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Um den 12. Juli 1662
Der Kurfürst lässt ein Churbaierisches Freudenfest organisieren

München * Unverzüglich nach der Geburt des Kurprinzen Max Emanuel befiehlt Kurfürst Ferdinand Maria die Vorbereitung „underschidlich herrliche[r] freuden- und jubel festiviteten mit ainer herrlich magnificenz und schöne niemahln vorher gesechnen inventionen ins werkh zubringen“. Die Konzeption des Festes, das Oper, Turnier und Feuerwerk erstmals zur thematischen Einheit verschmilzt, macht den kurbaierischen Hof zum Vorreiter europäischer Hofkultur. 

20. September 1662
Der Salzburger Fürstbischof Max Gandolph zieht feierlich in München ein

München * Der Salzburger Fürstbischof Max Gandolph zieht feierlich in München ein. Er soll am nächsten Tag den Kurprinzen Max Eanuel taufen. Am Abend wird auf dem Hirschanger ein „architektonisches Feuerwerk“ gezündet. Dazu ist extra eine Bühne mit flankierenden Pyramiden und feuerspeienden Türmen aufgebaut worden. Mit dem Feuerwerk beginnt ein pompöses Geburtstags- und Freudenfest. Es endet am 3. Oktober mit der Abfahrt der Gäste und dient der Demonstration baierischen Machtanspruchs. 

24. September 1662
Der Auftakt einer Festtriologie im Opernhaus am Salvatorplatz

München * Auch das Volk darf sich an den Feierlichkeiten aus Anlass der Geburt des Kurprinzen Max Emanuel beteiligen. Von Mittag bis zum Abend fließt aus eigens vor der Residenz aufgestellten Brunnen weißer und roter Wein. Brot wird verteilt. Und Hofleute werfen Geldstücke und Schaumünzen unters Volk. Das kurfürstliche Herrscherpaar verfolgt zeitgleich im Opernhaus am Salvatorplatz die Oper „Fedra Incoronata“. Sie bildet den Auftakt einer Festtriologie.  

Noch vor der eigentlichen Opernaufführung erscheinen Iris, Hebe sowie Lucina und verkünden, dass die Zeit der finsteren unwirtlichen Wetter zu Ende geht und jetzt heitere Tage anbrechen würden. Sie sind gekommen, um die Sorgen und Schmerzen, die sich mit der schweren Geburt des Prinzen eingestellt haben, zu vertreiben. Dem neuen Helden [Max Emanuel] wünschen sie alles Gute und dass er wachsam und Kühn das Schwert führen werde.

In dem folgenden Spektakel treten nahezu alle griechischen Götter und Helden auf und huldigen dem Kurprinzen. Selbst der Kriegsgott Mars prophezeit, dass die unbesiegbare Rechte Max Emanuels die „Türken zähmen und bezwingen“ werde. Dem drei Monate alten Kurprinzen wird von den Göttern eine großartige Zukunft vorausgesagt. 

26. September 1662
Die Fortsetzung der Festtriologie mit einem Turnierspiel

München-Graggenau * Die Fortsetzung der Festtriologie findet mit dem Turnierspiel „Antiopa Giustificata“ statt, das im überdachten Brunnenhof der Residenz beginnt und am Nachmittag im Turnierhaus am Hofgarten fortgesetzt wird. Dort hat man zwei gegenüberliegende Bühnen aufgebaut:

  • Eine männliche mit dem baierischen Wappen und
  • eine weibliche mit dem Wappen von Savoyen.  

Eine Sphinx tritt mit einem Spiegel auf, in dem Kurfürst Ferdinand Maria die „herrlichen Taten“ seines Sohnes erkennen könne, mit denen Max Emanuel „die Welt überraschen“ werde: Die „Siege über die Barbaren“ und den „Triumph über die Türken“, der den „Untergang des Halbmondes“ zur Folge haben wird. 

1. Oktober 1662
Das Churbaierische Freudenfest erreicht seinen Höhepunkt

München * Mit der abschließenden - drei Stunden dauernden - Feueroper „Medea Vendicativa“ erreicht das Churbaierische Freudenfest seinen Höhepunkt.  

Erstmals in der Münchner Festgeschichte wird die Isar in das festliche Geschehen einbezogen. Auf der Isar schwimmen - „ungefer ein musquetenschus ausser der statt underhalb der stattmihl“ - dekorierte Bühnenflöße. Dadurch kann man die Bühne schnell teilen und so Platz schaffen für Seegefechte. Dass man die Isar als Festort einbezogen hat, liegt jedoch weniger an der Freude am feuchten Element. Vielmehr sind feuerpolizeiliche Gründe dafür ausschlaggebend.  

Die Zuschauer erleben eine regelrechte Wasserschlacht, die damit endet, dass der Kurprinz in einer Triumphbogenarchitektur erscheint und eine Schlange erwürgt. Die Botschaft lautet: Die Niederwerfung der Osmanen kann nur mit Max Emanuel gelingen! 

1. Juli 1663
Kurfürst Ferdinand Maria erwirbt die Hofmarch Kemnathen

Schloss Nymphenburg * Kurfürst Ferdinand Maria erwirbt vom Edlen von Gasser die Hofmarch Kemnathen zum Preis von 10.000 Gulden, fügt das Schlossgut Menzing hinzu und legt das Präsent anschließend „Ihro Durchl. Frauen Gemahlin Adelheid in die Kindbeth“. Anlass ist die Geburt des Thronfolgers Max Emanuel am 11. Juli 1662. 

26. Mai 1679
Kurfürst Ferdinand Maria stirbt in Schleißheim

Schleißheim • Kurfürst Ferdinand Maria stirbt in Schloss Schleißheim im Alter von 42 Jahren. Er wird in der Fürstengruft der Theatinerkirche - neben seiner Ehefrau Henriette Adelaide - beigesetzt.

Sein Nachfolger auf dem Thron wird sein erstgeborener Sohn Max Emanuel, der aber aufgrund seiner noch nicht erreichten Volljährigkeit noch bis zu seinem 18. Geburtstag [11. Juli 1680] von seinem Onkel Maximilian Philipp Hieronymus bevormundet wird. 

28. Januar 1680
Prokuravermählung der baierischen Prinzessin Maria Anna Christina

München-Graggenau * Prokuravermählung der baierischen Prinzessin Maria Anna Christina mit dem französischen Thronfolger Ludwig, Dauphin de Viennois, im Herkules-Saal der Residenz. Begleitet von ihrem Bruder Max Emanuel, als Vertreter des französischen Kronprinzen Louis, betritt die Prinzessin den festlich geschmückten Saal.  

Nach der Vermählung ertönt das Te Deum, während draußen 50 Böllerschüsse abgefeuert werden. Danach erhellt ein prächtiges Brillantfeuerwerk den nächtlichen Himmel über München. Glanzvolle Opernaufführungen und Hofbälle begleiten dieses kurbaierische Freudenfest. 

1681
Ein Fest zu Ehren des jungen baierischen Kurfürsten Max Emanuel

Freising * Albrecht Sigismund, der Freisings Bischof und Hofmarkherr von Berg am Laim, lässt in Freising zu Ehren des jungen baierischen Kurfürsten Max Emanuel eine Feierlichkeit mit Feuerwerk, Wolfshatz, Komödie und Ball veranstalten. Die Feier verschlingt 30.000 Gulden. Das ist mehr als die Hofmark Berg am Laim gekostet hat.

1681
Eine teuere Wolfshatz

Freising * Die Hofhaltung des Freisinger Fürstbischofs Albrecht Sigismunds entspricht seinem fürstlichen Rang und ist für einen ranghohen Kleriker nicht ungewöhnlich.

Eine zu Ehren des Kurfürsten Max Emanuel in Freising veranstaltete Feierlichkeit mit Feuerwerk, Wolfshatz, Komödie und Ball verschlingt 30.000 Gulden. Das ist mehr, als die ganze Berg am Laimer Hofmark gekostet hat. 

6. März 1681
Kurfürst Max Emanuel trifft in Altötting ein

Altötting * Der baierische Kurfürst Max Emanuel trifft gemeinsam mit seinem Onkel Maximilian Philipp und dessen Ehefrau Maurita Febronia in Altötting ein.

Die Etikette hätte eigentlich verlangt, dass der Kurfürst den Kaiser persönlich empfängt. Doch für den dann zu erwartenden „Empfang mit großem Zeremoniell“ wäre in Altötting nicht ausreichend Platz vorhanden gewesen. So lautet jedenfalls die offizielle Begründung. 

10. März 1681
Bündnisverhandlungen am Wallfahrtsort

Altötting * Es kommt zu einem Gespräch zwischen dem Kaiserpaar und den drei Wittelsbachern. Zum Abschied übergibt Leopold I. dem Kurfürsten Max Emanuel einen mit Diamanten besetzten Degen. Nach einem gemeinsamen Besuch der heiligen Messe in der Gnadenkapelle nimmt  man auf dem Kapellplatz öffentlich voneinander Abschied.

Die vielen Freundlichkeiten, die Leopold I. dem Kurfürsten erwiesen hat, verfehlen nicht den Zweck, für den sie berechnet waren: Max Emanuel lässt sich politisch auf die Seite Habsburgs ziehen, weg von Frankreich. 

1682
Der elfjährige Joseph Clemens soll zum Koadjutor gewählt werden

Freising - Regensburg * Der zwanzigjährige baierische Kurfürst Max Emanuel fordert von den Domkapiteln in Freising und Regensburg die vier Jahre zuvor gegebene Zusage ein, dass sein elfjähriger Bruder Joseph Clemens als Koadjutor (= Nachfolger) von Bischof Albrecht Sigismund gewählt wird. 

15. Januar 1682
Bündnisverhandlungen wegen der Türkengefahr

München - Wien * Kurfürst Max Emanuel erklärt dem kaiserlichen Gesandten in München seine Bereitschaft zu Bündnisverhandlungen. Nicht verkennen darf man dabei freilich, dass dies auch im elementaren Interesse Baierns war, schließlich trennten nur die Länder des Hauses Habsburg damals das kleine Kurfürstentum vom Machtbereich der gefürchteten Türken. 

4. Juni 1682
Kurfürst Max Emanuel lässt ein kurfürstliches Zuchthaus bauen

München-Angerviertel * Kurfürst Max Emanuel lässt ein kurfürstliches Zuchthaus bauen. In ihm sollen „übermütige Herrendiener, schlechte Ehehalten [Dienstboten], liederliche Handwerksburschen, ungeratene Kinder, freche Menscher [Mägde], langsame Zimmer- und Maurergesellen, faule Tagwerker und Müßiggänger untergebracht werden, nach Umständen in Eisen und Band, bei geringer Nahrung und Karbatschenhieben“. 

Das Korrektions- und Arbeitshaus befindet sich an der Stadtmauer und nimmt die ganze Südseite des heutigen Viktualienmarktes ein.

26. Januar 1683
Ein österreichisch-baierisches Bündnis gegen die Osmanen

München - Wien * Dem Treffen von Altötting vom März 1681 folgen langwierige Verhandlungen zwischen den kaiserlichen und den baierischen Abgesandten, die letztlich in einem Defensivbündnis enden, in dem sich das Kurfürstentum Baiern verpflichtet, in den bevorstehenden Auseinandersetzungen mit den Osmanen ein Truppenkontingent von 8.000 Mann zu stellen.

Baiern kann die Zusage aushandeln, dass das Land jährlich Subsidienzahlungen in Höhe von 250.000 Gulden, im Kriegsfall von 450.000 Gulden, erhält.

Da jedoch vorhersehbar ist, dass Wien - in Anbetracht der politischen Lage, der sonstigen Verpflichtungen und der verstärkten Kriegsanstrengungen gegen die Osmanen - diese Summe nie aufbringen kann, verlangen die kurfürstlichen Verhandlungsführer Sicherheiten. Das waren die Einkünfte der Grafschaft Neuburg am Inn, der Markgrafschaft Burgau und des Mautamtes Tarvis. Das Ziel ist eine spätere Gebietserweiterung um die Ämter Kufstein und Rattenberg.

Der Bündnisvertrag bedeutet jedoch keinesfalls die völlige Abkehr von Frankreich. Zwar werden sich die politischen Beziehungen zwischen München und Paris ein wenig abkühlen, die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Beziehungen wurden jedoch kaum beeinträchtigt. 

7. September 1683
Kurfürst Max Emanuel kommt mit dem Schiff in Linz an

Linz * Kurfürst Max Emanuel kommt mit dem Schiff in Linz an. Kaiser Leopold I. empfängt ihn persönlich am Ufer und führt ihn zum Schloss, wo die Kaiserin ihren Gatten „mit einer Prinzessin erfreut“ hat. Das Mädchen wird noch am Nachmittag getauft. Kurfürst Max Emanuel fungiert als Taufpate, bevor er am Abend nach Wien weiter reist. 

12. September 1683
Mit „Maria hilf!“ in die Schlacht gegen die Türken

Wien * Ein knapp 67.000 Mann starkes Christenheer zieht in den entscheidenden Kampf gegen die Osmanen und befreien Wien von den als Reichsfeinden bezeichneten Türken. Dann tobt vor den Toren der belagerten und inzwischen höchst bedrohten Stadt Wien die Schlacht zwischen den Osmanen und den mit Habsburg Verbündeten Baiern, Polen und Sachsen. Die christlichen Befehlshaber haben am Vortag ihre Untergebenen eingeschworen, „mit gesamter Hand und Macht auf die gottesunwürdigen Bösewichter loszugehen“. Der Kapuzinerpater Marco d’Aviano fordert im Anschluss die christlichen Soldaten auf, mit dem Ruf „Maria hilf!“ in die Schlacht zu ziehen.

Der Oberbefehl des etwa 67.000 Mann starken Entsatzheeres liegt in den Händen des Polenkönigs Johann III. Sobieski. Den Angriff leitet Herzog Cal von Lothringen. Baierns 21-jähriger Kurfürst Max Emanuel befehligt das Zentrum, dem zusammen mit dem linken Flügel unter Herzog Carl von Lothringen der entscheidende Durchbruch gelingt. Das Entsatzheer kann die Türken vernichtend schlagen. Die geschlagenen Osmanen müssen fliehen. Kurfürst Max Emanuel hat sich seine ersten militärischen Sporen verdient und kann sich vor den Augen Europas als Kriegsheld präsentieren.

Die Sieger dringen in das riesige Zeltlager der Osmanen ein und bemächtigen sich der gewaltig großen Beute. Darunter befinden sich unter anderem auch viele Säcke gefüllt mit Kaffee, die die heutige Wiener Kaffeehaus-Tradition begründen. Doch vor lauter Plündern vergessen die Befreier die Fliehenden zu verfolgen. Und während die christlichen Fürsten ihren Sieg feiern, bleibt den Tür­ken noch genügend Zeit über 83.000 Menschen in die Sklaverei zu verschleppen. Es sind 8.000 Männer, 25.000 Frauen und 50.000 Kinder aus Niederösterreich und der Steiermark. 

5. März 1684
Gründung einer Heiligen Liga zum Kampf und zur Abwehr der Osma­nen

Rom * Mit Unterstützung von Papst Innozenz XI., der sich selbst als „Streiter für die Rein­haltung des katholischen Glau­bens“ sieht, gelingt die Gründung einer Heiligen Liga zum „Kampf und zur Abwehr der Osma­nen“. König Johann III. Sobieski von Polen, Kaiser Leopold I. und die Republik Venedig schließen dazu ein Bündnis, dem zwei Jahre später auch Russland beitreten wird.

Durch die Heilige Liga fließen umfangreichere Subsidien, sodass die baierische Armee auf eine Sollstärke von 18.000 Mann erhöht werden kann. 

18. August 1684
Franz Pongraz von Leiblfings Haus wird zum Adelssitz

Haidhausen * Kurfürst Max Emanuel erfüllt die Bitte des Freiherrn Franz Pongraz von Leiblfing in einem Gnadenbrief und erhebt „sein in Haidhausen habentes Haus“ zu einem „der Landtafel einverleibten adeligen Sitz“.  Gleichzeitig überlässt der Kurfürst dem Freiherrn die „Vogtei und Niedergerichtsbarkeit über Haus und Garten des Wirtes Georg Krünner und über 43 namentlich aufgeführte Untertanen“, die bislang dem Hofkastenamt unterstanden.  

Lediglich das Jagdscharwerk behält sich der Landesherr auch weiterhin vor. Der baierische Kurfürst begründet diesen Schritt mit der „In Ansehung seiner - also Leiblfings - langjährigen und ersprießlichen guten Dienste“. 

19. August 1685
Neuhäusl wird von der kaiserlichen Armee erobert

Neuhäusl - München - Wien * Auf die Entsatzschlacht von Gran folgt die Eroberung von Neuhäusl. Wieder ist Max Emanuel am Erfolg der Schlachten wesentlich beteiligt. Baierns Kurfürst hat schon am Beginn der Allianz mit Kaiser Leopold I. ein selbstständiges Kommando verlangt. Dass er sich der Befehlsgewalt einem in der Hierarchie unter ihm stehenden Herzog Carl von Lothringen unterordnen muss, wird von ihm als auf Dauer nicht hinnehmbar angesehen und führt deshalb zu steten Protesten.

Je länger der Krieg dauert und je häufiger Kurfürst Max Emanuel entscheidend in die Kämpfe eingreift, desto lauter fordert er den Oberbefehl über alle kaiserlichen Truppen. Als Schwiegersohn hat sich die Beziehung zum Kaiser inzwischen besonders intensiviert, was die Ansprüche des Kurfürsten zusätzlich erhöht.

Doch genau jene militärischen Tugenden, die Max Emanuel bisher auszeichneten, sprechen in Wien gegen die Übertragung einer so großen Verantwortung an den Kurfürsten, auch wenn er durch seine Kühnheit, Risikofreude, Spontanität und seiner Lust zum Handstreich ohne Rücksicht auf das eigene Leben die wichtigsten Siege für den Kaiser errang. Den Wiener Kriegsplanern ist Max Emanuel einfach zu ungestüm. 

9. September 1685
Empfang für das Kurfürsten-Paar in Haidhausen

Haidhausen * „Nachmittags um drei Uhr hatten sich auf dem Anger vor dem Besitztum des Grafen Leiblfing die Kavaliere mit Kutschen und Handpferden versammelt. Auch die kurfürstliche Leibgarde zu Pferd und eine Kompagnie der Bürgerschaft zu Pferde waren angetreten.“ Das Kurfürsten-Paar Max Emanuel und Maria Antonia werden am Haidhauser Schlossanger von den dort versammelten Anwesenden feierlich empfangen. 

Nach einer ausführlichen Huldigung des jungen Ehepaares erfolgte schließlich der triumphale Einzug in die nahe Residenzstadt München. 

Für die erwiesene Gastfreundschaft wird Kurfürst Max Emanuel dem Haidhauser Schlossbesitzer wieder ein kleines Stück entgegenkommen. Der Landesherr akzeptiert zwar die von seiner Hofkammer gemachten Einschränkungen, wonach Haidhausen nicht zur geschlossenen Hofmark ernannt werden darf, weil dort auch andere die Jurisdiktion ausüben, nämlich:  

  • das Leprosenhaus am Gasteig über den Kotterhof,  
  • Graf Preysing, die Ridler und die Jesuiten über ihre Gartengüter sowie  
  • der Kurfürst selbst über das Brunnhaus und den Jäger im Brunntal.  

Außerdem, so die Hofkammer weiter, darf der Kurfürst die Jurisdiktion für eine so große Ortschaft nahe der Landeshauptstadt nie vergeben, da er sich sonst bei auftretenden Unregelmäßigkeiten zuerst an den Hofmarkherren wenden muss, statt sofort selbst einzuschreiten. Dies könnte besonders beim Ausbrechen der Pest oder bei der unerwünschten Ansiedelung von Bettlern und vagierendem Gesindel nötig sein. 

20. Oktober 1685
Haidhausen wird ungeschlossene Hofmark

Haidhausen * Kurfürst Max Emanuel verleiht - trotz der von seiner Hofkammer dargelegten Einwände mit einem 2. Gnadenbrief dem Freiherrn Franz Pongraz von Leiblfing die Jurisdiktion über die übrigen Häuser und Gründe in Haidhausen, als ungeschlossene Hofmark.  

Max Emanuel behält sich wiederum das Jagdscharwerk vor und verlangt außerdem für sich und seine Nachkommen das Recht, die Abtretung der Hofmark gegen ein anderes Aquivalent, ein gleichwertiges Objekt, zu verlangen. 

22. Juni 1686
Ein getaufter Türke erzählt

Buda/Ofen - Au * Ein getaufter Türke erzählt in August Kühn´s Roman „Die Vorstadt“ folgende Geschichte über den, in seiner Muttersprache Mavi Kral genannten Blauen Kurfürsten Max Emanuel: „Den 22. ist das Pulvermagazin in unserer Stadt in die Luft geflogen und hat uns großen Schaden getan, aber der Mavi Kral hat seine Soldaten im Graben vor den Mauern gehalten noch sechs Wochen lang.

Mein Aga hat mir von der auf dem Hügel gelegenen Citadelle der Stadt gezeigt, wie es im Christenlager zuging. Wenn sie dort einen von unserer Seite gefangen ha­ben, ist ihm die Haut abgezogen und die gedörrt worden. Nun weiß ich ja, daß die als ‚Mumia‘ den Ärzten und Apothekern als Heilmittel verkauft wurde, wie das gedörrte Menschenfleisch auch. Damals habe ich, wie viele Türken, die Soldaten des Mavi Kral für Menschenfresser gehalten, für gefährliche Wilde.

Noch mehr haben wir das glauben können, wie es zur Eroberung der Unterstadt am Wasser kam. Dabei sind auch die Frauen und sogar viele Kinder er­schlagen worden. Ein- und zweijährige Kinder spießten sie auf Lanzen oder warfen sie gegen die Mauer, bis sie tot waren. Zwei Tage danach mußte auch die Citadelle übergeben werden, aber der Mavi Kral lud meinen Beg zu Tisch und hat ihn umbringen lassen.“

12. August 1687
Ein glänzender Sieg der Kaiserlichen Armee

Mohács * Bei einer der seltenen Feldschlachten des Türkenkriegs stehen 60.000 Türken etwa 50.000 Verbündeten des Kaisers am Berge Harsán bei Mohács gegenüber. Die Schlacht endet mit einem glänzenden Sieg der Kaiserlichen.

Der von Kurfürst Max Emanuel befehligte linke Flügel erzwingt den Sieg, indem er zuerst den ersten Angriff der türkischen Reiterei abwehrt, danach mit einem Gegenangriff den Gegner zurückwirft und so lange beschäftigt, bis Herzog Carl von Lothringen die türkischen Verschanzung gewinnen kann.

6. September 1688
Kurfürst Max Emanuels Soldaten stürmen Belgrad

Belgrad * Nachdem dem Kurfürsten Max Emanuel die Belagerung Belgrads nicht schnell genug voranschreitet, gibt er den Befehl zum Sturm. Nach einem langen und heftigen Kampf und erheblichen Verlusten auf beiden Seiten können die christlichen Truppen Belgrad erobern. Zahlreiche Offiziere und hunderte von Soldaten lassen „ihr Leben der Christenheit zum unbeschreiblichen Nutzen und ihrem selbsteigenen unsterblichen Ruhm“. Ein Pfeilschuss hat Max Emanuel im Gesicht verletzt.

Die Sieger verhalten sich wie bei allen vorangegangenen Feldzügen und ermorden alles, was ihnen in den Weg kommt. Und wenn die Helden keinen Degen mehr haben, erstechen sie die „verfluchten Türcken mit Brotmessern“ und schicken sie „solcher gestalt zu ihrem Mahomet“. Die Verwundeten erschlagen die Christen mit ihren Äxten und Gewehrkolben. Das Gemetzel dauert Stunden. Ihm folgt die Plünderung und daran anschließend der Dankgottesdienst. Der 26-jährige Kurfürst Max Emanuel verlässt den ungarischen Kriegsschauplatz nach der Befreiung Belgrads für immer. 

Oktober 1688
Was tun mit einer abgelegten Mätresse ?

Belgrad - München * Als Kurfürst Max Emanuel nach seinem „tollkühnen Sturm auf Belgrad“ nach München zurückkehrt, befindet sich in seinem Gefolge die 16-jährige Italienerin Adelheid Felicitas Canossa.

Der Kurfürst bietet Max Cajetan von Törring-Seefeld die Hand der aparten - allerdings als Mätresse abgelegten - Adelheid Felicitas an.

20. April 1691
Die Englischen Fräulein bitten die Stadt um einen Zuschuss

München-Graggenau * Die Englischen Fräulein bitten die Stadt um einen Zuschuss für ihr neu zu erbauendes Haus an der Weinstraße. Da auch Kurfürst Max Emanuel eine großzügige finanzielle Unterstützung zugesagt hat, beschließt der Rat der Stadt, ihnen 20.000 Ziegelsteine mit dem Transport durch den städtischen Fuhrdienst zuzugestehen. 

3. März 1692
Kurfürst Max Emanuel erklärt Haidhausen zur geschlossenen Hofmark

Haidhausen * Da Graf Franz Pongraz von Leiblfing in seinem Bestreben, die Erhöhung seines Besitzes in Haidhausen zur geschlossenen Hofmark, nicht nachlässt, erklärt Kurfürst Max Emanuel schließlich die Hofmark des Geheimen und Conferenzrates, Kämmerers, Revisionsrates und Pflegers von Waldmünchen, des inzwischen in den Reichsstand erhobenen Reichsgrafen von Leiblfing - wegen der „vill vnd lange Jar trew geleisteter Dienst vnd aus absonderlichen gnaden“ - mitsamt dem Brunnthal für geschlossen. Damit ist der Haidhauser Schlossbesitzer endlich am Ziel seiner langjährigen Bemühungen.  

In seiner geschlossenen Hofmark unterstehen ihm nun alle dem „Hofkastenamte zinsbaren Unterthanen zu Haidhausen“ und nicht nur die Bauern und Dienstboten, die seine Güter bearbeiteten. Neben riesigen landwirtschaftlichen Flächen besitzt der Graf auch das Recht Scharwerke, Bodenzins und sonstige Steuern und Abgaben - also die gesamten Einkünfte aus Haidhausen - einzutreiben. Selbst die Vergabe der Gerechtsamkeiten“ also die Erlaubnis innerhalb der Hofmark ein bestimmtes Handwerk oder Gewerbe ausüben zu dürfen, unterliegen nun ausschließlich seiner Entscheidung.  

  • Dem Hofmarkherrn unterstehen „im Dorfe 85 Hausbesitzer, die Scharwerkgeld zu entrichten haben.  
  • In der Schwaige nimmt er von 42 Untertanen Scharwerkgeld und Bodenzins ein.  
  • Der Großwirt hat Stift und Gilt zu entrichten und Melber, Metzger, Schmid, Hufschmid und Schneider haben unterschiedliche Beträge abzuführen.  
  • Der jährliche Ertrag der Hofmark beläuft sich auf 188 Gulden 11 Kreuzer“.
  • Die Konsequenz aus der Erhebung Haidhausens zur geschlossenen Hofmark ist der Austritt aus dem Verband des Gerichts ob der Au.  

Während der Leiblfing‘schen Hofmarkszeit wird die Ansiedlung minderbemittelter Leute stark begünstigt. Jeder, der die Gebühren entrichten und eine Herberge erwerben kann, darf sich niederlassen und heiraten. Zeitgenossen merken kritisch an, dass der Hofmarkherr nur auf seinen Vorteil bedacht ist und sein Streben einzig der Erhöhung seiner Einnahmen gilt. Er ergreift „jede Gelegenheit Geld aus den Untertanen zu pressen, z.B. durch offenbare Begünstigung der Herbergskäufe und Ansässigmachungen und Verehelichungen, wegen der anfallenden Laudemien, Verbriefungs- und anderer Taxen und Sporteln“. 

27. Oktober 1692
Geburt des baierischen Kurprinzen Ferdinand Joseph in Wien

Wien - Brüssel * Baierns Kurfürstin Maria Antonia bringt in der Wiener Hofburg einen Sohn zur Welt. Das Kind wird noch am selben Tag vom päpstlichen Nuntius im Beisein des Kaiserpaares in feierlicher Zeremonie auf den Namen Joseph Ferdinand Leopold getauft.  

Kurfürst Max Emanuel, der Vater des Kindes, ordnet - nachdem er von der Geburt seines Sohnes erfahren hat - in Brüssel eine Festbeleuchtung an - und gibt ein Galadiner. Er nutzt schließlich jeden sich bietenden Grund zum Feiern. 

1694
Max Emanuels Mätresse Agnès Françoise Le Louchier

Brüssel * Agnès Françoise Le Louchier wird die Geliebte des baierischen Kurfürsten, als dieser das Amt des Statthalters der Spanischen Niederlande ausübt. Sie gilt als seine wichtigste Mätresse von 1694 bis 1717. 

Sie muss eine Scheinehe mit dem Offizier Ferdinand von Arco eingehen. 

1. Februar 1694
Der Lütticher Fürstbischof stirbt völlig unerwartet

Lüttich * Der Lütticher Fürstbischof Johann Ludwig von Elderen stirbt völlig unerwartet. Baierns Kurfürst Max Emanuel, der zu diesem Zeitpunkt Generalstatthalter der Spanischen Niederlande ist, fordert seinen Bruder Joseph Clemens auf, unter Hintansetzung „aller gemächtlichkeit, auch etwa sonst vorzustellen habender anderwerttigen erinderungen“ sofort nach Lüttich aufzubrechen, um dort persönlich in den Wahlkampf einzugreifen.

19. März 1694
Kurfürst Joseph Clemens und Kurfürst Max Emanuel treffen in Lüttich ein

Lüttich * Kölns Kurfürst Joseph Clemens und der baierische Kurfürst Max Emanuel treffen in Lüttich ein. Pfalzgraf Ludwig Anton, Koadjutor des Bistums Mainz und Hochmeister des Deutschritterordens, hat inzwischen enormen Eindruck im Lütticher Domkapitel hinterlassen. Er wird auch von Kaiser Leopold I. gefördert.

17. Mai 1695
Max Emanuels illegitimes Kind

Brüssel * Agnès Françoise Le Louchier bringt einen Sohn zur Welt. Maximilien Emmanuel François Joseph, der spätere Comte de Bavière, ist der illegitime Sohn von Kurfürst Max Emanuel.

Seine Halbbrüder sind die späteren baierischen und kölnischen Kurfürsten. Als Wappen führte der junge Comte das des Hauses Wittelsbach, allerdings versehen mit dem sogenannten Bastardbalken. 

11. November 1698
König Carl II. von Spanien ernennt Joseph Ferdinand zum Alleinerben

Madrid * König Carl II. von Spanien ernennt den sechsjährigen baierischen Kurprinzen Joseph Ferdinand zum „Prinzen von Asturien“ und damit zum alleinigen Erben der spanischen Monarchie.  

Nun gibt sich der baierische Kurfürst Max Emanuel, der inzwischen Therese Kunigunde, die Tochter seines ehemaligen Waffengefährten, des polnischen Königs Johann III. Sobieski, geheiratet und im Mai 1698 seinen Sohn nach Brüssel hat bringen lassen, zu weiteren hochfliegenden Zukunftsträumen hin.  

Wenn er großzügig den Besitz des Gesamthauses Wittelsbach zusammen zählt, dann sind die großen europäischen Dynastien überflügelt: Baiern, Spanien, beide Indien, Niederlande, Mailand, Neapel, Sizilien in einer Hand - Schweden, Kurpfalz, Jülich und Berg, Neuburg, Köln, Lüttich und Berchtesgaden sind von Verwandten besetzt.  

Das Testament des spanischen Königs stößt aber auf den Widerstand von Frankreich und Österreich. Damit kann die politische Zukunft für den Thronfolger keineswegs als gesichert angesehen werden. 

17. August 1700
Clemens August von Baiern wird in Brüssel geboren 

Brüssel * Clemens August Maria Hyazinth von Baiern kommt als vierter Sohn des baierischen Kurfürsten Max Emanuel und seiner zweiten Gemahlin Therese Kunigunde von Polen zur Welt. Die Familie hält sich in Brüssel auf, weil Max Emanuel als Generalstatthalter der Spanischen Niederlande amtiert. 

Für den nachgeborenen Wittelsbacher ist eine geistliche Laufbahn vorgesehen. Clemens August wird 1723 Erzbischof und Kurfürst von Köln. Zeitweise vereinigt er außerdem die Fürstbistümer Münster, Paderborn, Hildesheim und Osnabrück in seiner Hand und steigt 1732 zum Hochmeister des Deutschen Ordens auf. Wegen seiner fünf gleichzeitig regierten Bistümer wird er später als „Monsieur des cinq églises“ - „Herr der fünf Kirchen“ – bezeichnet. 

Ab 2. November 1700
Die spanische Erbfolge bringt Max Emanuel in Bedrängnis 

Brüssel - München * Nach dem Tod Carls II. und der Bekanntgabe seines Testaments befindet sich der baierische Kurfürst Max Emanuel in einer schwierigen Lage. Der zum spanischen König bestimmte Philipp von Anjou ist zwar sein Neffe, wird aber von Kaiser Leopold I. und anderen europäischen Mächten nicht als rechtmäßiger Erbe anerkannt. 

Als Generalstatthalter der Spanischen Niederlande muss Max Emanuel entscheiden, ob er dem neuen bourbonischen König dient oder sich auf die Seite seiner bisherigen habsburgischen Verbündeten stellt. Zugleich hofft er weiterhin auf eine Königskrone, territoriale Gewinne und eine dauerhafte Sicherung seiner Statthalterschaft. Der Tod seines Sohnes Joseph Ferdinand, der zeitweise als Erbe Spaniens vorgesehen war, hat seine ursprünglichen Aufstiegspläne bereits 1699 zunichtegemacht. 

In den folgenden Monaten nähert sich Max Emanuel Frankreich an. Im März 1701 schließt er schließlich ein geheimes Militärbündnis mit Ludwig XIV. und stellt Baiern damit auf die Seite der Bourbonen. 

Um 1701
Agnès Françoise Le Louchier geht nach Paris 

Paris * Agnès Françoise Le Louchier, die langjährige Mätresse des baierischen Kurfürsten Max Emanuel, zieht mit ihrem gemeinsamen Sohn Emanuel-François-Joseph nach Paris. Nach außen ist sie seit 1694 mit dem baierischen Offizier Ferdinand Graf von Arco verheiratet; die lediglich der gesellschaftlichen Absicherung dienende Ehe besteht jedoch nur dem Namen nach. 

In Paris nutzt Le Louchier ihre Kontakte am französischen Hof und in einflussreichen Künstlerkreisen für die politischen und kulturellen Interessen Max Emanuels. Ihr 1695 geborener Sohn wird später vom Kurfürsten anerkannt und macht als „Comte de Bavière“ am französischen Hof Karriere. 

13. Februar 1701
Kurköln stellt sich auf die Seite Frankreichs 

Kurköln * Joseph Clemens von Baiern, Kurfürst und Fürstbischof von Köln, schließt mit Frankreich einen Allianzvertrag. Nach außen verpflichtet sich Kurköln lediglich zu einer „bewaffneten Neutralität“, tatsächlich bindet sich der geistliche Kurstaat jedoch an Ludwig XIV. und bedroht damit die südöstliche Flanke der benachbarten Niederlande. Joseph Clemens handelt dabei unter dem Einfluss seines Bruders, des baierischen Kurfürsten Max Emanuel, und seines Kanzlers Johann Friedrich Karg von Bebenburg. 

Die Entscheidung hat für Kurköln verheerende Folgen. Das Erzstift wird zu einem der ersten Kriegsschauplätze des Spanischen Erbfolgekriegs im Heiligen Römischen Reich. 1702 belagern alliierte Truppen die kurkölnische Festung Kaiserswerth und besetzen Bonn. Joseph Clemens flieht ins französische Exil und kann erst nach dem Friedensschluss von 1714 in seine Territorien zurückkehren. 

9. März 1701
Max Emanuel bindet sich heimlich an Frankreich 

Versailles * Frankreich und Baiern schließen einen geheimen Bündnisvertrag. Kurfürst Max Emanuel verpflichtet sich zunächst zur Neutralität im drohenden Spanischen Erbfolgekrieg; Ludwig XIV. garantiert im Gegenzug den Schutz der baierischen Stammlande. Ein späterer Zusatzvertrag soll Max Emanuel außerdem dabei unterstützen, die schwäbischen und fränkischen Reichsstände in einem neutralen Bündnis zu halten. Frankreich stellt dafür Subsidien zum Unterhalt einer 15.000 Mann starken baierischen Armee bereit. 

Nach dem Tod seines Sohnes Joseph Ferdinand, der zeitweise als künftiger König von Spanien vorgesehen war, sieht Max Emanuel in der europäischen Bündniskrise eine neue Aufstiegschance. Durch geschicktes Taktieren zwischen Frankreich und Kaiser Leopold I. hofft er, territoriale Gewinne und schließlich eine Königskrone für das Haus Wittelsbach zu erreichen. 

Die offiziell verkündete Neutralität ist daher vor allem ein politisches Druckmittel. Als Wien seine weitreichenden Forderungen ablehnt, wandelt Max Emanuel das Abkommen 1702 in ein offensives Bündnis mit Frankreich um und führt Baiern in den Krieg gegen Kaiser und Reich.

7. April 1701
Max Emanuel kehrt nach Baiern zurück 

Brüssel - München * Kurfürst Max Emanuel verlässt Brüssel und kehrt mit seiner Familie und einem Teil des Hofstaats nach Baiern zurück. Am 15. April hält er seinen feierlichen Einzug in München. Sein Amt als Generalstatthalter der Spanischen Niederlande behält er zunächst bei. 

Die Rückkehr erfolgt wenige Wochen nach seinem geheimen Bündnis mit Frankreich. Von München aus will Max Emanuel seine Armee stärken, die süddeutschen Reichsstände zur Neutralität bewegen und seine dynastischen Ziele im beginnenden Spanischen Erbfolgekrieg verfolgen. Damit wird die baierische Hauptstadt wieder zum Mittelpunkt seiner Politik. 

Anfang Mai 1701
Therese Kunigunde und der Hofstaat kehren nach München zurück 

Brüssel - München * Kurfürstin Therese Kunigunde folgt ihrem Gemahl Max Emanuel nach Baiern und kehrt mit ihren Kindern sowie dem umfangreichen kurfürstlichen Hofstaat aus Brüssel nach München zurück. Damit wird die baierische Hauptstadt nach beinahe einem Jahrzehnt wieder zum dauerhaften Mittelpunkt der Hofhaltung. 

Die Rückkehr steht im Zusammenhang mit der sich zuspitzenden europäischen Krise um die spanische Erbfolge. Max Emanuel richtet seine politische und militärische Aufmerksamkeit nun verstärkt auf Baiern, während Therese Kunigunde am Münchner Hof zunehmend öffentlich hervortritt.

7. September 1701
Die Haager Große Allianz entsteht 

Den Haag * England, die Republik der Vereinigten Niederlande und Kaiser Leopold I. schließen die Haager Große Allianz. Das Bündnis soll die weitere Ausdehnung der französischen Macht verhindern und ausschließen, dass die Kronen Frankreichs und Spaniens jemals vereinigt werden. Außerdem vereinbaren die Partner die Sicherung der Niederlande, die Übertragung spanischer Besitzungen in Italien an das Haus Österreich und den Schutz ihrer Handelsinteressen. 

Damit formiert sich die entscheidende Koalition gegen Ludwig XIV. und den bourbonischen König Philipp V. von Spanien. Der Vertrag verschärft den Spanischen Erbfolgekrieg und stellt auch Kurfürst Max Emanuel vor eine folgenschwere Entscheidung: Durch sein Bündnis mit Frankreich steht Baiern künftig auf der Gegenseite der kaiserlichen Allianz.

26. März 1702
Max Emanuel sucht ein Königreich als Ersatz für Baiern 

München - Brüssel - Versailles - Wien * Kurfürst Max Emanuel versucht, den Spanischen Erbfolgekrieg für eine Rangerhöhung und den Aufbau einer souveränen Erbherrschaft zu nutzen. In seinen Bündnisverhandlungen mit Frankreich und Spanien fordert er am 26. März 1702 die Spanischen Niederlande, in denen er bislang nur als Statthalter regiert, als erblichen Eigenbesitz. Ersatzweise ist er bereit, das Herzogtum Mailand unter vergleichbaren Bedingungen anzunehmen. Gleichzeitig verfolgt Max Emanuel einen weitergehenden Tauschplan: Sollte Baiern im Krieg an Kaiser Leopold I. fallen oder diesem im Rahmen eines Friedensschlusses überlassen werden, will der Kurfürst für sich und seine Nachkommen die Königreiche Neapel und Sizilien erhalten. Damit würde er zwar sein angestammtes Kurfürstentum aufgeben, dafür aber ein souveränes italienisches Königreich und die ersehnte Königskrone gewinnen. 

Die Spanischen Niederlande, Mailand sowie Neapel und Sizilien bilden somit keine Bestandteile eines einzigen Tauschangebots, sondern unterschiedliche Alternativen. Max Emanuel hält sich mehrere Möglichkeiten offen und verhandelt zeitweise sowohl mit Frankreich als auch mit dem Kaiser. Keiner seiner weitreichenden Territorialpläne wird verwirklicht. 

15. Mai 1702
Die Große Allianz tritt in den Krieg ein

London - Den Haag - Wien * England, die Republik der Vereinigten Niederlande und Kaiser Leopold I. eröffnen offiziell den Krieg gegen die bourbonische Machtstellung in Frankreich und Spanien. England und die Generalstaaten erklären beiden Königreichen den Krieg. Der Kaiser erkennt Philipp V. nicht als rechtmäßigen spanischen König an und richtet seine Kriegserklärung deshalb gegen Frankreich, Philipp von Anjou und dessen Unterstützer. 

Damit weitet sich der bereits 1701 in Oberitalien begonnene Kampf zum europäischen Krieg aus. Auch die Kolonien und die Weltmeere werden zu Kriegsschauplätzen. Die Allianz will eine Vereinigung der französischen und spanischen Kronen verhindern, die spanischen Niederlande sichern und Teile des spanischen Erbes für das Haus Habsburg gewinnen. 

Kurfürst Max Emanuel von Baiern und sein Bruder, der Kölner Kurfürst Joseph Clemens, stehen auf der Seite Frankreichs. Ihre Länder geraten dadurch unmittelbar in den Krieg gegen Kaiser und Reich.

17. August 1702
Kaiser Leopold weist Max Emanuels Forderungen zurück 

München - Wien * Am Münchner Hof trifft die lange erwartete Antwort Kaiser Leopolds I. auf die Forderungen des baierischen Kurfürsten ein. Max Emanuel verlangt für ein Bündnis mit dem Kaiser weitreichende Gegenleistungen: die Anerkennung einer Königswürde für das Haus Wittelsbach, die Abtretung der Markgrafschaft Burgau und mehrerer Tiroler Herrschaften sowie das Herzogtum Mailand oder die Königreiche Neapel und Sizilien als Tauschobjekt für Baiern. 

Kaiser Leopold lehnt diese Forderungen ab und erinnert Max Emanuel an seine Pflichten als Kurfürst und Reichsstand. Damit scheitert der letzte ernsthafte Versuch, ihn auf die Seite des Kaisers und der Haager Allianz zu ziehen. 

18. August 1702
Max Emanuel entscheidet sich für Frankreich 

München - Versailles * Einen Tag nachdem Kaiser Leopold I. seine weitreichenden Forderungen nach einer Königskrone und territorialen Zugewinnen zurückweist, entscheidet sich Kurfürst Max Emanuel mit seinen Beratern endgültig für die französische Seite. Er nimmt das bereits ausgehandelte Offensivbündnis mit König Ludwig XIV. an. 

Damit wird das seit März 1701 bestehende Defensiv- und Neutralitätsabkommen zu einem Angriffsbündnis erweitert. Frankreich verspricht Subsidien, militärische Unterstützung und Entschädigung für den Fall, dass Baiern im Krieg besetzt wird. Max Emanuel erhofft sich Gebietserweiterungen und die Erhebung seines Hauses in den Königsrang. 

Die Entscheidung führt Baiern in den Krieg gegen Kaiser und Reich. Wenige Wochen später lässt Max Emanuel die Reichsstadt Ulm überraschend besetzen und beginnt damit den sogenannten baierisch-deutschen Krieg.

8. September 1702
Max Emanuel eröffnet den Krieg gegen Kaiser und Reich 

Ulm * Baierische Truppen überfallen und besetzen die Freie Reichsstadt Ulm. Mit diesem Landfriedensbruch gibt Kurfürst Max Emanuel seine Neutralität endgültig auf und eröffnet seinen eigenen Krieg gegen Kaiser und Reich, die sogenannte Baierische Diversion. 

Der Spanische Erbfolgekrieg hat bereits 1701 begonnen und wird zu diesem Zeitpunkt in Italien, am Rhein und in den Spanischen Niederlanden geführt. Mit dem Angriff auf Ulm weitet Max Emanuel den Krieg auf Süddeutschland aus. Die strategisch wichtige Reichsstadt soll Baiern den Weg zu den französischen Truppen am Oberrhein öffnen. Kurz darauf lässt der Kurfürst auch Memmingen und Dillingen besetzen. 

Neben Max Emanuel stellt sich unter den Kurfürsten des Reiches nur sein Bruder Joseph Clemens von Köln offen auf die Seite Frankreichs. Beide hoffen, mit französischer Unterstützung ihre Territorien zu erweitern und die Stellung des Hauses Wittelsbach zu stärken. 

30. September 1702
Der Reichstag beschließt den Reichskrieg gegen Frankreich 

Regensburg * Der Immerwährende Reichstag beschließt den Reichskrieg gegen Frankreich und stellt für die Reichsarmee das Dreifache des gewöhnlichen Truppenkontingents bereit. Anlass sind die französischen Angriffe auf Reichsgebiet sowie die Unterstützung Frankreichs für reichsfeindliche Unternehmungen. 

Max Emanuel hat sich durch sein Bündnis mit Ludwig XIV. und die gewaltsame Besetzung Ulms gegen Kaiser und Reich gestellt. Baiern wird damit zum Kriegsschauplatz und muss mit Angriffen kaiserlicher und reichsständischer Truppen rechnen. Der Kurfürst wird jedoch noch nicht förmlich geächtet; die Reichsacht gegen Max Emanuel und seinen Bruder Joseph Clemens folgt erst 1706. 

Oktober 1702
Baierische Truppen besetzen weitere Städte in Schwaben 

Memmingen - Lauingen - Dillingen * Nach der Besetzung Ulms setzen die Truppen Max Emanuels ihren Vormarsch in Schwaben fort. Die Freie Reichsstadt Memmingen wird nach kurzer Belagerung eingenommen. Anschließend besetzen die Baiern auch Lauingen und Dillingen und sichern damit wichtige Straßen und Donauübergänge. 

Memmingen ist eine Reichsstadt, Lauingen gehört zum Herzogtum Pfalz-Neuburg, Dillingen zum Hochstift Augsburg. Mit den Eroberungen versucht Max Emanuel, sein Herrschaftsgebiet nach Westen auszudehnen und eine militärische Verbindung zu den französischen Truppen am Oberrhein herzustellen. 

Februar 1703
Max Emanuel erobert Neuburg an der Donau 

Neuburg an der Donau * Baierische Truppen unter dem persönlichen Befehl Kurfürst Max Emanuels belagern und erobern Neuburg an der Donau. Die Stadt ist die ehemalige Residenz des Herzogtums Pfalz-Neuburg, das dem mit Kaiser Leopold I. verbündeten pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm untersteht. 

Mit der Besetzung sichert Max Emanuel einen wichtigen Donauübergang und erweitert seine Machtstellung in Richtung Franken und Oberpfalz. Zugleich verwirklicht er einen Teil seiner territorialen Pläne: Der Kurfürst betrachtet Pfalz-Neuburg als altes Erbe des Hauses Wittelsbach und will es dauerhaft seinem Herrschaftsgebiet einverleiben. 

8. April 1703
Baierische Truppen besetzen Regensburg

Regensburg * Unter dem Druck der vor der Stadt zusammengezogenen baierischen Truppen übergibt die Freie Reichsstadt Regensburg ihre Schlüssel auf der Steinernen Brücke kampflos an General Alessandro Maffei. Kurfürst Max Emanuel erzwingt zugleich ein Neutralitätsabkommen und lässt strategisch wichtige Teile der Stadt besetzen. 

Die Einnahme Regensburgs ist politisch besonders brisant: In der Stadt tagt der Immerwährende Reichstag, der wenige Monate zuvor den Reichskrieg gegen Frankreich beschlossen hat. Zudem kontrolliert Max Emanuel nun einen wichtigen Donauübergang und kann seine Stellung gegenüber den kaiserlichen und reichsständischen Truppen in der Oberpfalz stärken. 

17. Juni 1703
Max Emanuel beginnt den Einmarsch in Tirol 

Kufstein - Tirol * Kurfürst Max Emanuel erreicht mit rund 12.000 baierischen und französischen Soldaten die Tiroler Nordgrenze und beginnt den Einmarsch in das habsburgische Land. Am folgenden Tag überwinden seine Truppen die Grenzbefestigung bei Erl; am 19. Juni beginnt die Belagerung der Festung Kufstein. 

Max Emanuel will durch das Inntal und über den Brenner nach Süden vorstoßen, um sich mit der französischen Italienarmee unter Marschall Vendôme zu vereinigen. Gemeinsam sollen die verbündeten Heere anschließend gegen die österreichischen Erblande und möglicherweise gegen Wien ziehen. 

1. Juli 1703
Der Tiroler Aufstand zwingt Max Emanuel zum Rückzug 

Tirol * Tiroler Schützen, Landmilizen und bewaffnete Bauern erheben sich gegen die baierisch-französische Besatzung. Bereits am 1. Juli vernichten sie an der Pontlatzer Brücke einen Vorstoß ins Oberinntal. Zugleich versperren Tiroler und kaiserliche Truppen den Weg über den Brenner und verhindern die geplante Vereinigung Max Emanuels mit der französischen Italienarmee. Von seinen Nachschubwegen abgeschnitten und von mehreren Seiten bedrängt, muss der Kurfürst seinen Feldzug abbrechen. 

2. Juli 1703
Max Emanuel zieht in Innsbruck ein 

Innsbruck * Kurfürst Max Emanuel hält mit großem Gefolge seinen feierlichen Einzug in Innsbruck und nimmt in der Hofburg Quartier. Die baierisch-französischen Truppen haben die Stadt bereits am 26. Juni erreicht und weitgehend kampflos besetzt. 

Innsbruck ist die Residenzstadt der habsburgischen Grafschaft Tirol. Mit ihrer Einnahme scheint Max Emanuel seinem Ziel näherzukommen, das Land unter seine Herrschaft zu bringen und über den Brenner zur französischen Italienarmee vorzustoßen. Doch in mehreren Teilen Tirols formiert sich bereits bewaffneter Widerstand gegen die Besatzung.

24. Juli 1703
Graf Ferdinand von Arco wird anstelle des Kurfürsten erschossen 

Martinsbühel bei Zirl * Während des Rückzugs der baierischen Truppen aus Tirol gerät Graf Ferdinand von Arco in einen Hinterhalt. Ein Tiroler Schütze hält den prächtig gekleideten Kammerherrn und Titularoberst offenbar für Kurfürst Max Emanuel und erschießt ihn. 

Arco ist seit 1694 mit Agnès Françoise Le Louchier verheiratet, der langjährigen Mätresse Max Emanuels und Mutter eines gemeinsamen Sohnes des Kurfürsten. Die Ehe besteht anscheinend nur zum Schein und soll vor allem Le Louchiers gesellschaftliche Stellung absichern. Sie nimmt nicht an Arcos Beisetzung in der Münchner Theatinerkirche teil; im dortigen Totenbuch wird er sogar als ledig bezeichnet. Diese Hinweise unterstreichen den formalen Charakter der Verbindung, beweisen ihn für sich genommen jedoch nicht.

26. Juli 1703
Max Emanuel flieht aus Tirol 

Innsbruck - Seefeld - Mittenwald * Der Aufstand der Tiroler Schützen, Landmilizen und Bauern zwingt Kurfürst Max Emanuel, Innsbruck und die besetzten Gebiete zu räumen. Seine geschwächte baierisch-französische Armee zieht sich über Seefeld und Mittenwald nach Baiern zurück. 

Damit scheitert Max Emanuels Plan, Tirol zu erobern, sich am Brenner mit der französischen Italienarmee zu vereinigen und anschließend gegen die österreichischen Erblande vorzustoßen. Der verlustreiche Feldzug geht unter der verharmlosenden Bezeichnung „Baierischer Rummel“ in die Geschichte ein. 

20. September 1703
Baiern und Frankreich siegen bei Höchstädt 

Höchstädt an der Donau * In der Ersten Schlacht bei Höchstädt treffen etwa 24.000 baierisch-französische Soldaten unter Kurfürst Max Emanuel und Marschall Villars auf ein rund 16.000 Mann starkes kaiserlich-preußisches Korps unter Generalfeldmarschall Hermann Otto Graf von Limburg-Styrum. 

Die Verbündeten greifen den Gegner von zwei Seiten an und bringen dessen Aufstellung zum Zusammenbruch. Nur der Widerstand der preußischen Nachhut unter Fürst Leopold von Anhalt-Dessau ermöglicht Styrum und den Resten seines Heeres den Rückzug nach Nördlingen. 

Die Kaiserlichen und Preußen verlieren etwa 4.000 bis 5.000 Mann, überwiegend Gefangene, sowie 37 Geschütze und fast ihren gesamten Tross. Auf baierisch-französischer Seite fallen oder verwunden sich rund 1.000 Soldaten. Der Sieg sichert Baiern vorerst gegen einen Angriff von Westen, führt aber zu keiner kriegsentscheidenden Wendung.

16. Dezember 1703
Baierisch-französische Truppen erobern Augsburg 

Augsburg * Nach mehrtägiger Belagerung und schwerem Artilleriebeschuss räumen die kaiserlichen und reichsständischen Truppen die Freie Reichsstadt Augsburg. Baierische und französische Verbände ziehen in die Stadt ein; der französische Marschall Ferdinand de Marsin nimmt mit rund 11.500 Soldaten Quartier. 

Damit bringt Kurfürst Max Emanuel Augsburg unter seine Kontrolle und beseitigt die unmittelbare Bedrohung Baierns von Westen. Für die Bevölkerung beginnt jedoch eine erneute Besatzungszeit mit hohen Einquartierungs-, Versorgungs- und Kriegslasten. Die baierisch-französische Besetzung dauert bis August 1704. 

9. Januar 1704
Passau kapituliert vor Max Emanuels Truppen 

Passau * Nach dem Einmarsch baierischer Truppen kapituliert Passau vor der Armee Kurfürst Max Emanuels. Die unter Graf Johann Franz von Gronsfeld stehenden kaiserlichen Verteidiger dürfen abziehen. Mit der Einnahme der strategisch wichtigen Dreiflüssestadt sichert sich der Kurfürst einen Ausgangspunkt für Angriffe donauabwärts und gegen das habsburgische Oberösterreich. 

Anschließend rückt die baierische Armee über die Grenze vor. Der Winterfeldzug nach Oberösterreich bringt jedoch keine dauerhaften Gebietsgewinne und bleibt militärisch ohne nachhaltigen Erfolg.

13. August 1704
Die Schlacht bei Höchstädt entscheidet den Krieg um Baiern 

Höchstädt - Blindheim * In der Zweiten Schlacht bei Höchstädt treffen mehr als 100.000 Soldaten aufeinander. Das alliierte Heer unter John Churchill, Herzog von Marlborough, und Prinz Eugen von Savoyen besiegt die französisch-baierischen Truppen unter Marschall Camille de Tallard, Marschall Ferdinand de Marsin und Kurfürst Max Emanuel. Tallard gerät in Gefangenschaft, während Marsin und Max Emanuel mit einem Teil ihrer Truppen entkommen. 

Rund 25.000 Menschen werden getötet, verwundet oder gefangen genommen. Der Sieg bewahrt Wien vor einer möglichen französisch-baierischen Offensive und beendet zugleich Max Emanuels Machtpolitik im Reich. Die geschlagene Armee zieht sich nach Westen zurück; Baiern liegt den Alliierten nun weitgehend schutzlos offen. 

17. August 1704
Therese Kunigunde übernimmt die Regentschaft 

Baiern - München * Vier Tage nach der vernichtenden Niederlage bei Höchstädt überträgt Kurfürst Max Emanuel seiner Gemahlin Therese Kunigunde die politische und militärische Regierungsgewalt über das Kurfürstentum Baiern. Während sich der Kurfürst mit den Resten seiner Armee nach Westen zurückzieht und später ins Exil nach Brüssel geht, bleibt sie mit ihren Kindern in München. Damit wird Therese Kunigunde zur ersten Regentin des Kurfürstentums Baiern. 

Sie übernimmt die Herrschaft in einer nahezu aussichtslosen Lage: Die kurbaierische Armee ist geschlagen, die verbündeten französischen Truppen ziehen sich zurück und die siegreichen Kaiserlichen besetzen große Teile des Landes. Im Vertrag von Ilbesheim muss Therese Kunigunde am 7. November 1704 schließlich die Besetzung Baierns anerkennen; unter ihrer eingeschränkten Regierung verbleiben lediglich die Residenzstadt München und das Rentamt München. 

21. Dezember 1704
Therese Kunigunde verpflichtet sich zur Neutralität 

München * In einem ergänzenden Revers zum Vertrag von Ilbesheim verpflichtet sich Regentin Therese Kunigunde, in dem ihr verbliebenen Herrschaftsgebiet keine gegen Kaiser Leopold I. oder das Heilige Römische Reich gerichteten Handlungen zu dulden oder zu unterstützen. 

Damit bekräftigt sie die Neutralität des Rentamts München und erkennt die im Ilbesheimer Vertrag festgelegte neue Machtordnung an. Die Erklärung schränkt ihren politischen Handlungsspielraum weiter ein und trennt ihre Regierung endgültig von der anhaltenden Kriegspolitik ihres im Exil lebenden Gemahls Max Emanuel.

5. Mai 1705
Baierns Bevölkerung leidet unter der Besatzung 

Wien - Baiern * Kaiser Leopold I. stirbt in Wien. Sein 26-jähriger Sohn Joseph I., bereits seit 1690 gewählter römisch-deutscher König, folgt ihm ohne erneute Wahl als Kaiser nach. 

Joseph setzt gegenüber dem besetzten Kurfürstentum Baiern auf einen harten Kurs. Das Land soll zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegführung beitragen und als Machtgrundlage Kurfürst Max Emanuels geschwächt werden. 

Besonders schwer treffen die Besatzungslasten die Landbevölkerung. Neben hohen Steuern und Kriegsabgaben muss sie einquartierte und durchziehende Truppen mit Unterkunft, Lebensmitteln und Futter versorgen. Hinzu kommt die Disziplinlosigkeiten und Exzesse der Soldaten, die der Landbevölkerung oft zusätzliche Leistungen abpressten. Die Bauern müssen für die Militaristen Dirnen besorgen und bezahlen. Häufig zwingt man sie bei Vergewaltigungen der eigenen Frau, der Töchter und Anverwandten zuzusehen. Selbst von jungen Mädchen und Schwangeren nehmen die Soldaten keinen Abstand.  

Die Beschlagnahmung von Vorräten und Vieh bedroht die Existenz bäuerlicher Familien und beeinträchtigt zugleich die Versorgung der Städte. Die wachsende Not und die Gewalt der Besatzung tragen wesentlich dazu bei, dass sich im weiteren Verlauf des Jahres bewaffneter Widerstand formiert. 

Um den 16. Mai 1705
Der wittelsbachische Hausschatz wird bei den Franziskanern verborgen

München-Graggenau * Nach der Niederlage Kurfürst Max Emanuels und der Besetzung Baierns bringen Vertraute den wittelsbachischen Hausschatz in Sicherheit. Kostbare Gegenstände aus dem Besitz des Herrscherhauses werden im Münchner Franziskanerkloster verborgen und bleiben dort während der kaiserlichen Besatzungszeit bis 1715 verwahrt. 

Das Datum 16. Mai 1705 bezieht sich auf den Tag, an dem kaiserliche Truppen München besetzen. Es ist ein naheliegender Bezugspunkt, kann aber nicht abschließend als Datum der Verbergung angesetzt werden. 

9. Dezember 1705
Ein gefälschtes Kurfürstenmandat soll den Aufstand legitimieren 

Tölz * Der frühere baierische Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs reist von Braunau nach Tölz und gewinnt den dortigen Pflegskommissär Joseph Ferdinand Dänkel für die Aufstandspläne. Um bestehende Zweifel zu zerstreuen, legt Fuchs ein angebliches Mandat des im Exil lebenden Kurfürsten Max Emanuel vor. 

Darin beklagt der vermeintliche Landesherr die hohen Abgaben, Einquartierungslasten und Zwangsrekrutierungen. Er fordert seine Untertanen auf, sich zu bewaffnen, das Land selbst zu verteidigen und einander beizustehen. Zugleich stellt er militärische Unterstützung und seine baldige Rückkehr in Aussicht. 

Das Schreiben ist vermutlich eine Fälschung aus dem Umfeld der Braunauer Aufstandsführung. Es soll den Eindruck erwecken, die Erhebung geschehe im Auftrag des rechtmäßigen Kurfürsten, und wird damit zu einem wichtigen Mittel für die Mobilisierung des Oberlands. Es lautet: 

„Wir, von Gottes Gnaden Maximilian Emanuel, Churfürst zu Baiern etc. etc..

Nachdem Wir mit Schmertzen vernommen, dass ihr, meine Liebe, Getreue, seit unser Abwesenheit mehr und mehr beschweret werdet, und man euch eine Million nach der andern abpresset, benebst den Teutschen Krieg aus euren Mitteln fortsetzen wolle, wodurch dann die Armuth bey auch dermassen zugenommen, dass ihr die unerträglichen Lasten, sowohl in Geld, als Mannschafft, freye Einquartierung, und hin= und wider= Marches nicht länger ertragen könnet, dass ihr auch eur Vieh und Hauß-Zierathe zu Gelde gemacht, und nichts mehr als die leere Wohnung übrig habt, so haben wir nach der allzeit gegen euch erwiesenen und noch habenden Güt und Vorsorge rathsam und gut befunden, euch solchen vorzustellen und zu ermahnen, dass ihr solche unchristliche Beschwerungen nicht länger duftet, sondern hingegen- gesamter Hand einander beystehet, mit Gewehr euch versorget und auf alle Arth und Weise das Land selbst zu beschirmen trachtet, und solches um soviel mehr, da man noch über dem die bequeme Mannschafft zu dem Kriegesdienst mit Gewalt zwingen und wegführen will.

Zu dem Ende wollen wir auch nicht unterlassen, euch, soviel möglich ist, beyzustehen, und unser Winter-Lager nahe bey euch zu nehmen, biß ihr einen festen Fuß ins Land haben werdet.

Womit wir, wie vor diesem, euch in Gnaden und Gunst gewogen verbleiben.“ 

6. März 1706
Anna Maria Katharina erhält die Hofmark Haidhausen 

Haidhausen * Nach einem Rechtsstreit mit einem Sohn ihres verstorbenen Mannes aus erster Ehe schließt Anna Maria Katharina Gräfin von Fugger-Kirchberg-Weißenhorn einen Vergleich. Damit gelangt sie in den vollständigen Besitz der Hofmark Haidhausen. Offen bleibt zunächst das Einlösungsrecht, das Kurfürst Max Emanuel für sich beansprucht. 

Das Einlösungsrecht ist hier das Recht des Kurfürsten, die Hofmark Haidhausen gegen Zahlung einer festgelegten Summe zurückzuerwerben. Anna Maria Katharina kann die Hofmark nach dem Vergleich zwar besitzen, muss aber damit rechnen, dass Max Emanuel dieses Recht geltend macht.

29. April 1706
Kaiser Joseph I. verhängt die Reichsacht über Max Emanuel 

Wien * Kaiser Joseph I. verkündet in einer feierlichen Zeremonie die Reichsacht über Kurfürst Max Emanuel von Baiern und dessen Bruder Joseph Clemens, den Kurfürsten von Köln. Weil sie im Spanischen Erbfolgekrieg an der Seite Frankreichs stehen, werden ihnen ihre Reichslehen, Würden und Herrschaftsrechte aberkannt. Max Emanuel verliert damit auch den Schutz des Reiches. 

10. Mai 1706
Die Reichsacht über Max Emanuel wird in München verkündet 

München * Ein kaiserlicher Herold verkündet auf dem Schrannenmarkt öffentlich die Reichsacht über Kurfürst Max Emanuel. Das Achtpatent erklärt ihn für friedlos und entzieht ihm den Schutz des Reiches. Der Kaiser hat die Acht bereits am 29. April in Wien verhängt; nun wird sie auch in der baierischen Hauptstadt bekannt gemacht. 

23. Mai 1706
Max Emanuel verliert die Schlacht bei Ramillies 

Ramillies * Im Spanischen Erbfolgekrieg unterliegt ein französisch-spanisch-baierisches Heer unter Marschall Villeroy und Kurfürst Max Emanuel den alliierten Truppen unter dem Herzog von Marlborough. Nach der Niederlage müssen die Verbündeten Brüssel aufgeben. In den folgenden Wochen verlieren sie fast die gesamten Spanischen Niederlande; Max Emanuel büßt damit auch seine dortige Machtstellung ein. 

1709
Mademoiselle de Montigny wird Max Emanuels Favoritin 

Mons - Compiègne * Während seines Exils beginnt Kurfürst Max Emanuel eine Beziehung mit Madeleine-Marie-Honorine-Charlotte de Glimes, genannt Mademoiselle de Montigny. Die frühere Stiftsdame von Mons tritt an seinem Exilhof als öffentlich anerkannte Favoritin auf und erhält in Compiègne eigene, aufwendig ausgestattete Räume. Ihre hervorgehobene Stellung behält sie bis zum Tod Max Emanuels im Jahr 1726. 

Nach dem 11. September 1709
Max Emanuel zieht sich nach Frankreich zurück 

Spanische Niederlande - Compiègne * Die französische Armee verliert am 11. September 1709 die Schlacht bei Malplaquet. Für Kurfürst Max Emanuel verschlechtert sich damit auch die Lage in den Spanischen Niederlanden, wo er sich als Statthalter nicht mehr behaupten kann. Er zieht sich nach Frankreich zurück; König Ludwig XIV. weist ihm ein Schloss in Compiègne als Aufenthaltsort zu. Baiern bleibt währenddessen unter kaiserlicher Verwaltung. 

Dezember 1709
Max Emanuel sondiert einen Separatfrieden 

Frankreich * Nach dem Verlust seiner Stellung in den Spanischen Niederlanden sucht Kurfürst Max Emanuel einen eigenen Weg aus dem Spanischen Erbfolgekrieg. Er lässt über einen Separatfrieden verhandeln, der seine persönliche Herrschaft und eine territoriale Entschädigung sichern soll. Die Gespräche dauern bis Anfang 1710 und führen zu keiner Einigung; Max Emanuel bleibt auf die Unterstützung Frankreichs angewiesen. 

Suchbegriffe: Separatfrieden
12. Oktober 1711
Carl VI. wird zum römisch-deutschen König gewählt 

Frankfurt am Main * Die Kurfürsten wählen Erzherzog Carl, den Bruder des im April verstorbenen Kaisers Joseph I., zum römisch-deutschen König. Carl hält sich noch auf der Rückreise aus Spanien auf. Die beiden wegen ihres Bündnisses mit Frankreich geächteten Wittelsbacher Kurfürsten Max Emanuel von Baiern und Joseph Clemens von Köln sind von der Wahl ausgeschlossen. Carls Krönung in Frankfurt folgt am 22. Dezember. 

März 1713
Max Emanuel lebt in Suresnes 

Suresnes * Max Emanuel mietet ein Haus in Suresnes bei Paris, wo er von März bis Juni 1713 lebt. Trotz seiner angespannten Finanzen veranstaltet der im Exil lebende Kurfürst dort Feste für Gäste aus dem Ort und der Pariser Gesellschaft. Den Höhepunkt bildet ein großer Ball am 21. Mai, für den er eine Theateraufführung in Auftrag gibt. Ende Juni bereitet er seine Abreise aus Suresnes vor. 

11. April 1713
Friedensverträge von Utrecht beenden den Krieg für viele Mächte 

Utrecht * Nach mehr als einem Jahr Verhandlungen schließt Frankreich Friedensverträge mit Großbritannien, den Vereinigten Niederlanden, Savoyen, Portugal und Preußen. Kaiser Carl VI. beteiligt sich nicht am Friedensschluss und setzt den Krieg gegen Frankreich fort.  

Die Einigung macht eine Wiederherstellung des spanisch-habsburgischen Großreichs hinfällig: Philipp V. aus dem Haus Bourbon bleibt König von Spanien, während die spanische und die französische Krone getrennt bleiben sollen. Die spanischen Besitzungen in Europa werden unter anderen Mächten aufgeteilt. Für den Kaiser endet der Krieg erst mit dem Frieden von Rastatt 1714. 

20. Februar 1714
Max Emanuel erneuert sein Bündnis mit Frankreich 

Frankreich - Baiern * Kurfürst Max Emanuel schließt mit König Ludwig XIV. einen Subsidien- und Freundschaftsvertrag. Frankreich sagt ihm damit weiterhin finanzielle Unterstützung zu. Der Vertrag stärkt Max Emanuels Stellung im Exil und erleichtert seine bevorstehende Rückkehr nach Baiern. Noch steht das Kurfürstentum unter kaiserlicher Verwaltung. 

6. März 1714
Der Frieden von Rastatt ermöglicht Max Emanuels Rückkehr 

Rastatt * Da der Kaiser dem Frieden von Utrecht nicht beigetreten ist, bleibt der Oberrhein Kriegsschauplatz. Hier finden die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und dem Kaiser statt. Die beiden Heerführer, Prinz Eugen von Savoyen für den Kaiser und der französische Marschall Claude-Louis-Hector de Villars, führen ihre Verhandlungen im badischen Rastatt.  

Kaiser Carl VI. sieht sich dann aber gezwungen, auf der Grundlage des Utrechter Friedens den Frieden von Rastatt abzuschließen. Das bedeutet, dass das Elsass bei Frankreich bleibt, Österreich dafür die Herrschaft über die Lombardei, Neapel und Sardinien behält. Kurfürst Max Emanuel wird wieder in seine Rechte und Ehren eingesetzt, ja selbst die Oberpfalz bekommt er wieder. Und er darf wieder nach Baiern zurückkehren; doch das stellt für ihn die am wenigsten wünschenswerte Option dar. Auch Sein Bruder Joseph Clemens, Kurfürst von Köln, kann wieder seine Funktionen ausüben. 

7. September 1714
Der Friede von Baden schließt den Frieden mit dem Reich 

Baden im Aargau * Frankreich und das Heilige Römische Reich schließen Frieden. Der Vertrag bestätigt im Wesentlichen die Vereinbarungen von Rastatt und erweitert den Friedensschluss auf das Reich. Er gehört zu den Verträgen, die den Spanischen Erbfolgekrieg beenden.  

Max Emanuels Wiedereinsetzung in seine Länder und Würden ist bereits im Frieden von Rastatt vereinbart. Die kaiserliche Verwaltung zieht sich nicht schon am 7. September aus Baiern zurück; die Übergabe und Max Emanuels Heimkehr erfolgen erst danach. 

27. September 1714
Der Frieden von Baden setzt zwei Kurfürsten wieder ein 

Baden im Aargau * Frankreich und das Heilige Römische Reich schließen Frieden. Der Vertrag ergänzt den im März geschlossenen Frieden von Rastatt und regelt dessen noch offene Fragen für das Reich.

Die während des Spanischen Erbfolgekriegs geächteten Brüder Max Emanuel von Bayern und Joseph Clemens, Kurfürst von Köln, erhalten ihre Länder und Würden zurück. 

8. April 1715
Die kurfürstliche Familie trifft sich in Lichtenberg wieder 

Schloss Lichtenberg bei Landsberg am Lech * Nach jahrelanger Trennung sieht Kurfürst Max Emanuel seine Gemahlin Therese Kunigunde und ihre sechs Kinder wieder. Die Kurfürstin kehrt aus dem Exil in Venedig zurück. Vier der Söhne haben die Kriegsjahre in kaiserlicher Obhut in Klagenfurt und Graz verbracht; die Tochter und der jüngere Sohn sind in München geblieben. 

10. April 1715
Max Emanuel kehrt still nach München zurück 

München * Kurfürst Max Emanuel zieht mit Therese Kunigunde und ihren Kindern nachts um 23 Uhr durch das Neuhauser Tor in die Residenzstadt ein. Freudenbezeugungen sind zuvor verboten worden. Nach den Jahren des Exils bleibt die Ankunft ohne öffentliche Feier. Ein festlicher Einzug folgt erst am 11. Juli 1715. 

Nach dem 11. April 1715
Max Emanuel ordnet die Ausweisung von Juden an 

München - Kurfürstentum Baiern * Nach seiner Rückkehr nach München ordnet Kurfürst Max Emanuel an, die im Land lebenden Juden auszuweisen. Er knüpft damit an eine seit dem 15. Jahrhundert betriebene Politik der Vertreibung und Ausgrenzung an. Die Anordnung steht im Widerspruch zu Aufenthaltszusagen, die Vertreter der baierischen Landstände nach einer Münchner Chronik jüdischen Geldgebern während der kaiserlichen Besatzung bis zur Rückzahlung ihrer Darlehen gemacht haben. Für einzelne jüdische Hoffaktoren, die den Hof mit Krediten und Waren versorgen, gelten später Ausnahmen vom Aufenthaltsverbot. 

Ab Mai 1715
Max Emanuel begnadigt frühere Anführer des Volksaufstands 

München - Kurfürstentum Baiern * Kurfürst Max Emanuel begnadigt einen Großteil der noch lebenden Anführer des baierischen Volksaufstands von 1705, die unter der kaiserlichen Verwaltung bestraft worden sind. Ehemalige Amtsträger setzt er wieder in ihre Ämter ein. Der Aufstand gegen die kaiserliche Besatzung war Ende 1705 blutig niedergeschlagen worden. 

  • Ignaz Haid kommt wieder in Freiheit
  • Hauptmann Matthias Mayer wird „ehrlich“ gesprochen und wieder in die baierische Armee aufgenommen. 
11. Juli 1715
Die kurfürstliche Familie hält feierlichen Einzug in München 

München * An seinem 53. Geburtstag zieht Kurfürst Max Emanuel mit seiner Frau Therese Kunigunde und ihren Kindern feierlich in München ein. Die Stadt empfängt die Familie mit Triumphbögen, Glockengeläut und Salutschüssen. Den offiziellen Festzug veranstalten der Münchner Magistrat und die Landstände: Die Familie ist bereits am 10. April ohne große Feierlichkeiten zurückgekehrt. 

1717
Die Waisenkinder kommen in die Au - ihr Vormund in den Kerker

Bogenhausen * Die Bogenhausener Schlossbesitzer Adelheid Felicitas von Törring-Seefeld bleibt mit ihrer Forderung der Beseitigung des von sechs Waisenkinder bewohnten Bauernhofs hart und beharrlich, bis der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck schließlich nach drei Jahren zu dem Geschäft seinen Segen zu diesem Geschäftsabschluss gibt. Den Waisen werden die Fenster ausgehängt und die Möbel vor die Türe gestellt. Anschließend bringt man die Kinder in die Au. 

Ein verärgerter Vormund der nun heimatlos gewordenen Waisenkinder forderte daraufhin die Gräfin Törring-Seefeld für ihre Tat vor das Gericht Gottes. Das lässt sich Adelheid Felicitas nicht gefallen und bringt umgehend Kurfürst Max Emanuel die Bitte um Bestrafung des Vormunds vor. Der Vertreter der Waisenkinder hat womöglich nur emotional reagiert. Er muss dennoch schon bald darauf dafür mehrere Monate im Kerker büßen.

5. Mai 1718
Schloss Suresnes wird zum Adelssitz erhoben 

Schwabing * Kurfürst Max Emanuel erhebt das Schwabinger Schlösschen seines Geheimen Rats und Kabinettsekretärs Ignaz von Wilhelm unter dem Namen Sourenne zum Adelssitz und verleiht ihm die Niedergerichtsbarkeit. Das Schloss mit seinem Garten an der Werneckstraße ist bis heute erhalten und heißt heute Suresnes. 

1719
Johann Theodor wird Bischof von Regensburg

Regensburg * Johann Theodor, der jüngste Sohn des baierischen Kurfürsten Max Emanuel, muss als 16-jähriger das Bistum Regensburg von seinem älteren Bruder Clemens August übernehmen, obwohl er nicht die geringste Neigung zum geistlichen Stand in sich fühlt. 

Doch sein übermächtiger Vater Kurfürst Max Emanuel droht ihm - mit unbeugsamer Härte - mit der rechtlichen Zurücksetzung innerhalb der Familie. Damit bewegt er seinen Sohn zur Annahme dieses hohen und sicherlich auch einträglichen Kirchenamtes. 

Juli 1719
Johann Theodor muss als 16-jähriger das Bistum Regensburg übernehmen

Regensburg * Johann Theodor, der jüngste Sohn des baierischen Kurfürsten Max Emanuels muss als 16-jähriger das Bistum Regensburg von seinem älteren Bruder Clemens August übernehmen, obwohl er überhaupt keine Neigung zum geistlichen Stand in sich fühlt.

Der übermächtige Vater droht ihm - mit unbeugsamer Härte - mit der rechtlichen Zurücksetzung innerhalb der Familie. Damit bewegt er seinen Sohn zur Annahme dieses hohen und einträglichen Kirchenamtes.

Obwohl Johann Theodor bis zu seinem Tod im Jahr 1763 das Bistum Regensburg insgesamt 44 Jahre als Erzbischof regiert, glänzt er dort durch Abwesenheit und hält sich bevorzugt in den väterlichen Schlössern, später in seinem Jagdschloss in Ismaning auf.

Die tatsächliche Bistumsverwaltung übernehmen die vom Fürstbischof eingesetzten geistlichen Ratskollegien, Generalvikare und Weihbischöfe. Ungeachtet seiner Untätigkeit für die ihm anvertrauten Aufgabengebiete macht der Wittelsbacher Herzog dennoch Karriere.

1720
Kurfürst Max Emanuel verschuldet sich bei jüdischen Geldgebern

München * Die prunkvolle Hofhaltung von Max Emanuel lässt den Finanzbedarf in gewaltige Dimensionen anwachsen und treibt den Kurfürsten verstärkt in die Arme jüdischer Geldgeber. Auch deshalb, weil Baiern bei anderen Bankhäusern kaum noch als kreditwürdig angesehen wird. Erstmals stellt ihm der burgauische Hoffaktor Gerson Daniel Oppenheimer Geldmittel zum Teil in bar und zum Teil durch die Einlösung von Zahlungsverpflichtungen zur Verfügung.

9. August 1723
Simon Wolf Wertheimer wird zum geheimen Hofjuwelier ernannt

München * Kurfürst Max Emanuel ernennt den Wiener Oberhoffaktor und Bankier Simon Wolf Wertheimer zum geheimen Hofjuwelier. Wertheimer verlegt daraufhin den Schwerpunkt seiner Geschäftstätigkeit nach München. 

Joseph Mändle, Noe Samuel Isaak, Simon Wolf Wertheimer und Nathan Moyses, der dem Kurfürsten ebenfalls einen Kredit gewährt, werden die ersten kurbaierischen Hofjuden. 

18. August 1723
Kurfürst Max Emanuel verkauft den Falkenhof in der Au

Au * Kurfürst Max Emanuel verkauft den Falkenhof in der Au an den kurfürstlichen Rat und „Admodiateur der Bräuhäuser“, also den für die Vergabe der Braugerechtigkeiten zuständigen Verwaltungsmann, Johann Georg Messerer aus Aibling. Die auf Münchner Boden befindlichen Falkenhäuser waren das älteste beim Alten Hof und das neuere beim Kosttor.

Der ehemalige Falkenhof in der Au befand sich an der heutigen Falkenstraße 36 und unterstand einem Aumeister. Nachdem die dort gehaltenen Falken und die anderen wertvollen Vögel unter der Feuchtigkeit des Bodens sehr litten und in großer Zahl zugrunde gingen, ließ Kurfürst Max Emanuel ein zweckmäßigeres Falkenhaus vor dem Neuhauser Tor neu erbauen.

Der Falkenhof in der Au wird zwar sofort zum adeligen Sitz erhoben, doch darf ihn Johann Georg Messerer erst nutzen, nachdem der dort wohnende Falkner den Neubau an der Arco-, Barer- und Karlstraße beziehen kann. Messerer muss den neuen Falkenhof zu einem nicht unerheblichen Teil finanzieren. Dennoch erwirbt der kurfürstliche Rat in der Zwischenzeit alles käufliche Land um seinen Hof, darunter die Riegermühle und das Säggängerl. 

7. November 1724
Münchens Burgfriedensgrenze wird neu geregelt 

München * Kurfürst Max Emanuel bestätigt den Münchner Burgfrieden mit veränderten Grenzen. 

Ursprünglich reicht der zum Hoheitsgebiet der Stadt zugerechnete Burgfrieden im Norden bis unmittelbar vor das Dorf Schwabing. Das Leprosenhaus am heutigen Nicolaiplatz gehörte noch zum Stadtgebiet. Von dort aus zieht sich die Stadtgrenze etwas südöstlich zur heutigen Veterinärstraße, überquert hier den Schwabinger Bach und in schnurgerader Richtung die Hirschau bis zur Isar. Da aber Kurfürst Max Emanuel souverän über die Hirschau als Jagdgebiet verfügen will, klammert er das Gebiet aus dem Münchner Burgfrieden aus und erklärt: „Wür aber ersagte Hirschau Uns zu Unseren fürstlichen Jagden und Lust specialiter gnädigst reserviert haben.“ 

Mit der Ausgemeindung der Hirschau aus dem Burgfrieden der Stadt verläuft nun die Stadtgrenze vom Schwabinger Bach aus stark südöstlich bis etwa an die Stelle des heutigen Monopteros, in dessen Nähe sich heute auch die Burgfriedenssäule mit der Nummer 12/13 befindet. Für die Ausgemeindung der Hirschau aus dem Stadtgebiet Münchens wird die Stadt durch die Eingemeindung der drei Mühlen am Dreimühlenbach, der Schwalbensteinmühle, der Au- oder Papiermühle und der Brudermühle entschädigt. Gleichzeitig wird das Lehel der städtischen Gewalt unterstellt. Eine schriftliche Fixierung des Münchner Burgfriedens erfolgt aber erst zwölf Jahre später. 

Um Dezember 1724
Die Lechler wollen die Hieronymiten vom Walchensee haben

München-Lehel * Der kurfürstliche Aumeister Johann von Daiser und weitere sieben hochangesehene Lechler stellen ein Gesuch an Kurfürst Max Emanuel. Sie haben erfahren, dass die Hieronymiten vom Walchensee eine andere Niederlassung suchen und beantragen deshalb die Verlegung der Patres in die Münchner Vorstadt. 

25. Juli 1725
Papst Benedikt XIII. adelt die Michaels-Bruderschaft

Rom - Berg am Laim * Papst Benedikt XIII. erhebt die St.-Michaels-Bruderschaft zur kurkölnischen Hof- und Erzbruderschaft. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistet Violante Beatrice, eine Tante von Kurfürst Clemens August. Die jüngere Schwester seines Vaters Max Emanuel und Gemahlin des Gran Principe Ferdinando de’ Medici setzt sich bei einer päpstlichen Audienz für die Michaels-Bruderschaft ein. Sie hebt deren große Wirksamkeit hervor, die nach damaligem Verständnis „angetrieben vom katholischen Eifer den lutherischen Unglauben auszurotten“ bestrebt ist. 

Mit dieser Erhebung gewinnt Berg am Laim überregionale Bedeutung und entwickelt sich zum Verwaltungszentrum eines Netzwerks von mehr als fünfzig Bruderschaftsfilialen in Kurbaiern sowie in den rheinisch-niederdeutschen und habsburgischen Ländern.

26. Februar 1726
Kurfürst Max Emanuel stirbt hochverschuldet in München

München * Kurfürst Max Emanuel stirbt in München. Er wird in der Fürstengruft in der Theatinerkirche beigesetzt. Sein Sohn Carl Albrecht wird sein Nachfolger.

Zu diesem Zeitpunkt ist Baiern mit 5.218.460 Gulden bei jüdischen Gläubigern verschuldet. Das sind etwa zwanzig Prozent der damaligen baierischen Gesamtschuldenlast von 26,8 Millionen Gulden.

19. Mai 1727
Kaisertochter Marie Amalie legt den Grundstein zur Anna-Kirche

München-Lehel * Die österreichische Kaisertochter Marie Amalie, die Schwiegertochter des inzwischen verstorbenen Kurfürsten Max Emanuel, legt den Grundstein für das Kloster im Lehel. Die Anna-Kirche wird zur Dankvotivkirche für den am 28. März 1727 geborenen Kurprinzen Max Joseph. Dadurch erfreut sich der Kirchbau besonderer Fürsorge des kurfürstlichen Hofes, was zur Folge hat, dass die besten und angesehensten Künstler engagiert werden und zusammenwirken können.

Es entsteht einer der kostbarsten Sakralräume Münchens und die erste Rokokokirche von München und Baiern. An diesem verhältnismäßig kleinen Bau erfindet der 35-jährige Architekt Johann Michael Fischer eine ganz neue Lösung. Er benutzt keine der bisher gültigen Elemente: keine Wandsäulen, kein durchgehendes Gebälk, keine Halbkugelkuppel, keine ebenen Begrenzungen und keinen rechten Winkel, keinen stabilisierten Grundriss und Aufriss. Fischers Konzeption zielt auf eine geschmeidige Innenverbindung von Längs- und Zentralräumlichkeit. Es ist Fischers dritter Kirchenbau von den 32 Kirchen und Klöstern seines Lebenswerkes. Den Kirchenbau selbst führte der Maurermeister Philipp Zwerger aus.  

Den größten Teil der Innenausstattung besorgen die nicht weniger bedeutenden Gebrüder Asam. Egid Quirin Asam schafft die sämtlichen Altaraufbauten, Plastiken und Stuckaturen; Cosmas Damian Asam malt die Fresken und die Altarblätter. Für die Asambrüder ist es die zweite Kirchenarbeit in München. Das Herzstück des Hochaltars, den Tabernakelbau mit den beiden Engeln, und die Kanzel stammen von dem jungen Johann Baptist Straub. 

Ab 1731
Kurfürst Clemens August lässt ein neues Hofmarkschloss erbauen

Berg am Laim * Auf seinem Berg am Laimer Hofanger lässt sich Kurfürst Clemens August ein neues Hofmarkschloss erbauen. Es dient allerdings nicht ihm, sondern seinem älteren Bruder Ferdinand Maria Innocenz zur Jagdlust und zum Gebrauch. Dieser war - als drittgeborener Sohn - vom Kurfürstenvater Max Emanuel nicht in eine geistliche Laufbahn gedrängt worden, bekleidete damit auch keine einträglichen und einflussreichen Ämter. 

Das neue Schloss liegt mit seiner Längsseite an der heutigen Josephsburgstraße und lehnt sich an das alte Schloss an. An der südlich gelegenen Gartenseite des Zentralbaues befand sich ein Pavillon. Im Inneren erstreckt sich der Salon über zwei Stockwerke. An beiden Seiten des Haupttrakts schließen sich doppelgeschossige Flügel mit großen Stallungen für jeweils 16 Pferde an. Sie beinhalten zusätzlich die Zimmer für die Stallknechte und zwei Heukammern.

Herzog Ferdinand Maria Innocenz unternimmt von hier aus die damals so beliebten Parforcejagden. Die Zwinger für die dazu notwendige große Hundemeute waren jedenfalls vorhanden. Neben der Parforcejagd ist Ferdinand Maria Innocenz ein großer Liebhaber der Falknerei. Wie sein Bruder Clemens August benutzt der Herzog die im heutigen Untergiesing gelegenen Falkenau zur Jagd mit den verschiedenen Greifvögeln auf Reiher und sonstiges Getier.

17. Oktober 1810
Rund 40.000 Menschen ziehen zum Pferderennen

München-Ludwigsvorstadt * Nach der Messe im Bürgersaal versammeln sich die Kavallerieabteilungen der Nationalgarde am Hofgarten. In zwei zeitlich versetzten Zügen durchqueren die Gardisten München von Norden nach Süden und ziehen über die Landstraße nach Sendling zur Festwiese am Fuß des Sendlinger Berges. 

Dort steht der königliche Pavillon, an dem Nationalgardisten die Ehrenwache übernehmen. Als Überdachung dient ein rund 67 Meter langes, ursprünglich hellgrünes Audienzzelt des osmanischen Großwesirs. Kurfürst Max Emanuel soll es 1683 nach der Befreiung Wiens als Kriegsbeute nach Bayern gebracht haben. Der zweite, von einer Militärkapelle mit Musik im damals beliebten „türkischen“ Stil angeführte Zug begleitet die Rennpferde und Preisfahnen zum Festplatz. 

Auf dem Sendlinger Berg stehen Zelte und Sitzbänke für die Besucher bereit. Nach den Angaben des Organisators Andreas von Dall’Armi verfolgen rund 40.000 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten das Spektakel – nahezu so viele, wie München damals Einwohner hat. Die natürliche Anhöhe des Sendlinger Berges, die spätere Schwanthalerhöhe, dient ihnen als Tribüne.