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14. Juni 1158
Der Augsburger Schied - Münchens Geburtsurkunde

Augsburg - München * Ein vergilbtes Pergament im Format 34 × 44 Zentimeter gilt als die Geburtsurkunde der bayerischen Landeshauptstadt. Die von Kaiser Friedrich I. Barbarossa auf dem Reichstag in Augsburg unterzeichnete Urkunde ging als „Augsburger Schied“ in die Geschichte ein. In dem Kaiserdiplom, das als „conventio“ – also als Übereinkunft – bezeichnet wird, werden die Streitpunkte verbindlich geregelt. 

„Mit Zustimmung und Willen der beiden streitenden Parteien“ wird festgelegt:

  • Der Markt, der bislang in Föhring abgehalten wurde, ebenso die Zollbrücke und die Münzstätte, werden dort künftig nicht mehr bestehen.
  • Als Ersatz hat Herzog Heinrich der Kirche von Freising ein Drittel des Gesamteinkommens aus seinem Marktzoll zu München übertragen, sei es aus Abgaben für Salz, sei es für andere dort ein- und ausgehende Groß- und Kleinstückwaren.  
  • Bezüglich des Zöllners wird vereinbart, dass jede Partei einen eigenen einsetzen kann oder – falls gewünscht – beide gemeinsam einen bestimmen, der beiden verantwortlich ist.
  • Ähnlich verhält es sich mit der Münze: Ein Drittel der Einkünfte erhält der Bischof, zwei Drittel stehen dem Herzog zu. Eine Münzstätte soll nach Ermessen des Herzogs errichtet werden. Zudem darf auch der Bischof von Freising eine eigene Münzstätte gründen, wenn er es wünscht. Von deren Erträgen erhält der Herzog lediglich ein Drittel, das er – unabhängig von dessen Höhe – nach dem Willen des Bischofs als Lehen weitergeben soll, wie es offenbar bereits geschehen ist.

Von einem Unrecht oder gar einer Freveltat des Welfenherzogs findet sich in dieser kaiserlichen Urkunde kein Wort. Als Zeugen für die Richtigkeit des Rechtsspruchs werden vier hohe geistliche Würdenträger und vier weltliche Herrscher benannt. 

Doch auch wenn die Kaiserurkunde den Charakter einer gütlichen Einigung in sich trägt, so ist sie in ihrem Kern doch ein regalienrechtlicher Spruch des Kaisers. Mit diesem Kompromiss kann Kaiser Friedrich I. Barbarossa einen Interessenausgleich zwischen dem Bischof von Freising und dem baierischen Herzog erzielen und damit beide zufrieden stellen.  

Um den 1. Februar 1176
Der Bruch zwischen Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen

Chiavenna * Es kommt zum Bruch zwischen Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen, nachdem der Herzog in Chiavenna am Comer See dem Kaiser die militärische Unterstützung für dessen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Lombardei versagt. Denn als Gegenleistung verlangt Herzog Heinrich der Löwe die Kaiserpfalz Goslar und deren reichen Silberminen. Eine Forderung, die der Kaiser strikt ablehnt.  

Es kommt angeblich zum Kniefall des Kaisers vor dem mächtigen und uneinsichtigen Herzog - und damit kommt es unausweichlich zum Konflikt. Nun beginnt der Stern des Löwen zu sinken, denn ein kaiserlicher Kniefall gehört zum Zeremoniell der staatlichen Ordnung und gilt zugleich als ein Verfassungselement. Da sich aber der Welfenherzog auch durch diese kaiserliche Geste nicht erweichen lässt, verletzt er die Regeln, was ihm als Überheblichkeit, Hochmut und Verachtung gegenüber dem Reich und dem Kaiser ausgelegt wird. 

Juli 1179
Das volksrechtliche Verfahren wird mit einem lehnsrechtlichen überlagert

Köln * Unter der Führung des Fürstbischofs Philipp von Köln überlagert die Mehrzahl der Fürsten und Bischöfe das kaiserliche volksrechtliche Verfahren mit einem Zweiten nach der strengen lehnsrechtlichen Prozessordnung.

Es geht ihnen dabei nicht um die Beschleunigung der Angelegenheit, sondern darum, dass der Kaiser das Urteil nicht mehr abmildern und die dem Löwen entzogenen Lehen und Ämter am Ende doch wieder an ihn zurückgeben kann.  

Gerade Erzbischof Philipp von Köln geht es um diese Rechtssicherheit. Der von der Kölner Kirche beherrschte westfälische Teil des Herzogtums Sachsen soll nicht wieder gefährdet sein und vor allem vor einer etwaigen Rückgabe an den Herzog geschützt werden. Deshalb verwundert es nicht, dass es erneut der Kölner Fürstbischof war, der das Verfahren nicht nur konsequent fordert, sondern es auch in Gang bringt.

10. Juni 1530
Ein Manöverspiel für die kaiserliche Gefolgschaft

Ramersdorf - Haidhausen - München * Die kaiserliche Gefolgschaft wird kurz hinter Ramersdorf, auf einer Lüften genannten Schafweide, von einer festlich herausgeputzten Ritterschar begrüßt, die den Rahmen für ein Manöverspiel bilden.

Wie der Historiker Sigmund Riezler in seiner Baierischen Geschichte berichtet, ist hier „mit den herzoglichen Heerpaukern und Trompetern die Reiterei der Landsassen und Hofbeamten aufgestellt, 550 Pferde stark, darunter etwa 300 in vollständiger Rüstung, Blankharnisch, Armzeug, Knieköpfen, die Rosse mit Eisenstrinen, alle in roten Röcken mit dem herzoglichen Wappen auf dem Ärmel, eine buntschimmernde Masse, überragt von langen, schwarz und weiß bemalten Spießen mit schwarzen Fransen. An den Anführern bewundert man damastene Röcke, goldene Ketten und vergoldete Waffen“.

Jeder Reiter hat hinter sich einen Pagen, der ihm die Lanze und den Helm mit wallenden Federn trägt. Ein alter Kriegsmann, der Ritter Dietrich von Knöringen, befehligt diese glänzende „cavalli alla borgognona“.

Um den Empfangsplatz bilden einhundert Feldgeschütze - Quartanen, Schlangen, Falkonetlein und Mörser - einen Halbkreis, wobei die Zuschauer ganz besonders eine achtzehn Fuß lange, hölzerne, mit Eisenringen umwickelte Büchse interessiert. Diese haben baierische Truppen im Jahr 1525 vor Rastatt den aufständischen Bauern abgenommen. 

29. Juni 1617
Die böhmischen Landstände wählen Erzherzog Ferdinand zum König

Prag * Aufgrund seines angegriffenen Gesundheitszustandes wählen die böhmischen Landstände Erzherzog Ferdinand - noch zu Lebzeiten von Kaiser und König Matthias - zum designierten König von Böhmen, nachdem auch er die im Majestätsbrief garantierten Freiheiten und Privilegien beeidet. Erzherzog Ferdinand II. wird von dem böhmischen Ständen - trotz seines bekanntermaßen kämpferischen Katholizismus - zum König gewählt und im Prager Veitsdom feierlich gekrönt.

Doch die an den herzoglichen, königlichen und kaiserlichen Höfen sitzenden und Einfluss habenden Jesuiten wollen - ebenso wie der spanische Hof - die Bestimmungen des Majestätsbriefes rückgängig machen. Sie ersinnen eine Gegenstrategie, in deren Folge zwei protestantische Kirchen abgerissen werden.

23. Mai 1618
Die Delinquenten werden defenestriert und landen auf dem Misthaufen

Prag * Die Ständevertreter begeben sich in das Schloss auf dem Hradschin, um die kaiserlichen Beamten zur Rede zu stellen. Es kommt zu einem heftigen Streit, in dessen Folge die Aufständischen zwei Statthalter Ferdinands samt deren Sekretär aus einem Fenster der Burg werfen. Doch die katholischen Statthalter überleben, was in der katholischen Propaganda umgehend zu einer Engels- und Marienerscheinung und damit zu einem Wunder umgedeutet wird.

Weniger pathetische Stimmen sprechen von einem Misthaufen der den Sturz abgemildert hat. Doch auch einen Misthaufen hätten - nach einem freien Fall aus 18 Metern Höhe - drei Ungeübte nicht so leicht überstanden, dass sie hinterher noch in der Lage gewesen wären wegzulaufen. Die Lösung liegt wahrscheinlich an der unter dem Fenster schräg verlaufenden Wand. Durch die kleinen Fenster konnten die Delinquenten nicht mit Schwung „defenestriert“ werden und so nach unten rutschen.

Die Ereignisse auf der Prager Burg stilisieren die katholischen Propagandisten zur Staatsaffäre hoch. Der Prager Fenstersturz ist die Initialzündung für den Dreißigjährigen Krieg.

8. Oktober 1619
Herzog Maximilian I. wird großzügig entschädigt

München * Herzog Maximilian I. von Baiern sichert Kaiser Ferdinand II. im Münchner Vertrag die Unterstützung der Liga - unter seinem Oberbefehl - gegen das aufständische Böhmen zu. Kaiser Friedrich II. sagt dem Baiernherrscher

  • das uneingeschränkte Direktorium über die katholische Liga zu 
  • und garantiert ihm Ersatz für alle Unkosten, die er beim Krieg gegen Böhmen haben würde. 
  • Bis zur endgültigen Abrechnung sind ihm pfandweise österreichische Länder zu übertragen.

Nur mündlich erhält Herzog Maximilian I. das kaiserliche Versprechen, dass Kurfürst Friedrich V. geächtet und die pfälzische Kurwürde nach Baiern verlagert wird.

Oktober 1620
Die „Rebellion von Prag“ ist der erhoffte Anlass zum Krieg

Prag * Für Erzherzog Ferdinand ist die „Rebellion von Prag“ der erhoffte Anlass, um gegen die „böhmischen Stände“ loszuschlagen.

Die „Ständevertreter“ interpretieren ihre Gewalttat als Notwehr, doch für den habsburgischen Kaisersohn ist die kriegerische Niederwerfung der „Aufständischen“ unausweichlich geworden.
Die dafür notwendige Finanzierung soll durch die eingezogenen Güter der „Rebellen“ sichergestellt werden.
Außerdem soll „der Schrecken der Hinrichtungen die Stände zum Gehorsam zwingen“.

In Prag geht inzwischen das Gerücht um, dass die „Jesuiten“ eine „Bluthochzeit“, also die Ermordung der Protestanten, planen. Andererseits streuen die kaiserlich Gesinnten das Gegengerücht, wonach die „böhmischen Stände“ vom „türkischen Kaiser Hilfe begehrt hätten“.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den „Kaiserlichen“ und den „Böhmischen“ beginnen.

Am Morgen des 8. November 1620
Die Schlacht am Weißen Berg entbrennt

Prag * Der Karmeliten-Pater Dominicus a Jesu Maria tritt mit einem von kalvinistichen Bilderstürmern geschändeten Marienbild um den Hals und dem Kreuz in der Hand vor die Söldnertruppen und ruft im mitreißenden Glaubenseifer zum Kampf auf. Engel würden die katholische Sache zum Sieg führen. Der Schlachtruf lautet: „Maria!“

Am Weißen Berg entbrennt der Kampf gegen das böhmische Ständeheer. Eine Übermacht von 32.400 kaiserlichen Infanteristen und 7.550 Reitern tritt gegen 8.000 böhmische Fußsoldaten und 5.000 Kavalleristen an. In nur einer einzigen Stunde erringen die Kaiserlichen einen triumphalen Sieg über die böhmischen Rebellen.

Domenicus a Jesus Maria stilisiert anschließend den Kampf zu einer Schlacht des Katholizismus gegen den Unglauben hoch. Die vernichtende Niederlage des protestantischen Heeres wird dementsprechend als Sieg des Katholizismus und schließlich als göttliches Wunder umgedeutet.

10. Oktober 1625
Eine Religionsedikt für Oberösterreich

Wien - Oberösterreich * Nach einer kaiserlichen Instruktion wird in dem von Baiern besetzten Oberösterreich durch ein Religionsedikt die totale Gegenreformation eingeführt.

Alle protestantischen Einwohner Oberösterreichs müssen bis Ostern 1626 katholisch werden - oder auswandern. Wer sich zu diesem Schritt entschließt, muss zehn Prozent seines Vermögens als Nachsteuer bezahlen. 

Um den 25. November 1626
Die aufständischen Bauern werden in vier blutigen Schlachten geschlagen

Oberösterreich * Eine baierisch-kaiserliche Armee besiegt in vier blutigen Schlachten die sich tapfer und verzweifelt wehrenden Bauern in Oberösterreich vollständig. 8.000 Bauern kommen dabei ums Leben.

Ende November herrscht wieder Ruhe im Land. Ein weiterer Widerstand der Untertanen ist nicht mehr zu befürchten. 

1628
Kurfürst Ferdinand von Köln verstärkt die Hexenverfolgung

Köln * Kurfürst Ferdinand von Köln, sowie Bischof von Lüttich, Hildesheim, Münster und Paderborn, erlässt eine überarbeitete Hexenprozessordnung, in der er die Regelungen der kaiserlichen Halsgerichtsordnung - Constitutio Criminalis Carolina verschärft und den Einsatz der Folter erleichtert. 

3. Juli 1630
Ein für den Kaiser wenig erfolgreicher Regensburger Kurfürstentag

Regensburg * Kaiser Ferdinand II. eröffnet den Regensburger Kurfürstentag. Er wird bis November dauern. Auf dem Kurfürstentag will Kaiser Ferdinand II.

  • die Wahl seines Sohnes Ferdinand III. zum deutsch-römischen König sichern und
  • Unterstützung gegen die niederländischen Generalstaaten einfordern.

Doch die Kurfürsten verweigern die Zustimmung zur Wahl Ferdinands III. und fordern stattdessen

  • eine Verringerung der kaiserlichen Armee und
  • eine Milderung der Kriegskosten.
  • Der kaiserliche Oberbefehlshaber Albrecht von Wallenstein wird seines Postens enthoben.
    Der 71-jährige Johann Tserclaes Graf von Tilly erhält dafür zusätzlich zu seinem Kommando der katholischen Liga nun auch noch den Oberbefehl über das kaiserliche Heer.
  • Der Kaiser einer Überprüfung des Restitutionsedikts zustimmen. 
20. Mai 1631
Die Kaiserlichen bereiten Magdeburg ein grausliches Blutbad an

Magdeburg * Es kommt zu einem ersten schweren Geschützfeuer auf die Stadt Magdeburg und die umliegenden Dörfer. Am frühen Morgen dringen die katholischen Kaiserlichen, angeführt vom katholischen Oberbefehlshaber Graf Johann Tserclaes von Tilly und General Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim, in die Stadt ein und richten ein grausliches Blutbad an. Magdeburg versinkt in einer Orgie aus Gewalt, Zerstörung und Plünderung. Entsetzte Offiziere bitten Graf von Tilly dagegen einzuschreiten und erhalten die knappe Antwort: „Der Soldat muss etwas haben für seine Gefahr und Mühsal.“

Gegen Mittag fängt die Stadt zu Brennen an. Ob planmäßige Feuer gelegt worden sind, womöglich durch die Verteidiger der Stadt, wird nie geklärt. Jedenfalls verlieren dabei mehr als 15.000 Menschen - nach anderen Quellen sogar bis zu 30.000 Menschen - ihr Leben.  

Die sogenannte „Magdeburger Hochzeit“ gilt als das größte und schlimmste Massaker während des Dreißigjährigen Krieges, über das man in ganz Europa entsetzt ist. Es heißt, die Taten und der Schrecken sind in ihrer Entsetzlichkeit „nicht in Worte zu fassen und nicht mit Tränen zu beweinen“. 

17. September 1631
Bei Breitenfeld werden die Kaiserlichen vernichtend geschlagen

Breitenfeld * In der Schlacht bei Breitenfeld [6 Kilometer von Leipzig entfernt] besiegen die Truppen des schwedischen Königs Gustav II. Adolf die Kaiserlichen vernichtend. 12.000 Kaiserliche bleiben tot auf dem Schlachtfeld, 7.000 geben sich gefangen und werden ohne weiteres in die Reihen der Schweden aufgenommen. Außerdem gehen die Kriegskasse und sämtliche Geschütze verloren. Die schwedischen Verbündeten verlieren etwa 3.000 Mann. 

15. April 1632
Schwedens König Gustav Adolf erkämpft den Lechübergang

Rain am Lech * In der „Schlacht bei Rain am Lech“ werden die Kaiserlichen unter Führung des katholischen Oberbefehlhabers Johann Tserclaes  Graf von Tilly von den Truppen des Schwedenkönigs Gustav II. Adolfs besiegt. Dadurch können die Schweden den Lech überschreiten, womit ihnen das ganze Kurfürstentum Baiern offen steht. Die Baiern müssen jetzt die leidvollen Erfahrungen mit dem Durchzug feindlicher Heere durchleben.

Graf von Tilly wird in der Schlacht durch einen Schuss schwer am Bein verwundet. Kurfürst Maximilian I. zieht sich daraufhin in das stark befestigte Ingolstadt zurück.  

Die Erfolge des schwedischen Königs, den seine Anhänger „Löwe aus Mitternacht“ und „Gideon des Nordens“ nennen, von seinen Feinden aber als „Schneekönig“ verspottet wird, machen seinen katholischen Kriegsgegnern Angst. Besonders nach dem „Massaker von Magdeburg“. 

16. November 1632
Der Schwedenkönig Gustav II. Adolf verliert sein Leben

Lützen - Wien * Der Schwedenkönig Gustav II. Adolf verliert in der Schlacht von Lützen sein Leben. Sein Widersacher, Albrecht von Wallenstein, setzt dem geschwächten Gegner nicht nach, sondern zieht sich danach ins Winterquartier nach Böhmen zurück.  

In Wien stoßen diese Entscheidungen auf Unverständnis, denn hier herrscht eine unbeschreibliche Freude „wegen der Königlichen Majestät zu Schweden Todesfall“. 

Nach dem 7. September 1634
Kurfürst Maximilian I. will sein Gelöbnis erfüllen

München * Nachdem München 

  • von der drohenden Besetzung und Plünderung durch Kontributionen freigekauft werden und
  • das kaiserlich-ligistische und durch spanische Truppen verstärkte Heer in der Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 einen entscheidenden Sieg über die Schweden erringen konnte,

beauftragt Kurfürst Maximilian I. nach seiner Rückkehr eine Kommission zu überlegen, „was es für ein werkh sein [...] möchte“, mit dem er sein Gelöbnis erfüllen könne. Der hochrangige Beraterkreis schlägt die Stiftung eines jährlichen Lobamtes in der Frauenkirche und die Errichtung eines neuen Altars in der entsprechenden Kapelle vor. Sie bewegen sich damit im damals üblichen Rahmen für ein Exvoto. 

1660
Hofmedicus Dr. Johann Joachim Becher wird Kaiserlicher Hofrat

Wien * Der ehemalige Hofmedicus Dr. Johann Joachim Becher wird Kaiserlicher Hofrat.

Er ist der bedeutendste Kameralist des 17. Jahrhunderts. Er wettert schon seit Langem gegen die Einfuhr fremder Industrieerzeugnisse und meint, es wäre für ihn „sicherlich verdienstvoller, das Seidenwerk zu fördern, als wenn er etliche alte Weiber im Spital etwan ¼ Jahr eher dem Tod entnommen, noch als wan er etlichen Bauern aus dem Urin propheceyet hätte“.

Dr. Becher wird als „unruhiger, immer mit Chimären, aber vielen Kenntnissen und guten Einfällen beschäftigter Kopf“ beschrieben. 

1. Februar 1681
Geplante Altötting-Wallfahrt mit kleinem Hofstaat

Wien - München * In einem Brief teilt Kaiser Leopold I. dem baierischen Kurfürsten mit, dass er „mit kleinem Hofstaat“ die Wallfahrt nach Altötting unternehmen wird und bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, den Kurfürsten am Ziel treffen zu können 

„Kleiner Hofstaat“ bedeutete 455 Personen, 297 Pferde, 16 Kutschen und 16 Maultiere. Im kaiserlichen Gefolge befinden sich unter anderem 15 Köche und zusätzlich zwei extra für die Kaiserin, dazu ein Küchentürhüter und der Kammerzwerg, der Hofnarr. Im Hofstaat der Kaiserin ist neben den Hofdamen, Garderobenda­men, Kammerzofen und sonstigem, meist weiblichen Personal, auch ein „Extraweib“ aufgeführt. Ihre Funktion ist ungeklärt. 

15. Januar 1682
Bündnisverhandlungen wegen der Türkengefahr

München - Wien * Kurfürst Max Emanuel erklärt dem kaiserlichen Gesandten in München seine Bereitschaft zu Bündnisverhandlungen. Nicht verkennen darf man dabei freilich, dass dies auch im elementaren Interesse Baierns war, schließlich trennten nur die Länder des Hauses Habsburg damals das kleine Kurfürstentum vom Machtbereich der gefürchteten Türken. 

26. Januar 1683
Ein österreichisch-baierisches Bündnis gegen die Osmanen

München - Wien * Dem Treffen von Altötting vom März 1681 folgen langwierige Verhandlungen zwischen den kaiserlichen und den baierischen Abgesandten, die letztlich in einem Defensivbündnis enden, in dem sich das Kurfürstentum Baiern verpflichtet, in den bevorstehenden Auseinandersetzungen mit den Osmanen ein Truppenkontingent von 8.000 Mann zu stellen.

Baiern kann die Zusage aushandeln, dass das Land jährlich Subsidienzahlungen in Höhe von 250.000 Gulden, im Kriegsfall von 450.000 Gulden, erhält.

Da jedoch vorhersehbar ist, dass Wien - in Anbetracht der politischen Lage, der sonstigen Verpflichtungen und der verstärkten Kriegsanstrengungen gegen die Osmanen - diese Summe nie aufbringen kann, verlangen die kurfürstlichen Verhandlungsführer Sicherheiten. Das waren die Einkünfte der Grafschaft Neuburg am Inn, der Markgrafschaft Burgau und des Mautamtes Tarvis. Das Ziel ist eine spätere Gebietserweiterung um die Ämter Kufstein und Rattenberg.

Der Bündnisvertrag bedeutet jedoch keinesfalls die völlige Abkehr von Frankreich. Zwar werden sich die politischen Beziehungen zwischen München und Paris ein wenig abkühlen, die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Beziehungen wurden jedoch kaum beeinträchtigt. 

Um den 5. Juli 1683
Eine erste osmanische Vorhut vor Wien

Wien * Die erste Vorhut des osmanischen Heeres taucht vor Wien auf. Großes Kopfzerbrechen bereitet den Bewohnern Wiens das Verhalten des Kaisers, der sich auch weiterhin seinem Jagdvergnügen widmet und die Türkengefahr scheinbar ignoriert. Will er lediglich verharmlosen oder zeigen, dass die Angst vor der Gefahr übertrieben ist? Doch je näher die Hauptstreitmacht des türkischen Heeres auf die kaiserlichen Hauptstadt zukommt, desto mehr wächst  auch bei Kaiser Leopold I. die Angst. 

23. Juli 1683
Die Türken bestürmen das erste Mal die Stadt Wien

Wien * Die Osmanen bestürmen das erste Mal die Stadt Wien, um danach in rascher Abfolge immer heftiger anzugreifen.

Die Kaiserstadt ist von allen Seiten eingeschlossen, sodass der Befehlshaber der Kaiserlichen Truppen, Herzog Carl von Lothringen, angesichts der türkischen Übermacht, mit seinem 33.000 Männer umfassenden Heer den Rückzug antreten muss. Er bezieht jenseits des Wiener Waldes Stellung. Das Abendland steht dadurch vor der Gefahr, von dem Türkenheer überrannt zu werden. 

14. Juli 1684
Die Belagerung von Buda durch die Kaiserlichen beginnt

Buda/Ofen * Am Jahrestag des Anfangs der Belagerung Wiens, beginnen die Kaiserlichen mit der Belagerung von Buda. Zwar schaffen es die Belagerer, die Unterstadt von Buda einzunehmen, doch die türkischen Verteidiger wehren alle weiteren Angriffe ab. Und nachdem die Zahl der diensttauglichen kaiserlichen Soldaten von 34.000 auf 12.500 gesunken ist, sinkt die Motivation und Kampfmoral auf ein extrem niedriges Niveau ab. 

19. August 1685
Neuhäusl wird von der kaiserlichen Armee erobert

Neuhäusl - München - Wien * Auf die Entsatzschlacht von Gran folgt die Eroberung von Neuhäusl. Wieder ist Max Emanuel am Erfolg der Schlachten wesentlich beteiligt. Baierns Kurfürst hat schon am Beginn der Allianz mit Kaiser Leopold I. ein selbstständiges Kommando verlangt. Dass er sich der Befehlsgewalt einem in der Hierarchie unter ihm stehenden Herzog Carl von Lothringen unterordnen muss, wird von ihm als auf Dauer nicht hinnehmbar angesehen und führt deshalb zu steten Protesten.

Je länger der Krieg dauert und je häufiger Kurfürst Max Emanuel entscheidend in die Kämpfe eingreift, desto lauter fordert er den Oberbefehl über alle kaiserlichen Truppen. Als Schwiegersohn hat sich die Beziehung zum Kaiser inzwischen besonders intensiviert, was die Ansprüche des Kurfürsten zusätzlich erhöht.

Doch genau jene militärischen Tugenden, die Max Emanuel bisher auszeichneten, sprechen in Wien gegen die Übertragung einer so großen Verantwortung an den Kurfürsten, auch wenn er durch seine Kühnheit, Risikofreude, Spontanität und seiner Lust zum Handstreich ohne Rücksicht auf das eigene Leben die wichtigsten Siege für den Kaiser errang. Den Wiener Kriegsplanern ist Max Emanuel einfach zu ungestüm. 

2. September 1686
Buda/Ofen wird von der kaiserlichen Armee gestürmt

Buda/Ofen * Mittags um ein Uhr, kommt es zum erfolgreichen Generalsturm auf die Festung. Grausame Szenen spielen sich bei der Eroberung von Buda/Ofen ab. Der ganze Zorn der siegreichen christlichen Soldaten entlädt sich nun gegen die Heiden.

Die Wut über die angeblichen Gräueltaten der Osmanen gegen die Zivilbevölkerung und der von Kirche und Glauben angefachte religiöse Hass entladen sich nun an der Bevölkerung von Buda/Ofen. Alles was sich den Christen entgegen stellt, muss sterben. Selbst Kinder und Säuglinge werden ein Opfer der zügellosen Soldateska.

Ein brandenburgischer Augenzeuge berichtet: „Ich bin erstaunet, was da ist vorgegangen, daß auch Menschen viel grausamer als Bestien gegeneinander sich bezeigeten“. Nur Wenigen gelingt die Flucht auf die Burg. 

12. August 1687
Ein glänzender Sieg der Kaiserlichen Armee

Mohács * Bei einer der seltenen Feldschlachten des Türkenkriegs stehen 60.000 Türken etwa 50.000 Verbündeten des Kaisers am Berge Harsán bei Mohács gegenüber. Die Schlacht endet mit einem glänzenden Sieg der Kaiserlichen.

Der von Kurfürst Max Emanuel befehligte linke Flügel erzwingt den Sieg, indem er zuerst den ersten Angriff der türkischen Reiterei abwehrt, danach mit einem Gegenangriff den Gegner zurückwirft und so lange beschäftigt, bis Herzog Carl von Lothringen die türkischen Verschanzung gewinnen kann.

7. September 1701
Die Haager Große Allianz entsteht 

Den Haag * England, die Republik der Vereinigten Niederlande und Kaiser Leopold I. schließen die Haager Große Allianz. Das Bündnis soll die weitere Ausdehnung der französischen Macht verhindern und ausschließen, dass die Kronen Frankreichs und Spaniens jemals vereinigt werden. Außerdem vereinbaren die Partner die Sicherung der Niederlande, die Übertragung spanischer Besitzungen in Italien an das Haus Österreich und den Schutz ihrer Handelsinteressen. 

Damit formiert sich die entscheidende Koalition gegen Ludwig XIV. und den bourbonischen König Philipp V. von Spanien. Der Vertrag verschärft den Spanischen Erbfolgekrieg und stellt auch Kurfürst Max Emanuel vor eine folgenschwere Entscheidung: Durch sein Bündnis mit Frankreich steht Baiern künftig auf der Gegenseite der kaiserlichen Allianz.

1702
Kurbaierns Aufrüstung belastet das Land 

Kurfürstentum Baiern * Kurfürst Max Emanuel lässt die Verfahren zur Anwerbung und Aushebung neuer Soldaten verschärfen. Die rasch wachsende Armee soll seinen bevorstehenden Kriegseintritt an der Seite Frankreichs ermöglichen. Freiwillige reichen dafür nicht aus, weshalb die Behörden zunehmend auf Zwang zurückgreifen. 

Selbst der kurbaierische Hofkriegsrat warnt, dass die Aushebungen der Landwirtschaft dringend benötigte Arbeitskräfte entziehen und damit auch die Steuerkraft des Landes schwächen. Dennoch setzt die Regierung ihre Rekrutierungspolitik fort. Baiern unterhält bei einer Bevölkerung von etwa 1,1 Millionen Menschen schließlich ein Heer von rund 27.000 Mann. 

Die Methoden und sozialen Folgen ähneln den Zwangsrekrutierungen, welche die kaiserliche Besatzungsverwaltung 1705 anordnet. Der entscheidende Unterschied liegt für die Bevölkerung darin, dass die Männer nun nicht mehr für den eigenen Landesherrn, sondern für die Truppen der verhassten Besatzungsmacht dienen sollen. 

30. September 1702
Der Reichstag beschließt den Reichskrieg gegen Frankreich 

Regensburg * Der Immerwährende Reichstag beschließt den Reichskrieg gegen Frankreich und stellt für die Reichsarmee das Dreifache des gewöhnlichen Truppenkontingents bereit. Anlass sind die französischen Angriffe auf Reichsgebiet sowie die Unterstützung Frankreichs für reichsfeindliche Unternehmungen. 

Max Emanuel hat sich durch sein Bündnis mit Ludwig XIV. und die gewaltsame Besetzung Ulms gegen Kaiser und Reich gestellt. Baiern wird damit zum Kriegsschauplatz und muss mit Angriffen kaiserlicher und reichsständischer Truppen rechnen. Der Kurfürst wird jedoch noch nicht förmlich geächtet; die Reichsacht gegen Max Emanuel und seinen Bruder Joseph Clemens folgt erst 1706. 

4. Januar 1703
Kaiserliche Truppen erhöhen den Druck auf Baiern 

Passau - Neuburg am Inn * Kaiserliche Truppen, die seit Dezember 1702 im Hochstift Passau stehen, besetzen Neuburg am Inn. Sie wollen damit einen strategisch wichtigen Flussübergang sichern und einem möglichen baierischen Vorstoß nach Oberösterreich zuvorkommen. Angehörige der Besatzung plündern außerdem das benachbarte Kloster Vornbach. 

Die Besetzung bildet einen ersten unmittelbaren Vorstoß gegen den baierischen Machtbereich. 

2. März 1703
Kaiserliche und fränkische Truppen dringen in die Oberpfalz ein 

Franken - Oberpfalz - Oberösterreich - Innviertel * Kaiserliche und reichsständische Truppen beginnen einen koordinierten Zangenangriff auf das Kurfürstentum Baiern. Von Norden setzt sich Generalfeldmarschall Hermann Otto Graf von Limburg-Styrum mit etwa 7.000 kaiserlichen und fränkischen Soldaten von Greding aus in Richtung Oberpfalz in Bewegung. In den folgenden Tagen schlagen seine Truppen den baierischen Widerstand bei Mallerstetten nieder und stoßen über Dietfurt auf Neumarkt vor. 

Gleichzeitig überschreitet Feldmarschall Leopold Anton Graf Schlick mit rund 12.000 österreichischen, sächsischen und dänischen Soldaten von Oberösterreich aus die baierische Grenze. Seine Truppen nehmen die Grenzbefestigungen bei Riedau ein und rücken über Ried in Richtung Schärding vor. 

Der Angriff zwingt Kurfürst Max Emanuel, seine Streitkräfte auf zwei weit voneinander entfernte Kriegsschauplätze zu verteilen. Damit beginnt der konzentrierte militärische Versuch, Baiern zu besiegen, bevor sich die kurfürstliche Armee mit ihren französischen Verbündeten vereinigen kann.

8. April 1703
Baierische Truppen besetzen Regensburg

Regensburg * Unter dem Druck der vor der Stadt zusammengezogenen baierischen Truppen übergibt die Freie Reichsstadt Regensburg ihre Schlüssel auf der Steinernen Brücke kampflos an General Alessandro Maffei. Kurfürst Max Emanuel erzwingt zugleich ein Neutralitätsabkommen und lässt strategisch wichtige Teile der Stadt besetzen. 

Die Einnahme Regensburgs ist politisch besonders brisant: In der Stadt tagt der Immerwährende Reichstag, der wenige Monate zuvor den Reichskrieg gegen Frankreich beschlossen hat. Zudem kontrolliert Max Emanuel nun einen wichtigen Donauübergang und kann seine Stellung gegenüber den kaiserlichen und reichsständischen Truppen in der Oberpfalz stärken. 

1. Juli 1703
Der Tiroler Aufstand zwingt Max Emanuel zum Rückzug 

Tirol * Tiroler Schützen, Landmilizen und bewaffnete Bauern erheben sich gegen die baierisch-französische Besatzung. Bereits am 1. Juli vernichten sie an der Pontlatzer Brücke einen Vorstoß ins Oberinntal. Zugleich versperren Tiroler und kaiserliche Truppen den Weg über den Brenner und verhindern die geplante Vereinigung Max Emanuels mit der französischen Italienarmee. Von seinen Nachschubwegen abgeschnitten und von mehreren Seiten bedrängt, muss der Kurfürst seinen Feldzug abbrechen. 

5. September 1703
Reichstruppen besetzen das neutrale Augsburg

Augsburg * Reichstruppen unter dem Befehl Markgraf Ludwig Wilhelms von Baden besetzen überraschend die neutrale Freie Reichsstadt Augsburg. Der Rat der Stadt kann die militärische Einquartierung nicht verhindern. 

Von Augsburg aus können die kaiserlichen und reichsständischen Truppen die Donau umgehen und Baiern unmittelbar von Westen bedrohen. Max Emanuel und der französische Marschall Villars folgen dem gegnerischen Heer, wagen jedoch zunächst keinen Angriff auf dessen befestigte Stellungen. Augsburg bleibt bis zum 15. Dezember von Reichstruppen besetzt und fällt anschließend an die baierisch-französische Armee.

20. September 1703
Baiern und Frankreich siegen bei Höchstädt 

Höchstädt an der Donau * In der Ersten Schlacht bei Höchstädt treffen etwa 24.000 baierisch-französische Soldaten unter Kurfürst Max Emanuel und Marschall Villars auf ein rund 16.000 Mann starkes kaiserlich-preußisches Korps unter Generalfeldmarschall Hermann Otto Graf von Limburg-Styrum. 

Die Verbündeten greifen den Gegner von zwei Seiten an und bringen dessen Aufstellung zum Zusammenbruch. Nur der Widerstand der preußischen Nachhut unter Fürst Leopold von Anhalt-Dessau ermöglicht Styrum und den Resten seines Heeres den Rückzug nach Nördlingen. 

Die Kaiserlichen und Preußen verlieren etwa 4.000 bis 5.000 Mann, überwiegend Gefangene, sowie 37 Geschütze und fast ihren gesamten Tross. Auf baierisch-französischer Seite fallen oder verwunden sich rund 1.000 Soldaten. Der Sieg sichert Baiern vorerst gegen einen Angriff von Westen, führt aber zu keiner kriegsentscheidenden Wendung.

16. Dezember 1703
Baierisch-französische Truppen erobern Augsburg 

Augsburg * Nach mehrtägiger Belagerung und schwerem Artilleriebeschuss räumen die kaiserlichen und reichsständischen Truppen die Freie Reichsstadt Augsburg. Baierische und französische Verbände ziehen in die Stadt ein; der französische Marschall Ferdinand de Marsin nimmt mit rund 11.500 Soldaten Quartier. 

Damit bringt Kurfürst Max Emanuel Augsburg unter seine Kontrolle und beseitigt die unmittelbare Bedrohung Baierns von Westen. Für die Bevölkerung beginnt jedoch eine erneute Besatzungszeit mit hohen Einquartierungs-, Versorgungs- und Kriegslasten. Die baierisch-französische Besetzung dauert bis August 1704. 

9. Januar 1704
Passau kapituliert vor Max Emanuels Truppen 

Passau * Nach dem Einmarsch baierischer Truppen kapituliert Passau vor der Armee Kurfürst Max Emanuels. Die unter Graf Johann Franz von Gronsfeld stehenden kaiserlichen Verteidiger dürfen abziehen. Mit der Einnahme der strategisch wichtigen Dreiflüssestadt sichert sich der Kurfürst einen Ausgangspunkt für Angriffe donauabwärts und gegen das habsburgische Oberösterreich. 

Anschließend rückt die baierische Armee über die Grenze vor. Der Winterfeldzug nach Oberösterreich bringt jedoch keine dauerhaften Gebietsgewinne und bleibt militärisch ohne nachhaltigen Erfolg.

19. Mai 1704
Marlborough beginnt seinen Marsch zur Donau

Bedburg * John Churchill, Herzog von Marlborough, bricht mit rund 21.000 britischen, niederländischen und deutschen Soldaten von Bedburg nordwestlich von Köln nach Süden auf. Sein eigentliches Ziel hält er selbst vor einem Teil seiner Verbündeten geheim: Er will bis zur Donau vorstoßen, die von der baierisch-französischen Armee bedrohten habsburgischen Gebiete entlasten und eine mögliche Offensive gegen Wien verhindern. 

In fünf Wochen legt das Heer etwa 400 Kilometer zurück und wird unterwegs durch weitere verbündete Truppen verstärkt. Marlboroughs sorgfältig vorbereiteter Marsch gilt als herausragende militärische und logistische Leistung. Er schafft die Voraussetzung für die Vereinigung mit den kaiserlichen Streitkräften und schließlich für die Schlacht bei Höchstädt am 13. August 1704. 

17. August 1704
Therese Kunigunde übernimmt die Regentschaft 

Baiern - München * Vier Tage nach der vernichtenden Niederlage bei Höchstädt überträgt Kurfürst Max Emanuel seiner Gemahlin Therese Kunigunde die politische und militärische Regierungsgewalt über das Kurfürstentum Baiern. Während sich der Kurfürst mit den Resten seiner Armee nach Westen zurückzieht und später ins Exil nach Brüssel geht, bleibt sie mit ihren Kindern in München. Damit wird Therese Kunigunde zur ersten Regentin des Kurfürstentums Baiern. 

Sie übernimmt die Herrschaft in einer nahezu aussichtslosen Lage: Die kurbaierische Armee ist geschlagen, die verbündeten französischen Truppen ziehen sich zurück und die siegreichen Kaiserlichen besetzen große Teile des Landes. Im Vertrag von Ilbesheim muss Therese Kunigunde am 7. November 1704 schließlich die Besetzung Baierns anerkennen; unter ihrer eingeschränkten Regierung verbleiben lediglich die Residenzstadt München und das Rentamt München. 

7. November 1704
Der Vertrag von Ilbesheim beendet Baierns Kriegsteilnahme

Ilbesheim bei Landau - Baiern * Im Hauptquartier der kaiserlichen Truppen unterzeichnen der kurbaierische Bevollmächtigte Johann Sebald Neusönner und Vertreter Kaiser Leopolds I. den Vertrag von Ilbesheim. Der weitgehend diktierte Waffenstillstands- und Kapitulationsvertrag beendet die Beteiligung Baierns am Spanischen Erbfolgekrieg. 

Regentin Therese Kunigunde behält die eingeschränkte Herrschaft über die Residenzstadt München und den größten Teil des Rentamts München. Das übrige Kurfürstentum kommt unter die Kontrolle der kaiserlichen und verbündeten Besatzungsmächte. 

Das baierische Heer wird aufgelöst; lediglich eine 400 Mann starke Garde der Kurfürstin bleibt bestehen. Die noch von kurbaierischen Truppen gehaltenen Festungen, darunter Ingolstadt und Kufstein, müssen mitsamt Waffen und Vorräten übergeben werden. Außerdem sind die Münchner Befestigungsanlagen teilweise zu schleifen und die französischen Offiziere auszuweisen. 

15. Dezember 1704
Die besetzten Rentämter müssen Millionen zahlen 

Straubing - Landshut - Burghausen * Den drei besetzten baierischen Rentämtern wird eine Kontribution von insgesamt 3,15 Millionen Gulden auferlegt. Mit diesen Zwangsabgaben sollen die kaiserlichen Besatzungstruppen unterhalten werden. Die geforderte Summe übersteigt das gewöhnliche jährliche Steueraufkommen des gesamten Kurfürstentums um mehr als das Doppelte. 

Zusätzlich wird eine außerordentliche Landsteuer erhoben, aus der die Auflösung und Entlassung des kurbaierischen Heeres finanziert werden soll. Gleichzeitig beziehen die kaiserlichen Truppen in den besetzten Gebieten ihre Winterquartiere. Die Bevölkerung muss deshalb nicht nur hohe Geldzahlungen leisten, sondern auch Soldaten unterbringen und mit Lebensmitteln, Brennmaterial und weiteren Gütern versorgen. 

16. Februar 1705
Kurfürstin Therese Kunigunde reist nach Venedig

München - Venedig * Kurfürstin Therese Kunigunde verlässt München, um in Venedig ihre Mutter, die polnische Königinwitwe Maria Kasimira, zu treffen und sich mit ihr über die politische Lage zu beraten. 

Der Ilbesheimer Vertrag von 1704 sichert der Kurfürstin noch die Herrschaft über das Rentamt München. Während ihrer Abwesenheit übernimmt die kaiserliche Seite jedoch auch dort die Kontrolle und verweigert ihr später die Rückkehr nach Baiern. Aus der vorübergehend geplanten Reise wird ein langjähriges Exil. 

20. März 1705
Kaiser Leopold I. richtet eine Landesverwaltung für Baiern ein 

Wien - Landshut * Unter dem Vorsitz des Hofkriegsratspräsidenten Prinz Eugen von Savoyen beraten hohe kaiserliche Amtsträger über die Verwaltung des besetzten Kurfürstentums. Mit Misstrauen verfolgt der Wiener Hof die fortbestehenden Verbindungen zwischen München und dem im Exil lebenden Kurfürsten Max Emanuel. 

Auf Empfehlung Prinz Eugens und des Hofkriegsrats richtet Kaiser Leopold I. eine zentrale zivile Landesverwaltung ein: die Kaiserliche Administration. Als Sitz ist zunächst Landshut vorgesehen. Die Leitung übernimmt im weiteren Verlauf Graf Maximilian Karl von Löwenstein-Wertheim-Rochefort. 

Damit erhält die kaiserliche Herrschaft in Baiern neben der militärischen Besatzung eine eigenständige Verwaltungsorganisation. 

April 1705
Das Niederlassungsverbot für Juden besteht weiter

München * Das Niederlassungsverbot für Juden im Herzogtum Baiern gilt auch während der kaiserlichen Administration. Dennoch halten sich einzelne Juden mit Sondergenehmigungen in München auf, vor allem Hoffaktoren und Hoffinanziers, Lieferanten des Hofes oder Militärs und durchreisende Kaufleute. Es handelt sich aber nur um wenige Einzelpersonen oder einzelne Familien, nicht um eine organisierte Gemeinde. 

Die habsburgische Verwaltung hebt die antijüdischen Bestimmungen nicht auf, obwohl in Wien und anderen habsburgischen Territorien bereits größere jüdische Gemeinden existieren. Bayern bleibt auch unter österreichischer Verwaltung konfessionell und rechtlich weitgehend bei seinen bisherigen Regelungen. 

5. Mai 1705
Baierns Bevölkerung leidet unter der Besatzung 

Wien - Baiern * Kaiser Leopold I. stirbt in Wien. Sein 26-jähriger Sohn Joseph I., bereits seit 1690 gewählter römisch-deutscher König, folgt ihm ohne erneute Wahl als Kaiser nach. 

Joseph setzt gegenüber dem besetzten Kurfürstentum Baiern auf einen harten Kurs. Das Land soll zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegführung beitragen und als Machtgrundlage Kurfürst Max Emanuels geschwächt werden. 

Besonders schwer treffen die Besatzungslasten die Landbevölkerung. Neben hohen Steuern und Kriegsabgaben muss sie einquartierte und durchziehende Truppen mit Unterkunft, Lebensmitteln und Futter versorgen. Hinzu kommt die Disziplinlosigkeiten und Exzesse der Soldaten, die der Landbevölkerung oft zusätzliche Leistungen abpressten. Die Bauern müssen für die Militaristen Dirnen besorgen und bezahlen. Häufig zwingt man sie bei Vergewaltigungen der eigenen Frau, der Töchter und Anverwandten zuzusehen. Selbst von jungen Mädchen und Schwangeren nehmen die Soldaten keinen Abstand.  

Die Beschlagnahmung von Vorräten und Vieh bedroht die Existenz bäuerlicher Familien und beeinträchtigt zugleich die Versorgung der Städte. Die wachsende Not und die Gewalt der Besatzung tragen wesentlich dazu bei, dass sich im weiteren Verlauf des Jahres bewaffneter Widerstand formiert. 

15. Mai 1705
München wird von den Kaiserlichen belagert

München * Feldmarschall Johann Franz Graf von Gronsfeld rückt mit rund 8.000 kaiserlichen und verbündeten Soldaten sowie Belagerungsgeschützen vor München. Er fordert die sofortige Übergabe und droht andernfalls mit der Beschießung der Stadt. Teile der Bürgerschaft wollen Widerstand leisten, doch Regierung und Stadtmagistrat erkennen die militärische Übermacht und nehmen Verhandlungen auf. 

Gronsfeld sichert schriftlich zu, die in München lebenden Söhne Kurfürst Max Emanuels nicht anzutasten und die Rechte der Bürgerschaft zu wahren. Außerdem sollen die Kosten der Einquartierung nicht allein den Bürgern auferlegt, sondern auch vom Hofpersonal, vom Adel und von der Geistlichkeit getragen werden. Daraufhin stimmt die Stadt der kampflosen Übergabe zu. 

16. Mai 1705
München gerät unter kaiserliche Besatzung und Verwaltung

München * Kaiserliche Truppen ziehen vor München auf und drohen mit Beschuss. Die Stadt gibt nach und lässt die Besatzung ein. Mit dem zugehörigen Rentamt fällt damit auch der letzte der Kurfürstin verbliebene Herrschaftsbereich unter unmittelbare kaiserliche Kontrolle. Als Rechtfertigung dient unter anderem der Vorwurf, die im Ilbesheimer Vertrag vereinbarten Abrüstungsmaßnahmen würden nicht ausreichend umgesetzt. 

Die Kaiserliche Administration unter Reichsgraf Maximilian Carl von Löwenstein-Wertheim-Rochefort übernimmt die zivile Verwaltung. Sie verlegt ihren Sitz anschließend von Landshut in die Münchner Herzog-Max-Burg. Von dort aus organisiert sie die Landesverwaltung und die Erhebung von Abgaben. 

Um den 16. Mai 1705
Der Kurfürstin wird die Rückkehr nach Baiern verweigert

Venedig - München * Die kaiserliche Seite verweigert Kurfürstin Therese Kunigunde die Rückkehr aus Italien nach Baiern. Damit kann sie ihre im Ilbesheimer Vertrag von 1704 zugesicherte Regierungsgewalt über das Rentamt München nicht mehr ausüben. 

Ihre Kinder bleiben in München zurück. Aus der vorübergehend geplanten Reise zur Begegnung mit ihrer Mutter wird ein langjähriges Exil. 

Um den 16. Mai 1705
Der wittelsbachische Hausschatz wird bei den Franziskanern verborgen

München-Graggenau * Nach der Niederlage Kurfürst Max Emanuels und der Besetzung Baierns bringen Vertraute den wittelsbachischen Hausschatz in Sicherheit. Kostbare Gegenstände aus dem Besitz des Herrscherhauses werden im Münchner Franziskanerkloster verborgen und bleiben dort während der kaiserlichen Besatzungszeit bis 1715 verwahrt. 

Das Datum 16. Mai 1705 bezieht sich auf den Tag, an dem kaiserliche Truppen München besetzen. Es ist ein naheliegender Bezugspunkt, kann aber nicht abschließend als Datum der Verbergung angesetzt werden. 

Nach dem 16. Mai 1705
Die Besatzungszeit belebt Münchens Kaffeehauskultur

München * Mit den kaiserlichen Besatzungstruppen kommen zahlreiche österreichische Beamte und Soldaten nach München. Viele von ihnen sind den Kaffeegenuss und den Besuch von Kaffeehäusern aus Wien gewohnt und wollen auch an ihrem neuen Dienstort nicht darauf verzichten. 

Die zusätzliche Nachfrage beschert den noch jungen Münchner Kaffeeschänken einen deutlichen Aufschwung und trägt dazu bei, das bis dahin wenig verbreitete Getränk in der Stadt bekannter zu machen. Damit gewinnt die Münchner Kaffeehauskultur während der kaiserlichen Besatzungszeit von 1705 bis 1715 dauerhaft an Bedeutung. 

24. Mai 1705
Die Entfernung der kurbaierischen Prinzen wird geplant 

München - Wien * Landesadministrator Maximilian Karl von Löwenstein-Wertheim-Rochefort schlägt Kaiser Joseph I. vor, die Söhne Kurfürst Max Emanuels aus München in die österreichischen Erblande zu bringen. Als Begründung nennt er die „Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung“ in Baiern. 

Durch ihre Entfernung soll verhindert werden, dass die jungen Wittelsbacher zu Symbolfiguren des Widerstands gegen die kaiserliche Besatzung werden. Der Vorschlag wird zunächst nicht umgesetzt. Erst im Mai 1706 werden Kurprinz Carl Albrecht und drei seiner Brüder unter kaiserlicher Aufsicht nach Klagenfurt gebracht; ihre Schwester und die jüngeren Brüder bleiben in München. 

25. Mai 1705
Eine neue Kriegssteuer verschärft die Not 

München - Baiern * Aus Geldnot erhebt die Kaiserliche Administration eine weitere außerordentliche Kriegssteuer. Sie kommt zu einer bereits von jedem Hof geforderten Kriegsanleihe von 43 Gulden hinzu und muss innerhalb von acht Tagen entrichtet werden. 

Obwohl viele Untertanen durch Einquartierungen, Truppendurchzüge und frühere Abgaben bereits weitgehend ausgezehrt sind, wird die Zahlung vielfach mit Gewalt eingetrieben. Missbrauch und überhöhte Forderungen örtlicher Amtsträger können die Belastung zusätzlich verschärfen. Die wachsende Steuerlast verstärkt die Unzufriedenheit mit der kaiserlichen Herrschaft. 

6. Juni 1705
Die baierischen Beamten schwören Kaiser Joseph I. die Treue 

München * Baierische Beamte leisten am 6. beziehungsweise 8. Juni 1705 dem römisch-deutschen Kaiser Joseph I. den Treueid. Damit erkennen sie die Herrschaft der Kaiserlichen Administration an und verpflichten sich, ihre Ämter künftig in deren Dienst auszuüben. 

Die Vereidigung sichert der Besatzungsregierung den Zugriff auf den bestehenden Verwaltungsapparat. Zugleich schwächt sie die Bindung der Beamtenschaft an den im Exil lebenden Kurfürsten Max Emanuel. 

16. Juni 1705
Je vier Höfe müssen einen Rekruten stellen 

München - Baiern * Die Kaiserliche Administration beendet die bislang weitgehend unkontrollierten Anwerbungen durch militärische Kommandos und überträgt die Rekrutierung den örtlichen Zivilbehörden. 

Innerhalb von sechs Wochen müssen jeweils vier Höfe einen wehrfähigen Mann für die kaiserliche Armee stellen. Die hohe Forderung greift tief in das Leben und die Arbeitsfähigkeit der bäuerlichen Familien ein. Da die Behörden kaum genügend Rekruten erhalten, verschärft sich der Druck auf die Landbevölkerung weiter.

1. Juli 1705
Die baierischen Landstände huldigen Kaiser Joseph I. 

München * Vertreter der baierischen Landstände leisten Kaiser Joseph I. den Treueid und erkennen damit die Herrschaft der Kaiserlichen Administration an. Zu den Landständen gehören die Prälaten, der Adel sowie die Vertreter der Städte und Märkte; die bäuerliche Bevölkerung besitzt keine eigene Vertretung. 

Die Huldigung verschafft der Besatzungsregierung politische und rechtliche Anerkennung durch die führenden Kräfte des Landes. Sie bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass diese ihre Bindung an den im Exil lebenden Kurfürsten Max Emanuel endgültig aufgeben. 

24. Juli 1705
Der Rekrutierungsdruck auf ledige Bauernburschen wächst 

München - Baiern * Da die Anordnung vom 16. Juni kaum Rekruten einbringt, ändert die Kaiserliche Administration das Verfahren. Statt vier müssen nun jeweils zwölf Höfe gemeinsam bis zum 10. August einen wehrfähigen Mann stellen. Gelingt dies nicht, werden 16 Gulden Ersatzgeld fällig; unter mehreren geeigneten Männern soll notfalls das Los entscheiden. 

Ledige und umherziehende Bauernburschen geraten dabei besonders ins Visier der Behörden und können zum Militärdienst eingezogen werden. Trotz der herabgesetzten Quote bleibt die Zwangsrekrutierung eine schwere Belastung für die Landbevölkerung. 

9. September 1705
Jeder dritte Mann der Landfahnen soll einrücken 

München - Baiern * Die Kaiserliche Administration verschärft die Zwangsrekrutierungen: Jeder dritte Mann der baierischen Landfahnen soll zum Militärdienst eingezogen werden. Diese örtlichen Aufgebote sind ursprünglich zur Verteidigung des eigenen Landes aufgestellt worden und nicht für den Einsatz in der kaiserlichen Armee vorgesehen. 

Die Anordnung greift tief in das Leben der Landbevölkerung ein und verstärkt den Widerstand gegen das Besatzungsregime. Viele der betroffenen Männer entziehen sich der Einberufung durch Flucht oder schließen sich später dem Aufstand an. 

Um den 2. Oktober 1705
Die Zwangsaushebungen treiben das Land zum Widerstand 

München - Baiern * Da sich zahlreiche junge Männer der Einberufung durch Flucht oder Verstecken entziehen, verschärft die Kaiserliche Administration ihre Rekrutierungspolitik. Verwaltungsbeamte und militärische Kommandos erhalten den Auftrag, wehrfähige Männer aufzuspüren und zur Auffüllung der kaiserlichen Regimenter einzuziehen. 

Bauernsöhne und Knechte werden bei der Arbeit oder in ihren Häusern festgenommen und teilweise gefesselt abtransportiert. Dadurch verlieren viele Höfe dringend benötigte Arbeitskräfte. Die gewaltsamen Aushebungen verschärfen die Not und den Unmut der Landbevölkerung. Aus Beschwerden und passiver Verweigerung entwickelt sich zunehmend offener Widerstand – eine entscheidende Voraussetzung für die wenige Wochen später beginnende baierische Volkserhebung.

Um den 10. Oktober 1705
Erste Unruhen gegen die Zwangsrekrutierungen 

Niederbaiern - Innviertel - Oberpfalz * Die gewaltsamen Rekrutierungen lösen erste offene Unruhen aus. Im Innviertel, in den Gebieten an Vils und Rott sowie in Teilen der Oberpfalz widersetzt sich die Bevölkerung den Aushebungen. Junge Männer fliehen oder verstecken sich, während Angehörige und Dorfgemeinschaften versuchen, ihre Verschleppung zu verhindern. 

Aus vereinzelten Protesten entwickelt sich allmählich organisierter Widerstand gegen die Kaiserliche Administration. Die Unruhen bilden den Auftakt zur baierischen Volkserhebung von 1705 und 1706.

15. Oktober 1705
Protest gegen die Zwangsrekrutierungen im Isarwinkel 

Lenggries * Im Isarwinkel protestiert die Bevölkerung gegen die gewaltsame Einziehung wehrfähiger Männer in die kaiserliche Armee. Die Zwangsrekrutierungen bedrohen nicht nur Freiheit und Leben der Betroffenen, sondern entziehen den bäuerlichen Höfen auch dringend benötigte Arbeitskräfte. 

Der Widerstand bei Lenggries zeigt, dass die Unruhen inzwischen auch das baierische Oberland erfassen. Aus der Ablehnung der Rekrutierungen entwickelt sich in den folgenden Wochen eine breitere Erhebung gegen die Kaiserliche Administration. 

Um den 25. Oktober 1705
Aus den Unruhen wird offener Widerstand 

Oberpfalz - Niederbaiern * Der Widerstand gegen die Zwangsrekrutierungen verschärft sich. Einwohner behindern die Aushebungen, verstecken wehrfähige Männer und befreien vereinzelt bereits festgenommene Rekruten. Dabei kommt es zunehmend zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Amtspersonen und kaiserlichen Soldaten. 

Aus den zunächst örtlich begrenzten Protesten entwickelt sich eine breitere Erhebung gegen die kaiserliche Besatzung. Anfang November greift der bewaffnete Aufstand auf weite Teile der Oberpfalz und Niederbaierns über. 

Um den 3. November 1705
Der Aufstand erfasst das Rentamt Burghausen 

Rentamt Burghausen * Der wachsende Widerstand gegen Zwangsrekrutierungen, hohe Abgaben und die Übergriffe kaiserlicher Soldaten schlägt in offenen Aufruhr um. Bauern, Handwerker und andere Bewohner widersetzen sich den Behörden und beginnen, sich zu bewaffnen und örtlich zusammenzuschließen. 

Damit entwickelt sich das Rentamt Burghausen zu einem der wichtigsten Ausgangsräume der baierischen Volkserhebung. In den folgenden Wochen organisieren sich die Aufständischen zunehmend und bringen große Teile des Gebietes unter ihre Kontrolle. 

10. November 1705
Kaiserliche Truppen rücken gegen die Aufständischen vor 

Altötting - Burghausen * Die Kaiserliche Administration reagiert auf den wachsenden Aufstand im Rentamt Burghausen und entsendet eine rund 600 Mann starke Streitmacht in die Region. Unter dem Befehl von Oberst Johann Baptist de Wendt marschieren 100 Grenadiere, 300 Rekruten sowie jeweils 100 Husaren und Kürassiere auf. Vier Regimentsgeschütze verstärken den Verband. 

Die Truppen sollen die Unruhen eindämmen, die Zwangsrekrutierungen durchsetzen und die kaiserliche Herrschaft im Raum Altötting und Burghausen sichern. Ihre Entsendung verschärft jedoch den Konflikt und trägt zur weiteren Mobilisierung der Aufständischen bei. 

13. November 1705
Der Kampf um Burghausen beginnt

Burghausen * Bewaffnete Aufständische aus dem Rentamt ziehen gegen Burghausen. Die Stadt mit ihrer mächtigen Festung ist Sitz der kaiserlichen Behörden und besitzt große strategische Bedeutung. Wer sie kontrolliert, beherrscht einen wichtigen Abschnitt an Salzach und Inn. 

Die Aufständischen beginnen, die Zugänge zur Stadt zu sperren und die kaiserliche Besatzung unter Druck zu setzen. Damit entwickelt sich Burghausen zu einem der ersten bedeutenden Schauplätze der baierischen Volkserhebung. 

14. November 1705
Wien droht den Aufständischen mit militärischer Gewalt 

Wien * Ein kaiserliches Mandat kündigt den Einsatz von Truppen gegen die Aufständischen an, die darin als „Tumultuanten“ bezeichnet werden. Sie sollen ihren Widerstand aufgeben und sich der Obrigkeit unterwerfen. 

Damit behandelt der Kaiserhof die Proteste gegen Zwangsrekrutierungen und Besatzungslasten nicht länger als örtliche Unruhen, sondern als gewaltsam niederzuschlagenden Aufruhr. Die Aussicht auf eine friedliche Beilegung des Konflikts schwindet weiter. 

16. November 1705
Burghausen fällt an die Aufständischen 

Burghausen * Die Stadt kapituliert vor den Aufständischen und wird zu einem ersten bedeutenden Machtzentrum der Erhebung. In den Verhandlungen verlangen die Unterländer die Wahrung der alten Rechte, eine Begrenzung der Abgaben auf das unter dem Kurfürsten übliche Maß und ein Ende der Zwangsrekrutierungen. Bauernsöhne und Knechte sollen auf ihren Höfen bleiben und nur zur Verteidigung des eigenen Landes herangezogen werden. 

Die Forderungen richten sich zunächst vor allem gegen die hohen Belastungen und den Einsatz der Landfahnen für die kaiserliche Kriegführung. Die Aufständischen verstehen sich als Vertreter der „ganzen Gemein der Kurlande Baiern“. Kurz darauf drängen sie den angesehenen Burghauser Kastner und Landfahnenhauptmann Franz Bernhard von Prielmayr, als Kriegskommissär der Landesdefension mitzuwirken. 

Mit dem militärischen Erfolg werden die Ziele weitreichender: Zunehmend fordern die Aufständischen nun auch die Beseitigung der Kaiserlichen Administration, die sie für die „unerträglichen Lasten“ des Landes verantwortlich machen. 

22. November 1705
Plinganser ruft zum Kampf für die „baierische Freiheit“ auf 

Kurfürstentum Baiern * Unter dem Namen „J. H. Wormbs“ veröffentlicht Georg Sebastian Plinganser ein Mandat, das alle nichtadeligen und unverheirateten kurbaierischen Untertanen zu den Waffen ruft. Gemeinsam sollen sie die kaiserlichen Truppen aus dem Land vertreiben und die „alt churbaierische Libertät“ wiederherstellen. 

Damit verändert sich der Charakter der Erhebung: Richtet sich der Widerstand zunächst vor allem gegen Zwangsrekrutierungen, hohe Abgaben und Übergriffe der Soldaten, fordert Plinganser nun offen die Vertreibung der Besatzungsmacht. Aus örtlichen Protesten wird ein politischer und militärischer Kampf um die Wiederherstellung der kurbaierischen Herrschaft. 

23. November 1705
Kaiserliche Truppen zerschlagen die Belagerung Wasserburgs 

Wasserburg am Inn * Am Magdalenenberg treffen die schlecht bewaffneten Aufständischen auf rund 1.100 kaiserliche Soldaten unter Oberst Johann Baptist de Wendt. Die Belagerer wollen den strategisch wichtigen Innübergang und die von etwa 250 Kaiserlichen verteidigte Stadt in ihre Gewalt bringen. 

Den militärisch ausgebildeten und berittenen Truppen haben die Bauern und jungen Burschen kaum etwas entgegenzusetzen. Kaiserliche Husaren brechen ihren Widerstand und richten ein Blutbad an. Rund 300 Aufständische kommen ums Leben, zahlreiche weitere geraten in Gefangenschaft. Wasserburg bleibt unter kaiserlicher Kontrolle. 

25. November 1705
Unruhen gegen die Zwangsrekrutierungen 

Benediktbeuern * Die Zwangsrekrutierungen lösen auch im Klostergericht Benediktbeuern offene Unruhen aus. Einwohner widersetzen sich der Einziehung wehrfähiger Männer in die kaiserliche Armee und protestieren gegen die damit verbundenen Eingriffe in ihre Gemeinden und bäuerlichen Haushalte. 

Die Tumulte zeigen, dass der Widerstand gegen die Kaiserliche Administration nun auch im baierischen Oberland wächst. 

27. November 1705
Die Aufständischen besetzen Vilshofen 

Vilshofen an der Donau * Die Aufständischen nehmen die strategisch bedeutende Donaustadt Vilshofen ein. Damit bringen sie einen wichtigen Flussübergang und Verkehrsknotenpunkt unter ihre Kontrolle. 

Der Erfolg stärkt die Volkserhebung im östlichen Niederbaiern und erleichtert die Verbindung zwischen den Aufstandsgebieten an Donau, Vils und Rott. Vilshofen bleibt jedoch umkämpft und fällt Ende Dezember wieder an die Kaiserlichen. 

28. November 1705
Kaiserliche Truppen nehmen Neuötting zurück

Neuötting * Kaiserliche Truppen erobern das von den Aufständischen besetzte Neuötting zurück. Damit sichern sie einen wichtigen Verkehrspunkt zwischen Mühldorf, Altötting und Burghausen und erschweren die Verbindung zwischen den einzelnen Aufstandsgebieten. 

Während die Landesdefension am selben Tag mit dem Einzug in Braunau einen bedeutenden Erfolg erzielt, zeigt der Verlust Neuöttings, dass die militärische Lage weiterhin unsicher bleibt. 

28. November 1705
Die Administration stellt ein Ende der Zwangsrekrutierungen in Aussicht

München * Auf Drängen der Landschaftsverordnung, der ständigen Vertretung der baierischen Landstände, sagt die Kaiserliche Administration zu, die Zwangsrekrutierungen einzustellen. Die Landschaftsverordnung distanziert sich zwar ausdrücklich vom Aufstand der Bauern, erkennt deren Beschwerden über Abgaben, Einquartierungen und gewaltsame Aushebungen jedoch als berechtigt an. 

Gegenüber dem Kaiser beklagt sie das seit Langem auf dem Land lastende Elend und wirbt für eine Verständigung zwischen der Obrigkeit und den Aufständischen. Die Zusage beruhigt die Lage allerdings nicht: Die Rekrutierungen enden vorerst nicht vollständig, und der bewaffnete Aufstand breitet sich weiter aus. 

29. November 1705
Der Aufstand beschäftigt den Immerwährenden Reichstag 

Regensburg * Die Nachrichten über die rasche Ausbreitung der baierischen Volkserhebung erreichen den Immerwährenden Reichstag. Die dort versammelten Gesandten der Reichsstände befassen sich besorgt mit dem „rebellischen Volk“ in Baiern. 

Damit wird der Aufstand auch zu einem reichspolitischen Thema. Die Unruhen gefährden nicht nur die kaiserliche Herrschaft im besetzten Kurfürstentum, sondern können auch die Kriegführung und die politische Ordnung im Heiligen Römischen Reich beeinträchtigen. 

 

Um den 1. Dezember 1705
De Wendt verstärkt sein Korps 

München * Oberst Freiherr Johann Baptist de Wendt verfügt inzwischen über rund 1.300 Soldaten, darunter etwa 400 Reiter. Mit diesem beweglichen und militärisch erfahrenen Verband kann die Kaiserliche Administration rasch gegen die nur unzureichend ausgebildeten und bewaffneten Aufständischen vorgehen. 

De Wendts Korps wird damit zu einem der wichtigsten Instrumente bei der militärischen Bekämpfung der baierischen Volkserhebung. 

Um den 2. Dezember 1705
Proteste gegen die Zwangsrekrutierungen erreichen Valley

Valley * In Valley kommt es zu offenen Unruhen gegen die gewaltsame Einziehung wehrfähiger Männer in die kaiserliche Armee. Die Bevölkerung widersetzt sich den Rekrutierungsmaßnahmen, durch die Familien ihre Söhne und bäuerliche Höfe dringend benötigte Arbeitskräfte verlieren. 

Die Tumulte zeigen, dass sich der Widerstand gegen die Kaiserliche Administration im Oberland weiter ausbreitet. 

4. Dezember 1705
Der Angriff auf München wird geplant

Braunau * Der frühere baierische Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs trifft in Braunau ein. Gemeinsam mit Georg Sebastian Plinganser entwirft er einen Plan, der die Erhebung auf weitere Landesteile ausweiten und schließlich zur Einnahme Münchens führen soll. 

Aufstände im Bayerischen Wald, an der unteren Isar und im Raum Kelheim sollen kaiserliche Truppen binden. Währenddessen soll das Unterländer Defensionsheer über Mühldorf und Ebersberg gegen die Hauptstadt vorrücken. Gleichzeitig sind unterstützende Angriffe aus den Gerichten nördlich und südlich von München vorgesehen. 

Der ehrgeizige Plan setzt auf ein abgestimmtes Vorgehen weit voneinander entfernter Aufstandsgruppen. Damit wird die Eroberung Münchens zum zentralen militärischen Ziel der Landesdefension. 

10. Dezember 1705
In Anzing beginnen Verhandlungen

Anzing * Gemäßigte Vertreter der Burghauser Aufständischen treffen unter Führung Franz Bernhard von Prielmayrs mit Abgesandten der baierischen Landschaft zusammen. Die Kaiserliche Administration stimmt den Verhandlungen im Anzinger Högerschlösschen zu. 

Die Delegierten suchen nach einer friedlichen Beilegung des Konflikts. Sie tragen die Beschwerden der Bevölkerung über Zwangsrekrutierungen, hohe Abgaben, Einquartierungen und Übergriffe der Besatzungstruppen vor.

Um den 10. Dezember 1705
Gerüchte über eine Verschleppung der Kurprinzen

München * In der Stadt verbreitet sich zunehmend das Gerücht, die in der Residenz lebenden Söhne des im Exil befindlichen Kurfürsten Max Emanuel sollten nach Österreich gebracht werden. Ein unmittelbar bevorstehender Abtransport lässt sich nicht belegen; Überlegungen zu einer Verlegung der Prinzen hat es innerhalb der Kaiserlichen Administration jedoch bereits gegeben. 

Die Nachricht verstärkt die Angst vor einem endgültigen Ende der wittelsbachischen Herrschaft. Die Aufstandsführung greift das Gerücht auf und nutzt es in den folgenden Tagen, um weitere Unterstützer für den geplanten Marsch auf München zu gewinnen. 

Um den 10. Dezember 1705
Das Landgericht Tölz wird für den Aufstand mobilisiert

Tölz * Die ehemaligen baierischen Leutnants Johann Georg Aberle und Johann Houis treffen in Tölz ein. Zu ihnen stößt Adam Schöttl aus Lenggries, genannt „Jägeradam“, der als Hofmarksjäger in Iffeldorf tätig ist. 

Gemeinsam mit dem Tölzer Pflegskommissär Joseph Ferdinand Dänkel werben sie im Landgericht für die Erhebung gegen die Kaiserliche Administration. Ihre militärische Erfahrung und ihre örtlichen Verbindungen bilden eine wichtige Grundlage für die Aufstellung der später nach München ziehenden Oberländer. 

11. Dezember 1705
Ein zehntägiger Waffenstillstand wird vereinbart 

 Anzing * Die Verhandlungen führen zu einer vorläufigen Einigung. Die Kaiserliche Administration stimmt einem zehntägigen Waffenstillstand mit den aufständischen Unterländern zu. Das Korps des Obersten Johann Baptist de Wendt soll sich zurückziehen, behält jedoch wichtige strategische Stellungen. 

Die Vereinbarung soll weitere Kämpfe verhindern und Zeit für Verhandlungen über die Beschwerden der Bevölkerung schaffen. Innerhalb der Aufstandsbewegung bleibt der Kompromiss allerdings umstritten. 

12. Dezember 1705
Der Waffenstillstand von Anzing tritt in Kraft

Anzing - Niederbaiern * Der zehntägige Waffenstillstand zwischen der Kaiserlichen Administration und den aufständischen Unterländern tritt in Kraft. Die Kampfhandlungen sollen ruhen, während beide Seiten nach einer Verständigung suchen. 

Die auf Konfrontation setzende Braunauer Gruppe um Georg Sebastian Plinganser und Matthias Ägidius Fuchs hält jedoch am geplanten Angriff auf München fest. Sie nutzt die Kampfpause, um weitere Gebiete zu mobilisieren und den Vormarsch auf die Hauptstadt vorzubereiten.

12. Dezember 1705
Die Administration bedroht auch die Familien der Aufständischen

München * Die Kaiserliche Administration erlässt ein Abmahnungsmandat gegen die Aufstandsbewegung. Es droht nicht nur den Aufständischen selbst, sondern auch ihren Familien mit staatlichen Strafen. Selbst Angehörige, die nicht persönlich an der Erhebung beteiligt sind, sollen damit für das Verhalten ihrer Verwandten haftbar gemacht werden. 

Durch diese Form der Kollektivhaftung versucht die Verwaltung, die Bevölkerung einzuschüchtern, den Aufständischen jede Unterstützung zu entziehen und ihre Bewegung gesellschaftlich zu isolieren. Am 19. Dezember werden die Drohungen in einem weiteren Mandat noch erheblich verschärft. 

12. Dezember 1705
De Wendt wird Stadtkommandant von München

Wasserburg - Burghausen - München * Die Kaiserliche Administration verstärkt die Besatzung Wasserburgs auf rund 1.700 Mann und überträgt Generalwachtmeister Georg Friedrich Freiherr von Kriechbaum den Oberbefehl. Mit den bisherigen Operationen des Obersten Johann Baptist de Wendt gegen die Aufständischen im Raum Burghausen ist die Verwaltung unzufrieden. 

De Wendt wird deshalb nach München zurückbeordert und zum Stadtkommandanten ernannt. Wenige Tage später übernimmt er eine entscheidende Rolle bei der Verteidigung der Hauptstadt gegen die anrückenden Oberländer. 

16. Dezember 1705
Ein Manifest begründet den Widerstand

Königsdorf * Die Münchner Wirte Johann Jäger, Johann Georg Küttler und Georg Hallmayr beraten mit Vertretern des Oberlands. Zu ihren Gesprächspartnern gehören Adam Schöttl, genannt „Jägeradam“, der Tölzer Weinwirt Franz Jäger sowie die Bierbrauer Michael Schaindl und Anton Fiechtner. 

Die Versammelten verständigen sich auf eine Begründung des Aufstands. Sie verweisen auf 

  • die hohen Steuern und Kriegsumlagen,
  • die Belastungen durch Einquartierungen und Übergriffe der Soldaten,
  • die vertragswidrige Besetzung des Rentamts München,
  • die Verweigerung der Rückkehr der Kurfürstin,
  • die Beschlagnahmung kurfürstlichen Eigentums sowie
  • die befürchtete Deportation der Prinzen. 

Die Besetzung des Rentamts München betrachten sie als Vertragsbruch. Weil sie von der Landschaftsvertretung keine ausreichende Hilfe erwarten, erklären sie die Vertreibung der kaiserlichen Verwaltung zum Ziel.

17. Dezember 1705
Die Unterländer setzen den Kampf fort 

Niederbaiern * Die Aufständischen unter Johannes Hoffmann erhalten weiteren Zulauf. Sie nehmen den Kampf gegen die kaiserlichen Truppen unter Oberst Johann Baptist de Wendt wieder auf und setzen sich damit über den in Anzing vereinbarten Waffenstillstand hinweg. 

Die Hoffnung auf einen militärischen Erfolg verdrängt die Aussicht auf eine Verhandlungslösung. 

18. Dezember 1705
Übertriebene Versprechen sollen zum Marsch auf München bewegen 

Tölz * Im Franziskanerkloster versammeln sich Beamte, Gemeindevertreter und Offiziere aus Tölz und den umliegenden Herrschaftsgebieten. Zu den Teilnehmern gehören der Valleyer Pflegskommissär Maximilian Alram und der ehemalige baierische Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs sowie mehrere Offiziere. 

Den Versammelten wird - auf Grundlage von Halbwahrheiten und maßlosen Übertreibungen - eröffnet, dass die kaiserliche Administration plane, die kurfürstlichen Prinzen aus München zu entführen. Daher bäten einige Adelige und die Münchner Bürgerschaft dringend darum, dass das Oberland zu den Waffen greife und die Kaiserlichen aus München vertreibe. Dabei werden folgende Behauptungen vorgebracht:

  • Aus dem Rentamt München stünden dafür 20.000 Mann bereit.
  • Aus dem Unterland erwarte man weitere 8.000 Mann. 
  • Die Münchner hätten zugesichert, die Aufständischen ohne den Verlust eines einzigen Mannes und ohne einen Schuss Pulver in die Stadt zu schleusen.
  • Den Beamten wird erklärt, dass der „Marsch nach München“ den Intentionen des Kurfürsten entspreche, was ein Schreiben vom 9. Dezember 1705 belege.
  • Für die Gerichte südlich von München wird ein allgemeiner Aufgebotsbefehl erlassen.

Anmerkung: Das Mandat des Kurfürsten Max Emanuel vom 9. Dezember 1705 war eine Fälschung, die vermutlich von der Braunauer Führungsgruppe um Matthias Plinganser angefertigt wurde. 

Fake News als politisches Mittel also schon seinerzeit. 

19. Dezember 1705
Die kaiserliche Verwaltung droht mit kollektiver Bestrafung

München * Die kaiserliche Administration fordert die Aufständischen zur Niederlegung ihrer Waffen und zur Anzeige ihrer Anführer auf. 

Wer weiter bewaffnet Widerstand leistet, muss mit Hinrichtung und dem Verlust seines Besitzes rechnen. Auch die Zerstörung von Dörfern, Höfen und Häusern wird angedroht. Die Drohungen richten sich ausdrücklich gegen Angehörige der Aufständischen. Selbst eine unter Zwang erfolgte Teilnahme soll nicht als Entschuldigung gelten. 

Das Mandat soll die Bevölkerung einschüchtern und den Aufstand von seiner Unterstützung in den Gemeinden abschneiden.

24. Dezember 1705
Die Unterländer bleiben östlich von München gebunden

Steinhöring - Anzing * Das unterländische Aufgebot unter Johannes Hoffmann steht im Raum östlich von München. Zeitgenössische und spätere Angaben beziffern seine Stärke auf bis zu 16.000 Mann; eine genaue Zahl ist nicht gesichert. 

Kaiserliche Truppen unter Generalwachtmeister Georg Friedrich von Kriechbaum müssen sich bis nach Anzing zurückziehen, stehen aber einem ungehinderten Vormarsch der Unterländer entgegen. Die erhoffte Vereinigung mit den Oberländern bleibt aus.

24. Dezember 1705
Die Masse der Oberländer trifft in Solln ein

Solln * Gegen 20 Uhr trifft die Masse der Oberländer in Solln ein. Zur gleichen Zeit nimmt die Schützenvorhut ein etwa 80 Mann starkes kaiserliches Reiterdetachement unter Beschuss. Die Kaiserlichen, die von Oberst de Wendt zur Aufklärung in Richtung Schäfftlarn geschickt worden waren, werden zwar verjagt, können aber trotzdem ausreichend Informationen sammeln. 

Der Starnberger Pfleger Johann Joseph Öttlinger verlässt nach der Schießerei in Solln die Aufständischen, begibt sich nach München und informiert den Kaiserlichen Administrator Maximilian Carl Graf von Löwenstein-Wertheim-Rochefort über die Unternehmung.  

Oberst Johann Baptist de Wendt leitet Sicherheitsmaßnahmen ein. Er ersucht das Korps Kriechbaum zum Rückmarsch nach München und macht in Aufrufen bekannt, dass „jede Unterstützung der Aufständischen durch die Einwohner Münchens mit dem Tode bestraft“ werden würde. 

24. Dezember 1705
Weitere bedenkliche Nachrichten aus München treffen ein

Solln * Am Abend treffen weitere bedenkliche Nachrichten aus München in Solln ein. Die Münchner Verschwörer raten den Aufständischen eindringlich, den Angriff abzubrechen, da die Kaiserlichen zu stark seien und die Münchner Bürgerschaft nichts unternehmen kann (will). 

Hauptmann Matthias Mayer gibt den Befehl zum Rückzug. Nach einer halben Stunde - bei Pullach - wird er auf Betreiben des „Jägeradam“ und der von ihm geführten Schützen aufgehalten und die Kolonne - unter tumultartigen Szenen - zum Umkehren bewegt. Dem sich weigernden Hauptmann Mayer wird daraufhin der Oberbefehl entzogen. Er selbst wird gefangen genommen. 

24. Dezember 1705
Der Angriff auf München wird vorbereitet

Thalkirchen - Untersendling * Gegen 22 Uhr erreicht der Tross Thalkirchen. Weil sich etwa 400 Bauern abgesetzt haben, ist die Abteilung auf rund 2.300 Kämpfer geschrumpft. Auch Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs und der Tölzer Weinwirt Franz Jäger, der Bruder des Münchner Jägerwirts haben das Aufgebot verlassen. 

In Thalkirchen wird unter der Leitung von Leutnant Johann Houis der Angriff auf München vorbereitet. Die verbliebene Streitmacht wird dazu in drei Gruppen aufgeteilt.

  • Die erste Gruppe mit 800 Mann, darunter der größte Teil der Schützen, soll unter der Führung von Leutnant Johann Georg Aberle den Roten Turm einnehmen und den Flussübergang sperren. 
  • Die zweite Gruppe mit ebenfalls 800 Männern, aus der Masse der Spießler und Stängler bestehend, soll unter der Leitung von Leutnant Johann Clanze gegenüber dem Angertor Stellung beziehen, um einen Ausbruch der Kaiserlichen zu verhindern. 
  • Der Rest, die am schlechtesten Bewaffneten, sowie die Reiterei und die Artillerie, etwa 700 Mann stark, sollen in dem nahe gelegenen Dorf Untersendling Stellung beziehen. 
  • Dieser Gruppe schließt sich auch die Führungsgruppe der Aufständischen an. Sie bezieht im dortigen Wirtshaus ihr Hauptquartier. 

Um Mitternacht treten die einzelnen Gruppen den „Marsch auf München“ an. 

25. Dezember 1705
Die Aufständischen besetzen den Roten Turm und die Isarbrücke

München * Gegen 1 Uhr besetzen die oberländischen Aufständischen den Roten Turm und die Isarbrücke. Die kaiserliche Besatzung vermeidet einen Kampf und zieht sich zum stärker befestigten Isartor zurück. 

Die gleichzeitig erwartete Erhebung der Münchner Bürgerschaft bleibt aus. Die kaiserlichen Truppen sind auf den Angriff gut vorbereitet und sichern die Zugänge zur Stadt. Trotz ihres ersten Erfolgs stehen die Oberländer damit weiterhin vor verschlossenen Toren.

25. Dezember 1705
Der Unterhändler wird abgewiesen

München - Untersendling * Die Anführer der Aufständischen schicken gegen 6 Uhr einen Tambour [= Trommler] als Unterhändler vor das Sendlinger Tor. Er soll die kaiserliche Verwaltung zur Übergabe Münchens auffordern. Die Verteidiger verweigern ihm jedoch das Gehör, sodass er unverrichteter Dinge zurückkehrt. 

Die führenden Beamten im Hauptquartier Untersendling betrachten das Unternehmen daraufhin als gescheitert und ziehen ab. Auch Hauptmann Jean Philipp Gauthier, Leutnant Johann Houis und der Tölzer Pflegskommissär Joseph Ferdinand Dänkel verlassen mit der gesamten Reiterei das Aufgebot. 

Von der in Untersendling versammelten Führung bleiben nur der Münchner Jägerwirt Johann Jäger, der Student Anton Passauer, Hauptmann Matthias Mayer und Landleutnant Heller bei den Oberländern zurück.

25. Dezember 1705
Kaiserliche Verstärkungen erreichen den Gasteig

München - Gasteig - Au * Gegen 7 Uhr trifft die vorausgeschickte kaiserliche Kavallerie unter Oberst Johann Graf von Eckh trifft am Gasteig ein. Da die Aufständischen die Isarbrücke versperren, weichen die Reiter in die Au aus und suchen beim Radlwirt eine Furt, um den Fluss zu überqueren. 

Wenig später erreicht auch die Infanterie unter Generalwachtmeister Georg Friedrich Freiherr von Kriechbaum den Gasteig. Vier Kanonen nehmen den von den Aufständischen besetzten Roten Turm unter Beschuss.

25. Dezember 1705
Kaiserlicher Gegenangriff am Isartor und am Roten Turm

München * Oberst Johann Baptist de Wendt befiehlt um 8 Uhr einen Ausfall aus dem Isartor. Die überraschten Oberländer weichen zurück. Ein Teil flieht ins Lehel und sucht dort Deckung. Unter den dort gefangenen 32 Aufständischen befindet sich Leutnant Johann Georg Aberle. Hofkoch Sebastian Engelhart und Adam Schöttl, genannt „Jägeradam“, können entkommen. 

  • Die etwa 100 Mann starke Besatzung des Roten Turms leistet erbitterten Widerstand, wird jedoch überwältigt und niedergemacht. 
  • Für die Kämpfe am Roten Turm und vor dem Isartor werden rund 400 getötete und 200 gefangene Aufständische genannt. Die genaue Verlustzahl bleibt unsicher.
25. Dezember 1705
Die Oberländer geraten zwischen zwei Angriffe

München - Untersendling * Oberst Johann Baptist de Wendt lässt gegen 8:30 Uhr die am Sendlinger Tor bereitstehende Kavallerie gegen die Abteilung Johann Clanzes vorgehen. Gleichzeitig verfolgt die Kompanie Lüttig vom Isartor aus die fliehenden Aufständischen vom Roten Turm. Die Oberländer werden dadurch von zwei Seiten angegriffen. 

Zusammen mit den Flüchtenden umfasst ihre Gruppe etwa 900 Mann. Nach den überlieferten Zahlen werden  

  • rund 200 getötet und 
  • weitere 200 gefangen genommen. 
  • Ungefähr 300 erreichen mit Clanze Untersendling; 
  • etwa 200 entkommen in Richtung Forstenrieder Wald und Thalkirchen. Diese Einzelzahlen sind als Näherungswerte zu verstehen. 

Inzwischen überquert auch die Reiterei unter Oberst Johann Graf von Eckh von der Au aus die Isar und verfolgt die Aufständischen nach Untersendling. Als die kaiserliche Führung von deren dortiger Stellung erfährt, rücken Generalwachtmeister Georg Friedrich von Kriechbaum und Oberst de Wendt mit fünf Infanteriebataillonen durch das Sendlinger Tor gegen das Dorf vor.

25. Dezember 1705
Kaiserliche Truppen töten entwaffnete Aufständische

Untersendling * Gegen 10 Uhr sind die verbliebenen Aufständischen vollständig eingeschlossen. Angesichts der anrückenden Kaiserlichen Armee ergreift der Student Anton Passauer die Flucht. Der Münchner Jägerwirt Johann Jäger zieht sich im Wirtshaus als Kranker ins Bett zurück. 

In dieser aussichtslosen Lage übernimmt Hauptmann Matthias Mayer erneut den Oberbefehl. Er versucht, das Leben der Eingeschlossenen zu retten, und lässt Chamade schlagen – ein Trommelsignal zur Aufnahme von Verhandlungen. Durch einen Trommler erklärt er gegenüber Generalwachtmeister Georg Friedrich von Kriechbaum die Bereitschaft, sich   zu ergeben. 

  • Zugleich bittet er um Schonung der Bauern. 
  • Kriechbaum fordert die Niederlegung der Waffen.

Als Mayer, Johann Clanze und Landleutnant Heller das Dorf verlassen, folgen ihnen zahlreiche Aufständische auf das freie Feld. Sie legen ihre Waffen nieder und bitten um Gnade. Dennoch greifen kaiserliche Reiter die Wehrlosen an und töten sie. Anschließend feuert die Infanterie mehrere Salven in die Menge. 

Überlebende und Flüchtende werden verfolgt und gnadenlos niedergemacht. Auch die Kirche und der Friedhof bieten keinen sicheren Schutz. Die militärische Niederlage endet in einem Massaker an bereits entwaffneten Männern.

25. Dezember 1705
Die Bilanz der Mordweihnacht: Rund 1.100 Aufständische sterben

Untersendling - München * Gegen 11 Uhr ist alles vorbei. Der Widerstand der Oberländer ist gebrochen. Kaiserliche Truppen machen noch 36 Gefangene und sammeln sechs Kanonen, drei Munitionswagen, fünf Fahnen, zwei Dragoner-Standarten und ein paar Pauken sowie 150 Pferde ein. 

Auf kaiserlicher Seite zählt man 40 Gefallene und Verletzte. Die Aufständischen aus dem Oberland müssen demgegenüber eine Vielzahl von Toten beklagen. 

  • Alleine in München werden 1.066 Oberländer beerdigt. 
  • Insgesamt sind es etwa 1.100 Tote aus Oberbaiern. 
  • 609 Aufständische werden verwundet, 
  • nur 107 werden unverletzt in Gefangenschaft gekommen. 

Die erhoffte Unterstützung durch die Münchner Bevölkerung bleibt während der Kämpfe aus. Unter den Strafandrohungen der kaiserlichen Verwaltung kommt es zu keiner Erhebung innerhalb der Stadt. 

Noch in der Nacht versichert der Stadtmagistrat der kaiserlichen Obrigkeit die untertänige Treue der Bürgerschaft. Die Aufständischen bezeichnet er abschätzig als „paurs rott“ – als Bauernrotte. Damit distanziert sich die städtische Führung ausdrücklich von dem niedergeschlagenen Aufstand.

8. Januar 1706
Das Massaker von Aidenbach besiegelt die Niederlage des Aufstands 

Aidenbach * Kaiserliche Truppen unter Generalwachtmeister Georg Friedrich von Kriechbaum schlagen das unterländische Aufgebot der baierischen Landesdefension. Der Widerstand bricht rasch zusammen. Zahlreiche Aufständische fliehen in die umliegenden Wälder und über die Felder, während sich ihr Kommandant und weitere Offiziere zu Pferd absetzen. 

Kaiserliche Soldaten verfolgen die Flüchtenden und töten viele von ihnen. Einige Aufständische suchen Schutz in Bauernhäusern und leisten dort vereinzelt Widerstand. Die Soldaten setzen die Gebäude in Brand und töten auch Menschen, die den Flammen zu entkommen versuchen. 

Diese Vorgänge schildert selbst der kaiserliche Hofkriegs- und Kammerrat Freiherr von Gemmel. Sein Bericht dokumentiert die Gewalt, rechtfertigt sie jedoch zugleich als Vorgehen gegen vermeintlich unrechtmäßige „Rebellen“. 

Die genaue Zahl der Opfer bleibt ungeklärt. Häufig werden etwa 2.000 bis 3.000 getötete Aufständische genannt; Gemmel schätzt die Zahl auf nahezu 4.000. Eine verlässliche Zählung liegt nicht vor. Damit fordert Aidenbach wahrscheinlich deutlich mehr Menschenleben als die Sendlinger Mordweihnacht. 

Die Niederlage bricht die militärische Widerstandskraft der Aufstandsbewegung. In den folgenden Tagen kapitulieren auch ihre verbliebenen städtischen Stützpunkte.

11. Januar 1706
Die Aufständischen suchen Friedensverhandlungen 

Braunau - Salzburg * Nach der verheerenden Niederlage bei Aidenbach entsendet der Landesdefensionskongress eine Delegation nach Salzburg. Sie soll den Fürsterzbischof um Vermittlung bei Friedensverhandlungen mit der kaiserlichen Seite bitten. Der Aufstand verliert inzwischen seine militärische Grundlage. Die Vertreter hoffen, durch Verhandlungen die Übergabe der noch gehaltenen Städte und das Schicksal der Beteiligten beeinflussen zu können. 

14. Januar 1706
Schärding fällt wieder an die Kaiserlichen 

Schärding * Nach der Niederlage der Aufständischen bei Aidenbach rücken kaiserliche Truppen unter General Georg Friedrich von Kriechbaum auf Schärding vor. Die bewaffneten Bauern verlassen die Stadt vor ihrer Ankunft. Bürgermeister und Rat übergeben den Kaiserlichen die Stadtschlüssel; die Bürger legen ihre Waffen nieder. Damit endet die Herrschaft der Aufständischen in Schärding.

16. Januar 1706
Löwenstein meldet die Niederschlagung des Aufstands

München - Wien * Der kaiserliche Landesadministrator Maximilian Carl von Löwenstein-Wertheim-Rochefort berichtet Kaiser Joseph I. über die Niederschlagung des baierischen Aufstands. Bei Sendling und Aidenbach, bei der Rückeroberung von Kelheim und Vilshofen sowie in weiteren Kämpfen seien nach seiner Darstellung „gegen 10.000 Mann massakriert worden“. Die Aufständischen hätten nun kein kampffähiges Heer mehr. 

Die Zahl von 10.000 ist Löwensteins Angabe, keine gesicherte Zahl der Getöteten. Das Wort „massakriert“ stammt aus seinem Bericht und macht deutlich, wie er selbst die Gewalt beschreibt.

8. Mai 1706
Die vier älteren baierischen Prinzen werden nach Klagenfurt gebracht 

München - Klagenfurt * Die kaiserliche Verwaltung lässt die vier älteren Söhne Max Emanuels aus Baiern fortbringen: Karl Albrecht, Philipp Moritz, Ferdinand Maria Innozenz und Clemens August. Den Kindern wird zunächst eine kurze Reise in Aussicht gestellt. Tatsächlich führt sie ein bewachter Geleitzug nach Klagenfurt, wo sie am 10. Juni eintreffen. So sollen sie dem Zugriff ihrer im Exil lebenden Eltern entzogen und unter kaiserlicher Aufsicht gehalten werden. 

10. Mai 1706
Die Reichsacht über Max Emanuel wird in München verkündet 

München * Ein kaiserlicher Herold verkündet auf dem Schrannenmarkt öffentlich die Reichsacht über Kurfürst Max Emanuel. Das Achtpatent erklärt ihn für friedlos und entzieht ihm den Schutz des Reiches. Der Kaiser hat die Acht bereits am 29. April in Wien verhängt; nun wird sie auch in der baierischen Hauptstadt bekannt gemacht. 

Spätestens im Januar 1708
Viscardi erhält den Titel eines kaiserlichen Hofbaumeisters 

München - Freystadt * Giovanni Antonio Viscardi führt spätestens seit Januar den Titel „kayserlicher Hofpaumeister“. Bereits 1706 hat ihn die Kaiserliche Administration zum baierischen Oberhofbaumeister ernannt. Der neue Titel bedeutet eine außergewöhnliche Anerkennung für den Architekten, zu dessen bedeutendsten Werken die noch im Bau befindliche Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Freystadt gehört.

1709
Der Bürgersaal entsteht nach Plänen Viscardis 

München-Kreuzviertel * Die Marianische Männerkongregation „Mariä Verkündigung“, die von Jesuiten geistlich betreut wird, lässt an der Neuhauser Straße einen eigenen Bet- und Versammlungssaal errichten. Giovanni Antonio Viscardi entwirft den rund 46 Meter langen Saalbau; Stadtmaurermeister Johann Georg Ettenhofer führt die Arbeiten aus. Der Bau wird 1710 vollendet.  

Zu dieser Zeit ist das Gebäude noch keine Kirche. Erst 1778 wird der Bürgersaal geweiht und seitdem auch als Bürgersaalkirche bezeichnet. Die Kaiserliche Administration hat Viscardi 1706 zum Oberhofbaumeister erhoben; ein unmittelbarer Einfluss der Besatzungsmacht auf die Gestaltung des von der Bürgerkongregation beauftragten Saals ist jedoch nicht belegt. 

Nach dem 11. September 1709
Max Emanuel zieht sich nach Frankreich zurück 

Spanische Niederlande - Compiègne * Die französische Armee verliert am 11. September 1709 die Schlacht bei Malplaquet. Für Kurfürst Max Emanuel verschlechtert sich damit auch die Lage in den Spanischen Niederlanden, wo er sich als Statthalter nicht mehr behaupten kann. Er zieht sich nach Frankreich zurück; König Ludwig XIV. weist ihm ein Schloss in Compiègne als Aufenthaltsort zu. Baiern bleibt währenddessen unter kaiserlicher Verwaltung. 

17. Oktober 1709
Die Straubinger Dreifaltigkeitssäule wird eingeweiht 

Straubing * Auf dem heutigen Theresienplatz wird die barocke Dreifaltigkeitssäule feierlich eingeweiht. Das etwa 15 Meter hohe Denkmal erfüllt ein Gelübde, das Regierung, Stiftskapitel, Stadtmagistrat und Bürgerschaft während der Kriegsgefahr im August 1704 abgelegt haben. Sie versprachen die Errichtung einer steinernen Ehrensäule, falls Straubing von den Folgen der Belagerung weitgehend verschont bleibt. 

Die Säule entsteht nach einem Entwurf des Bogener Bildhauers Johann Gottfried Frisch – während Straubing weiterhin unter österreichischer Besatzung steht und das Kurfürstentum von der Kaiserlichen Administration regiert wird. 

4. Januar 1710
Die Münchner bitten um Erlaubnis für den Bau der Dreifaltigkeitskirche 

München-Kreuzviertel * In München wird die Kaiserliche Administration um Erlaubnis gebeten, eine Dreifaltigkeitskirche zu errichten. Damit soll das Gelübde eingelöst werden, das Vertreter von Adel, Geistlichkeit und Bürgerschaft 1704 angesichts des Spanischen Erbfolgekriegs abgelegt haben. Über den Antrag und die weiteren Schritte zum Kirchenbau müssen sich die Münchner nun mit der kaiserlichen Verwaltung verständigen. Der Bau beginnt 1711.

8. Januar 1710
Kaiser Joseph I. unterstützt den geplanten Kirchenbau 

München - Wien * Die Kaiserliche Administration unterrichtet Kaiser Joseph I. über den Wunsch der Münchner, die gelobte Dreifaltigkeitskirche zu bauen. Der Kaiser zeigt Interesse an dem Vorhaben, stellt die Entsendung von Vertretern zu den Beratungen in Aussicht und kündigt finanzielle sowie materielle Unterstützung an. Die in München ansässige Administration übernimmt die Abstimmung zwischen dem kaiserlichen Hof, der Stadt, der Landschaft und den kirchlichen Stellen. 

1711
Die Isarkaserne entsteht auf der Kohleninsel 

München-Isarvorstadt * Auf dem südlichen Teil der späteren Kohleninsel entsteht eine Kaserne für die Kavallerie. Sie wird auch „Isarwörthkaserne“ genannt. Den Bau veranlasst die kaiserliche Verwaltung, da ich Kurfürst Max Emanuel nach seiner Niederlage im Spanischen Erbfolgekrieg im französischen Exil befindet, während kaiserliche Truppen Baiern besetzt halten. Die Kaserne soll die Einquartierung von Soldaten in Münchner Bürgerhäusern verringern. Der Adel, der fürstliche Hof und der Klerus sind von diesen Belastungen befreit. 

Während der Besatzungszeit sind durchschnittlich rund 3.000 Soldaten in München einquartiert. 

1712
Die kurbaierischen Prinzen werden nach Graz verlegt 

Klagenfurt - Graz - München * Kaiser Carl VI. lässt die vier seit 1706 in Klagenfurt untergebrachten Söhne Kurfürst Max Emanuels nach Graz verlegen: Carl Albrecht, Philipp Moritz, Ferdinand Maria Innozenz und Clemens August. Auch ihr jüngerer Bruder Johann Theodor wird aus München dorthin gebracht. Die Prinzen erhalten in Graz einen eigenen Hofstaat und bleiben unter kaiserlicher Aufsicht. Ihre Schwester Maria Anna Karoline bleibt in München; der jüngste Bruder Maximilian Emanuel Thomas ist bereits 1709 gestorben. 

20. Februar 1714
Max Emanuel erneuert sein Bündnis mit Frankreich 

Frankreich - Baiern * Kurfürst Max Emanuel schließt mit König Ludwig XIV. einen Subsidien- und Freundschaftsvertrag. Frankreich sagt ihm damit weiterhin finanzielle Unterstützung zu. Der Vertrag stärkt Max Emanuels Stellung im Exil und erleichtert seine bevorstehende Rückkehr nach Baiern. Noch steht das Kurfürstentum unter kaiserlicher Verwaltung. 

7. September 1714
Der Friede von Baden schließt den Frieden mit dem Reich 

Baden im Aargau * Frankreich und das Heilige Römische Reich schließen Frieden. Der Vertrag bestätigt im Wesentlichen die Vereinbarungen von Rastatt und erweitert den Friedensschluss auf das Reich. Er gehört zu den Verträgen, die den Spanischen Erbfolgekrieg beenden.  

Max Emanuels Wiedereinsetzung in seine Länder und Würden ist bereits im Frieden von Rastatt vereinbart. Die kaiserliche Verwaltung zieht sich nicht schon am 7. September aus Baiern zurück; die Übergabe und Max Emanuels Heimkehr erfolgen erst danach. 

8. April 1715
Die kurfürstliche Familie trifft sich in Lichtenberg wieder 

Schloss Lichtenberg bei Landsberg am Lech * Nach jahrelanger Trennung sieht Kurfürst Max Emanuel seine Gemahlin Therese Kunigunde und ihre sechs Kinder wieder. Die Kurfürstin kehrt aus dem Exil in Venedig zurück. Vier der Söhne haben die Kriegsjahre in kaiserlicher Obhut in Klagenfurt und Graz verbracht; die Tochter und der jüngere Sohn sind in München geblieben. 

Nach dem 11. April 1715
Max Emanuel ordnet die Ausweisung von Juden an 

München - Kurfürstentum Baiern * Nach seiner Rückkehr nach München ordnet Kurfürst Max Emanuel an, die im Land lebenden Juden auszuweisen. Er knüpft damit an eine seit dem 15. Jahrhundert betriebene Politik der Vertreibung und Ausgrenzung an. Die Anordnung steht im Widerspruch zu Aufenthaltszusagen, die Vertreter der baierischen Landstände nach einer Münchner Chronik jüdischen Geldgebern während der kaiserlichen Besatzung bis zur Rückzahlung ihrer Darlehen gemacht haben. Für einzelne jüdische Hoffaktoren, die den Hof mit Krediten und Waren versorgen, gelten später Ausnahmen vom Aufenthaltsverbot. 

Ab Mai 1715
Max Emanuel begnadigt frühere Anführer des Volksaufstands 

München - Kurfürstentum Baiern * Kurfürst Max Emanuel begnadigt einen Großteil der noch lebenden Anführer des baierischen Volksaufstands von 1705, die unter der kaiserlichen Verwaltung bestraft worden sind. Ehemalige Amtsträger setzt er wieder in ihre Ämter ein. Der Aufstand gegen die kaiserliche Besatzung war Ende 1705 blutig niedergeschlagen worden. 

  • Ignaz Haid kommt wieder in Freiheit
  • Hauptmann Matthias Mayer wird „ehrlich“ gesprochen und wieder in die baierische Armee aufgenommen. 
1. Dezember 1721
Clemens August soll Nachfolger auf dem Kölner Bischofsstuhl werden

Köln * Kölns Kurfürst Joseph Clemens schlägt seinen Neffen Clemens August zu seinem Nachfolger auf dem Kölner Bischofsstuhl vor. 

Mit Blick auf die Jugend und die fehlende Erfahrung in Regierungsangelegenheiten gibt es Unstimmigkeiten aus dem kaiserlichen Wien. Man gibt dem 21-jährigen Bewerber zu verstehen, dass er im Falle des Regierungsanttritts in Köln auf mindestens eines der beiden Bistümer (Freising oder Regensburg) verzichten muss.

1729
Die Kreuzigungsgruppe am Gasteig als 100-Dukaten-Strafe

München - Haidhausen * Der Münchner Weinwirt Hillebrand erhält eine 100-Dukaten-Strafe, weil er in seinem Haus den Kaiserlichen und Königlichen jüdischen Hoffaktor Wertheimer das Laubhüttenfest fast öffentlich hat feiern lassen. Davon werden die zwei Marmorfiguren der Muttergottes und des Apostels Johannes für die Kreuzigungsgruppe am Gasteig angefertigt.

24. Januar 1742
Das Wittelsbacher Wappen auf der Brust des Reichsadlers 

Frankfurt am Main - Baiern * Der baierische Kurfürst Carl Albrecht wird als Carl VII. zum römisch-deutschen Kaiser gewählt. In seinem kaiserlichen Wappen trägt der Doppeladler des Heiligen Römischen Reichs das Wittelsbacher Wappen auf der Brust. Über den beiden Adlerköpfen schwebt die Kaiserkrone. 

Carl VII. bleibt bis zu seinem Tod am 20. Januar 1745 im Amt.

18. August 1796
München wird von allen Seiten belagert

München * Die französischen Revolutionstruppen unter Jean-Victor Moreau nehmen München ein und besetzten das linke Isarufer. Der französische Befehlshaber Moreau gibt der Münchner Stadtbevölkerung die Zusage, dass die Stadt verschont bleibt. Zum Ausgleich plündern sie allerdings die umliegenden Dörfer.  

Als Verteidiger belagern die Kaiserlichen und die Condéer das rechtsseitige Isarhochufer. Die Kämpfe dauern bis zum 8. September. Durch einen - von den Österreichern verursachten - Brand wird die Häuserzeile in der Kirchenstraße, vom Hofmarkschloss bis zum Mesmerhaus, in Schutt und Asche gelegt. Den geschundenen Vorstädtern ist es freilich vollkommen egal, ob sie ein Condéer terrorisiert, ein Österreicher drangsaliert oder ein Franzose ausplündert. 

8. September 1796
Die Kämpfe um die Isarbrücke gehen weiter

München * Die Kämpfe um die Isarbrücke zwischen den französischen Revolutionstruppen und den Kaiserlichen gehen weiter. Die österreichische Armee schießt vom Isarhochufer auf München. Dabei erhält die Peterskirche zwei Treffer. 

Auch einige Holzstöße im Lehel, hinter denen sich die Franzosen verschanzen, werden durch den Schusswechsel in Brand gesetzt. Das Feuer breitet sich auf benachbarte Gebäude und den durch Kanonenbeschuss bereits beschädigten Roten Turm aus - und zerstört ihn endgültig.

11. September 1796
Enteignungsmaßnahmen für die Rumfordstraße

München * Noch vor dem Abzug der französischen Revolutionsarmee und dem Kaiserlichen Heer lässt sich Reichsgraf von Rumford vom Landesdirektorium für die notwendigen Gegenmaßnahmen für rasche Truppendurchzüge ermächtigen. Gleichzeitig wird eine Kommission zur finanziellen Entschädigung der enteigneten Grundstücksbesitzer gebildet.

13. Februar 1799
Die Kurfürstin unterstützt das Haus Wittelsbach-Zweibrücken

München-Graggenau * Der Vertreter des kaiserlichen Hauses, Joseph Anton August Graf von Seilern, eilt mit einem unterschriftsreifen „Tauschvertrag“ ans Sterbebett von Carl Theodor, um von dem Baiernherrscher in einem günstigen Moment doch noch die begehrte Unterschrift zu erhalten. Es ist die Kurfürstin, die ihn persönlich daran hindert, das Krankenzimmer zu betreten.

Im Gegensatz dazu führt Maria Leopoldine Herzog Wilhelm von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen, der die Interessen von Pfalz-Zweibrücken vertritt, sofort in das Gemach des sterbenden Kurfürsten Carl Theodor. 

16. Februar 1799
Kurfürst Carl Theodor stirbt

München-Graggenau * Kurfürst Carl Theodor erliegt am Abend seinem am 12. Februar erlittenen Schlaganfall. Herzog Wilhelm von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen wohnt als Zeuge dem Tod des pfalz-baierischen Regenten bei.

Protokollarisch wird die 22-jährige Kurfürstin-Witwe von Herzog Wilhelm und vom Vertreter des kaiserlichen Hauses, Joseph Anton August Graf von Seilern, befragt, ob sie ein Kind vom verstorbenen Kurfürsten erwartet. Maria Leopoldine antwortet daraufhin mit einem klaren „Nein!“. Mit dieser Aussage entzieht sie den Österreichern die Gelegenheit, Baiern auf friedlichem Weg an sich zu ziehen.

Bei den Münchnern ruft das Ableben des Kurfürsten keine allzu große Trauerstimmung hervor. Im Gegenteil, als sich die Trauernachricht verbreitet, „frohlockte alles, und jeder wünschte dem anderen Glück“, schreibt Lorenz von Westenrieder.

Carl Theodors Nachfolger auf dem baierischen Thron wird Kurfürst Max IV. Joseph aus der wittelsbachischen Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld, von dem sich die Baiern eine ganze Menge erwarten und der unter dem Jubel der Bevölkerung in München einzieht. 

Um den 3. Juli 1800
Dankadresse von der baierischen Nation an Max Joseph IV.

München * Nach der Flucht des Kurfürsten Max IV. Joseph findet sich in einer weit verbreiteten Broschüre mit dem Titel: „Dankadresse von der baierischen Nation an Max Joseph IV.“ eine spöttische Kommentierung dieser Situation. Darin wird als größte Wohltat des Kurfürsten seine „Flucht aus München“ gepriesen, da er dadurch „die Stadt und das ganze Land der französischen Großmut preisgegeben und die Untertanen vollends überzeugt habe, dass sie sich auch ohne Fürsten und Militär selbst zu verteidigen, zu regieren und die Gefahren, in der sie ihr vielgeliebter Regent versetzt hat, mit männlicher Klugheit abzuwenden wissen“. Der Text will die Baiern in Stadt und Land davon überzeugen,  

  • dass die Nation reif ist für eine republikanische Staatsform nach französischem Muster und  
  • dass der Kurfürst als Oberhaupt des Staatswesen absolut entbehrlich sei.  

Freilich gibt es auch Stimmen gegen die Härten, die die französischen Einquartierungen mit sich bringen. Doch es herrscht eine grundsätzliche Sympathie für die Franzosen und das republikanische Frankreich.

Die Verantwortung für die unerquickliche Lage lastet man jedenfalls weniger den französischen Besatzungstruppen, als vielmehr dem geflüchteten Kurfürsten Max IV. Joseph und seiner verfehlten Politik an, mit der er Baiern im kaiserlichen Lager festhält. Selbst regierungstreue Münchner sehen sich durch die republikanischen Soldaten immer noch besser behandelt als durch die verbündeten Österreicher. 

8. September 1800
Marschall Moreau kündigt den Waffenstillstand von Parsdorf

München * General Jean-Victor-Marie Moreau kündigt den Waffenstillstand von Parsdorf. Nun sammeln sich in München erneut die französischen Truppen. Da die Kasernen sofort voll sind, quartiert man die Mannschaften im kurfürstlichen Seidenhaus, im ehemaligen Jesuiten-Seminar und in den Klöstern der Franziskaner, Theatiner und Karmeliter ein.

Neben den Besatzungssoldaten bevölkern auch zunehmend immer mehr Deserteure der kaiserlichen Armee die Stadt. Auch pfalz-baierische Soldaten, die sich schlecht behandelt fühlen und aus diesem Grund nicht mehr unter österreichischem Befehl kämpfen wollen, laufen den Kaiserlichen reihenweise davon. Zeitweise halten sich etwa 500 dieser Fahnenflüchtigen in München auf. 

3. Dezember 1800
In der Schlacht von Hohenlinden vernichtend geschlagen

Hohenlinden * In Hohenlinden stehen sich 60.000 Österreicher - samt den zwangsverbündeten Baiern - 56.000 französischen Soldaten gegenüber. Bei Schneetreiben und kaltem Wind besiegen die Franzosen unter Marschall Jean-Victor-Marie Moreau in der Schlacht von Hohenlinden die kaiserliche Armee unter der Führung von Erzherzog Johann vernichtend. 

3. Dezember 1800
Falsche Siegesmeldungen aus Hohenlinden

München * Da sich in München zunächst die Nachricht verbreitet, die Österreicher hätten in der Schlacht in Hohenlinden gewonnen, macht sich die Angst breit, nun könnten die zurückgebliebenen französischen Truppenteile Verteidigungsmaßnahmen ergreifen, die sich für die Stadt als gefährlich erweisen würden.

Um ihn davon abzubringen, bietet man dem Platzkommandanten Briant 100 Luisdors an. Briant lehnte das Ansinnen ab, weil diese Summe für einen Platzkommandanten zu „unwürdig“ sei, mit 200 Luisdors wäre er allerdings schon einverstanden gewesen. Der Magistrat lässt ihm daraufhin den Betrag überreichen. Erst später verbreitet sich die Siegesmeldung der Franzosen. 

Anschließend ziehen sich die Österreicher hinter ihre Grenze zurück. Die Baiern haben dagegen die Franzosen als Besatzungsmacht im Land und müssen sechs Millionen Gulden Kontribution, die Staatseinnahmen eines Jahres, zahlen.

Die Landschaft verlangt daraufhin, dass das Kurfürstentum Baiern kein Bündnis gegen Frankreich mehr eingehen dürfe. Ein politisches Zusammengehen mit Österreich ist somit für die nächsten Jahre ausgeschlossen. 

11. August 1804
Kaiser Franz erhebt sich zum Doppel-Kaiser

Wien * Der deutsch-römische Kaiser Franz II. nimmt - ohne Rücksprache mit den Reichsfürsten und unter Bruch der Reichsverfassung - als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich an. Damit ändert er auch seinen Namen in Franz I. Joseph Karl.

Gleichzeitig gliedert er seinem Kaiserreich sämtlichen Reichsbesitz ein, über den er ohne Zustimmung des Reichstags eigentlich gar nicht hätte verfügen dürfen.

Seine Absicht ist, seine kaiserliche Hausmacht zu erhalten und auch im Fall des Untergangs des alten Reichs die Ranggleichheit mit Napoleon Bonaparte zu wahren. Den Titel des Erwählten Römischen Kaisers trägt er unabhängig davon bis zum 6. August 1806. 

25. August 1805
Geheimverhandlungen im Bogenhausener Schloss Stepperg

Bogenhausen * Angesichts des heraufziehenden Dritten Koalitionskriegs erneuern Baiern und Frankreich ihr Bündnis im Vertrag von Bogenhausen. Ort der Verhandlungen ist Schloss Stepperg, das Minister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas als Landsitz nutzt. 

Die Geheimverhandlungen zwischen dem französischen Abgesandten und Minister Montgelas werden mit einem baierischen Bündniswechsel zu Frankreich in einem vorläufigen Vertrag abgeschlossen. Er beendet die Koalition mit Österreich und Russland. Napoleon sagt Baiern weitere Gebietszuwächse im Falle eines Sieges zu. Dafür verpflichtet sich das Kurfürstentum Baiern zur Stellung von 20.000 Mann.

Neben Baiern schließt Napoleon Verträge mit weiteren süddeutschen Mitgliedern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Seine Verbündeten werden Baiern, Württemberg, Baden und Hanau. Napoleon Bonaparte schließt mit diesen die Verträge von Bogenhausen, Baden-Baden und Ludwigsburg.

Die baierische Regierung erhofft sich nach den Erfahrungen der beiden letzten Kriege von Frankreich eine wesentlich bessere Behandlung als von den kaiserlichen Österreichern. Um aber die Österreicher nicht unnötig herauszufordern, wird das Bündnis mit Frankreich zunächst noch geheim gehalten. Die baierische Abneigung gegenüber Österreich soll sich jedoch bald bestätigen. 

6. September 1805
Die österreichische Armee belagert Schloss Nymphenburg

Schloss Nymphenburg * Einhundert österreichische Husaren und Dragoner umzingeln - unter der Leitung des kaiserlichen Feldmarschalls Carl Philipp Fürst zu Schwarzenberg - Schloss Nymphenburg. Sie nötigen den sich dort aufhaltenden Kurfürsten Max IV. Joseph „ultimativ“ zum Eintritt in die antifranzösische Koalition. Zur Unterstreichung seiner Forderung lässt der Feldmarschall das Schloss umstellen und von München abriegeln, worüber die baierische Bevölkerung entsetzt ist.

Offensichtlich will der Kurfürst, der den Vertrag von Bogenhausen noch nicht unterschrieben hat, schon dem österreichischen Drängen nachgeben, als Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas ernsthaft mit seinem Rücktritt vom Amt des Außenministers droht. Dem Kurfürsten und seinem leitenden Minister gelingt es immerhin, die Verhandlungen mit dem österreichischen Bevollmächtigten zu verzögern und die Österreicher über die baierischen Absichten bis zum 9. September im Unklaren zu lassen. 

Unter dem Vorwand, den gerade in Frankreich weilenden Kronprinzen Ludwig nicht zu gefährden, erzielt Max IV. Joseph einen Zeitaufschub. Bis dahin hat die kurfürstliche Familie die Haupt- und Residenzstadt München heimlich in Richtung Würzburg verlassen. Auch die baierische Armee war inzwischen in Franken und in der Oberpfalz zusammengezogen worden. 

5. Dezember 1805
Kaiserin Joséphine trifft mit großem Gefolge in München ein

München * Frankreichs Kaiserin Joséphine trifft mit großem Gefolge in München ein. Sie bezieht die Steinzimmer der Residenz und bemüht sich im Interesse der Bündnispolitik Frankreichs erfolgreich um die Sympathien des kurfürstlichen Hofes und der Bevölkerung der Landeshauptstadt.

Die kaiserliche Gefolgschaft erregt gerade aufgrund ihrer prächtigen Ausstattung großes Aufsehen. Wegen des ungünstigen Münchner Wetters erkranken in den darauf folgenden Tagen viele der kaiserliche Hofdamen. 

2. Januar 1806
Ein Militärspektakel mit erbeuteten Waffen

München * Ein ursprünglich für den Neujahrstag geplantes Militärspektakel muss wegen der Königsproklamation auf den 2. Januar verlegt werden.

Dabei werden Kanonen, Gewehre und Fahnen präsentiert, die einst von kaiserlichen Soldaten als Trophäen nach Wien gebracht und nun von Napoleon als Zeichen der Verbindung von Frankreich und Baiern sowie der gemeinsamen Abgrenzung gegenüber Österreich im Triumph zurückgeführt worden waren. 

28. Oktober 1809
Im Frieden von Schönbrunn wird Tirols Baiern überlassen

Tirol * Erzherzog Johann unterrichtet im Auftrag seines kaiserlichen Bruders die Tiroler Freunde über den Frieden von Schönbrunn und der Überlassung Tirols an Baiern. Der Tiroler Oberkommandant Andreas Hofer will daraufhin nach Innsbruck fahren und mit dem baierischen Kronprinzen Ludwig I. verhandeln. 

Da erscheint der Kapuzinermönch Joachim Haspinger, genannt „Pater Rotbart“, der Hofer - mit seiner Redekunst, aber auch mit Lügen - umstimmen will. Und der der Geistlichkeit hörige Andreas Hofer lässt sich umstimmen. Erzherzog Johann informiert auch den Südtiroler Josef Giovanelli über den Frieden von Schönbrunn. Daraufhin machen sich viele Aufständische auf den Nachhauseweg.

3. März 1848
Staatskanzler Metternich flieht nach England

Budapest - Wien * Der Landtagsabgeordnete Lajos Kossuth hält im ungarischen Reichstag eine Rede, in der er mehr Souveränität für Ungarn fordert. Er greift in seinem Vortrag das Metternich-Regime scharf an und verlangt eine umfassende Reform der Habsburger Monarchie. Die Rede löst begeisterte Zustimmung in den Oppositionskreisen des österreichischen Kaiserreichs aus und gibt den Anstoß zur Wiener Märzrevolution.

Staatskanzler Klemens Wenzel Fürst von Metternich verliert daraufhin seinen Rückhalt am kaiserlichen Hof, sieht sich zum Rücktritt gezwungen und flieht nach England. Die Pressefreiheit wird eingeführt und eine Verfassung versprochen. Bis zum 15. März 1848 sind in Wien die zentralen Forderungen der Revolution durchgesetzt. 

18. August 1853
Kaiser Franz Joseph I. und Herzogin Elisabeth „Sisi“ verloben sich

Wien - München * An seinem 23. Geburtstag hält der österreichisch-ungarische Kaiser Franz Joseph I. um die Hand seiner Cousine Herzogin Elisabeth „Sisi“ in Bayern an. In der Überzeugung „einem Kaiser von Österreich gibt man keinen Korb“ stimmt das herzogliche Haus der Verlobung zu. Herzog Max in Bayern und die kaiserliche Administration einigen sich auf eine Mitgift in Höhe von 50.000 Gulden, dazu Kleider und Schmuck.

18. Januar 1871
Otto von Bismarck fällt ein Stein vom Herzen

Versailles • Um 12 Uhr beginnt die Zeremonie der Kaiserproklamierung im prachtvollen Schloss des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV.. Nach einer kurzen Rede Wilhelms I., in der er die Kaiserwürde annimmt, verliest Reichskanzler Otto von Bismarck die Proklamation. Dann wird es spannend. Der Großherzog von Baden tritt nach vorne und ruft: „Seine Kaiserliche und Königliche Majestät, Kaiser Wilhelm, lebe hoch! Hoch! Hoch!“ Eine elegante Lösung. Otto von Bismarck fällt ein Stein vom Herzen. 

Gleichzeitig wird auch das Zweite Kaiserreich gebildet und ausgerufen. 

28. März 1884
Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft wird gegründet

Berlin * Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft wird gegründet, um eine deutsche Ackerbau- und Handelskolonien in Übersee zu errichten. Die deutsche Reichsregierung steht dem Projekt von Anfang an ablehnend gegenüber. Reichskanzler Otto von Bismarck spricht über das, was Peters der Regierung vorlegt abschätzig: „ein Stück Papier mit Neger-Kreuzen drunter“.

Nachdem aber Carl Peters damit drohte, das Land an König Leopold von Belgien zu geben, lenkt Bismarck ein und lässt einen kaiserlichen Schutzbrief für die Erwerbungen der Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft ausstellen. Damit ist der Grundstein für die spätere Kolonie Deutsch-Ostafrika gelegt. 

26. Juni 1887
Ein Festzug zur Einweihung eines Kriegerdenkmals in Tölz

Tölz * Die Marktgemeinde Tölz hat „zur Erinnerung an die Gefallenen des Krieges gegen Frankreich 1870/71“ ein Kriegerdenkmal errichtet. Dazu wird die Figur des Kaiserlichen Feldhauptmanns und Herzoglichen Pflegers zu Tölz“ Kaspar Winzer, verwendet werden. 

Als besonderen Glanzpunkt der Enthüllungsfeier und des dazugehörigen Festzugs wird der „Einzug des Feldobersten Kaspar von Winzer zu Roß an der Spitze seiner Landsknechte, Hackenschützen und Hellbeardierer in Tölz nach der Siegeschlacht von Pavia 1525“ nachgestellt. Der Münchner Restaurator Karl Joseph Zwerschina gewinnt dazu Freunde und Kollegen, die in den Kostümen nicht nur eine „gute Figur“ machen, sondern sich auch in ihre Rollen hinein leben. Sie nennen sich „Winzerer Fähndl“.

Mai 1894
Kaiser Wilhelm II. tritt Adolf Friedrich von Schacks Erbe an

München-Maxvorstadt * Kaiser Wilhelm II. tritt Adolf Friedrich von Schacks Erbe an. Der Nachlass soll aber in München bleiben. Das ist keineswegs so großzügig wie es den Anschein hat, sondern beruht auf politischem Kalkül. Der Kaiser will mit der Verlegung der Schack-Galerie nach Berlin das seit der Reichsgründung angespannte Verhältnis zwischen Preußen und Bayern nicht noch mehr belasten.

Selbstverständlich ist jedoch, dass vor der Galerie in der Brienner Straße - und später an der Prinzregentenstraße - das kaiserliche Hoheitszeichen - der Reichsadler“- auf hohen Standarten aufgerichtet wird.

15. April 1900
Kaiserwitwe Cixi und die „Boxer“ als Verbündete gegen die Ausländer

Shandong - China * Die „Boxer“ werden offiziell verboten. Da sich jedoch reguläre kaiserliche Truppen mit ihnen verbünden, lässt sich das Verbot nicht durchsetzen. Nun ändert die Kaiserinwitwe Cixi und ein Teil der hohen Beamtenschaft erneut ihre Meinung und beginnen, in den „Boxern“ Verbündete gegen die Ausländer zu sehen. 

18. September 1909
Kaiser Wilhelm II. eröffnet die Schack-Galerie

München-Lehel * Der Deutsche Kaiser und König von Preußen, Wilhelm II., eröffnet die Schack-Galerie an der Prinzregentenstraße 9. Die Münchner Neuesten Nachrichten schreiben: „Als Kunstfreund und Mäcen ist der Kaiser bei uns erschienen, nachdem er erst als oberster Kriegsherr, umgeben vom Glanz seines militärischen Gefolges, die friedlichen Schlachtfelder im Frankenland verlassen“.

Im Giebelfeld des neuen Kultur-Tempels, das von massigen Säulen getragen wird, befindet sich der preußische Adler und die Inschrift: „Kaiser Wilhelm II. der Stadt Muenchen zur Mehrung ihres Ruhmes und grossen Kuenstlern zum Gedaechtnis“. In diesem Sinne ist auch die kaiserliche Eröffnungsrede gehalten, in der er die wohlgesetzten Worte spricht: „Ich weiß mich eins mit der vaterländischen Gesinnung des Münchner Bürgertums, auf welches ganz Deutschland, von der Meeresküste bis zu den bayerischen Bergen, ein Recht hat, stolz zu sein.“ 

31. Juli 1914
Kaiser Wilhelm II. verhängt den Kriegszustand - außer in Bayern

Berlin - München * Mit der kaiserlichen Verhängung des Kriegszustands verändern sich auch die Rahmenbedingungen für Bayerns Eigenständigkeit grundlegend. Die bisher auf den bayerischen König vereidigte Armee wird damit nämlich dem Deutschen Kaiser unterstellt. Doch ist dazu zuvor eine offizielle Feststellung des Kriegszustandes von Seiten des bayerischen Königs notwendig. 

24. Oktober 1918
Heeresbefehl zur Entscheidungsschlacht gegen England

Spa * Die Operationsplaner der Marine haben ihr Konzept für den Beitrag der Seestreitkräfte zum Endsieg fertiggestellt. Admiral Reinhard Scheer erteilt - trotz der von der Reichsregierung befohlenen Einstellung des U-Boot-Krieges - der Hochseeflotte den Befehl, gegen die Kanalküste und die Themsemündung vorzustoßen und die Entscheidungsschlacht gegen Großbritannien zu suchen. Die Seekriegsleitung - SKL zieht eine „ehrenvolle Niederlage“ einer drohenden Übergabe der Flotte uneingeschränkt vor. Es geht wieder einmal um die „Ehre der kaiserlichen Flotte“. 

28. November 1918
Kaiser Wilhelm II. dankt ab

Amirong * Kaiser Wilhelm II. unterzeichnet seine Abdankungsurkunde.

„Ich verzichte hierdurch für alle Zukunft auf die Rechte an der Krone Preußens und die damit verbundenen Rechte an der deutschen Kaiserkrone. Zugleich entbinde ich alle Beamten des Deutschen Reiches und Preußens, sowie alle Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften  der Marine, des preußischen Heeres und der Truppen der Bundeskontingente des Treueeides, den sie mir als ihrem Kaiser, König und obersten Befehlshaber geleistet haben.

Ich erwarte von ihnen, dass sie bis zur Neuordnung des Deutschen Reiches den Inhabern der tatsächlichen Gewalt in Deutschland helfen, das deutsche Volk gegen die drohenden Gefahren der Anarchie, der Hungersnot und der Fremdherrschaft zu schützen.
Urkundlich unter unser höchst eigenhändigen Unterschrift und beigedrücktem kaiserlichen Insiegel.
Gegeben Amirong, den 28. November 1918. gez. Wilhelm“
 

Suchbegriffe: Revolution, Abdankung
17. April 1919
Der Vollzugsrat macht Ernst Toller Vorwürfe

München * Der Vollzugsrat wirft Ernst Toller vor, dass er die Verteidigungslinie bei Dachau allzu leichtfertig preisgegeben habe. Das wird mit Verrat gleichgesetzt.

Im Protokoll des Vollzugsrats steht: „Dieses Vorgehen ist unerhört, man müsse denken, man stehe im Krieg, da dürfe ein Genosse nicht auf eigene Faust handeln. Wenn Toller das in der kaiserlichen Armee getan hätte, wäre er wegen Hochverrat vor das Kriegsgericht gestellt worden“.