sie oder existirt sie nicht mehr?“ 

Freilich werden neben solchen Filmen auch regelmäßig Aufnahmen von den verschiedenen und aktuellen Kriegsschauplätzen gezeigt.

21. April 1907
Carl Gabriel eröffnet in der Dachauer Straße 16 sein erstes Münchner Kino

München-Maxvorstadt * Carl Gabriel eröffnet in der Dachauer Straße 16 sein erstes Münchner Kino unter dem weltmännischen Namen „The American Bio-Cie./Carl Gabriel's Theater lebender Bilder“ mit 145 Plätzen. Es ist Münchens viertes Kino. Es werden Stummfilme gezeigt, die von einem mehr oder weniger talentiertem Klavierspieler und einem Explikateur, einen Filmerklärer, begleitet werden.

An den Lehnen der Vordersitze sind Drahtgestelle angebracht, in denen man seinen Masskrug abstellen kann. Statt Popkorn und Eis - wie heute - werden Schokolade und Wurstsemmeln verkauft.

Nach 19 Uhr geht fast niemand mehr ins Kino, denn: „Der Münchner geht im Gegensatz zum Berliner, soweit er es ermöglichen kann, lieber Nachmittags ins Kino, weil er den Abend gern im Bierrestaurant verbringt.“Trotzdem suchen die „Gebildeten“ das Kino erst im Schutz der Dunkelheit auf. Etwaige Bekannte begrüßen sich - wenn überhaupt - mit einem verlegenem Lächeln. Es gibt Logen mit einem Loch im Vorhang, von dem aus man zwar alles sehen kann, selbst aber nicht gesehen wird.

Die Münchner Polizei besucht im Auftrag der Obrigkeit regelmäßig die Kinematographen. Sie muss sicherstellen, dass im dunklen Kinosaal alles „sittlich“ und „mit rechten Dingen“ zugeht.

Oktober 1909
In zwölf Großgaststätten werden Kinofilme gezeigt

München * In zwölf Großgaststätten werden Kinofilme gezeigt:

  • im Gasthaus Herzogpark an der Mauerkirchener Straße,
  • im Mühldorfer Hof an der Einsteinstraße,
  • in den Unionsbräuhallen an der Einsteinstraße,
  • im Münchner-Kindl-Keller an der Rosenheimer Straße,
  • im Franziskaner-Keller an der Hochstraße,
  • im Salvatorkeller an der Hochstraße,
  • im Bergbräukeller an der Tegernseer Landstraße,
  • in den Bergbräubierhallen an der Bergstraße im Münchner Osten und
  • im Schwabingerbräu an der Leopoldstraße,
  • in der Gaststätte zur Blüte in der Blütenstraße,
  • im Alten Hackerkeller an der Bayerstraße und
  • im Neuen Hackerkeller auf der Theresienhöhe im Westen.
24. November 1910
Carl Gabriels Tonbildtheater in der Au 

München-Au * Der Schausteller und Kinopionier Carl Gabriel eröffnet in den Räumen des früheren Gasthauses und Varietés „Zum Kaisergarten“ sein zweites Münchner Kino: „Gabriels Tonbildtheater“. Der Eingang befindet sich damals an der Zeppelinstraße 85; heute lautet die Adresse Lilienstraße 2. Das Vorstadtkinoprogramm mit kurzen Spiel-, Aktualitäten- und Unterhaltungsfilmen richtet sich an ein breites Publikum. Wie in der Frühzeit des Kinos üblich, werden Stummfilme häufig musikalisch begleitet und mitunter von einem „Explikateur“ erläutert. 

1918
Der Stummfilm-Western „Der schwarze Jack“

München * Der Wilde Westen ist auch ein erfolgversprechendes Objekt für den Kinofilm. Fred Stranz inszeniert den Stummfilm-Western „Der schwarze Jack“, bei dem August Arnold, der zusammen mit Robert Richter die Filmtechnikfirma Arri gründet, hinter der Kamera steht. Stranz dreht noch einige weitere Wildwestfilme, auch Arnold und Richter bleiben dem Genre treu. 

31. Dezember 1922
Nutzungsvorschläge für das Tierpark-Gelände

München-Giesing * Der Pachtvertrag zwischen der Stadt und dem inzwischen aufgelösten „Verein Zoologischer Garten München“ wird gekündigt. Das löst das eine Welle von Gesuchen und Anträgen zur alternativen Nutzung des Tierpark-Geländes aus. Im Gespräch sind, 

  • den Park als „Landerholungsersatz“ für bedürftige Münchner Familien oder 
  • als Schaf- und Rinderweide zur Milchversorgung des städtischen Sanatoriums Harlaching oder des Ordens der Barmherzigen Schwestern zu nutzen. 

Andere Interessenten wollen hier 

  • einen „Park zur Pflege des Sonnen- und Luftbadens“ oder 
  • einen Raum für Militärkonzerte und Raubtierdressurvorstellungen oder 
  • eine Geflügelfarm sowie als 
  • den Sitz der Bavaria Film GmbH genutzt sehen. 

Doch alle Wünsche und Nutzungsvorschläge werden abgelehnt, da die Stadt sich mit der Vorstellung beschäftigt, den ehemaligen Zoo in einen „Städtischen Volkspark Hellabrunn“ umzuwandeln. 

Im Prinzip ist man sich einig, dass München auf Dauer einen Zoologischen Garten haben muss und der Volksgarten nur eine Übergangslösung darstellt, bis man hier wieder exotische Tiere bestaunen kann.

Um 1923
Der Stummfilm „Die Mysterien eines Frisiersalons“ wird gedreht

Schwabing * Unter der Regie von Erich Engel und Berthold Brecht entsteht der Stummfilm „Die Mysterien eines Frisiersalons“. Er wird auf dem Speicher eines Hauses in der Tengstraße gedreht.

Karl Valentin lässt den Film aus dem Verkehr ziehen, nachdem er zufällig entdeckt, dass eine amerikanische Groteske den gleichen Inhalt erzählt. Worum es sich dabei handelte, ist allerdings unklar.

20. Januar 1929
Wiederentdeckte Valentin-Stummfilme

München-Hackenviertel * Der Filmsammler und Publizist Walter Jerven führt die wiederentdeckten Stummfilme „Valentins Hochzeit“ aus dem Jahr 1914 und „Karl Valentin und Liesl Karlstadt auf der Oktoberfestwiese“ im Ufa-Theater am Sendlinger Tor vor. Unter dem Titel „Aus der Kinderstube des Films“ werden die Streifen in einer Matineeveranstaltung der Bayerischen Landesfilmbühne gezeigt. 

13. Februar 1929
Premiere: „In der Schreiner-Werkstätte“

München-Maxvorstadt * Premiere der Valentin-Karlstadt-Tonfilmimitation „In der Schreiner-Werkstätte“ im Apollotheater. Während auf der Leinwand der Film läuft, wird dahinter die dazu passende Tonkulisse erzeugt. 

Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ schreiben dazu: „Man hört Hunderte verschiedene Geräusche, fallende Bretter, Suppenlöffel, Säge, Laufschritte usw.: sehr deutlich ist das, was gesprochen, gezankt wird; und sogar durchaus synchron.“ 

19. Februar 1929
Auf der Bühne verboten, im Kino zu sehen 

München * Nur wenige Tage nach dem Verbot ihres Gastspiels im Deutschen Theater ist Josephine Baker in München auf der Kinoleinwand zu sehen. Die „Münchner Zeitung“ kündigt an: „Josefine Baker, das umstrittene, farbige Tanzwunder, tanzt ab heute in ihrem ersten Großfilm ‚Papitou, die Sirene der Tropen‘ im Münchner Lichtspielhaus.“ Klenzestraße 103. 

In dem französischen Stummfilm „La Sirène des tropiques“ aus dem Jahr 1927 spielt Baker ihre erste große Filmrolle: Papitou, eine junge Frau aus einer fiktiven Karibikkolonie, die nach Paris gelangt und dort zum Revuestar aufsteigt. Während die Münchner Behörden Baker den persönlichen Bühnenauftritt verwehren, darf das Publikum ihre Tänze im Kino sehen. 

Mit dem Fremdenwagen durch München
Mai 1929
Mit dem Fremdenwagen durch München

München * Der Stummfilm „Mit dem Fremdenwagen durch München“ mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt als „Erzähler“ und Josef Rankl als „Fremdenautoführer“ entsteht. 

Es ist der Anfangs- und Schlussfilm einer multimedialen Live-Darbietung mit Lichtbildern. Er wird im Rahmen des von Walter Jerven moderierten Stummfilmprogramms „Aus der Kinderstube des Films“ gezeigt.

12. Januar 1932
Uraufführung der Valentin-Komödie „Er und Sie“

München-Isarvorstadt * Im Kolosseum, Kolosseumstraße 4, kommt die Valentin-Komödie „Er und Sie“ zur Uraufführung. Das Stück beruht im Wesentlichen auf dem Stummfilm „Karl Valentin und Liesl Karlstadt auf der Oktoberfestwiese“ von 1923. Es erlebt 87 Vorstellungen.

16. Mai 1932
Die Dreharbeiten für „Die verkaufte Braut“ beginnen

München-Geiselgasteig * Die Dreharbeiten für Karl Valentins und Liesl Karlstadts ersten abendfüllenden Tonfilm „Die verkaufte Braut“ in den Emelka-Studios in Geiselgasteig beginnen. Sie dauern bis zum 5. Juli 1932. Der Regisseur Max Ophüls versteht es ausgezeichnet, sich auf Karl Valentins Textschwäche einzustellen.

Ab 30. Januar 1933
Die Gleichschaltung erreicht Film und Kino 

Deutsches Reich * Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler. Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten beginnt auch für die deutsche Film- und Kinobranche eine Zeit der Einschüchterung, Gewalt und schrittweisen Gleichschaltung. Filmprogramme, Personalentscheidungen und wirtschaftliche Tätigkeiten geraten zunehmend unter staatliche und parteipolitische Kontrolle. Jüdische sowie politisch unerwünschte Filmschaffende und Gewerbetreibende werden ausgegrenzt und aus ihren Berufen verdrängt.

 

13. März 1933
Goebbels übernimmt das Propagandaministerium 

Berlin * Joseph Goebbels übernimmt die Leitung des neu geschaffenen Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Das Ministerium erhält weitreichenden Einfluss auf Presse, Rundfunk, Film, Theater und Kultur. Gemeinsam mit der NSDAP und gleichgeschalteten Berufsverbänden setzt es Filmschaffende und Kinobetreiber zunehmend unter Druck und schränkt ihre künstlerische und unternehmerische Freiheit ein.

14. Juli 1933
Die Reichsfilmkammer kontrolliert die Filmwirtschaft 

Berlin * Mit dem „Gesetz über die Errichtung einer vorläufigen Filmkammer“ schafft das NS-Regime die Reichsfilmkammer. Sie erfasst und kontrolliert sämtliche Bereiche der Filmwirtschaft – von der Produktion und dem Verleih bis zum Betrieb der Lichtspieltheater. 

Wer weiterhin im Film- und Kinowesen arbeiten will, muss die beruflichen und politischen Voraussetzungen der Kammer erfüllen. Auf diese Weise kann das Regime jüdische Menschen, politische Gegner und andere unerwünschte Personen aus der Filmbranche ausschließen. Im September 1933 wird die Reichsfilmkammer in die neu gegründete Reichskulturkammer eingegliedert.

22. September 1933
Die Reichskulturkammer vollendet die Kontrolle des Filmwesens 

Berlin * Mit dem Reichskulturkammergesetz unterstellt das NS-Regime das gesamte deutsche Kulturleben einer zentralen staatlichen Kontrolle. Die bereits im Juli gegründete Reichsfilmkammer wird als eine von sieben Einzelkammern in die Reichskulturkammer eingegliedert. 

Wer in der Filmbranche tätig sein oder ein Lichtspieltheater betreiben will, muss Mitglied der Reichsfilmkammer sein. Aufnahme und Verbleib hängen von der vermeintlichen „Zuverlässigkeit und Eignung“ ab, die das Regime nach politischen und rassistischen Kriterien beurteilt. Für jüdische Filmschaffende und Kinobetreiber bedeutet der Ausschluss aus der Kammer faktisch ein Berufsverbot. 

In München trifft diese Verfolgung später die jüdische Kinobesitzerin Lonny van Laak. Ihr Ehemann Wilhelm van Laak hat die „Museum-Lichtspiele“ zwischen 1928 und 1930 gemeinsam mit Valentin Neumeier geleitet. Nach Wilhelms Tod im Jahr 1935 entziehen die Behörden Lonny van Laak wegen ihrer jüdischen Herkunft die Vorführlizenz für ihr letztes Kino. 

9. November 1934
Karl Valentin schreibt an den Präsidenten der Reichsfilmkammer

München - Berlin * In einem Brief an den Präsidenten der Reichsfilmkammer schreibt Karl Valentin, dass es „1927 einem gewissen Walter Jerven (richtiger Name: Samuel Wucherpfennig) [gelang], das Bankhaus Löwenthal und Walther zur Finanzierung eines Valentin-Films ‚Der Sonderling‘ heranzuziehen“.

Aufgrund der Zeilen musste der Angegriffene, der eigentlich Wilhelm Wucherpfennig hieß und sich 1924 in Walter Jerven umbenannte, seine arische Abstammung nachweisen. Zum Glück war das für ihn kein Problem, denn sonst hätte er mit Konsequenzen rechnen müssen. 

27. Februar 1936
Dreharbeiten für den Valentin-Film „Beim Nervenarzt/Kalte Füße“

München-Geiselgasteig * Der 19 Minuten lange Streifen „Beim Nervenarzt/Kalte Füße“ entsteht. Als Darsteller treten in dem Film auf: Karl Valentin als Herr Meier, Liesl Karlstadt als Nervenarzt, Bäcker und Ober sowie Reinhold Bernt als Bäckergeselle. Regie führt Erich Engels.

August 1936
Der Erich-Engels-Spielfilm „Donner, Blitz und Sonnenschein“ entsteht

Berlin-Marienfelde * Im „Terra-Atelier“ in Berlin-Marienfelde entsteht der Erich-Engels-Spielfilm „Donner, Blitz und Sonnenschein“ unter Beteiligung von Karl Valentin als Schneidermeister Huckebein und Liesl Karlstadt in der Rolle seiner Frau Barbara.

21. September 1936
NS-Zensur verbietet „Die Erbschaft“ 

Berlin * Die nationalsozialistischen Behörden verbieten den Kurzfilm „Die Erbschaft“ mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt wegen angeblicher „Elendstendenzen“. Der Film zeigt ein bitterarmes Ehepaar, bei dem selbst der Gerichtsvollzieher nichts mehr pfänden kann. Diese ungeschönte Darstellung von Armut widerspricht dem propagandistischen Gesellschaftsbild des NS-Regimes. 

Der rund 20-minütige Film entsteht im Mai 1936 unter der Regie von Jakob Geis in den Geiselgasteiger Studios der Bavaria. Nach dem Verbot bleibt er vier Jahrzehnte lang unaufgeführt. Erst nach seiner Wiederentdeckung in Moskau erlebt „Die Erbschaft“ am 16. Mai 1976 im Münchner Filmmuseum seine Premiere. 

1937
Wilhelm Sensberg führt die Museum-Lichtspiele

München-Au * Von 1937 bis zum Kriegsende Ende April 1945 ist  Wilhelm Sensberg der Betreiber des Filmtempels in der Au.

Welche politische Gesinnung die Betreiber des Lichtspielhauses während der NS-Zeit bevorzugten, ist nicht bekannt. Auf alle Fälle standen die Kinobetreiber und -besitzer in dieser Zeit unter strenger Aufsicht nationalsozialistischer Aktivisten.

Suchbegriffe: Kino, Museum-Lichtspiele
25. Juli 1937
Karl Valentin greift Heinz Rühmann persönlich an

München * Karl Valentin beklagt sich in einem Brief an Hans H. Zerlett, dem Regisseur des Films Im Schallplattenladen, über seine eigene finanzielle Lage. Darin greift er Heinz Rühmann an: 

„Herr Rühmann (bitte um Diskretion) spielt jährlich mindestens drei Filme á 20.000.- Mark. Seine Frau soll nicht arischer Abstammung sein. Warum hat [...] dieser Mann den Vorzug? Soll ich mich noch scheiden lassen und eine andersrassige Dame heiraten?“

15. November 1938
Karl Valentin und die „Nacht der Amazonen“

München-Geiselgasteig • In dem Kultfilm „München 1938“ tritt Karl Valentin im Zusammenhang mit der „Nacht der Amazonen“ in einer kurzen Szene auf. Die Dreharbeiten finden am 15. November 1938 statt. Sein Auftritt ist ohne Gage.

In Abwandlung seines Dialogs aus dem „Bittsteller“ erhält er auf die Frage: „Sie Herr Festaufseher, was kriegt so a Amazone für eine Nacht?“, die Antwort: „Zwei Mark.“ Darauf folgt Valentins Feststellung „Zwei Mark, fürs ganze Jahr. Da heißt‘s einteilen.“

 

Juni 1941
Filmaufnahmen für „Der Tobis-Trichter - Volkstum aus deutschen Gauen“

München-Geiselgasteig * Hans Albin führt Regie für den 17-Minuten-Film „Der Tobis-Trichter - Volkstum aus deutschen Gauen“. Der Film enthält neben Auftritten von Adolf Gondrell, Weiß-Ferdl und anderen den Valentin-Karlstadt-Sketch „In der Apotheke“.

Karl Valentin als „Burghausmeister“ im Schlosshotel Grünwald
1. Juli 1941
Karl Valentin als „Burghausmeister“ im Schlosshotel Grünwald

Grünwald * Aus Angst vor Bombardierungen zieht Karl Valentin vom Mariannenplatz 4 ins Grünwalder Schlosshotel. Er plant dort die Verfilmung seines Theaterstücks „Ritter Unkenstein“ und illustriert das Skript mit zahlreichen eigenen sowie fremden Zeichnungen. Die Szenerie soll sich um die Burg Grünwald abspielen. 

Er wohnt in dem neben der Burg befindlichen Schlosshotel Grünwald und bleibt dort bis zum Frühherbst 1943. Jeden Morgen zieht er mit dem Spaten in der Hand hinüber in die Burg und gräbt nach den Relikten der „alten Rittersleut“. Er nennt sich „Burghausmeister“ oder „Rittergutaufräumungsgeneral“. Doch auch die Grabungen verlaufen ohne den erhofften Erfolg. 

Er wechselte seinen Wohnort ständig, lebt eine Zeit in Grünwald, dann wieder am Mariannenplatz und schließlich auch in seinem Landhäuschen in Planegg. Das Schlosshotel Grünwald ist aber sein bevorzugter Aufenthaltsort. 

19. August 1941
Uraufführung des Films „Der Tobis-Trichter“

Berlin * Der Film „Der Tobis-Trichter - Volkstum aus deutschen Gauen“ wird im Berliner Tauentzien-Palast uraufgeführt. Der Film enthält neben Auftritten von Adolf Gondrell, Weiß-Ferdl und anderen den Valentin-Karlstadt-Sketch „In der Apotheke“. Hans Albin führt Regie für den 17-Minuten-Film. 

27. Oktober 1944
„Das Konzert“ mit Liesl Karlstadt feiert Uraufführung 

Berlin * Im Europahaus wird Paul Verhoevens Beziehungskomödie „Das Konzert“ nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Hermann Bahr uraufgeführt. Liesl Karlstadt spielt Frau Pollinger an der Seite von Fritz Kampers als ihrem Filmehemann.  

Es ist ihr letzter vor Kriegsende veröffentlichter Spielfilm. Ihre nächsten Filmauftritte folgen 1949. 

24. Juli 1952
Weltpremiere von „Zwölf Uhr mittags“

New York * Der Western „Zwölf Uhr mittags“ [„High Noon“] feiert in New York seine Weltpremiere. Der Film mit Gary Cooper in der Hauptrolle gilt heute als einer der bedeutendsten Western der Filmgeschichte. 

Die Handlung spielt nahezu in Echtzeit: Marshal Will Kane muss sich allein einer Gruppe von Verbrechern stellen, nachdem die Bewohner seiner Stadt ihn im Stich lassen. Der Film wird häufig als Gleichnis für Zivilcourage, persönliche Verantwortung und den Mut verstanden, auch gegen den Widerstand der Mehrheit für seine Überzeugungen einzustehen. 

„Zwölf Uhr mittags“ wurde zu einem großen internationalen Erfolg und gewann vier Oscars, darunter für Gary Cooper als bester Hauptdarsteller sowie für den Titelsong „High Noon (Do Not Forsake Me, Oh My Darlin’)“. Das Werk beeinflusste Generationen von Filmschaffenden und zählt bis heute zu den Klassikern des amerikanischen Kinos.

1953
Die Museum-Lichtspiele werden zum „Revolverkino“ 

München-Au * Werner Wotke übernimmt die Leitung des Vorstadt-Filmpalasts. Unter seiner Führung entwickelt sich das Stadtteilkino zu einem sogenannten „Revolverkino“: Auf dem Programm der Museum-Lichtspiele stehen vor allem Western, Gangster- und Abenteuerfilme, Heimatfilme sowie die bei Jugendlichen beliebten „Halbstarken“-Streifen mit Darstellern wie James Dean und Horst Buchholz. Einen besonderen Schwerpunkt bilden preisgünstig produzierte Western und später die erfolgreichen Italo-Western. 

Mehr als zwei Jahrzehnte lang bietet das Kino seinem Publikum populäre Unterhaltung abseits des anspruchsvollen Premierenbetriebs der Innenstadt. Im November 1975 endet Wotkes Ära – programmatisch passend mit der Vorführung eines Italo-Westerns. Die genaue Bezeichnung des letzten Films ist in den zugänglichen Darstellungen nicht genannt. 

3. November 1956
„Zwischen halb und acht“ beginnt

München - Bayern * Mit der Sendung „Zwischen halb und acht“ beginnt am 3. November 1956 das Werbefernsehen in der Bundesrepublik. Der Titel bezeichnet zugleich die Sendezeit des neuen Vorabendformats. Kurze Werbefilme wechseln sich mit Quizsendungen, Sportbeiträgen, Musik und leichter Unterhaltung ab. Damit füllt der Bayerische Rundfunk die Programmlücke zwischen der regionalen Abendschau und dem abendlichen Gemeinschaftsprogramm der ARD. 

18. Juni 1958
Hannes König eröffnet die Karl-Valentingedächtnisausstellung

München-Maxvorstadt * „800 Jahre und 5 Tage nach der Gründung der Stadt München“ wird im Pavillon im Alten Botanischen Garten die „Karl-Valentingedächtnisausstellung“ eröffnet.

  • Gezeigt wird der Stummfilm „Der neue Schreibtisch“.  
  • Außerdem spielt Hannes König auf Karl Valentins Zither.  
  • Professor Carl Niessen, der im Jahr 1953 den Nachlass von Karl Valentin für das Institut Theaterwissenschaft der Universität Köln erworben hat, stellt Originale für die Ausstellung zur Verfügung. 
3. März 1959
Elvis Presley hält sich privat in München auf

München * Elvis Presley, der 18 Monate lang im hessischen Friedberg als GI stationiert ist, besucht Bayern privat. Mit Vera Tschechova schaut er sich zwei Filme an, isst in den Bavaria Filmstudios, fährt zum Schifferlfahren zum Starnberger See. Am Abend besucht er zwei Wäschemodenschauen im Nachtclub Moulin Rouge in der Herzogspitalstraße. Dazwischen ist noch Zeit, um im Hof des Hotels Bayerischer Hof für Fotoaufnahmen mit Reinigungsfrauen zu posieren. 

10. Juli 1964
Die 3. Beatles-LP „A Hard Day‘s Night“ erscheint

Großbritannien * „A Hard Day‘s Night“, die dritte LP der Beatles erscheint. Alle 13 Lieder stammen aus der Feder von John Lennon und Paul McCartney. Daneben gibt es als Auskoppelung die 7. Beatles-Single mit „A Hard Day‘s Night“ und m „I Should Have Know Better“. Gleichzeitig hat der Beatles-Film „A Hard Day‘s Night“ im Liverpooler Odeon Cinema seine Nord-Premiere. 

24. Juli 1964
Der Beatles-Film Yeah, Yeah, Yeah im City-Palast

München-Ludwigsvorstadt * Die Abendzeitung kauft alle Eintrittskarten für die Aufführung des Beatles-Filmes Yeah, Yeah, Yeah im City-Palast an der Sonnenstraße auf und verschenkt sie an Beatles-Fans. Dabei ist das Interesse so gewaltig, dass sich die ersten Liebhaber bereits in aller Frühe einfinden, obwohl die Kartenverteilung erst um zwölf Uhr Mittag beginnt.

Polizisten in Zivil mischen sich unter die Jugendlichen, um nötigenfalls ordnend einzugreifen. Das Verhalten der adrett und brav gekleideten weiblichen und der - mit den damals modischen, eng geknoteten Krawatten ausstaffierten - männlichen Jugendlichen macht dies aber nicht notwendig. Sollte es zu einem gefährlichen Gedränge kommen, würde ein Lautsprecherwagen bereitstehen, über den man - vom Stadtjugendamt ausgeliehene - Beatles-Platten abspielt, um die Fans vom Kinoeingang wegzulocken. Man will sie dann zur Theresienwiese lotsen, wo genügend Platz zur Umsetzung von Musik in Bewegung vorhanden wäre. So weit kommt es allerdings nicht. 

Doch als die Beatles schließlich auf der Leinwand erschienen, kennt die Begeisterung keine Grenzen; Tränen fließen, Schreie ertönen, es wird gestampft, geklatscht und mitgesungen. - Die Beatles sind einfach die Größten. 

2. März 1965
Lawine reißt Reisebus in die Tiefe 

Untertauern * Am Faschingsdienstag erfasst gegen 16.45 Uhr eine Lawine am sogenannten Gnadenfall auf der Radstädter Tauernstraße einen Postbus mit 37 Insassen. Die überwiegend schwedischen und finnischen Jugendlichen befinden sich nach einem Skitag in Obertauern auf der Rückfahrt zu ihrem Quartier. 

Die Schneemassen reißen den Bus rund 50 Meter über eine Böschung, bis er an einem Baum zum Stillstand kommt. Schnee dringt in das Fahrzeug ein und verschüttet zahlreiche Reisende. Für 14 Jugendliche kommt jede Hilfe zu spät; die übrigen Insassen, darunter der Busfahrer, werden gerettet. Das als „Schwedenunglück“ bekannt gewordene Ereignis zählt zu den schwersten Lawinenkatastrophen des Landes Salzburg. 

13. März 1965
Die Beatlemania erreicht Salzburg 

Salzburg-Maxglan * Die Beatles landen mit einem rund 66-köpfigen Filmteam am Salzburger Flughafen. Von hier aus reisen sie nach Obertauern weiter, wo sie die Winterszenen für ihren zweiten Spielfilm „Help!“ drehen. Etwa 4.000 begeisterte Fans erwarten die „Fab Four“; einige von ihnen kommen in Sonderbussen aus dem benachbarten Bayern. Rund 100 Polizisten sichern die Ankunft. 

Unter die jubelnde Menge mischen sich 40 bis 50 Schülerinnen und Schüler mit Blasmusik und Transparenten wie „Beatles go home“, „Verstärkung für den Alpenzoo“ und „Hoch dem Eunuchenchor“. Besonders geschmacklos wirkt die Parole „Lawinen, marsch!“: Erst elf Tage zuvor sind bei dem Busunglück zwischen Ober- und Untertauern 14 skandinavische Jugendliche ums Leben gekommen. Beatles-Fans bewerfen die Demonstrierenden mit Schneebällen und drängen sie schließlich vom Flughafengelände.

14. März 1965
Die Beatles drehen „Help!“ im Schnee 

Obertauern * In dem Salzburger Wintersportort beginnen die Dreharbeiten zu den Schneeszenen des Beatles-Films „Help!“ unter der Regie von Richard Lester. Die erste Szene entsteht vor dem Hotel Edelweiss, in dem John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr während ihres Aufenthalts wohnen. 

Da die vier Musiker keine erfahrenen Skifahrer sind, übernehmen örtliche Skilehrer bei schwierigeren Aufnahmen ihre Rollen. Auf Pisten, Sesselliften und Rodeln entstehen unter anderem die später mit dem Lied „Ticket to Ride“ unterlegten Szenen. Die Dreharbeiten in Obertauern dauern bis zum 20. März. 

16. März 1965
Österreichs Presse verspottet die Beatles 

Österreich * Die der SPÖ nahestehende „Arbeiter-Zeitung“ veröffentlicht ein während der Dreharbeiten in Obertauern aufgenommenes Foto von John Lennon und kommentiert spöttisch: „Beatles-Häuptling John Lennon stochert in seinen Zähnen. Das und Nasenbohren sind die Lieblingsbeschäftigungen der Beatles in Obertauern. Womit man Millionen verdient.“ 

Auch andere österreichische Zeitungen begegnen den Musikern mit unverhohlener Ablehnung. Sie bezeichnen die Beatles unter anderem als „Zottelköpfe“, verspotten ihre angeblich ungepflegten Frisuren und nennen sie die „Schreihälse aus Liverpool“. Die Berichterstattung verdeutlicht den damaligen Kultur- und Generationenkonflikt: Lange Haare, Popmusik und eine selbstbewusst auftretende Jugendkultur gelten vielen Erwachsenen noch als Provokation. 

17. März 1965
Beatles-Film erhält den Arbeitstitel „Eight Arms to Hold You“ 

Großbritannien * Die Produktionsfirma gibt „Eight Arms to Hold You“ – „Acht Arme, die dich halten“ – als Titel des zweiten Beatles-Films bekannt. Der Name spielt auf die mehrarmige Kultfigur und den geheimnisvollen Ring in der Filmhandlung an, zugleich aber auch auf die insgesamt acht Arme der vier Beatles. 

Der Titel erscheint sogar auf frühen US-Pressungen der Single „Ticket to Ride“. John Lennon und Paul McCartney finden jedoch keine überzeugende Idee für ein dazu passendes Titellied. Deshalb wird der Name wenige Wochen später verworfen. Nach Angaben des Regisseurs Richard Lester ist der ursprünglich gewünschte Titel „Help“ bereits geschützt; durch das hinzugefügte Ausrufezeichen kann der Film schließlich „Help!“ heißen. 

20. März 1965
Letzter Drehtag der Beatles in Obertauern 

Obertauern * Für die Beatles endet der österreichische Teil der Dreharbeiten zu ihrem zweiten Spielfilm „Help!“. Am letzten Drehtag stehen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr gemeinsam mit ihren Skidoubles noch einmal auf den Pisten. Dabei entstehen weitere Aufnahmen für die mit „Ticket to Ride“ unterlegte Winterszene. 

Die Beatles bleiben anschließend noch zwei Tage in Österreich und fliegen erst am 22. März 1965 von Salzburg nach London zurück. 

24. März 1965
Dreharbeiten zu „Help!“ werden in London fortgesetzt 

London-Twickenham * Zwei Tage nach ihrer Rückkehr aus Österreich setzen die Beatles die Arbeiten an ihrem zweiten Spielfilm in den Twickenham Film Studios fort. Auf den Studiokulissen entstehen Innenaufnahmen des Tempels jener geheimnisvollen Sekte, die Ringo Starr wegen eines an seinem Finger festsitzenden Ringes verfolgt. 

14. April 1965
Aus „Eight Arms to Hold You“ wird „Help!“ 

Großbritannien * Der endgültige Titel des zweiten Beatles-Films wird bekannt gegeben: Statt „Eight Arms to Hold You“ heißt die Musikkomödie nun „Help!“. Der zuvor verwendete Arbeitstitel erscheint zu lang und eignet sich kaum für ein einprägsames Titellied. 

John Lennon schreibt daraufhin den gleichnamigen Song, den die Beatles bereits am 13. April in den Londoner EMI-Studios aufnehmen. Das Ausrufezeichen unterscheidet den Namen von einem bereits geschützten Filmtitel. 

29. Juli 1965
Weltpremiere des Beatles-Films „Help!“

London * Die Weltpremiere für den Beatles-Film „Help!“ findet im London Pavilion am Picadilly Circus in London statt. In Deutschlands Kinos läuft der synchronisierte Film unter dem Titel „Hi-Hi-Hilfe!“. Der Film ist „hochachtungsvoll dem Andenken an Mr. Elias Howe gewidmet, der 1846 die Nähmaschine erfunden hat“. 

16. Dezember 1965
„Hi-Hi-Hilfe!“ kommt in die deutschen Kinos 

Bundesrepublik Deutschland * Der zweite Beatles-Spielfilm „Help!“ startet unter dem deutschen Titel „Hi-Hi-Hilfe!“ in den Kinos. In der von Richard Lester inszenierten Musikkomödie gerät Ringo Starr wegen eines geheimnisvollen Rings ins Visier einer fanatischen Sekte. Teile des Films entstehen im März 1965 im österreichischen Wintersportort Obertauern. 

17. September 1966
Die erste Folge des Raumschiffes Orion wird ausgestrahlt

München - Bundesrepublik Deutschland * Um 20:15 Uhr sendet das Erste deutsche Fernsehen die erste Folge von „Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“. Ab dann können die Bundesbürger dieses „Märchen von übermorgen“ jeden zweiten Samstag bewundern.

Der Start der Orion ist der Höhepunkt der Tricktechnik. Er wird auf den noch mit Granitplatten belegten Königsplatz gedreht und anschließend verfälscht. 

10. Januar 1969
George Harrison verlässt die Film- und Plattenaufnahmen

London * George Harrison verlässt nach einem erbitterten Streit mit John Lennon die Film- und Plattenaufnahmen von „Let It Be“, nachdem es zuvor schon Auseinandersetzungen mit Paul McCartney gab. Erst nach zwei klärenden Gesprächen aller vier Beatles können die Aufnahmen am 21. Januar fortgeführt werden. Der Bruch ist aber unwiderruflich eingetreten. 

1974
Rainer Werner Fassbinder und die Deutsche Eiche

München-Isarvorstadt * Rainer Werner Fassbinder, das Enfant terrible der deutschen Filmszene, gesellt sich zu der bunten Gesellschaft der Deutschen Eiche.

Er verliebt sich unsterblich in den Schankkellner Armin Meier und bezieht mit ihm eine Wohnung auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Reichenbachstraße. 

21. Oktober 1974
Die Dreharbeiten zur „Rocky Horror Picture Show“ beginnen 

Bray bei Windsor * Unter der Regie von Jim Sharman beginnen die Dreharbeiten zur Kinofassung von Richard O’Briens Musical „The Rocky Horror Show“. Gedreht wird in den Bray Studios und im benachbarten Herrenhaus Oakley Court, das als Kulisse für das Schloss von Dr. Frank N. Furter dient. Der Film erhält den Titel „The Rocky Horror Picture Show“. 

14. August 1975
„The Rocky Horror Picture Show“ feiert Weltpremiere 

London * Im Rialto Theatre feiert „The Rocky Horror Picture Show“ Weltpremiere. Jim Sharman bringt Richard O’Briens Bühnenmusical „The Rocky Horror Show“ auf die Leinwand. Der erhoffte Erfolg bleibt zunächst aus; der Film enttäuscht an den Kinokassen.  

Erst mit den Mitternachtsvorstellungen im New Yorker Waverly Theatre ab April 1976 beginnt der Aufstieg zum Kultfilm. Eine wachsende Fangemeinde besucht die Vorstellungen immer wieder, erscheint kostümiert, singt mit und kommentiert die Dialoge. Die Beteiligung des Publikums wird zum Markenzeichen der Vorführungen. 

19. Dezember 1975
Die Museum-Lichtspiele eröffnen als Musicalkino

München-Au * Der Schauspieler Hartmut Hinrichs übernimmt die Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 und richtet sie als Spezialkino für Musicalfilme neu aus. Nach einem Umbau eröffnet das Filmtheater mit Carol Reeds Musicalverfilmung „Oliver!“ aus dem Jahr 1968. 

Der erhoffte Publikumszuspruch bleibt zunächst aus. Zu Vorstellungen von „My Fair Lady“ oder „Funny Lady“ finden sich mitunter nur zwei oder drei Gäste ein. Hinrichs führt das Kino bis zu seinem Tod 1988. 

April 1976
Der Film „Rocky Horror Pictures Show“ zieht die Menschen nur so an

New York * Die New Yorker stürmen die Kinokassen.

Der Film „Rocky Horror Pictures Show“ zieht die Menschen nur so an. Sie Kinobesuch mit Netzstrümpfen und Korsagen.

Sie sprechen die Texte und singen die Lieder mit. Die Fans tanzen synchron mit den Stars auf der Leinwand und machen den Film durch ihr eigenes Einbringen und Zutun noch immer zum absoluten Hit.

Deshalb gehört es auch zum Ritual, sich an der Kinokasse ein Set mit Utensilien zu kaufen, das Reis, Luftschlangen, „Wunderkerzen“ und anderes beinhaltet.

Während der Trauungsszene werfen die Fans mit Reis; wenn Janet und Brad durchs Unwetter stapfen, halten sie sich eine Zeitung über den Kopf und zum Song „There’s a Light“ schwenken sie rhythmisch die „Wunderkerzen“.

Ab Juli 1976
Die Museum-Lichtspiele erhalten einen zweiten Kinosaal 

München-Au * Betreiber Hartmut Hinrichs lässt den bisherigen Vorführraum der Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 zu einem zweiten Kinosaal umbauen. Im ersten Saal laufen weiterhin Musik- und Tanzfilme. 

Das neue Kino 2 wird an Beate Uhse untervermietet und eröffnet am 3. September mit pornografischen Filmen. Diese Nutzung dauert bis April 1977. 

3. September 1976
Der zweite Saal der Museum-Lichtspiele eröffnet als Pornokino 

München-Au * Die Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 eröffnen einen zweiten Kinosaal. Er entsteht durch den Umbau des bisherigen Vorführraums und wird zunächst an Beate Uhse untervermietet. Während im ersten Saal weiterhin Musik- und Tanzfilme laufen, zeigt Kino 2 bis April 1977 pornografische Filme. Die geprüfte Kinogeschichte nennt keine einzelnen Filmtitel. Beate Uhses Unternehmen erzielt 1976 einen Jahresumsatz von 60 Millionen D-Mark. 

24. Juni 1977
Die „Rocky Horror Picture Show“ startet in den Museum-Lichtspielen 

München-Au * Die Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 nehmen „The Rocky Horror Picture Show“ ins Programm. Die Verfilmung des Rockmusicals entwickelt sich zum Kultfilm und bleibt fortan regelmäßig auf dem Spielplan.  

Eine treue Fangemeinde macht die Vorstellungen zum Mitmachereignis: Besucherinnen und Besucher erscheinen geschminkt und kostümiert, tragen Netzstrümpfe, Strapse oder Korsagen, sprechen Dialoge mit, singen und tanzen. Zu bestimmten Filmszenen werfen sie Reis oder Toilettenpapier und spritzen mit Wasser. Die Rituale ergänzen das Geschehen auf der Leinwand um eine eigene Vorstellung im Zuschauerraum. Später bietet das Kino an der Kasse passende Mitmachpäckchen an.  

Die außergewöhnlich lange Vorführtradition macht die Museum-Lichtspiele über München hinaus bekannt und bringt ihnen später einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ein. 

??? 1978
George Harrison finanziert „Das Leben des Brian“

Großbritannien * Zwei Tage vor Drehbeginn drehen die Produzenten den „Monty Python‘s“ plötzlich den Geldhahn für den Film „Das Leben des Brian“ zu. 

Der Ex-Beatle George Harrison investiert kurzerhand 4 Millionen Dollar in das Projekt, indem er kurzerhand die Produktionsfirma „HandMade Films“ gründet und so den Film vor dem „Aus“ bewahrt – „offenbar nur deshalb, weil er den Film sehen wollte“. 

18. September 1980
Die Museum-Lichtspiele eröffnen einen dritten Kinosaal 

München-Au * Die Museum-Lichtspiele an der Lilienstraße 2 erweitern ihr Filmtheater um einen dritten Saal. Er entsteht in einem ehemaligen Lagerraum. Zur Eröffnung für geladene Gäste läuft „The Rocky Horror Picture Show“. Am 19. September beginnt der reguläre Publikumsbetrieb. 

Im selben Jahr erhält der dem Kultfilm gewidmete Saal eine passende Inneneinrichtung. Es ist weltweit das erste Kino, dessen Inneneinrichtung für einen einzigen Film gemacht ist. Die Gestaltung macht den Kinobesuch zum besonderen Erlebnis und unterstützt die ausgelassenen Mitmachrituale des Publikums. 

Bis Ende Oktober 1981 wird hier nur die „Rocky Horror Picture Show“ gezeigt. 

1988
Die Museum-Lichtspiele kommen in den Genuss der Filmtheater-Prämie

München-Au * Die Museum-Lichtspiele kommen - neben weiteren Münchner Filmtheatern - in den Genuss der Filmtheater-Prämie in Höhe von 10.000 DMark. Oberbürgermeister Georg Kronawitter kann den Preis übergeben.

Bundesweit werden 98 Kinos ausgezeichnet. Doch an keinen Ort gehen mehr Auszeichnungen wie an München.

4. Oktober 1991
Die Museum-Lichtspiele feiern den „Rocky Horror“-Weltrekord 

München-Au * Die Museum-Lichtspiele feiern das 15-jährige Jubiläum ihrer Vorführungen der „Rocky Horror Picture Show“. Der Filmverleih Twentieth Century Fox gratuliert zum Weltrekord im Guinness-Buch der Rekorde. Für die Feier sind vier Vorstellungen um 16 Uhr, 18.15 Uhr, 20.30 Uhr und 22.45 Uhr angekündigt. 

8. Oktober 2012
Das Fazit der Wiesn 2012

München-Theresienwiese * Das Fazit der Wiesn 2012:

  • 6,4 Millionen Wiesn-Besucher trinken 6,9 Millionen Mass Bier.
  • Hinter 439 angezeigten Raufereien verbergen sich auch 66 Masskrugschlägereien.
  • Das Rote Kreuz versorgt insgesamt 8.159 Patienten im Servicezentrum direkt auf der Wiesn.
  • Hauptsächlich sind dies Kreislauf- und Herzbeschwerden, verstauchte Füße, Schnittwunden und unzählige Filmrisse. 
  • Bei 739 Patienten müssen die Ärzte eine Alkoholvergiftung diagnostizieren, die dann in umlegenden Krankenhäuser behandelt werden. Dazu sind 1.318 Transporte notwendig. Ein Drittel der ausländischen Patienten zahlt seine Rechnung nicht.
Suchbegriffe: Oktoberfest
29. Oktober 2022
Klima-Aktivisten kleben bei BMW

München-Milbertshofen * Gegen elf Uhr lösen Aktivisten in der BMW-Welt Alarm aus: 14 kleben mit einer Hand an einem Sportwagen, einer filmt die Aktion. Die Polizei nimmt alle fest und beantragt einen Gewahrsam, der nach richterlicher Prüfung auch angeordnet wird: Zwei Wissenschaftler bleiben bis 1. bzw. 2. November in Haft, die übrigen bis zum 4. November, also eine Woche.

Suchbegriffe: Klima, Klimaaktivisten, BMW
Äußere Ludwigsbrücke, Wandbild 5. Dezember 2023
Ein neues Graffiti in der Äußeren Ludwigsbrücke

München * Das neue Wandbild in der Fußgänger- und Fahrrad-Unterführung in der Äußeren Brücke wird eingeweiht. Drei Streetart-Künstler, die sich „Munich Cycle Crew“ nennen, haben die Unterführung gestaltet: 

  • die Münchner Illustratorin und Tätowiererin Miriam Frank, 
  • Maler, Illustrator und Trickfilmzeichner Flin und 
  • Münchens bekanntester Streetart-Künstler Loomit. 

Das größte Problem beim Besprühen und Bemalen der Wände sind die Radfahrer, weshalb die Künstler teilweise nur nachts im Tunnel arbeiteten oder am Tag sehr laut Musik hörten, damit die Leute die Kunstakteure schon vorher bemerken. 

Die Idee zur Unterfahrt-Dekoration kommt von Loomit, der bereits 2006 zusammen mit Shine und den brasilianischen Streetart-Stars Os Gêmeos den Tunnel ausgeschmückt hatte. 

29. August 2026
Neue Bemalung am Teufelsrad löst Debatte aus 

München-Ludwigsvorstadt * Kurz vor Beginn des Oktoberfests wird eine Auseinandersetzung um vier Pappmaché-Frauenfiguren am Eingang des Teufelsrads öffentlich. Auf Anregung der städtischen Gleichstellungsstelle und der Fachstelle für Demokratie erhalten die etwa 80 Jahre alten Figuren Radlerhosen, hochgeschlossene Oberteile und Schuhe. 

Die Stadt begründet die Änderung mit dem Schutz von Frauen vor sexualisierenden Darstellungen und mit der Beseitigung eines rassistischen Stereotyps. SPD und Grüne begrüßen die Anpassung, während die CSU einen nicht abgestimmten Eingriff in eine Wiesntradition kritisiert. Die Betreiberin des Teufelsrads kommt der Aufforderung der Stadt ohne Widerspruch nach. Die Debatte zeigt den Konflikt zwischen dem Erhalt historischer Darstellungen und veränderten gesellschaftlichen Maßstäben. 

Frauen vor Übergriffen zu schützen bedeutet jedoch viel mehr, als Pappmachéfiguren anzuziehen. Es verlangt, das Verhalten realer Menschen in den Blick zu nehmen und konsequent gegen diejenigen vorzugehen, die Frauen ohne deren Einwilligung filmen. Vielleicht liegt die eigentliche Aufgabe deshalb weder im unkritischen Festhalten an der Tradition noch im bloßen Übermalen alter Bilder – sondern darin, ihre Geschichte sichtbar zu machen, sie einzuordnen und gleichzeitig dort zu handeln, wo Frauen tatsächlich belästigt oder verletzt werden.