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4. Juli 907
Die Ungarn vernichten nahe Pressburg fast das gesamte baierische Heer

Bratislava * Die Ungarn vernichten nahe Pressburg (Bratislava) fast das gesamte baierische Heer und einen Großteil der baierischen Führungsschicht.  

Die als Hunnen bezeichneten magyarischen Reiterhorden verbreiten Angst und Schrecken. Sie werden als „wilde Gestalten“ beschrieben, „mit braungelben Gesichtszügen, tief liegenden Augen, heißerer Stimme und bis auf drei Zöpfe abgeschorenem Haar, die das Blut geschlachteter Tiere trinken und ihre Toten verbrennen“. 

1139
Papst Innozenz II. erklärt trennende Ehehindernisse für Priester

Rom-Vatikan * Papst Innozenz II. erklärt die Spende der Weihen zu einem trennenden Ehehindernis. Damit können verheiratete Männer nur noch dann zu Priestern geweiht werden, wenn sie ihre Frau durch Ablegung eines Keuschheitsgelübdes freigibt. Für die Erlangung der Bischofswürde ist sogar der Eintritt der Ehefrau in ein Kloster Voraussetzung. 

16. Oktober 1311
Auf dem Konzil zu Vienne wird der Templerorden aufgehoben

Vienne * Auf dem Konzil zu Vienne wird der Templerorden aufgehoben. Gleichzeitig entscheidet das Konzil aber auch, dass die Templer der ihnen vorgeworfenen Häresie und Blasphemie nicht überführt sind. Bis dahin geht der König rücksichtslos gegen die Templer vor. Geständnisse werden durch die Folter erzwungen und der Widerruf durch Verbrennen geahndet. Trotzdem sterben viele Templer lieber im Feuer, als ihren Widerruf zurückzuziehen.

16. September 1454
Johann von Capistran predigt auf dem Schrannenplatz

München-Graggenau * Der Franziskaner-Pater Johann von Capistran predigt auf dem Schrannenplatz so eindringlich, dass sich angeblich „gemeine Töchter“ [= Prostituierte] zum Besseren bekehren und Münchner ihre Spielbretter und Karten verbrennen. Der Asket erhält dafür von der Stadt ein üppiges Gastgeschenk in Form von Wein, Fischen und Fleisch [!] und reist am selben Tag wieder ab. Doch kaum eine Woche später geben sich die Stadtbewohner wieder den Lustbarkeiten hin. 

Um 1580
Der Jesuitenpater Jeremias Drexel bekämpft die Hexen

München-Kreuzviertel * Der in München ansässige Jesuitenpater und Hofprediger Jeremias Drexel predigt in der Michaelskirche: „Oh ihr Feinde der göttlichen Ehre! Befiehlt denn nicht das göttliche Gesetz ausdrücklich: Die Zauberer sollst du nicht leben lassen? Hier rufe ich so laut ich kann und auf göttliches Geheiß zu den Bischöfen, Herren, Fürsten, Königen: Lasset die Zauberer nicht am Leben! Mit Feuer und Schwert muss diese entsetzliche Pest ausgerottet werden.

Ausgerissen muss dieses Unkraut werden, dass es nicht in übergroßer Fruchtbarkeit emporschieße, wie wir es leider sehen und beklagen. Ausgeräumt soll werden mit den Gottlosen, dass die Pest nicht weiter greift, brennen sollen die Aufrührer Gottes. [...].“

Insgesamt haben die Verfolgungsbefürworter am herzoglich-baierischen Hof ein größeres Gewicht als die kritischen Stimmen. 

1591
Herzog Wilhelm V. beklagt sich über die Unmoral in der Stadt

München * Herzog Wilhelm V. beklagt sich über die stark überhand nehmende Unmoral in der Stadt. Dabei haben selbst die Repräsentanten der Amtskirche Probleme mit der eigenen Lust. Nur in einem sehr schwierigen Prozess gelingt es, die geistlichen Herren auf Dauer von ihren - „Schlafweiber“ genannten - Konkubinen zu trennen. 

26. April 1591
Marco Bragadino wird hingerichtet

München-Graggenau * Der Alchemist und Goldmacher Marco Bragadino wird vor einer großen Menschenmenge auf dem Münchner Schrannenmarkt enthauptet. Die Hinrichtung gerät zum Desaster, weil es dem Scharfrichter erst beim dritten Schlag gelingt, den Kopf vom Rumpf zu trennen. Die Menge tobt und will nun ihrerseits den Henker wegen seiner schlechten Vorstellung lynchen. Nur ganz knapp und mithilfe bewaffneter Soldaten entgeht er der wütenden Menge. 

Um 1600
Herbergshäuser prägen die Vororte östlich der Isar 

Haidhausen - Au  Lohe * In den Ansiedlungen vor München verbreitet sich das Herbergssystem. Eine „Herberge“ bezeichnet dabei einen eigenen Wohnanteil innerhalb eines Hauses: Er kann nur eine Stube, eine Wohnung oder ein ganzes Stockwerk umfassen. Mehrere Menschen besitzen so Anteile am selben Gebäude. Solche Wohnteile heißen auch „Gemächer“, ihre Eigentümer werden in den Quellen als „Gmächler“ bezeichnet.  

  • Die später beschriebenen Herbergshäuser bestehen häufig aus Holz oder Fachwerk und sind in kleine Quartiere geteilt. 
  • Zu einem Wohnteil gehören meist eine niedrige Stube, eine Kammer, eine kleine Küche sowie ein „Kastl“ und eine „Holzleg“ für Vorräte und Brennholz. 
  • Kleine Fenster mit verbleiten Scheiben lassen wenig Licht herein. 
  • Wände und Decken sind aus Holz und werden gekalkt. 
  • Oft gibt es nur in der Stube eine Feuerstelle; dort wird auch gekocht und gewaschen. 
  • Dachräume dienen ebenfalls zum Wohnen. 
  • Meist decken Schindeln die Dächer, Ziegel sind seltener. 
  • Unterschiedlich angeordnete Kamine, Dachaufbauten und gelegentlich kleine Erker geben den Häusern ihr vielfältiges Aussehen. 
  • Eigene Eingänge und Außentreppen trennen die Anteile voneinander; 
  • am Hang sind obere Stockwerke mitunter direkt vom höher gelegenen Gelände aus zugänglich.
Um den 24. April 1600
Nach dem Vater muss Michael Pämb in den Wippgalgen

München-Graggenau * Nach dem Vater muss Michael in den Wippgalgen. Doch der Bursche hält länger durch als sein Vater. Erst als man ihn zusätzlich mit einer brennenden Fackel unter den Achseln foltert, ist auch sein Wille gebrochen. Er bestätigt, dass er Kinderhände zum Zaubern genutzt hat, gesteht Morde, Brandstiftungen, Einbrüche, Raubzüge und alle sonstigen Verbrechen, die man ihm suggeriert. Die Mutter habe ihm das Hexen beigebracht.

Bei seinem älteren Bruder Gumpprecht erzwingen die Folterknechte die Bestätigung für alles sowie weitere Gräueltaten. 

Ab 1616
In Würzburg kommt es zu Hexen-Verfolgungen

Würzburg - Tübingen * In Würzburg kommt es unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn zu ersten Verfolgungen. In einem Tübinger Bericht berichtet ein anonymer Verfasser über den aufkeimenden Hexenwahn im Hochstift:

„Auß dem Bißthum Würzburg: Gründliche Erzehlung der Bischof zu Würzburg das Hexenbrennenim Frankenland angefangen, wie er dasselbeforttreiben, und das Ungeziffer gentzlich außrotten wil, und allbereit zu Geroltzhoffen starke Brände gethan, hinführe alle Dienstag thun will“. 

6. Juli 1629
Erfolgreiche Einführung einer neuen Foltermethode

Ingolstadt * Die Juristenfakultät der Universität Ingolstadt stellt das Todesurteil gegen Catharina Nickhlin aus, nachdem der Hofrat zuvor die Hinrichtung durch Verbrennen befohlen hat.

Dr. Kolb exekutiert in Wallerstein zwischen 1628 und 1630 zwanzig Hexen, in Wemding ist er im Jahr 1629 für die Hinrichtung der ersten neun Delinquenten verantwortlich. Den Erfolg von Dr. Wolfgang Kolb führt man auf die Einführung einer neuen Foltermethode zurück: auf den Bock, den er erstmals im Kurfürstentum Baiern anwendet. 

29. Januar 1630
Eine Bücherverbrennung in Amberg

Amberg * Im Zuge der Rekatholisierung der Oberpfalz lässt Kurfürst Maximilian I. vor den Toren von Amberg 11.183 unkatholische Bücher verbrennen. Diese wurden zuvor von den baierischen Beamten bei systematischen Hausdurchsuchungen eingezogen. Propagandistisch wird die Bücherverbrennung als Strafgericht inszeniert und durch Jesuitenschüler musikalisch unterstützt.

Die Rekatholisierung der Oberpfalz wird bis zum Jahr 1675 weitestgehend abgeschlossen sein. 

20. Mai 1631
Die Kaiserlichen bereiten Magdeburg ein grausliches Blutbad an

Magdeburg * Es kommt zu einem ersten schweren Geschützfeuer auf die Stadt Magdeburg und die umliegenden Dörfer. Am frühen Morgen dringen die katholischen Kaiserlichen, angeführt vom katholischen Oberbefehlshaber Graf Johann Tserclaes von Tilly und General Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim, in die Stadt ein und richten ein grausliches Blutbad an. Magdeburg versinkt in einer Orgie aus Gewalt, Zerstörung und Plünderung. Entsetzte Offiziere bitten Graf von Tilly dagegen einzuschreiten und erhalten die knappe Antwort: „Der Soldat muss etwas haben für seine Gefahr und Mühsal.“

Gegen Mittag fängt die Stadt zu Brennen an. Ob planmäßige Feuer gelegt worden sind, womöglich durch die Verteidiger der Stadt, wird nie geklärt. Jedenfalls verlieren dabei mehr als 15.000 Menschen - nach anderen Quellen sogar bis zu 30.000 Menschen - ihr Leben.  

Die sogenannte „Magdeburger Hochzeit“ gilt als das größte und schlimmste Massaker während des Dreißigjährigen Krieges, über das man in ganz Europa entsetzt ist. Es heißt, die Taten und der Schrecken sind in ihrer Entsetzlichkeit „nicht in Worte zu fassen und nicht mit Tränen zu beweinen“. 

1750
Der Maria Pauer wird der Prozess wegen Schadenszauber gemacht

Mühldorf * In Mühldorf am Inn, das zu diesem Zeitpunk zum Fürstbistum Salzburg gehört, wird der 16-jährigen Maria Pauer der Prozess wegen Schadenszauber gemacht.

  • Im Mühldorfer Hexenkammerl hält man sie monatelang wie ein Tier gefangen.
  • Am Ende des Hexen-Prozesses wird sie zum Tode durch Verbrennen verurteilt, dann aber gnadenhalber zuvor geköpft.  

Maria Pauer müsste die letzte Hexenverbrennung auf bayerischem Boden gewesen sein. 

18. März 1791
Maßnahmen zur Niederlegung der Stadtmauer werden eingeleitet

München * Kurfürst Carl Theodor leitet den Wandel Münchens von der befestigten barocken Residenzstadt zu einer offenen und modernen Hauptstadt ein. Er beauftragt dazu Sir Benjamin Thompson „das Neuhauser Thor so herzustellen, daß die bißherigen Umwege und engen Durchgänge gänzlich vermieden, und der Thorweeg in gerader Linie mit der Neuhausserstrasse über den Wall und bis auf den Punkt, wo sich die Augsburger und Landsberger Strassen trennen, geführt werde“. 

Damit wird die erste, von staatlichen Behörden geplante und vom Kurfürsten sanktionierte Maßnahme zur Niederlegung eines bedeutenden Teilstückes der barocken Festungswerke eingeleitet. Es hat eine für die Stadtentwicklung Münchens herausragende Bedeutung, deren zukunftsweisenden Aspekte man damals in ihrer Gesamtheit noch gar nicht erkennen kann.

Zur Realisierung dieses Vorhabens muss die Neuhauser-Bastion eingeebnet, der Festungsgraben verfüllt und eine Fahrstraße mit Fußwegen auf beiden Seiten über das planierte Gelände hergestellt werden. Damit entsteht unmittelbar vor dem Stadttor ein großer Platz. 

Thompson lässt darüber hinaus auch einen ausgedehnten Sektor der Fortifikationen im Westen der Altstadt mit Wall und Graben niederlegen, sodass das eingeebnete Festungsgelände vom heutigen Lenbachplatz bis zur Herzogspitalstraße reicht. Damit wird eine breite Lücke in das System der Münchner Fortifikation geschlagen und so die Festungseigenschaft der Stadt aufgehoben.

1794
Großes Fest im Englischen Garten

München-Englischer Garten * Widerwillig kehrt Sir Benjamin Thompson Graf von Rumford von seinem Erholungsurlaub von Italien nach München zurück. Da ihn eine - hauptsächlich aus Bettlern bestehende - Menschenmenge freundlich empfängt, organisiert er zum Dank eine großes Fest im Englischen Garten. 30.000 Besucher kommen. Ochsen werden gebraten und Bierfässer angezapft, Musikkapellen spielen und Lampions brennen.

3. April 1807
Bayern organisiert das Bürgermilitär neu 

München - Königreich Baiern * Das „Mandat über die Uniformierung und Organisation des bürgerlichen Militärs in den Städten, Flecken und Märkten des Königreichs“ schafft eine einheitliche Rechtsgrundlage für die bayerischen Bürgerwehren. Alle wehrfähigen Bürger unterliegen nun der Musterungspflicht; als untauglich Eingestufte müssen eine Ersatzabgabe entrichten. Die Offiziers- und Unteroffizierskorps dürfen ihre Reihen ergänzen und Beförderungen weitgehend selbst vornehmen. 

Das Bürgermilitär dient nicht dem Krieg gegen äußere Feinde, sondern schützt die öffentliche Ordnung. Es übernimmt den Wach- und Sicherheitsdienst, wenn reguläre Regimenter ihre Garnison verlassen, bewacht Orte ohne ständig stationierte Truppen und führt Patrouillen im Umland durch. Das örtliche Kommando liegt beim ranghöchsten beziehungsweise dienstältesten Bürgeroffizier. In Garnisonsstädten untersteht er dem militärischen Stadtkommandanten, andernorts dem Landrichter oder Polizeidirektor. 

Das Münchner Bürgermilitär gehört damit nicht zur regulären Garnison. Die traditionelle Trennung zwischen Armee und Bürgerwehr bleibt bis weit ins 19. Jahrhundert bestehen. Aus dem städtischen Wehrwesen entwickelt sich später die Königlich Bayerische Nationalgarde III. Klasse. Aus ihren Reihen kommt 1810 auch der Vorschlag für ein Pferderennen anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen Ludwig – den Ausgangspunkt des Münchner Oktoberfests. 

1809
Die freiwillige Bürgerwehr wird in die Nationalgarde eingegliedert

München * Durch eine Neuorganisation des Militärs wird die bisher freiwillige Bürgerwehr nach französischem Vorbild in die dreigliedrige Nationalgarde eingegliedert.

  • Die Nationalgarde I. Klasse bildet das Stehende Heer,
  • die II. Klasse wird zur Landesverteidigung innerhalb des Königreichs verpflichtet.
  • Die Nationalgarde III. Klasse ist die ehemalige Bürgerwehr. Sie untersteht jetzt den staatlichen Behörden für polizeiliche Aufgaben.

Seit dem Spätmittelalter hatte die Bürgerwehr in zunehmenden Maße repräsentative Funktionen bei festlichen Anlässen der Städte und des Fürstenhauses wahrgenommen. Die vornehmsten Aufgaben - Ehrengeleit und Ehrenwache für höchste Herrschaften blieb der Bürger-Kavallerie vorbehalten. Eine Kavallerie-Division gibt es - neben dem Invanterie-Regiment und der Artillerie-Kompanie - auch in München.

Sie wird unter ihrem Major Andreas von Dall‘Armi das Pferderennen aus Anlass der Hochzeit von Kronprinz Ludwig I. und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen austragen.

Eine „Schicki-Micki-Armee“.

Anfang Mai 1809
Die Tiroler unternehmen Beutezüge nach Baiern

Tirol - Königreich Baiern * Auf Befehl von General Chasteler und unter der Führung eines Freiherrn von Taxis unternehmen rund 800 Tiroler Beutezüge. nach Baiern, um dort nach Belieben zu Brennen und zu plündern. Schongau, Oberndorf, Kaufbeuren und Kempten werden überfallen. 

Die Stimmung gegen Baiern wird durch das österreichische Militär mit einigen Propagandalügen noch aufgeheizt. Der in Diensten Österreichs stehende Martin Teimer reist durch Tirol und erklärt, dass die Baiern beabsichtigen, in allen Orten die Kirchen zu schließen bis auf eine, alle Beichtstühle zu verbrennen bis auf einen, alle Altäre abzutragen bis auf einen und alle Kelche zu konfiszieren bis auf einen. 

15. Mai 1809
Der Kampf um Schwaz dauert zwei Tage

Schwaz - Tirol * Zwei Tage dauert der Kampf um Schwaz, das im Verlauf in Flammen aufgeht. 420 der 425 Häuser brennen. Die Einwohnerzahl sinkt von 5.200 auf 3.000. Selbst in München scheint der Himmel über der Alpenkette zu glühen, aber „nicht vom Feuer der untergehenden Sonne, sondern vom Mordbrande“, schreibt Bettina von Arnim an Johann Wolfgang von Goethe.

24. Oktober 1809
Die baierischen Truppen ziehen in Innsbruck ein

Innsbruck * Die baierischen Truppen ziehen in Innsbruck ein. Der Bergisel ist nur notdürftig besetzt. Viele der besten Anführer und Kompanien der Tiroler wollen nicht mehr kämpfen. Die Baiern hätten die Tiroler Stellungen einfach überrennen können, doch Kronprinz Ludwig I. will ein unnötiges Blutvergießen vermeiden. Stattdessen soll eine Truppenparade die baierische Macht demonstrieren und jeden weiteren Widerstand als sinnlos erscheinen lassen.

Suchbegriffe: Tirol, Innsbruck, Bergisel
Personen: Ludwig I. König
2. Oktober 1810
Dall’Armi legt den Pferderennen-Vorschlag dem König vor 

München * Major Andreas Michael von Dall’Armi greift Baumgartners Idee auf und unterbreitet König Max I. Joseph den Plan für ein öffentliches Pferderennen. Bereits am 5. Oktober soll die königliche Genehmigung vorliegen. Das Rennen findet schließlich am 17. Oktober statt und wird zum Ausgangspunkt des Münchner Oktoberfests. 

4. Oktober 1810
Einladungen zum Pferderennen werden verschickt 

München * Die Organisatoren versenden Einladungen und Ausschreibungen für das am 17. Oktober geplante Pferderennen zu Ehren des königlichen Hochzeitspaares. Als Rennplatz ist das weite, unbebaute Gelände „vor dem Sendlinger Thore, seitwärts der Straße die nach Italien führt“ vorgesehen. Das Areal vor den Toren Münchens erhält erst später den Namen Theresienwiese.

17. Oktober 1810
Ein Pferderennen begründet das Oktoberfest

München-Ludwigsvorstadt * An einem milden Herbstmittwoch bildet ein öffentliches Pferderennen den Abschluss und Höhepunkt der Feierlichkeiten zur Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese. Während Opernaufführungen und Hofbälle vor allem geladenen Gästen vorbehalten bleiben, kann die gesamte Bevölkerung das Rennen auf den unbebauten Wiesen vor dem Sendlinger Berg verfolgen. 

Organisiert wird die als Huldigung an das Brautpaar gedachte Veranstaltung von der Kavallerie der Nationalgarde III. Klasse unter ihrem Major, dem Bankier Andreas Michael Edler von Dall’Armi. Das Rennen greift die ältere Münchner Tradition der sogenannten Scharlachrennen auf. Der Lohnkutscher und Unteroffizier Franz Baumgartner, dem die ursprüngliche Idee zugeschrieben wird, gewinnt den ersten Preis. 

Das erfolgreiche Pferderennen wird im folgenden Jahr wiederholt und entwickelt sich zum jährlich stattfindenden Oktoberfest. Die Bezeichnung „erstes Oktoberfest“ entsteht somit rückblickend. Zum Zeitpunkt der Veranstaltung trägt auch das Festgelände noch nicht den heutigen Namen Theresienwiese. 

17. Oktober 1810
Nationalgardisten beten für die königliche Familie

München-Kreuzviertel * Andreas Michael von Dall’Armi legt den Ablauf des Festtages in einer „Disposition des Festes“ bis ins Einzelne fest. Um 9 Uhr beginnt im Bürgersaal eine Messe. Dort sollen die Angehörigen der Nationalgarde für ein langes Leben des Königs, der Königin und der gesamten königlichen Familie beten. Erst anschließend ziehen sie zum Pferderennen auf die Wiesen vor dem Sendlinger Berg.

17. Oktober 1810
Fahnen zeigen die Verbundenheit mit dem Königshaus

München-Ludwigsvorstadt * Beim feierlichen Aufmarsch zum Pferderennen führt die Nationalgarde III. Klasse ihre Fahnen mit. König Max I. Joseph hat sie den Gardisten am 12. Oktober 1808 überreicht. Die Fahnen stehen für die Treue der bürgerlichen Wehrverbände zum Königshaus und verleihen dem Festzug einen repräsentativen und militärischen Charakter. Zugleich unterstreichen sie den Anspruch, das Hochzeitsfest als gemeinsames Fest des Herrscherhauses und der bayerischen Bevölkerung zu inszenieren. 

17. Oktober 1810
Kinder huldigen dem königlichen Brautpaar

München-Ludwigsvorstadt * Nachdem die königliche Familie im Pavillon Platz genommen hat, tritt eine Gruppe von „Kindern im Nationalkostüme“ vor das Brautpaar. Die Töchter und Söhne von Angehörigen der königlich-bayerischen Kavalleriedivision tragen unterschiedliche Landestrachten und überbringen Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese stellvertretend für die Bevölkerung ihre Glückwünsche. 

Die aufwendig inszenierte Huldigung stellt die verschiedenen Landesteile des noch jungen Königreichs als geeinte bayerische Nation dar. Das Pferderennen dient damit nicht nur der Unterhaltung, sondern zugleich der Repräsentation des Königshauses und der Förderung eines gemeinsamen bayerischen Staatsbewusstseins. 

17. Oktober 1810
Rund 40.000 Menschen ziehen zum Pferderennen

München-Ludwigsvorstadt * Nach der Messe im Bürgersaal versammeln sich die Kavallerieabteilungen der Nationalgarde am Hofgarten. In zwei zeitlich versetzten Zügen durchqueren die Gardisten München von Norden nach Süden und ziehen über die Landstraße nach Sendling zur Festwiese am Fuß des Sendlinger Berges. 

Dort steht der königliche Pavillon, an dem Nationalgardisten die Ehrenwache übernehmen. Als Überdachung dient ein rund 67 Meter langes, ursprünglich hellgrünes Audienzzelt des osmanischen Großwesirs. Kurfürst Max Emanuel soll es 1683 nach der Befreiung Wiens als Kriegsbeute nach Bayern gebracht haben. Der zweite, von einer Militärkapelle mit Musik im damals beliebten „türkischen“ Stil angeführte Zug begleitet die Rennpferde und Preisfahnen zum Festplatz. 

Auf dem Sendlinger Berg stehen Zelte und Sitzbänke für die Besucher bereit. Nach den Angaben des Organisators Andreas von Dall’Armi verfolgen rund 40.000 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten das Spektakel – nahezu so viele, wie München damals Einwohner hat. Die natürliche Anhöhe des Sendlinger Berges, die spätere Schwanthalerhöhe, dient ihnen als Tribüne. 

17. Oktober 1810
Ein siebenbürgischer Apfelschimmel gewinnt das Pferderennen

München-Ludwigsvorstadt * Nach einem kleinen Frühstück der königlichen Familie beginnt das Pferderennen. Dreißig Pferde treten zu einem Lauf über drei Runden an, der insgesamt etwa zehn Kilometer umfasst. Die Rennbuben reiten ohne Sattel; sie sind meist jünger als 20 Jahre, der jüngste Teilnehmer ist erst zehn Jahre alt. Da ihnen damals nur geringe Bedeutung beigemessen wird, erscheinen ihre Namen teilweise nicht einmal in den Rennlisten. 

Als Rennrichter wirken Johann Schwangart, der Bierbrauer Cajetan Trappentreu und der Bäcker Anton Seidl. Nach 18 Minuten und 14 Sekunden erreicht ein siebenbürgischer Apfelschimmel als erstes Pferd das Ziel. Er gehört dem Münchner Lohnkutscher Franz Baumgartner, dem die Idee zu dem Rennen zugeschrieben wird, und wird der Überlieferung nach von einem zwölfjährigen Rennbuben geritten. Baumgartner gilt deshalb offiziell als Sieger und erhält 20 der insgesamt 98 Gulden Preisgeld. Mit der Preisverleihung endet das Fest. 

17. Oktober 1810
Die Festwiese erhält den Namen „Theresens-Wiese“

München-Ludwigsvorstadt * Im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Pferderennen regt Organisator Andreas Michael von Dall’Armi an, den Festplatz nach der Braut des Kronprinzen zu benennen. König Max I. Joseph stimmt zu. Die Wiese, auf der das „erste baierische Nationalfest“ stattfindet, soll „zum bleibenden Andenken Theresens-Wiese“ heißen. Den Wunsch gewährt der König herzlich gerne, da es ihm ja nichts kostet. Aus dieser ursprünglichen Bezeichnung entwickelt sich später der Name „Theresienwiese“ – im Münchner Sprachgebrauch kurz „Wiesn“. 

November 1810
Das Oktoberfest soll jährlich stattfinden 

München-Ludwigsvorstadt * Die Organisatoren des Pferderennens und das Generalkomitee des Landwirtschaftlichen Vereins in Bayern vereinbaren, die Volksfeier künftig grundsätzlich jedes Jahr während der Maximilianswoche um den 12. Oktober auszurichten. Das Pferderennen soll mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung und der Prämierung herausragender Zuchttiere verbunden werden. Damit entwickelt sich die einmalige Hochzeitsfeier zu einem regelmäßig wiederkehrenden Volks- und Landwirtschaftsfest. 

Bis 1818 trägt der Landwirtschaftliche Verein die Verantwortung für das Gesamtfest aus Pferderennen und landwirtschaftlicher Leistungsschau. Wegen der Napoleonischen Kriege kann die Veranstaltung allerdings 1813 und 1814 nicht stattfinden. Ab 1819 übernimmt die Stadt München die Organisation des Oktoberfests.

2. April 1812
Lohe und Obere Falkenau werden von der Au getrennt 

Vorstadt Au - Giesing * Nach Protesten der Bewohner und gegen den Willen des Landgerichts München ordnet das Generalkommissariat des Isarkreises an, Lohe und Obere Falkenau von der Au zu trennen und mit Obergiesing zu einer eigenen Landgemeinde zusammenzufassen. Kirchlich gehören beide Orte bereits seit 1809 zu Obergiesing; die politische Vereinigung folgt 1814. 

Das überwiegend bäuerliche Obergiesing übernimmt damit auch die von Tagelöhnern und Herbergen geprägten Siedlungsgebiete am Auer Mühlbach. Das damalige „Untergiesing“ oder „Niedergiesing“ am Nockherberg bleibt dagegen bei der Au. Der Name bezeichnet ursprünglich einen anderen Siedlungsbereich als das heutige Untergiesing. An die ehemalige Lohe erinnert die Lohstraße. 

Oktober 1812
Erstmals wird der Begriff Central-Landwirtschaftsfest gebraucht

München-Theresienwiese * Das Volksfest auf der Theresienwiese wird als Central-Landwirtschafts- oder Oktoberfest bezeichnet.

  • Für die landwirtschaftlich ausgerichteten Programmpunkte des Oktober-Festes wird erstmals der Begriff Central-Landwirtschaftsfest gebraucht.
  • Es gibt ein Pferderennen und einen Nutzviehmarkt.  
  • Die preisgekrönten Tiere werden auf der Wiese vor dem Königszelt im Beisein von König Max I. Joseph prämiert und ausgezeichnet. 
12. Oktober 1814
Ein Oktoberfest ohne Pferderennen

München-Theresienwiese * Aufgrund der Befreiungskriege findet das Oktoberfest nur in begrenztem Umfang statt. Das Pferderennen fällt aus. Nur das Landwirtschaftliche Zentralfest mit seinem Viehmarkt wird abgehalten. Von der königlichen Familie erscheint nur Prinzessin Auguste auf der Wiesn. 

Oktober 1815
Wieder ein Oktoberfest mit den gewohnten Attraktionen

München-Theresienwiese * Das Oktoberfest wird wieder mit den gewohnten Attraktionen (Pferderennen, Vieh-Prämierung und Viehmarkt) durchgeführt.

Lehrlinge und Feiertagsschüler, die sich durch herausragende Leistungen hervorgehoben haben, werden mit Preisen bedacht. Schüler zeigen gymnastische übungen und liefern sich Wettrennen.

Außerdem zeichnet man besonders fleißige und gehorsame Münchner Dienstboten aus, die mindestens 20 Jahre bei der gleichen Herrschaft „treu und fleißig gedient, sich allen Kleiderluxus enthalten und sich einer lobenswerten Sparsamkeit beflissen“ haben.

Oktober 1816
Eine Gesellschaft für die Oktoberfeste wird neu gegründet

München-Theresienwiese * Die Finanzierung des Pferderennens auf dem Zentrallandwirtschafts- oder Oktoberfest überfordert den Landwirtschaftlichen Verein in Baiern. Deshalb wird sie vorübergehend von der neu gegründeten Gesellschaft für die Oktoberfeste übernommen. Diese Lösung hält bis zum Jahr 1819. 

16. April 1817
Eine Brandstiftung aus Hungersnot

München-Graggenau * Durch Brandstiftung brennt in der Nacht vom 16. April 1817 der seit zwei Jahren im Hof des Marstalls gelagerte Dachstuhl für das Hof- und Nationaltheater ab. An der Brandstelle findet man Zettel mit der Aufschrift „Brot oder Brand“.

Böse Zungen behaupten ernsthaft, der Dachstuhl „hat brennen müssen“, weil letzte Nachmessungen gezeigt hätten, dass die Querbalken zu kurz gewesen seien und dadurch die Unfähigkeit des Architekten Carl von Fischers ans Licht gekommen wäre. 

25. September 1819
Der Magistrat übernimmt die organisatorische Verantwortung für die Wiesn

München-Theresienwiese * Nachdem die Stadt München ein Jahr zuvor durch das Gemeinde-Edikt und die Verfassung des Königreichs Baiern erste kommunale Selbstverwaltungsrechte zurückerhalten und sich neu konstituiert hat, übernimmt der Magistrat der Stadt die alleinige organisatorische und finanzielle Verantwortung für den Unterhaltungsteil des Oktoberfestes, worunter das Pferderennen und das Vogelschießen gemeint ist. Für diesen Teil wird künftig der Name Oktoberfest gebraucht.

Die Ausrichtung des landwirtschaftlichen Teils (Vieh-Prämierung, Ausstellung und Viehmarkt) bleibt in der Verantwortung des Landwirtschaftlichen Vereins. Dieser Teil wird künftig als Landwirtschaftliches Centralfest bezeichnet werden.

Bis heute ist die Landeshauptstadt München der alleinige Veranstalter der Wiesn.

9. August 1832
Mit dem Guss der Königsfigur kann begonnen werden

München-Maxvorstadt * Mit dem Guss der Königsfigur auf dem Max-Joseph-Platz kann begonnen werden. Stiglmaier hat erstmals beim Guss des „Max-Joseph-Denkmals“ die Form mit der sogenannten Schwarzen Masse, einer Mischung aus angefeuchtetem Sand, Lehm und Holzkohle hergestellt und will die Figur in einem Stück gießen.

Das Metall wird mehrere Tage lang in einem mit Holz gespeisten sogenannten Flammofen bis zum Schmelzen erhitzt. Zuerst wird das Kupfer geschmolzen, zuletzt das leicht verbrennende Zinn untergerührt. Nach Entfernen des Tonpfropfens aus dem Flammofen, fließt die flüssige Bronze in einem schmalen, feuerfesten Kanal in ein größeres Reservoir über der fertigen Gussform. Auf ein Kommando öffnen die Arbeiter alle mit eisernen Pfropfen verschlossenen Zuflussöffnungen, sodass das flüssige Material aus dem Reservoir in die Gussform stürzen kann.

Der Guss der Königsstatue ist ein derart außergewöhnliches Ereignis, dass daran der komplette Magistrat der Haupt- und Residenzstadt München, der Finanzministe, der Direktor der Königlichen Münze und Leo von Klenze teilnehmen. An den Guss einer auch nur annähernd gleichwertigen Bronzeplastik kann sich keiner der Gäste erinnern. Er lag viele Generationen zurück. 

Doch der Versuch, die Figur in einem Stück zu gießen, missglückt. Fünfzehn Personen werden bei diesem Unglück verletzt und das Werk von achtzehn Monaten Arbeit vernichtet. Ferdinand Miller beziffert den Schaden auf 8 bis 10.000 Gulden.

6. Dezember 1832
Prinz Otto macht sich auf den Weg nach Griechenland

Ottobrunn - Aibling * Der 17-jährige Bayernprinz Otto macht sich von der Münchner Residenz auf nach Griechenland, in sein neues Königreich. In Ottobrunn nimmt König Ludwig I. Abschied von seinem Sohn.

Königin Therese wird ihn noch bis nach Aibling begleiten. An der Brücke über die Mangfall wird sie sich - unter Tränen - von ihrem Sohn trennen.

Oktober 1835
Familienfest der Wittelsbacher und ihres Volkes

München-Theresienwiese * König Ludwig I. verbietet zwar alle öffentlichen Feiern aus Anlass seiner Silberhochzeit. Gleichzeitig „geruht“ er aber, „die Verherrlichung und Verjüngung der 25-jährigen Jubelfeier des Oktoberfestes zu gestatten“. Dabei lassen sich die beiden Anlässe nicht trennen, da sie in einem direkten Zusammenhang stehen. Dieses Oktoberfest wird deshalb auch als „Familienfest der erhabenen Wittelsbacher und ihres Volkes“ bezeichnet.  

Der Festumzug umfasst 86 aufwändig geschmückte Wägen, die

  • die Kreise Bayerns präsentieren,
  • Epochen der bayerischen Geschichte,
  • verschiedene Lebenswelten der Regionen,
  • unterschiedliche Bevölkerungsschichten, Berufsgruppen und Erwerbszweige oder lokale Legenden darstellen.
  • Die in Tracht gekleideten Festzugs-Teilnehmer verkörpern die bayerische Gesamtnation. 
18. November 1841
Das Portal der Theatinerkirche bleibt geschlossen

München-Kreuzviertel * Der Sarg der evangelischen Königin Caroline wird in einem feierlichen Zug von der Herzog-Maxburg zur Theatinerkirche geleitet. Sechzehn evangelische Geistliche gehen vor dem Sarg, dahinter König Ludwig I. und weitere hohe monarchische Würdenträger. An der Theatinerkirche angekommen, bleibt das Kirchenportal geschlossen.

Trotz schlechten Wetters muss die Aussegnung vor der Kirche vorgenommen werden. Erst dann können die sterblichen Überreste der Königin an die Priester des Kollegiatsstifts von Sankt Cajetan übergeben werden.

Die katholischen Priester sind in gewöhnlicher Straßenkleidung erschienen, die Kirche ist dem Anlass entsprechend nicht ausgeschmückt, keine brennenden Kerzen, keine Orgelmusik, kein Gesang. Die evangelischen Geistlichen dürfen die Theatinerkirche nicht betreten. Der Sarg wird ohne Gebet und Segen in der Gruft abgestellt. Angeordnet hat diese Maßnahmen gegen die Häretikerin der Erzbischof von München-Freising, Lothar Anselm Freiherr von Gebsattel.

16. Oktober 1842
Ein Festzug mit Brautpaaren bewegt sich auf die Theresienwiese

München - München-Theresienwiese * An diesem Sonntag versammeln sich 35 Brautpaare, die aus den acht Regierungsbezirken des Königreichs Bayern stammen, samt ihren Eltern oder deren Stellvertreter, mit den Trauzeugen und der sonst an jedem Ort üblichen Begleitung eines Brautzuges. Sie werden in der katholischen Michaelskirche beziehungsweise der evangelischen Matthäus-Kirche verehelicht. 

Nach einem gemeinsamen Mittagsmahl im Saal des Alten Rathauses bewegt sich der etwa 400 Personen umfassende und in den unterschiedlichen Trachten gekleidete „Hochzeiter“-Zug zur Theresienwiese, in die die 24 katholischen und elf protestantischen Brautpaaren in bayerischer Tracht einbezogen werden. 

Das Kronprinzenpaar eröffnet das Oktoberfest. Danach wohnen die Brautpaare gemeinsam mit der Herrscherfamilie dem Hauptpferderennen und der Preisverleihung des Landwirtschaftsfestes bei. 

3. Mai 1847
Das Gelände der Schießstätte wird an die Eisenbahn verkauft

München-Ludwigsvorstadt - München-Maxvorstadt * Das Gelände der Königlich Privilegierten Hauptschützengesellschaft wird an die staatliche Generalverwaltung der Kgl. Eisenbahnen um 150.000 Gulden verkauft.

Weil aber viele Bürger die Notwendigkeit der Eisenbahn nicht anerkennen, beschweren sie sich in einer Petition über den Verkauf der Schießstätte. Für die Beschwerdeführer ist die Eisenbahn ein „unnützes Spielzeug finanzkräftiger und prestigesüchtiger Bürger“. Außerdem, so die Kritiker, schadet das Reisen mit der Eisenbahn - durch die Rauchentwicklung, der die Passagiere schutzlos ausgeliefert sind - der Gesundheit.

Tatsächlich verfügt damals nur die erste Wagenklasse über verglaste Fenster; die Wagen der 4. Klasse sind nicht einmal überdacht. Und da die München-Augsburger-Eisenbahngesellschaft statt der teuren Kohlen mit Torf und Holz heizt, regnet es nicht selten auch brennende Funken und Späne auf die Passagiere nieder.

Die Argumente änderten letztlich aber nichts am Verkauf der Schießstätte. Doch zur Beruhigung der Situation lässt König Ludwig I. die zu fällenden Kastanien ausgraben und am Wittelsbacher Palais wieder einpflanzen. 

4. März 1848
Die Stürmung des Zeughauses

München * An diesem Faschingssamstag kommt es zur Stürmung des Zeughauses. Mehrere Gerüchte machten in München die Runde.

  • Ein Gerücht lautet: „Der König hat alles zurückgenommen. Er will von den Bürgern nichts mehr wissen“.  
  • Ein anderes spricht von bewaffneten Bauern, die vor den Stadttoren lauern. Sie „wollen die Regierung stürzen und in der Stadt sengen und brennen“.  

Um 14 Uhr wird bekannt, dass die Landwehr mit dem sogenannten Generalmarsch mobilisiert worden ist. Damit ist faktisch der Ausnahmezustand ausgerufen. In dieser Stimmung aus Angst vor einem militärischen Übergriff oder vor anarchischen Zuständen durch Vorstädter aus der Au oder Haidhausen, kommt es an zur Stürmung des Zeughauses.

Das Korn- und Geschützhaus am Jakobsplatz, dem heutigen Stadtmuseum, wird ohne Blutvergießen gestürmt und die Waffen aller Gattungen ausgegeben. Der mehrere Tausend Menschen umfassende und bewaffnete Demonstrationszug zieht bis zum Promenadeplatz, wo sich das bewaffnete Bürgertum mit der dort versammelten Landwehr vereinigen will. Doch zwischen den beiden Lagern hat inzwischen das Militär mit schwerer Ausrüstung und vier Kanonen Stellung bezogen. In dieser angespannten Situation erscheint rechtzeitig Prinz Carl, der Bruder des Königs und seit 1841 bayerischer Feldmarschall. Er kann die Situation mit der Aussage beruhigen, dass die Stände bereits zum 16. März einberufen werden.  

Erstaunlicherweise reicht den Münchnern diese - eigentlich lächerliche - Zusage. Sie legen die Waffen nieder und bringen das Kriegszeug brav wieder zurück ins Korn- und Geschützhaus. 

Um 1850
Der Masskrug wird zum Werbeträger 

München * Die Münchner Brauereien statten Gaststätten, Bierhallen und Biergärten zunehmend mit eigenen Masskrügen aus. Die zunächst unbeschrifteten Gefäße bestehen überwiegend aus grauem Steinzeug. Bald versehen die Brauereien ihre Krüge mit Namenszügen oder Firmenzeichen. Diese Markierungen dienen zunächst als Eigentumsnachweis, entwickeln sich jedoch gegen Ende des Jahrhunderts zu einem wichtigen Werbemittel. 

Die Gestaltung wird immer aufwendiger. Einfache, vor dem Brennen eingeritzte Schriftzüge weichen plastischen Emblemen, Stempeln und farbigen Aufdrucken. Die Brauereien versuchen, ihre Krüge durch auffällige Beschriftungen und Verzierungen unverwechselbar zu machen. 

Gleichzeitig setzt sich der deckellose Steinzeugkrug durch. Er ist preiswerter herzustellen und leichter zu reinigen, da die Kosten für Zinndeckel, Scharniere und deren Montage entfallen. Brauereien und Wirte fördern deshalb seine Verwendung im alltäglichen Ausschank. Krüge mit Zinndeckel bleiben vor allem als persönliche Trinkgefäße, Erinnerungsstücke und repräsentative Schmuckkrüge erhalten. 

1851
Prozess um die Verführung minderjähriger Mädchen

München - Anif * Irene Gräfin von Arco-Stepperg, die Gattin von Aloys (Louis), wird von ihren Brüdern aus dem Hause Pallavicini gezwungen, sich zur Wahrung der Familienehre von ihrem Ehemann zu trennen. 

Die Ursache für diesen ungewöhnlichen Schritt liegt in einem Prozess begründet, den man Aloys (Louis) Graf von Arco-Stepperg in Anif macht. Es geht dabei um die Verführung minderjähriger Mädchen. 

1. Juni 1871
Die Ruhe und der Beschaulichkeit in Untergiesing ist dahin

München - Braunau - Linz - Wien * Die über Mühldorf nach Simbach/Braunau am Inn führende Hauptverkehrsstrecke der Eisenbahn wird eröffnet. Sie führt weiter über Linz nach Wien. Spätestens ab jetzt ist es mit der Ruhe und der Beschaulichkeit in Untergiesing vorbei.

Während die neue Streckenführung für den Güter- und Personenverkehr einen erheblichen Zeitgewinn bedeutet und reiche Spekulanten noch reicher macht, ist die Bahnlinie für Untergiesing mit erheblichen Nachteilen verbunden und bringt für die ansässigen Bewohner neben einer Lärmbelästigung noch zusätzlichen Gestank und einen sieben Meter hohen, die ganze Ortsflur durchtrennenden Bahndamm.

Der gewünschte Bahnhof, verbunden mit der Möglichkeit der Ansiedelung von Industrieanlagen, bleibt den Untergiesingern ebenfalls versagt. War zu Beginn noch von einer Station mit Güterhalle die Rede, so verwarf die Generaldirektion auch diese Pläne, da Bodenuntersuchungen die Untergiesinger Isarauen als denkbar ungünstiges Areal für einen Bahnhof bezeichneten.

Das bedeutet für die Stadt München, dass sie nach einen neuen Standort für den Städtischen Schlacht- und Viehhof suchen muss, der ursprünglich zwischen Schyrenbad und Stadtgartendirektion geplant war.

1878
Der Velociped-Klub führt immer wieder Rennen in den Isarauen durch

München * Der Münchner Velociped-Klub führt in den kommenden Jahren immer wieder Rennen in den Isarauen durch, hat allerdings das Problem, dass sie tagsüber verboten sind und die Obrigkeit nichts davon erfahren darf. So auch anno 1878, als die Fahrer in der vorletzten Runde „von der bewaffneten Macht, die von der Veranstaltung Wind bekommen hatte, mit donnerndem Halt zum Absitzen gezwungen wurden“.

Der Attraktivität des neuen Sports schadeten diese Maßnahmen in keinster Weise. Auch wenn die Rennen wegen der Verbote in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt werden mussten, war das Publikumsinteresse am „Reiten auf den Velocipeden“ riesengroß.

Schon deshalb erlebt die Stadt seither ständig neue radsportliche Höhepunkte. Die ehrgeizigen Münchner Velo-Clubs verfügen immer über die besten und schnellsten Rennbahnen.

1883
Die Münchner Fahrrad-Vereine bieten Attraktionen

München * In München kämpfen neben dem Münchner-Velociped-Club noch zwei weitere Fahrradvereine um die Gunst des Publikums: der Münchner Bicyle Club und Bavaria. 

Sie brauchen jetzt selbstverständlich auch eine Bahn und so wird am Heumarkt an der Kapuzinerstraße eine 400 Meter lange Strecke eröffnet, die sich allerdings als unzweckmäßig erweist.

Daher entsteht kurze Zeit später auf der Theresienwiese eine neue Bahn - mit einem eingebauten Hügel als Hindernis -, die auf dem Oktoberfest mit den Wiesenrennen eine zusätzliche Attraktion bietet.

September 1884
Heinrich Roth gewinnt acht Jahre hintereinander das Oktoberfest-Rennen

Theresienwiese * Nachdem auf der Theresienwiese neben der obligatorischen Pferde-Rennbahn eine zusätzliche Spur für Rad-Rennfahrer angelegt worden ist, gewinnt Heinrich Roth acht Jahre hintereinander das große Oktoberfest-Rennen.

Und jedes Mal gratuliert ihm bei der Preisverleihung der Prinzregent und schüttelt ihm die Hand. Nach dem sechsten Sieg sagt der bayerische Monarch: „Geh, Roth, lassen's halt aa amal de andern gwinna“. Darauf erwidert der Rennfahrer nur: „De braucha bloß schnella fahrn!“

1886
Buffalo Bill hält sich mit seiner Wildwest-Schau in München auf

München - München-Untergiesing * William Frederick Cody, besser bekannt unter seinem Pseudonym Buffalo Bill, hält sich mit seiner Wildwest-Schau in München auf. Die Münchner sind begeistert von den „tollkühnen Zugstücken“, worunter man die Reiterkünste bei einem nachgespielten Überfall auf einen Eisenbahnzug versteht.

In der Schau treten neben der „ritterlich schönen Erscheinung“ Buffalo Bills noch nordamerikanische Indianer und mexikanische Baqueros auf. Die Zuschauer schwärmen von den „Künsten der Naturreiter“ und ihren „wahrhaft schönen und sicheren Sitz und ihrer prächtigen Haltung“ und vom Anblick der Indianer, „deren nackte, ebenmäßige Glieder so bunt bemalt sind, als trügen die braunen Herrschaften grellfarbene Tricots“. 

Juni 1886
Der Münchner Radrennsportler Heinrich Roth gewinnt das Rennen

München - Freising * Für den Münchner Radrennsportler Heinrich Roth ergibt sich eine erste sportliche Herausfordeung, nachdem sich Mitglieder des Freisinger Trabrennvereins mit den Hochrad-Fahrern aus München messen wollen. An einem Junimorgen steht der 17-jährige Heinrich Roth mit seinem 1,37 Meter über den Boden ragenden Hochrad vor dem Großen Wirt in Schwabing - gemeinsam mit fünf anderen Radfahrern - am Start zum Rennen nach Freising.

Für die dreißig Kilometer lange Strecke braucht damals

  • ein guter Traber rund zwei Stunden,
  • die neuartige Eisenbahn bewältigt die Entfernung in siebzig Minuten.
  • Der Renn-Radler legte die Strecke in exakt einer Stunde und vier Minuten zurück.

Heinrich Roth siegt damit nicht nur mit einer halben Stunde Vorsprung vor seinen Konkurrenten, sondern unterbietet auch noch die Fahrzeit der Eisenbahn um sechs Minuten. Die Sensation ist damit perfekt. Doch das war erst der Anfang der Karriere des ambitionierten Rennfahrers und es sollte weiter steil nach oben gehen.

31. Juli 1888
Die Elefanten-Katastrophe

München * Zum Höhepunkt der Centenarfeier, dem drei Kilometer langen Festzug, formieren sich tausende Menschen und Tiere. Der „Künstler- und Handwerkerzug“ beginnt am Karlsplatz-Stachus, führt zum Marienplatz und von da durch die Dienerstraße zum Max-Joseph-Platz. Von hier aus bewegte er sich über den Odeonsplatz zum Siegestor, wo der Zug wendet, um auf der westlichen Straßenseite wieder zurück zur Briennerstraße zu gelangen, von wo aus der Weg weiter zum Königsplatz führen soll. 

Die Festzugsgruppe der „Kauf- und Handelsleute“ präsentiert sich dabei mit einem Wagen, zu dem acht indische Elefanten gehören. Diese entstammen einer Leihgabe des Zirkusdirektors Carl Hagenbeck. Beim Umzug durch die Ludwigstraße trotteen die exotischen Tiere gelassen und brav einher. Als der Festzug jedoch am Siegestor eine Schleife macht, treffen die von Berbern berittenen Elefanten auf die als feuerspeienden Drachen dekorierte Straßenlokomotive in der Gruppe der Eisenindustrie. Die Elefanten erschrecken durch ein unachtsames Dampfablassen und von dem Rattern und Gezische des grotesken Vehikels derart, dass sie scheuten und wild trompetend davonrasen. Die aufgescheuchten Elefanten lösen wiederum eine Massenpanik unter den Besuchern aus. 

Den Anfang macht ein Elefantenbulle, der wild zu trompeten beginnt, durch die Ludwigstraße nach Norden trampelt und vor der Staatsbibliothek randaliert. Drei Tiere folgen ihm, Panik bricht aus, im Gedränge sterben Menschen. Die Zirkuswärter brauchen die Hilfe der schweren Reiterei, um die Elefanten zu bändigen. 

Vier weitere Elefanten nehmen in die entgegengesetzte Richtung Reißaus und verbreiten Angst und Schrecken. Im ungezügelten Galopp rennen sie über die Ludwig- in die Maximilianstraße, steuern den Hofgraben zu, wo sie an der Königlichen Münze das Hauptportal einrennen. Über den Alten Hof laufen sie weiter zum Viktualienmarkt und richten unter den Verkaufsständen verheerende Verwüstungen an. Ein Elefant soll sogar ins Hofbräuhaus gerannt sein, bei denen Münchner Wirtshausbrüder und Elefanten einander Rüssel an Nase begegnen. 

Ihr weiterer Weg führt zum Gärtnerplatztheater und von dort zur Auenstraße 46, wo sie sich im Hof einfangen und beruhigen lassen. Später bringt man einen an die Vorgänge erinnernden Gedenkstein an. Immerhin verlieren durch die „Elefanten-Katastrophe“ und der damit verbundenen Massenpanik zwei, nach anderer Quelle vier Menschen ihr Leben. Zudem verursacht sie 42 Verletzte. 

19. April 1890
Buffalo Bills Wildwest-Show beginnt auf der Theresienwiese 

München-Ludwigsvorstadt * Mit der ersten Vorstellung von „Buffalo Bill’s Wild West“ auf der Theresienwiese beginnt die Deutschlandtournee des amerikanischen Showunternehmers William Frederick Cody. Der als „Buffalo Bill“ bekannte ehemalige Bisonjäger gastiert mit seiner Truppe bis 5. Mai in München. 

Cowboys, indigene Darstellerinnen und Darsteller sowie zahlreiche Pferde und Bisons bringen ein aufwendiges Arenaspektakel in die Stadt. Das Ensemble schlägt sein Lager auf der Theresienwiese auf. Zum Programm gehören Pferderennen, Reit- und Lassovorführungen, nachgestellte Bisonjagden und ein inszenierter Überfall auf eine Postkutsche. Zu den Hauptattraktionen zählt die Kunstschützin Annie Oakley. 

Cody, in München scherzhaft „Ochsen-Willi“ genannt, präsentiert eine dramatisierte Vorstellung des amerikanischen Westens. Seine Schau verbindet artistisches Können mit einer Erzählung der Besiedlung, in der die weißen Pioniere als Helden auftreten und indigene Menschen vor allem als deren Gegner erscheinen. Sie prägt damit das europäische Bild vom „Wilden Westen“. Zu den prominenten Besuchern gehört Prinz Ludwig von Bayern, der spätere König Ludwig III.. 

 

Ab dem 15. August 1894
Ein spektakulärer Wettkampf zwischen einem Ross und einem Stahlross

München-Untergiesing * Auf der Radrennbahn am Schyrenplatz findet wieder ein spektakulärer Wettkampf zwischen einem Ross und einem Stahlross statt. Der aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommende Reiter ist angeblich der Sohn von Buffalo Bill: Samuel Franklin Cody.

Doch weder der Wild-West-Weltstar William Frederick Cody alias Buffalo Bill noch dessen Sohn traten bei dem Radl-Pferde-Rennats am Schyrenplatz an den Start. Der Reiter ist vielmehr ein US-amerikanischer Wildwest-Show-Darsteller, der sein Vorbild Buffalo Bill nicht nur in Sachen Kleidung und Auftreten kopiert, sondern auch über die Angleichung an den berühmten Namen sogar bewusst mit einer Verwechslung spekuliert. Denn der Mann, der sich immer wieder Samuel Franklin Cody oder Captain Cody nennt, heißt in Wirklichkeit Samuel Franklin Cowdery. Der Rennradler ist der aus dem Westend stammende Josef Fischer.

Das Radl-Pferde-Rennats findet an mehreren Tagen (15., 17.und 19. August) - über insgesamt sieben Stunden - statt. „Zu diesem Schauspiel hatte sich am ersten Tag eine kolossale Menschenmenge auf dem Rennplatz des Münchner Velozipedclubs eingefunden“. Die Bahnlänge beträgt für den Radler 500, für den Reiter 494 Meter. S. F. Cody benutzt von seinen zehn Pferden sechs und beweist sich als ausgezeichneter Reiter, verliert beim Wechsel der Pferde aber jedes Mal sechzig Meter.

Fischer kann das Rennen nur deshalb für sich entscheiden, weil die Ausgangslage für die beiden Rivalen ungleich ist. So ist die Veloziped-Bahn eigens für Radrennen hergestellt worden, während die Reitbahn für ein Pferderennen ungeeignet ist. Die Kurven sind zu eng und die Längsseiten zu wenig lang, sodass Cody seine Pferde gar nicht richtig ausreiten kann. Wäre eine bessere Bahn vorhanden gewesen, hätte Cody den Dauerradfahrer auch geschlagen, so wie er in Paris, Pest und anderen Orten bis dahin alle Rennradfahrer besiegt hatte.

Zum Schluss schlägt Fischer den Texaner - bei einer Gesamtrennstrecke von 259 Kilometer - mit einem Vorsprung von knapp fünfzig Kilometern. Die Bezahlung für die sieben Rennstunden soll 350 Mark betragen haben. 

1895
Amazonen-Wettrennen zwischen Pferd und Fahrrad

München-Untergiesing * Nicht nur die Männer liefern sich die ungleichen Wettrennen zwischen Pferd und Fahrrad. Es kommt auch zu einem Wettkampf zwischen einer amerikanischen Präriereiterin und einer Münchner Radfahrerin.

„Daß Damen sich auch an den öffentlichen Wettfahrten betheiligen, ist [...] das Eigenartigste auf diesem Gebiete des Sports. [...] Dieser Wettkampf fand kürzlich zu München auf dem „Neuen Sportplatze“ zwischen der amerikanischen Prairiereiterin Miß Nelly und der Münchener Radfahrerin Fräulein Amanda Löschke statt.

Das Publikum hatte sich zu dieser noch nie dagewesenen Schaustellung überaus zahlreich eingefunden und verfolgte mit lebhaftester Spannung den Verlauf dieses Wettkampfes, aus dem die Reiterin als Siegerin hervorging.“

1896
Josef Fischer gewinnt die Rennstrecke „Paris - Roubaix“

Paris - Roubaix * Der „Westendler“ Josef Fischer gewinnt die damals zum ersten Mal ausgetragene Rennstrecke „Paris - Roubaix“ und ist bis heute der einzige deutsche Sieger.

Der Münchner bekommt damals 1.000 Francs Siegprämie, das Siebenfache eines durchschnittlichen Monatslohns, für die Schinderei durch das ärmliche Nordfrankreich, das man schon „Hölle des Nordens“ nannte, bevor sich der erste Radrennfahrer über die armseligen Sträßchen kämpfte.

23. Oktober 1911
Italienischen Truppen gehen gegen die arabische Bevölkerung vor

Tripolis * Die italienischen Besatzungstruppen gehen in einem Pogrom gegen die arabische Bevölkerung vor und erschießen dabei innerhalb von fünf Tagen wahllos tausende Araber, verbrennen deren Hütten und beschlagnahmen das Vieh.  

Auch in den folgenden Wochen führte die Besatzungsmacht Massenhinrichtungen auf öffentlichen Plätzen durch und deportierte etwa 4.000 Araber auf Strafinseln. 

10. November 1914
Aus einem verunglückten Angriff wird ein Mythos gemacht

Berlin - Langemarck - Ypern * Die Oberste Heeresleitung - OHL macht aus einem verunglückten Angriff einen Mythos: „Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange ‚Deutschland, Deutschland über alles’ gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie.“

Dabei stimmt nicht einmal der Name der Ortschaft, denn das Dorf Langemarck liegt weiter weg, klingt aber markant und teutonisch, und auf jeden Fall besser als Bixschote oder Ypern.

Gesungen haben die Soldaten bestimmt nicht. Sie mussten mit ihrer 30 Kilo schweren Ausrüstung über den nassen schweren Lehmboden rennen und fühlten sich zu Recht als Kanonenfutter. 

1. August 1917
Papst Benedikt XV. fordert einen Frieden ohne Annexionen

Vatikan * Papst Benedikt XV. richtet einen Friedensappell an die kriegführenden Mächte: „Soll denn die zivilisierte Welt nur noch ein Leichenfeld sein?“, fragt der Papst in seiner Friedensnote. „Soll das ruhmreiche und blühende Europa, wie von einem allgemeinen Wahnsinn fortgerissen, in den Abgrund rennen und Hand an sich selbst anlegen zum Selbstmord?“

Er ruft in seiner Friedensbotschaft zu einem Frieden ohne Annexionen auf, so „wie es jenem ziemt, der als der gemeinsame Vater alle seine Kinder mit der gleichen Liebe umgibt“.

Doch sowohl die Entente wie auch die Mittelmächte glauben an ein Komplott und diffamieren Benedikt XV. als „Papst der Gegner“. Für die Franzosen wird er zum „pape boche“; der deutsche Generalquartiermeister Erich Ludendorff spricht dagegen nur noch vom „Franzosenpapst“.

Wohl am enttäuschendsten sind für Papst Benedikt XV. aber die Reaktionen der Bischöfe in den kriegführenden Ländern. Die meisten haben sich schon 1914 dem allgemeinen Hurrapatriotismus angeschlossen. Statt sich nun hinter ihr übernationales Oberhaupt der katholischen Kirche zu versammeln, geben sie sich nationalistisch.

Nur im kriegsmüden Italien findet der Vorschlag große Zustimmung. 

18. Oktober 1918
Die Magyaren kündigen die Realunion mit Österreich

Budapest * Die Magyaren kündigen die Auflösung der seit 1867 bestehenden Realunion und damit jede politische Verbindung mit Österreich an. Die Nationalitätenfragen Österreichs lassen sich jedoch nicht von denen Ungarns trennen:

  • Die Kroaten im österreichischen Dalmatien wollen einen südslawischen Staat mit den Kroaten des ungarischen Kroatien gründen,
  • die österreichischen Tschechen die Tschechoslowakei mit den ungarischen Slowaken. 
6. November 1918
Ebert: Die letzte Gelegenheit zur Rettung der Monarchie

Berlin * Der SPD-Vorsitzende Friedrich Ebert erscheint in der Reichskanzlei, wo sich auch Generalquartiermeister Wilhelm Groener befindet. Ebert, der die Monarchie als solche noch immer retten will, fordert ultimativ die Abdankung des Kaisers, „wenn man den Übergang der Massen in das Lager der Revolutionäre verhindern will“. Das, so Ebert weiter, ist „die letzte Gelegenheit zur Rettung der Monarchie“.

Als Groener den Vorschlag als indiskutabel ablehnt, erklärt Ebert: „Wir danken Ihnen, Exzellenz, für die offene Aussprache und werden uns stets gern der Zusammenarbeit mit Ihnen während des Krieges erinnern. Von nun an trennen sich unsere Wege. Wer weiß, wo wir uns je wieder sehen werden.“ 

17. Dezember 1918
Neue Bestimmungen für die Arbeiterräte

München * Die Regierung erlässt Bestimmungen über Organisation und Befugnisse der Arbeiterräte. Sie lösen die Vorläufigen Richtlinien für die Arbeiter- und Bauernräte ab. Eine inhaltliche Verbesserung über die Befugnisse der Räte bringen die Bestimmungen nicht. Es bleibt bei der Vorrangstellung der Behörden.

Die Bestimmungen für die Arbeiterräte bleibt die rechtliche Grundlage für die Arbeit der Arbeiterräte, bis der Landtag am 21. Mai 1920 das Gesetz über die Aufhebung der Arbeiterräte beschließt. 

Die Anordnung enthält drei wichtige Sonderbestimmungen, deren Auswirkungen sich auf den ersten Blick nicht gleich offenbaren. 

  • Soldatenräte sind von den Arbeiterräten völlig zu trennen. Ihre Bezahlung erfolgt ausschließlich durch den Militärhaushalt.
  • Die Bauernräte sind mit den Arbeiterräten zusammenzuschließen.
  • Nur Arbeiterräte haben das Recht auf staatliche Bezüge. 
16. Januar 1919
Scheidemann zur Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Berlin * Philipp Scheidemann erklärte zum Tod von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht folgendes:

„Ich bedauere den Tod der beiden aufrichtig aus gutem Grunde. Sie haben Tag für Tag das Volk zu den Waffen gerufen und zum gewaltsamen Sturz der Regierung aufgefordert. Sie haben Spazierfahrten durch Berlin mit Maschinengewehren veranstaltet, die sie uns wiederholt vor die Reichskanzlei fuhren, sie haben Tag für Tag ihre Anhänger bis zur Siedehitze aufgepeitscht. Sie haben, nachdem durch ihre Schuld Arbeiter- und Soldatenblut in Strömen geflossen, uns als Mörder und Bluthunde Tag für Tag in ihren Zeitungen und in ihren Versammlungen beschimpft. So sind sie selbst Opfer ihrer eigenen blutigen Terrortaktik geworden.“

Und weiter meint er: „Bei Frau Luxemburg, einer hochbegabten Russin, ist mir der Fanatismus begreiflich, nicht aber bei Liebknecht, dem Sohn Wilhelm Liebknechts, den wir alle verehrten und noch verehren. Sein Sohn, der nunmehr tote Karl Liebknecht, hat sich leider vollkommen in die russisch-terroristische Taktik einspannen lassen.“

Zur Rechtfertigung seiner Person und seiner Regierung äußert er sich: „Wenn mein wahnsinniger Bruder die Flinte auf mich anlegt, so kann ich, wenn es [um] mich allein geht, mich erschießen lassen, um sein Blut zu schonen, aber wenn ich im Begriffe bin, mich in ein brennendes Haus zu stürzen, um Weib und Kind zu retten, und der wahnsinnige Bruder legt dann auf mich an, dann hilft nichts mehr, dann muss ich mich gegen ihn zur Wehr setzen, denn dann geht es nicht mehr um mich, sondern um viele andere.“ 

3. Mai 1919
Die Truppen der Regierung Hoffmann kommen nicht als Feinde

München * Die SPD lässt folgende Erklärung in den Münchner Zeitungen veröffentlichen:

„Jene wahnwitzige Politik des Terrors und der Gewalt, die München in Gegensatz stellte zum ganzen Land, die den Bürgerkrieg in Bayern entbrennen ließ, hat das schlimme Ende gefunden, das vorauszusehen war. [...]

Die Truppen der sozialistischen Regierung Hoffmann kommen nicht als Feinde der Arbeiterschaft, nicht als ‚Weiße Garde‘, sondern als Schützer der öffentlichen Ruhe und Sicherheit, ohne die ein Neuaufbau im sozialistischen Sinne nicht möglich ist. Arbeiter, helft den Soldaten bei ihrer schweren Aufgabe!“

7. Mai 1919
Josef Hofmiller analysiert die Lage der SPD

München-Haidhausen * Josef Hofmiller, der Herausgeber der reaktionären Zeitschrift Süddeutsche Monatshefte, analysiert die Situation: „Die Sozialdemokratie ist in einer Zwickmühle: sie ist gezwungen Farbe zu bekennen, und diese Farbe ist nicht rot, wie die Masse geglaubt hat. Sie hat niemals gewagt, den trennenden Strich zwischen sich und den Kommunisten zu ziehen; die Leute aber, die die Regierung Hoffmann jetzt erschießen lässt, sind lauter Kommunisten.

Die Sozialdemokratie hat die Massen immer auf den großen Kladderatatsch [= eine alte, in der Kaiserzeit gebrauchte, humorvolle Bezeichnung für die Revolution] vertröstet und scharf gemacht; jetzt, wo die Massen den Kladderatatsch machen und ausnützen wollen, lässt sie auf sie schießen.

Man sieht es jeder Nummer der ‚Münchener Post‘ an, wie greulich der offiziellen Sozialdemokratie die durch ihre eigene Schuld unheilbar gewordene Lage ist.“ 

5. September 1920
Adolf Hitler hält im Münchner-Kindl-Keller eine Rede vor 3.000 Zuhörern

München-Au * Adolf Hitler hält im Münchner-Kindl-Keller eine Rede vor 3.000 Zuhörern, in der er die Juden verurteilt, da sie hinter dem Elend Deutschlands stecken. Wenn man erst mal die Macht habe, so sagt Hitler weiter, dann „werde man den Fetzen von einem Friedensvertrag zerreißen”.

Der NSDAP-Parteivorsitzende führt aus, dass Deutschland zwar geknebelt und wehrlos ist, sich aber nicht vor einem Krieg gegen Frankreich scheuen darf. Seine Rede beendet er mit dem Schiller-Wort: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, nicht trennen uns in Not und Gefahr“.

Ludwig Weinberger designet Dr. Joseph Fuchs' Bugatti Royale
1932
Ludwig Weinberger designet Dr. Joseph Fuchs' Bugatti Royale

München-Au * Ludwig Weinberger junior macht den Zwanzig-Mann-Betrieb in der Zeppelinstraße 41 in der Autowelt über Nacht berühmt. Der Nürnberger Modearzt Dr. Joseph Fuchs, der bereits auch einige Rennen mit kleineren Bugatti-Rennwagen gefahren ist, lässt in der Werkstatt in der Au sein Bugatti Royale-Fahrgestell (Typ 41) mit einer imposanten Karosserie versehen.

  • Das Chassis 41-121 ist das erste Fahrgestell der Bugatti-Royale-Serie, das nur einen Aufbau erhält.
  • Das Luxusauto erhält eine Cabriolet-Karosserie mit langer Motorhaube und knapp geschnittenem Fahrgastabteil.
  • Das Auto wird mit einer schwarzen Lackierung, die auch die postgelb abgefassten Tür- und Seitenbänder aufweist, und hellem Verdeck ausgeliefert.
  • Die Sitze werden mit grobporigem Schweinsleder bezogen.
  • Die Kühlermaske und die Stoßstangen sind verchromt.
  • Drei Monate dauert die Herstellung der „Karosserie“, die etwa 7.000 RM kostet.

Das Fahrgestell für das Auto der Luxusklasse war rund 75.000 RM teuer. Der Gesamtpreis entspricht dem Wert von mehr als acht Einfamilienhäusern. 

10. Mai 1933
Die Bücherverbrennung auf dem Königsplatz

München-Maxvorstadt * Um 19:45 Uhr beginnt im Lichthof der Universität München eine „Feier der nationalen Revolution“ statt. Die Festrede hält Kultusminster Hans Schemm. Eingerahmt von der „Egmont-Ouvertüre“ folgt die Übergabe des neuen Studentenrechts, ein Treuegelöbnis, ein „Appell an die studentische Verantwortung“ und schließlich das Absingen des „Horst-Wessel-Liedes“. Im Anschluss an die Feier beginnt ein Großer Fackelzug. Dazu werden ab 20:30 Uhr am rückwärtigen Ausgang der Universität gegen Gutschein Fackeln ausgegeben.

Um 22:00 Uhr bewegt sich der Fackelzug in Richtung Königsplatz. Die freiwilligen und begeisterten Teilnehmer in Uniform oder dunklem Anzug ziehen an der mit einer roten Flammenkette geschmückten Feldherrnhalle vorbei zum mit Flaggen und Pylonen festlich ausgestatteten Königsplatz, wo um 23:30 Uhr circa 50.000 überwiegend akademisch gebildete Nationalsozialsten und ihre Sympathisanten einen großen „Verbrennungsakt“ beginnen.

Auf dem Rasen vor der heutigen Antikensammlung am Königsplatz ist ein riesiger Scheiterhaufen aus Holz und Stroh errichtet worden. Zunächst hält ein studentischer Funktionär eine Ansprache zur „Ausmerzung undeutscher Schriften“. Danach werfen uniformierte Studenten unter Verlesung von „Feuersprüchen“ die mitgeführten Bücher ins Feuer. In Anlehnung an das Wartburgfest verbrennen sie die „volkszersetzenden Schriften kommunistischer, marxistischer, pazifistischer Haltung (vielfach aus jüdischer Feder stammend) als Symbol der Abkehr vom undeutschen Geist“. 

September 1937
Mehrere Pferderennen finden auf der Theresienwiese statt

München-Theresienwiese * Mehrere Pferderennen finden auf der Theresienwiese statt:

  • ein Xaver-Krenkl-Rennen,
  • ein August-Schichtl-Trabfahren und
  • ein Winzerer-Fähndl-Hürdenrennen.

Als Attraktion fahren die Wiesnbesucher in Hugo Haases See-Scouter in Motorbooten „zu den gefährlichsten Karambolagen, während hilfsbereite Matrosen in hohen Wasserstiefeln mit langen Stangen für die nötige Ordnung“ sorgen.

8. Juli 1938
Martin Bormann verlangt die Erfassung jüdischer Wohnsituationen

München * Martin Bormann, Stabsleiter im Braunen Haus, verlangt die genaue

  • Erfassung jüdischer Hauseigentümer,
  • an Nicht-Juden vermietete Wohnungen von jüdischen Hauseigentümern,
  • an Juden vermietete Wohnungen,
  • eigenen Wohnraum und leerstehende Wohnungen,
     
  • um so eine planmäßige Lösung von Mietverhältnissen mit Juden möglich zu machen,
  • eine Einengung zu erreichen,
  • mehrere Familien in größere jüdische Wohnungen zusammenzulegen,
  • Juden von Nicht-Juden zu trennen und
  • dabei möglichst keine Ghettobildung zuzulassen“.
Januar 1961
Im Bürgerbräukeller findet der Faschingsball „Karneval in Texas“ statt

München-Haidhausen * Im Bürgerbräukeller findet der traditionelle Faschingsball „Karneval in Texas“ des Cowboy-Clubs München 1913 statt.

Die Feierabend-Rothäute und Freizeit-Cowboys von der „Nockher-Ranch“ lassen ihre Colts sprechen, springen durch Lassos und stellen ihre Squaws und Cowgirls an die Bretterwand, um sie dann mit Pfeilen und brennenden Wurfmessern einzurahmen. 

Um Februar 1961
„Karneval in Texas“ im Bürgerbräukeller

München-Haidhausen * Im Bürgerbräukeller findet der traditionelle Faschingsball „Karneval in Texas“ des Münchner Cowboy-Clubs statt. Die Feierabend-Rothäute und Freizeit-Cowboys von der Nockher-Ranch lassen ihre Colts sprechen, springen durch Lassos und stellen ihre Squaws und Cowgirls an die Bretterwand, um sie dann mit Pfeilen und brennenden Wurfmessern einzurahmen. 

Ende 1971
Ein zweiter Block für das Müllverbrennungswerk Süd

München-Thalkirchen * Das Müllverbrennungswerk Süd erhält einen zweiten Block. Mit diesen Kapazitäten lässt sich damals der gesamte Abfall verbrennen. Sogar Gemeinden aus dem Landkreis München liefern ihren Müll an.Damit erzeugen die Kraftwerke Strom und Fernwärme - aber auch giftige Abgase, weshalb die Müllverbrennung immer umstritten war.

Ab 1975
Der Antonius-Altar wird vollkommen neu konzipiert

München-Lehel * In den Jahren 1975 und 1976 widmet man sich den beiden Hauptseitenaltären im Mittelschiff der Anna-Klosterkirche. Der Antonius-Altar wird dabei vollständig neu konzipiert. Ursprünglich als Nepomuk-Altar errichtet, später zum Ludwigs-Altar umgestaltet, erhält er nun seine heutige Bestimmung als Antonius-Altar.

Der heilige Antonius gilt als Patron der bayerischen Franziskaner. Seine Oberarm-Reliquie, die Kaiser Ludwig IV. der Baier im Jahr 1330 den Münchner Franziskanern schenkte, wurde 1480 in einem spätgotischen Reliquiar gefasst und später in einem barocken Schrein präsentiert. Seit 1827 befindet sie sich in der Annakirche im Lehel. Der Überlieferung nach rettete ein Franziskanermönch die kostbare Reliquie nach dem Bombenangriff aus dem brennenden Gotteshaus.

Die 1682 entstandene Antonius-Statue auf dem Altar wird heute von kleinformatigen, modern gestalteten Bildtafeln gerahmt.

November 1986
Die Ewige Flamme darf am Tag und in der Nacht brennen

München-Maxvorstadt * Der Stadtrat hebt die Sparmaßnahme, wonach die „Ewige Flamme“ im neuen Mahnmals auf dem Patz der Opfer des Nationalsozialismus nur an besonderen Gedenktagen beziehungsweise nur nachts brennen soll, wieder auf, weil damit die „wesentliche Symbolik des Mahnmals außer Kraft gesetzt“ würde. 

Damit wird eine mehr als peinlich zu bezeichnende Diskussion beendet. 

7. Februar 2013
Die 20-jährige Leniata Kepari wird bei lebendigem Leib als Hexe verbrannt

Mount Hagen * In Mount Hagen in Papua Neu-Guinea wird die zwanzigjährige Leniata Kepari bei lebendigem Leib als Hexe verbrannt. Die junge Frau soll einen Knaben verhext haben. Der Sechsjährige hat zuvor über Schmerzen in Magen und Brust geklagt und ist daraufhin in das Krankenhaus gebracht worden. Am nächsten Tag stirbt er.  

Die Männer ziehen die mutmaßliche Hexe aus, foltern sie mit einer erhitzten Eisenstange, fesseln sie und übergießen sie mit Benzin. Danach wird Kepari Leniata ins Feuer geworfen. Sie verbrennt bei lebendigem Leib. Bilder zeigen sie unter einem brennenden Lkw-Reifen, der offenbar noch auf sie geschmissen wurde. Sie selbst ist Mutter eines acht Monate alten Mädchens.  

Polizisten und Feuerwehrleute schreiten nicht ein. Angeblich lässt die Meute ihr Einschreiten nicht zu. 

31. Juli 2014
Auf der Theresienwiese sollte ein Kamelrennen stattfinden

München-Theresienwiese * Auf der Theresienwiese sollte im Juni 2015 ein Kamelrennen stattfinden. Auf einem 1,8 Kilometer langen Sand-Rundkurs sollen die bis zu 70 Stundenkilometer schnellen Renn-Dromedare erstmals außerhalb der Arabischen Halbinsel gegeneinander antreten. Die bis zu zehn Millionen Dollar teueren Kamele werden mit Spezialflugzeugen nach München gebracht.  

Als Jockeys wurden bis vor kurzem - wegen dem geringen Gewicht - Kinder eingesetzt, die ihren Familien in Asien abgekauft wurden. Diese viel kritisierte Praxis haben die Golfstaaten inzwischen aufgrund der Interventionen der Unicef eingestellt. Die Kinder wurden von teueren Computern ersetzt, die ihre Peitschen ferngesteuert schwingen. Gelenkt werden diese von den Kamelbesitzern, die neben der Dromedar-Rennbahn mit ihren Off-Road-Pick-Ups fahren. Auch hier sollen sich spektakuläre Duelle abspielen. 

Von dem Kamelrennen werden die Münchner nichts mehr hören.