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Um das Jahr 50
Feindesliebe und Gewaltverzicht prägen das frühe Christentum 

Urchristentum * In den ersten christlichen Gemeinden gewinnen Feindesliebe, Friedfertigkeit und der Verzicht auf Vergeltung zentrale Bedeutung. Viele frühe Christen lehnen Gewalt und den Dienst im römischen Heer ab. Eine einheitliche christliche Lehre, die ausnahmslos jeden Krieg verurteilt, besteht jedoch noch nicht. Die Deutung des Krieges als Folge der Erbsünde entwickelt sich erst Jahrhunderte später, besonders im Werk des Kirchenvaters Augustinus.

Um das Jahr 650
Der „Gerechte Krieg“ als Rechtfertigung der Kreuzzüge

Rom * Im 7. Jahrhundert wird die „augustinische Definition“ präzisiert: „Gerecht ist ein Krieg, der nach Warnung geführt wird, um Güter zurückzugewinnen oder Feinde zurückzuschlagen.“

Genau dieses Argument dient zur Rechtfertigung der Kreuzzüge, die sich zum Ziel gesetzt haben, die „heiligen Stätten“ zurückzugewinnen, da sie unzulässigerweise von den „Ungläubigen“ besetzt worden sind.

März 1095
Byzanz bittet den Papst um Hilfe 

Piacenza* Gesandte des byzantinischen Kaisers Alexios I. bitten Papst Urban II. und die versammelten Kirchenvertreter um militärische Unterstützung gegen die Seldschuken. Diese haben große Teile Kleinasiens erobert und bedrohen damit das Byzantinische Reich sowie dessen Hauptstadt Konstantinopel. 

Ab August 1095
Papst Urban II. reist 3.000 Kilometer durch Frankreich

Frankreich * Zwischen August 1095 und September 1096 unternimmt der damals etwas über sechzig Jahre alte Papst Urban II. eine mehr als dreitausend Kilometer lange Reise durch Frankreich. Er wird dabei von einer Eskorte von Erzbischöfen und Bischöfen begleitet. Man nimmt an, dass die im Gefolge angeschlossenen Haushalte den Zug auf mehrere Kilometer anwachsen ließen.

Die Reiseroute ist zuvor so festgelegt worden, dass das Eintreffen des Papstes in den Städten mit den Ehrentagen wichtiger Schutzpatrone zusammenfällt.

Suchbegriffe: Templer, Kreuzzug, Frankreich
Personen: Urban II. Papst
27. November 1095
Urban II. ruft zum Ersten Kreuzzug auf 

Clermont * Papst Urban II. wendet sich vor den Toren der Stadt an eine große Versammlung. Er ruft die Christen des Abendlandes dazu auf, ihren Glaubensbrüdern im Byzantinischen Reich gegen die Seldschuken beizustehen und als bewaffnete Pilger nach Jerusalem zu ziehen. Den Teilnehmern stellt er unter bestimmten Voraussetzungen die Vergebung ihrer Sünden in Aussicht. Der Aufruf gibt den entscheidenden Anstoß zum Ersten Kreuzzug. 

Spätere Chronisten berichten, die Menge antworte begeistert mit „Deus vult!“ – „Gott will es!“. Der Ausspruch wird zum Leitspruch der Kreuzzugsbewegung; der genaue Wortlaut der Rede und die unmittelbaren Reaktionen sind jedoch nicht zuverlässig überliefert. 

Ab Dezember 1095
Urbans Predigtreise mobilisiert die Gläubigen 

Frankreich * Auf seiner weiteren Reise wirbt Papst Urban II. nachdrücklich für den Zug in den Osten. Er beschreibt ihn als bewaffnete Pilgerfahrt und als „Befreiung“ der bedrängten Christinnen und Christen im Byzantinischen Reich sowie der heiligen Stätten in Jerusalem. Muslime stellt er dabei in der zeittypischen Kreuzzugsrhetorik als Feinde des christlichen Glaubens dar. 

Urban rechtfertigt den Waffengang als Ausdruck christlicher Nächstenliebe: Die Teilnehmenden sollen ihr Leben für Gott und ihre Glaubensgeschwister einsetzen. Wer sich aus religiöser Überzeugung dem Zug anschließt, dem stellt er die Vergebung seiner Sünden in Aussicht. 

Die fast ein Jahr dauernde Predigtreise trägt entscheidend zur Mobilisierung bei. Urban spricht mit großer Überzeugungskraft, weckt starke Emotionen und verleiht seinem Aufruf höchste religiöse Autorität, indem er ihn als Auftrag Christi verkündet. 

Ab März 1096
Der Volkskreuzzug und die Gewalt gegen jüdische Gemeinden 

Frankreich, Mittel- und Südosteuropa * Noch vor dem von Papst Urban II. vorgesehenen Aufbruchstermin ziehen erste Gruppen in Richtung Konstantinopel. Diese frühe, später als Volks- oder Bauernkreuzzug bezeichnete Bewegung besteht aus Menschen unterschiedlicher Herkunft: Neben Bauern, Handwerkern und Stadtbewohnern nehmen auch Geistliche, Ritter und Angehörige des niederen Adels teil. Viele verkaufen oder verpfänden ihren Besitz, um die lange Reise zu finanzieren; andere lassen ihre bisherige Existenz nahezu unvorbereitet zurück. 

Die Beweggründe sind vielfältig. Religiöse Überzeugung, die Hoffnung auf Sündenvergebung und eine ausgeprägte Endzeiterwartung verbinden sich mit Abenteuerlust, sozialen Nöten und teilweise auch materiellen Interessen. Die kaum organisierten und schlecht versorgten Züge geraten unterwegs wiederholt in Konflikte. Einige scheitern bereits in Ungarn und auf dem Balkan; andere erreichen Konstantinopel und setzen nach Kleinasien über, wo der größte Teil des Volkskreuzzugs im Oktober 1096 von seldschukischen Truppen vernichtet wird. 

Noch vor dem Aufbruch ins Heilige Land entlädt sich die religiös aufgeheizte Stimmung auch gegen die jüdische Bevölkerung Europas. Im Frühjahr 1096 überfallen Kreuzfahrergruppen, besonders die Gefolgschaft des Grafen Emicho, jüdische Gemeinden im Rheinland. In Speyer, Worms, Mainz und weiteren Städten werden Tausende Menschen beraubt, zur Taufe gezwungen oder ermordet. Einige Bischöfe und weltliche Herrscher versuchen, die Verfolgten zu schützen, können die Gewalt jedoch nicht aufhalten. 

Die Pogrome werden durch den seit Jahrhunderten verbreiteten christlichen Antijudaismus begünstigt. Juden gelten vielen Christen fälschlich als gemeinschaftlich verantwortlich für den Tod Jesu. Religiöser Fanatismus, Habgier und die Verschuldung einzelner Täter bei jüdischen Geldgebern verstärken die Gewalt. Die Massaker von 1096 bilden eines der dunkelsten Kapitel der Kreuzzugsgeschichte. 

Suchbegriffe: Templer, Kreuzzug, Juden
10. April 1096
Die Kreuzfahrer drohen den Juden mit einem Massaker

10. April 1096: Erpressung und Verfolgung der jüdischen Gemeinde 

Trier * Ein aus Frankreich kommender Kreuzfahrerzug erreicht Trier. Die dortige jüdische Gemeinde kann einen Angriff zunächst abwenden, indem sie den Durchziehenden Geld und Proviant überlässt. Weitere Gruppen stellen jedoch neue Forderungen und verschärfen die Bedrohung. 

Im Mai und Juni eskaliert die Lage. Kreuzfahrer und Teile der örtlichen Bevölkerung greifen die jüdische Gemeinde an. Erzbischof Egilbert versucht, die Verfolgten zu schützen, und gewährt vielen von ihnen Zuflucht. Dennoch werden jüdische Männer, Frauen und Kinder misshandelt, beraubt und zur Taufe gezwungen. Mehrere Menschen sterben; einige wählen angesichts der drohenden Gewalt und Zwangstaufe den Suizid. 

Die Ereignisse in Trier sind Teil einer Welle antijüdischer Gewalt, die während des Volkskreuzzugs zahlreiche Gemeinden im Rheinland erfasst. Tausende Menschen werden getötet oder unter Zwang getauft. Die Pogrome werden durch religiösen Fanatismus, überlieferte antijüdische Feindbilder und die Aussicht auf Beute befeuert. 

Ende Mai 1096
Gewalt auf dem Weg nach Konstantinopel 

Ungarn und Balkan * Die unzureichend organisierten Gruppen des Volkskreuzzugs durchqueren Ungarn auf dem Weg nach Konstantinopel. Versorgungsprobleme, mangelnde Disziplin und gegenseitiges Misstrauen führen zunehmend zu Plünderungen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Dabei greifen Kreuzfahrer auch ungarische und byzantinische Christen an – ausgerechnet Angehörige jener christlichen Reiche, denen der Kreuzzugsaufruf Unterstützung verspricht. 

Trotz schwerer Verluste erreichen große Teile des Volkskreuzzugs im August Konstantinopel. Kaiser Alexios I. lässt sie über den Bosporus nach Kleinasien bringen und warnt sie davor, ohne die später erwarteten Ritterheere weiterzuziehen. Die Kreuzfahrer ignorieren seinen Rat und plündern das Umland von Nicäa. 

Am 21. Oktober 1096 werden sie bei Civetot vom Heer des seldschukischen Sultans Kılıç Arslan I. vernichtend geschlagen. Nur wenige können sich retten. Damit endet der Volkskreuzzug, noch bevor der eigentliche Erste Kreuzzug das Gebiet erreicht. 

August 1096
Die Fürstenheere ziehen nach Osten 

Europa, Konstantinopel und Kleinasien * Die besser ausgerüsteten und von bedeutenden Adeligen geführten Heere des Ersten Kreuzzugs brechen auf unterschiedlichen Wegen nach Konstantinopel auf. Mit ihnen reisen zahlreiche unbewaffnete Pilgerinnen und Pilger. Die Größe der Züge und der hohe Versorgungsbedarf erschweren den Marsch. Zwischen November 1096 und April 1097 treffen die einzelnen Heere am Bosporus ein. 

Das Verhältnis zu den Byzantinern ist von Zusammenarbeit und Misstrauen zugleich geprägt. Kaiser Alexios I. stellt Märkte, Proviant, Begleittruppen und Schiffe für die Überfahrt nach Kleinasien bereit. Im Gegenzug verlangt er von den Kreuzfahrerführern einen Treueeid und die Rückgabe ehemals byzantinischer Gebiete. Dennoch kommt es wiederholt zu Streitigkeiten, Plünderungen und bewaffneten Zusammenstößen. 

Nach der Einnahme Nicäas im Juni 1097 ziehen die Kreuzfahrer durch Kleinasien. Am 1. Juli besiegen sie bei Doryläum das Heer des seldschukischen Sultans Kılıç Arslan I. Weitere Erfolge, darunter bei Herakleia – dem heutigen Ereğli –, öffnen ihnen den Weg nach Syrien. Die Versorgung bleibt schwierig: Die Kreuzfahrer kaufen Lebensmittel, erhalten Unterstützung von Byzanz und örtlichen christlichen Gemeinden, beschlagnahmen jedoch auch Vorräte und plündern Siedlungen. 

Im Oktober 1097 erreicht das Heer Antiochia und beginnt eine entbehrungsreiche Belagerung. Hunger, Krankheiten und Desertionen schwächen die Kreuzfahrer, dennoch schlagen sie zwei muslimische Entsatzheere zurück. Am 3. Juni 1098 nehmen sie die Stadt ein. Wenig später werden sie selbst von einem großen Heer unter Kerbogha von Mossul belagert, das sie am 28. Juni besiegen. 

19. Juni 1097
Nicäa fällt an Byzanz 

Nicäa * Nach mehrwöchiger Belagerung gibt die seldschukische Besatzung Nicäa auf. Die erste bedeutende gegnerische Festung auf dem Weg nach Jerusalem ergibt sich jedoch nicht den Kreuzfahrern, sondern byzantinischen Truppen. Kaiser Alexios I. hat heimlich über die Übergabe verhandeln lassen und verhindert damit die Plünderung der Stadt. Viele Kreuzfahrer reagieren enttäuscht und misstrauisch, weil sie auf Beute gehofft haben. 

Die Größe des Kreuzzugsheeres lässt sich nur schätzen. Vermutlich gehören ihm rund 30.000 Fußsoldaten und 4.000 bis 4.500 berittene Kämpfer an; hinzu kommen mehrere Tausend unbewaffnete Pilgerinnen und Pilger. Unter ihnen befinden sich Geistliche, Handwerker, Händler, Dienstleute sowie Frauen und Kinder. 

Die zahlreichen Nichtkämpfenden erhöhen zwar den Bedarf an Nahrung und verlangsamen den Marsch, sind aber ein wesentlicher Teil des Unternehmens. Der Kreuzzug versteht sich nicht allein als Feldzug, sondern zugleich als bewaffnete Pilgerfahrt nach Jerusalem.

10. März 1098
Der erste Kreuzfahrerstaat entsteht 

Edessa * Balduin von Boulogne übernimmt die Herrschaft über Edessa. Der armenische Machthaber Thoros hat ihn zuvor zum Schutz vor seldschukischen Angriffen in die überwiegend christlich bewohnte Stadt gerufen, adoptiert und zu seinem Erben bestimmt. 

Nach einem Aufstand wird Thoros am 9. März getötet. Ob Balduin an der Verschwörung beteiligt ist, bleibt ungeklärt. Am folgenden Tag erkennen ihn die Einwohner als neuen Herrscher an. Balduin begründet damit die Grafschaft Edessa – den ersten der späteren Kreuzfahrerstaaten. 

3. Juni 1098
Aus Belagerern werden Belagerte 

Antiochia * Nach mehr als sieben Monaten fällt Antiochia an das Kreuzzugsheer. Ein Wachoffizier namens Firuz öffnet Bohemund von Tarent und seinen Männern den Zugang über einen Wehrturm. Die Kreuzfahrer dringen in die Stadt ein und richten unter der Bevölkerung ein Massaker an; auch christliche Einwohner fallen der Gewalt zum Opfer. Nur die Zitadelle bleibt zunächst in der Hand der muslimischen Verteidiger.

Wenige Tage später erreicht ein großes Entsatzheer unter Kerbogha von Mossul Antiochia. Es schließt die Stadt ein und macht die bisherigen Belagerer selbst zu Belagerten. Durch Hunger, Krankheiten und vorherige Verluste geschwächt, geraten die Kreuzfahrer in eine nahezu aussichtslose Lage. 

10. Juni 1098
Panik und Fluchtversuche in Antiochia 

Antiochia * Hunger, Krankheiten und die Angst vor Kerboghas Heer lassen die Kampfmoral der eingeschlossenen Kreuzfahrer zusammenbrechen. Gerüchte über einen feindlichen Durchbruch lösen Panik aus. Zahlreiche Männer versuchen zu fliehen; einige lassen sich nachts an Seilen über die Stadtmauer hinab und werden deshalb spöttisch als „Seiltänzer“ bezeichnet. Die verbliebenen Anführer lassen daraufhin die Ausgänge schärfer bewachen. 

28. Juni 1098
Die Kreuzfahrer durchbrechen die Belagerung 

Antiochia * Trotz Hunger, Krankheiten und zahlenmäßiger Unterlegenheit wagen die eingeschlossenen Kreuzfahrer einen Ausfall. Die vermeintliche „Heilige Lanze“ wird dem Heer als Siegeszeichen vorangetragen. 

Vor den Mauern Antiochias treffen die Kreuzfahrer auf das Bündnisheer Kerboghas von Mossul. Uneinigkeit und gegenseitiges Misstrauen schwächen dessen Truppen; mehrere Verbündete ziehen sich während der Schlacht zurück. Kerboghas Heer bricht auseinander und flieht. Mit dem unerwarteten Sieg endet die Belagerung, und auch die verbliebene Besatzung der Zitadelle gibt ihren Widerstand auf. 

Ab Juli 1098
Der Kreuzzug gerät ins Stocken 

Nordsyrien * Nach dem Sieg bei Antiochia kommt der Kreuzzug bis Januar 1099 zum Stillstand. Seuchen, Versorgungsprobleme und Streitigkeiten unter den Anführern verzögern den Weitermarsch. Besonders um die Herrschaft über Antiochia entbrennt ein Machtkampf. 

Unter den einfachen Rittern und Fußsoldaten wächst der Unmut. Viele erinnern ihre Anführer an das ursprüngliche Ziel Jerusalem und drohen, notfalls ohne sie weiterzuziehen. Schließlich erzwingen sie die Fortsetzung des Kreuzzugs. 

Um 15. Januar 1099
Aufbruch nach Jerusalem 

Nordsyrien und Levante * Das Kreuzfahrerheer setzt seinen Marsch nach Jerusalem fort und zieht überwiegend entlang der Mittelmeerküste. Einige strategisch wichtige Burgen und Orte werden besetzt, andere umgangen. Viele örtliche Herrscher vermeiden eine offene Auseinandersetzung und sichern den Kreuzfahrern durch Abkommen, Proviantlieferungen oder Tributzahlungen den freien Durchzug. 

Suchbegriffe: Templer, Kreuzzug, Syrien
7. Juni 1099
Jerusalem ist erreicht 

Jerusalem * Nach fast dreijährigem Marsch erreicht das stark geschrumpfte Kreuzfahrerheer Jerusalem. Die Stadt steht unter der Herrschaft der ägyptischen Fatimiden und wird von einer starken Garnison verteidigt. 

Die Kreuzfahrer beginnen mit der Belagerung und greifen dabei auf ihre Erfahrungen aus Nicäa und Antiochia zurück. Doch die trockene Umgebung, der Mangel an Wasser und Holz sowie das Fehlen geeigneter Belagerungsgeräte erschweren zunächst jeden Angriff. 

Suchbegriffe: Templer, Kreuzzug, Jerusalem
15. Juli 1099
Eroberung und Massaker in Jerusalem 

Jerusalem * Nach einem zweitägigen Großangriff durchbrechen die Kreuzfahrer die Befestigungen und dringen in Jerusalem ein. Für die Überlebenden des jahrelangen Marsches erfüllt sich damit das religiöse Ziel ihrer Pilgerfahrt. Von den ursprünglich aufgebrochenen Menschen erreicht jedoch nur ein kleiner Teil die Stadt. Das verbliebene Heer umfasst schätzungsweise 12.000 bis 15.000 Kämpfer; hinzu kommen unbewaffnete Pilgerinnen und Pilger. 

Auf die Einnahme folgt ein Massaker. Die Eroberer töten zahlreiche muslimische und jüdische Männer, Frauen und Kinder, nehmen Gefangene und plündern Häuser sowie Heiligtümer. Einigen Bewohnern gelingt die Flucht oder sie überleben durch Schutzversprechen und Lösegeldzahlungen. Wie viele Menschen sterben, lässt sich nicht mehr zuverlässig feststellen. 

Lateinische Chronisten deuten die Eroberung als göttlichen Sieg und rechtfertigen die Gewalt mit religiösen Feindbildern. Raimund von Aguilers schreibt triumphierend, die Sieger seien auf dem Tempelberg „bis zu den Knien und den Zügeln ihrer Pferde im Blut“ geritten. Das Bild ist keine wörtliche Mengenangabe, sondern eine biblisch geprägte Übertreibung – zugleich zeigt es, wie selbstverständlich der Chronist das Töten als göttliches Urteil verherrlicht. 

Auch die byzantinische Geschichtsschreiberin Anna Komnena berichtet später von der Ermordung zahlreicher muslimischer und jüdischer Einwohner. Sie ist jedoch keine Augenzeugin der Eroberung. 

22. Juli 1099
Gottfried von Bouillon wird Herrscher Jerusalems 

Jerusalem * Eine Woche nach der gewaltsamen Eroberung Jerusalems beraten die führenden Kreuzfahrer über die politische Zukunft der Stadt. Nachdem Raimund von Toulouse die Herrschaft ablehnt, wählen sie Gottfried von Bouillon zum Oberhaupt der neu entstehenden lateinischen Herrschaft. 

Gottfried lässt sich nicht zum König krönen. Er führt vermutlich den Titel Advocatus Sancti Sepulchri – „Beschützer des Heiligen Grabes“ – und regiert Jerusalem bis zu seinem Tod im Juli 1100. Erst sein Bruder und Nachfolger Balduin nimmt den Königstitel an. 

12. August 1099
Der letzte Sieg des Ersten Kreuzzugs 

Askalon * Unter der Führung Gottfrieds von Bouillon ziehen die Kreuzfahrer einem großen fatimidischen Heer entgegen, das aus Ägypten nach Palästina vorgedrungen ist. Bei Askalon überraschen sie die Truppen des Wesirs al-Afdal und schlagen sie in die Flucht. 

Der Sieg sichert vorerst die neue christliche Herrschaft über Jerusalem und gilt als letzter großer Kampf des Ersten Kreuzzugs. Die befestigte Stadt Askalon selbst bleibt jedoch unter fatimidischer Kontrolle. 

6. Januar 1103
Kaiser Heinrich IV. verkündet den Reichslandfrieden

Mainz * Mit dem durch Kaiser Heinrich IV. verkündeten Reichslandfrieden stehen alle Juden unter dem persönlichen Schutz des Kaisers. Das bedeutet aber, dass sie ab sofort keine Waffen mehr tragen dürfen und darauf angewiesen sind, sich von des Kaisers Truppen beschützen zu lassen. Das Gesetz begründet 

  • die Ausnahmestellung der Juden und zugleich
  • ihre Wehr- und Waffenunwürdigkeit.
1104
Hugo von Payns auf dem Weg zu einer Pilgerfahrt ins Land der Heiligkeit

Israel * Hugo von Payns ist ein Herr aus dem mittleren Adel und stammt aus der Champagne. Seine Spuren sind nur sehr rar gestreut, weshalb sich seine Teilnahme am Ersten Kreuzzug nicht mit Sicherheit bestätigen lässt. Tatsache ist aber, dass er sich anno 1104 auf den Weg zu einer Pilgerfahrt ins Land der Heiligkeit macht und Graf Hugo von der Champagne begleitet.

1120
Die Gründung des Templerordens 

Jerusalem * Hugo von Payns schließt sich mit einer kleinen Gruppe von Rittern zu einer geistlichen Gemeinschaft zusammen. Ihr vorrangiges Ziel ist der bewaffnete Schutz christlicher Pilger, die auf den unsicheren Straßen zwischen den Hafenstädten, Jerusalem und den heiligen Stätten unterwegs sind. König Balduin II. und der lateinische Patriarch von Jerusalem unterstützen die Gemeinschaft. 

Der König überlässt den Rittern Räume in seinem Palast auf dem Tempelberg, nahe der heutigen al-Aqsa-Moschee. Da die Kreuzfahrer diesen Ort für den Standort des biblischen Tempels Salomos halten, nennt sich die Gemeinschaft "Pauperes commilitones Christi Templique Salomonici" – „Arme Gefährten Christi und des Tempels Salomos“. Daraus entsteht die Kurzbezeichnung Templer. 

Die Ritter verpflichten sich zu Armut, Keuschheit und Gehorsam. Anfangs besitzen sie kaum eigene Mittel und sind auf Schenkungen angewiesen. Erst das Konzil von Troyes erkennt die Gemeinschaft 1129 offiziell als geistlichen Ritterorden an und gibt ihr eine verbindliche Ordensregel.

1125
Ein Graf wird Templer

Jerusalem * Graf Hugo von Champagne verzichtet auf seine weltliche Herrschaft und tritt dem noch jungen Templerorden bei. Dass sich ein bedeutender französischer Adliger den bislang kleinen und armen Rittergemeinschaft anschließt, steigert deren Ansehen erheblich und stärkt ihre Verbindungen zum europäischen Hochadel. 

Hugos Eintritt fördert die Bekanntheit des Ordens. Der große Zustrom an Geld, Land und Besitz beginnt jedoch vor allem nach der kirchlichen Anerkennung der Templer auf dem Konzil von Troyes im Jahr 1129. 

1127
Hugo von Payns sucht Unterstützung für die Tempel-Ritter

Frankreich - England - Spanien * Hugo von Payns schifft sich mit fünf Tempel-Rittern ein und bereist in der Folge Frankreich, England und Spanien. Er verfolgt dabei mehrere Ziele:

  • Er will die Rittergemeinschaft mit einer von den obersten Kirchenstellen gebilligten Ordensregel versehen lassen, außerdem
  • den Orden und dessen Ziele im Abendland bekannt machen und
  • um finanzielle Unterstützung werben.

Darüber hinaus muss er neue Kämpfer für das Heilige Land und damit Nachwuchs für den Orden der Tempel-Ritter anwerben.

13. Januar 1129
Am Konzil von Troyes erhält der Templer-Orden eine feste Regel

Troyes * Hugo von Payns nimmt am Konzil von Troyes teil, auf dem der Templer-Orden eine feste Regel erhält. Anschließend kehrt der Großmeister mit dreihundert Rittern aus den edelsten Familien Frankreichs und gewaltigen Geldmitteln in das Heilige Land zurück. Die Templer werden so das erste stehende Heer des Mittelalters.

1130
Der gerechte Krieg ist als das kleinere Übel akzeptiert

Clairvaux * Für Bernhard von Clairvaux ist der gerechte Krieg als das kleinere Übel akzeptiert. Unter Christen ist er nur gerecht, wenn die Einheit der Kirche auf dem Spiel steht. Gegen die Juden, die Ketzer und die Heiden soll Gewalt vermieden werden, weil sich die Wahrheit nicht mit Gewalt durchsetzen lässt.

Der Christ soll überzeugen, weshalb - aus der Sicht des später zum Heiligen erklärten Bernhard von Clairvaux - gegen diesen Personenkreis nur ein Verteidigungskrieg gerechtfertigt ist, bei dem er allerdings die Gewalt auf ein Mindestmaß reduziert wissen will.

Vom Gerechten Krieg zum Heiligen Krieg ist es damit nicht mehr weit, solange er gegen die Heiden und Ungläubigen gerichtet ist. Bernhard von Clairvaux hebt in seinen Kreuzzugpredigten die islamische Aggression und Bedrohung der gesamten christlichen Kirche hervor. Sein Fazit lautet: Nur durch einen Gerechten und Heiligen Krieg kann der Frieden wieder hergestellt werden. Unter Frieden versteht der Kirchenmann die Aufrechterhaltung der gottgewollten Ordnung.

Bernhard von Clairvaux will aus Raubrittern, Weiberhelden, Totschlägern, Meineidigen und Friedensbrechern zutiefst beherrschte, asketische und christliche Ritter machen. Dabei will er aber die natürlichen Triebe - wie Aggression - nicht unterdrücken, sondern sie durch höhere Ziele - sozusagen - veredeln. Im Zentrum seines Werkes steht deshalb der Begriff der „militia Christi“. „Gute Ritter“ kämpfen, um Glauben und Kirche zu verteidigen, „Schlechte Ritter“ wirken in prunkvollem Aufzug und folgen eigensüchtigen Motiven.

In einer Werbeschrift für die Tempel-Ordensritter sagt der heilige Bernhard: „An erster Stelle stehen Disziplin und uneingeschränkter Gehorsam. Jeder kommt und geht, wie es der Vorgesetzte befiehlt. Jeder trägt die ihm zugeteilte Kleidung, keiner besorgt sich Nahrung oder Kleidung nach seinem Gutdünken. Hinsichtlich Ernährung und Gewandung gibt man sich mit dem Notwendigsten zufrieden und meidet alles Überflüssige.

Die Templer leben maßvoll und fröhlich in einer Gemeinschaft, ohne Frauen und Kinder. Um der apostolischen Lebensweise möglichst nahe zu kommen, leben sie alle unter gleichen Bedingungen im gleichen Haus, auch nennen sie nichts ihr eigen, um einer einheitlichen Gesinnung und eines friedlichen Zusammenlebens willen. Ungebührliche Reden, nutzlose Beschäftigung, lautes Gelächter, heimliches Tuscheln und selbst unterdrücktes Kichern sind unbekannt. Sie verabscheuen Schach und Würfelspiel; sie hassen die Jagd, ja, sie erfreuen sich nicht einmal am Flug des Falken. Sie verachten Komödianten, Taschenspieler, Schwätzer und zweideutige Lieder sowie Vorstellungen von Possenreißern, denn sie erachten das alles als sinnlose, nichtige Torheiten.

Sie tragen das Haar kurz geschnitten, weil es ihrer Ansicht nach beschämend für einen Mann ist, langes Haar zu haben. Niemals übertrieben gekleidet, baden sie selten; sie sind schmutzig und behaart, und ihre Haut erscheint gebräunt vom Tragen des Kettenhemds und von der Sonne“.

Die Glaubenskrieger sollen in die Schlachten Gottes ziehen. Und sollte ein Templer dabei sein Leben verlieren, so stirbt er selig als Blutzeuge für den christlichen Glauben. In der Werbeschrift Bernhards liest sich das so: „Freue dich, starker Kämpfer, wenn du in dem Herrn lebst und siegst! Aber noch mehr frohlocke und rühme dich, wenn du stirbst und dich mit dem Herrn vereinst“.

Die Gegner der Glaubenskrieger sind ja „nur“ Heiden ohne Glauben.

1130
Bernhard von Clairvaux erarbeitet die Ordensregel der Templer

Clairvaux * Inwieweit Bernhard von Clairvaux an der Erstellung der Ordensregel der Templer beteiligt war, ist umstritten. Der Zisterziensermönch kann aber den Templern bei der Findung eines angemessenen Rahmens helfen und mit seinem rhetorischen Talent diesen auch gegenüber Skeptikern durchsetzen.

Bernhard von Clairvaux sieht in den Templern die neuen Glaubenskrieger, die den freien Zugang zu den Heiligen Stätten wieder herstellen, die Pilger schützen und den Frieden sichern. Kein Wunder also, dass die Ordensregeln der Templer ganz im Geiste der von Bernhard von Clairvaux stark beeinflussten Ordensregeln der Zisterzienser gehalten sind und die Tempelritter bei ihrem Eintritt in den Orden Armut, Keuschheit und Gehorsamkeit geloben müssen.

In seinem Traktat „Lob der neuen Ritterschaft“ preist Bernhard die Tugenden sowie die Werke der Nächstenliebe der Tempelherren und gibt damit dem Ritterorden eine theologische Begründung.

Bei so viel Unterstützung durch Bernhard von Clairvaux verwundert es nicht, dass sich die Tempel-Ritter zu den Zisterziensern hingezogen fühlen. Aufgrund ihrer Kleidung werden diese Kirchenmänner auch als „weiße Mönche“ bezeichnet. Und nachdem die Tempelherren die Zisterzienser als ihren Mutterorden empfinden, übernehmen sie auch die Farbe weiß für ihren Umhang.

Um 1132
Der Krieg ist nicht mit dem Neuen Testament in Einklang zu bringen

Clairvaux * Dass sich kriegerische Auseinandersetzungen nur schwer mit dem Wort und Sinn des Neuen Testaments in Einklang bringen lassen, bekümmert den Ordensmann, Mystiker und Prediger Bernhard von Clairvaux nur wenig.

Mit welchen rhetorischen Mittel er arbeitet und welche menschenverachtende Argumentation er dabei benutzt, lässt sich anhand eines Zitats aus einer Predigt zeigen, mit der der Heilige für den Zweiten Kreuzzug wirbt: „Wenn sich dein Vater auf die Schwelle legte, wenn deine Mutter die Brust zeigte, die dich genährt, so steige über deinen Vater hinweg, tritt deine Mutter mit Füßen und folge trockenen Auges dem Kreuzbanner nach. Hier für Christus grausam sein ist die höchste Stufe der Seligkeit“.

Denn, so Bernhard weiter: „Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selbst, wenn er tötet, nützt er Christus“. Wer aber so argumentiert, wem man „Honigsüße“ nachsagt, weil er eine ideologische Grundlage für einen Gerechten und Heiligen Krieg und eine Argumentationskette schafft, die aus einem Angriffskrieg einen Verteidigungskrieg macht, der ist wirklich ein „komischer Heiliger“.

1139
Die Tempel-Rittern erhalten eine umfangreiche Ordensregel

Rom-Vatikan * In der Bulle „Omne datum optimum“ gibt Papst Innozenz II. den Tempel-Rittern eine umfangreiche Ordensregel, die mit Ergänzungen im Jahr 1230 und 1260 auf insgesamt 678 Artikel anwachsen wird.

Durch die päpstliche Bulle werden die Tempelherren als „extemt“ erklärt, also aus dem kirchlichen Gesamtorganismus heraus genommen. Sie sind damit die erste Gemeinschaft von Rittermönchen, die jeglicher bischöflicher Jurisdiktion entnommen und alleine und direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt sind. Er erklärt die Templer auch zu „Vorkämpfer der Christenheit“ und hebt sie damit über alle anderen Orden. Dadurch nehmen die Templer in der Gesamtkirche eine elitäre Ausnahmestellung ein, die von den Folgepäpsten fortgeschrieben und durch eine Vielzahl von Privilegien erhärtet wird. 

  • So darf kein Kirchenmann oder Laie, lediglich der Templer-Meister mit Zustimmung des Kapitels, die Ordens-Statuten ändern. 
  • Das Recht der Tempel-Ritter eigene Priester zu haben, wird in der Bulle ebenso festgeschrieben wie die Freistellung vom Zehent. 
  • Die Templer-Kapläne sind berechtigt Spenden zu sammeln, um Almosen zu bitten und einmal im Jahr in jeder Kirche die Kollekte für sich zu behalten.
  • Einmal jährlich dürfen sie in den unter Interdikt, dem Verbot gottesdienstlicher Handlungen, gestellten Regionen die Messe halten.
    Die Kirche macht - nicht nur aus Sicht der Templer - viel zu viel Gebrauch von dieser Strafmaßnahme, die darauf abzielt, jede religiöse Aktivität, ob das nun Messen oder die Segnungen der Sakramente sind, in einer Ortschaft, einer Region oder einem ganzen Königreich zeitweilig zu verbieten. Damit wollen die Kirchenmänner die Sünden eines Herren, einer Gemeinde oder eines Königs bestrafen.
    Gottesdienste, die in solchen vernachlässigten und teilweise auch vollkommen ungerechtfertigt bestraften Regionen abgehalten werden, ziehen freilich viele Gläubige an und bringen schon deshalb außergewöhnlich hohe Einnahmen von Almosen und Opfergaben. 
  • Darüber hinaus dürfen die Tempelherren eigene Kirchen und Friedhöfe besitzen, worin sie auch Exkommunizierte beerdigen können, was ihnen häufig großzügigst gedankt wird.
  • Schließlich ergänzt Papst Coelestin II. die Privilegien der Templer indem er die Ritter-Brüder, ihre Vasallen und Grundholden von den durch die Bischöfe ausgesprochenen Exkommunizierungen und Interdikten als ausgeschlossen erklärt.
    Dies geschieht sehr zum Ärgernis des Weltklerus und vergiftet das eh schon angespannte Verhältnis zwischen dem Ritterorden und den Weltpriestern.

Dennoch hält der Heilige Stuhl beständig seine schützende Hand über die geistlichen Ordensritter und stellt die gewährten Privilegien nie in Frage.

Seit Hugo von Payns den Tempelherren seine Besitzungen schenkte, folgte jeder, der in den Orden eintritt oder sich ihm anschloss, diesem Beispiel.

Durch Schenkungen von Land und Vermögen sind die Ordensritter sehr schnell reich geworden. Und nachdem heimgekehrte Kreuzfahrer Wunderdinge über das Heldentum der Templer berichten, führt dies in ganz Europa zu einer großzügigen Spendentätigkeit für die Ordensgemeinschaft.

1140
Das umfangreiche Imperium der Tempel-Ordensritter

Paris * Die Templer besitzen ausgedehnte Ländereien in Frankreich, England, Schottland, Spanien, Portugal, Flandern, Italien, im Deutschen Reich, Ungarn und in der Levante.

Geschenkt wird ihnen vor allem für die Ablösung von Sünden sowie das Seelenheil des Spenders und seiner Angehörigen. Durch Tausch, Verkauf und Erwerb optimieren die Templer die Ertragslage ihrer Schenkungen zu wirtschaftlich lukrativen Gebilden. Da ihre Besitzungen hohe Renditen erwirtschaften, fließen dem Ritterorden daraus reichliches Einkommen zu. Viele ihrer landwirtschaftlichen Gründe haben sie verpachtet.

Nur wenn sich die Ertragslage der Böden wirklich rentiert, dann bearbeiten sie diese auch in Eigenbewirtschaftung. Dafür holen sie sich eigens qualifizierte Spezialisten. In Spanien und auf den Balearen beschäftigen die Tempelherren dafür sogar geschickte Muslime. 

  • Durch ihren Kontakt zur jüdischen und islamischen Welt sind die Tempelherren recht weltoffen und für neue Wissenschaften und Ideen empfänglich geworden. Der Orden besitzt die fortschrittlichste Technologie der Zeit: im Bereich der Landwirtschaft, des Vermessungswesens, des Straßenbaus und der Schifffahrt.
  • Die Templer veranlassen die Bewässerung des Rio-Cinca-Tales in Aragón, den Bau eines Mühlensystems an der Aude und die Einführung des vierjährigen Fruchtwechsels in der Normandie. Mit Mühlen lässt sich ebenso viel Geld verdienen wie mit dem Weinanbau in Portugal. Der Wein wird bis nach England verkauft.
  • Auch die Templer-Schiffe bringen einen erheblichen Gewinn. Den Ordensrittern gehören eigene Häfen, Werften und Schiffe. Sie sind die Ersten in Europa, die mit einem Magnetkompass ausgestattet sind.
  • Selbst die der europäischen weit überlegene arabische Medizin ist den Templern nicht fremd. In den Krankenhäusern des Ordens kommen moderne Prinzipien wie Hygiene und Sauberkeit zum Tragen und sogar das Wissen um die antibiotische Wirkung von bestimmten Pilzen ist vorhanden.
  • Die Tempelherren sind also keineswegs reine Haudraufs. Neben ihren kriegerischen, politischen und wirtschaftlichen Aktivitäten betreiben sie auch noch Geldgeschäfte. Sie sind die einzigen Christen, die aufgrund eines weiteren päpstlichen Privilegs Geld gegen Zinsen verleihen dürfen. Dadurch können sie einen gewaltigen Reichtum anhäufen.
  • Und da, um seine Wertgegenstände aufzubewahren, nichts so sicher und unverletzlich ist wie ein gottgeweihtes Haus und nichts mehr Vertrauen erweckt als die Templer-Burgen, die von hohen Mauern geschützt, von Ritter-Mönchen verteidigt vor jedem Angriff sicher scheinen, dienen diese bald als Tresore für Kostbarkeiten von weltlichen und geistlichen Herren. Sie werden zu Depots für Wertgegenstände, Schmuck und Geld, die den Grundstock des immer noch gesuchten Templerschatzes bilden.
  • Die Templer verwalten die Depots ihrer Kunden, die damit über ein laufendes Konto verfügen. Sie können Geld abheben, Zahlungen durch einen simplen Brief an den Schatzmeister entrichten und erhalten darüber hinaus drei Mal jährlich einen Kontoauszug zugeschickt.
  • Zu jedem trogähnlichen Geldschrank gibt es, ähnlich wie bei den heutigen Bankschließfächern, zwei verschiedene Schlüssel. Je einen für den Hüter der kirchlichen Kostbarkeiten und dem Depotinhaber. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Depots der Templer absolut sicher, da geldgierige Herrscher nur ganz selten ihre Finger nach ihnen ausstrecken.
  • So können sich die Niederlassungen der Templer in Europa und im Nahen Osten zu Zentren des Finanzwesens entwickeln und das Pariser Ordenshaus, der Temple, zum europäischen Finanzzentrum. Der König von Frankreich vertraut beispielsweise im 13. Jahrhundert seine Kronjuwelen der Obhut der Pariser Templer an.
  • Die Finanzspezialisten der Tempelherren führen bald fortschrittliche Techniken im Kreditwesen und in der Buchführung ein. Sie entwickeln den bargeldlosen Zahlungsverkehr und führen den Wechselbrief und den Scheck in Europa ein.
  • Wer also in einem Ordenshaus eine Summe einzahlt, kann sie nach Vorlage der Kassenanweisung in einer weit entfernten Komturei wieder in Empfang nehmen. Der Orden kassiert dafür lediglich Gebühren und verdient an den Zinsen. Doch wird dadurch der risikoreiche Transfer von Münzgeld fast völlig entbehrlich.
  • Neben der einfachen Vermögensverwaltung für Dritte betreibt der Templer-Orden auch Geldleihe, wodurch er die eigenen Gelder und die ihnen durch Dritte anvertrauten Einlagen arbeiten lässt. Alle Klöster und Konvente fungieren deshalb als Leihkasse.
  • An Bauern verleihen die Templer kleinere Summen, damit diese einen Engpass überbrücken können, Kaufleuten geben sie größere Kredite. Als Sicherheit ziehen sie Grundbesitz heran. Gibt es bei der Rückzahlung des Kredits Probleme, dann halten sie sich an den Ländereien des Schuldners schadlos.
  • Zwar passen die Finanzaktivitäten des Templer-Ordens nicht zu ihrer religiösen Berufung, es ist aber die allgemein den Ritterorden aufgetragene Mission, die sie auch in diesem Bereich tätig werden lassen. Auch die Johanniter, der Deutsche Orden und selbst die traditionellen Mönchsorden betätigen sich ähnlich, allerdings auf einer wesentlich niedrigeren Stufe.
  • Um im Orient überleben zu können, muss der Templer-Orden über umfangreiche Finanzmittel verfügen und all seine Einkünfte weitestgehend in Geld verwandeln. Sie kaufen dazu auf Märkten und Messen möglichst viele Rechte und Monopole, die ihnen wiederum Einnahmen sichern.
  • So wird zum Beispiel das ausschließliche Wiegerecht, das der Orden vom Grafen der Champagne erwirbt, sehr zu Ungunsten der dort ansässigen Bürger vereinnahmt. Von dem eingenommenen und erwirtschafteten Verdienst gehen anfangs ein Drittel an die Häuser im Orient. Später werden die Abgaben auf ein Zehntel reduziert.
  • Aus abendländischer Sicht entsteht immer wieder der Eindruck, als hätten die Männer und Frauen aus dem Westen die Kultur in den Nahen Osten gebracht. Genau das Gegenteil ist richtig. Die arabischen Reiche sind den Christen nicht nur militärisch, sondern auch in ihrer Kultur weit überlegen. Dort im Osten ist das geistige Erbe der Griechen und Römer bewahrt und weiterentwickelt worden. Geniale Mathematiker und Astronomen sowie geschickte Kaufleute kommen von dort her.
  • Die Araber haben ein Zahlensystem entwickelt: die arabischen Ziffern, die wir heute noch verwenden. Eine der wesentlichen Neuerungen besteht darin, dass es für „nichts“ ein eigenes Zeichen gibt: die Null. Diese macht das Multiplizieren und das Bruchrechnen viel einfacher und erlaubt die einprägsame Darstellung des Dezimalsystems. Und genau dieses System lernen die Christen, allen voran die Tempelherren, zur Zeit der Kreuzzüge kennen. Die arabischen Ziffern ersetzen die bisher üblichen römischen.
    Da die Kaufleute nun einfacher rechnen können, rechnen sie auch besser und erhalten damit ein genaueres Bild über den Verlauf ihrer Geschäfte.
25. Dezember 1144
Beginn des Niedergangs des Templer-Ritterordens

Edessa * Dem kometenhaften Aufstieg der Templer im Osten und der erfolgreichen Tätigkeit im Westen folgt ein langsamer, sich immer mehr beschleunigender Niedergang des Ritterordens. Er beginnt am Weihnachtsabend des Jahres 1144, als der islamische Herrscher von Aleppo und Mosul, Imad al-Din Zengi, Edessa erobert. 278 Templer fallen während der Kampfhandlungen.

In der islamischen Welt wird die Eroberung Edessas als Triumph im Glaubenskrieg gefeiert. Immerhin war die Stadt seit dem Jahr 1098 in den Händen der Lateinischen Christen. 

7. April 1145
Eigene Kirchen und Friedhöfe für den Templerorden 

Rom - Europa * Papst Eugen III. erweitert mit der Bulle „Militia Dei“ die Vorrechte der Templer. Der Orden darf nun eigene Kirchen und Kapellen errichten, Gottesdienste feiern und Friedhöfe für seine Mitglieder und Angehörigen seiner Gemeinschaft anlegen. 

Die Ordenspriester unterstehen dem Templermeister und sind weitgehend von der Zuständigkeit der örtlichen Bischöfe unabhängig. Außerdem dürfen die Templer bestimmte Zehnten und Begräbnisabgaben für sich beanspruchen. Diese Rechte festigen ihre kirchliche Selbstständigkeit, führen jedoch zunehmend zu Auseinandersetzungen mit Bischöfen und Pfarrgeistlichen, die um ihre Zuständigkeiten und Einnahmen fürchten.

Frühjahr 1146
Der Reichslandfrieden aus dem Jahr 1103 hält

Deutschland * Der Reichslandfrieden aus dem Jahr 1103 hält, als ein Heer fanatischer Kreuzfahrer aus Frankreich in Deutschland einfällt und der Mönch Rudolf aus dem Kloster Clairvaux bedingungslosen Hass gegen die Juden predigt. Der damalige deutsche König Konrad III. nimmt sein Schutzversprechen ernst und rettet die meisten Juden.

März 1146
Papst Eugenius III. erlässt eine Kreuzzugbulle

Rom-Vatikan * Papst Eugenius III. erlässt eine päpstliche Kreuzzugbulle, in der er die Privilegien für die Kreuzfahrer festlegt:

  • die Vergebung der Sünden,
  • den Schutz für Eigentum und Angehörige und
  • einen Zinserlass. 

Zum Hauptprediger des Kreuzzugs beruft er Bernhard von Clairvaux.

April 1146
Bernhard von Clairvaux wirbt für die Teilnahme am Kriegszug

Vézelay * Bernhard von Clairvaux wirbt an Ostern für die Teilnahme am Kriegszug.  Vor der Stadt Vézelay er auf einem freien Feld, wo sich Tausende von Menschen einfinden: hoher und niedriger Adel, Kleriker, Söldner und viele, die der himmlische Lohn lockt, oder die normalen Zugewinne im Krieg, oder beides. 

Der Zisterzienser-Abt predigt: „Du tapferer Ritter, du Mann des Krieges, jetzt hast du eine Fehde ohne Gefahr, wo der Sieg Ruhm bringt und der Tod Gewinn“. Bernhard von Clairvaux wendet sich auch an die Kriminellen und fordert sie zur Kreuzfahrt auf: „Ist es denn nicht eine ausgesuchte und allein für Gott auffindbare Gelegenheit, dass der Allmächtige Mörder, Räuber, Ehebrecher, Meineidige und mit anderen Verbrechen Belastete in seinen Dienst ruft. [...] Misstraut nicht, Sünder, der Herr ist bei euch!“

Und weiter: „Selige nenne ich die Generation, die den Zeitpunkt derart reichlicher Vergebung ergreift und dieses wahrhafte Jubeljahr lebend angetroffen hat. [...] Gürtet euch mannhaft und ergreift im Eifer für den christlichen Namen die Glück bringenden Waffen“.

Die versammelte Menge ist derart begeistert, dass sie die Teilnahme an dem Kreuzzug gelobt und Bernhard, um genügend Stoffkreuze für die Gewänder der Kreuzfahrer zur Verfügung zu haben, seine Kleider zerreißen muss.

Die Kreuzzug-Ideologie ist inzwischen auf die verschiedensten Schauplätze christlicher Kriegsführung übertragbar gemacht worden. Deshalb soll der Zweite Kreuzzug nicht nur mehr im Nahen Osten, sondern gleichzeitig an zwei weiteren Fronten stattfinden: gegen die Mauren in Spanien und gegen die heidnischen Wenden im Norden Deutschlands.

1147
Das rote und typische Tatzenkreuz der Tempel-Ordensritter

Rom-Vatikan * Das rote und typische Tatzenkreuz der Tempel-Ordensritter kommt auf den weißen Umhang. Es wird ihnen von dem, dem Ritterorden nahestehenden Zisterzienser-Papst Eugen III. verliehen. Die rote Farbe soll an den Opfertod Christi erinnern und die Bereitschaft zum Martyrium für den Glauben symbolisieren.

Ein weiteres wichtiges Erkennungszeichen ist deren Siegel. Es zeigt eine Darstellung von zwei Rittern auf einem Pferd und wird inzwischen als Symbol der Brüderlichkeit, des guten Einvernehmens, der Harmonie und der Disziplin, die im Orden herrschen soll, angesehen.

Ebenso symbolträchtig ist der Artikel „Über die Näpfe und Becher“ in der Templer-Regel. Dieser besagt: „Was die Näpfe angeht, so sollen sie jeweils für zwei Brüder verteilt werden, damit ihn sich jeder vom anderen besorge; sie sollen das Leben in der Enthaltsamkeit und im Brauch des gemeinsamen Essens schätzen lernen“. Es geht hierbei nicht um das Essen aus einem Napf, sondern um das gemeinschaftliche Leben im Konvent. 

Um Oktober 1147
Französische und deutsche Heere erreichen Konstantinopel

Naher Osten * Die zwei in den Orient ziehenden Hauptheere bilden die unter der Führung ihres Königs Ludwig VII. stehenden Franzosen und den Deutschen unter dem „Stauferkönig“ Konrad III..

Beide Heere ziehen in engen räumlichen und zeitlichen Abständen durch Europa und erreichen Konstantinopel. Weitere Kreuzfahrer aus den verschiedensten europäischen Regionen kommen per Schiff ins Heilige Land. Sie alle haben nur ein Ziel: die Rückeroberung von Edessa. 

Doch der Zweite Kreuzzug wird sich als völliger Fehlschlag erweisen und in einem demoralisierenden Rückzug enden. Der Kriegsverlauf ließ die Kreuzfahrer resignieren. Erst die Tempel-Ritter stellen die Disziplin wieder her. Dennoch geben die Glaubenskrieger ihr ursprünglich gefasstes Ziel, die Eroberung Edessas, wieder auf und greifen stattdessen Damaskus an.

Juli 1148
Dank der Templer endet der Kreuzzug nicht in einem Desaster

Damaskus * Die Kreuzfahrer können zwar die Obstgärten von Damaskus erobern, stoßen aber auf heftigen Widerstand und verlegen deshalb ihre Truppen in den Osten der Stadt.

Doch dieses Gebiet war eine offene Ebene, die weder Schutz noch Wasser bot, sodass die christlichen Kampftruppen schließlich zum Rückzug gezwungen waren. Die Templer erwerben sich durch ihre Teilnahme am Zweiten Kreuzzug den Ruf fanatischer Kämpfer von großem Mut, äußerster Disziplin, aber auch von außerordentlicher Überheblichkeit.

Frankreichs König Ludwig VII. berichtet, dass es nur den Tempelherren zu verdanken sei, dass der falsch geplante und schlecht geführte Kreuzzug nicht in einem Desaster endete. Es folgen wechselseitige Beschuldigungen, die das Verhältnis zwischen dem Abendland und den Kreuzfahrerstaaten auf Jahre hin vergiften. Und die Akteure des Zweiten Kreuzzuges beschönigen die Geschichte, indem sie eisern die Schmach verschweigen oder schön reden.

Die Kritiker, die den Tod von vielen Tausenden als sinnlose Opfer bezeichnen, werden immer lauter. Bernhard von Clairvaux, der in seinen Kreuzzug-Predigten sagte: „Im Tod des Heiden sucht der Christ seinen Ruhm, weil Christus verherrlicht wird“, erklärt jetzt, dass das Desaster durch die Sünden der Pilger verursacht worden ist und dass Gott deshalb den Kreuzfahrern seinen Segen entzogen habe.

Bischof Otto von Freising, ein Bruder des Stauferkönigs Konrad III. und selbst aktiver Teilnehmer am Zweiten Kreuzzug, räumt zwar den Misserfolg des Unternehmens ein, versucht aber zumindest einen kleinen Gewinn zu erkennen, wenn er den Kritikern entgegnet: „Wenn [...] unser Feldzug nicht gut war zur Ausweitung unserer Grenzen, noch für die Wohlfahrt unseres Leibes, so war er dennoch gut für das Heil vieler Seelen“.

Bernhard von Clairvaux ist von der Kritik an seiner Person schwer enttäuscht, weshalb er sich gegenüber Papst Eugenius III. ausführlich rechtfertigt und dabei jede Schuld von sich weist: „Wir eilten nicht dorthin wie ins Ungewisse, sondern auf Deinen, ja durch Dich auf Gottes Befehl“. Der Zisterzienser-Abt lässt sich schließlich in Chartres erneut zum Anführer eines Kreuzzuges wählen, doch der Papst will nach den gemachten leidigen Erfahrungen diesen Plan erst fördern, wenn die Aussicht auf Erfolg auch gesichert ist.

20. April 1153
Bernhard von Clairvaux stirbt

Clairvaux bei Lyon * Bernhard von Clairvaux, der Chefideologe der Templer und des Ordens der Zisterzienser, stirbt, ohne einen weiteren Kreuzzug in die Wege geleitet zu haben. Dennoch hat mindestens eine seiner Parolen für die kommenden Generationen von Kreuzfahrern über viele Jahrhunderte hinweg Bestand.

  • Diese lautet: „Vollständige Ausrottung der Heiden oder sichere Bekehrung“. Vor diese Alternative - „Tod oder Taufe“ - stellen die Kolonisatoren die Bevölkerung der von ihnen eroberten Kontinente. 

Der Verfasser dieser Ideologie wird nur einundzwanzig Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen.

1187
Jerusalem fällt in die Hände der Muslime

Jerusalem * Jerusalem fällt in die Hände der Muslime. Das Haupthaus der Tempel-Ordensritter wird daraufhin nach Akkon verlegt.

Saladin schlägt das christliche Heer. Er lässt 230 halb tot gefangen genommene Templer hinrichten. Bezogen auf die Tempelherren und die Johanniter meint Saladin: „Ich will die Erde von diesen zwei schändlichen Bruderschaften reinigen, die niemals ihre Feindschaft aufgeben und keinen Dienst als Sklaven leisten.“

Daraufhin übergeben Die Tempelherren übergeben erstmals ihre Burgen kampflos und zahlen sogar Geld für ihren Abzug.

Suchbegriffe: Templer, Jerusalem, Akkon, Johanniter
Personen: Saladin
1191
Die Tempelherren kaufen Zypern

Zypern * Trotz aller Rückschläge und Niederlagen bleiben die Tempelherren reich, privilegiert und versuchen in immer neuen Vorstößen an einen eigenen Ordensstaat zu kommen.

Anno 1191 kaufen sie König Richard Löwenherz das von diesem eroberte Zypern um 100.000 Goldbyzantiner ab. Doch die Inselbevölkerung wehrt sich mit einem Aufstand gegen die geplante Herrschaft der Tempelordens-Ritter. So verfügen am Ende die Johanniter und der Deutsche Orden über einen eigenen Staat, nicht aber die Tempelherren. 

1222
Streit um den weißen Ordensmantel

Heiliges Land * Zwischen den Templern und dem aufstrebenden Deutschen Orden kommt es zum Streit über dessen Ordenskleidung. Die Templer beanspruchen den weißen Mantel als besonderes Kennzeichen ihrer Ritterbrüder und wenden sich dagegen, dass auch Deutschordensritter diese Farbe tragen. 

Kaiser Friedrich II., ein einflussreicher Förderer des Deutschen Ordens, weist die Templer an, dessen Mitglieder wegen ihrer weißen Mäntel nicht zu behindern. Der schwarze Mantelkreuz unterscheidet die Deutschordensritter weiterhin deutlich von den Templern, die später ein rotes Kreuz auf weißem Grund tragen.

1253
In Deutschland entdeckt man eine ketzerische Teufelsanbetung

Rom-Lateran - Deutschland * In Deutschland entdeckt man eine ketzerische Teufelsanbetung, deren charakteristischen Züge Papst Gregor IX. beschreibt: Man findet hier

  • die Verleugnung Christi und des Kreuzes,
  • die Götzen [Kröte und schwarze Katze, die Verkörperung Luzifers],
  • die sexuellen Ausschweifungen und die Homosexualität,
  • den Geheimbund und die nächtlichen Versammlungen.
18. Mai 1291
Akkon wird nach Wochen der Verteidigung von den Muslimen erobert

Akkon * Akkon wird nach mehreren Wochen der Verteidigung von den Muslimen erobert. Die Templer leisten aus ihrem turmartigen Haus weiterhin Widerstand. Als jedoch die Situation für die Verteidiger immer aussichtsloser wird, verspricht ihnen Sultan al-Aschraf Halil den freien Abzug.

Kaum haben die Ordensritter den Turm verlassen, stürzen sich die Angreifer auf sie, nehmen sie fest und schlagen ihnen die Köpfe ab. Als die sich noch im Turm befindlichen, aber verwundeten Tempelherren dies bemerken, setzen sie sich mit letzter Kraft wieder zur Wehr. Daraufhin beginnen die Belagerer mit dem Unterminieren des Turmes.

28. Mai 1291
Circa 300 Tempel-Ordensritter verlieren in Akkon ihr Leben

Akkon * Der von den Islamisten unterminierte Turm in Akkon stürzt ein und begräbt die Templer sowie viele Angreifer unter sich. Circa dreihundert Ordensritter verlieren dabei ihr Leben. Sehr viel mehr sind auch nicht im Einsatz. Der Großmeister der Templer zieht sich auf die Insel Zypern zurück. Durch eine Serie von Niederlagen hat der einstmals vortreffliche Ruf des Ordens stark gelitten.

Suchbegriffe: Templer, Akkon, Islam, Zypern
Nach Juni 1291
Akkon fällt. - Der Sitz der Zentralregierung wird nach Zypern verlegt

Akkon - Zypern * Nachdem auch Akkon,  dieser letzte befestigte Platz des Königreichs fällt, wird der Sitz der Zentralregierung nach Zypern verlegt. Der Ordenssitz der Templer bleibt aber immer im Orient, oder wie die Tempel-Ordensherren sagten: „Diesseits des Meeres.“

Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis ihre Gegner laut vernehmbar an die Öffentlichkeit treten und den Tempelherren die vielen wirtschaftlichen Aktivitäten, ihren Reichtum und ihre Privilegien, ihre Macht und ihren Einfluss neiden.

  • So sind die Bischöfe über die direkte Unterstellung der Tempelherren unter den Heiligen Stuhl verärgert,
  • Geschäftsleute beschweren sich über die angeblichen Beeinträchtigungen ihrer Handelsrechte durch die Ordensmänner und
  • der Weltklerus muss ohnmächtig zusehen, wie die Tempelherren in ihren Pfarreien umfassende Kollekten organisieren und dadurch örtliche Projekte leiden müssen.
  • Die anderen Ritterorden, ganz besonders die Johanniter, neiden den Tempelrittern ihre nahezu uneingeschränkten Finanzmittel.
  • Und selbst weil der Großmeister der Templer Vortritt gegenüber dem Johanniter-Großmeister hat, kommt es zu weitreichenden Rivalitäten.

Aus den Neidern werden Feinde, die Material für kommende Auseinandersetzungen sammeln.
Und das wird den Tempel-Rittern dann gefährlich, als sich ein machtvoller politischer Wille gegen sie wendet.

Wie in den heutigen politischen Auseinandersetzungen, so werden auch damals Einzelfälle aufgebauscht, ausgeschlachtet und zu wahren Horrorgeschichten ausgebaut. Freilich findet man unter den. Tempel-Rittern einen Trunksüchtigen, einen Sodomistischen, einen Homosexuellen, einen Jähzornigen oder einen glaubensmäßig Unsicheren.

26. September 1302
Die Mamluken erobern den Templerstützpunkt Ruad 

Ruad vor der syrischen Küste * Mamlukische Truppen greifen die von den Templern gehaltene Insel Ruad, das heutige Arwad, an und zwingen die Besatzung nach Kämpfen und einer Belagerung zur Aufgabe. 

Gefangene Templer werden in „Schimpf und Schande nach Ägypten geführt“ nach Ägypten verschleppt und in Kairo inhaftiert. Mit Ruad verliert der Orden seinen letzten vorgeschobenen Stützpunkt unmittelbar vor der syrischen Küste. Die Niederlage schwächt seine Hoffnung, von dort aus auf dem Festland wieder Fuß zu fassen. 

Suchbegriffe: Templer, Ruad, Ägypten, Mamelucken
1303
Der König von Aragón vertraut den Templern seine Kronjuwelen an 

Monzón - Aragón * König Jakob II. von Aragón hinterlegt seine Kronjuwelen zur sicheren Aufbewahrung in der Templerburg Monzón. Der Vorgang zeigt das Vertrauen, das der Orden bei Herrschern und vermögenden Auftraggebern genießt. 

Neben ihren militärischen Aufgaben übernehmen die Templer Finanzgeschäfte: Sie verwahren Geld und Wertgegenstände, vergeben Kredite und wickeln Zahlungen ab. Zu ihren Auftraggebern gehören Fürsten, königliche Amtsträger, Adlige und Kaufleute. Auch die französische Krone greift auf ihre Dienste zurück. König Philipp IV. überträgt ihnen 1303 erneut einen Teil der zuvor entzogenen Aufgaben bei der Verwaltung der königlichen Finanzen. 

1304
Die Templer halten an ihren Kreuzzugsplänen fest 

Zypern - Frankreich * Nach dem Verlust ihrer Stützpunkte an der syrischen Küste steht die militärische Zukunft des Templerordens infrage. Großmeister Jacques de Molay hält jedoch an dem Ziel fest, einen neuen Kreuzzug zur Rückgewinnung Jerusalems vorzubereiten. Zypern bleibt das Zentrum dieser Bemühungen. 

Zugleich verfügt der Orden in Frankreich über bedeutende Besitzungen, weitreichende Privilegien und enge Verbindungen zur königlichen Finanzverwaltung. Seine unmittelbare Unterstellung unter den Papst begrenzt den Zugriff weltlicher Herrscher, schützt ihn aber nicht dauerhaft vor deren Eingriffen. 

1305
Esquieu de Floyran erhebt Anschuldigungen gegen die Templer 

Aragón - Frankreich * Esquieu de Floyran verbreitet schwere Anschuldigungen gegen den Templerorden. Er wirft den Brüdern unter anderem Ketzerei, Götzenverehrung und als „Sodomie“ bezeichnete sexuelle Vergehen vor. 

Zunächst trägt er seine Behauptungen König Jakob II. von Aragón vor, anschließend wendet er sich an den französischen König Philipp IV. Die Vorwürfe gehören zur Vorgeschichte des späteren Vorgehens gegen den Orden; sie sind keine Belege für die behaupteten Praktiken. 

5. Juni 1305
Bertrand de Got wird als Clemens V. zum Papst gewählt 

Perugia * Nach einem fast elfmonatigen Konklave wählen die Kardinäle den Erzbischof von Bordeaux, Bertrand de Got, zum Papst. Er nimmt den Namen Clemens V. an. Seine Wahl beendet die langwierigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Parteien im Kardinalskollegium. 

Clemens reist nicht nach Rom, sondern lässt sich am 14. November 1305 in Lyon krönen. König Philipp IV. von Frankreich nimmt an der Zeremonie teil. Der neue Papst steht in den folgenden Jahren unter starkem französischem Einfluss, verfolgt jedoch auch eigene kirchenpolitische Ziele. Erst 1309 lässt sich der päpstliche Hof in Avignon nieder. 

Vermutlich August 1307
Clemens V. erörtert eine Vereinigung von Templern und Johannitern 

Poitiers * Papst Clemens V. greift den Plan auf, den Templerorden und den Johanniterorden zu vereinigen. Die Überlegungen stehen im Zusammenhang mit der Vorbereitung eines neuen Kreuzzugs. 

Templergroßmeister Jacques de Molay lehnt die Zusammenlegung ab. Er befürchtet Streitigkeiten zwischen den Ordensgemeinschaften und Nachteile für ihre unterschiedlichen Aufgaben. Eine Vereinigung kommt nicht zustande. 

24. August 1307
Clemens V. kündigt eine Untersuchung der Templervorwürfe an 

Poitiers * Papst Clemens V. informiert König Philipp IV. von Frankreich über eine Untersuchung der Anschuldigungen gegen den Templerorden. Großmeister Jacques de Molay und weitere Ordensvertreter haben selbst um eine Prüfung gebeten, um die kursierenden Vorwürfe auszuräumen. 

Die französische Krone wartet das päpstliche Vorgehen jedoch nicht ab. Am 14. September befiehlt Philipp IV. die Festnahme der Templer und die Beschlagnahme ihrer Güter. Mit der landesweiten Verhaftungsaktion vom 13. Oktober schafft er vollendete Tatsachen. 

Um 14. September 1307
Philipp IV. befiehlt die Verhaftung der Templer

Frankreich * König Philipp IV. ordnet in einem geheimen Schreiben die Festnahme sämtlicher Templer in seinem Königreich und die Beschlagnahme ihrer Güter an. Als Begründung dienen Anschuldigungen wegen Ketzerei, Christusverleugnung und weiterer angeblicher Vergehen. 

Die königlichen Amtsträger bereiten eine landesweit koordinierte Aktion vor. Am 13. Oktober 1307 setzen sie den Befehl um. Damit beginnt die offene Verfolgung des Ordens in Frankreich. 

13. Oktober 1307
Philipp IV. lässt die Templer in ganz Frankreich verhaften 

Paris - Königreich Frankreich * Im Morgengrauen beginnt eine landesweit vorbereitete Verhaftungsaktion gegen den Templerorden. Königliche Amtsträger nehmen die Ordensbrüder fest, beschlagnahmen ihre Güter und stellen die Niederlassungen unter königliche Kontrolle. Auch Großmeister Jacques de Molay gerät im Pariser Temple in Gefangenschaft. Die überraschende Aktion trifft den Orden weitgehend unvorbereitet; ein organisierter bewaffneter Widerstand bleibt aus. 

Die Grundlage bildet ein geheimer Befehl König Philipps IV. vom 14. September 1307, dem Fest der Kreuzerhöhung. Darin ordnet er die Festnahme aller Templer seines Königreichs sowie die Sicherstellung ihres beweglichen und unbeweglichen Besitzes an. Die königlichen Amtsträger sollen die Gefangenen für ein kirchliches Verfahren festhalten. 

Das Schreiben schildert die angeblichen Vergehen in einer betont empörten Sprache. Den Templern wird vorgeworfen, bei ihrer Aufnahme Christus zu verleugnen, auf das Kreuz zu spucken und sich obszönen Handlungen zu unterziehen. Hinzu kommen Anschuldigungen wegen sexueller Beziehungen zwischen Ordensbrüdern. Philipp stellt diese Behauptungen als glaubwürdig übermittelte Verbrechen dar, obwohl ihre gerichtliche Prüfung noch aussteht. 

Mit seinem Vorgehen greift der König der bereits angekündigten päpstlichen Untersuchung vor. Der Orden untersteht unmittelbar dem Papst, weshalb Clemens V. den eigenmächtigen Zugriff als Eingriff in seine Zuständigkeit betrachtet. Am 27. Oktober protestiert er gegen die Verhaftungen, die Folter und die Einziehung des Ordensvermögens. 

In Paris beginnen am 19. Oktober die Verhöre der Gefangenen. Das erhaltene Verhörprotokoll erfasst die Aussagen von 138 Templern, darunter Jacques de Molay. Unter dem Druck der Haft, von Drohungen und Folter kommen zahlreiche Geständnisse zustande. Sie bilden eine wesentliche Grundlage des weiteren Verfahrens, sind jedoch keine verlässlichen Beweise für die behaupteten Praktiken. 

Die Verhaftungen leiten die offene Verfolgung des Templerordens in Frankreich ein. Der Orden ist damit noch nicht aufgehoben; darüber entscheidet erst Papst Clemens V. im Jahr 1312. 

14. Oktober 1307
Die französische Krone macht die Vorwürfe gegen die Templer öffentlich 

Paris * Einen Tag nach den Massenverhaftungen lässt König Philipp IV. die Anschuldigungen gegen den Templerorden öffentlich verbreiten. Sein Berater Guillaume de Nogaret erläutert die Vorwürfe vor einer Versammlung von Geistlichen und Theologen. Damit soll das königliche Vorgehen als notwendiger Schutz des christlichen Glaubens erscheinen. 

Den Ordensbrüdern werden Ketzerei, die Verleugnung Christi, die Schändung des Kreuzes und angeblich obszöne Aufnahmezeremonien vorgeworfen. Hinzu kommen Anschuldigungen wegen gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen, damals unter dem Begriff „Sodomie“ verfolgt, sowie wegen der Verehrung von Götzenbildern. 

Die öffentliche Darstellung behandelt die Beschuldigungen bereits als erwiesene Verbrechen. Die Verhöre beginnen in Paris jedoch erst am 19. Oktober unter Leitung des dominikanischen Inquisitors Guillaume de Paris, auch Guillaume Imbert genannt. Haft, Drohungen und Folter führen zu zahlreichen Geständnissen, mit denen die Anklage gestützt wird. Wegen ihrer Entstehungsbedingungen sind diese Aussagen keine verlässlichen Belege für die behaupteten Praktiken.

16. Oktober 1307
Philipp IV. fordert andere Herrscher zum Vorgehen gegen die Templer auf 

Paris * Drei Tage nach den Massenverhaftungen in Frankreich informiert König Philipp IV. andere europäische Herrscher über sein Vorgehen gegen den Templerorden. Er fordert sie auf, seinem Beispiel zu folgen und ebenfalls gegen die Ordensbrüder vorzugehen. 

Zur Rechtfertigung wiederholt das königliche Schreiben die schweren Anschuldigungen: Die Templer sollen Christus verleugnen, auf das Kreuz spucken und bei der Aufnahme obszöne Handlungen vollziehen. Außerdem wird ihnen vorgeworfen, sexuelle Beziehungen zwischen Ordensbrüdern zu verlangen. Philipp stellt seinen Eingriff als Verteidigung des christlichen Glaubens dar und versucht, die Verfolgung über Frankreich hinaus auszuweiten. 

Die Vorwürfe stoßen jedoch zunächst auf Skepsis. Sowohl König Eduard II. von England als auch König Jakob II. von Aragón begegnen den Anschuldigungen mit Vorbehalten. Eine sofortige gemeinsame Aktion der europäischen Herrscher kommt nicht zustande. 

19. Oktober 1307
In Paris beginnen die Verhöre der gefangenen Templer

Paris * Sechs Tage nach der Verhaftungsaktion beginnen unter Leitung des dominikanischen Inquisitors Guillaume de Paris, auch Guillaume Imbert genannt, die Verhöre der in Paris festgehaltenen Templer. Im Mittelpunkt stehen die Anschuldigungen gegen den Orden, darunter Christusverleugnung, Kreuzschändung und angeblich obszöne Aufnahmezeremonien. 

Die Gefangenen stehen unter erheblichem Druck; auch Folter wird eingesetzt. Das erhaltene Protokoll dokumentiert die Aussagen von 138 Ordensbrüdern. 

24. Oktober 1307
Jacques de Molay legt im Pariser Verhör ein Geständnis ab 

Paris * Der gefangene Großmeister des Templerordens, Jacques de Molay, wird im Pariser Temple vom Inquisitor Guillaume de Paris verhört. Laut Protokoll erklärt er, bei seiner Aufnahme in den Orden vor mehr als vierzig Jahren aufgefordert worden zu sein, Christus zu verleugnen und auf ein Kreuz zu spucken. Er gesteht die Verleugnung, betont jedoch, nur auf den Boden gespuckt zu haben. 

Molay bestätigt damit einzelne Anschuldigungen gegen den Orden, keineswegs aber den gesamten Katalog der behaupteten Vergehen. Sein Geständnis erhält wegen seiner Stellung als Großmeister besonderes Gewicht. Am folgenden Tag wiederholt er es vor einer Versammlung von Geistlichen und Angehörigen der Pariser Universität. 

Die Verhöre finden unter den Bedingungen königlicher Gefangenschaft statt. Gegen zahlreiche Templer werden Drohungen und Folter eingesetzt. Die so gewonnenen Aussagen dienen zur Stützung der Anklage, lassen jedoch keine verlässlichen Rückschlüsse auf tatsächliche Ordenspraktiken zu. Molay widerruft sein Geständnis später. 

27. Oktober 1307
Clemens V. protestiert gegen das königliche Vorgehen gegen die Templer 

Poitiers * Papst Clemens V. protestiert in einem Schreiben an König Philipp IV. gegen die eigenmächtige Verhaftung der Templer. Da der Orden unmittelbar dem Papst untersteht, betrachtet Clemens den königlichen Zugriff als Verletzung seiner Zuständigkeit und der Rechte der römischen Kirche. 

Sein Protest richtet sich auch gegen die angewandte Folter und die Einziehung des Ordensvermögens. Der Papst beansprucht die Kontrolle über die Untersuchung und verlangt, dass die Gefangenen und ihre Güter seiner Verfügung übergeben werden. Damit tritt der Konflikt zwischen französischer Krone und Papsttum über die Führung des Verfahrens offen hervor. 

30. Oktober 1307
Eduard II. äußert Zweifel an den Vorwürfen gegen die Templer 

England - Frankreich * König Eduard II. antwortet dem französischen König Philipp IV., dass er den Anschuldigungen gegen den Templerorden nicht ohne Weiteres Glauben schenken könne. Er folgt damit zunächst nicht der Aufforderung, das französische Vorgehen zu übernehmen. 

Um sich ein eigenes Bild zu verschaffen, will Eduard seinen Seneschall von Agen, William de Dène, anhören. Aus dessen Zuständigkeitsgebiet sollen die belastenden Berichte stammen. Der englische König verlangt somit weitere Aufklärung, bevor er gegen den Orden vorgeht. 

Dezember 1307
Templerführer widerrufen ihre Geständnisse vor päpstlichen Gesandten 

Paris * Papst Clemens V. entsendet die Kardinäle Bérenger Frédol und Étienne de Suisy nach Paris, um die gefangenen Templerführer anzuhören. Vor ihnen widerrufen Großmeister Jacques de Molay und weitere Ordenswürdenträger ihre zuvor abgelegten Geständnisse. Zu ihnen gehört der Visitator von Frankreich, Hugues de Pairaud. 

Die Gefangenen erklären, ihre belastenden Aussagen unter Zwang abgegeben zu haben. Damit stellen sie die Grundlage des königlichen Vorgehens infrage. Molay und Pairaud ermutigen auch andere Ordensbrüder, ihre Geständnisse zurückzunehmen. Der Widerruf verschärft den Konflikt um die Beweisführung und die Kontrolle über das Verfahren. 

Um Februar 1308
Clemens V. setzt die inquisitorischen Verfahren gegen die Templer aus 

Poitiers - Frankreich * Papst Clemens V. suspendiert die Vollmachten der Inquisitoren in der Templerangelegenheit. Nach den Widerrufen führender Ordensmitglieder wachsen seine Zweifel am bisherigen Vorgehen. Zugleich beanstandet er das nicht autorisierte Eingreifen und beansprucht die Kontrolle über das Verfahren. 

Die Maßnahme führt jedoch nicht zur Freilassung der Gefangenen. Die Templer bleiben in königlicher Haft, und Philipp IV. setzt seinen politischen Druck auf den Papst fort. Über Schuld oder Unschuld des Ordens ist damit noch nicht entschieden. 

März 1308
Philipp IV. verstärkt den Druck auf Clemens V. 

Frankreich - Poitiers * Nach der Aussetzung der inquisitorischen Verfahren erhöht König Philipp IV. den Druck auf Papst Clemens V. Königliche Berater stellen dessen Zögern als Vernachlässigung seiner Pflicht zur Bekämpfung der Ketzerei dar. Sie drohen ihm damit indirekt den Vorwurf an, Häretiker zu begünstigen. Der König verlangt ein entschiedenes Vorgehen gegen den Templerorden. 

Ab 28. Juni 1308
Clemens V. hört die ausgewählten Templer an 

Poitiers * Bis zum 2. Juli 1408 vernehmen Papst Clemens V. und seine Beauftragten die 72 vorgeführten Templer. Die Gefangenen wiederholen belastende Aussagen und bitten um Vergebung. Als reuigen Beschuldigten gewährt ihnen der Papst die kirchliche Absolution. 

Die Anhörungen beeinflussen das weitere Vorgehen gegen den Orden. Die Absolution der einzelnen Brüder entscheidet jedoch weder über die Schuld des gesamten Ordens noch über seinen Fortbestand. 

Suchbegriffe: Templer
Personen: Clemens V. Papst
5. Juli 1308
Clemens V. erneuert die Vollmachten der Inquisitoren 

Poitiers * Papst Clemens V. hebt die zuvor verfügte Suspendierung der inquisitorischen Vollmachten in der Templerangelegenheit auf. Damit ermöglicht er die Fortsetzung der Untersuchungen. Das weitere Vorgehen unterscheidet zwischen der Prüfung der Schuld einzelner Ordensbrüder und der Untersuchung des Templerordens als Institution. 

Suchbegriffe: Templer
Personen: Clemens V. Papst
17. August 1308
Päpstliche Kardinäle vernehmen die Templerführung in Chinon 

Chinon * Im Auftrag von Papst Clemens V. hören die Kardinäle Bérenger Frédol, Étienne de Suisy und Landolfo Brancaccio bis zum 20. August die gefangenen Ordensführer an. Zu den Befragten gehören Großmeister Jacques de Molay und Hugues de Pairaud. 

Nach ihren Aussagen, der Abschwörung der ihnen vorgeworfenen Glaubensverfehlungen und ihrer Bitte um Vergebung erteilen die Kardinäle ihnen die kirchliche Absolution. Die Würdenträger werden damit wieder zur kirchlichen Gemeinschaft und zu den Sakramenten zugelassen. Das Verfahren gegen den Orden bleibt offen. 

Ab 8. August 1309
Die päpstliche Kommission eröffnet ihre Untersuchung gegen den Templerorden 

Paris * In der Abtei Sainte-Geneviève nimmt die von Papst Clemens V. eingesetzte Kommission ihre Arbeit auf. Unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Narbonne, Gilles Aycelin, soll sie die Anschuldigungen gegen den Templerorden als Institution untersuchen. Die Verfahren gegen einzelne Ordensbrüder bleiben davon getrennt. 

Die Kommission lässt gefangene Templer aus dem französischen Königreich zur Teilnahme vorladen. Sie sollen Aussagen machen und erhalten Gelegenheit, den Orden zu verteidigen. Die eigentlichen Anhörungen beginnen erst im November 1309. 

Um April 1310
Vier Templervertreter stellen die Glaubwürdigkeit der Geständnisse infrage

Paris * Pierre de Bologne, Renaud de Provins, Guillaume de Chambonnet und Bertrand de Sartiges treten vor der päpstlichen Kommission als Sprecher der zur Verteidigung bereiten Templer auf. Sie bestreiten die Anschuldigungen gegen den Orden und wenden sich gegen die Verwertung erzwungener Geständnisse.

Die Vertreter erklären, die belastenden Aussagen seien durch Angst, Druck und materielle Versprechungen zustande gekommen. Zur Begründung behaupten sie, außerhalb des französischen Königreichs habe kein einziger Ordensbruder vergleichbare Anschuldigungen bestätigt. Aus den unterschiedlichen Untersuchungsergebnissen leiten sie ab, dass die französischen Geständnisse unter unzulässiger Einflussnahme entstehen. Sie verlangen eine faire Prüfung der Vorwürfe und der Verhörbedingungen.

16. Oktober 1311
Auf dem Konzil zu Vienne wird der Templerorden aufgehoben

Vienne * Auf dem Konzil zu Vienne wird der Templerorden aufgehoben. Gleichzeitig entscheidet das Konzil aber auch, dass die Templer der ihnen vorgeworfenen Häresie und Blasphemie nicht überführt sind. Bis dahin geht der König rücksichtslos gegen die Templer vor. Geständnisse werden durch die Folter erzwungen und der Widerruf durch Verbrennen geahndet. Trotzdem sterben viele Templer lieber im Feuer, als ihren Widerruf zurückzuziehen.

22. März 1312
Papst Clemens V. hebt den Templerorden auf

Avignon * Ungeachtet der Konzilsmeinung hebt Papst Clemens V. den Templerorden durch die Bulle „Vox in excelso“ auf.

  • In der Begründung heißt es, dass allein schon durch den nunmehr schlechten Ruf des Ordens eine derartige Maßnahme notwendig sei, um weiteren Schaden von der Gesamtkirche abzuwenden.
  • Anschließend übereignet der Papst durch die Bulle „Ad providam“ die Güter des Ordens den Johannitern.
  • In Deutschland übernimmt der Deutschherrenorden den Templer-Reichtum für sich.

Doch der Vollzug dieser Anordnung geht nur langsam vonstatten, und in Frankreich eignet sich König Philipp den größten Teil des verfügbaren Besitzes an, da er für die Abwicklung des Prozesses entsprechende Rechnungen stellt.

18. März 1314
Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay werden verbrannt

Avignon - Paris * Die Verfügungsgewalt über die höchsten Würdenträger des Templer-Ordens hat sich der Papst vorbehalten. Sie werden von einem Kardinalskollegium zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwei von ihnen, der Großmeister Jacques de Molay und der Praeceptor der Normandie, Geoffroy de Charnay, pochen auf ihre Unschuld und lehnen das Urteil ab.

Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay werden - ohne Rücksicht auf den Papst - noch am gleichen Tag auf der Ile de la Cité in Paris verbrannt. Der letzte Templer-Großmeister soll den Papst und den König noch auf dem Scheiterhaufen verflucht haben, weshalb Clemens V. später „der verfluchte Papst“ genannt wird. Der Templer-Prozess ist bis heute einer der ganz großen Justizskandale geblieben. Dem Templer-Orden wurde bis zum heutigen Tage keine Genugtuung erteilt.

Das Hauptziel der Verfolgung der Tempelherren durch König Philipp „dem Schönen“, sich das bewegliche Vermögen des Ritterordens anzueignen, war allerdings gescheitert. Der sagenhafte Schatz der Templer wird nie gefunden, sein Verbleib nie geklärt. Das bildet wiederum die Grundlage für eine Vielzahl von Spekulationen. Und kein Orden bot so viel Anlass zu Spekulationen wie der der Templer.

Durch ihr Engagement im Heiligen Land kamen die Tempelritter mit Traditionen der jüdischen Welt, des Islam und nicht zuletzt der Antike in Berührung, die ihren mittelalterlichen Horizont enorm erweiterten. Ihre beachtlichen Erfolge auf technischem und finanziellem Gebiet lassen sich darauf zurückführen. Sie entwickelten ein eigenes Weltbild, das höchstwahrscheinlich als Fernziel die Vereinigung der monotheistischen Religionen anstrebte. 

Gleichzeitig musste der Ritter-Orden erkennen, dass sein neu erworbenes Wissen für das abergläubische mittelalterliche Europa noch nicht nachvollziehbar war und deshalb Schwierigkeiten heraufbeschwören musste. So wurde vieles geheim gehalten, und aus diesen Geheimnissen entstanden sowohl die „Arroganz der Wissenden“ als auch viele Legenden.

Nach April 1314
Wirklich aufgehoben wird der Tempel-Ritterorden nur in Frankreich

Paris * Wirklich aufgehoben wird der Orden der Tempel-Ritter nur in Frankreich.

  • In Aragón werden sie ähnlich wie in Frankreich behandelt,
  • in England ergreift King Edward II. zunächst die Partei des Ordens und schwenkt später - nur widerwillig - auf die päpstlich-französische Linie ein, sodass die Tempelritter der Verfolgung größtenteils entgehen.
  • In Schottland wird die päpstliche Bulle nie verkündet, weshalb der Templerorden dort ungehindert fortleben kann.
  • Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation findet eine Verfolgung der Templer nicht statt. Sie schließen sich nach der offiziellen Auflösung des Ordens den Johannitern oder dem Deutschen Orden an.
1318
In Portugal werden die Tempel-Ritter von jedem Verdacht freigesprochen

Portugal * In Portugal werden die Tempel-Ritter durch einen Untersuchungsausschuss von jedem Verdacht freigesprochen. Sie ändern ihren Ordensnamen in Christusorden.

Dieser widmet sich in der Folgezeit der Seefahrt und hat so berühmte Mitglieder wie Vasco da Gama und Heinrich den Seefahrer. Die portugiesischen Schiffe segeln deshalb auch unter dem berühmten Tatzenkreuz der Templer.

23. März 1324
Papst Johannes XXII. spricht den Bannfluch über Ludwig den Baiern

Avignon * Der in Avignon residierende Papst Johannes XXII. spricht den Bannfluch wegen Häresie über König Ludwig den Baiern aus. Er schließt ihn damit aus der Gemeinschaft der Kirche aus, in die Ludwig bis zu seinem Tod nicht wieder aufgenommen werden wird. In der katholischen Kirche gilt er bis heute als exkommuniziert.  

Gleichzeitig enthebt ihn der Papst seiner königlichen Rechte und belegt das Reich mit Interdikt, also dem Verbot der Spendung der Sakramente. Der Bannfluch wird Ludwig bis zu seinem Tod verfolgen.

1705
Ein moderner Tempelorden beruft sich auf die Templer 

Frankreich * Philipp II., Herzog von Orléans und späterer Regent Frankreichs, lässt Statuten für einen modernen „Orden vom Tempel“ verkünden. Die Gemeinschaft versteht sich als Fortsetzung des mittelalterlichen Templerordens und erhebt den Anspruch, dessen Tradition im Verborgenen bewahrt zu haben. 

Eine ununterbrochene Verbindung zum historischen Templerorden lässt sich jedoch nicht belegen. Dieser ist 1312 von Papst Clemens V. aufgehoben worden. Auch seine angebliche Fortexistenz in Schottland, Portugal und Norditalien gehört weitgehend zur späteren neotemplerischen Überlieferung. In Portugal übernimmt vielmehr der 1319 gegründete Christusorden einen Teil des ehemaligen Templerbesitzes und zahlreiche frühere Ordensmitglieder. 

Nach Mai 1945
Die Templer-Ordensgemeinschaft verlegt ihren Sitz nach Untergiesing

München-Untergiesing * Nach dem Krieg verlegt die Templer-Ordensgemeinschaft ihren Sitz nach Untergiesing. Sie mietet das Anton-Ungerer-Palais an der Birkenleiten 27, die Villa des Maschinenfabrik-Besitzers Joseph Ungerer. Als dieser sein Anwesen an die Landeshauptstadt München verkauft, bezahlen die Templer die Miete an die Stadt.

1968
Der Templer-Orden erwirbt die ehemalige Winterhalter-Villa

München-Untergiesing * Der Templer-Orden“erwirbt von der Landeshauptstadt München die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Winterhalter-Villa an der Birkenleiten 35 und baut sie für seine Zwecke und Bedürfnisse aus.

Seither befindet sich hinter dem hohen schmiedeeisernen Gitter das „Trinitarion des orientalisch-orthodox-katholischen und kreuzritterlichen Chor- und Hospitaliter-Ordens der Templer e.V.“. Und das ist auch richtig, bezeichnet aber nur den sozialen Bereich, den sich die hier befindliche religiöse Ordensgemeinschaft auferlegt hat: die Speisung der Armen. 

Nichts aber deutet darauf hin, dass sich in der ehemaligen Villa des Hofgoldschmieds und Juweliers Karl Winterhalter das Archiconvent des Templerordens, also der Hauptsitz der Templer-Ordensgemeinschaft in Deutschland befindet.

1979
Die Raumprobleme durch den Bau eines Glockenturmes lösen

München-Untergiesing * Bei einem Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel wird die Problematik der beengten Raumverhältnisse im Untergiesinger Templer-Kloster angesprochen.

Die einbezogene staatliche Beamtenschaft schlägt vor, die Raumprobleme durch den Bau eines Glockenturmes zu lösen. Denn auf einen Glockenturm hat eine Religionsgemeinschaft sogar einen Rechtsanspruch.

Mit dem achtstöckigen Bauwerk kann die dringend benötigte Nutzfläche von über vierhundert Quadratmetern erzeugt werden. Der Turm besitzt eine Gesamthöhe von 87 Metern, bei einer Diagonale von elf Metern.

Die Turmzwiebel umfasst alleine eine Höhe von 18 Metern. Und damit ragt dieser Turm natürlich weithin sichtbar über das Untergiesinger Wohnungsneubaugebiet und die sich in dieser Gegend befindende Kleingartenanlage.

Schon dadurch gibt der Turm der „Ordensgemeinschaft“ ein weithin sichtbares Symbol.

1996
Das Internationale Generalsekretariat des Templer-Ritterordens in Köln

Köln * Der Templer-Ritterorden nennt sich jetzt „Ordo Militiae Templi Hierosolymitani“ - „Christlicher Ritterorden vom Tempel zu Jerusalem“. Der Sitz des Internationalen Generalsekretariats ist Köln.

  • Der Orden hat circa fünftausend Mitglieder und ist in dreißig Priorate gegliedert.
  • An der Spitze der Ordensleitung steht ein Großmeister. 
  • Männer und - inzwischen auch - Frauen können ab dem 18. Lebensjahr Ordensritter und Ordensdamen werden.
  • Ziele des Ordens, der auch karitativ tätig ist und Einrichtungen in Palästina und Israel unterstützt, sind die „Förderung der Einheit aller Christen“ und der „Erhalt der christlichen Kultur des Abendlandes“.